Archiv für 6 vor 9

Botox, Brand eins, John Demjanjuk

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. „Niggemeiers Stern.de-Kritik und das wahre Problem“
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Für Thomas Lückerath ist nicht nur die mangelnde Eigenleistung ein Problem des Online-Journalismus, sondern auch die Beliebigkeit: „Wo man im Print seine traditionsreichen Marken klar positioniert und deutlich gegeneinander abgrenzt, zeigt sich online nicht mal ansatzweise eine solch klare Differenzierung. Wenn sich besserer Online-Journalismus bei so vielen Marktteilnehmern nicht rechnet, bleibt uns wohl nichts anderes übrig als eine baldige Marktbereinigung zu wünschen.“

2. „Ein Schwindel für die Medien?“
(taz.de)
„Die skandalöse Geschichte von einer Mutter in Kalifornien, die ihrer achtjährigen Tochter angeblich das Anti-Falten-Mittel Botox spritzte, war womöglich ein Schwindel.“

3. „mein schwindender respekt vor der brandeins“
(wirres.net, Felix Schwenzel)
Ein Artikel in „Brand eins“ macht Felix Schwenzel „ein bisschen wütend“: „das alles ist deshalb ärgerlich, weil ich lieblos zusammengeflanschte und tendenziöse müll-artikel zum urheberrecht überall lesen und sehen kann, von der brandeins aber einen ticken mehr erwarte.“

4. „Der Fall Demjanjuk – die mediale Hetzjagd auf BILD.de nimmt kein Ende“
(mediensalat.info, Ralf Marder)
Ralf Marder fasst zusammen, wie Bild.de seit 2009 über John Demjanjuk schreibt.

5. „Der Blogger“
(arte.tv, Video, 26:11 Minuten)
„Der Blogger“ besucht Boulevardzeitungen in Polen und Finnland und diskutiert die Absenz solcher in Frankreich. Ab Minute 24 wird Bildblog kurz vorgestellt.

6. „Stanislaw rennt“
(sprengsatz.de, Michael Spreng)
„In einem langen Journalistenleben trifft man schon eine Menge bizarrer und kranker Typen. Die größte Ansammlung erlebte ich, als ich stellvertretender Chefredakteur von BILD wurde.“

Waldsterben, Stern.de, Paul Kagame

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1. „stern.de: Anatomie einer Attrappe“
(stefan-niggemeier.de)
Auf Stern.de werden Artikel (mit neuer Internetadresse und neuem Datum) methodisch wiederaufbereitet, so „dass sie — für den flüchtigen Leser, aber sicher auch für Suchmaschinen — immer wieder neu erscheinen.“ Siehe dazu auch die Analyse der am 17. Mai auf Stern.de erschienenen Artikel.

2. „Und ewig sterben die Wälder“
(arte.tv, Video, 52 Minuten)
Michael Miersch blickt zurück auf das Waldsterben, an das er auch mal glaubte – und die mitunter hysterische, von Medien wie „Stern“ und „Spiegel“ befeuerte Debatte darüber in den 1980er-Jahren: „1947 sind mehr Bäume gestorben als in der gesamten Phase des Waldsterbens.“ Interessant ab Minute 25: Die Angriffe der „Süddeutschen Zeitung“ auf Wissenschaftler, die damals von der gängigen Meinung abweichende Forschungsergebnisse präsentierten.

