Archiv für 6 vor 9

IPCC, Mädchen-WG, Heute

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. „FR zieht Artikel gegen Klimarat zurück“
(wissenslogs.de/wblogs/blog/klimalounge, Stefan Rahmstorf)
Die „Frankfurter Rundschau“ zieht einen Artikel vom Februar mit Vorwürfen gegen den Weltklimarat zurück. „Zahlreiche andere Zeitungen innerhalb und außerhalb Deutschlands haben die falschen Vorwürfe gegen das IPCC ungeprüft nachgedruckt, die das Gespann North/Leake in die Welt gesetzt hat.“ Siehe dazu auch die Übersicht über die angeblichen und echten IPCC-Fehler.

2. „Missbrauch light“
(fernsehkritik.tv/blog)
Der Fernsehkritiker stört sich daran, dass das ZDF für den Kinderkanal „derzeit fünf Mädchen zwischen zwölf und vierzehn Jahren für eine Dokusoap namens ‚Die Mädchen-WG'“ sucht. „Was wäre eigentlich, wenn ein Sender wie RTL ‚Die Mädchen-WG‘ produzieren würde? Sofort wären doch alle Jugendschützer und Politiker (zu Recht) auf den Barrikaden.“

3. Interview mit Sheri Fink
(derstandard.at, Michael Kremmel)
„Sheri Fink arbeitet als Journalistin unter Bedingungen, die sich für die allermeisten Journalisten wie Erzählungen aus einer fernen Welt anhören: Weder Geld noch Zeitmangel bei der Recherche, 140 Gesprächspartner und rund ein Dutzend Personen, die aktiv an der Entstehung eines Artikels beteiligt sind. Zwei alleine dafür, damit alle Fakten noch einmal überprüft werden.“

4. „‚Cicero‘ wehrt sich gegen ‚Linksruck‘-Vorwurf“
(tagesspiegel.de, Sonja Pohlmann)
Alexander Görlach von „The European“ unterschreibt eine Unterlassungserklärung, „die ‚Cicero‘-Chefredakteur Michael Naumann von ihm gefordert hatte“. Görlach dazu: „Wir möchten nicht in einen kostspieligen Prozess und langwierigen Rechtsstreit verwickelt werden. Aus all diesen Gründen haben wir uns entschieden, das Geld lieber in unser Magazin zu investieren. Andernfalls wäre dieses Geld an Anwälte und Gerichte zu zahlen.“

5. „Wieviele Fehler passen in eine Titelgeschichte von ‚Heute‘?“
(kobuk.at, André Pascal Horvath)
Nicht der Staat, sondern die Wirtschaft zahlt die Gehälter, schreibt André Pascal Horvath zur „Heute“-Schlagzeile „Staat zahlt Häftlingen 10 Millionen € Gehalt!“.

6. „SEO-Tipps für Blogger und Journalisten“
(t3n.de)
Suchmaschinenoptimierung ist Alltag in Online-Redaktionen. „t3n“ hat einige Tipps dazu und gibt zu bedenken: „SEO-Maßnahmen machen keinen Sinn, wenn der Artikel darunter leidet!“

TV-Politik, Mäzenatentum, Wikileaks

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1. „Eine Doppelpressekonferenz namens Fernsehduell“
(faz.net, Reiner Burger)
Reiner Burger hat sich das „Duell“ (wdr.de, Video, 66 Minuten) zur anstehenden Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen angesehen. „Über weite Strecken war ‚Das Duell‘ eher eine Doppel-Pressekonferenz mit ausgestanzten Versatzstücken aus unzähligen Wahlkampfauftritten und den Parteiprogrammen der beiden Kontrahenten, die merkwürdigerweise nebeneinander standen in der Weite der Kölner Vulkanhalle.“

