Archiv für 6 vor 9

Erklärräume, Kommentare, Küng

1. „Sich die Blogger-Kultur aneignen“

(nzz.ch, Heribert Seifert)

Heribert Seifert liefert einen Überblick über die Anstrengungen der etablierten Medienhäuser, was mit Blogs zu machen. Fazit: „Zu viele uninspirierte, nur als Pflichtprogramm betriebene Blogs, die von knausrigen Verlagen vor allem als Landnahme auf einem weiteren Medienspielplatz ohne Bereitschaft zu Investition und netzspezifischem Engagement installiert werden, zeugen nicht gerade von Vitalität und journalistischer Phantasie.“

2. „Kein öffentliches Interesse“

(20min.ch, Lukas Mäder)

„Gibt es für Normalbürger im hintersten passwortgeschützten Winkel des Internets noch eine Privatsphäre? Der ‚Blick‘ findet Nein – und publiziert Sado-Maso-Bilder einer Sekretärin. Juristen sehen die Rechte der Betroffenen verletzt.“ Siehe auch „Darf sich eine ‚Blick‘-Autorin so zeigen?

3. „Schöner Kommentieren mit Datenschutz“

(stefan-niggemeier.de)

Stefan Niggemeier wird es nicht leicht gemacht, ein Blog zu führen, das Kommentare zulässt. Einerseits soll er alle Kommentare sozusagen unverzüglich prüfen, andererseits soll er nicht mal eine E-Mail-Adresse verlangen dürfen. Der gar nicht rechtsfreie Raum Internet führt dazu, dass nun Kommentierwillige mit den Worten „Mit dem Absenden Ihres Kommentars willigen Sie ein…“ gewarnt werden.

4. „Das Gefühl, ein linkischer Zwerg zu sein“

(sz-magazin.sueddeutsche.de, Miriam Meckel)

Miriam Meckel schildert den Spießrutenlauf roter Teppich: „Ich blicke in 100 Augenpaare, versteckt hinter 100 Linsen. 300 Augen und Linsen starren zurück.“

5. Im ZDF-Erklärraum

(faz.net, Michael Hanfeld)

Ab dem 17. Juli werden beim ZDF die Nachrichten in „einer großen grünen Höhle oder Hölle“, die 30 Millionen Euro gekostet hat, verlesen. Für die Journalisten heisst das: „Ihre Aufgabe wird anspruchsvoller, sie müssen sich als Meister des modernen Nachrichtenfünfkampfs beweisen – sie verlesen nicht mehr nur Nachrichten, sie moderieren, schreiten umher, gestikulieren, deuten und führen Interviews, bei denen die Kamera den Sprechenden im Studio über die Kamera schaut oder das zugeschaltete Gegenüber an die Stelle ‚beamt‘, die der Moderator avisiert.“

6. Downsizing-Kongress Journalismus

(dasmagazin.ch, Max Küng)

„Ich weiss: Wenn mein Sohn dereinst in der Schule gefragt wird, was sein Vater arbeitet und er ‚Journalist‘ sagen wird, dann werden seine Mitschüler den Mund verziehen, als habe man ihnen Essiglösung injiziert, sie werden die Augen verdrehen und sich die Hände vors Gesicht schlagen, der Lehrerin wird ein ‚Oje‘ entfahren, und sie wird denken: ‚das arme Kind‘.“

@sachark, Hagemann, Manipulationen

1. „Die vierte Gewalt ist jetzt im Netz“

(perlentaucher.de/blog, Anja Seeliger)

Brillante Entgegnung auf den Enteignungs-Text von Hubert Burda. Sie zählt unter anderem auf, auf welchen Wegen die deutschen Zeitungsverleger „zum Schutz überkommener Geschäftsmodelle“ nach dem Staat rufen. Sie fordern eine „Zwangsgebühr namens Kulturflatrate“, eine „staatliche Beaufsichtigung der Suchmaschinen“, eine „Umverteilung der Anzeigenerlöse der Suchmaschinen“, ein „Leistungsschutzrecht, das die Grundvoraussetzung für die Schaffung einer Gema für Onlinetexte wäre“ und dazu eine „staatliche Überwachung des Internets“.

