Archiv für 6 vor 9

Ansbach, Musikantenstadl, Neininger

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. „Zuspruch für ein weinendes Mädchen“
(sueddeutsche.de, U. Ritzer)
Die Medienjagd nach dem Amoklauf von Ansbach: „In bei Jugendlichen beliebten Chatrooms und Foren wanzten sich Boulevardreporter mit falschen Namen und als angeblich gleichaltrige Schülerreporter an Carolinum-Gymnasiasten an, erzählen Helene Hellmuth und Rahel Herzog. Aus geschützten Forenbereichen seien Bilder von Sandra und Georg R. herauskopiert und veröffentlicht worden.“

2. „Musikantenstadl – ARD bricht ab“
(youtube.com, Video, 1:59 Minuten)
Die ARD-Sendung „Musikantenstadl“ kündigt zum Schluß der Sendung eine „Sensation“ an: Neun (9!) durch den Saal ziehende Blaskapellen. Die Übertragung wird aber (offenbar aus Zeitgründen) bereits nach zwei Blaskapellen abgebrochen. Einige Zuschauer guckten sich den Rest der Eurovisionssendung auf ORF2 an.

3. „Unser täglich Bernd gib uns heute“
(print-würgt.de, Michalis Pantelouris)
Michalis Pantelouris macht sich Gedanken zum Marktplatz Internet: „Journalisten sind dafür da, die Informationen der Welt unters Volk zu bringen. Genau: zu bringen. Dahin, wo das Volk ist. Man muss das nicht dumm tun, man darf es auch intellektuell tun, so wie man auf einem Markt eben jedes Angebot machen darf. Aber hier. Nicht vom Turm aus.“

4. „Unterwegs als digitaler Nomade – ein Selbstversuch“
(blog.persoenlich.com, Norbert Neininger)
Noch vor einem Jahr behauptete Norbert Neininger, Präsidiumsmitglied des Verbandes Schweizer Presse: „Was Google macht, ist illegal.“ Doch dann wollte er es genauer wissen: „In unserer Branche aber reden die Leute über Twitter, Facebook und die Blogs, ohne zu wissen, was ein Retweet, eine Facebook-Gruppe oder ein Blog-Feed ist. Und so habe ich mich – zum Entsetzen meiner Tochter und vom milden Lächeln ernsthafter Kollegen begleitet – ins volle Social- Media-Leben im Netz gestürzt und bin so manchem begegnet, den ich dort eigentlich nicht erwartet hätte.“

5. „Eine neue Form und neuer Inhalt“
(nzz.ch, Dossier)
Die „Neue Zürcher Zeitung“ erscheint heute in erneuerter Form: „Bis auf einige wenige gestalterische und inhaltliche Anpassungen ist es die erste umfassende Überarbeitung der Zeitung seit der Umstellung von der Fraktur- auf die Antiqua-Schrift 1946.“

6. „Verdacht auf Internet“
(stefan-niggemeier.de, Herm)
Markus Herrmann zeichnet ausführlich den Verlauf einer Folge der RTL-Doku-Soap „Verdachtsfälle“ nach.

Holovaty, Bomben, Liberia

6 vor 9

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1. Interview mit Adrian Holovaty
(faz.net, Marco Dettweiler)
Journalist Adrian Holovaty ist dafür, dass Journalisten programmieren können: „Im Journalismus sollte Programmieren eine Teildisziplin sein wie Fotografieren, Schreiben, Redigieren, Layouten oder Video produzieren. Webentwickler und -programmierer können neue Präsentationsformen von Informationen wie etwa interaktive Datenbanken schaffen.“

2. „Medienexperten kritisieren Form des TV-Duells“
(epd.de)
Der evangelische Pressedienst fasst nochmals die Reaktionen zum TV-Duell zwischen den Kanzlerkandidaten zusammen und konstatiert, dass die 14.21 Millionen dem Duell beiwohnenden Menschen „knapp sieben Millionen weniger als beim TV-Duell vor vier Jahren“ waren.

3. „Die Presse pfuscht!“
(derbund.ch, Constantin Seibt)
Constantin Seibt zitiert ein „jüngeres Verlagskader“ am Jahreskongress des Verbandes Schweizer Presse, an dem Bunderat Ueli Maurer den Medien „Unfug, Einheitsbrei und Prostitution“ vorwarf (Rede auf admin.ch): „Die einzige Chance der Schweizer Presse auf Erneuerung wäre hier im Saal eine Bombe. Wenn wir alle zusammen weg wären, dann ginge wirklich eine Welle von Innovation durch die Schweizer Medienhäuser.“

4. Boulevard-Zeitungen zum Oktoberfest-Auftakt
(jbenno.posterous.com)
Der Start der Wiesn in München wird von den Boulevardzeitungen „tz“ und „Abendzeitung“ sehr unterschiedlich beurteilt.