2. „ARD Griechenland-Brennpunkt: ‚Sensationell schlecht‘ geht weiter“
(carta.info, Robin Meyer-Lucht)
Robin Meyer-Lucht beschäftigt sich kritisch mit dem Brennpunkt „Ruiniert Griechenland Europa?“ (tagesschau.de, Video, 9:35 Minuten). „Im Ergebnis ist dieser ARD-Brennpunkt sehr nah dran an der offiziellen Interpretationsmaschinerie der Bundesregierung. Er findet keinen eigenen Standpunkt, er leistet keinen eigenen Aufklärungs- und Orientierungsbeitrag, sondern er gibt Wolfgang Schäuble eine Bühne für seine beschwichtigenden Botschaften.“

3. „Danke für die Spende, Leser!“
(spiegel.de, Frank Patalong)
Frank Patalong fragt in einem ausführlichen Artikel: „Ist Mäzenatentum durch große und kleine Spender ein Weg, Medien zu retten?“

4. Interview mit Daniel Schmitt
(dctp.tv, Video, 36 Minuten)
Daniel Schmitt ist eine der wenigen öffentlichen Figuren von Wikileaks. Am Rande der re:publica gibt er Auskunft über die Plattform, die Dokumente öffentlich macht.

5. „Leben zwischen Eiben“
(taz.de, Gabriele Goettle)
Gabriele Goettle besucht Juergen Jonas, der zwischen den Villen von Berlin-Dahlem im Freien lebt. „Und wie gesagt, Geld interessiert mich überhaupt nicht. Kein Geld, keine Geldsorgen. Geld ist was, womit der meiste Unsinn überhaupt getrieben wird. Arbeit interessiert mich auch nicht. Ich biete keine Leistungen und nehme auch keine in Anspruch. (…) Ich esse Brot, das man nicht mehr haben will. Vom Chinesen bekomme ich ab und zu Reis geschenkt, oder ich besorge mir was, aus der Ökotonne am Supermarkt vorne. Ich esse die abgelaufenen Sachen, und mir ist längst nicht jedes Mal schlecht geworden danach.“

6. „Liebe Online-Presse.“
(opalkatze.wordpress.com)
30 womöglich nicht ganz ernst gemeinte Tipps für Zeitungen online. Tipp 6: „Klickstrecken bauen, je länger, je lieber, das vermittelt dem Leser das heimelige Gefühl des Umblätterns.“

Rosenöl, Germanophobie, Energiesparlampen

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1. „BILD kämpft – recherchiert aber nicht“
(wortvogel.de, Torsten Dewi)
„Bild“ schreibt über eine Rosenöl-Pflegeserie, die ein “Bruder Quirinus” von einem “Kloster Marien-Quell” verkauft und bildet dazu „Pater Kilian Saum, den ehemaligen Leiter der Krankenstation des Klosters Sankt Ottilien“ ab.

2. „Die ‚Germanophobie‘ der Deutschschweizer“
(io1.blogspot.com, Patrik Tschudin)
Verschiedene Medien berichten über die Ergebnisse einer noch unpublizierten Studie, die auf 15 Jahre alten Daten beruht: „Alles, was die weitere Oeffentlichkeit über ihren Inhalt weiss, stammt aus Communiqués, Essays von und Interviews mit dem Autor.“

3. „taz: Blackout bei Energiesparlampen“
(greenpeace-magazin.de)
Der taz-Artikel „Da geht uns ein Licht aus“ bezieht sich gemäss greenpeace-magazin.de auf eine Studie, die es gar nicht gibt – „die genannten Aussagen über einen 1,4-fachen Verbrauch an Heizenergie oder ‚gefühlte‘ Temperaturen durch veränderte Lichtfarben finden sich darin nicht.“

4. „FAS erwähnt Anti-Atom-Demo gar nicht erst“
(blog.dummy-magazin.de, Oliver Gehrs)
Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ berichtet in ihrer gestrigen Ausgabe nicht über die Massenproteste gegen eine Verlängerung der Laufzeiten von Kernkraftwerken am Samstag.

