Archiv für 6 vor 9

Bedrohungsszenarien, Ohrfeigen, Stadl

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. „Bedrohungsszenarien: Der große Unernst“
(zeit.de, Thea Dorn)
Thea Dorn glaubt, der „global vernetzte Zuschauer des frühen 21.Jahrhunderts“ habe „seinen Instinkt für die Realität verloren“: „Mit jedem Tag, an dem die Verhältnisse in seiner kleinen Welt stabil bleiben, erscheint dem Zuschauer der Katastrophenhorizont mehr und mehr als flirrender Bühnenprospekt.“

2. „CNN vs. Al Jazeera Landing Page“
(imgur.com, Screenshots, englisch)
Wie Nachrichten gewichtet werden bei CNN und bei Al Jazeera. Ein Vergleich zwischen den Online-Portalen der Newssender am 5. April.

3. „Der große Magazin-Reboot“
(praegnanz.de, Gerrit van Aaken)
Ein langer Text über die Chancen, die sich für Verlage mit dem iPad ergeben könnten. „Das freie, chaotische Web hat sich in der Vergangenheit stets gegen die aufgeräumten und kostenpflichtigen Walled Gardens duchgesetzt. Sollte es diesmal anders sein?“

4. „More Counterfeit Interviews“
(newyorker.com, Judith Thurman, englisch)
Sicher oder ziemlich sicher nicht vom italienischen Journalisten Tommaso Debenedetti interviewt wurden auch: Günter Grass, Herta Müller, Gore Vidal, Toni Morrison, E. L. Doctorow, Nadine Gordimer und Jean-Marie Gustave Le Clézio.

5. „Die Deutschen haben auch eine menschliche Seite“
(goethe.de)
Eine Befragung von drei Journalisten nach einem Journalistenaustausch. Munyao Mutinda aus Kenia: „Vor einiger Zeit hatten wir einen kritischen Bericht über die Frau des Präsidenten. Da tauchte die First Lady persönlich mit ihren Leibwächtern in unserer Redaktion auf. Sie setzte uns dort für mehrere Stunden fest und hielt uns einen Vortrag über Respekt. Einem Kollegen hat sie sogar eine Ohrfeige verpasst.“

6. „Stadlzeit 3“
(hermsfarm.de)
„Es ist schließlich etwas Schönes und Besonderes wenn man eine Heimoat hat. Aber hat das, ausser vielleicht Alf, nicht jeder?“

Faktenchecker, Neonazis, Schmidt

6 vor 9

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1. „Faktenchecker auf Fehlersuche“
(ndr.de, Mareike Fuchs, Video, 6:59 Minuten)
Zu Besuch in der Dokumentation des „Spiegel“ und bei Günther Garde, dem Faktenprüfer des „Stern“. Obwohl die Glaubwürdigkeit der Medien von korrekten Fakten abhängt, ist der Beruf des Faktenprüfers bedroht.

2. „Der ORF und die Neonazis“
(brodnig.org, Ingrid Brodnig und Martin Gantner)
Wie viel Geld wurde von der ORF-Sendung „Schauplatz“ an zwei junge Neonazis bezahlt? Während die ORF-Führung von je 100 Euro spricht, behaupten die beiden, es sei mehr Geld geflossen. „Philipp sagt, es seien 100 Euro pro Drehtag gewesen. Wie Falter-Recherchen im ORF ergaben, dürften die jungen Männer jedenfalls mehr Geld als 200 Euro erhalten haben. 50 Euro bekam zum Beispiel Philipp – bevor er vor laufender Kamera einen rechtsradikalen Shop betrat. Von dem Geld kaufte sich der Skinhead eine Fahne und zwei T-Shirts.“

3. „Bild Dir Deine Meinung“
(spiegel.de, Ingeborg Wiensowski)
„Mit Pressefotos von Mord und Totschlag, Demonstrationen und Explosionen will der Hamburger Kunstverein 60 Jahre Stadtgeschichte zeigen. Es entsteht ein schrilles und vor allem einseitiges Bild: Alle Fotos stammen aus der ‚Bild‘-Zeitung.“

