Archiv für 6 vor 9

Apple, Afghanistan, Augstein

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. „Steve Jobs als Messias einer Branche“
(netzwertig.com, Peter Sennhauser)
Peter Sennhauser hat schon viele Ankündigungen der Firma Apple miterlebt, so nun auch das iPad: „Was mich immer befremdet hat, war das Verhalten der Presseleute – meiner Kollegen und Kolleginnen. Wenn die auf eine der sorgfältig inszenierten Ankündigungen von Steve Jobs mit Applaus oder sogar Jubel reagierten (“Boom! Copy, und Paste! Auf dem iPhone!”), als ob gerade ein Impfstoff gegen Krebs und nicht die längst überfällige Korrektur an einem Produkt präsentiert worden wäre, dann lief es mir jedesmal kalt den Rücken runter: Das sind Leute, die (größtenteils) dafür bezahlt werden, kritisch zu denken. Dinge zu hinterfragen. Die Vergangenheit im Kopf zu haben und die Relationen zu wahren.“

2. „Schweinegrippe – ein großer Bluff?“
(tagesschau.de, Martin Durm)
Martin Durm berichtet von einer Anhörung im Europarat zur Frage, wie es möglich war, „wegen eines offenkundig harmlosen Grippevirus die Weltbevölkerung in die größte Impfkampagne aller Zeiten zu schicken“.

3. „Vertuschen in Afghanistan“
(ndr.de, Video, 7:40 Minuten)
Unter Verteidigungsminister zu Guttenberg setzt sich teilweise fort, was sein Vorgänger Jung forderte, nämlich, nur „gute“ Nachrichten aus Afghanistan zu verbreiten. Journalisten werden von Presseoffizieren begleitet, die unter dem Druck stehen, ihren Job zu verlieren, wenn „schlechte“ Nachrichten an die Öffentlichkeit gelangen.

4. „Schlecht abgeschrieben, Mitteldeutsche Zeitung“
(blog.beliebte-vornamen.de, Knud Bielefeld)
Knud Bielefeld entdeckt in der „Mitteldeutschen Zeitung“ Passagen aus Texten, die er für seine Homepage verfasste. Online ist der MZ-Artikel inzwischen nicht mehr abrufbar.

5. Interview mit Jakob Augstein
(derstandard.at, Michael Kremmel)
Jakob Augstein, Verleger von „der Freitag“, glaubt, dass von Amateuren noch zu wenige Themen abgedeckt werden. „Wenn ich mir überlege, wie viele Leute an spannenden Sachen arbeiten, oder spannende Dinge erleben, sei es bei ihrer Arbeit, bei Reisen, oder mit grenzüberschreitenden Projekten in Unternehmen und Universitäten. Oder sie entdecken Missstände in Behörden und Abteilungen. Das sind doch alles Themen, die mich als Leser unheimlich interessieren würden.“

6. „Rund um Bilderstürmer“
(kaidiekmann.de)
„Bild“-Chef Kai Diekmann fragt sich nach der Lektüre eines Artikels im „Tagesspiegel“, warum dem TV-Zuschauer Bilder von „Leichen und Leichenbergen“ zuzumuten seien, dem Leser von Printprodukten aber nicht.

Focus, iPad, Frage-Phrase-Schema

6 vor 9

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1. „Die arschlochfreie Kette – oder: Was der Focus nicht hat“
(print-wuergt.de, Michalis Pantelouris)
Gar keine Freude am neuen „Focus“ hat Michalis Pantelouris: „Wenn dies die besten Ideen von drei verschiedenen Teams zusammenführt, die neun Monate Zeit hatten, sich Gedanken zu machen, dann ist das Ende der Zeitschriften in diesem Land besiegelt. Zumindest die erste Ausgabe ist eine unvorstellbar preiswert anmutende Mischung aus Designelementen der Mitbewerber – aber nicht einmal gut geklaut.“