5. „Profitipps zu allen Sujets“
(zeitlupenbaer.de)
Verschiedene Tipps, wie Journalisten besser fotografieren.

6. „Daily Talk“ in Liberia
(monocle.com, Video, 4:25 Minuten, englisch)
Von der Zeitung „Daily Talk“ aus Liberia erscheint jeden Tag nur ein Exemplar – trotzdem erreicht dieses Tausende. Wie das? Die Texte werden auf eine grosse Schiefertafel geschrieben.

Darmstädter Echo, Diekmann, Maurer

6 vor 9

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1. „Der Journalismus des Darmstädter Echo“
(regioblog.de, Peter Löwenstein)
Ein Pressebeauftragter für die Piratenpartei schickt dem „Darmstädter Echo“ eine Einladung zu einer Gründungsveranstaltung und erhält als Antwort einen Anruf, in dem er gebeten wird, „selbst produziertes Material“ zu liefern, also „ein paar Textbausteine, die Abstimmungsergebnisse und auch ein paar Bilder“, da das Blatt offenbar keinen Reporter schicken will. Löwenstein sagt ab und bloggt lieber darüber.

2. „Spießer in den Cyberspace“
(tagesspiegel.de, Markus Hesselmann)
Der Online-Chef des „Tagesspiegels“ plädiert dafür, das Netz nicht den „Experten und Alpha-Bloggern“ zu überlassen. „Die Debatte über das Internet muss raus aus dem digitalen Ghetto. Rein in die Mitte der bürgerlichen Gesellschaft.“

3. „Schleichwerbefall beim SWR“
(kress.de)
Die Sportsendung „Flutlicht“ berichtet am 30. August laut „Spiegel“ von einem unter anderen von Haribo gesponserten Golf-Benefizturnier: „Der knapp zehnminütige Beitrag soll dabei wie ein Werbefilm dahergekommen sein: Das Goldbären-Maskottchen spielte Golf, es wurden Fußballspiele mit Gummibärchen nachgespielt, das Logo sei häufig im Hintergrund zu sehen gewesen.“

4. Kai Diekmann bei der „taz“
(30jahre.taz.de, Sebastian Heiser)
„Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann besucht als eines von 8826 Mitgliedern die Mitgliederversammlung der taz-Genossenschaft. Im roten Kapuzenpulli plädiert er für eine Bezahlung von Inhalten: “Ich halte es für richtig, für guten Journalismus auch gutes Geld zu verlangen.”

5. „Des Kaisers Kleider und der Kurtisanen Kostüme“
(news.admin.ch, Ueli Maurer)
Der Schweizer Verteidigungsminister Ueli Maurer hält am Jahreskongress des Verbandes Schweizer Presse eine gepfefferte Rede: „Viele Medien nehmen den Informationsauftrag nicht ernst. So legen sie den Boden schlecht: Pfusch ist da an der Tagesordnung. Schnellschüsse und Kurzschlüsse, Sofort-Umfragen, Sofort-Erklärungen, Sofort-Geschichten füllen die online-Zeitungen, die Tageszeitungen, die Radio- und Fernsehprogramme. Aus dem Internet gegoogelt und schrill umformuliert, werden aus Nichts Schlagzeilen und aus Wenig Texte.“

6. „Schweinegrippenjournalismus“
(youtube.com, Video, 4:34 Minuten)
Ein Ausschnitt aus der letzten Sendung von „Harald Schmidt“ zeigt, wie sich Jan Böhmermann als Rüdiger Alt in die Nachrichten der Pro7/Sat.1-Gruppe und in einen Leitartikel der „WAZ“ schmuggelte.

