Archiv für 6 vor 9

Lüönd, Twitter, Tages-Anzeiger

1. Interview mit Karl Lüönd
(bernerzeitung.ch, Stefan von Bergen)
Der Publizist Karl Lüönd ist überzeugt, dass es noch auf vielen Redaktionen Fett gibt, das weggeschnitten werden kann. Er würde versuchen, Fixkosten in variable Kosten umzuwandeln: „Wenn derzeit gespart wird, werden als erstes die Honorare für freie Journalisten gekürzt, weil es dagegen wenig Widerstand gibt. Entlässt eine Zeitung aber drei fest angestellte Journalisten, gilt das schon als Krise und kommt in die anderen Zeitungen.“

2. „Journalismus: Das Ende der Geschichte?“
(diepresse.com, Peter Krotky)
„Wenn man schon davon ausgehen will, dass Journalismus als Printmodell nicht zu retten ist und als digitales Modell wirtschaftlich – vielleicht – nicht funktionieren wird, wenn Journalismus aber trotzdem etwas ist, das eine Gesellschaft irgendwie braucht: Was bleibt dann? Für manche das, was man vom Kulturbetrieb her schon kennt: Spenden und Förderungen.“

3. „Mediengestaltung – Auf den ersten Blick“
(message-online.com, Sebastian Feuß)
„Leserfreundliches Blattmachen hat nichts mit Bauchgefühl oder dekorativer Aufhübschung zu tun. Gute Zeitungsgestaltung orientiert sich an den Möglichkeiten menschlicher Wahrnehmung.“

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Zuckerberg, Newsnetz, Heinrich

1. Facebook-Gründer Zuckerberg: „Mann ohne Profil“
(freitag.de/The Observer, Simon Garfield)
„Mark Zuckerberg vernetzt Millionen von Menschen mit persönlichen Daten auf Facebook. Über sich selbst schweigt der 24-jährige Gründer des sozialen Netzwerks lieber“ – also nähert sich Simon Garfield dem reichsten jungen Mann der Welt persönlich. Und über Gerichtsakten.

2. „Österreichs Journalisten: Sie ticken anders“
(Carta, Stephan Russ-Mohl)
„Österreichische Journalisten nehmen besonders gerne Einfluss auf die politische Agenda und neigen zu einer spezifisch österreichischem Form des Kampagnenjournalismus. Sie halten sich deshalb trotzdem für besonders kritische Aufklärer“ – und mehr als doppelt so viele wie in Deutschland sehen es als ihre Aufgabe, Unterprivilegierten zu helfen.

3. „es hypt“: Blick am Abend druckt Twitter-Nachrichten
(benkoe.ch, Thoms Benkö)
Der Nachrichtenchef von Blick am Abend erklärt: „wieso eigentlich twitter?“ und „was muss ein tweet erfüllen, damit er als ‚tweet des tages‘ in frage kommt?“

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Wallraff, Pincus, Weinreich, Tamedia

1. Interview mit Günter Wallraff
(zeit.de, Carolin Ströbele)
Für die Reportage „Unter null“ im Zeit Magazin übernachtete Günter Wallraff mehrere Nächte im Dezember und Januar bei Temperaturen bis zu minus 20 Grad im Freien. Dazu ein Video (2:53 Minuten).

2. Interview mit Walter Pincus
(welt.de, Andrea Seibel)
Walter Pincus über Journalisten, „denen das Haus im Grünen wichtiger ist als eine gute Geschichte“. Und über den Wandel der Zeit: „Als ich anfing, ging man einfach in das Büro eines Senators und redete mit ihm. Heute muss man durch eine Phalanx von PR-Figuren und Spin-Doktoren, die immer alles kontrollieren und kanalisieren wollen.“

3. Interview mit Jens Weinreich
(11freunde.de, Daniel Wehner)
Der Journalist Jens Weinreich befindet sich im Rechtsstreit gegen den DFB, weil er den DFB-Präsidenten Theo Zwanziger einen „Demagogen“ bezeichnet hatte. Seinem Spendenaufruf, um die kaum absehbaren finanziellen Folgen zu bewältigen, folgten viele, „es ist schon eine fünfstellige Summe beisammen“.

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Kommentare zu Tamedia / Edipresse

1. „Publizistik nicht relevant“
(presseverein.ch)
Der Zürcher Presseverein, Vertreter von 1500 Journalisten, fragt sich, warum im Communiqué zum Zusammenschluss der Verlagshäuser kein Wort zur Publizistik fällt. Die Antwort: „Facebook und Google heissen nun die Konkurrenten. Die Publizistik ist nur noch ein untergeordneter Faktor.“

2. „Nous sommes tous des Zurichois“
(tagesanzeiger.ch, Jean-Martin Büttner)
„Gerade Edipresse hat gezeigt, dass Grösse noch keine Qualität garantiert. Manche Edipresse-Produkte neigen zu einer Berichterstattung, die Journalismus als eine Art Bewegungsmeldung begreift. Ihre Artikel erzählen plastisch und farbig, was zwar attraktiv zu lesen ist, aber oberflächlich bleibt.“

