Archiv für 6 vor 9

Droste, Newsnetz, Robson, Barber

1. „Für ein paar Anzeigen“

(fr-online.de, Heinz Tutt)

Heinz Tutt bringt etwas Licht in die Beziehung zwischen dem Focus und dem Bundesland Nordrhein-Westfalen, dessen Regierungssprecher (nach einer Beschwerde der WAZ über kritische Berichterstattung) einen Brief schrieb an den Chefredakteur des Focus: „Ein ranghoher Mitarbeiter in der Staatskanzlei bestätigte den Inhalt der WAZ-Beschwerde: ‚Es kann doch nicht sein, dass Focus-Spezial vom Land finanziert wird und dann gleichzeitig NRW-Unternehmen angeschossen werden.'“

2. „Matthew und wie er die Welt sah“

(blog-cj.de, Christian Jakubetz)

Christian Jakubetz beschäftigt sich mit den „acht DIN A4-Seiten“ des 15-jährigen Matthew Robson: „In seinem Bekanntenkreis gebe es keinen einzigen Zeitungsleser, zumindest keinen, der für eine Zeitung bezahlt. Die Gründe sind so einleuchtend und banal zugleich, dass es den Verlagen vermutlich die Tränen in die Augen treibt.“

3. Wiglaf Droste, Stadtschreiber zu Rheinsberg

(dradio.de, Joachim Scholl)

Was ist eigentlich mit dem ehemaligen taz-Mitarbeiter Wiglaf Droste? Er geniesst das Landleben in Brandenburg und kann nur „hoffen, dass es gelingt, wenn man auf andere Weise lebt, die Art und Weise, wie man hier den Tag anfängt, dass man den Kopf wirklich sehr lange erst mal medienfrei hält, nichts hineintut, was da in einen frischen Kopf noch nicht hineingehört, sondern erst mal wirklich guckt, was der liebe Gott, den man einen guten Mann sein lässt, über Nacht wieder angestellt hat und sich dann ganz langsam diesem Paralleluniversum zuwendet, das manche Leute die Realität nennen.“

4. „Wie der Rhythmus der Nachrichten entsteht“

(spiegel.de, Markus Becker)

„Wie schnell wird eine Nachricht zur Top-Meldung, wann verschwindet sie wieder? Forscher haben eine einzigartige Studie vorgelegt: Drei Monate lange verfolgten sie Millionen Artikel anhand markanter Zitate. So erfassten sie den Puls der Medien – mit überraschenden Ergebnissen.“

5. Noch ein Jahr bis Paid Content

(guardian.co.uk, John Plunkett)

Lionel Barber, Chefredakteur der Financial Times, glaubt, dass es nur ein Jahr geht, bis „fast alle“ News-Websites Geld für ihre Inhalte verlangen.

6. „Unsäglich rüpelhafte Zoten im Newsnetz der Tamedia“

(thinkabout.ch)

„Dass sich die Tamedia-Erzeugnisse nicht zu schade sind, im Stil vieler anderer Zeitungen ebenfalls wie tratschende Weiber Gerüchte weiter zu verbreiten, ja, sie regelrecht zu sammeln, ist eines. Dass die Titel und Schlagzeilen längst den reisserischsten Boulevard-Standards Konkurrenz machen, ist ganz offensichtlich Absicht – und wird dazu führen, dass sich weitere Leser verabschieden werden.“

Jacquemart, Hug, Denk, Gutjahr

1. „Journalistenpreis für Falsch-Recherchen“

(weltwoche.ch, Roger Köppel)

Roger Köppel beschäftigt sich ausführlich mit dem Fall Swissfirst und den Preisträgern des Zürcher Journalistenpreises 2007, Charlotte Jacquemart und Daniel Hug von der NZZ am Sonntag, die damals mit 7000 Franken ausgezeichnet wurden: „Anders als in den USA oder Grossbritannien, wo Journalistenpreise bei klaren Fehlleistungen wieder eingezogen werden, können sich die Schweizer Kollegen offenbar der unverbrüchlichen Solidarität ihrer Zunftgenossen sicher sein.“ Hier eine Stellungnahme der Jury zu den Forderungen nach einer Aberkennung des Preises vom 6. Mai 2009.

