Archiv für 6 vor 9

Presserabatte, Münkler, Zimmermann

1. „Ist der Journalismus am Ende?“

(carta.info, Robert G. Picard)

Robert G. Picard mit einem aus seinem Blog „The Media Business“ übersetzten Beitrag: „Journalismus ist kein Geschäftsmodell, keine Arbeitsstelle, kein Unternehmen, keine Branche, keine Medienart und kein Distributionssystem. Im Kern ist Journalismus eine Aktivität.“

2. „Herfried Münkler kämpft gegen das Internet“

(netzpolitik.org, markus)

Markus Beckedahl analysiert auf eine Kolumne des in Berlin lehrenden Politikprofessors Herfried Münkler in der Frankfurter Rundschau: „Hilfe. Sowas drucken Qualitätsmedien im Jahre 2009! Und da wundern sich Verlage, dass junge und gebildete Menschen sich keine Zeitungen mehr kaufen?“

3. „Presserabatte: Wie Journalisten um Prozente feilschen“

(ndr.de, Video, 11:25 Minuten)

„Ein günstiger Flug, ein ermäßigtes Auto, ein Computerschnäppchen – als Journalist zahlt man meist weniger als andere. Ohne großen Aufwand. Ganz einfach, weil sich Unternehmen positive Berichte erhoffen.“

4. Interview mit Albert P. Stäheli

(handelszeitung.ch, Gret Heer)

Der CEO der NZZ-Gruppe hat Sparmassnahmen eingeleitet, dennoch schreibt das Unternehmen Verluste. Er denkt nun über Einnahmen aus dem Internet nach. Die allgemeinen News sollen kostenlos bleiben: „Bei Finanzdienstleistungen, spezifischen Wirtschaftsthemen und Kommentaren von exzellenten Autoren ist eine Veränderung aber denkbar.“

5. Interview mit Russell Crowe

(morgenpost.de, Rüdiger Sturm)

Schauspieler Russell Crowe wäre gerne Journalist geworden. Allerdings: „Die Medien sind völlig zynisch geworden. Da nimmt man ein Stück Nichtigkeit und bläst es so auf, dass es in den freien Platz neben der Anzeige auf Seite fünf passt. Und die Generation, die damit aufwuchs, kann schon nicht mehr Unsinn von Wahrheit unterscheiden. Ich bin noch in einer Zeit groß geworden, wo bestimmte Zeitungen als unerschütterliche Vermittler von Fakten galten, aber das hat sich leider geändert.“

6. „Leiser Ruf nach dem Staat“

(weltwoche.ch, Kurt W. Zimmermann)

Kurt W. Zimmermann versucht das Kunststück, sich für „indirekte Beihilfen“ des Staats an die etablierten Verlage auszusprechen und gleichzeitig dem Leser zu vermitteln, dass er eigentlich eine gegenteilige Haltung hat: „Wir haben an dieser Stelle immer liberale Positionen vertreten. Wir sind gewiss keine Etatisten. Aber wir wissen, dass die Medien vor wüsten Zeiten stehen. Sie brauchen Unterstützung vom Staat.“

Twittersuche, Augstein, Medienkaffee

1. „Das Internet rettet die ARD“

(axel-springer-akademie.de, Thomas Wanhoff)

Thomas Wanhoff fragt sich, warum die ordentlich akkreditierten Journalisten in Teheran bei YouTube klauen: „Was ich nicht verstehe ist, warum die ARD nicht einen eigenen Mann mit Handy oder Minicam auf die Strasse schickt – vielleicht nicht gerade einen Ausländer, sondern einen Iraner. Der kann heimlich filmen und die ARD hat die Bildrechte.“

2. Interview mit Jakob Augstein

(planet-interview.de, Jakob Buhre und Felix Kubach)

Jakob Augstein, Verleger des Freitag, grenzt sich politisch ab: „Also, die Typen, die im Ernst finden, dass der Kapitalismus morgen abgeschafft werden muss, notfalls mit Gewalt, die werden wir verlieren. Weil sie irgendwann merken werden, dass diese Zeitung kein Rote Front-Kämpferverein ist, sondern wir uns hier auch mit Quittenlimonade von Bionade beschäftigen. Die Leute gehen dann wahrscheinlich zur ‚Roten Fahne‘ zurück und das ist ehrlich gesagt auch gut so.“