2. „Manipulation – Politiker und Prominente schönen ihre Interviews“

(ndr.de, Video, 7:23 Minuten)

Hannah Herzsprung, Martina Gedeck, Heike Makatsch, Olaf Scholz. Sie alle, bzw. ihr Management lassen Interviews zur Farce verkommen, in dem sie so lange am Text rumwerkeln, bis aus dem Gespräch eine PR-Story in eigener Sache wird.

3. Interview mit Matthias Hagemann

(werbewoche.ch, Markus Knöpfli)

Der Verleger der Basler Zeitung Medien (BZM) denkt laut über Kooperationspartner nach: „Für uns sind primär der Wille der Aktionäre und sodann vor allem die Synergien entscheidend – und letztere kann nicht nur Tamedia bieten. Wir haben uns schon lange und nicht nur in der Schweiz umgeschaut, sondern auch weiter nördlich.“

4. Die WOZ und der Bundespräsident

(woz.ch, Daniel Ryser)

„Vor zwei Wochen publizierte die WOZ unveröffentlichte erotische Fantasien des Hobbyschriftstellers Hans-Rudolf Merz, Bundespräsident und Finanzminister [WOZ vom 11. Juni 2009]. Am Donnerstag, 25. Juni, schreibt Hans-Rudolf Merz der WOZ deshalb einen Brief: ‚Ich habe diesen Text vor Jahren zu meinem privaten Vergnügen verfasst. Ich fordere Sie auf, künftige Veröffentlichungen des Textes zu unterlassen.‘ Die WOZ kommt der Bitte nach.“

5. Interview mit Sachar Kriwoj

(spox.com, Andreas Allmaier)

Twitter-User @sachark hörte im Zug ein Gespräch von zwei Spielerberatern und einem Anwalt über einen möglichen Wechsel von Michael Ballack mit und twitterte drüber. Viele Medien berichteten drüber, doch kaum eines hat bei ihm nachgefragt: „Ich habe mich schon gewundert, dass manche Medien das alles sofort als ‚Ente‘ abgetan haben. Dass die Beteiligten dementieren, wundert mich nicht. Das ist bei Wechsel-Gerüchten ja nicht unüblich.“

6. „Die letzte Zeitung der Welt“

(christoph-koch.net)

“’The Budget‘ aus Ohio ist die Wochenzeitung der Amish People. Manches an ihr wirkt plötzlich sehr modern.“

Netzwerk Recherche, Blick, Bankhofer

1. „Die Enteigner der Enteigneten werden enteignet“

(frei.djv-online.de)

„In der F.A.Z. meint der Zeitschriftenverlegerpräsident, er werde enteignet. Nicht etwa qua Bundesregierung: Durch Google und so. (…) Die freien Journalisten werden seit über einem Jahrzehnt täglich enteignet.“

2. Hademar Bankhofer vs. viele rückgratslose Feiglinge

(gesundheitswelten.com)

Der österreichische „Journalist“ Hademar Bankhofer empfiehlt 30 Sekunden langes Händewaschen und nennt seine Absetzung eine „ganz hundsgemeine Intrige“: „Ohne Unschuldsvermutung“ habe man sich sofort von ihm getrennt. Er habe da „zum ersten Mal gemerkt, wie viele rückgratslose Feiglinge, (…) wie viele Arschlöcher es gibt.“ Und: „Es wurden sogar Leute dafür bezahlt, im Internet recht viel Wirbel darum zu machen.“ (Audio-File auf gesundheitswelten.com / Ausschnitt daraus bei stefan-niggemeier.de)

3. „Der Enthüllungsblogger“

(freitag.de, Sabine Pamperrien)