2. „Apple iPad ab 499,- Euro bei Media Markt: ‚Tut mir leid, ist ein super Fake.'“
(basicthinking.de/blog, André Vatter)
Die Website netbooknews.de beruft sich auf einen (inzwischen gelöschten) Tweet und schreibt, die Firma Media Markt verkaufe ab dem 1. März 2010 ein Apple iPad – was eine Media-Markt-Sprecherin dementiert; beim besagten Twitter-Konto handle es sich nicht um ein firmeneigenes. „Die News verbreitete sich wie ein Lauffeuer und schaffte in Windeseile auch den Sprung über den Atlantik, so dass kurze Zeit später sogar MacRumors und CrunchGear darüber berichteten. ‚Media Markt kündigt Apple iPad für 899 Euro an‘, titelte auch Golem.“

3. „Freie sind die, die es geschafft haben …“
(freischreiber.de)
Gabriele Fischer, Chefredakteurin von „Brand Eins“, sagt, wie viel ihr Magazin freien Journalisten zahlt und glaubt, dass es viele Freie geschafft haben – nämlich unternehmerisch zu arbeiten. „Das kann nicht jeder. Viele unserer Freien bei ‚Brand Eins‘ sind auch Überzeugungstäter, die feste Jobs ablehnen, wenn man sie ihnen anbietet. Und: Freie sind meist unabhängige Köpfe. Sie schielen nicht ständig auf ihren Chef, sondern haben eine Vielzahl von Auftraggebern. Diese Unabhängigkeit ist gut für sie – und für uns. “

4. „Hat gesagt und hat passiert“
(spox.com, wunderkind)
Ein Blogeintrag zu den Interviews mit professionellen Fußballern: „Die meisten Interviews führen nun mal kein Eigenleben mehr, sondern folgen statt dem Frage-Antwort-Schema eher dem Frage-Phrase-Schema. Aussagen haben ihre Aussage verloren, weil man als Zuschauer genau so schlau ist wie vorher, wenn Spieler X oder Trainer Y sagt, dass man nur auf sich und von Spiel zu Spiel schauen müsse. Das wurde ihm im Interviewtraining eingeprügelt und daran hält er sich, nicht ohne verschmitzt zu lächeln, weil er weiß, dass alle wissen: Er hat keine Wahl, etwas anderes zu sagen.“

5. „Unsere Pressevielfalt oder: Der vierfache Stefan Raab“
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Ein Vergleich von vier Interviews mit Stefan Raab in den Zeitschriften „TV Digital“, „TV Spielfilm“, „TV Movie“ und „TV Direkt“.

6. „Blogg besser“
(fr-online.de, Marin Majica)
Marin Majica empfiehlt einem eifrigen Leserbriefschreiber, zu bloggen oder zu twittern.

Wintersport, Photoshop, Hertha

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1. „Wintersport-Fernseh-Test – Werbung am laufenden Band“
(faz.net, Christian Eichler)
Christian Eichler schaut sich auf ARD acht Stunden Wintersport an und stösst auf viel Werbung: „12.50 Uhr, Innsbruck, Skeleton der Frauen, endlich ein deutscher Erfolgssport. Er wird auf dem Bauch betrieben, weswegen die Werbung am Gesäß klebt.“

2. „Wein-Presse: Gibt es noch einen Ausweg?“
(weinakademie-berlin.de, Michael W. Pleitgen)
Ein langer Artikel zum aktuellen Zustand des Weinjournalismus: „Die Öffentlichkeit fragt sich nicht, warum Weinzeitschriften so oft über in unseren Landen unbedeutende Herkünfte wie Griechenland und Portugal schreiben. Haben die Zeitschriften etwas Neues entdeckt? Gilt es sensationelle neue Weine aufzuspüren? Viel einfacher: meist stand am Anfang eine PR Agentur und eine bezahlte Journalisten-Reise!“

3. „Unsinn“
(pixelfehler.nicolas-neubauer.de)
Nicolas Neubauer analysiert den „Spiegel Online“-Artikel „Wunderflunder mit Schnick und Schnack“, in dem über die Ankündigung eines neuen Produkts der Firma Apple spekuliert wird.