3. „Die neue Gefahr der Tarnkappen-Gatekeeper“
(netzwertig.com, Peter Sennhauser)
Peter Sennhauser fragt sich, ob nicht alte Gatekeeper unbemerkt von neuen abgelöst wurden: „Die Algorithmen liefern mir alles, was mich interessieren könnte. Das ist nicht gleichzusetzen mit dem, was mich interessieren müsste. Die Webmaschinen sind Quotenbolzer geworden, die mich nicht mit überraschendem verblüffen, sondern mit genau dem zufriedenstellen wollen, was ich erwarte.“

4. „Federer ist sich für nichts zu schade … die ‚Schweizer Illustrierte‘ auch nicht“
(tagesanzeiger.ch, Michèle Binswanger und Daniel Arnet)
Die aktuelle Titelgeschichte der „Schweizer Illustrierten“, ein Interview mit Tennisspieler Roger Federer, wurde von Joy Bolli geführt, einer Mitarbeiterin der Bank Credit Suisse. „Hiess die entsprechende Tätigkeit nicht früher einmal PR? Und ist diese Federer-Geschichte genau genommen nicht eine Publi-Reportage, powered bei Credit Suisse?“ Das Originalinterview auf sponsorship.credit-suisse.com.

5. „Verdacht und Verurteilung“
(visdp.de, Hajo Schumacher)
Die Vergewaltigungsvorwürfe gegen Dominique Strauss-Kahn: „Lassen sich die Vorwürfe gegen Strauss-Kahn nicht belegen, so ist die Hinrichtung doch jetzt schon vollzogen. Als IWF-Präsident ist er bereits zurückgetreten, als Kandidat für höchste politische Ämter ist der Mann nicht mehr vermittelbar.“

6. „Rwanda’s Paul Kagame hits back at Twitter critic“
(bbc.co.uk, englisch)
Paul Kagame (@paulkagame), Präsident von Ruanda, reagiert auf Tweets von @ianbirrell.

Strauss-Kahn, Meinungsfreiheit, Brügelmann

6 vor 9

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1. „nr-Mediendisput zur Bild-Zeitung“
(ustream.tv, Video, 102 Minuten)
Bela Anda, Markus Feldenkirchen, Wolfgang Storz, Ulrike Simon, Harald Schumann und Thomas Leif diskutieren über „Bild“. Ab 2 Minuten stellt Hans-Jürgen Arlt die „Bild-Studie“ vor: „Das Wesentliche an der Bild-Zeitung kriegt man nicht mit, wenn man sie journalistisch und politisch beobachtet.“ Über den Abend berichtet auch Sonja Pohlmann für Tagesspiegel.de.

2. „Falsche Fotos, falsche Fakten“
(spiegel.de, Stefan Kuzmany)
Der in Peking lebende Autor Christian Y. Schmidt hält Teile der westlichen China-Berichterstattung für Propaganda: „In den westlichen Medien wird zum Teil Propaganda betrieben, wenn es um China geht. Und das wird in China gerade von den Nationalisten immer wieder aufgegriffen: Falsche Fotos, falsche Fakten, das wird alles mit großer Begeisterung im chinesischen Internet aufgelistet. Die Fallbeispiele sind sehr umfangreich.“

3. „Schwarm-Intelligenz und Schwarm-Feigheit“
(sprengsatz.de, Michael Spreng)
Die Meinungsfreiheit ist (neben seiner Frau) die grosse Liebe des Lebens von Michael Spreng: „Meinungsfreiheit ist nicht von Generationen vor mir mit Blut und Opfern erkämpft worden, um im Internet zu anonymer Denunziation zu verkommen. (…) In einer freien Gesellschaft, in der man seine Meinung offen äußern darf, gehört zur Meinungsäußerung, erst recht zur Entblößung anderer, auch der Absender. Das bisschen Mut muss sein.“

4. „Die mediale Vorverurteilung von Strauss-Kahn“
(ndr.de, Video, 6:39 Minuten)
Dominique Strauss-Kahn wird von einer Hotelangestellten der Vergewaltigung beschuldigt. „Spekulationen gibt es viele, Tatsachen bislang nur wenige. (…) Er ist noch nicht einmal angeklagt, doch in den Medien schon verurteilt.“

