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Symbolfoto IV

Am Donnerstag zeigte „Bild“ als Aufmacher auf Seite 1 dieses Foto:

Auf das Foto zeigte diese Schlagzeile:

Unter dem Foto stand dieser Bildtext:

Britische Flugzeuge im Bombenkampf gegen Deutschland.

Und was zeigt das Bild? Amerikanische Flugzeuge über der Normandie.

Nach einem Bericht des „Tagesspiegel“ und mehrern sachdienlichen Hinweisen.

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Nichts Welt bewegendes passiert II

Vor kippenden Erdachsen, den Flegeljahren der Sonne und Killerkeimen aus dem Weltall müssen wir uns also, wie gesagt, trotz Riesenschlagzeilen in „Bild“ womöglich nicht akut fürchten. Aber diese Achs-Kippung klingt ja doch irgendwie beunruhigend. Von was für Zeiträumen reden wir da eigentlich, bis der „Äquator kocht“? Kann ich vorher noch die Wäsche reinholen?

„Bild“ beantwortet diese Frage erstaunlich widersprüchlich. Online heißt es: „in Millionen Jahren“. In „Bild“ Berlin-Brandenburg lautet die Angabe „in Million Jahren“, als hätte da jemand hastig noch etwas korrigiert. Und „Bild“ München warnt: „in den nächsten zehn Jahren“.

Huch!

Wie kommen die darauf? Durch die „Süddeutsche Zeitung“. Dort stand am Mittwoch ein Artikel im Ressort „Wissen“ mit der Überschrift „Die Erdachse kippt“. Im ersten Satz hieß es, das Klima werde sich in den „kommenden zehn Jahren“ ändern. Im weiteren Text stand zwar die korrekte Angabe: in den „kommenden zehn Millionen Jahren“, und am Donnerstag brachte die SZ auch eine Korrektur des Fehlers. Aber das bemerkte die „Bild“-Zeitung anscheinend erst, nachdem sie schon auf der ersten Seite reichlich Platz für das (scheinbar dringliche) Thema freigeräumt und die Münchner Ausgabe gedruckt hatte.

Nichts Neues im Dschungel

Seit dem Start der zweiten Staffel von „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ ist „Bild“-Reporterin Patricia Dreyer vor Ort in Australien und berichtet aus dem RTL-Camp. Gestern hatte sie vermutlich ziemlich viel Freizeit – trotz der großen „Schummelei“-Enthüllungsgeschichte, die heute im Blatt steht.

„Warum regnet’s nie?“, fragt Dreyer darin misstrauisch – und erklärt: „Weil der Regen gar nicht ins Camp gelangt! Eine Plane ist drübergespannt, damit trotz extremer Wetterbedingungen TV-Bilder geliefert werden können.“ Na gut, das ist kein Aufreger. Schon am 18. Januar 2004 während der ersten Dschungel-Staffel hatte „BamS“ berichtet: „Das ganze Areal ist gegen Regen geschützt. Techniker Keith, der im TV-Team arbeitete, zu BamS: ‚In die Baumwipfel wurde eine riesige Abdeckplane eingewoben.'“

„Warum hört man keine Tiergeräusche?“, rätselt die Dschungelreporterin weiter. Na, „weil’s keine gibt! Alle größeren wilden Tiere wurden vor Beginn der Dreharbeiten aus dem Wald entfernt, um die Promis nicht zu gefährden.“ Auch nicht gerade eine Neuigkeit. Vor 9 Monaten zitierte „BamS“ einen RTL-Mitarbeiter: „Das Camp ist vorher gesäubert worden. Jedes Tier, auf das die Kandidaten treffen, ist von RTL dort platziert worden.“

Und der angeblich verbotene Kontakt zur Außenwelt? Dreyer deckt auf: „Von wegen Einsamkeit! Die Promis können mit einem Psychologen telefonieren, in Notfällen einen Arzt verlangen, einmal am Tag wird auch das Plumpsklo geleert.“ Das mit dem Plumpsklo war bisher tatsächlich nicht bekannt. Der Rest schon. Wieder „BamS“ im Januar: „Sie sind ganz auf sich gestellt – hieß es vor dem Start der Show. In Wirklichkeit stand sogar ständig ein Psychologe zur Verfügung, der im eigens dafür aufgebauten Haus (darin ist auch die Erste-Hilfe-Station) fleißig kontaktet wurde.“

Ein paar Seiten vor Dreyers Bericht druckt „Bild“ übrigens diese originelle Eigenanzeige ab:

Sündenfall

Wer zeigt jeden Tag die guten und fröhlichen wie die dunklen und traurigen Seiten des Lebens? Das ganze Spektrum unserer Gesellschaft, lebensnah, anschaulich und fern aller Theorie?

