Unumstritten renommiert

„BILD bleibt die mit Abstand wichtigste deutsche Tageszeitung! Keine andere Tageszeitung wurde im dritten Quartal häufiger mit Exklusivmeldungen zitiert“,

meldet „Bild“ auf Seite 1 unter Berufung auf das „renommierte Bonner Medienforschungsinstitut Medien Tenor“.

Das ist erst einmal nicht weiter ungewöhnlich, weil auch andere Zeitungen gerne drucken, wie wichtig sie sind – wohl, um es selbst nicht zu vergessen.

Für den Hinweis, dass das stets renommierte Forschungsinstitut zuletzt gar nicht mehr so arg renommiert, sondern, ganz im Gegenteil, eher umstritten war, blieb in der knappen Meldung sicher einfach kein Platz mehr. Medien-Tenor-Beiratsmitglied Mathias Döpfner, nebenberuflich Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG, hätte das sowieso nicht gefallen.

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Monster-Ratten-Alarm

Himmel: Die Erdachse kippt, auf unseren Autobahnen lungern mörderische Afrika-Büffel herum, und jetzt wird Deutschland auch noch von mutierten Riesennagern bedroht!

Angst vor Monster-Ratten
Sie werden 60 Zentimeter lang, neun Kilo schwer und tauchen immer häufiger in Südhessen auf

Mit dieser Schlagzeile schockierte heute die „Bild“ Frankfurt.

Monster-Ratten-Alarm am Rhein! Straßenbahnfahrer Joachim Jüngling (43) machte die schockierende Entdeckung mitten in Mannheim. Bei der Fahrt mit der Linie 4 fand er einen riesigen toten Nager auf den Gleisen und fotografierte ihn. Der Fund: 60 Zentimeter groß, lange rötliche Zähne und ein nackter Schwanz. Straßenbahnfahrer Jüngling: „Ich hatte furchtbare Angst.“

Na, kein Wunder. Wenn uns so eine mutierte Riesenratte mit ihren rötlichen Zähnen und dem fiesen nackten Schwanz anspringen würde …

… Moment, von anspringen kann natürlich keine Rede sein: Die Ratte war zwar Monster, aber tot. Und was ihre lebenden Freunde angeht, fassen wir zusammen, was bei „Bild“ im Kleingedruckten steht:

Es handelt sich um Sumpfbiberratten (Nutria). Das sind Vegetarier. Sie sind sehr friedlich. Sie übertragen keine Krankheiten. Sie dringen nicht in Wohnungen ein wie normale Ratten. Sie scheuen den Menschen. Es gibt sie seit über 200 Jahren in Deutschland. Sie sind nicht auf mysteriöse Weise eingewandert, sondern wurden zunächst für Pelze gezüchtet und dann einfach freigelassen.

Mit anderen Worten: Jede Wollmaus ist gefährlicher.

Wir erwarten jetzt in „Bild“ Frankfurt die Überschriften: „Panik wegen Riesen-Grashalm“, „Rückkehr der Killer-Küken“ und „Angst vor Monster-Linealen“.

Ach, und Mannheim liegt gar nicht in Südhessen.

In eigener Sache

Wir freuen uns: Wir sind nominiert für die Weblog Awards der Deutschen Welle in der Kategorie „Best Journalistic Blog / German“! Über die Vergabe der insgesamt elf „BOBs“ („Best of Blogs“) entscheiden die Leser: Bis zum 5. Dezember kann jeder hier abstimmen; hier geht’s direkt zu uns und den anderen neun Nominierten in unserer Kategorie.

We are the champions XIV

Und täglich grüßt das Murmeltier: „Bild“ ist Gewinner des Tages in „Bild“. Weil die Sportredaktion mit dem „Paralympic Media Award“ für ihre Berichterstattung über die Paralympics ausgezeichnet wurde. Und was meint „Bild“ dazu?

BILD meint: Die Ehre gebührt den Athleten!

Ja, genau. Deshalb steht oben neben „Gewinner des Tages“ ja auch „BILD Sportredaktion“ und nicht „Die Athleten der Paralympics“.

Übrigens hat „Bild“ den Preis nicht alleine bekommen. Ausgezeichnet mit dem „Paralympic Media Award 2004“ wurden außerdem: ARD, ZDF, Radio Aktiv Hameln, Bayer Leverkusen und die Deutsche Bahn. Deren Namen passten halt nur nicht mehr neben das fette Eigenlob.

Und falsch geschrieben („Paralympics“) hat „Bild“ den Namen des Preises auch noch.

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Symbolfoto IV

Am Donnerstag zeigte „Bild“ als Aufmacher auf Seite 1 dieses Foto:

Auf das Foto zeigte diese Schlagzeile:

Unter dem Foto stand dieser Bildtext:

Britische Flugzeuge im Bombenkampf gegen Deutschland.

Und was zeigt das Bild? Amerikanische Flugzeuge über der Normandie.

Nach einem Bericht des „Tagesspiegel“ und mehrern sachdienlichen Hinweisen.

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Nichts Welt bewegendes passiert II

Vor kippenden Erdachsen, den Flegeljahren der Sonne und Killerkeimen aus dem Weltall müssen wir uns also, wie gesagt, trotz Riesenschlagzeilen in „Bild“ womöglich nicht akut fürchten. Aber diese Achs-Kippung klingt ja doch irgendwie beunruhigend. Von was für Zeiträumen reden wir da eigentlich, bis der „Äquator kocht“? Kann ich vorher noch die Wäsche reinholen?