HRE, Köppel, Spreng

6 vor 9

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1. „ProSiebenSat.1 fällt auf Harald Schmidt-Fake rein“
(meedia.de)
Jan Böhmermann spielte für die Sendung „Harald Schmidt“ einen „angeblich an Schweinegrippe Erkrankten“: „Mit Mundschutz und hustend antwortete er auf die Reporterfragen und kam mit der Story, in seiner Siedlung wegen der Krankheit isoliert und geächtet zu sein, in sämtliche Nachrichten der ProSiebenSat.1-Gruppe.“

2. „Wo die HRE-Aufklärung stecken blieb“
(carta.info, Steffen Rutter)
„Die Medien haben über den HRE-Ausschuss nicht immer überzeugend unabhängig und teilweise inhaltlich falsch berichtet.“

3. „Auf der Suche nach der Leidenschaft“
(medienspiegel.ch, Nick Lüthi)
Nick Lüthi, Chefredakteur des Medienmagazins „Klartext“, sucht die Kreativität in den Newsrooms: „Wer Journalismus mit Leidenschaft ausübt, sucht und findet seine Plattformen fernab der industriell bewirtschafteten Kanäle. Zwar lässt sich dort nicht das grosse Geld machen, dafür existieren aber Freiheiten, die die renditeoptimierte Newsroomkultur den Medienschaffenden nicht gewährt.“

4. „Köppel? ‚Keine gute Idee'“
(tagesanzeiger.ch, Verena Vonarburg)
„Weltwoche“-Chefredakteur Roger Köppel wird vom Schweizer Fernsehen aus einer politischen Diskussionssendung wieder ausgeladen, weil der Generalsekretär der FDP andeutet, dass der frischgewählte Bundesrat Didier Burkhalter der Sendung fernbleibt, wenn auch Köppel dabei ist. Redaktionsleiterin Marianne Gilgen: „Wenn ich an diesem Tag die Wahl habe zwischen dem neu gewählten Bundesrat und Herrn Köppel, dann fällt meine Wahl halt auf den Bundesrat.“

5. „Über Umfragen“
(filmjournalisten.de, Julian)
Filmjournalist Julian Reischl beantwortet eine Umfrage des Bayerischen Journalisten-Verbands BJV über Mitarbeiterhonorare.

6. Interview mit Michael Spreng
(swr.de, Wolfgang Heim, Audio)
Politikblogger Michael Spreng zur bevorstehenden Bundestagswahl. Thema ist auch der Kosename von Edmund Stoibers Frau. Um das Gespräch zu hören: Oben rechts klicken.

Spillmann, Voß, Lobo

6 vor 9

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1. Interview mit Markus Spillmann
(persoenlich.com, Adrian Schräder und Christian Lüscher)
Die „Neue Zürcher Zeitung“ wird am 23. September einem Relaunch unterzogen. Chefredakteur Markus Spillmann: „Wir leben nicht mehr in den Neunziger Jahren. Die fetten Jahre sind vorbei! Diese Botschaft ist unterdessen hoffentlich überall angekommen.“

2. „PR-Schule – Journalisten als Aushängeschilder“
(ndr.de, Video, 8:22 Minuten)
Der ehemalige Intendant des SWR, Peter Voß, gibt sich auf der Homepage der Quadriga Hochschule Berlin als Botschafter der PR-Ausbildungsstätte und ist dort auch im Präsidium. Die medienkritische Sendung Zapp dazu: „Eine Verbindung, die sich eigentlich verbietet.“

3. „ZDF sagt ‚Berliner Runde‘ ab“
(zeit.de)
Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier reicht das „TV-Duell“ letzten Sonntag. Sie verweigern dem ZDF eine Teilnahme an einer „Berliner Runde“ – worauf das ZDF die Sendung streicht. Chefredakteur Nikolaus Brender: „Die Verweigerung von Kanzlerin und Kanzlerkandidat beschädigt die demokratische Kultur.“

4. Interview mit Ai Weiwei
(sueddeutsche.de, H. Bork)
Der bekannte chinesische Künstler Ai Weiwei liegt in Deutschland im Krankenhaus. Ein chinesischer Polizist schlug ihm hart ins Gesicht, „auf den rechten Wangenknochen“. Seinen aktuellen Zustand dokumentiert er auf twitter.com/aiww: „Vor drei Jahren hatte ich einen Blog, aber der wurde ein halbes Jahr lang vom Netz genommen. Da begann ich, Twitter zu nutzen.“

5. „7 Ways to Make News Sites More Social“
(mashable.com, Vadim Lavrusik, englisch)
7 Wege, News-Websites mit mehr sozialen Funktionen auszustatten.