Wissen Sie nicht? Na gut. Zwei Antwortmöglichkeiten:
Möglichkeit 1: „Bild“.
Möglichkeit 2: Die Bibel.

Die Lösung: Beides stimmt – jedenfalls nach Ansicht von „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann. Kein Wunder also, dass „Bild“ gemeinsam mit der Verlagsgruppe Weltbild eine hochwertig ausgestattete Volksbibel auf den Markt bringt. Ja, lesen Sie das ruhig noch mal, um es zu glauben:

„Europas größte Tageszeitung BILD und die Augsburger Verlagsgruppe Weltbild bringen gemeinsam eine hochwertig ausgestattete Volksbibel auf den Markt.“

Und das „Geleitwort“, also quasi ein Vorwort zur Heiligen Schrift, zum Alten und Neuen Testament, zur Bibel also, hat Diekmann auch gleich geschrieben, mit freundlicher Unterstützung des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Wolfgang Huber, und dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann.

Allein das schockt schon derart, dass man glatt vergessen könnte, zu erwähnen, wer heute „Gewinner des Tages“ ist.

Nichts Welt bewegendes passiert


Das klingt ja schrecklich! Und was wird dann aus uns Menschen?

Unser blauer Planet – rauben ihm jetzt Ur-Kräfte des Weltalls die Balance? Droht Chaos?
Alarmsignale:
Die Erdachse kippt. (…) Noch rechnen Forscher „nur“ mit einer Achs-Kippung von 0,4 Grad, in Millionen Jahren.

Und wenn’s doch schneller geht? Auf die Frage hat „Bild“ sich offenbar von dem Forscher Jacques Laskar erzählen lassen:

„Das Verhalten unseres Planeten ist chaotisch, nicht berechenbar“.

So was ähnliches steht auch im ersten Absatz der dem „Bild“-Artikel zu Grunde liegenden Untersuchung, allerdings in anderem Zusammenhang. Und eigentlich rechnen Forscher damit, dass diese 0,4 Grad bereits eine ungewöhnlich rasant ablaufende „Achs-Kippung“ darstellen.

Ja, aber:

Die Sonne steckt in den Flegeljahren. Seit Jahrtausenden war sie nicht so „nervös“ wie heute, schreiben renommierte Wissenschaftler in der Zeitschrift „Nature“.

Das stimmt. So ähnlich stehts jedenfalls in einer Veröffentlichung in „Nature“ vom 28. Oktober 2004. Dort prognostiziert ein internationales Forscherteam allerdings auch einen Rückgang der Sonnenaktivität in wenigen Jahrzehnten.

Und was ist hiermit?

Der Astrobiologe Prof. Chandra Wickramasinghe hat in 41 Kilometern Höhe Massen von bisher unbekannten Mikroorganismen entdeckt: „Das könnten Killerkeime sein!“

Die Theorie von Wickramasinghe, dass die Lungenkrankheit SARS aus dem Weltraum kam, hat „Bild“ zwar vergangenes Jahr schon einmal als Sensation präsentiert, unterstützt wird sie aber nur von wenigen Wissenschaftlern. Manche halten sie für einen „Scherz“ oder auch für ziemlich unwahrscheinlich.

Ansonsten wertet „Bild“ noch Erdbeben, Meteoritenschwärme, derzeit aktive Vulkane und theoretisch mögliche Vulkanausbrüche als Alarmsignale. Was dann auch schon für eine riesige „Bild“-Schlagzeile auf Seite eins und eine große Geschichte auf Seite 12 reicht.

Beruhigend, eigentlich.

ARD inkonsequent, „Bild“ nur ein bisschen

Bei der ARD spinnen sie alle. Erinnern Sie sich?