3. Media Coffee in München

(youtube.com, Video, 5:31 Minuten)

Hans Werner Kilz, Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung, glaubt weiterhin an Papier: „Also wenn die Zeitungen mal gestorben sind, dann wird der erfolgreichste Unternehmer der sein, der sie sofort wiedererfindet. Das Medium ist gar nicht tot zu kriegen – weil es so praktisch ist.“

4. „Medienpolitisches Manifest“

(schweizerpresse.ch, PDF-Datei)

Der Schweizer Verlegerverband hat ein Manifest geschrieben, in dem medienpolitische Massnahmen gefordert werden. Darunter die Befreiung der Mehrwertsteuer, Steuerabzug für Zeitungs- und Zeitschriftenabos, Vertriebsförderung, Werbefreiheit, Urheberrechtsschutz und Schutz vor staatlicher Konkurrenz, inkl. einer Eingrenzung der Aktivitäten der SRG.

5. „Twitter Search in Plain English“

(youtube.com, Video, 3:37 Minuten)

Redakteur und keine Ahnung, wie man bei Twitter sucht? Dem kann abgeholfen werden mit einer kostenlosen und leicht verständlichen Anleitung.

6. „S’beschte wo’s je hets gits“

(nzz.ch, Daniel Gerny)

„Youtube-Video [youtube.com, Video, 8 Sekunden] wird zum Sprachkult auf Pausenplätzen“

Bankhofer, Becker, Stuckrad-Barre, taz

1. „Eine Liebeserklärung an die Zeitung“

(welt.de, Benjamin von Stuckrad-Barre)

Benjamin von Stuckrad-Barre analysiert in der Welt am Sonntag, wie alles ins Internet drängt. Die „schlecht getarnten Anbahnungsversuche“, mit denen Zeitungen ihre Leser ins Internet locken, hätten „auch immer etwas von Aufdenstrichgehen; man hört die Lockrufe von Peepshow-Türstehern: ‚Hereinspaziert – gucken kostet nix!'“.

2. „Der vorinstallierte Zensor“

(faz.net, Till Fähnders)

Alle in China produzierten sowie importierten Computer müssen ab dem 1. Juli das Filterprogramm „Grüner Damm“ installiert haben: „Offiziell soll die Software dem Kinderschutz dienen und Pornographie oder Gewaltdarstellungen, aber offenbar auch Inhalte zum Thema Homosexualität blockieren.“

3. „Die Melissen-Masche“

(sueddeutsche.de, Marcus Anhäuser)

„Der selbsternannte Medizin-Experte Hademar Bankhofer hat über Jahre verdeckt die Produkte der Klosterfrau-Gruppe angepriesen. Eine klare Verbrauchertäuschung, sagen Kritiker.“

4. „Die taz, Bascha Mika und die Propaganda der Systemmedien“

(mein-parteibuch.com)

Ein taz-Leser fragt sich, wie die taz ein kritisches Zeitungsprojekt bleiben könnte, wenn die Chefredakteurin schon am Morgen „Mainstream-Medien“ konsumiere: „Also im Klartext: taz-Chefredakteurin Bascha Mika zieht sich morgens eine volle Dröhnung verlogener Systempropaganda rein und geht dann in die taz, um für ‚eine kritische Öffentlichkeit‘ zu sorgen, wie es im Redaktionsstatut der taz heißt.“

5. „Boris Becker und Braut fallen bei den St. Moritzern durch“

(nzz.ch, Ruth Spitzenpfeil)

Die NZZ berichtet von „hässlichen Szenen“ anlässlich der Hochzeit von Boris Becker und Lilly Kerssenberg. Grund dafür ist der Exklusiv-Vertrag mit RTL: „Dutzende von Securitas-Wächtern verwehren mit Schirmen jeden Blick auf die Frischvermählten. ‚Schämt euch, schämt euch!‘, ertönt es im Chor. Doch das Mercedes-280SE-Cabrio aus den sechziger Jahren kommt nicht schnell genug weg mit dem Brautpaar. Die Fotografen stürzen sich darauf, werden brutal weggezerrt.“

6. „US-Blogger schielt auf blick.ch“

(blick.ch, mky)

Zitatehren mal andersrum. Blick Online sieht sich veranlasst, seinen Lesern mitzuteilen, dass der US-Blogger Perez Hilton einen Tweet abgesondert hat, in dem er blick.ch verlinkt.