5. „Die Zuschauer-Falle“
(fernsehkritik.tv/blog)
Die am Freitag ausgestrahlte Sat.1-Sendung „Comedy-Falle“ stammt aus dem Jahr 2008. Trotzdem wurden die Zuschauer zu kostenpflichtigen Voting-Anrufen aufgefordert: „Die Zuschauer wurden aufgerufen, per Telefon-Voting darüber zu entscheiden, wer den besten Streich abgeliefert hat – und dies, obwohl Jeanette Biedermann schon Ende 2008 zur Gewinnerin gekürt wurde. Und, oh Wunder, dies war auch diesmal wieder der Fall.“ Nachtrag um 16:30 Uhr: Sat.1 hat sich bei Fernsehkritik.tv gemeldet und stellt den Sachverhalt wie folgt dar: „Es stimmt, dass es sich am Freitagabend um ein Best of aus mehreren Folgen der ‚Comedyfalle‘ gehandelt hat. Mit dem Zuschauervoting hatte es aber seine Richtigkeit, denn in diesen Fällen zeichnen wir alle möglichen Enden (in diesem Fall Gewinner) im Vorfeld auf und schneiden dann live in der Sendeplanung den vom Zuschauer gewünschten bzw. gevoteten Gewinner in die laufende Sendung. “

6. „Generation Click“
(hossli.com, Peter Hossli)
Peter Hossli besucht Jugendliche in Olten und studiert ihr Mediennutzungsverhalten. „Marvin hat 450 Kontakte, wobei jeweils 90 online sind, wenn er sich einloggt. Alle lachen, als der Reporter sagt, er habe 66 Bekannte auf Skype – die er alle kennt.“

Entlassungen, Verlinkungen, Hersh

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1. „Fake TV: Reklame statt Recherche“
(ndr.de, Video, 7:48 Minuten)
Wie Bildmaterial, das im Auftrag von Firmen hergestellt wurde, seinen Weg in den Nachrichtenteil des Fernsehprogramms findet.

2. „Angriff ist die beste Verteidigung“
(medienspiegel.ch, Ugugu)
10 Tipps für von der Entlassung bedrohte Journalisten. Punkt 6: „Maximalforderungen aufstellen: Mehr Personal, 7 Wochen Ferien, mehr Mitarbeiterbeteiligung, mehr Weiterbildung. Je unrealistischer, desto besser. Minimalforderungen bereithalten: Keine Entlassungen, Teilzeitpensen, akzeptable Sozialpläne für freiwillige Ausreisser“.

3. „Deutschland ist im Zensieren Weltklasse“
(faz.net)
Eine Zusammenfassung der im zweiten Halbjahr 2009 von Regierungen gestellten Löschanträge und Datennachfragen, die Google auf google.com/governmentrequests veröffentlichte.

4. „Aktuelle Web-Tauglichkeit von ‚qualitäts‘-journalistischen Artikeln – eine Kurzanalyse“
(goodyworks.com/blog, Michael Nordmeyer)
Michael Nordmeyer beanstandet „die unterbleibende Verlinkung in online veröffentlichten Artikeln“ zur Zusammenstellung von Google in Online-Portalen und teilt einige von ihnen in „The Good“, „The Bad“ und „The Ugly“ ein.

5. „Seymour Hersh sagt, was guter Journalismus ist“
(drs2.ch, Audio, 25:19 Minuten)
DRS 2 trifft am Rande des Internationalen Kongress der Recherchierjournalisten in Genf auf den Investigativjournalisten Seymour Hersh.

6. „United Kingdom General Election“
(thedailyshow.com, Video, 10:39 Minuten, englisch)
Ein US-amerikanischer Blick auf die erste TV-Debatte zu den anstehenden britischen Unterhauswahlen.

Abmahnungen, Cicero, Freie Radios

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1. „Abmahnrepublik Deutschland (I)“
(carta.info, Wolfgang Michal)
Wolfgang Michal sieht im deutschen Abmahnwesen eine ernste Einschränkung der Meinungsfreiheit; „durch Schocktherapie“ sollen Publizisten mundtot gemacht werden. „Ohne Vorwarnung sind brachiale Summen im Spiel. Streitwerte von 100.000 Euro. Anwaltskosten von mehreren tausend Euro. Schadenersatz von vielen tausend Euro. Einschüchterungssummen. Das einstmals gute Recht der Abmahnung ist pervertiert.“