5. „Hamburger Anzeigenblatt“
(golfnerd.de, Denis Krah)
Denis Krah über das Golfmagazin „Eagle“, das unter der Marke „Hamburger Abendblatt“ erscheint. „500 Euro werden für ein redaktionelles Clubporträt plus 1/4-Seiten-Anzeige verlangt. Einen Hinweis auf diese bezahlte Berichterstattung sucht man in ‚Eagle‘ vergebens. Keine ‚Sonderveröffentlichung‘ und auch keine ‚Anzeige‘ prangt über den Auftragsarbeiten/Advertorials.“

6. „Mit den Millionären kann man es ja machen“
(sportmedienblog.de)
Matthias Brügelmann, Chefredakteur von „Sport Bild“, fordert in einem Editorial sowas wie ein Berufsverbot für Fußballspieler Diego: „Spieler wie Diego, die so drastisch gegen ihren Arbeitsvertrag verstoßen, müssen für Vereine in der ganzen Welt gesperrt werden können bei gleichzeitigem Gehaltsstopp. Das wäre die einzig wirksame Abschreckung für solche Typen.“

Anke Schäferkordt, Authentizität, Segregation

6 vor 9

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1. „Verärgerung als Straftat“
(begleitschreiben.twoday.net, Gregor Keuschnig)
Gregor Keuschnig geht auf die Verärgerung von Journalisten durch die FDP ein, die in einem „Tagesspiegel“-Artikel festgestellt wurde: „Welchen Informationswert hätten Fotos der beiden Kinder Röslers gehabt? Was hätte dies für mein politisches Urteil über Rösler und die FDP bedeutet? Die Antwort lautet zweimal – Nichts. Fotos der beiden Kinder hätten überhaupt keine Bedeutung gehabt. Ihr politischer Informationswert tendiert gegen Null.“

2. „Die Quotenfrau“
(zeit.de, Anna Marohn und Christof Siemes)
Scripted Reality: RTL-Chefin Anke Schäferkordt beantwortet die Frage, ob Zuschauer unterscheiden können zwischen „echten“ Fällen und erfundenen: „Ja, das können sie sehr gut. Die Frage kommt immer wieder, weil es so schön einfach ist, den Zuschauer permanent zu unterschätzen. Es steht im Vorspann und im Abspann, dass die Geschichten gescriptet, also geschrieben sind. Ein Großteil der Zuschauer hat das wahrgenommen. Das wirklich Interessante ist, dass es den meisten Zuschauern völlig egal ist. Sie fragen nur: Ist das eine Geschichte, die mich fesselt und unterhält?“

3. „Die Wahrheit der großen Zahl“
(magda.de, Susanne Fischer)
Susanne Fischer fragt sich, wie Bilder aus Krisenregionen verifiziert werden können: „Praktisch jeder Fernsehsender, der das Filmmaterial von YouTube und die Fotos von Facebook für die eigene Berichterstattung aus Syrien verwendet, fügt den Standardsatz ‚Die Authentizität der Bilder konnte nicht unabhängig verifiziert werden‘.“

4. „Wider die Anonymität politischer Debatten im Netz“
(dradio.de, Markus Reiter)
Markus Reiter spricht sich für Klarnamen im Web aus: „Wenn wir einen sinnvollen politischen Diskurs im Internet wollen, müssen die Teilnehmer öffentlich zu ihrer Meinung stehen.“

5. „Unkritische Tagesschau hinterfragt Experten nicht“
(infosperber.ch, Urs P. Gasche)
Die „Tagesschau“ des Schweizer Fernsehens vermeldet steigende Gesundheitskosten als „gute Nachricht“. Denn verglichen werden die aktuellen Zahlen nicht mit denen des Vorjahrs, sondern mit den damals gestellten Prognosen. So kommt man darauf, dass die Kostensteigerung „abgeschwächt“ werden konnte. „Die Online-Ausgabe der Tagesschau titelte ‚Weniger Wachstum bei den Gesundheitskosten‘.“