4. „Zwischen Märchenstunde und Motzki-Pöbelei“
(carta.info, Steffen Rutter)
Steffen Rutter, Mitarbeiter der FDP-Bundestagsfraktion, kritisiert den Beitrag „Wie die FDP die Profiteure der Finanzkrise schützen will“ (Video, 6:37 Minuten) der Sendung „Monitor“. Es gehe im Beitrag „nicht um einen dunklen Plan der FDP, sondern vielmehr um Werbung für eine Idee der Redaktion“.

5. Interview mit Helmut Schmidt
(zeit.de, Giovanni di Lorenzo)
Helmut Schmidt glaubt, dass Journalisten „insgesamt mindestens genauso empfindlich“ sind wie die Politiker „und mindestens genauso geneigt, etwas übel zu nehmen“. „Wenn man ganz genau hinschaut, dann sieht man, dass die politischen Journalisten eigentlich mehr zur politischen Klasse gehören und weniger zum Journalismus.“

6. „What you shouldn’t say on the front page of a newspaper…“
(tabloid-watch.blogspot.com, englisch)
Eine Titelschlagzeile des „Irish Daily Star“.

Super Freelancers, Roger Köppel, Fakten-TÜV

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1. Interview mit Tom Rosenstiel
(focus.de, Leif Kramp und Stephan Weichert)
Zumindest in den USA hätten Journalisten erkannt, „dass das Internet ein spektakuläres Werkzeug ist, um Inhalt zu erzeugen“, stellt Tom Rosenstiel fest. In Zukunft sieht er Journalisten aufgeteilt: „Wir werden deshalb eine Kombination aus angestellten Journalisten erleben, die nicht so gut bezahlt sein werden wie in der Vergangenheit, und sehr prominenten Journalisten, die für verschiedene Medien arbeiten und praktisch als eigene Marke auftreten: die ‚Super Freelancers‘.“

2. Interview mit Jörg Künkel
(fachmedien.net, Roland Karle)
Zeitschriftenentwickler Jörg Künkel empfiehlt einen kleinen Test, um herauszufinden, „welcher Titel ein klares inhaltliches Profil hat und welcher nicht“: „Legen Sie Ihren Lesern Beiträge aus dem eigenen Heft und aus Konkurrenzmedien vor – nicht gestaltet, sondern nur als Text – und fragen Sie sie, aus welcher Zeitschrift der Beitrag stammen könnte.“

3. „Product Placement: Was künftig geht – und was nicht“
(dwdl.de, Jochen Voß)
Dwdl.de startet eine dreiteilige Serie zu den ab morgen erlaubten Produktplatzierungen im Fernsehen.

4. Interview mit Roger Köppel
(a-z.ch, Max Dohner)
Roger Köppel, Chef der „Weltwoche“, gibt Auskunft über seine Vorstellung von Journalismus: „Wenn es eine gefährliche Berufskrankheit gibt, nicht nur unter Journalisten, dann ist es die, sich zu fragen, was die anderen denken, wenn ich das oder das tue.“ Lesenswert ist auch das Mitte März im „Spiegel“ erschienene Porträt von Marc Hujer.

5. „Entschleunigte Fakten“
(notes.computernotizen.de, Torsten Kleinz)
Torsten Kleinz denkt nach über den von „Netzwerk Recherche“ geforderten „Fakten-TÜV“: „Statt eine illusorische ’systematische Überprüfung aller Medieninhalte‘ anzugehen, kontrolliert die Stiftung Faktentest stichprobenartig die Verlässlichkeit der Medien. Die klügsten Köpfe des Journalismus werden auf die Richterbank des Bundesverfaktungsgerichts gerufen.“