Salesch, Jarvis, Kiewel, Gema

1. Interview mit Jeff Jarvis

(medialdigital.wordpress.com, Ulrike Langer)

Journalistikprofessor Jeff Jarvis ist dafür, dass „jeder Journalist in jeder Redaktion“ die neuen Recherche-Möglichkeiten, die das Internet bietet, beherrscht: „Dann verstehen Journalisten auch, warum die Welt solche Dinge benutzt. Der Grund ist: Weil es einfach ist.“

2. „Die Elite im Talk“

(faz.net, Jürgen Kaube)

Eine saubere Analyse des aktuellen Stands von Politikdebatten im deutschen Fernsehen: „(…) es handelt sich gar nicht um Journalismus. Der Aufklärungsaspekt ist nachrangig, nur ein Mittel. Es geht vielmehr um Auftritte, die verschafft werden, also um Werbung, um Personen, die vorgeführt werden sollen, also um Unterhaltung, und um die Selbstinszenierung eines Mediums, das beides nicht zugeben darf.“

3. „Wieso Andrea Kiewel wieder dick im Geschäft ist“

(welt.de, Antje Hildebrandt)

„Andrea Kiewel ist nach dem Schleichwerbe-Skandal um einen Diät-Anbieter wieder gut im Geschäft. Sie moderiert den ZDF-‚Fernsehgarten‘ und nun auf RTL ausgerechnet eine Sendung über Rechtsirrtümer. Wie es die geschasste Moderatorin schafft, ihren Fauxpas in einen PR-Coup zu verwandeln.“

4. „Urheberrecht: Das Ende der Wild-West-Manier“

(zeit.de, Daniel Bouhs)

Daniel Bouhs stellt Software vor, die „flächendeckend nach Plagiaten fahndet“. Der Diebstahl von Texten werde so erschwert – auf „Textdiebe“ komme eine „Welle von Abmahnungen und Rechnungen“ zu.

5. „Verlage planen Gema für Onlinetexte“

(ftd.de, Lutz Knappmann)

„Seit Jahren suchen Verlage nach Internet-Erlösmodellen jenseits der Werbung. Nun gibt es konkrete Ideen: Eine Art ‚Inkassobüro‘ soll Leistungsschutzrechte ähnlich wie bei Musik geltend machen. Auch eine ‚Kultur-Flatrate‘ als Zuschlag auf die DSL-Gebühr wird diskutiert.“

6. Gerichtsshows und ihre Auswirkungen auf die Realität

(faz.net, Melanie Amann)

Noch ein nachgereichter Artikel aus der FAS vom letzten Sonntag. Es stehen Zitate gegeneinander. Fernsehrichterin Barbara Salesch: „Wir vermitteln Justiz mit dem Mittel der Unterhaltung. Die ganze Sendung läuft nach deutschem Prozessrecht ab. Ich bin ja weiter Vorsitzende einer Strafkammer und habe einen Ruf zu verlieren.“ vs. Johannes Nüsse, Vorsitzender einer großen Strafkammer am Landgericht Dortmund: „In einer Folge gab es 26 Punkte, die anders liefen als in echten Verfahren“.