2. „Es ist ZEIT zu widersprechen II“
(freischreiber.de)
Der Berufsverband „Freischreiber“ geht auf einzelne Punkte des Briefs ein, den der Zeit-Verlag kürzlich an seine freien Mitarbeiter verschickte. „Die Urheber zu enteignen und mit ihren Werken in Zukunft allein Kasse machen zu wollen, ist kein Geschäftsmodell, sondern eine Zumutung.“

3. „Linksruck bei ‚Cicero'“
(theeuropean.de, Alexander Görlach)
Der Ex-Online-Chef der Zeitschrift „Cicero“, Alexander Görlach, sieht mit dem von Michael Ringier an die Spitze gesetzten Michael Naumann (SPD) einen Linksruck durch das Blatt gehen. Naumann weist die Kritik zurück: „Es ist abgründig und totaler Quatsch, was in dem Artikel steht“. Er werde Görlach einen Brief schreiben und ihn über die „Grundregeln des Journalismus“ aufklären.

4. „Eklat in Sachsen – Alle Freien Radios abgeschaltet“
(freitag.de/community/blogs/stefan-tenner)
Stefan Tenner berichtet, wie verschiedene Freie Radios in Dresden, Chemnitz und Leipzig am 17. April aus dem UKW-Netz verbannt wurden.

5. „The Future of News: Investigative Journalism“
(youtube.com, Video, 26:46 Minuten, englisch)
Bob Woodward („Washington Post“) und Bill Buzenberg („Center for Public Policy“) reden über investigativen Journalismus und die Möglichkeiten, ihn auch online zu betreiben.

6. „Fazsinierend“
(spreeblick.com, Johnny Haeusler)
Johnny Haeusler denkt darüber nach, wie er von Marcus Jauer im FAZ-Dossier „Deutsche Blogger“ dargestellt wurde. „Beim nächsten Mal, wenn sich jemand anderthalb Stunden Gespräch mit ein paar handschriftlichen Notizen merken will, stelle ich ich ein Aufnahmegerät daneben und das Ergebnis online.“

Theisen, Pocher, Jarvis

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1. „Millionen-Deal mit Jugendmagazin“
(spiegel.de, Christoph Titz)
Der Bundesrechnungshof rügt einen von der Bundesagentur für Arbeit an die Zeitschrift „Bravo“ vergebenen Auftrag. „Die Kooperation startete vor gut drei Jahren unter dem schnittigen Namen ‚Bravo Job-Attacke‘ – am Mittwoch wird die Zusammenarbeit den Haushaltsausschuss des Bundestags beschäftigen“.

2. „Einstweilige Verfügung gegen Blogger wegen Meinungsäußerung“
(webevangelisten.de, Thomas Pfeiffer)
Thomas Pfeiffer über eine einstweilige Verfügung, welche die Diözese Regensburg vertretende Anwälte gegen den Blogger Stefan Aigner von regensburg-digital.de erwirkt haben.

3. Landesmedienanstalten beanstanden RTL2 und Kabel1
(alm.de)
Die Kommission für Zulassung und Aufsicht der Landesmedienanstalten (ZAK) beanstandet Schleichwerbung bei RTL2 („RTL2 News“ und „The Dome“) und stellt „Verstöße gegen die Gewinnspielsatzung“ bei Kabel1 fest („Nightquiz“).

4. „Die Vulkankompetenz des Hessischen Rundfunks“
(faz.net/blogs/fernsehblog, Peer Schader)
Ein Blick auf den „Brennpunkt“ zur Aschewolke über Europa mit Alois Theisen. „Was Theisen besser kann als Vulkannamen auszusprechen ist: beim Reden die Punkte zwischen den Sätzen wegzulassen. Und dafür manchmal. Pausen an Stellen zu machen, an die gar keine hingehören. Irritiert die richtige Kamera zu suchen. Und nicht zu wissen, wann er sich besser nicht im Studio umsieht, weil er noch im Bild ist während die Wetterexpertin gerade redet.“

5. „Kindergeburtstag zum 60.“
(fernsehkritik.tv, Video)
Fernsehkritik.tv sieht in den Feierlichkeiten zum 60. Geburtstag der ARD einen „peinlichen Kindergeburtstag“. Etwas später in der Sendung (ab 33:40 Minuten): Auch „Domian“ feiert Geburtstag und wird dabei von seiner Redaktion unter anderem mit Oliver Pocher überrascht. In der Leitung bleibt währenddessen ein Anrufer mit einem offenbar ernsten Problem.