6. „Ein Schreiben vom Chefredakteur“
(off-the-record.de, Spießer Alfons)
Ein Brief von Chefredakteur Peter Pustekuchen an die „Mode-, Kosmetik-, Food- und Pharma-Branche“: „Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass in Zukunft für diese PR-Beiträge ein Zeilenhonorar fällig wird, das Sie pro Zeile an den Verlag zu entrichten haben.“

Odenwald-Internat, Henker, Philip Roth

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1. „Die BILD-Geschichte um einen Po“
(gregel.com)
Bild.de übernimmt ein YouTube-Video, versieht es mit Werbung und behauptet, eine darin zu sehende Frau würde ein Videospiel mit ihrem Po steuern. Dass das Unsinn ist, klärt sich in den von Bild.de nicht gezeigten Schlußsekunden des Videos auf.

2. „Benzin-Wut – Nunja …“
(carta.info, Robin Meyer-Lucht)
Robin Meyer-Lucht widmet sich der „Bild“-Schlagzeile „Benzin-Wut“.

3. „Missbrauch am Odenwald-Internat“
(zeit.de, Jana Simon und Stefan Willeke)
Die „Zeit“ versucht aufzuklären, warum der bereits 1999 von der „Frankfurter Rundschau“ aufgedeckte Missbrauch an der Odenwaldschule nicht von anderen Journalisten aufgegriffen wurde. „Fehleinschätzungen über die Dimension des Skandals, Desinteresses am Thema, die Unlust zu recherchieren – und gelegentlich das Bedürfnis, die Reformpädagogik gegen Angriffe zu schützen. Das berichten heute Journalisten, die damals für die Berichterstattung über Schulen verantwortlich waren.“

4. „Perfide Wettermacher“
(nzz.ch, ras.)
Der Fall Jörg Kachelmann: Rainer Stadler nennt jene „Wettermacher der Öffentlichkeit“, die Behauptungen zu Tatsachen verkürzen, „Henker“. „Am einen Tag zeigt man Empörung über den Wettermann, weil er während eines kurzen öffentlichen Auftritts lachte oder lächelte. Am nächsten Tag gibt irgendein Hobby-Psychologe dem letztlich vieldeutigen Lachen eine simple Erklärung, möglichst mit moralisierendem Unterton.“

5. „Counterfeit Roth“
(newyorker.com, Judith Thurman, englisch)
Der italienische Zeitungsjournalist Tommaso Debenedetti erfindet Interviews mit den Schriftstellern John Grisham und Philip Roth. Ans Licht kommt das erst, als Roth von einer italienischen Journalistin auf seine in „Libero“ publizierten Aussagen angesprochen wird. „But I have never said anything of the kind!“

6. „Quotendruck macht Fernsehen dumm“
(youtube.com, Video, Nico Semsrott, 2:45 Minuten)
„Der Hauptfeind des Fernsehens ist die Realität.“

Kachelmann, Goldt, Daily Mail

6 vor 9

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1. „Der Verdacht“
(faz.net, Harald Staun)
Harald Staun über Vorverurteilungen und Ferndiagnosen im Fall Jörg Kachelmann. „Welche Details aus Kachelmanns Biographie man in Zusammenhang mit dem Verdacht bringt, ist rückblickend völlig egal: im Zweifelsfall wird jede Freundlichkeit als Täuschung interpretiert.“

2. „Sind wir Putzerfische?“
(sueddeutsche.de, Sonia Seymour Mikich)
Sonia Mikich hat gelernt, sich für vieles fremdzuschämen, das als Journalismus durchgeht, „auch für die Fälle von Themenplacement im öffentlich-rechtlichen Fernsehen“. „Während Journalisten an ihrem Selbstverständnis herumrätselten, blühte die organisierte Meinungsmache, die Wachstumsbranche bevölkert von Consultants, Werbegurus und Spin-Doktoren.“