6. Gespräch zwischen Tiedje, Schumacher und Lobo
(n24.de, Video, 28:52 Minuten)
Hajo Schumacher und Ex-„Bild“-Chefredakteur Hans-Hermann Tiedje sprechen mit Werber Sascha Lobo über das Internet. Ein unterhaltsames Gespräch, in dem Lobo für eigentlich alles, was im Internet passiert, verantwortlich gemacht zu werden scheint.

Schächter, Kuba, Asse

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1. Interview mit Markus Schächter
(falter.at, Ingrid Brodnig)
Auf die Frage „Gehört das Internet überhaupt noch zum Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks?“ antwortet der ZDF-Intendant Markus Schächter: „Selbstverständlich. Sowohl die EU wie auch das Bundesverfassungsgericht haben eindeutig bestätigt, dass unser Programmauftrag technologieneutral ist. Das schließt den Onlinebereich ein.“ Wären bei einem technologieneutralen Programmauftrag nicht auch öffentlich-rechtliche Zeitungen denkbar?

2. „Brauchen Bundesratswahlen Wahlkämpfe?“
(politreport.ch, Andreas Hugi)
Heute wird in der Schweiz einer von sieben Bundesräten (vergleichbar mit Ministern) durch das Parlament gewählt: „Ein Einfluss der Medien auf die Vergabe der Bundesratssitze wächst stetig.“

3. „Sieben Kontroversen zur Zukunft des Journalismus“
(zeit.de, Tina Klopp)
Tina Klopp stellt mehrere Finanzierungsmöglichkeiten von Journalismus im Netz gegeneinander auf.

4. „Kubanische Blogger“
(sueddeutsche.de, Julia Woehrle)
Blogger in Kuba kämpfen gegen staatliche Überwachung und mit schlechten und teuren Internetzugängen: „Die Hoffnung auf Wandel ist klein, aber es gibt sie. Einige Blogger verweisen darauf, dass private Internetanschlüsse in Kuba nicht mehr illegal seien. Auch wenn die monatlichen Kosten von circa 45 Euro – bei einem Monatslohn von knapp 12 Euro – ohne Auslandshilfe unbezahlbar sind.“

5. Interview mit Uwe Kammann
(dradio.de, Petra Ensminger)
Der Direktor des Adolf-Grimme-Instituts zum TV-Duell: „Vier Moderatoren und zwei Kandidaten, das ist viel zu viel und die vier hatten dazu noch das Problem mit sich selber. Es ist eine Art von Markt-Schaulaufen, wer ist denn der beste, der witzigste, der frechste, und das hat den Rhythmus und die Erkenntnis, die man daraus ziehen konnte, bei den Fragen und Antworten dann sehr stark gemindert.“

6. „Das Lügengrab“
(zeit.de, Roland Kirbach)
„Schon bald könnte der niedersächsische Salzstock Asse einstürzen und Atommüll aus 126.000 Fässern freisetzen. Über Jahrzehnte haben alle, die Energiewirtschaft, die Politik und die Wissenschaft, die Öffentlichkeit getäuscht.“

TV-Duelle, Kamera-Kriege, Krisen-Thesen

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1. „TV-Duell: Eine journalistische Katastrophe „
(blog.zeit.de, Jörg Lau)
Jörg Lau ist mit den Moderatoren des TV-Duells zwischen Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier nicht zufrieden: „Statt die Kontrahenten zu den Inhalten zu befragen, wurde sofort auf die Metaebene ausgewichen: Sind Sie nicht ein altes Ehepaar? Wann wird der Wahlkampf endlich unterhaltend? (Als ginge es darum!) Wollen Sie nicht in Wahrheit eine zweite Große Koalition gründen? (Als wäre das nicht dem Wähler vorbehalten.)“

2. „Haben Sie doch Interesse!“
(faz.net, Jürgen Kaube)
Jürgen Kaube bemerkt: „Maybrit Illner und Frank Plasberg unterbrachen die Kandidaten mitunter nachgerade, als hätten die Moderatoren sich nicht nur die Fragen, sondern auch gleich noch die richtigen Reaktionen notiert und stellten nun unwirsch fest, dass das Personal falsch antworte.“

3. „Der TV-Journalismus hat verloren“
(carta.info, Robin Meyer-Lucht)
Und auch Robin Meyer-Lucht sieht den Journalismus als Verlierer des Abends: „Das ‚Duell‘ war nicht die Feier einer Fernsehkultur, wie es sich die Veranstalter erhofft hatten. Es war der Bankrott eines TV-Journalismus, der sich in den letzten Jahren zum dominanten Paradigma der Bewegtbild-Politikvermittlung hochgedient hat.“