„Als ARD-Moderator wurde Max Schautzer (64) gefeuert – zu alt!„,

stand Ende August in „Bild am Sonntag“, nachdem die ARD Schautzers Langweiler-Show „Immer wieder Sonntags“ an den 26-jährigen Sebastian Deyle abgegeben und Schautzer ein Buch mit dem merkwürdigen Titel „Rock’n’Roll im Kopf, Walzer in den Beinen“ geschrieben hatte, siehe Google-Cache). Einen Tag später legte „Bild“ empört nach (siehe noch mal Google-Cache und Bildblog):

„Bei ARD und ZDF sitzen die Alten in der letzten Reihe.“

Zwei Monate später nun der nächste Rausschmiss bei der altenfeindlichen ARD: Der Sender wird bei der Show „Wenn das kein Grund zum Feiern ist“ künftig ohne Schlagersänger Patrick Lindner (44) feiern. Die Sensation: Lindner wird „ersetzt durch den 13 Jahre älteren Michael Schanze“. Übel, übel. Und was titelt „Bild“ dazu? Etwa:

„ARD feuert Patrick Lindner (44) – weil er zu jung ist„?

Nein, nein. Sondern:

„Flog Patrick Lindner bei der ARD, weil er schwul ist?

Muss ein ganz schöner Sauhaufen sein, diese ARD.
Glauben Sie nicht?

Sehtest

Prinz Philip ist ein Malheur passiert: Im Oreanda Hotel in Jalta ist er offiziellen Angaben zufolge in der Badewanne ausgerutscht und hat dabei ein blaues Auge bekommen.

Viele Medien in Großbritannien (aber auch beispielsweise in Deutschland) berichteten darüber. Und weil Prinz Philip am Montag nach seinem Missgeschick in der Ukraine noch einen öffentlichen Auftritt hatte, gibt es davon natürlich auch Fotos.

Die „Kronenzeitung“ aus Österreich etwa entschied sich für dieses Bild:
 
 
 
 
 
Der Schweizer „Blick“ druckte dasselbe Foto. Da sah’s dann so aus:
 
 
 
 
 
Aber natürlich mochte auch Bild.de auf die Meldung vom blauen Auge nicht verzichten und illustrierte die offenbar witzig gemeinten (und nach dem Vorbild des „Blick“ bzw. der britischen „Sun“ verfassten) Zeilen am Mittwoch ebenfalls mit nämlichem Foto, nur dass hier das Gesicht von Prinz Philip eigenartigerweise irgendwie käsiger und das „Veilchen“ irgendwie viel, viel schlimmer aussieht…
 
 
 
 

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Herr Pocher hat Recht

Heute vor einer Woche rückte „Bild“ auf der Titelseite Oliver Pocher in die Nähe von Kinderschändern. Mehrere Wochen, nachdem er bei Johannes B. Kerner über das Thema Kindesmissbrauch gesprochen hatte, verkürzte und verdrehte das Blatt seine Aussagen (siehe hier). Pocher setzte gerichtlich eine Gegendarstellung durch, die sich heute auf der Homepage von bild.de und auf der Seite 1 der „Bild“-Zeitung findet:

Auf der BILD-Titelseite vom 20. Oktober 2004 schreiben Sie in einer Überschrift über mich: „Oliver Pocher TV-Star schützt Kinder-Schänder“.

Weiter heißt es dort: „… Der Komiker gab in der Kerner-Talkshow zu, von einem Kindesmißbrauch zu wissen. Den Täter zeigte er aber nicht an!“

Hierzu stelle ich fest: Der hierdurch erweckte Eindruck, ich würde aktuell einen Kinderschänder schützen, ist falsch. Meine Aussage in der Sendung Kerner bezog sich auf einen Fall, von dem ich vor zehn Jahren erfahren habe und der zum damaligen Zeitpunkt bereits 3 Jahre zurücklag. Die Tat ist verjährt und den Behörden bekannt.

Die Redaktion hat dem Text einen Satz hinzugefügt:

Herr Pocher hat Recht.