3. „Immer! Mehr! Untergang!“
(welt.de, Matthias Wulff)
Matthias Wulff liest jede Woche „Artikel, an die man sich über den Tag hinaus erinnern wird“ und mag die dauernde Klage über den Verfall des Journalismus nicht mehr hören. Die Arbeitsbedingungen hätten sich „dank Google und E-Mail“ deutlich verbessert. „Ich möchte mich nicht daran erinnern, wie viel Lebenszeit ich am Kopierer verbracht habe, wie oft ich vom Archivar gehört habe, der gesuchte Ordner komme erst am Nachmittag, wie mühsam es bei der Recherche war, mit den richtigen Leuten schnell in Kontakt zu treten.“

4. „Abt. Dumme Umfragen, abenteuerlich visualisiert“
(medienspiegel.ch, Martin Hitz)
„‚Tages-Anzeiger‘ vom 27. März 2010, S. 2“

5. „Warum wird die junge Frau geschont?“
(cicero.de, Max Goldt)
Max Goldt über YouTube-Videos, in denen „Ausraster“ zu sehen sind und über die Sendung „Germany’s Next Topmodel“ mit Heidi Klum („dieser eisige Beauty-Apparatschik“). In einem zweiten Beitrag geht es um Blogs, empfohlen wird „German Joys“ von Andrew Hammel.

6. „The Daily Mail song“
(dananddan.com, Video, 2:47 Minuten)
Dan and Dan widmen den Schlagzeilen der britischen Zeitung „Daily Mail“ einen Song.

Qualitätsjournalismus, Niiu, ORF

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1. „Studie zum Qualitätsjournalismus in Deutschland“
(dfjv.de)
Der Deutsche Fachjournalisten-Verband und das Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Freien Universität Berlin veröffentlichen eine Studie (PDF-Datei) zum Qualitätsjournalismus. „Die Verdichtung redaktioneller Arbeit könnte systematisch zu Lasten journalistischer Qualitätsroutinen und Recherche gehen.“

2. „Google ist nicht mehr ganz so böse … oder doch?“
(spiegelfechter.com, Jens Berger)
„Wer Googles Zensurmaßnahmen im internationalen Vergleich betrachtet, kommt indes nicht um die Feststellung herum, dass Google in Deutschland sehr eifrig zensiert, um nicht mit deutschen Gesetzen in Konflikt zu geraten.“

3. „Selbstversuch mit Stoppuhr“
(sueddeutsche.de, Stephan Ruß-Mohl)
Stephan Ruß-Mohl schreibt einen Text über die Zukunft des Journalismus mit Stoppuhr, da er als Entgelt ein Online-Honorar erhält, das „nicht der Rede wert“ ist. Einer seiner Tipps für die Verleger lautet: „Qualitätsbewusste Verleger sollten die Schleusen für PR eher dicht machen, als sie durch Abbau ihrer Redaktionen weiter zu öffnen. Denn auch die Kommunikationsverantwortlichen auf der Gegenseite sind kühle Rechner: Warum für teure Werbung bezahlen, solange man viele Botschaften kostengünstig und glaubwürdig über Redaktionen an seine Zielgruppen herantragen kann?“

4. „Niiu – individuelle Zeitung auf Wunsch?“
(blogpiloten.de, Regine Heidorn)
Regine Heidorn testet die individualisierte Tageszeitung „Niiu“: „Auf der Titelseite meiner Ausgabe vom 9.3.2010 lächelt mir Christoph Waltz mit Oscar entgegen. Der Rest der Seite ist gefüllt mit Blog-Einträgen, z. B. über polyextremophile Tardigrades, die in extremen Umgebungen überleben können. Der Artikel endet mit 3 kryptischen Sätzen – achso, da wären jetzt Bilder online!“

5. „Ein tödlicher Schuss um 14:22 Uhr“
(issuu.com/spvgg_bayreuth)
Im offiziellen Fanmagazin der SpVgg Bayreuth steht auf den Seiten 12 und 13 ein Text über die Erfahrungen eines Fotografen mit „Bild“ im Jahr 1980.