4. „Der Krieg der Kameras“
(blogs.sueddeutsche.de/schaltzentrale, Johannes Boie)
Johannes Boie kritisiert die Veröffentlichung eines nicht-anonymisierten Videos (das kurzzeitig auch bei ihm zu sehen war, wie er in den Kommentaren zugibt): „Auf den Videos, die vor allem von Datenschutzaktivisten verbreitet werden, ist zum Beispiel keine Person anonymisiert. So sehr man den Polizisten beim Anblick der Schläge auch eine harte Bestrafung wünscht, hätte es nicht gereicht, den Ermittlungsbehörden die Gesichter des Polizisten zu zeigen?“

5. 5 Krisen-Thesen
(dirkvongehlen.de)
Dirk von Gehlen liefert fünf ausführliche Thesen zur Zeitungskrise: „1. Der Leser wird zum Nutzer, 2. Zeitungen sind viel mehr als bloße Mittler zwischen Anzeigenkunden und Lesern, 3. Erfolgreiche Zeitungen verkaufen nicht nur Nachrichten, 4. Es geht um Zugang, nicht um Content“ und „5. Der aktive Rezipient wird zum (zahlenden) Mitglied.“

6. „Eleven Things I’d Do If I Ran a News Organization“
(mediactive.com, Dan Gillmor)
Und Dan Gillmor zählt 11 Dinge auf, die er tun würde, wenn er ein Nachrichtenunternehmen führen würde.

CNN, AFP, Stuckrad-Barre

6 vor 9

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1. „Falscher Alarm in Washington“
(nzz.ch, Gerd Brüggemann)
Am Gedenktag für den 11. September 2001 hält der TV-Sender CNN eine mehrmals wöchentlich stattfindende Übung der Küstenwache für einen Terrorangriff.

2. Staat bald einziger Aktionär der AFP?
(diepresse.com, Rudolf Balmer)
Die drittgrößte Presseagentur der Welt, die Agence France Presse, „soll im kommenden Jahr in eine Aktiengesellschaft nur mit staatlichen Teilhabern umgewandelt werden“. Das schlägt AFP-Chef Pierre Louette der Regierung vor.

3. Interview mit Mark Danner
(training.dw-world.de, Steffen Leidel)
US-Journalist Mark Danner veröffentlichte einen „streng geheimen Bericht des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (ICRC) über Folter in Guantanamo“. In einem Gespräch dazu erklärt er, warum er das gemacht hat: „Wenn Sie als Journalist arbeiten, dann ist es ihr Job, Dinge öffentlich zu machen und nicht, sie geheim zu halten. Etwas, das das öffentliche Interesse in offensichtlicher Weise berührt, muss öffentlich gemacht werden. Eine Regierung kann ein Interesse an Geheimhaltung haben, aber nicht ein Journalist.“

4. „Journalisten im Netz“
(fr-online.de, Daniel Bouhs)
Wie Journalisten mit den Informationen aus dem riesigen Brunnen Web 2.0 umgehen: „Sie können aus dem nicht enden wollenden Material schöpfen. Manche bejubeln das. Altgediente aber verteufeln die neuen Medien oft noch immer.“

5. Porträt von Benjamin von Stuckrad-Barre
(cicero.de, Christine Eichel)
Lesenswertes Porträt von Benjamin von Stuckrad-Barre, Schriftsteller und Journalist bei „Welt“ und „B.Z.“: „Ich halte nichts von ironischer Distanz, wenn ich über Politiker schreibe. Mir tun sie wirklich leid. Aller Spott, der gratis ist, wäre zu einfach. Sie haben meinen größten Respekt. Auch wenn sie die Sprache oft übel zurichten.“

6. US-Präsident beklagt den gegenwärtigen Zustand des Journalismus
(cbsnews.com, Brian Montopoli, englisch)
Barack Obama: „‚What happened today?‘ is replaced with ‚Who won today?‘ The public debate cheapens. The public trust falters. We fail to understand our world or one another as well as we should – and that has real consequences in our own lives and in the life of our nation.“

Riepl, Ronaldo, Teenie-Blogger

6 vor 9

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1. „Die Rieplsche Fata Morgana“
(handelsblatt6.blogg.de, Thomas Knüwer)
Thomas Knüwer analysiert die Liebe vieler Medienmenschen zum „Rieplschen Gesetz“ und meint: „Wenn Herr Riepls Dissertation der Rettungsring der Medienhäuser ist, dann ist die Empfehlung, einen Schwimmkurs zu belegen, nicht die schlechteste.“