4. „In Haiti werden Journalisten selbst zu Helfern“
(evangelisch.de, Corinna Blümel)
„Helfen oder Berichten – vor diesem Dilemma stehen Journalisten bei jeder Katastrophenlage, seien es Erdebeben wie jetzt in Haiti oder der Tsunami von 2004, seien es Hungersnöte, kriegerische Auseinandersetzungen oder das Flüchtlingselend in Darfur.“

5. „Zu digital, um wirklich schön zu sein“
(tagesspiegel.de, Sonja Pohlmann)
Sonja Pohlmann über den Einsatz von Photoshop und anderen die Realität verändernden Techniken: „In der Regel wird kein Bild unbearbeitet in Magazinen und auf Plakaten abgedruckt.“

6. „Entschiedenes Dementi“
(herthabsc.de)
Werner Gegenbauer, Präsident des Fußballvereins Hertha BSC Berlin, „dementiert entschieden, dass ein Präsidiumsbeschluss gefasst worden sei, wonach die Hertha-Profis Arne Friedrich, Gojko Kacar und Raffael im Fall einer Niederlage im Heimspiel am kommenden Samstag gegen den VfL Bochum verkauft werden sollen. Dies hatte die Berliner Boulevard-Zeitung B.Z. am Sonntag auf ihrer Internet-Seite berichtet.“

Focus, Kriegsreporter, Merkel

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1. „Der neue FOCUS: Alter Wein in bunten Schläuchen“
(nice-bastard.blogspot.com, Dorin Popa)
Dorin Popa sieht im neuen „Focus“ den verzweifelten „Versuch, ein vormals stattliches Erbe in geordneten Verhältnissen zu übergeben“. Viel Neues kann er nicht erkennen: „Die ironiefreie und jeglichen Diskurses scheinbar unwillige, wenn nicht sogar unfähige Redaktion bleibt ein Reich der Textmarker-Generation, nun auch zusätzlich in der neuen Rubrik ‚Dechiffriert‘, in der einige Aussagen Guido Westerwelles FDP-gelb angemarkert und in Randnotizen erläutert werden.“

2. Interview mit Hardy Prothmann
(marian-semm.de)
Ein langes Gespräch mit Hardy Prothmann, Macher von heddesheimblog.de. „Ich verlinke nach außen – das fehlt mir bei den Lokalzeitungen. Wenn ich im Netz etwas entdecke, was lokal interessant ist, weise ich meine Leser darauf hin. Und ich lege manche Quellen über Verlinkung offen. Transparente Information ist wichtig. Auch das haben Verlage nicht verstanden.“

3. „Die Zeitungen und ihre drei Probleme“
(blog-cj.de/blog, Christian Jakubetz)
Christian Jakubetz stellt drei Probleme bei den Zeitungen fest: Ignoranz, Innovationsfeindlichkeit und Überalterung. „Sieht man also von den Volontären ab, die meistens nach zwei Jahren wieder gehen, wird das Blatt vielfach von Menschen gemacht, die seit 35 oder 30 Jahren im Job sind und sehr häufig auch nicht allzu viele andere Stationen außerhalb ihrer Zeitung gemacht haben. Das würde ich jemandem persönlich nie zum Vorwurf machen, aber ob das die geeignetste Klientel ist, die ein Medium in Zeiten des Totalumbruchs irgendwie steuern soll, kann man getrost bezweifeln.“

4. Interview mit Jeff Jarvis
(faz-community.faz.net/blogs, Holger Schmidt)
Jeff Jarvis zur Kartellklage der deutschen Verlegerverbände gegen Google: „Das Verhalten der deutschen Verleger ist bedauerlich. Sie möchten jemanden die Schuld an ihren eigenen Problemen geben. Google sendet ihnen Leser und sie wissen nicht, was sie damit anfangen sollen. Es ist doch nicht die Aufgabe von Google, mit diesen Lesern Geld zu verdienen; es ist die Aufgabe der Verlage. Dieses Verhalten wird kein Problem lösen und den Verlagen langfristig schaden.“