6. „Was darf Journalismus?“
(tvthek.orf.at, Video, 81 Minuten)
ORF-Reporter Ed Moschitz wird vorgeworfen, seine Reportage über zwei junge Neonazis („Am rechten Rand“) „manipuliert“ und „bei einer FPÖ-Wahlkampfveranstaltung zu Nazi-Parolen angestiftet“ zu haben. Eine Diskussionsrunde dazu versucht Licht in den Fall zu bringen. Derweil erhielt der ORF Besuch von „Verfassungsschutz und Staatsanwalt“.

Kachelmann, Klima, Karfreitag

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1. „Kachelmann 2. Tag“
(blog.tagesschau.de, Kai Gniffke)
Wie schon am Montag schreibt Kai Gniffke, warum der Vergewaltigungsverdacht gegen Jörg Kachelmann nicht in der Tagesschau auftaucht. Von „Bild“, die ihn für ein Interview mit zahlreichen Fragen konfrontierte, brauche er „keine Nachhilfe in Bezug auf verantwortungsvollen Journalismus, sicher nicht.“

2. „Das ganze verdammte Mediending“
(kaliban.de, Gunnar Lott)
Gunnar Lott ist zunehmend gelangweilt von „Qualitätsmedien“, die „Nicht-Nachrichten, die zudem jeder hat“, durchhecheln. „Je häufiger die atemlos eine Sau durchs Dorf treiben, die nächste Woche wieder komplett vergessen ist, desto weniger bin ich bereit, denen mein Geld oder meine Aufmerksamkeit zu widmen.“

3. „blöde klima-panikmache“
(benkoe.ch, Thomas Benkö)
„Bild“ gibt dem durch den Mensch verursachten Klimawandel die Schuld am Verschwinden der kleinen South Talpatti Island. Thomas Benkö sieht das anders: „wind und wasser haben eine insel erschaffen, wind und wasser haben sie wieder verschwinden lassen.“

4. „Frühlingserwachen der Zecken-Experten“
(gesundheit.blogger.de, hockeystick)
Auch diesen Sommer wird es wieder Zecken geben. Trotz oder wegen des harten Winters.

5. „Fernsehen am Krawallfreitag“
(fernsehkritik.tv)
Ein Text zum Wandel des Fernsehprogramms am Karfreitag: „Manch einer mag meine Kritik als altbacken und nicht mehr zeitgemäß betrachten. Zumindest ein solch religiöser Feiertag sollte aber vom Zeitgeist abgekoppelt sein. Und selbst für Atheisten kann es doch durchaus mal angenehm sein, wenigstens an einem Tag des Jahres ein leiseres und nachdenklicheres Fernsehprogramm zu sehen.“

6. „Die Presse schiebt 150 % ab“
(kobuk.at, Hans Kirchmeyr)
Eine Kurzmeldung in der österreichischen Tageszeitung „Die Presse“.

Überlebenstipps, Schächter, Kubicki

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1. „Dauerschleife aus Berlin“
(faz.net, Marcus Jauer)
Marcus Jauer über den unlösbaren Widerspruch zwischen Politikern und Journalisten in Berlin, „voneinander unabhängig und aufeinander angewiesen“ zu sein – „weshalb sich beide Seiten offenbar darauf geeinigt haben, dass keiner fragt, ob etwas berichtet wird, weil es geschieht, oder nur etwas geschieht, weil es berichtet wird“.

2. „Kommt das EU-Einheitsbrot?“
(narragonien.de)
Nein, das EU-Einheitsbrot kommt nicht. „Was BILD und MAZ nämlich nicht wissen oder vielmehr nicht wissen wollen, ist, dass die EU dem kleinen Bäcker um die Ecke überhaupt nichts vorschreiben will, sondern dass es eigentlich nur um große industrielle Backbetriebe geht.“

3. „7 Überlebenstipps für Verlage“
(bastian.nutzinger.net)
Bastian Nutzinger gibt der Print-Branche ein paar Überlebenstipps. „Versteht euch doch einfach als Teil dieser Gemeinde und interagiert entsprechend mit Ihr. Nicht jeder Blogartikel da draußen ist Journalistengold, aber einige sind hochinteressant. Warum nicht darauf verweisen?“

4. „Reden wie Markus Schächter (4)“
(medienpiraten.tv, Peer Schader)
Bauwerke aus Wörtern von ZDF-Intendant Markus Schächter einfach entschlüsselt.