2. Interview mit David Denk und Christian Semler

(epd.de)

Hallo, neue Chefredakteurin! Ines Pohl wird von David Denk nicht mit einer „Drohung“, sondern nur mit der „Wahrheit“ begrüsst: „Einerseits spüre ich in der Redaktion nach so vielen Jahren mit der gleichen Chefredaktion schon den Wunsch nach einem neuen, anderen Führungsstil, andererseits wird man bei der taz sicherlich auch nicht glücklich, wenn man den Boss raushängen lässt. (…) Gegen die Redaktion funktioniert bei der taz nämlich gar nichts. Und das ist keine Drohung, sondern nur die Wahrheit.“

3. „Shift Happens!“

(gutjahr.biz, Richard Gutjahr)

Richard Gutjahr, Journalist beim Bayerischen Rundfunk, macht eine Einschätzung der Lage: „Die klassischen Medien müssen ihre Rolle neu definieren. Weniger missionieren, mehr filtern. Eigene Inhalte erstellen, ja, aber eben auch: die wichtigen von den unwichtigen Informationen aus dem Netz picken und auf ihre Richtigkeit hin überprüfen (durch professionelle Recherche!).“

4. „Vorsicht, Hype!“

(tagesspiegel.de, Leo Busch)

„Alle Sender wollen den interaktiven Zuschauer. Aber der will nur – fernsehen.“

5. „Mit dem Staat ins Internet“

(woz.ch, Heiner Busch und Dinu Gautier)

„Vertrauliche Dokumente, die der WOZ vorliegen, zeigen: Der Bund plant die vollständige Überwachung des Internetverkehrs von verdächtigen Personen. Ab dem 1. August müssen die Internetprovider, also die Anbieter von Internetzugängen, technisch aufrüsten. Künftig sollen sie in der Lage sein, die Internetnutzung ihrer KundInnen unmittelbar an die Behörden zu übertragen.“

6. „10 Reasons You’ll Actually Miss Newspapers“

(businessinsider.com)

10 Gründe, warum wir die Zeitung eines Tages furchtbar vermissen werden.

7. Google antwortet auf die Hamburger Erklärung

(googlepolicyeurope.blogspot.com)

Als Bonus heute eine Nummer 7. Nämlich die Antwort von Google auf die „Hamburg Declaration“ europäischer Verleger: „If a webmaster wants to stop us from crawling a specific page, he or she can do so by adding (…) to the page. In short, if you don’t want to show up in Google search results, it doesn’t require more than one or two lines of code.“

Apps, Sueddeutsche.de, Transparenz

1. Gratis-Apps im AppStore bezahlen

(20min.ch, Manuel Bühlmann)

Die Website relaxler.com bietet im AppStore Nachrichten-Applikationen an, zum Beispiel für spiegel.de oder 20min.ch. Im Gegensatz zu den offiziellen Angeboten der Newsportale sind diese kostenpflichtig: „Und damit scheinen sie Erfolg zu haben, die App wird von ahnungslosen Usern offenbar rege installiert. Denn obwohl die 20-Minuten-Raubkopie erst seit dem Wochenende zum Download bereit steht, belegt sie schon Platz Drei der meistgekauften Nachrichten-Apps.“

2. „NRW-Regierungssprecher nimmt beim ‚Focus‘ Einfluss wegen negativer Story über die WAZ-Gruppe“

(duesseldorf-blog.de, osi)

Das Düsseldorf-Blog veröffentlicht den Brief (pdf, 133kb) von Regierungssprecher Hans-Dieter Wichter an Focus-Chefredakteur Helmut Markwort. Näheres dazu auf tagesspiegel.de von Jürgen Zurheide.

3. „Nebentätigkeiten: Abgeordnete und Journalisten im Vergleich“

(carta.info, Christian Humborg)

Christian Humborg macht sich Gedanken zur Transparenz bei den Einkünften von Journalisten: „Eine schöne Ergänzung zur Genehmigung wäre, bei der Abmoderation der Tagesthemen liefe unten ein Band mit dem Text: Der Moderator hat in den letzten zwölf Monaten von folgenden Unternehmen und Organisationen Nebeneinkünfte von mehr als 1.000 Euro erhalten: …“

4. „Tutzinger Appell – für ein glaubwürdiges Radio“

(fair-radio.net)

„In Radioprogrammen wird heute nicht selten getrickst und betrogen, werden Hörer bei Gewinnspielen an der Nase herumgeführt und in Informationssendungen für dumm verkauft. Wir – kritische Hörfunkjournalistinnen und –journalisten – fordern daher, die Glaubwürdigkeit unseres Mediums wieder zu stärken. Nur ein Radio, das seine Hörer nicht belügt wird als Medium im digitalen Zeitalter bestehen können!“