5. „Opfer der Objektivität“
(faz.net, Harald Staun)
Harald Staun schreibt über traumatisierte Reporter: „Man braucht kein psychiatrisches Studium, um nachzuvollziehen, dass ein Leben als Kriegsreporter seelische Probleme nach sich ziehen kann.“

6. „Angela Merkel wird mit dem ‚Deutschen Medienpreis‘ ausgezeichnet“
(nachdenkseiten.de, Wolfgang Lieb)
Angela Merkel wird mit dem „Deutschen Medienpreis“ ausgezeichnet. „Wenn es in der deutschen Medienlandschaft noch Journalisten und Chefredakteure gäbe, die ihre ‚Wächterrolle‘ in einer demokratischen Gesellschaft wirklich wahrnähmen, dann müssten sie alles tun, um dem Marktforschungsunternehmen ‚Media Control‘ das Markenzeichen ‚Deutscher Medienpreis‘ zu entziehen.“

Auflagenmanipulation, Pro7, Perlentaucher

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1. „Die Auflagenlüge“
(hausblog.taz.de, Andreas Bull)
taz-Geschäftsführer Andreas Bull zur Auflagenmanipulation der Qualitätszeitungen: „(…) ausgefeilte Suchmaschinenoptimierung und Reichweiten vorgaukelnde click-monster sind derart übliche Verfahren des Selbstbetrugs geworden, dass, wer nicht daran teilnimmt, ähnlich blöd zu sein scheint, wie der Investmentbanker, der 2007 nicht mit Zertifik- und Derivaten handelte.“

2. „Im Netz der Ignoranten“
(ralfschwartz.typepad.com)
Ralf Schwartz schreibt eine Replik zum Artikel „Im Netz der Giganten“ auf Spiegel Online.

3. „Geschmackloser ‚Fringe‘-Trailer mit Bußgeld belegt“
(dwdl.de, Jochen Voß)
Die Kommission für Jugendmedienschutz der Landesmedienanstalten KJM ahndet die als Nachrichtensondersendung getarnten Werbetrailer für die Serie „Fringe“ von Pro7 mit einem Bußgeld, dass sich „im Bereich um die 3.500 Euro“ bewegen dürfte. Gegen Jugendschutzbestimmungen verstossen auch „Deutschland sucht den Superstar“ und andere Sendungen.

4. „Musikjournalismus: Distanz? Recherche? Pah!“
(zeit.de, Jan Kühnemund)
Jan Kühnemund glaubt, der Rezensionsteil der meisten Musikzeitschriften sei „weniger Ausdruck von Meinungsbildung als vielmehr die Ausstellung der Redakteure Eitelkeit und Dokument des Ringens um Relevanz. Gut zu lesen ist das nie.“

5. „25 wunderbare deutsche Blogs abseits des Mainstreams“
(yuccatree.de, Jürgen Vielmeier)
„Wo widmen sich Autoren mit viel Hingabe ihrem Alltag oder einem speziellen Thema und werden doch viel zu selten gelesen? Wir stellen für den Anfang 25 Blogs vor – und hätten gerne noch viel mehr Vorschläge von euch!“

6. „Ihr Feiglinge!“
(zeit.de, Hilal Sezgin)
Hilal Sezgin wirft dem der breiten Öffentlichkeit eher unbekannten Dienst Perlentaucher.de vor, ein Meinungsmonopol zu betreiben, „das selbstreferenziell und gegen Kritik von außen so gut wie immun ist“. Zum Vorwurf der „feigen Anonymität“ nehmen die Perlentaucher in ihrem Blog kurz Stellung.