Call-In, Augstein, Weinjournalismus

1. „ProSiebenSat.1 setzt bei Call-In jetzt auf Minderjährige“

(dwdl.de, Thomas Lückerath)

„Was für eine peinliche Niederlage der Landesmedienanstalten. Mit deren Segen veranstaltet 9Live seit Montag offenbar aufgrund fehlender Werbespots jetzt auch im Tagesprogramm von ProSieben und kabel eins Call-In-Gewinnspiele in den Werbepausen. Auch Minderjährige dürfen teilnehmen. Bei 9Live heißt es, das sei ein einwöchtiger Test.“

2. Interview mit Jakob Augstein

(fr-online.de, Jakob Buhre und Felix Kubach)

Jakob Augstein, Verleger von Freitag und freitag.de, glaubt, dass „die deutsche Medienlandschaft heute von einer großen Einheitlichkeit geprägt ist. Die Medien haben sich sehr stark im Ton angeglichen, in der Themenwahl, auch in der Temperatur, wie sie ihren Lesern begegnen, was sie ihnen noch zumuten wollen und was lieber nicht mehr.“

3. „Quo vadis Weinjournalismus?“

(weinakademie-berlin.de, Michael W. Pleitgen)

„Die Symbiose von Anzeigen und originärem ‚Content‘ ist immer enger geworden. Bis hin zur Un-Unterscheidbarkeit. So gab es letzthin zu 128 Seiten von Deutschlands bestem Food-Magazin (Werbeanteil 35%) noch mal 100 Seiten Gourmetshop-Versandkatalog gratis. Und der Katalog segelt dann unter der Flagge des Magazins. Zeitschrift mit Beilage oder Beilage mit Zeitschrift? Irgendwann können es dann vielleicht die Versandhändler genausogut oder besser.“

4. „Kurras, Springer und die Stasi“

(sueddeutsche.de, Hans Leyendecker)

Hans Leyendecker merkt an, dass die je 50.000 Mark der Verleger Augstein und Bucerius nicht in die Kampagne „Enteignet Springer“ geflossen seien, sondern an das „Institut für Gegenöffentlichkeit“: „Für die Enteignet-Springer-Kampagne oder für das geplante Tribunal zahlten beide Verleger nach den vorliegenden Unterlagen keine Mark. Sie weigerten sich sogar, die Veranstaltung zu unterstützen. In einem dreiseitigen Brief hat Augstein den Bittsteller Schneider abfahren lassen.“

5. „Online-News, mal anders“

(axel-springer-akademie.de/blog, Markus Hofmann)

„Zweispaltiges Layout, Content links, Sidebar rechts – fast alle deutschen Nachrichtenseiten wählen die gleiche Architektur, um ihre Inhalte zu präsentieren. Dabei gibt es eine Reihe alternativer Ansätze, Online-News zu visualisieren.“

6. „Piraten mit Entertaste“

(blog.aphex3k.de, Michael Henke)

Michael Henke ärgert sich über einen Mini-Artikel in der Stuttgarter Zeitung: „Sie beweisen mit diesen 7 Sätzen ein hohes Maß Borniertheit und dass sie keine Ahnung in Bezug auf das Thema haben. Recherche scheint auch keine stattgefunden zu haben, stattdessen werden nachgeplapperte und aufgeschnappte Halbwahrheiten zu einem unhaltbaren Ganzen zusammengewürfelt.“

Prantl, Nerds, Resolutionen

1. „‚Das Internet‘ gibt es nicht“

(spiegel.de, Christian Stöcker)

„Es wird viel geschimpft auf ‚das Internet‘ in diesen Tagen. Es macht dumm, es ist der Feind des Geistes, es tut demokratisch, ist es aber nicht, behaupten seine Kritiker. Alles Quatsch, findet Christian Stöcker – ‚das Internet‘ existiert gar nicht.“

2. „Leidenschaft statt Larmoyanz, Haltung statt Beliebigkeit“

(sueddeutsche.de, Heribert Prantl)

Der anlässlich der Jahrestagung von Netzwerk Recherche gehaltene Vortrag von Heribert Prantl (pdf, 48kb) wurde in einen lesenswerten Text gegossen. Prantl hält Zeitungen wie FAZ, Spiegel, Zeit, Welt, Frankfurter Rundschau und die taz für „systemrelevant“. Dennoch spricht er sich ausdrücklich gegen Staatsfinanzierungen aus: „Keine Solidaritätsabgabe für die Presse, keine Staatsbürgschaft, kein Hilfspaket und keinen Notgroschen. Den Zeitungen fehlte es gerade noch, dass es bei ihnen zugeht wie beim ZDF (…).“

3. „Die korrigierte Resolution im Wortlaut“

(blogbar.de, Don Alphonso)

Schutz im Internet“ fordern die deutschen Verleger, unter anderem Axel Springer, Bauer, Gruner + Jahr, der Spiegel- und der Zeitverlag. Don Alphonso kommentiert die einzelnen Sätze der Resolution.