5. „Vom eigenen Tod erfuhr er aus der Zeitung“

(bernerzeitung.ch, Roger Probst)

„Kurt Müller aus Faulensee BE wurde im Thuner Amtsanzeiger für tot erklärt. Dabei war er nur mit seiner Firma Konkurs gegangen.“

6. „Hey, Sueddeutsche.de,“

(titanic-magazin.de)

„Du bist uns schon eine rechte Mausefalle! (…) Wie, Sueddeutsche.de, Du also einerseits von der seriösen Aura Deines Mutterblatts zehrst und andererseits auf die billigste Weise Klicks abgreifst, das ist wirklich Wahnsinn, völlig irre, zum Verrücktwerden!“

Stern, Product Placement, Facebook

1. „Ein ‚Stern‘, der seinen Namen trägt…“

(stefan-niggemeier.de)

„Erst hatte ich gedacht, dass eine Wahlbroschüre von Karl-Theodor zu Guttenberg an Berliner Kiosken ausliegt, aber dann war es doch nur der aktuelle ‚Stern‘.“

2. Interview mit Andy Kaltenbrunner

(diepresse.com, Patricia Käfer)

Ex-Profil-Journalist Andy Kaltenbrunner nennt den Kollektivvertrag Ausdruck eines „verknöcherten Systems“. Berufsdefinitionen und Verträge würden die Realität nicht mehr abbilden: „In Österreich haben wir jetzt eine Dreiklassengesellschaft: wenige Topverdiener, eine große Gruppe, die alle fünf Jahre automatisch zehn Prozent dazu bekommt – und ein publizistisches Prekariat.“

3. „Product Placement“

(faz.net, Peer Schader)

„Längst hat man sich an das Dauerbombardement mit Werbeclips gewöhnt. Nun gibt eine neue EU-Richtlinie den Weg frei für Produktplazierung in bislang ungekanntem Ausmaß. Fällt damit endgültig die Trennung zwischen Programm und Kommerz?“

4. 20min.ch mit neuem Lokalportal

(persoenlich.com, Christian Lüscher)

20 Minuten ergänzt sein Online-Angebot ab Ende August mit einem „Lokalportal für sämtliche Gemeinden der Schweiz“. Geschäftsführer Marcel Kohler verspricht sich davon eine zielgenauere Werbung: „Der Bäcker von Ostermundigen muss mit seiner Gipfeli-Reklame nicht mehr die User in Dietikon ansprechen.“

5. „Ansichten eines Praktikanten“

(sueddeutsche.de, Andreas Oldag)

Zugegeben, die Idee ist brillant. Um herauszufinden, wohin sich die Medienwelt bewegt, befragt man einfach mal einen 15-jährigen (Originalmeldung auf ft.com). Die verrückte Vorgehensweise erzeugt auch gleich „einige der klarsten und aufrüttelndsten Erkenntnisse, die wir je gesehen haben“.

6. „Wie ich einmal Opfer eines Online-Betruges wurde“

(franztoo.de, Franz Patzig)

Franz Patzig hilft einer Facebook-Freundin schnell und unkompliziert mit 150 Euro aus. Nachher stellt sich heraus, dass ihr Konto kürzlich gehackt wurde. „Es wäre ein leichtes gewesen nach kleinen Details zu fragen, die nur wir beide kennen und die sicher nicht in Facebook zu finden gewesen wären. Eine Frage hätte gereicht.“

Staatshilfe, Mika, Hachmeister

1. „Das Funktionieren des Marktes, das die Institutionen durcheinanderbringt“

(carta.info, Robin Meyer-Lucht)

Die etablierten Journalisten stehen noch immer unter dem „Schock nach dem Ende seiner Deutungsoligopole“: „Dem Qualitätsjournalismus über die gegenwärtigen Strukturprobleme des Journalismus kann inzwischen über weite Strecken Distanzlosigkeit, Hang zu normativen Kurzschlüssen, Desinteresse an empirischer Fundierung und Klientelismus in eigner Sache bescheinigt werden.“

2. „Die Presse muss sich selber helfen“

(nzz.ch, ras.)