Markwort, SZ-Magazin, Wagner

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1. „Wie sich der Focus-Chef inszeniert“
(ndr.de, Video, 5:30 Uhr)
Helmut Markwort, Herr über die „Focus-Welt“ („bunt, besteht aus Tabellen und anderen Schnipseln“), will dem neuen Chefredakteur Wolfram Weimer vor seinem Abgang noch eine Überarbeitung des Hefts aufzwingen, so dass dieser über Jahre hinweg blockiert wird, eine eigene Neugestaltung vorzunehmen.

2. „Neues Futter für den Provokanten-Stadl“
(heise.de/tp, Rudolf Stumberger)
Rudolf Stumberger liest die Titelgeschichte „Schloss mit lustig“ des SZ-Magazins und findet keine Fakten und keinen realen Gehalt. „Wir sehen zwar noch die äußere Hülle eines journalistischen Textes vor uns, aber es fehlt quasi das schlagende Herz. Derartigen Artikeln mangelt es an einem wesentlichen Moment, es fehlt die Anbindung an das grundlegende Lebensprinzip des Journalismus, eine kritische Ernsthaftigkeit. Sie wurde in Deutschland vor ungefähr zehn Jahren eingetauscht gegen eine benommen machende Beliebigkeit.“

3. „Das Medienbeben – Die Katastrophe von Haiti, das Fernsehen und die Opfer“
(haz.de, Imre Grimm)
Wie die Medien mit dem Erdbeben in Haiti umgehen: „‚Die grausamen Fotos der Katastrophe‘, schreibt der Onlinedienst ‚Bild.de‘ über eine Fotogalerie. Nach dem Bild eines nackten Mannes, den ein Lynchmob durch die Straßen zieht, poppt Werbung auf: ‚Wir schicken Deutschland in den Urlaub! 35 Prozent für Frühbucher.'“

4. „Ein Film, eine Meinung­­“
(woz.ch, Silvia Süess)
Ein Text zum aktuellen Zustand der Filmkritik. „Die Texte in den Zeitungen werden kürzer – Filmtipps bestehen oft nur noch aus ein paar Sätzen und Sternchen. Gleichzeitig werden die Presseunterlagen immer dicker: Nicht selten umfasst ein von den Filmverleihern verfasstes Pressedossier fünfzehn Seiten oder mehr, Produktionsnotizen des Produzenten oder Interviews mit der Regisseurin oder mit der Hauptdarstellerin sind darin abgedruckt.“

5. „Post an Wagner (44)“
(off-the-record.de, Spießer Alfons, Video, 1:24 Minuten)
Spießer Alfons fragt „Bild“-Chef Kai Diekmann, wann endlich „Bild“-Kolumnist Franz Josef Wagner die versprochene Weihnachtsgeldspende für Kinder in Afrika zahlt. Diekmann: „Ich werde dafür sorgen, dass Franz Josef zahlt.“

6. „German Publishers Go After Google; Apparently Very Confused About How The Internet Works“
(techdirt.com, Mike Masnick, englisch)
Mike Masnick sucht nach den Gründen der Kartellklage der deutschen Verlegerverbände gegen Google und findet eine selbstverschuldete Inkompetenz. „Yet the publishers he represents had all of the advantages in the world. They were local. Google was not. They had been around for many more years than Google. They had brand recognition and loyalty that Google did not. Fuhrmann is basically admitting what a colossal failure the companies he represents have been. They failed to capitalize on a huge opportunity. And now, when Google sends them traffic, they are still failing to use that traffic wisely. And then they blame Google for it? Wow.“

Feuilletons, Google-Wahn, Pressekonzentration

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1. „Das Behagen an der Unkultur“
(perlentaucher.de, Thierry Chervel)
Perlentaucher.de-Mitgründer Thierry Chervel äussert in einem langen Beitrag Kritik an den Feuilletons deutscher Zeitungen: „Die Feuilletons sind zu Schutz- und Ausweichräumen eines immer mehr zum Pfäffischen tendierenden juste milieu geworden, das sich von den eigenen Traditionen der Kritik und des Witzes längst abgeschnitten hat. Klassisch liberale, aufklärerische Positionen lassen sich in praktisch keinem einzigen Feuilleton der Republik mehr artikulieren.“