6. „Bitte Abstand halten“
(faz.net, Uta Rasche)
Wie Eltern subtil und weniger subtil auf die Spielkameraden ihrer Kinder Einfluss nehmen: „Erziehungswissenschaftler sehen den Trend zur Segregation kritisch, weil sie die Chancengleichheit, die zum Selbstverständnis demokratischer Gesellschaften gehört, unterhöhlt. In der Grundschule als ‚Schule des Volkes‘ sollten Kinder aus allen Schichten miteinander zurechtkommen.“

Scanner, Eklat, Dortmund

6 vor 9

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1. „Die Scanner“
(faz.net, Friederike Haupt)
Friederike Haupt trifft sich mit Dissertationsprüfern aus dem GuttenPlagWiki und dem VroniPlagWiki: „Während KayH sich für seine ‚Gutten-‚ und ‚Vroniplag‘-Recherchen mehr als hundert – meist antiquarische – Bücher kauft und sie durcharbeitet, digitalisiert marcusb, nebenbei Filme schauend, die Arbeiten, die er aus der Bücherei geliehen hat, liest sie in Windeseile, vergleicht sie mit Hilfe von Software und findet sofort Plagiate; sein gutes Gedächtnis hilft ihm, Plagiate zu entdecken, die der Software entgehen.“

2. „Schlag ins Gesicht“
(sueddeutsche.de, Hans-Jürgen Jakobs)
Kaum ist der gemäß „Bild“ „peinlichste Medien-Skandal des Jahres“ (eine Preisverleihung unter Journalisten) vorbei, präsentiert Hans-Jürgen Jakobs einen „Eklat“, „den es im öffentlich-rechtlichen Fernsehen so noch nie gab“ (der Verwaltungsrat des WDR stimmt gegen einen von der ARD abgeschlossenen Vertrag mit einem Boxpromoter).

3. „FDP verärgert Journalisten“
(tagesspiegel.de, Sonja Pohlmann)
Die Freie Demokratische Partei FDP verlangt an ihrem Parteitag von Journalisten und Fotografen, vorab schriftlich zu erklären, keine Fotos der Kinder von Parteichef Philipp Rösler zu machen und zu veröffentlichen.

4. „Indien: Neue Macht für Mädchen“
(mediathek.daserste.de, Video, 6:52 Minuten)
Wie junge Frauen in Indien dank „Appan TV“ zu Lokaljournalistinnen werden (Protokoll der Sendung).

5. „Griechenland in der Euro- und Medienkrise“
(dradio.de, Eleni Klotsikas und Jörg Wagner)
ERT-Journalist Pavlos Nerantzis äußert sich über deutsche Medienberichte über die Krise in Griechenland: „Griechenland wird mit Spott und Häme überzogen, wenn wir dabei an die Berichterstattung der Bildzeitung oder die Verunglimpfung unserer Aphrodite durch den Focus denken. Es wird immer gesagt der Grieche arbeitet nicht. Das stimmt nicht. Die Griechen arbeiten wie verrückt. Auf Basis der Statistik von Eurostat mehr als alle anderen.“

6. „Dortmund, Borsigplatz 2011“
(goncourt.net)
„Hier sammeln viele Pfandflaschen: Rentner, Arbeitslose, Studenten. Eigentlich ist es ein Kleinbürgerviertel: Leute, die morgens in der Bahn sitzen, um zur Arbeit zu fahren. Juweliere, Friseure, Handyverkäufer. Postleute, Studenten, Leute, die ich als Verkäufer in einem Kaufhaus wiedertreffe. Und eine ganze Großelterngeneration von Stahl- und Bergarbeitern, die in den Reihenhäusern der Westfalenhütte geblieben sind.“