5. Google und die Autorenrechte
(carta.info, Robin Meyer-Lucht)
Robin Meyer-Lucht stört sich an der Aussage von Thomas Schmid, dass Google mit den Autorenrechten kaum weniger ignorant als China mit dem Informationsrecht umgehe. „Das Internet und Google haben unsere Nachrichtenwelt endlich de-oligopolisiert, Google hält sich an das bestehende Urheberrecht und Google befördert – etwa auch über YouTube – die Meinungsfreiheit ganz maßgeblich.“

6. Interview mit Wolfgang Kubicki
(zeit.de, Stephan Lebert und Stefan Willeke)
In einem langen, lesenswerten Interview sagt Wolfgang Kubicki, wie sich eine Falschmeldung auf ihn auswirkte: „Ich dachte: Das muss jetzt sofort aufhören, und das hört nur auf – für deine Familie, für deine Mutter –, wenn du nicht mehr da bist. Ich habe in jener Nacht, vielleicht zehn Minuten lang, sehr intensiv überlegt, ob ich mir das Leben nehmen soll.“

Dauerstagnation, Newsroom, Drogen

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1. „Die Bild-Zeitung und die Masters-Tickets“
(linksgolfer.blogger.de, Rüdiger Meyer)
„Ticket-Preise für Masters-Turnier verzwölffacht“, titelt „Bild“. Tatsächlich sind die Ticketpreise für dieses Golfturnier schon lange so hoch: „Die richtige Schlagzeile hätte also gelautet: ‚Ticketpreise fürs Masters-Turnier um 10% gestiegen‘. Aber das wäre der Bild sicher nicht reißerisch genug gewesen.“

2. „Die Rückkehr der analogen Ritter“
(blog-cj.de, Christian Jakubetz)
Viele Printredaktionen würden sich heute „erstarrt, verstaubt, irrelevant“ präsentieren. „Auf den Gedanken, dass sie an ihrer Dauerstagnation selbst schuld sind und dass sich viele Leser/Zuschauer auch deswegen von ihnen abgewendet haben, weil sie den Charme und den Esprit einer Krankenversicherung ausstrahlen, sind sie bis heute nicht gekommen. Internet, böses. Blogger, doofe.“

3. „Warum Online-Werbung wichtig fürs Web ist“
(spiegel.de, Frank Patalong)
Frank Patalong über die Nutzung von Werbeblockern: „Je medienaffiner die Nutzer sind, desto häufiger setzen sie Blocker ein. Es sind also die Nutzer mit dem größten Interesse und Verständnis für Inhalte, die den meisten Schaden verursachen.“

4. „Spannende Recherche im Netz“
(verdi.de, Christiane Schulzki-Haddouti)
Ein Text über die Daten, die Staaten zur Verfügung stellen. „Deutsche Journalisten können die Entwicklung in der angelsächsischen Welt nur mit Wehmut betrachten. Basis sind nämlich verschiedene Informationszugangsrechte, die dort ganz andere Dimensionen haben als in Deutschland.“

5. „Newsroom“
(hossli.com, Peter Hossli)
Eine ausführliche Reportage aus den neuen Redaktionsräumen der „Blick“-Gruppe des Ringier-Verlags. Der Newsroom alleine kostete 7 Millionen Franken (=4.9 Millionen Euro), dafür nutzt seine Heizung auch die „Temperaturunterschiede des Zürichsees“. „Reporter dürfen nicht mehr am Computer essen. Pflanzen gibt es keine. Die Räume sind klimatisiert, die Kaffeemaschinen mit Touchscreens versehen.“