2. „Thierry Chervel sieht rot“
(blogs.taz.de/reptilienfonds, Heiko Werning)
Ganz anders sieht das taz-Blogger Heiko Werning. Eine „wutschnaubende Suada“ sei Chervels langer Text, ihm sei „vor lauter Um-sich-beißen offenbar einiges durcheinander geraten“. – „Das ist halt das Problem, wenn man, wie Thierry Chervel, ein Leben nur im feuilletonistischen Elfenbeinturm denkt und verbringt und von der dinglichen, Naturgesetzen gehorchenden, echten Welt da draußen noch nie etwas mitbekommen hat.“

3. „Angst vor Google – Gedanken zu einer Debatte“
(blog.kooptech.de, Thomas Wanhoff)
Thomas Wanhoff analysiert den „Zeit“-Artikel „Im Google-Wahn“ und findet es beeindruckend, „dass jemand nach Demokratie ruft, um ein Unternehmen zu bekämpfen“. Er kommt zum Schluss: „Susanne Gaschke gehört zu den Journalisten, die trotz akademischem Hintergrund das Internet nicht verstanden haben.“

4. „Die ‚Kuss-Falle‘ der Agenturchef-Tochter“
(meedia.de, Stefan Winterbauer)
Stefan Winterbauer schreibt über ein unscharfes Paparazzi-Foto in der Zeitschrift „Frau aktuell“, das den Handballer Silvio Heinevetter in inniger Umarmung mit einer Unbekannten zeigt. „Was für ein gigantischer Zufall, dass die Dame auf den Exklusiv-Bildern der Frau aktuell ausgerechnet die Tochter eines Verkäufers von Promi-Geschichten an Yellow-Blätter ist, der früher mit der Chefredakteurin eben jener Zeitschrift zusammengearbeitet hat.“

5. „Ein Meinungsbeitrag zur Pressekonzentration“
(nzz.ch, Hugo Triner)
Verleger Hugo Triner beobachtet eine stark fortgeschrittene Pressekonzentration in der Schweiz: „Die Erfahrung zeigt, dass Machtballungen früher oder später zu politischem und/oder ökonomischem Missbrauch führen. Die Abhängigkeit der Inserenten, Politiker, Leser, Journalisten und Mitarbeiter von den Entscheiden einiger weniger Konzernzentralen ist gross.“

6. „Was twittern einer Lokalzeitung bringt“
(netzfeuilleton.de, SheephunteR)
Christian Lindner, Chefredakteur der „Rhein-Zeitung“ aus Koblenz, spricht über die Twitter-Strategie seines Blatts und erzählt, dass er „mehrere Themenhinweise am Tag“ über Twitter erhalte, keineswegs nur triviale Geschichten: „Auch der ein oder andere Tipp aus großen regionalen Unternehmen und der Hinweis auf ein politisches Skandälchen auf Landesebene soll schon dabei gewesen sein. Whistleblowing via Twitter.“

Trigami, Deutsche Welle, Sloterdijk

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1. „Wie viel Werbung steckt in einem Tag Pro7?“
(hauseundlars.de)
Hause und Lars messen, wie viel Werbung der Sender Pro7 während 24 Stunden sendet: „Am 16.01.2010 von 00:00:00 Uhr bis 23:59:59 Uhr wurden bei Pro7 Deutschland exakt 03h 40m und 06s Werbung oder Programmhinweise ausgestrahlt. Das laufende Programm wurde 52 mal unterbrochen.“

2. Trigami und die iPhone-App der „Süddeutschen Zeitung“
(upload-magazin.de/blog, Jan Tißler)
Jan Tißler bloggt über die Zusammenarbeit der „Süddeutschen Zeitung“ mit Trigami. Daraufhin kündigt der Marketing-Verantwortliche Peter Bilz-Wohlgemuth in einem Kommentar die Beendigung der Zusammenarbeit mit Trigami „mit sofortiger Wirkung“ an. Trigami selbst schreibt: „Wir als Trigami haben grossen Mist gebaut! Punkt.“

3. „Blogger der 100 Tage“
(heise.de/tp, Markus Kompa)
Markus Kompa schreibt ausführlich über die Blogaktivitäten von „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann und stattet der „Bild“-Redaktion einen Besuch ab, wobei er „versehentlich seine ihm gerade geschenkte Diekmann-Tasse stehen“ lässt.