Nicht nur Robin Meyer-Lucht (siehe 1.), sondern auch ras. von der Neuen Zürcher Zeitung stellt sich klar gegen Staatshilfe für Verlage. Er spricht den aggressiven „Kommerz-Journalismus“ aus dem Grossraum Zürich an sowie das Branchen-Tabuthema der „Tiefstlöhne der freien Journalisten“. Ausserdem kann er sich nicht vorstellen, wie der „Gummibegriff“ definiert werden soll, der gemäss dem Manifest des Verlegerverbands jenen Vergünstigungen zuspricht, die „publizistische Medienleistungen“ erbringen.

3. Interview mit Bascha Mika

(taz.de, Stefan Kuzmany und Stefan Reinecke)

Die tageszeitung befragt ihre abtretende Chefredakteurin. Die beschreibt ihre Redaktion so: „Es gibt diese seltsame Sehnsucht nach jemand, der führt – aber keine unangenehmen Entscheidungen treffen soll. Das blitzt immer mal wieder auf. Es gibt ein frei flottierendes Bedürfnis in der Redaktion nach autoritären, aber unverbindlichen Gesten.“

4. „Ein giftender Lafontaine am Stehtisch“

(derwesten.de, Walter Bau)

„Oskar Lafontaine zeigt Nerven. In einem ZDF-Interview am Sonntagabend (youtube.com, Video, 17:49 Minuten) präsentierte sich der Linkspartei-Chef, der selbst gerne und kräftig verbal austeilt, extrem dünnhäutig. Dabei hatte es ganz gemütlich begonnen.“

5. „Gamejournalismus: Ihr glaubt auch jeden Müll!“

(gamgea.com, Simon Lutstorf)

„Gamesites nehmen in rauen Mengen einen völlig anonymen Beitrag in einem Blog auf, der behauptet, Eidos würde Testberichte schmieren. Es ist ein trauriges Spektakel.“

6. Interview mit Lutz Hachmeister

(fluter.de, Oliver Gehrs)

„Die meisten Medienleute leben in einem wohlanständigen Leben, das vor allem verteidigt werden soll. Natürlich geht man ab und zu mal zu den Arbeitslosen und zu den Neonazis – das sind dann so Pflichtthemen. Aber eigentlich hat man sich gemütlich eingerichtet.“

Reuters-Handbuch, Renner, Tricks

1. Interview mit Bernd Ziesemer und Jochen Wegner

(mediummagazin.de, Jochen Brenner und Annette Milz)

Jochen Wegner: „Das Filtern wird in Zukunft eine der wichtigsten Aufgaben von Journalisten sein: Menschen werden dafür bezahlen, nicht jede verfügbare Information zu bekommen, sondern ausgewählte.“

2. „Markiere die Gesichter deiner Freunde!“

(tagesschau.de, Marjan Parvand)

Die Aufmerksamkeit aus dem Westen ist erstmal weg, das Leben im Iran geht aber weiter. Ein Bericht eines Bloggers: „Die Beamten fordern ihn auf, das Passwort seines Facebook-Accounts zu nennen. (…) Sie legen ihm Ausdrucke von Facebook-Seiten mit Listen der Fotos und Namen seiner Facebook-Freunde vor. Aschkan muss ihre Namen und alles, was zu ihrer Identifizierung notwendig ist, aufschreiben.“

3. „Aus der Trickkiste für freie Mitarbeiter“

(taz.de, Ella Carina Werner)

4 witzige Tricks für freie Mitarbeiter (Strecken, Mehrfachverwerten, Imaginieren, Outsourcen), die dem Leser zuliebe niemals angewendet werden sollten. Aus Trick 2: „Wer noch ein paar Universal-Phrasen sucht, der kopiert einfach die Einstiegssätze des Spiegel. Die Sentenz ‚Eigentlich ist es egal, was er sagt, am Ende wird immer gejubelt‘ ist zwar auf Obama gemünzt, lässt sich aber bei Publikumslieblingen wie Mario Barth, Benedikt XVI. oder Kim Jong II zweitverwursten.“

4. Interview mit Kai-Hinrich Renner

(medienhandbuch.de)

„In wirtschaftlich guten Zeiten hat man es als Medienjournalist relativ einfach. Heute aber, in Zeiten der Krise, ist die Angst, etwas Falsches zu sagen, bei allen Akteuren der Branche riesengroß. Das betrifft auch und gerade Pressestellen von Medienunternehmen: Wenn es hart auf hart kommt, schrecken manche Pressesprecher auch vor dreisten Lügen nicht zurück.“

5. Reuters stellt sein Handbuch für Journalisten komplett online

(blogs.reuters.com, Dean Wright)

Bis jetzt war es für die Öffentlichkeit nicht frei zugänglich: Das Reuters Handbook of Journalism liefert sowohl „Reporting and Writing Basics“ als auch einen „Style Guide„.