6. „Warum Jeff Jarvis die richtigen Fragen stellt“
(haltungsturnen.de)
Für den Haltungsturner stellt Jeff Jarvis die richtigen Fragen. Zum Beispiel: „Ist die ‚default privat‘ Haltung, die bei Menschen über 35 in diesem Land mehrheitlich vorzuherrschen scheint, wirklich besser als die ‚default public‘ Haltung, die ein großer Teil der Jüngeren hat und die in anderen Kulturen schon länger gilt?“

Faktenprüfer, Sportcast, Eyjafjallajökull

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1. „Wie wahr sind Fakten?“
(sueddeutsche.de, Camilo Jiménez und Katja Riedel)
Ein Besuch bei den Faktenprüfern des Wochenmagazins „New Yorker“: „Wir verifizieren alles, sogar die Fiktion.“

2. „Ein paar Wünsche an Sportcast“
(sportmedienblog.de)
Das Sportmedienblog wünscht sich von der Firma Sportcast, die „exklusiv das Bildsignal der 1. und 2. Fußball-Bundesliga“ produziert, zum Beispiel eine Verbesserung der „Kamerapositionen, die in vielen Stadien der Liga viel zu tief gewählt sind“. „Wenn durch diese Fehlentscheidung bei der Konzeption ständig nur ein Achtel des Spielfelds zu sehen ist, hat man natürlich auch als armchair coach keinerlei Chance, Spiel, Aufbau und Taktik zu analysieren, weil sich das Spielerlebnis qua Bildregie nur auf Zweikämpfe und Torschancen reduziert.“

3. „Gordon Brown. GORDON BROWN!“
(medienpiraten.tv, Peer Schader)
Ein Lob für die im TV-Senders ITV zu sehende 94-minütige Debatte zwischen den Spitzenkandidaten der Unterhauswahlen: „Das lag im Wesentlich daran, dass im Studio nicht vier Journalisten von vier Sendern darum kämpften, sich mit ihren Fragen zu profilieren, sondern mit Alastair Stewart lediglich ein Moderator stand, der den drei Parteiführern abwechselnd das Wort erteilte und entschied, wann die nächste Frage gestellt werden sollte. Er ließ ihnen genügend Zeit, um ihre Argument vorzubringen, unterbrach aber sofort bei Wiederholungen.“

4. „Es ist ZEIT zu widersprechen“
(freischreiber.de)
Der Berufsverband „Freischreiber“ dokumentiert eine vom Zeitverlag an Autoren und Autorinnen verschickte „Rahmenvereinbarung zur Übertragung von Rechten“. „Der Autorenvertrag, den die ZEIT im Moment ihren Autorinnen und Autoren vorlegt mit dem dringenden Wunsch, ihn zügig zu unterschreiben, hat aber nicht nur grammatikalische Mängel – er ist insgesamt inakzeptabel.“

5. „Jetzt SPON-App für’s iphone!“
(stigma-videospiele.de)
Eine Erklärung, warum das Foto auf Seite 132 der Ausgabe 15/2010 des „Spiegel“ als Symbolbild gekennzeichnet sein müsste. „Auch wenn ich von Apples genausowenig Ahnung wie von iphones habe, würde ich mal aus dem Bauch raus die Vermutung aufstellen, dass auf diesem Foto ein Junge vorgibt zu spielen indem er gebannt den Desktop eines Macs anstarrt, bei dem der Screenshot eines Shooters als Hintergrundbild eingerichtet wurde.“

6. „Eyjafjallajökull – You’re doing it wrong!“
(youtube.com, Video, 37 Sekunden)
An der korrekten Aussprache des derzeit aktiven Vulkans Eyjafjallajökull scheitern nicht nur Reporter, sondern nahezu jeder, wie eine Umfrage unter Passanten am Times Square zeigt.