4. „Ein Haufen Goldbären“
(taz.de, Marvin Oppong)
„Auffällig oft finden Produkte der Haribo GmbH & Co. KG (Bonn) Erwähnung im Programm der Deutschen Welle (ebenfalls Bonn). Purer Zufall oder Bönnscher Klüngel?“

5. Interview mit Jeff Jarvis
(focus.de, Leif Kramp und Stephan Weichert)
Jeff Jarvis zur Zukunft der Lokalzeitung: „Ich denke, eine lokale Zeitung muss sich radikal verändern und sich voll und ganz auf Lokalberichterstattung im besten Sinn konzentrieren. Es gibt keinen Grund, warum sie auch den Rest der Welt beackern müssten.“

6. Interview mit Peter Sloterdijk
(interviewsfuehren.wordpress.com, Video, 7:35 Minuten)
Christian Thiele spricht mit Philosophieprofessor Peter Sloterdijk über Interviews.

Medienarchiv 68, N24, Google

6 vor 9

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1. „Editorial zum Medienarchiv68“
(medienarchiv68.de, Mathias Döpfner)
Der Axel-Springer-Verlag macht mit dem Medienarchiv 68 „rund 5.900 Beiträge, Kommentare, Leserbriefe, Karikaturen, Reportagen, Glossen und Interviews aus den Jahren 1966 bis 1968“ zugänglich. Der Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner will damit die „publizistische Positionierung der Axel-Springer-Zeitungen in der damaligen Zeit“ zur Debatte stellen: „Manche Klischees in den Köpfen erweisen sich auch als Endmoränen einer bis heute wirkungsvollen SED-Propaganda und Stasi-Desinformation.“ Reaktionen auf die Lancierung des Medienarchivs sind auf taz.de, sueddeutsche.de oder fr-online.de zu lesen.

2. „Focus: Fakten, Fakten, Fakten??“
(klima-luegendetektor.de)
Der Klima-Lügendetektor schreibt über den „Focus“-Titel „Fällt die Klima-Katastrophe aus?“ und kommt zu folgendem Schluß: „Die sensationsheischende Frage des ‚Nachrichtenmagazins‘, ob die Klimakatastrophe ausfalle, lässt sich also kurz und bündig beantworten: Leider nein!“

3. „Du sollst nicht langweilen!“
(faz.net, Harald Staun)
Harald Staun über den Nachrichtensender N24: „Die bloße Etikettierung des Programms mit dem Begriff ‚Nachrichten‘ scheint auszureichen, damit die sonst so fleißigen Kritiker des Privatfernsehens ihre fundamentalen Dünkel gegen Boulevardisierung und Infotainment vergessen. Die Solidaritätsbekundungen klingen ein wenig, als würde sich der Vegetarierbund beschweren, weil McDonald’s seine Salate abschafft.“

4. „‚Bild‘-App ist bereits geknackt“
(dwdl.de, Alexander Krei)
„Einigen Usern ist es gelungen, die erst Anfang Dezember gestartete kostenpflichtige App der ‚Bild‘ für das iPhone zu knacken. Dem Springer-Verlag ist das Problem bekannt, dennoch gibt man sich derzeit noch gelassen.“

5. „SF: Trickserei beim ‚Swiss Award'“
(persoenlich.com)
„Stand der ‚Schweizer des Jahres‘ schon fest, bevor ihn das Volk per Televoting bestimmte?“