3. Übernahmekandidat Ringier?
(bundblog.derbund.ch, Artur Vogel)
Artur Vogel, Chefredaktor Bund (Tamedia), schätzt die Konkurrenz so ein: „Auch die NZZ-Gruppe wird einer Fitnesskur unterzogen, während Ringier eine klare Strategie vermissen lässt und damit längerfristig zum Übernahmekandidaten werden dürfte.“

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Tamedia, Edipresse, Scheuring

1. Edipresse und Tamedia: Fusion in der Schweiz
(tamedia.ch, Medienmitteilung)
Bedeutende Umwälzungen in der Schweizer Verlagslandschaft: Die Nummer 2 und die Nummer 3 der Verlagshäuser (Umsätze 2007) fusionieren. Als Konkurrenten verbleiben Ringier und die NZZ Gruppe. Und als kleinere Marktteilnehmer die Basler Zeitung Medien, die AZ Medien Gruppe, die LZ Medien Gruppe und die Südostschweiz Mediengruppe.

2. „Falsche Freunde“
(blog.handelsblatt.de/indiskretion, Thomas Knüwer)
„Von der zweifelhaften journalistischen Qualität eines ‚Spiegel‘-Titels.“

3. Interview mit Christoph Scheuring
(reporter-forum.de, Ariel Hauptmeier)
Der Reportage-Journalist Christoph Scheuring in einem 11-seitigen Interview (PDF-File). Er rät jedem Anfänger, „sich nicht alles gefallen zu lassen“ und bei den redigierenden Kollegen um Formulierungen zu kämpfen. „Du musst deinen Stil entwickeln, du musst um deinen Stil kämpfen. Nur so kannst du unterscheidbar werden. Aber der Grad ist schmal zwischen einer Leidenschaft für die Sprache und Renitenz.“

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Modelle, Wissenschaft, Pressefreiheit

1. Pressefreiheit in Italien
(tagesschau.de, Stefan Troendle)
„In einer Demokratie sollten Medien eigentlich unabhängig von der Politik sein. In Italien kann davon keine Rede sein: Die wichtigsten Fernsehsender kontrolliert Regierungschef Berlusconi ohnehin selbst. Und gegen unliebsame Konkurrenz erlässt er notfalls Gesetze.“

2. Pressefreiheit in der Türkei
(faz.net, Karen Krüger)
„Ministerpräsident Erdogans Kampf gegen die Medien: Besonders unlieb sind ihm die Zeitungen der Dogan-Gruppe. Dem mächtigen Konzern droht eine gewaltige Steuerstrafe, die seine Existenz gefährdet. Die Pressefreiheit der Türkei steht auf dem Spiel.“

3. „Die Zukunft journalistischer Produkte: Wer finanziert wen woraus?“
(zeitungsperspektiven.de, Christopher Buschow)
Zeitungsperspektiven.de macht eine Tabelle mit 5 Modellen, die den Journalismus (zukünftig) finanzieren könnten: 1. Das Kuppelprodukt, 2. Paid Content, 3. Die Lizenzierung, 4. Crowdfunding / Mäzenentum, 5. Die Querfinanzierung.

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Debatte über die Zukunft der Zeitung

1. Alle Medien sind Internetmedien
(vorwaerts.de, Thierry Chervel)
Thierry Chervel macht darauf aufmerksam, dass sämtliche Medieninhalte digital vorhanden und damit auch Online-Inhalte sind. Medienbeobachter preisen dennoch gerne die Langsamkeit der ausgedruckten Zeitungen als Vorteil: „Ausgerechnet der Journalismus, der Inbegriff zynischer Rasanz, rühmt sich seiner Langsamkeit. Dahinter steckt weniger die Suche nach Erkenntnis als der Phantomschmerz der verlorenen Torwächterfunktion: Seit es das Netz gibt, braucht die Öffentlichkeit nicht mehr die Filter der Medien, um sich zu artikulieren – für die Demokratie eine Bereicherung, für die Journalisten ein Verlust der Priesterfunktion.“

2. „Den Bannwald der Demokratie schützen“
(nzz.ch, Norbert Neininger)
„Der Ruf nach Artenschutz“ (Zitat aus dem erstverlinkten Text) erschallt sogleich. Norbert Neininger fragt sich, ob „wir (auch staatliche) Massnahmen veranlassen“ müssen, die den „Bannwald der Demokratie“ am Leben erhalten. Dazu stellt er einen Katalog zusammen, der die Printpresse entlasten könnte, so zum Beispiel eine „Verbilligung der Zeitungszustellung“, die „Abschaffung der Mehrwertsteuer für Medienerzeugnisse“ und einen „Rabattverzicht bei staatlichen oder öffentlichrechtlichen Kampagnen“.

