Ausgemoppelt

Was gibt’s eigentlich Neues von der „drallen“ Anna Nicole Smith, die (wegen der Diskussion über „Dickney Spears“, „Christina Speckilera“ und „Verona Feldmops“) vor drei Wochen bei bild.t-online noch als „schicke Dicke“ in ein Fotogalerie-Fensterchen gepresst wurde und sich „inzwischen“ angeblich „durchs Leben moppelt“?
Och, nichts Besonderes.

Letzte Reise, häppchenweise

[Nachtrag]
Was Bild.de-Leser längst wissen (und „BamS“-Lesern bislang vorenthalten blieb), hat es dann doch noch in die gedruckte „Bild“ geschafft:
„Inge Meysel starb Samstag in ihrem Haus bei Hamburg“, heißt es dort – und dann: „Ihr Sarg wurde in einem silberfarbenen Mercedes abgeholt.“ So, so, in einem silberfarbenen Mercedes also…

Bananenrepublik

Soweit ist es schon gekommen. „Muß uns jetzt ein Ausländer retten?“ fragt „Bild“, und meint mit „uns“ die Fußballnationalmannschaft, aber natürlich nicht nur. Sogar der Optimismus von Franz Beckenbauer bekommt eine schale Note. Die „Bild“-Zeitung zitiert ihn: „Wir werden in den nächsten Wochen, und wenn die Zeit nicht reicht in den nächsten Monaten, den richtigen Mann finden“ und fragt rhetorisch am Schluss: „Im Ausland?“ und man hört fast, wie es sie schüttelt. Dann ist alles denkbar. „Vielleicht sollten wir die WM 2006 zurückgeben“, kommentiert der Sportchef. Jene WM in zwei Jahren (die verwirrenderweise „das größte Sportereignis der letzten 30 Jahre“ ist, aber lassen wir das), die Franz Beckenbauer mit einem Sieg „für Deutschland“ in „unser Land“ holte, das sich nun als „Bananen-Republik“ herausstellt.

Komisch. Für die Griechen war „ein Ausländer“ als Trainer irgendwie gut genug.

„BamS“ sprach zuerst mit der Toten

Wie exklusiv ist eigentlich die Nachricht von Inge Meysels Tod?
Immerhin so exklusiv, dass die „Bild am Sonntag“, als sie am Samstag vom Ableben der 94-Jährigen erfuhr, noch fix eine entsprechende Vorabmeldung herausgegeben hatte, die von der Nachrichtenagentur AFP um 15.08 Uhr brav unter folgender Überschrift weiterverbreitet wurde:

„BamS“: Inge Meysel ist tot +++ Sperrfrist 20.00 Uhr +++

(Noch exklusiver ist da wohl nur Bild.de: „Gestern um 11 Uhr wurde der Sarg mit Inge Meysels Leichnam nach Harburg zu einem Bestattungsunternehmen gebracht“, heißt es auf Seite 16 der gedruckten „BamS“, was in der Online-Version durch den dankenswerten Hinweis ergänzt wird, dass dies „in einem silberfarbenen Mercedes“ geschah.)

Lebendig begraben

Am 6. Juli war in der Berlin/Brandenburg-Ausgabe von „Bild“ auf einer guten halben Seite etwas über den „Tod auf dem Weg zur Kirchenfreizeit“ zu lesen, illustriert mit einem Autowrack und dem Bild eines 15-jährigen Mädchens aus dem evangelischen Kirchenkreis Oderbruch, die Augen nur spärlich von einem Balken bedeckt. Nur: das abgebildete Mädchen ist gar nicht tot. Tödlich verletzt wurde bei dem Unfall ein anderes, 13-jähriges Mädchen. Hat man bei „Bild“ dann auch gemerkt und das am 8. Juli mal richtig gestellt und sich immerhin für das dumme Versehen entschuldigt. Sicher, die Meldung ist nicht sofort als Berichtigung zu erkennen und etwas kleiner als der Aufmacher einige Tage zuvor, und die Kirchengruppe war auf dem Weg an die Ostsee, nicht an die Nordsee, aber das Alter des abgebildeten Mädchens, das stimmte. Ist doch nah dran.