6. „Newspapers are the biggest threat to the nation’s mental wellbeing“
(guardian.co.uk/commentisfree, Charlie Brooker, englisch)
Charlie Brooker beschreibt seine Drogenerfahrungen und kommt auf die Droge Zeitung zu sprechen. „Unfortunately, facts are expensive, so to save costs and drive up sales, unscrupulous dealers often ‚cut‘ the basic contents with cheaper material, such as wild opinion, bullshit, empty hysteria, reheated press releases, advertorial padding and photographs of Lady Gaga with her bum hanging out.“

Oscars, Pharma-PR, Swiss Quiz

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1. „DER Fluch der Oscarverleihung“
(istschonzeit.wordpress.com, Schonzeit)
„Bild“ glaubt, dass mehrere US-Schauspielerinnen nach dem Gewinn eines „Oscars“ von einem „Liebes-Fluch“ getroffen wurden. „Schonzeit“ sucht und findet Fakten dazu. „Man könnte von einer ganz normalen Quote sprechen, aber das wäre ja zu einfach.“

2. „Eine Zwangsabgabe beantwortet die Frage nach der Finanzierung von Qualitätsjournalismus nicht“
(freischreiber.de)
Für Freischreiber, ein Berufsverband freier Journalisten, „besteht kein Zweifel daran, dass es den Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen weniger darum geht, die Grundlagen für Qualitätsjournalismus im Internet zu schaffen, als vielmehr darum, ihre eigene Position zu stärken“: „Es sind nicht die Verlage, die aus dem derzeitigen Strukturwandel gestärkt hervorgehen müssen, sondern der Journalismus.“

3. „Ausfragen im 20-Minuten-Takt“
(taz.de, Julian Weber)
Julian Weber über die Schwierigkeiten von Journalisten, aus „Stars der Popkultur“ Einzigartiges herauszuholen. „Am schlimmsten sind die Interview-Marathons, bei denen Stars während dreier Tage am Stück über ihr Wirken Auskunft geben, dabei immer mit den gleichen Fragen konfrontiert sind und entsprechend lustlos antworten. Auch für den Journalisten ist die Interviewsituation unangenehm, die Konkurrenz sitzt einem im Nacken.“

4. „Wie Pharma-PR in die Zeitung kommt: Ein Lehrstück“
(gesundheit.blogger.de, hockeystick)
Das Blog „Stationäre Aufnahme“ zeigt, wie „eine offenkundige PR-Studie“ in der „Fach- und Publikumspresse“ Aufnahme findet. „Ganz sicher belegt der Vorgang jedoch, dass viele Wissenschaftsjournalisten schlechte Noten verdient haben, dass sie bei der Beurteilung von offenkundiger Pharma-PR überfordert sind, dass schlechte Journalisten die Umsatzzahlen der Pharmaindustrie hochtreiben und dass sie dabei ihre Leser zu der Einnahme von Medikamenten verleiten, deren Nutzen nicht belegt ist.“

5. „Wer schreibt, der bleibt“
(sueddeutsche.de, Michael Jürgs)
Auch Michael Jürgs schreibt zur Krise: „Die Krise des Journalismus ist manchmal nur die Krise von Eingebildeten der Medienbranche ohne Vorbildung, die nie zugeben werden, dass sie überall besser aufgehoben wären als da, wo sie gerade Big Macker spielen.“

6. „Die Schweiz ist befreit“
(fernsehkritik.tv, Video, insgesamt 42:10 Minuten)
Fernsehkritik.tv berichtet vom Ende der Call-In-Show „Swiss Quiz“, bei der es zu einigen, offenbar auch für die Moderatorinnen ziemlich überraschenden Auszahlungen kommt. In der Sendung geht es unter anderem um RTL und Winnenden und um Filme im Fernsehen, die aufgrund von Altersvorgaben zurechtgeschnitten werden.

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