Bernd Ziesemer, Internet-Fexe, Kai Pahl

6 vor 9

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1. „Ich bin dieser Gegenkandidat“
(faz.net, Claudius Seidl)
Claudius Seidl tritt bei der Wahl zum ZDF-Intendanten gegen Thomas Bellut an. Er will „alles, was es auch umsonst gäbe, also ohne Gebührenzwang bei den kommerziellen Sendern“, aus dem Programm nehmen: „die Champions League, der zeitgeschichtliche Zweiteiler mit Veronica Ferres (Bettina Zimmermann, Christine Neubauer), die Nachmittagssoaps, die Kochshows, die Arztserien, die sogenannten TV-Movies, Rosamunde Pilcher, Inga Lindström. (…) Plötzlich wird Platz sein im Programm, Platz für die wunderbaren Sachen, welche das ZDF bislang in seine Neben-, Sparten- und Digitalkanäle verbannt hat (…)“

2. „Mit der ‚Bild‘ ins Abklingbecken der Eitelkeiten“
(blog-cj.de, Christian Jakubetz)
Christian Jakubetz fasst zusammen, was „Bild“ den „peinlichsten Medien-Skandal des Jahres“ nennt. „Jedenfalls darf man dann doch wenigstens in sich reinschmunzeln, wenn mal wieder behauptet wird, die Blogosphäre sei irgendwo so irre selbstreferentiell. Die großen Qualitätsmedien haben jedenfalls in dieser Woche mehr über eine missratene interne Preisverleihung berichtet als über Fukushima.“

3. „Viel gepflegte Heuchelei“
(epd.de, Ellen Nebel)
Ex-„Handelsblatt“-Chefredakteur Bernd Ziesemer im Interview: „Es gibt da viel gepflegte Heuchelei in unsere Branche. Weil Chefredakteure viele Dinge mitkriegen, über die sie nie reden. Mich erinnert das immer an den Grundsatz der italienischen Mafia. Der lautet: Die, die reden, wissen nicht und die, die wissen, reden nicht.“

4. „German Journalistic Complacency, Volume XXVIII“
(andrewhammel.typepad.com, englisch)
„Occasionally, I survey German coverage of the death penalty in America, mostly for professional purposes. What strikes me again and again is how utterly casual standards of fact-checking are — at least when it comes to popular assumptions of the German bourgeois elite about American society.“

5. „Hier spricht das Allesaussersport-HQ“
(allesaussersport.de, Kai Pahl)
Sportblogger Kai Pahl dokumentiert, wie er arbeitet: „Gerade im US-Sport ist ohne Notizen nichts zu machen. Bei über 330 College Basketball- und über 120 College Football-Teams, von denen man einige nur 2-3x pro Saison sieht, geht es nicht anders.“

6. „Medienschelten oder: Der Kampf um die Deutungshoheit“
(dradio.de, Sabine Pamperrien)
Sabine Pamperrien denkt in einem langen Essay über die Medienkritik nach. Sie erkennt dabei einen „Herrschaftsanspruch der Internet-Fexe“, Stefan Niggemeier wird als „professioneller Journalistenjäger“ eingestuft, das „Journalisten-Bashing“ sei generell in Mode gekommen. Wiederum gilt: „Medienschelten machten sich schon immer gut.“

Cross-Promotion, Duslog, Schwimmer

6 vor 9

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1. „Was Dieter Bohlen mit Wolf Schneider zu tun hat“
(medienpiraten.tv, Peer Schader)
Wie nehmen Journalisten Wolf Schneider wahr? Und wie dagegen Dieter Bohlen? Wie wird ein „Reportagekünstler“ beim „Spiegel“ beurteilt? Und wie dagegen die Scripted-Reality-Formate der Privatsender? „Darin, mit zweierlei Maß zu messen, ist diese Branche im Moment wirklich außerordentlich groß.“

2. „Marke Eigenwerbung“
(freitag.de, Silke Burmester)
Silke Burmester nervt die ausufernde Cross-Promotion von ARD und ZDF: „Es ist die unangenehme Kumpanei, die entsteht, wenn Anne Will die Kollegen von den Tagesthemen fragt, was sie denn ‚heute für uns haben‘. Und Tom Buhrow mit seinem stets um Aufmunterung bemühten Gemüt ‚Anne‘ antwortet und doch zu den Zuschauern spricht, als wären wir zu blöd, zu erfassen, dass das ein abgesprochenes Spiel ist.“