6. „News of the World phone-hacking“

(guardian.co.uk, Nick Davies)

„Rupert Murdoch’s News Group News­papers has paid out more than £1m to settle legal cases that threatened to reveal evidence of his journalists‘ repeated involvement in the use of criminal methods to get stories.“ (Siehe auch faz.net oder handelsblatt.com)

Lipp, Strehle, WAZ, Wahlversprechen

1. „WWW – unser liebstes Werkzeug“

(presseverein.ch/blog)

Eine Studie (PDF-Datei), die 596 Medienschaffende befragte, fand heraus, dass diese „heute wesentlich öfter und länger mit dem Internet arbeiten“: „Das Internet ist für Journalistinnen und Journalisten in der Schweiz ist als Quelle mittlerweile wichtiger als Tageszeitungen oder das persönliche Gespräch. Suchmaschinen und E-Mail sind für Medienschaffenden die wichtigsten Arbeitswerkzeuge.“

2. „WAZ denkt über Tabloid-Format nach“

(horizont.net, Jürgen Scharrer)

„Die Essener WAZ-Gruppe plant offenbar eine Zeitung im Tabloid-Format.“ WAZ-Geschäftsführer Christian Nienhaus: „Unter dem Stichwort ‚U-Bahn-Zeitung‘ haben wir das nach wie vor auf der Agenda.“

3. „Fall Schlatter: Protokoll der Hilflosigkeit“

(shn.ch, Robin Blanck)

Die Schaffhauser Nachrichten veröffentlichen Details aus dem E-Mail-Verkehr zwischen dem SF-Reporter Christian Lipp und dem unter Mordverdacht stehenden Erich Schlatter. Lipp an Schlatter: „Sei froh, dass du die nötigen Beruhigungsmittel (gemeint ist Geld, Anm. d. Red.) ratenweise bekommst. Wenn du das noch verbleibende Geld auf einen Schlag kassieren willst, von mir aus o. k. Aber dann rechne nicht mehr mit regelmässigem Nachschub aus dem Norden.“

4. Interview mit Res Strehle

(woz.ch, Daniel Ryser)

Einer der Chefredaktoren des Tages-Anzeigers gibt Auskunft über die zukünftige Ausrichtung des Blatts: „Wir können und wollen nicht Boulevardjournalismus betreiben. Wir sollten intelligenter werden, klüger, die analytischen Fähigkeiten erhöhen. Einfach gesagt: So klug sein wie die NZZ, aber zugänglicher.“ Unter dem Interview findet sich ein „Kreativpapier“, das „bitte nicht als neues Konzept zu verstehen“ ist.

5. „Die ‚Küsnachter Schläger‘ und die Medien“

(medienspiegel.ch, Fred David)

„Als Medienkonsument erwarte ich zehn Tage nach einer Tat, die den Rahmen des ‚Üblichen‘ in mehrfacher Weise dramatisch sprengt, mehr als wiederum diese einzelnen News-Bruchstückchen, die ich mir gefälligst selber zu einem Bild zusammenkleben soll. Diese Mühe machen sich Journalisten nicht mehr, ein Medienmuster, das immer mehr auffällt.“

6. „Steuern: Versprochen, gebrochen?“

(ndr.de, Video, 1:45 Minuten)

Die Sendung Zapp vergleicht den von deutschen Politiker vor den Wahlen versprochenen Abbau der Staatsschulden mit dem effektiven Ergebnis. Mit dabei: Hans Matthöfer (1978), Gerhard Stoltenberg (1989), Theo Waigel (1994), Hans Eichel (2002) und Peer Steinbrück („Ja, wir schaffen die Null“).