2. „Warum Kassieren online so schwierig ist“
(spiegel.de, Christian Stöcker)
„Google hat US-Zeitungsverlegern ein System vorgeschlagen, mit dem man für Journalismus im Internet Geld einziehen könnte. Solche Systeme gibt es längst, durchgesetzt haben sie sich aber nie. Reicht die Macht der Suchmaschinisten, auch das Bezahlen im Netz zu revolutionieren?“

3. „Die kommende Blogger-Elite“
(freitag.de, John Crace)
John Crace vom „Guardian“ porträtiert Teenie-Blogger (hier im Original).

4. „Mutprobe Nr. 6: Zu Besuch in der Redaktion“
(sz-magazin.sueddeutsche.de, Axel Hacke)
Axel Hacke zieht eine verwegene Mutprobe durch – er besucht die Redaktion der „Süddeutschen Zeitung“.

5. „Der öffentliche Babybauch“
(zeit.de, Ursula März)
In der Rubrik „Gesellschaftskritik“ stellt Ursula März prominente Schwangere in Frage, die „ihr wachsendes Bäuchlein in allen Stadien in die Kameras halten“. Denn: „Was sagt eigentlich das Kind zu einem solchen Foto?“

6. ZDF blendet Ronaldo statt Cristiano Ronaldo ein
(youtube.com, Video, 2:32 Minuten)
Fußball: Das ZDF illustriert einen Bericht über Cristiano Ronaldo mit Ronaldo.

Weser Kurier, Tempo, Mohren

6 vor 9

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1. „Warum die ‚Hamburger Erklärung‘ am Thema vorbeigeht“
(thereachgroup.de)
Die Unternehmensberatung Reach Group GmbH hat „die Ergebnisse mehrerer Millionen Google-Suchanfragen analysiert“ und fand heraus: „Nur gut fünf Prozent der Top-10-Ergebnisse gehören zu den Verlags-Angeboten. Anders formuliert: 95 % aller deutschen Suchabfragen beinhalten auch jetzt schon keine Ergebnisse von Verlagsseiten auf Seite eins. Die wirtschaftliche Bedeutung der Verlagsinhalte für Google scheint also sehr gering.“

2. „Schmiergelder im MDR“
(taz.de, Daniel Bouhs)
Vor dem Leipziger Landgericht beginnt heute der Prozess gegen den früheren MDR-Sportchef Wilfried Mohren: „Insgesamt geht es um 350.000 Euro, die Mohren eingesackt haben soll, indem er vor allem Belangloses gegen Geld in die Teile des MDR-Programms hob, für die er als Leiter der Sportredaktion zuständig war – bis er nach Bekanntwerden seiner Aktionen 2005 erst suspendiert und dann entlassen wurde.“

3. „Tom Kummer“
(kurtschrage.de)
Kurt Schrage liest „Blow up“, das Buch von Tom Kummer, ein Journalist, der vor rund 10 Jahren fiktive Interviews als echt verkaufte. Und Schrage erzählt aus alten Zeiten beim Magazin „Tempo“: „Ich sollte die Mülltüten von Heino abgreifen und nach Hamburg schicken, damit sie im feinsten Studiolicht eines gerade angesagten Hamburger Fotografen abgelichtet werden können. Negativ. Ich weigerte mich den Auftrag anzunehmen.“

4. „Leitfaden für Streit mit Bloggern“
(grenzpfosten.de)
6 Tipps für Unternehmen, die Blogger kontaktieren wollen, die über sie schreiben: Nicht den Anwalt anrufen, eine Nacht drüber schlafen, erstmal mehr über den Blogger rausfinden, nachdenken, dann reden, am Schluss wieder über einen Anwalt nachdenken.

5. „Teure Illustration beim ‚Weserkurier'“
(ndr.de, Video, 5:43 Minuten)
Ein Illustrator erstellt für den ‚Weser Kurier‘ ein Werk und erhält dafür 30 Euro. Danach soll er für gestellte Schadenersatzforderungen in der Höhe von 10’000 Euro aufkommen. Bei der Vorlage handelte es sich um ein Partyfoto aus dem Internet. Man einigt sich „salomonisch“.

6. „The Story Behind the Story“
(theatlantic.com, Mark Bowden, englisch)
Eine Fallstudie unseres post-journalistischen Zeitalters.

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