Sachsensumpf, Panorama, Mars

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1. „Der Sumpf, der eine Ente war“
(fr-online.de, Bernhard Honnigfort)
Bernhard Honnigfort berichtet vom „Sachsensumpf“-Prozess, der durch den im Januar 2008 im „Spiegel“ publizierten Artikel „Dreckige Wäsche“ ausgelöst wurde. „Die Angeklagten, die auch für Zeit Online über den angeblichen Sachsensumpf berichteten, haben in einer von ihren Anwälten verlesenen Erklärung bestritten, dass die beanstandeten Passagen von ihnen stammten. Der Spiegel-Artikel sei auch nicht von ihnen ‚legitimiert‘. Ihre Namen stehen zwar darunter, aber die ehrverletzenden Passagen sollen von jemand anderem stammen.“

2. „Die ‚Ente‘ über den Fake-Report“
(blog.tagesschau.de, Silvia Stöber)
Silvia Stöber beschreibt die komplizierte Faktenlage zu Meldungen, die auf einem inszenierten Bericht zum Flugzeugabsturz bei Smolensk basieren und behaupten, „der Sender Imedi habe den Tod Kaczynskis in diesem Szenario vorweggenommen“. „Keine der Redaktionen machte sich aber offenbar die Mühe, den ursprünglichen Bericht von Imedi genau anzuschauen.“

3. Interview mit Olaf Scholz
(ndr.de/panorama, Video, 9:05 Minuten)
Olaf Scholz hält nicht viel von politischen Fernsehmagazinen wie „Panorama“. Durch Schnitte würde die Realität zurechtgebogen, echtes Interesse an der Sachlage sei oft keines vorhanden. Diese Aussagen hindern „Panorama“ aber nicht, daraus einen Beitrag (Video, 7:30 Minuten) zu schneiden, in dem die eigene Leistung mehrheitlich gefeiert wird. Ein zweites Interview (Video, 19:24 Minuten) wurde mit Günther Beckstein geführt.

4. „Wie die DPA vor Obama auf dem Mars landete“
(scienceblogs.de/alles-was-fliegt, Alexander Stirn)
Eine Ankündigung von Barack Obama und wie sie in deutschen Medien vermeldet wird.

5. „Das Mädchen ‚Jessica'“
(sueddeutsche.de, Stefan Ulrich)
Fragen zu Recherchen von Journalisten im Pädophilen-Milieu: „Dürfen Journalisten ihre Identität verheimlichen, um in schwer zugängliche Milieus vorzudringen? Und dürfen sie Informanten der Justiz preisgeben?“

6. „Re-publica 10: der Neidfaktor“
(indiskretionehrensache.de, Thomas Knüwer)
Thomas Knüwer über die Berichterstattung von Zeitungen wie FAZ und SZ zum Blogger-Kongress re:publica: „Ich erwarte keine unkritische Berichterstattung – sondern eine unvoreingenommene.“

Das Erste, re:publica, Zeitungsphilister

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1. „Jauchs Partyservice für ‚Das Erste'“
(blogmedien.de, Horst Müller)
Horst Müller fragt sich, warum die ARD ihre „große Geburtstagsshow zum Sechzigsten“ nicht selbst produziert hat. „Für die öffentlich-rechtlichen Anstalten ist es wesentlich günstiger, komplette Produktionen sendefertig zu übernehmen, statt Shows, Talkrunden, aber auch Dokumentationen und Reportagen, selbst herzustellen.“

2. „Das ist nicht mein Po“
(sueddeutsche.de, E. Müller-Jentsch)
„Die Pokerspielerin Sandra Naujoks verlangt von einer Frauenzeitschrift eine Gegendarstellung: Erst wird ihr eine Affäre mit Boris Becker unterstellt, dann noch ein falscher Po gezeigt.“

3. Interview mit Clemens Verenkotte
(andremarty.com)
Clemens Verenkotte von ARD Radio in Tel Aviv gibt Auskunft über seine Arbeit: „Die Vorstellung, dass es eine Wechselwirkung zwischen der Nahost-Politik der Bundesregierungen und der Berichterstattung deutscher Korrespondenten aus Israel/Palästina gäbe, löst bei mir einfach nur Kopfschütteln aus.“

4. Interviews an der re:publica 2010
(dctp.tv, Videos)
Philip Banse trifft an der re:publica auf Peter Kruse, Jeff Jarvis, David Sasaki, Simon Schlauri, Lorenz Lorenz-Meyer, Tim Wu, Peter Sunde und andere.