Sabine Pamperrien geht näher auf die Arbeit der bloggenden Journalisten Marvin Oppong und Jens Weinreich ein. Kritik gibt es am Verband Netzwerk Recherche, deren Mitglieder manchmal im Eifer vergessen, Quellen zu erwähnen: „Die rührigen Netzwerker haben es geschafft, durch geschicktes Marketing sich selbst als Synonym für investigativen Journalismus zu etablieren – ohne ihn überhaupt noch betreiben zu müssen. Vorwiegend besteht ihre Funktion inzwischen darin, als gut vernetztes Kartell dafür zu sorgen, sich gegenseitig in Szene zu setzen.“

4. „Iran und die Fakten eines Leitmediums“

(heise.de/tp, Marcus Klöckner)

„Seit der Wahl im Iran wird über den Ausgang diskutiert: War es Wahlbetrug oder nicht? Ein Spiegel-Artikel liefert ein groteskes Bild eines mainstreammedialen Wirklichkeitsverständnisses. Eine Analyse.“

5. „Blick öffnet die unterste Schublade“

(klartext.ch/blog, Nick Lüthi)

Das Boulevardblatt Blick bringt ohne erkennbaren Anlass im Internet veröffentlichte Nacktfotos einer Sozialamtsleiterin auf die Titelseite. Und fragt dann im Dorf nach, was jetzt die Leute über die Frau denken. Die Leser mögens gar nicht und greifen die Zeitung an.

6. „I studied print journalism: Now what?“

(salon.com, Cary Tennis)

„I did internships, made connections, got clips, etc., but my parents are still paying my cellphone bill.“

Echtzeit-Web, Bildblog, Gossweiler

1. „Michael Jackson – Jahre vor seinem Tod“

(bildblog.de, Lukas Heinser)

Bild, Welt und Berliner Morgenpost machen ihre Titelseiten auf mit Fotos von Michael Jackson, die angeblich „Stunden vor seinem Tod“ aufgenommen wurden. Sie stammen aber aus dem November 2003.

2. „Bildblog – Alles Müll oder was?“

(merkur.de, Katharina Zeckau)

„Seit fünf Jahren beobachtet der Journalist Stefan Niggemeier Deutschlands größte Boulevardzeitung und listet ihre Fehler im Internet auf. Zarte Anzeichen einer Läuterung hat er erkannt.“

3. Interview mit Urs Gossweiler

(persoenlich.com, Corinne Bauer)

Der Verleger der Jungfrau Zeitung spricht sich klar gegen „gegen jegliche staatliche Stützungsmassnahmen“ der Branche aus und stellt sich „gegen das Manifest [PDF] des Schweizerischen Zeitungsverlegerverbandes“: „Im Moment hat man tatsächlich den Eindruck, dass gewisse Verleger ausschliesslich mit der Frage beschäftigt sind, wie man möglichst schnell ein Konjunkturpaket vom Bundesrat erhalten kann.“

4. „Das ‚Echtzeit-Web‘ und die Zukunft des Journalismus“

(urchs.de, Ossi Urchs)

Durch das Echtzeit-Web verlieren Journalisten „Autorität, die wesentlich auf mehr oder weniger exklusiven Zugängen zu Informationen und einem Zeitvorsprung bei ihrer Verbreitung gegründet war“. Noch nicht verstanden haben viele, „dass sie mit dem Echtzeit-Web ein neues, machtvolles Werkzeug in die Hände bekommen, das ihre Möglichkeiten nicht nur quantitativ, sondern vor allem qualitativ vergrößert.“

5. Interview mit Nicole Simon

(faz.net, Stefan Herber)

Die Buchautorin von „Twitter – Mit 140 Zeichen zum Web 2.0“ gibt Auskunft: „Viele, vor allem die mittleren und kleinen Unternehmen, haben ja bis heute noch nicht einmal eine brauchbare Onlinestrategie. Wie sollen sie da Twitter verstehen?“

6. „China: Der große Kinderklau“

(ardmediathek.de, Video, 7:31 Minuten)

Ein bedrückender Report des Weltspiegels aus China, wo nicht wenige Kinder pro Jahr entführt werden wie hierzulande, sondern Tausende.