3. 8 Thesen von Tim Renner
(carta.info, Robin Meyer-Lucht)
Tim Renner stellt acht Thesen zur Zukunft der Journalismusindustrie zusammen. These 2: „Kein Zweig der Medienindustrie sollte den Fehler machen, die Vorteile der analogen Medienträger zu überschätzen. Dies hat die Musikindustrie getan. Und dem gleichen Irrtum erliegen derzeit noch Zeitungs- und Buchindustrie.“

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Armeechefs, Parteibücher, Cleese

1. „Peinliche Details – Journalisten liefern Informationen an BND“
(ndr.de, Video, 7:28 Minuten)
Als prominente Politiker vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestags aussagen mussten, drängten sich die Journalisten in den Sälen. Nun, da es um die Rolle der Journalisten geht, die zum Teil bereitwillig mit dem BND zusammenarbeiteten – gähnende Leere auf den Rängen, kaum Berichte in den Medien. Aktuelle Entwicklungen dazu kann man auf bundestag.de nachlesen.

2. „Darf es Journalisten mit Parteibuch geben?“
(axel-springer-akademie.de/blog, Jan-Eric Peters)
„Ich halte es für eine zwingende Voraussetzung unseres Berufes, größtmögliche Unabhängigkeit zu wahren. Journalisten brauchen Haltung und Grundüberzeugungen, aber keine Mitgliedschaft in Initiativen und Verbänden oder die Nähe zu institutionalisierten Interessen. Im Gegenteil: Journalismus und Parteien – das kann nur nach dem Ausschlussprinzip funktionieren.“

3. „Nachrichten-Revolution“
(oko-bloko.blogspot.com)
„In meinen 32 Jahren des Nachrichtenkonsums (na gut, realistisch sind es ein paar Jahre weniger) gab es bisher zwei Phasen: Prä-CNN und CNN. Ich glaube, die nächste Phase, Post-CNN, hat begonnen.“

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Fraport, Rüdiger, Torjubel

1. „Unser Gott, die Quote“
(zeit.de, Stephan Lebert und Stefan Willeke)
Die Zeit-Titelgeschichte über ARD und ZDF ist nun online. Mit dabei, trotz Kritik unkorrigiert: Rüdiger Schawinski.

2. „Reporter heimlich gefilmt“
(hr-online.de)
„Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport hat Journalisten bei ihrer Arbeit gefilmt“: „Die Kamera am Helm eines Fraport-Mitarbeiters war kaum zu erkennen, auf den ersten Blick sah sie aus wie eine kleine Lampe. Gerichtet war sie zumindest zeitweise auf Journalisten, die in der vergangenen Woche im Kelsterbacher Wald die Räumung des Protestcamps beobachteten.“

3. „So eine Arschkriecherei begeistert mich“
(spiegel.de)
„Kleiner Satz mit großer Wirkung: In China hat ein genervter Korrektor eine sarkastische Notiz hinterlassen – in einem Artikel über kommunistische Funktionäre. Keiner merkte es, der Text wurde gedruckt.“

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Misteltherapien, Ackeret, Gewalt

1. „Die ARD wirbt wieder für Pharma-Unternehmen“
(faz-community.faz.net/blogs/fernsehblog, Stefan Niggemeier)
In der Telenovela „Sturm der Liebe“ geht es auffällig oft um Mistelpräparate: „Alles, was sich ein Hersteller wünschen würde, ist vorhanden: Immer wieder, sogar in den Programmtexten, fällt der zentrale Begriff ‚Misteltherapie‘. Empfohlen wird das Mittel von einem Krebskranken, der ihm die Verantwortung dafür gibt, überhaupt noch am Leben zu sein. Er demonstriert gleich, wie einfach das Präparat in der Apotheke zu bekommen ist. Später wird der betroffene Zuschauer fast unverhohlen dazu aufgefordert, im Internet nach vermeintlichen Beweisen für die Wirksamkeit zu suchen.“

2. „Auslandsberichterstattung durch Private Militärdienstleister?“
(heise.de/tp, Susanne Härpfer)
Die Auslandberichterstattung etablierter Journalisten nimmt ab, die Zahl privater Militärfirmen nimmt zu: „Private Militärdienstleister bringen gewissermaßen Auslandsberichterstattung für Abonnenten; Spezialdienste unter besonderem Blickwinkel.“

3. „Tschechien fesselt investigative Journalisten“
(dradio.de, Kilian Kirchgeßner)
Eine Neuerung im tschechischen Strafrecht vermindert journalistische Möglichkeiten. Journalistenvertreter sprechen von einer Beschneidung der Pressefreiheit durch die Hintertür: „Die schärfste Kritik richtet sich dabei gegen das neue Verbot, Protokolle von abgehörten Telefongesprächen zu veröffentlichen. In Tschechien ist das deshalb ein sensibles Thema, weil die Medien damit in der Vergangenheit kriminelle Verstrickungen von Spitzenpolitikern bewiesen haben.“

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