Das ist interessant. Denn gegenüber der FAZ hatte „Bild“ vergangene Woche noch beharrt, im Recht zu sein. Und die Gegendarstellung hat „Bild“ nicht freiwillig gedruckt, sondern erst, nachdem Pocher eine entsprechende Gerichtsentscheidung erreicht hatte. Von der Managerin des TV-Komikers ist zu erfahren: Entschuldigt habe sich „Bild“ bei Oliver Pocher bis heute nicht.

Korrektur, 18.30 Uhr: Pochers Anwalt Christian Schertz sagt, eine Gerichtsentscheidung zur Erzwingung der Gegendarstellung sei nicht nötig gewesen. „Bild“ habe die Gegendarstellung gedruckt, nachdem er die Zeitung abgemahnt habe. Am heutigen Donnerstag habe sich die „Bild“-Reporterin auch bei Pochers Managerin entschuldigt.

Blutzoll

„Bild“ spricht eine „Wahl-Empfehlung“ aus. Für Bush. An wen sich diese „Empfehlung“ richtet, womöglich an die 200.000 Amerikaner, die in Deutschland leben, wer weiß es. „Bild“-Ratgeber Hugo Müller-Vogg weiß dafür „zehn Gründe, warum es für Deutschland, die Welt und Amerika besser wäre, wenn George W. Bush Präsident bleibt.“

Am besten ist Punkt 3:

Unter Bush werden die USA als Supermacht weiterhin die Hauptlast in dem von den islamistischen Fanatikern einseitig erklärten „Heiligen Krieg“ tragen – militärisch, finanziell und auch beim Blutzoll.

Anders gesagt: Die USA haben den Krieg zwar nicht angefangen, aber immer noch besser, Amerikaner sterben, als Deutsche.

Ist es das, was die Axel Springer AG meint, wenn sie alle Redakteure als einen von fünf Grundsätzen auf die „Solidarität in der freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika“ verpflichtet? Und wissen das die Amis, dass sie George W. Bush wählen sollen, damit sie auch weiterhin die „Hauptlast“ des „Blutzolls“ tragen dürfen? Weil das nicht nur für „Deutschland“ und „die Welt“, sondern auch für „Amerika“ besser wäre?

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Schon wieder die Mafia

Es gibt immer noch keine Spur vom verschwundenen Unternehmersohn Andreas Grimm. Bloß „Bild“ weiß wieder mehr:

„40 Polizisten versuchen das Rätsel um den vermissten Fabrikanten-Erben zu lösen. Ein Dealer hat gesagt, man habe ihn ‚entsorgt‘.“

Online steht der Beitrag mit der deutlich entschärften Überschrift „Finden sie den Millionärs-Sohn?“ und ohne die zitierte Unterzeile. Dafür fragte Bild-T-Online bereits am Sonntag: „Wurde er von der Kokain-Mafia im Fluß versenkt?“ und berichtete (ähnlich wie „Bild“ am Samstag):

„Ein junger Dealer (22) soll dem Studenten Kokain verkauft haben. Er wurde festgenommen, sagte aus: Der Millionärssohn habe ‚eine Absprache im Milieu‘ nicht eingehalten und sei 150 Kilometer entfernt ‚entsorgt‘ worden.“

Heute wiederum zitiert „Bild“ einen „engen Bekannten“ (Print) bzw. einen „Bekannten“ (Online) Grimms als Kronzeugen für die selbst aufgestellte These:

Gut möglich, daß er [Grimm] dachte, er könne Berufsverbrecher ebenso von oben herab behandeln, wie er es mit normalen Menschen machte…“

Fakt ist, dass die Polizei derzeit keinerlei Auskunft über den Stand der Ermittlungen gibt. Fakt ist auch, dass die Polizei noch immer nicht davon ausgeht, dass der festgenommene Dealer direkt an Grimms Verschwinden beteiligt ist. (Von „der Mafia“ mal ganz zu schweigen.) In „Bild“ steht davon nichts. Aber bei FAZ.net:

„Nach den bisherigen Informationen steht der Inhaftierte indes nicht in dem Verdacht, an einem möglichen Verbrechen beteiligt zu sein.“

Natürlich besteht die Möglichkeit, dass sich diese Annahme im Laufe der Ermittlungen als falsch herausstellt. Zum jetzigen Zeitpunkt sind die „Bild“-„Informationen“ allerdings bloß unbestätigte Spekulationen unter sensationsheischender Überschrift.

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