Jackson, Schlatter, Entrepreneure

1. „Abgesang auf die Zeitung“

(blog-cj.de, Christian Jakubetz)

Christian Jakubetz fragt eine „sehr medienaffine und ziemlich muntere Gruppe“ von 25 Leuten aus einer 11. Klasse Gymnasium, wer denn regelmäßig zur Zeitung greife: „Drei oder vier sind es, die sich melden. Der Rest lebt vollständig digital. Die würden sich wundern, wenn ich ihnen jetzt erzählen würde, dass Hintergründe und Kommentare nur gedruckt richtig Sinn machen, denke ich mir, und beschließe, diese schöne Theorie in diesem Fall eher für mich zu behalten.“

2. „No Unternehmertum, please – wir sind Verleger“

(blog.handelsblatt.de/indiskretion, Thomas Knüwer)

Zu Hubert Burda und seinem Glauben, dass Google die Verleger schleichend enteigne. Thomas Knüwer sieht einen, „der sich als Unternehmer sieht – aber von anderen Unternehmern Geld haben will. So als ob Opel kein Staatsgeld haben wolle, sondern welches von VW. Das hat etwas von Kommunismus für Entrepreneure.“

3. „Naivität im Journalismus“

(neininger.wordpress.com, Norbert Neininger)

Der Chefredaktor der Schaffhauser Nachrichten kommt auf den Fall Erich Schlatter zu sprechen, einen Mann, den das Schweizer Fernsehen als eher harmloses Stadtoriginal portraitierte („Ein schräger Vogel auf der Flucht„) und der nun in Spanien unter Mordverdacht verhaftet wurde. Es sei dies „ein Lehrstück über fehlende journalistische Distanz und die mangelnde Wahrung der guten Sitten in unserem Metier.“ Ein Dossier dazu ist auf shn.ch zu lesen.

4. „Chinas neue Medienstrategie“

(faz.net, Mark Siemons)

„Im Unterschied zu den Unruhen in Tibet vom vergangenen Jahr, als sich die chinesische Regierung aufgrund ihrer restriktiven Nachrichtenpolitik von Beginn an gegenüber der westlichen Öffentlichkeit in der Defensive befand, haben die Pekinger Medien im Fall der aktuellen Ereignisse von Urumqi jetzt schon Zahlen, Bilder und Hintergründe parat, bevor die westlichen Agenturen von dem Vorgang überhaupt erst Kenntnis nehmen konnten.“

5. Michael Jackson und die Medien

(taz.de, Jörg Sundermeier)

Jörg Sundermeier vergleicht die Vorverurteilungen von Michael Jackson mit jenen von Phil Spector: „Niemand behauptete, dass er ein Perverser war, während dies bei Michael Jackson für die Mehrheit der Welt feststand, egal was er tat, egal was die Geschworenen meinten, egal wie dürftig die Beweislage war.“

6. „Netz der Ideologien“

(sueddeutsche.de, Andrian Kreye)

„Die Parteien rufen zum Kampf gegen die Onlinesucht auf. Ihr billiges Motiv: Sie wollen das linke Bildungsbürgertum mit seiner Abscheu vor Technologien und Popkulturen mobilisieren.“

Riepl, Barbier, Tanzbein, Krise

1. Interview mit Stephan Weichert

(fluter.de, Tobias Asmuth)

Stephan Weichert klärt auf, dass das Rieplsche Gesetz, an das sich so viele Menschen aus der Printbranche so hoffnungsvoll klammern, gar kein Gesetz ist, sondern eine Hypothese. „Für viele Journalisten gilt das Gleiche wie für die meisten Verleger: wenig Wille zum Experimentieren, eine fast schon pathologische Stutenbissigkeit gegenüber Bloggern und keinen Sinn dafür, warum das Netz-Medium den Journalistenberuf fast vollständig umkrempeln wird.“

2. Hans D. Barbier liebt den Journalismus nicht

(axel-springer-akademie.de/blog, Johannes Wiedemann)

Der FAZ-Kolumnist und Vorsitzende des Vorstands der Ludwig-Erhard-Stiftung Hans D. Barbier hat keine Erfahrungen mit dem Internet gesammelt und will das auch gar nicht. Er sagt es offen – ihm geht es um die Form, nicht um die Inhalte: „Ich liebe nicht den Journalismus, sondern die Zeitung.”

3. „Illner, Plasberg, Will: Wer ist ‚Krise‘-Gewinner?“

(faz-community.faz.net/blogs/fernsehblog, Peer Schader)

Das Gefühl, es gehe zurzeit in jeder Talkshow um die „Krise“, wird von Peer Schader mit Fakten untermauert. Denn er hat nachgezählt. Bei Illner, bei Plasberg und bei Will.