4. „10 Sätze zur Zukunft des Journalismus“

(agorazein.de)

„10 Sätze zur Zukunft des Journalismus, auf die ich beim Netzwerk-Recherche-Tag 09 vergebens gehofft habe.“

5. „Schlechte Quoten für das RTL-Special zur Becker-Hochzeit“

(meedia.de, Stefan Winterbauer)

„Die Hochzeitsvorbereitungen von Ex-Tennisspieler Boris Becker und seiner Verlobten Lilly Kerssenberg interessierten am Sonntag nur 1,29 Millionen 14- bis 49-jährige Zuschauer. (…) Der Fall Becker ist ein Lehrstück für Selbstvermarktung, die an ihre Grenzen stößt.“

6. „Can Computer Nerds Save Journalism?“

(time.com, Matt Villano)

„A cadre of newly minted media whiz kids, who mix high-tech savvy with hard-nosed reporting skills, are taking a closer look at ways in which 21st century code-crunching and old-fashioned reporting can not only coexist but also thrive.“

Springer, Autismus, Nachtkritik

1. Interview mit Mathias Döpfner

(faz.net, Claudius Seidl und Harald Staun)

Der Vorstandsvorsitzende des Springer-Verlags erklärt, dass der Begriff „Enteignet Springer“ „von einem Mitarbeiter der Stasi, Walter Barthel, erfunden und verbreitet wurde“: „Ich finde, es wäre an der Zeit, dass sich die uneinsichtigen Protagonisten der 68er-Bewegung mal bei unserem Haus entschuldigen. Ich glaube, dem Axel-Springer-Verlag ist Unrecht widerfahren in dieser Auseinandersetzung, die bis heute negativ auf unser Haus wirkt.“

2. „Geldbündel für ‚Enteignet Springer‘?“

(meedia.de, Georg Altrogge)

Schriftsteller Peter Schneider und Publizist Manfred Bissinger erzählen Details über die Geldübergaben deutscher Verleger an die Kampagne „Enteignet Springer“. Sowohl Rudolf Augstein als auch Gerd Bucerius sollen je 50000 DM gespendet haben.

3. Interview mit Nikolaus Merck

(tagesspiegel.de, Adrian Pickshaus)

Der Chefredakteur des Theaterkritik-Portals nachtkritik.de erzählt, was Kritiker im Internet erwartet: „Zunächst ist da natürlich die erschreckende Erfahrung, dass plötzlich jemand antwortet. (…) Damit haben vor allem diejenigen Probleme, die nie den Resonanzkörper einer Redaktion kennengelernt haben, vor dem sie spielen konnten. Die treffen dann auf das Kommentarwesen bei nachtkritik.de – und sind erst mal geschockt. Aber mit der Zeit bekommt man ein dickes Fell.“

4. „Schleichwerbung beim Schweizer Fernsehen“

(augenreiberei.ch)

Die Augenreiberei macht sich Gedanken über Schleichwerbung im Schweizer Fernsehen und bringt viele verschiedene Beispiele aufs Tapet.

5. „The Paper Chase“

(vanityfair.com, Graydon Carter)

Graydon Carter, Chefredakteur der Vanity Fair, fragt seine Leser, ob sie nicht etwas müde seien, in den Zeitungen so viel über den baldigen Untergang der Zeitung zu lesen: „It’s no wonder readership is down. Who has the patience to hear endless whining about someone else’s misfortune when your own fortunes are rickety?“

6. „Autismus bringt das Genie hervor“

(nzz.ch, Lena Stallmach)

„Eine Hemmung in der linken Hirnhemisphäre“ verbessere die Gedächtnisleistung, schreibt die NZZ. Im Beitrag eingebunden sind zwei Videos, in einem davon (youtube.com, Video, 5:18 Minuten) zeichnet der Autist Stephen Wiltshire nach einem Rundflug über Rom das Panorama der Stadt aus dem Gedächtnis originalgetreu nach.“