3. „Springer: ‚Wer im Netz professionell publiziert, sollte Zitat und Zweitauswertung unterscheiden können.'“
(carta.info, Robin Meyer-Lucht)
Robin Meyer-Lucht rollt den Fall der Schadenersatzforderung von Axel Springer an Exciting Commerce auf. „Es hätte sicherlich geholfen, wenn Exciting Commerce selbst berichtet hätte, dass das von Springer monierte ‚Zitat‘ bei Exciting Commerce eine Länge von 1.530 Zeichen hatte und über die Hälfte des Postings ausmachte. Selbst urberrechtlich weniger begabten Menschen wird schwanen, dass hier das Zitatrecht möglicherweise überstrapaziert wurde.“

4. „Da ist viel Beklopptes dabei“
(jetzt.sueddeutsche.de, Christian Helten)
Christian Helten spricht mit Lukas Heinser über Duslog.tv. Zur Berichterstattung von „Bild“ über den Eurovision Song Contest 2011 siehe Jan Feddersen in der „taz“: „Es ist cool, nichts zu sagen“

5. „Wie ich mir für 57 Euro einen Doktortitel kaufte“
(frankfurter-magazin.de, Heiner Hänsel)
Heiner Hänsel sieht sich genötigt, seinen unrechtmäßig erworbenen Doktortitel zurückzugeben.

6. „Von Seerosen und Sportschwimmern“
(swim.de, Bruno Baumgartner)
Bruno Baumgartner beobachtet Schwimmer im Freibad.

Silvana Koch-Mehrin, Lena, Mississippi

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1. „Kisch-Debatte: Interview mit René Pfister“
(reporter-forum.de, Ariel Hauptmeier)
Ariel Hauptmeier befragt René Pfister zur Verleihung und Aberkennung des Henri-Nannen-Preises: „Die Jury hat sich am vergangenen Freitag entschieden, mir die größte Ehre zukommen zu lassen, die in Deutschland einem Reporter zukommen kann. Dann wurde der Preis in eine Strafe verwandelt, und die Jury hat es nicht einmal für nötig erachtet, mich anzuhören.“

2. „Mogelpackung im WWW?“
(de.ejo-online.eu)
Eine Studie des European Journalism Observatory (PDF-Datei) untersucht, „wie europäische Medien ihr Publikum online an redaktionellen Prozessen teilhaben“ lassen. „Viele europäische Medien setzen offenbar vor allem aus Marketing-Gründen Transparenz-Instrumente ein, die dem Publikum eher die Illusion von Teilhabe an journalistischen Prozessen geben denn tatsächlich Dialog ermöglichen.“

3. „Schäuble lässt nach Informanten fahnden“
(zeit.de, Philip Faigle)
Im Finanzministerium sucht man den Mitarbeiter, „der in der vergangenen Woche einen internen Sprechzettel von Finanzminister Wolfgang Schäuble an die Presse weiter gereicht hat“: „Das Papier habe auf einem Server des Ministeriums gelegen, auf den insgesamt 28 Mitarbeiter Zugriff hatten, sagte der Sprecher Schäubles. Noch sei allerdings unklar, wie viele Personen das Dokument kannten. Auch habe man noch keinerlei Anhaltspunkte, wer schließlich das Papier verschickt habe.“