Marlon Brando lebt nicht mehr von Stütze

Eben noch hatte „Bild“ unter dem irreführenden Titel „Marlon Brando lebt von Stütze“ über „das bittere Ende einer Legende“ berichtet. Tags drauf ist Brando tot (oder, wie’s Norbert Körzdörfer als David Blieswood formuliert, „geplatzt?“). Tatsächlich starb der Schauspieler am Donnerstag um 18.30 Uhr im kalifornischen UCLA Medical Center an Lungenversagen, und ungefähr so stand es anschließend auch weltweit in den Zeitungen – nur nicht in „Bild“. Dort dichtete man stattdessen lieber dies:

„Seine Haushälterin und Ex-Geliebte Maria Ruiz (45) fand ihn, als sie Donnerstag gegen 19.30 Uhr Ortszeit die Villa von Marlon Brando in Beverly Hills betrat. Der große Brando lag leblos in seinem Bett, bekleidet mit einem dunkelblauen Nachthemd. Polizei, Feuerwehr und Rettungswagen rückten an – doch zu spät.“

Sexmonster bereuen nie

Roland G. ist „der schlimmste Serien-Vergewaltiger“. Jetzt steht er vor Gericht. Üblicherweise geißelt „Bild“ Verbrecher wie Roland G. am Tag nach dem Prozessauftakt dafür, nicht einmal Reue gezeigt zu haben. Doch Roland G. bekennt sich schuldig und gibt eine erstaunliche Erklärung ab:

Worte der Entschuldigung wären Hohn. Ich bedauere diesen Zwischenfall. Ich bedauere, dass ich die Frau in eine solche Situation gebracht habe. Mir bleibt nur der Dank, dass sie den Mut hatte, dieses Verbrechen anzuzeigen. Ich werde mich dafür verantworten.“

Und was schreibt „Bild“? „Das Sexmonster heuchelt Reue“.

Mulholland-Marlon statt Florida-Rolf

Ach, echt? „Bild“ jedenfalls weiß von einer „mageren Staatspension“ zu berichten – und wird am Ende der Meldung endlich konkret: „Nach eigenen Angaben lebt Brando von einer 2700-Euro-Pension, die ihm die Schauspieler-Gewerkschaft zahlt. Hinzu kommen noch 850 Euro staatliche Rente.“ Aber, äh, wie war nochmal die Überschrift?

Sie weiß es!

Christiane Hoffmann. Schreibt täglich auf der letzten Seite „Ich weiß es!“ Und woher weiß sie es? Weil sie die Promis kennt. Und wie! Jette Joop zum Beispiel. Die sich gerade von „Fürst Schaumi“ getrennt hat. Christiane Hoffmann schreibt:

„Irgendwann ist es so, dass man Konsequenzen ziehen muss“, sagte sie mir gestern. […] Gibt es einen neuen Partner? „Nein.“ Sie hat allerdings immer noch ein sehr enges Verhältnis zum Vater von Johanna, meiner Tochter.

Jette Joop hat ein Verhältnis zum Vater von Christiane Hoffmanns Tochter? Kein Wunder, dass sie es weiß.

TV-Verbot für die schöne Polizistin

Mist, verschlafen. Am Nachmittag des 3. Juni schon lief die letzte Folge des ZDF-Polizei-Laienspiels „Einsatz täglich“, und „Bild“ hat’s nicht gemerkt. Wär ja auch nicht so tragisch gewesen, aber mit ein bisschen Erfindungsreichtum kann man auch vier Wochen später noch Saft daraus saugen. Einfach: „Serie mangels Quoten vor einem Monat eingestellt“ kann man nun natürlich nicht drüber schreiben. Stattdessen steht also in „Bild“: „TV-Verbot für die schöne Polizistin“. Merke: Wenn schon der Zeitpunkt nicht stimmt, sollte wenigstens auch der Inhalt falsch sein.

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