Schlingensief, Computermüll, Kall

1. Martin Kall gegen das „Heruntersparen der Redaktionen“

(medienforum.nrw.de)

Bemerkenswerte Aussagen von Tamedia-CEO Martin Kall in seiner Keynote am Internationalen Printkongress. Kall riet anderen Verlagen, „vor allem in den Journalismus zu investieren“. Denn: „Wir können uns das Heruntersparen der Redaktionen nicht leisten.“ Ist das ein cleverer Schachzug, um die Konkurrenz zu verwirren? Schliesslich hat Tamedia bei seinem Flaggschiff Tages-Anzeiger eben die Printredaktion merklich ausgedünnt. Und auf tagesanzeiger.ch fährt das Unternehmen einen journalismusarmen Boulevardkurs.

2. „Die SRG in der Krise“

(nzz.ch, Francesco Benini)

„Armin Walpen geht und hinterlässt einen Scherbenhaufen.“

3. „Vertragspiraten“

(heise.de/tp, Peter Mühlbauer)

„Die FAZ, die seit Monaten eine Kampagne für neue Leistungsschutzrechte gegen ‚digitale Enteignung‘ fährt, lizenzierte Texte von Elke Heidenreich ohne deren Wissen und ohne finanzielle Beteiligung.“

4. „Der Tag, an dem das Fernsehen dabei war, als Michael Jackson starb“

(faz-community.faz.net/blogs/fernsehblog, Peer Schader)

Peer Schader fragt sich, warum die „ARD-Tagesschau“ mit Michael Jackson aufmacht und was Uri Geller in den „Tagesthemen“ macht. Und ZDF-Korrespondent Klaus-Peter Siegloch beobachtet in New York: „Es sind viele Fernsehanstalten hier, die live berichten.“ Hier ein Cartoon (picturesforsadchildren.com), der die Nichtinformationen gut auf den Punkt bringt.

5. „Digital Dumping Ground“

(pbs.org, Video, 20:29 Minuten)

Ein kleiner Teil des westlichen Computermülls wird vorschriftsgemäss entsorgt. Ein grosser Teil aber landet in Ländern wie Ghana, China, Vietnam oder Indien. Manchmal inklusive privaten Bildern und Kreditkartennummern.

6. „Ein Opernhaus für Ougadougou“

(schlingensief.com, Christoph Schlingensief)

Der lesenswerte Zeit-Artikel von Anita Blasberg über Christoph Schlingensief, der, „schwer an Krebs erkrankt, durch Afrika reist und einen Bauplatz für sein Festspielhaus sucht“, ist online. Aufkommender Kritik an seinem Unternehmen auf nachtkritik.de antwortet er: „Natürlich bin ich ein Onkel in der Sänfte„.

Tilgner, Mingels, Ahmadinedschad

1. Interview mit Ulrich Tilgner

(swr.de, Wolfgang Heim)

Iran-Korrespondent Ulrich Tilgner (wegen Einschränkungen seiner Arbeit nicht mehr beim ZDF) ist nach Deutschland zurückgekehrt und spricht (mp3, 31:42 Minuten) über die Propaganda aus dem Westen, über Demonstrationen, die von Zehntausenden auf Millionen Menschen anwachsen, über das öffentliche Leben im Iran, das ohne Internet schlicht zusammenbricht und über die Software aus China, die jeden Morgen neu installiert werden muss, um die Internet-Filter zu umgehen.