4. „Vorzeigefrau wird Hinterbänklerin“
(tagesschau.de, Martin Durm)
Martin Durm schreibt aus Straßburg zum Rückzug von Silvana Koch-Mehrin: „Frau Koch-Mehrin hat viele Gegner in Straßburg, aber andererseits eben auch viele Verbündete in Medien und Politk. Die ‚Bild‘-Zeitung beispielsweise, die sich in ihrer ansonsten eher europakritischen Berichterstattung gar nicht mehr einkriegen konnte vor Begeisterung für Frau Koch Mehrin – und für ihr blondes Haar: Miss Europa, schönste Mutter im EU-Parlament, wurde sie bei Springer genannt, als sie sich mit Schwangerschaftsbauch ablichten ließ.“

5. „Anstelle eines Lena-Wortspiels: Benehmen wie ein Bürstenbinder“
(miumeu.twoday.net, Miss Manierlich)
„Heisskalte wellen des fremdschämens“ durchlaufen Miss Manierlich anlässlich des Zusammentreffens von Lena Meyer-Landrut und Frank Elstner in der ARD-Sendung „Show für Deutschland“ (Video auf YouTube): „ich erwarte, dass so jemand den arsch zusammenkneift und ein freundliches lächeln aufsetzt, wenn ein interviewer pathetische vergleiche zieht (’sie sind der einsamste mensch da unten auf der bühne‘) oder probleme mit dem zählen hat (‚die letzten beiden jahre‘). pampigkeit, klugscheißerei und sparkassen-freche-jugendlichkeit ist nur dann angebracht, wenn das gegenüber selbst die grenze der höflichkeit und des guten geschmacks überschreitet und bspw. unverschämte privatangelegenheiten aus dem interviewten herausprovozieren will.“

6. „Weatherman-Based System of Flood Height Measurements“
(thedailyshow.com, Video, 1:53 Minuten, englisch)
Der über die Ufer tretende Mississippi bringt Journalisten dazu, sich in den Fluß zu stellen.

Spiegel Online, Henri-Nannen-Preis, ESC

6 vor 9

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1. „Die nützliche Falschmeldung vom Euro-Austritt“
(zeit.de, Yanis Varoufakis)
Yanis Varoufakis schreibt in seinem Blog mehrere Texte zum „Spiegel“-Artikel „Griechenland erwägt Austritt aus der Euro-Zone“. Marcus Gatzke übersetzt den neusten: „Der in der deutschen Politik bestens vernetzte Spiegel wollte zusammen mit bestimmten Kreisen in der deutschen Regierung – vor allem des Bundesfinanzministeriums – ein Signal an das Kanzleramt und den griechischen Ministerpräsidenten senden.“

2. „Das Vorabendgrauen zum Eurovision Song Contest“
(faz-community.faz.net/blogs/fernsehblog, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier schaut „ein Programm voller Verzweiflung und zum Verzweifeln“, nämlich die „Show für Deutschland“ auf ARD, in der Frank Elstner die deutsche Kandidatin für den ESC 2011, Lena Meyer-Landrut, befragt. Ausschnitte daraus auf YouTube (Video, 2:31 Minuten).

3. „Abschreibejournalismus kommt in Mode“
(theeuropean.de, Martin Eiermann)
Martin Eiermann fragt, wie viel „New York Times“ in „Spiegel Online“ steckt: „Der Bericht, dass 600 Hunde in Afghanistan und dem Irak im Einsatz sind? Die Neuanschaffung von vier Kampfwesten für die Vierbeiner? Die interne Einschätzung des Militärs, welche Hunderassen besonders geeignet für den Kampf gegen Mann und Maus seien? Alles in der New York Times nachzulesen und akkurat im SPIEGEL zitiert. Google Translate hätte es besser nicht machen können.“

4. „Die Geschichte vom traurigen Dinosaurier“
(journalist.de, Steffen Grimberg)
Steffen Grimberg präsentiert die Patientenakte der „Frankfurter Rundschau“: „Die Zahl der Abonnements ist in nur fünf Jahren um fast ein Drittel eingebrochen, auch der Einzelverkauf bröckelt. Im Zehnjahresvergleich sehen diese Werte noch dramatischer aus: Mehr als 40 Prozent beträgt der Verlust beim Abo, der Einzelverkauf hat sich mehr als halbiert.“