4. „Neues von der Heimatfront“

(carta.info, Wolfgang Michal)

„Die Leser in der Provinz suchen nach einer ernst zu nehmenden Alternative. Sie haben die unerträgliche Mischung aus Agenturmeldungen, Hofberichterstattung, Honoratioren-PR und Allerweltsgewäsch aus Gesundheitsratgebern und Testberichten satt. Sie wollen nicht länger mit den 50er-Jahre-Phrasen ‚…wurde kräftig das Tanzbein geschwungen‘ und ‚Der Wettergott hatte ein Einsehen‘ veräppelt werden.“

5. „Wie das mit dem Bloggen geht“

(blogbar.de, Don Alphonso)

Don Alphonso eröffnet eine offenbar längere Serie, in der er Journalisten das Bloggen erklärt. In der ersten Folge lernen wir, dass es nicht um Subjektivität geht („die erste zentrale Fehleinschätzung neubloggender Journalisten“) – sondern vor allem um Charakter: „Genau das ist aber der Unterschied zu jenen faulen Besitzstandswahrern, die genau wissen, dass Charakter in der Inhaltebehörde nur der Karriere schadet.“

6. „New Rules for Times Company Cell Phones“

(observer.com, John Koblin)

Die Journalisten der New York Times sollen ihr Firmenhandy im Ausland nicht mehr nutzen und ausserdem weniger simsen. Aus dem Memo: „Do not use Twitter via text messages; install a client like Twitterberry on your phone instead.“

Volkspizza, Leichtlohntruppen, Klicks

1. „Der Online-Markt sucht nach einer neuen Internet-Währung“

(sueddeutsche.de, Simon Feldmer)

Gibt es Einsicht beim Portal sueddeutsche.de, dem Ersteller von Klickgalerien wie „Die 100 besten Biere der Welt„? – „Bilder über Bilder, Artikel, die sich über zehn Seiten schleppen, weil man nach drei Hauptsätzen schon weiter klicken muss, Sudoku, Wissenstests – der Ideenreichtum im Online-Journalismus scheint groß. Der Grund dafür ist einfach: Klicks bringen Geld, theoretisch zumindest. Denn jede Seite, die ein Internetbesucher aufruft, wird gezählt und ist deswegen vermarktbar. Doch die Online-Währung könnte sich ändern, ein bisschen zumindest.“

2. „Mengenrabatt für Lobbyisten“

(taz.de, Adrienne Woltersdorf)

„Die Redakteure bei der Washington Post sind entsetzt. Die Marketingabteilung der renommierten Zeitung wollte Lobbyisten Zugang zur Redaktion verschaffen – gegen viel Geld.“

3. „Zu viele PS-Träume – zu wenig Energieeffizienz“

(nzz.ch, slz.)

Ein Text über die Mobilitätsseiten der Zeitungen, die zu 97% „vom motorisierten Individualverkehr, sprich vom Privat-Pkw, dominiert“ werden. Grundlage dafür ist eine Studie (pdf) der Deutschen Engergie-Agentur dena. Bereits der erste Satz der Pressemitteilung dazu könne man aber „so aus der Studie nicht ablesen“.

4. Leichtlohntruppen

(kathpress.co.at)

Werner D’Inka, einer der Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, glaubt, dass Journalismus „“eben keine Heimwerker-Beschäftigung“ sei und spricht „professionelle Filter und die Korrekturinstanz einer versierten Redaktion“ an: „Kritik übte der FAZ-Herausgeber an Zeitungsverlagen, die dazu übergingen, ‚ihre Seiten von Leichtlohntruppen füllen zu lassen‘.“

5. „Die Krise der publizistischen Repräsentation“

(heise.de/tp, Rudolf Stumberger)

„Wer für einen Bericht von normaler Länge sich auch von renommierten Tageszeitungen (wie zum Beispiel der ‚Neuen Zürcher Zeitung‘) mit 150 Euro abspeisen lassen muss, dem vergeht diese Art Journalismus ganz schnell, es sei denn, sie wird als Liebhaberei betrieben.“

6. „Volks.Pizza Salami – das erste Farbbild“

(shopblogger.de, Bjoern Harste)

Das erste Farbbild der Volkspizza der Bild-Zeitung ist im Laden des Shopbloggers eingetroffen. Er findet „die Idee nach wie vor kein Stück originell“.

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