2. „Bad Cover Versions*“

(stefan-niggemeier.de, Daniel Erk)

Daniel Erk liest den ins Zeit-Magazin übernommene Das-Magazin-Artikel „Dubai Exodus“ (Guido Mingels, 19.06.2009) und vergleicht ihn mit dem Independent-Artikel „The dark side of Dubai“ (Johann Hari, 07.04.2009). Erk meint: „(…) vielleicht hätte man auch einfach Johann Haris ganz hervorragenden Text übersetzen können. Oder, wenn man sich schon an seinem Text orientiert, wenigstens kurz auf ihn verweisen können. Im Hiphop nennt man das ‚Samples‘ klären – und dem Respekt zollen, dem Respekt gebührt.“

3. „Finde den Unterschied – Zeit Online vs. Printausgabe“

(unpolitik.de)

„Stoppschilder vor Kinderpornoseiten“ vs. „Verbot von Kinderpornographie“.

4. „IVW schränkt ab 2010 Relevanz von Page Impressions ein“

(horizont.net)

Endlich gibt es ein wenig Hoffnung auf ein Ende der den Online-Journalismus verändernden Page Impressions. Leider bleiben sie auch in Zukunft „ein Faktor zur Darstellung der Werbeträgerleistung von Online-Medien“ (ivw.de).

5. „How to verify a tweet“

(twitterjournalism.com, Craig Kanalley)

8 Methoden, um einen Tweet (einen Beitrag beim Mikroblogging-Dienst Twitter) zu verifizieren.

6. Hose zu!

(youtube.com, Video, 30 Sekunden)

Im Umgang mit den Medien gibt es einige wichtige Dinge, die man wissen sollte. Dazu gehört: Vor einem Interview immer den Hosenschlitz zumachen. Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad weiss das.

Copycats, Internet-Sperren, Bellut

1. Das ZDF kupfert schamlos ab und steht dazu

(faz-community.faz.net/blogs/fernsehblog, Peer Schader)

Der ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut nennt sich selbst einen schamlosen Abkupferer. Konkret: „Wir sind doch alles große Abkupferer. Ich bin schamlos da. Abkupfern gehört dazu.“ Es stellt sich die Frage: Warum sollen dafür Gebühren erhoben werden?

2. „Klära entfacht Begeisterungsstürme in Österreichs Medien“

(gesundheit.blogger.de, strappato)

Die neue „Verhütungspille Qlaira® (gesprochen ‚Klära‘) des Pharmakonzerns Bayer Schering“ ist auf dem Markt. Im Gesundheitsmagazin der Kronen-Zeitung ist dazu zu lesen: „Und die kleinen Pillen sind auch dann nützlich, wenn es einmal gar nichts zu verhüten gibt. Dann tut sie was für die Schönheit, man sieht’s an Haut und Haaren.“

3. „Meine Nebenverdienste“

(zapp.blog.ndr.de, Anja Reschke)

Anja Reschke geht mit Transparenz voran: „Nachdem es ja aufgrund unserer Berichterstattung über die Nebenverdienste von Moderatoren einige Nachfragen – auch hier im Blog – auch zu meiner Person gab, möchte ich mich gerne äußern. Auch ich moderiere gelegentlich auf Veranstaltungen außerhalb des NDR.“

4. „Liebe Copycats an der Dufourstrasse…“

(klatschheftli.ch, BJ Hyatt)

Blick Online schreibt aus Blogs ab und verkauft diese Recherchen als „exklusiv“. Seltsam, wo doch in Blogs gemäss Verleger Michael Ringier nur „Gewäsch von Dumpfbeuteln“, „Schwachsinn“ und „Schrott“ zu finden ist.

5. Interview mit Daniel Suter

(woz.ch, Daniel Ryser)

Einer der Entlassenen beim Tages-Anzeiger vermisst die Stellungnahmen ehemaliger Chefredakteure des Blatts: „Dass Peter Hartmeier in seine alte Rolle des Konzernsprechers zurückfällt, kann ich verstehen. Aber der grosse Welterklärer Roger de Weck: Was ist von seinen wohlformulierten Essays über den Kapitalismus zu halten, wenn ihm zum real existierenden Kapitalismus in dem Haus, für das er arbeitet, nichts einfällt?“

6. Franziska Heine vs. Ursula von der Leyen

(zeit.de, Kai Biermann und Heinrich Wefing)

Ein ausführliches Streitgespräch zur Einführung der Internet-Sperren in Deutschland.