Enteignet Springer, Twitter, Lebrument

1. „Augstein finanzierte ‚Enteignet Springer'“

(meedia.de, ga)

In einem online (noch?) nicht zugänglichen Feuilleton-Artikel in der Frankfurter Allgemeinen schreibt Peter Schneider, dass in die „Enteignet Springer“-Kampagne „beträchtliche Summen“ von „Spiegel“-Chefredakteur Rudolf Augstein und „Stern“-Chefredakteur Henri Nannen geflossen seien. Auf Anfrage von Meedia sagt Peter Schneider: „Springer war der größte Haifisch im Becken, das weckte auch Konkurrenzgefühle. Sicherlich waren da nicht nur noble Motive im Spiel, sondern auch der Versuch, einen marktbeherrschenden Verlag kleiner zu machen.“

2. „‚Angemessene‘ Vergütungen“

(bildjournalisten.djv-online.de)

„Was die Verleger jetzt anbieten – 22 bis 33 Euro fürs Bild“.

3. „Chinas Medien zum Tiananmen-Massaker“

(faz.net, Mark Siemons)

Noch immer wird in China jede Diskussion zum Tian’anmen-Massaker „im Keim erstickt“: „Seit zwanzig Jahren herrscht ein Schweigegebot, das in einem immer groteskeren Missverhältnis zu den Bemühungen der regierenden Partei steht, sich ein rechtliches und souveränes Ansehen zu geben – und diese von innen her vergiftet.“

4. „Rote Köpfe im Präsidium des Verbands Schweizer Presse“

(kleinreport.ch)

Hanspeter Lebrument, Präsident des Verbands Schweizer Presse, plant offenbar ein „politisches Manifest“: „Die rasant voranschreitende Medienkonzentration könne nur mit verbesserten Rahmenbedingungen gestoppt werden.“

5. „Die Dialektik des Jens Jessen“

(falk-lueke.de)

Das Netz als Feind“ hiess es vor zwei Wochen, „Das Netz trügt„, heisst es heute. Falk Lüke dazu: „Abgesehen davon, dass mich der EBolschewismusvergleich angesichts des Leninbildes in Herrn Jessens Büro leicht amüsiert: Soziale Umgangsformen einzufordern und eine zweifelsohne höchst pluralistische Gruppe wie die der Internetnutzer pauschal als ‚großmäulig‘ abzutun, das ist in einem Absatz schon mehr als Dialektik: Es ist einfach nur verlogen.“

6. „How Twitter Will Change the Way We Live“

(time.com, Steven Johnson)

Während deutschsprachige Publikationen über immer neue Technologien meckern, ehrt Time die Website twitter.com mit einer Titelgeschichte.

Tages-Anzeiger, TV-Flops, Güner Balci

1. „Die Nabelschau“

(medienspiegel.ch, Andrea Masüger)

Der publizistische Direktor der Südostschweiz Medien rechnet den Personalabbau beim Tamedia-Blatt Tages-Anzeiger durch und hält ihn für gar nicht so vermessen: „Was derzeit in der Medienszene und in der Öffentlichkeit rüberkommt, ist aber etwas ganz anderes. (…) Die Kürzungsrunde beim ‚Tages-Anzeiger‘ gilt als Anschlag auf die journalistische Qualität. Die Belegschaft demonstriert und die Gewerkschaften verfassen ihre stereotypen Communiqués im Duktus der Sechzigerjahre, in denen Verleger noch immer den Klassenfeind Nummer 1 repräsentieren.“

2. „10 Strategien für den Journalismus 2.0“

(medialdigital.wordpress.com)

Mit dabei: „Diskussion ermöglichen“, „Multimedial denken“, „Die Weisheit der Masse nutzen“, „Hyperlokal denken“, „Neue Technologien umarmen“ und „Tue, was Du am besten kannst, und verlinke zum Rest“.