5. „Alte, jämmerliche, erfolglose Säcke“
(gunnargeller.de)
Gunnar Geller hält den Text, den Marcus Jauer in der FAZ über deutsche Blogger schrieb für „tendenziös, unfair, aber in seiner Gemeinheit faszinierend“.

6. „Der Zeitungsphilister von gestern als digitaler Bohèmien von heute“
(umblaetterer.de, Marcuccio)
Marcuccio gräbt ein „Rath- und Hülfsbüchlein“ der 1860er-Jahre für den Zeitungsleser aus und vergleicht die damalige Kritik an den Zeitungslesern mit der heutigen Kritik an den Online-Lesern. Zitat aus dem Büchlein: „Was er gestern gelesen hat, weiß er ohnehin meist heute schon nicht mehr; er glaubt aber jedes Mal, wenn seine Zeitungsstunde vorüber ist, wunders, was er gelernt habe, wenn nicht gar gethan habe.“

Dokusoaps, Treberhilfe, Blogger

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1. „Du bist Dokusoap!“
(fernsehkritik.tv/blog)
Der Fernsehkritiker dokumentiert Anmeldeformulare und Rollenbeschreibungen der TV-Produktionsfirma Norddeich. So teilt die Firma ihre Schauspieler in der Kategorie „Charakter“ in die vier Kategorien „Sympath“, „Unsympath“, „Opfer“ und „konservativ“ ein.

2. „Wohlfeiles über die ‚Treberhilfe'“
(ndr.de, Video, 7:07 Minuten)
Dass der Chef der „Treberhilfe“ einen Maserati fährt, ist durch einen Bericht des „Tagesspiegels“ schon länger bekannt. Breite Aufmerksamkeit fand die Geschichte aber erst, als sie von Nachrichtenagenturen aufgenommen wurde.

3. „Massenepidemie. Doppelpunkt.“
(weltwoche.ch, Kurt W. Zimmermann)
Kurt W. Zimmermann glaubt angesichts der Berichterstattung über die Schweinegrippe, dass sich heutige Journalisten vielfach nicht mehr als Beschreiber der Wirklichkeit sehen. „Sie sehen sich als Gestalter der Wirklichkeit. Die Wirklichkeit ist für sie eine Knetmasse, die sich formen lässt. Die Realität ist ihr Plastilin. Das vereinigte Plastilin ergibt am Schluss eine publizistische Pandemie.“

4. „Deutsche Blogger besetzen die FAZ“
(carta.info, Wolfgang Michal)
Wolfgang Michal zum FAZ-Dossier „Deutsche Blogger“: „Die Tendenz der Story ist vom Anfangsmotiv vorgegeben: Willst du etwas niedermachen, vergrößere die Fallhöhe! Behaupte gleich zu Beginn, die Blogszene habe ursprünglich ein wahres Paradies schaffen wollen, sie habe hehre ‚webkommunistische‘ Ziele gehabt. Dann wird die Realität – im Vergleich dazu – erst so richtig mies, kleinkariert und nichtig erscheinen.“

5. „was das blog alles kann“
(gig.antville.org, andreaffm)
Andrea Diener denkt, dass Bloggen „noch nie inhaltlich begriffen“ wurde, „immer nur formal oder wirtschaftlich, und das ist der große Fehler, den alle machen.“

6. Interview mit Markus Beckedahl
(fr-online.de, Marin Majica)
Re:publica-Organisator Markus Beckedahl im Gespräch: „Blogs werden ernster genommen, der Medienwandel wird ernster genommen, weil man realisiert, dass da etwas passiert. Das war vor drei Jahren völlig anders. Da träumten noch alle davon, dass die Zeitungen 30 Jahre weiterleben werden.“

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