Iran, Twitter, Graff, Federer

1. „Journalismus im Iran: Ein Flickr Hoffnung“

(diepresse.com, Patricia Käfer)

„Bürgerreporter als wichtige Stütze, Arbeitsbedingungen schwierig. Die Blogger-Szene im Iran ist seit Jahren kritisch aktiv. Und derzeit bietet das Web 2.0 selbst renommierten Medien die einzige Möglichkeit, an authentische Informationen zu kommen.“

2. In der Endlosschleife

(carta.info, Robin Meyer-Lucht)

Robin Meyer-Lucht war am Medienforum NRW und an einer Veranstaltung zum „Ende des Journalismus“ in Berlin und kriegte „das Gefühl, ein Mediensystem im Abstieg zu besichtigen“, denn: „Wirklich zentrale Fragen für neue Öffentlichkeitsstrukturen, wie beispielsweise eine Link-Ethik, werden nicht aufgegriffen. Das Internet als Leitmedium und der Veränderungsbedarf aller Medieninstitutionen werden noch immer unter den Vorzeichen und mit der Sprache des klassischen Systems verhandelt. “

3. „Wie ein Pirat dem anderen“

(bildblog.de, Lukas Heinser)

Bernd Graff, stellvertretender Chefredakteur von sueddeutsche.de, nennt die Piratenpartei die „politische Vertretung“ von Pirate Bay. Doch so ist es nicht: „Piratenpartei und Pirate Bay entstammen derselben Bewegung, sind aber nicht direkt miteinander verbunden.“

4. „Rules of Engagement for Journalists on Twitter“

(pbs.org, Julie Posetti)

Zwanzig Regeln für Journalisten bei Twitter. Von 1. „Denke, bevor du twitterst. Du kannst einen unbesonnenen Tweet nicht löschen“ über 5. „Sei menschlich; sei ehrlich; sei offen; sei aktiv“ bis zur 13. „Twittere nicht, wenn du wütend oder betrunken bist.“

5. „Iran’s Web Spying Aided By Western Technology“

(online.wsj.com, Christopher Rhoads und Loretta Chao)

Europäische Telekommunikationsfirmen haben dem Iran geholfen, eine Infrastruktur zur Zensur und Kontrolle des Internets aufzubauen.

6. „Federer’s shot around the post“

(youtube.com, Video, 1:03 Minuten)

Geht es nicht auf dem üblichen Weg – mach’s wie Roger Federer: aussenrum.

NYT, Fischöl, Castingshows, Wolf

1. „Der angezählte Champion“

(zeit.de, Michael Naumann)

„Die ‚New York Times‘ ist die beste Zeitung der Welt – aber ihrem Verlag droht die Insolvenz: Das Internet macht Konkurrenz, Anzeigen bleiben aus. Muss die Zeitung bald ihren eigenen Tod vermelden?“

2. „Callcenter der SPIEGEL-Gruppe verkauft Fischölkapseln für den Springer-Konzern“

(spiegelblog.net, T. Engelbrecht)

Der Spiegel und die Firma QS Quality Service haben die gleiche Adresse, nämlich Brandstwiete 19, Hamburg. Die Spiegel Gruppe macht was mit Journalismus, die Tochterfirma QS, zuständig für die Aboverwaltung der Muttergesellschaft, verkauft Fischölkapseln.