5. „Interview mit Oliver Gehrs zum Eklat beim Henri-Nannen-Preis“
(meedia.de, Stefan Winterbauer)
Nach der Erklärung der Jury des Henri-Nannen-Preises zur Aberkennung eines gerade verliehenen Preises wird in deutschen Medien ausführlich diskutiert, siehe dazu Texte von „Spiegel Online“, Stefan Winterbauer, Wolfgang Michal, Hans Leyendecker, Harald Martenstein, Matthias Dell und anderen. Oliver Gehrs meint: „Die Maßstäbe, die da nun plötzlich angelegt werden, sind ja eher zufällig und der ganze Eklat kam nur zustande, weil René Pfister auf der Bühne die Wahrheit ausgesprochen hat. Wenn man die ganzen preisgekrönten Reportagen der vergangenen Jahre anschaut, wird man womöglich viele Passagen finden, die ähnlich zustande gekommen sind.“

6. „Balken-Sonnenbrille bietet Sonnen- und Persönlichkeitsschutz“
(neuerdings.com, Frank Müller)
Die Sonnenbrille „Paparazzi Shades“ kostet 12 US-Dollar.

Katja Kessler, Neven DuMont, Gegenwart

6 vor 9

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1. „betr. Interview mit Katja Kessler“
(planet-interview.de, Jakob Buhre)
Fast die Hälfte der Antworten eines Interviews mit Katja Kessler, Autorin und Ehefrau von „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann, werden bei der Autorisierung wieder gestrichen. „Zu ihrer journalistischen Laufbahn befragt, sagte Frau Kessler: ‚Bild war mein großes Glück‘. Dieses Zitat hat sie freigegeben. Dass sie mehrere Antworten zu diesem Medium, sowie Antworten zu den Fotos in ihrem Buch und zu Paparazzi-Fotos ersatzlos gestrichen hat, bedauern wir.“

2. „Wissenschaftsjournalismus für Dummies“
(wahrheitueberwahrheit.blogspot.com, Thomas)
Sechs Regeln zum Wissenschaftsjournalismus mit konkreten Beispielen: „Wichtiges kommt aus den USA! Machen sie es nicht kompliziert! Assoziieren sie! Meiden Sie Wikipedia! Recherchieren sie NIE!“

3. „Der tägliche Medienpranger im Fall Stefanie P.“
(kobuk.at, Marc Christian Halper)
Kobuk listet auf, was österreichische Medien im anlaufenden Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder einer Studentin vermissen lassen.

4. „Gegenwartsversessenheit“
(nzz.ch, Dieter Thomä)
Dieter Thomä konstatiert die Zeitkrankheit Gegenwartsversessenheit. Genauer analysiert werden der „Bann des Besitzstands, die Wut des Vergleichens und die Sucht des Synchronen.“

5. „Hasidic Paper Removes Hillary Clinton From Osama Picture“
(failedmessiah.typepad.com, englisch)
„Der Tzitung“ schneidet Frauen aus einem vom Weißen Haus veröffentlichten Bild.

6. „Ich oder du, Alfred“
(magda.de, Philipp Maußhardt)
Philipp Maußhardt beschreibt, wie er seinen Job als Lokalchef des Kölner Stadt-Anzeigers verlor, weil er ein Foto des Verlegers Alfred Neven DuMont abdruckte: „Auf diesem Bild hatte der als äußerst eitel bekannte Neven DuMont nach etlichen ‚Glas Kölsch‘ die Kontrolle über seine Gesichtszüge verloren, in der rechten Hand hielt er eine Zigarre, in der linken ein Kölschglas, dessen Inhalt auszukippen drohte. Die ansonsten wie Beton gegossene Frisur war verrutscht, die Haare hingen ihm in die Stirn. Alfred Neven DuMont lächelte selig und entrückt.“

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