6. „Wieso Holzmedien bei Google-Kritik versagen“
(largeneuroncollider.com, Andreas Braendle)
Andreas Braendle hält Skepsis für angebracht, wenn Printmedien über Google schreiben. „Die seltsame Argumentation der Journalisten hört sich meist etwa so an, wie wenn Fährenbetreiber einen Autofahrer davon überzeugen wollen, nicht mit der neuen Brücke den Fluss zu überqueren, sondern weiterhin die Fähre zu nehmen – weil sie langsamer und teurer ist.“

Haiti, Al Qaida, Phrasen

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1. „Wenn Helfer Medien helfen müssen“
(evangelisch.de, Henrik Schmitz)
Deutschsprachige Helfer in Haiti werden von den Medien mit Anfragen überhäuft, zum Beispiel Astrid Nissen, Leiterin des Projektbüros der Diakonie Katastrophenhilfe in Port-au-Prince. „Die Medien sind auf Menschen wie Astrid Nissen angewiesen. Die Zahl der Auslandskorrespondenten ist in den vergangenen Jahren eher zurückgegangen. Es muss gespart werden, auch an der Kompetenz in der Berichterstattung über exotische Länder. Das liegt natürlich auch am Publikum. Flapsig ausgedrückt: Wen interessiert schon Haiti, wenn dort nicht die Erde bebt?“

2. „Empathie“
(blog.tagesschau.de, Kai Gniffke)
Auch die Tagesschau hat keine Korrespondenten vor Ort: „Mehrere ARD-Reporter versuchen seit gestern ins Land zu kommen. (…) Auch wenn ich es nach außen nicht gerne zugebe, offen gesagt habe ich gehofft, dass die eigenen Leute möglichst die ersten sein werden, die aus Haiti berichten. Als wäre das so eine Art Wettbewerb. Ich kann gleich sagen: Wir waren es nicht. Heute abend versuche ich, mit dieser Tatsache nicht zu hadern. Denn mir ist besonders in den letzten 24 Stunden wieder einmal klar geworden, wie sehr mir in solchen Situationen die Fähigkeit zur Empathie verloren geht.“

3. „Komplizen: Die Medien und der Terror“
(carta.info, Stephan Ruß-Mohl)
Journalismusprofessor Stephan Ruß-Mohl fragt: „Wäre Al Qaida nicht bald machtlos, wenn selbst ‚gelungene‘ Selbstmordattentate nur noch wenig oder keine Medienaufmerksamkeit auf sich lenkten? Die Medien ignorieren ja tagtäglich auch tausend andere Gewalttaten und Kriege auf dieser Welt.“

4. „Print lebt, und wie: ‚Landlust‘ überholt ‚Focus'“
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Wenig überraschendes zeigen die neusten IVW-Zahlen der Printmedien: Viele verlieren („Unter den Verlierern sind viele Me-too-Produkte, die freundlich formuliert verzichtbar sind“), Wochenzeitungen wie die „Zeit“ und die „FAS“ gewinnen hinzu. „So abgedroschen dieser Spruch auch klingen mag: Qualität setzt sich durch. Einen Automatismus dafür gibt es nicht, aber immerhin die Erkenntnis, dass es sich lohnen kann, gut zu sein.“

5. „Die hohlen Phrasen der Bosse“
(meedia.de/nc/background/meedia-blogs, Stefan Winterbauer)
„Es gehört zum Selbstverständnis der so genannten Entscheidungsträger, dass man so tun muss, als ob alles spitzenmäßig läuft. Breites Grinsen aufgesetzt und beide Daumen hochgestreckt. Auch wenn hinter einem für jeden sichtbar die Ruinen rauchen.“

6. „Georg Mascolo in Leipzig zu Gast: Nachrichten sind ein rares Gut“
(l-iz.de, Ralf Julke)
„Spiegel“-Chefredakteur Georg Mascolo sieht Nachrichten als ein Rohstoff, der nicht beliebig zu vermehren ist. Und: „Das Umschreiben von dpa-Meldungen wird in Zukunft nicht mehr reichen.“

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