3. „Ich bring dich groß raus!“

(merkur.de, Jürgen Bräunlein)

„Warum tun sich junge Leute das an, vor einem Millionenpublikum gedemütigt zu werden? Kein Masochismus zwingt sie dazu, sondern die Sehnsucht nach deutlichen Worten, die ihnen die Gesellschaft verweigert.“

4. „Festrede von Armin Wolf“

(derstandard.at)

Armin Wolf, twitternder Moderator der ORF-Nachrichtensendung „Zeit im Bild“, hält eine Rede vor FH-Absolventen und gibt Tipps: „Ein guter Journalist sollte jeden Tag fünf neue Menschen kennenlernen. Pressesprecher und andere Journalisten zählen nicht. Schaffen sie sich ein ordentliches Adressbuch an, egal ob digital oder noch ganz analog auf Papier – und dieses Adressbuch sollte jeden Tag um fünf Namen voller werden.“

5. „Statement-Journalismus“

(ad-sinistram.blogspot.com, Roberto J. De Lapuente)

„Diese Ich-muß-zu-jedem-Thema-meinen-Senf-dazugeben-Mentalität dominiert das Medienspektakel. Nachrichten sind ein Sammelsurium aneinandergereihter Ein-Satz-Statements und hohler Schnellphrasen.“

6. Online Journalismus vor einigen Jahren …

(thenextweb.com, Grafik)

… und heute.

Bucerius, Büttner, Buhrow

1. „Nebeneinkünfte von TV-Moderatoren“

(sueddeutsche.de, Hans Leyendecker)

Nicht nur Hans Leyendecker, auch H.-J. Jakobs und K. Riehl schreiben über die Nebentätigkeiten von Fernsehmoderatoren wie Tom Buhrow. Siehe dazu auch die NDR-Sendung „Zapp“ (ndr.de, Video, 16:19 Minuten).

2. Interview mit Jean-Martin Büttner

(klartext.ch, Nick Lüthi und Bettina Büsser)

Tages-Anzeiger-Journalist Jean-Martin Büttner äussert sich in einem langen Interview kritisch über die Online-Strategie seines Blatts: „Wenn der Klick das einzige Kriterium für die Qualität eines Artikels wird, drohen Oberflächlichkeit und Skandalisierung.“

3. 84286,52 Mark für die 68er-Studenten

(zeit.de, Volker Ullrich)

Die Zeit arbeitet die finanziellen Unterstützungen von Verleger Gerd Bucerius an die Studenten von 1968 auf: „Natürlich war Bucerius auch Geschäftsmann, der vor allem mit der Beteiligung an der Anti-Springer-Kampagne eigene Interessen verfolgte. In einer Aufstellung über alle Spenden vom Oktober 1969 – sie summieren sich auf 84286,52 Mark – begründete er sein Engagement mit den ‚Ausdehnungstendenzen‘ Springers, durch die die Position von Gruner + Jahr im umkämpften Zeitschriftengeschäft ‚ernstlich gefährdet‘ worden sei.“

4. ORF-Stiftungsrat will Medienjournalisten aussperren

(derstandard.at)

„Journalisten, die bisher vor dem Sitzungszimmer des Rats auf Infos warteten, sollen des Platzes verwiesen werden – Der Verein Medienjournalismus protestiert: ‚Einer Demokratie nicht würdig'“.

5. „280 000 Fr. brutto plus Dienstwagen“

(stoehlker.ch/weblog, Kommentar)

Fred David, ehemaliger Chefredakteur der Wirtschaftszeitung Cash, schreibt über sein damaliges „sehr ordentliches Gehalt“: „280 000 Fr. [ca. 185 000 Euro] brutto plus Dienstwagen, Gratisbenzin und ein – überschaubares – Spesenbudget (ich schreibe das nur, weil Schweizer Chefredaktoren niemals zugeben würden, wieviel sie verdienen und dass man einen Anhaltspunkt hat, wovon hier die Rede ist.). Das ist jetzt zehn Jahre her. Den Wert dürfte man heute entsprechend anpassen.“

6. „Jetzt muss auch die Ringier-Konzernleitung sparen“

(kleinreport.ch)

Die goldenen Zeiten (siehe 5.) sind nun aber sogar in der Ringier-Chefetage vorbei. Drei externe Berater haben gemäss „einem internen E-Mail“ den Auftrag, „bis Mitte August Möglichkeiten für Einsparungen vorzuschlagen“.

Blättern:  1 ... 168 169 170 ... 250