3. „In 10 Jahren gibt es keine Tageszeitungen mehr“

(netzwertig.com, Marcel Weiss)

„Werbebudgets verlagern sich Richtung Internet. Damit bricht die Haupt-Einnahmequelle für den Print-Sektor weg. Print wird dadurch mittel- bis langfristig defizitär und ökonomisch nicht mehr tragfähig.“

4. „Die größten Misserfolge der TV-Saison“

(dwdl.de, Uwe Mantel)

Wie viel doch in nur einer TV-Saison durchrauscht, also wieder eingestellt wird und als Flop abgebucht werden muss. Der Branchendienst DWDL hat 82 TV-Flops gesammelt und präsentiert sie in einer Bildergalerie.

5. „Und, wer bezahlt Journalimus?“

(zeit.de, Eva Schweitzer)

Der „Kern der Krise“ im Spannungsfeld Journalismus und Geldverdienen im Internet ist gefunden: „Wer lesen will, wie viel Geld Lobbyisten von AIG an den Kongress gegeben haben, klickt noch lange nicht auf die Fotostrecke mit Paris Hilton.“

6. Gespräch mit Güner Balci

(kuechenradio.org, Audio, 107 Minuten)

Eine sehr interessante Diskussionsrunde über extrem gewalttätige Wiederholungsdeliquenten, über Migrationspolitik, über Deutsche und Ausländer. Mit einer, die sich tatsächlich mal auskennt: Der in der Berlin Neukölln aufgewachsenen Journalistin und Buchautorin („Arabboy„) Güner Yasemin Balci.

Erwachsen auf Probe, Verzettelung

1. „Die Hysterie um ‚Erwachsen auf Probe'“

(faz-community.faz.net/blogs/fernsehblog, Stefan Niggemeier)

„Ist es nicht toll, in einem Land zu leben, in dem es mehr Kinderschutzvereine gibt als Kinder? Und in dem die größte Gefahr, die diesen Kindern droht, die Produktion und Ausstrahlung einer Fernsehsendung ist?“

2. Interview mit Helmut Thoma

(tagesspiegel.de, Joachim Huber und Kurt Sagatz)

Auch Helmut Thoma äussert sich zur RTL-Sendung „Erwachsen auf Probe„: „Als ob da Babys an völlig Unbekannte gegeben würden. Es sind doch alle Teilnehmer gecastet, und es steht dauernd jemand dabei. Im realen Leben ist die Gefahr viel größer, dass Eltern an einen jungen Babysitter geraten, der noch völlig unerfahren ist.“

3. „Das Magazin – Schluss mit Kommentieren im Web“

(persoenlich.com)

Finn Canonica, Chefredakteur des „Magazins„, versteht das „Gerede um die Möglichkeiten des Citizen Journalism“ nicht und ist „skeptisch geworden gegenüber den journalistischen Möglichkeiten im Internet“. Deshalb stellt er ohne Ankündigung nach zwei Jahren die Online-Kommentare ein, die ihm „manchmal sehr ‚dahingerotzt'“ erschienen. Mehr dazu im Henusode Blog und beim Journalistenschredder.

4. „Journalismus am Nullpunkt“

(heinz.typepad.com)

„Journalismus kann sich nicht mehr so finanzieren wie bisher, und zugleich verändern sich seine Rolle und seine Formen radikal. Wer heute Journalist wird, weiß weder, wovon er in Zukunft leben wird, noch wie seine Arbeit aussehen wird.“

5. „Sex sells, again and again“

(presseverein.ch)

„Blech, Blut und Busen. Im Boulevard braucht’s niedere Reize. Ob Pornosprüche im Dutzend auf 20 Minuten oder anzügliche Schlagzeilen zu irgendwelchen Themen beim Blick. Die verlegenen Verleger hatten sich das anders vorgestellt.“

6. „Cogitus interruptus – Googeln, Bloggen und Twittern“

(nzz.ch, Eduard Kaeser)

Der Physiker und Philosoph Eduard Kaeser schreibt über die neuzeitlich alltägliche Verzettelung: „Ehe ich michs versah, war meine Hauptaufmerksamkeit auf zwei oder drei Nebenspuren verzettelt. Ich fand nicht mehr zur Konzentration auf die ursprüngliche Arbeit zurück. ‚Cogitus interruptus‘ nenne ich das für mich. Dagegen kenne ich zwei Mittel: Sex oder Joggen. Sie fügen mich wieder zusammen.“

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