„Bild“ beantwortet diese Frage erstaunlich widersprüchlich. Online heißt es: „in Millionen Jahren“. In „Bild“ Berlin-Brandenburg lautet die Angabe „in Million Jahren“, als hätte da jemand hastig noch etwas korrigiert. Und „Bild“ München warnt: „in den nächsten zehn Jahren“.

Huch!

Wie kommen die darauf? Durch die „Süddeutsche Zeitung“. Dort stand am Mittwoch ein Artikel im Ressort „Wissen“ mit der Überschrift „Die Erdachse kippt“. Im ersten Satz hieß es, das Klima werde sich in den „kommenden zehn Jahren“ ändern. Im weiteren Text stand zwar die korrekte Angabe: in den „kommenden zehn Millionen Jahren“, und am Donnerstag brachte die SZ auch eine Korrektur des Fehlers. Aber das bemerkte die „Bild“-Zeitung anscheinend erst, nachdem sie schon auf der ersten Seite reichlich Platz für das (scheinbar dringliche) Thema freigeräumt und die Münchner Ausgabe gedruckt hatte.

Nichts Neues im Dschungel

Seit dem Start der zweiten Staffel von „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ ist „Bild“-Reporterin Patricia Dreyer vor Ort in Australien und berichtet aus dem RTL-Camp. Gestern hatte sie vermutlich ziemlich viel Freizeit – trotz der großen „Schummelei“-Enthüllungsgeschichte, die heute im Blatt steht.

„Warum regnet’s nie?“, fragt Dreyer darin misstrauisch – und erklärt: „Weil der Regen gar nicht ins Camp gelangt! Eine Plane ist drübergespannt, damit trotz extremer Wetterbedingungen TV-Bilder geliefert werden können.“ Na gut, das ist kein Aufreger. Schon am 18. Januar 2004 während der ersten Dschungel-Staffel hatte „BamS“ berichtet: „Das ganze Areal ist gegen Regen geschützt. Techniker Keith, der im TV-Team arbeitete, zu BamS: ‚In die Baumwipfel wurde eine riesige Abdeckplane eingewoben.'“

„Warum hört man keine Tiergeräusche?“, rätselt die Dschungelreporterin weiter. Na, „weil’s keine gibt! Alle größeren wilden Tiere wurden vor Beginn der Dreharbeiten aus dem Wald entfernt, um die Promis nicht zu gefährden.“ Auch nicht gerade eine Neuigkeit. Vor 9 Monaten zitierte „BamS“ einen RTL-Mitarbeiter: „Das Camp ist vorher gesäubert worden. Jedes Tier, auf das die Kandidaten treffen, ist von RTL dort platziert worden.“

Und der angeblich verbotene Kontakt zur Außenwelt? Dreyer deckt auf: „Von wegen Einsamkeit! Die Promis können mit einem Psychologen telefonieren, in Notfällen einen Arzt verlangen, einmal am Tag wird auch das Plumpsklo geleert.“ Das mit dem Plumpsklo war bisher tatsächlich nicht bekannt. Der Rest schon. Wieder „BamS“ im Januar: „Sie sind ganz auf sich gestellt – hieß es vor dem Start der Show. In Wirklichkeit stand sogar ständig ein Psychologe zur Verfügung, der im eigens dafür aufgebauten Haus (darin ist auch die Erste-Hilfe-Station) fleißig kontaktet wurde.“

Ein paar Seiten vor Dreyers Bericht druckt „Bild“ übrigens diese originelle Eigenanzeige ab:

Sündenfall

Wer zeigt jeden Tag die guten und fröhlichen wie die dunklen und traurigen Seiten des Lebens? Das ganze Spektrum unserer Gesellschaft, lebensnah, anschaulich und fern aller Theorie?

Wissen Sie nicht? Na gut. Zwei Antwortmöglichkeiten:
Möglichkeit 1: „Bild“.
Möglichkeit 2: Die Bibel.

Die Lösung: Beides stimmt – jedenfalls nach Ansicht von „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann. Kein Wunder also, dass „Bild“ gemeinsam mit der Verlagsgruppe Weltbild eine hochwertig ausgestattete Volksbibel auf den Markt bringt. Ja, lesen Sie das ruhig noch mal, um es zu glauben:

„Europas größte Tageszeitung BILD und die Augsburger Verlagsgruppe Weltbild bringen gemeinsam eine hochwertig ausgestattete Volksbibel auf den Markt.“

Und das „Geleitwort“, also quasi ein Vorwort zur Heiligen Schrift, zum Alten und Neuen Testament, zur Bibel also, hat Diekmann auch gleich geschrieben, mit freundlicher Unterstützung des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Wolfgang Huber, und dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann.

Allein das schockt schon derart, dass man glatt vergessen könnte, zu erwähnen, wer heute „Gewinner des Tages“ ist.

Nichts Welt bewegendes passiert


Das klingt ja schrecklich! Und was wird dann aus uns Menschen?

Unser blauer Planet – rauben ihm jetzt Ur-Kräfte des Weltalls die Balance? Droht Chaos?
Alarmsignale:
Die Erdachse kippt. (…) Noch rechnen Forscher „nur“ mit einer Achs-Kippung von 0,4 Grad, in Millionen Jahren.

Und wenn’s doch schneller geht? Auf die Frage hat „Bild“ sich offenbar von dem Forscher Jacques Laskar erzählen lassen:

„Das Verhalten unseres Planeten ist chaotisch, nicht berechenbar“.

So was ähnliches steht auch im ersten Absatz der dem „Bild“-Artikel zu Grunde liegenden Untersuchung, allerdings in anderem Zusammenhang. Und eigentlich rechnen Forscher damit, dass diese 0,4 Grad bereits eine ungewöhnlich rasant ablaufende „Achs-Kippung“ darstellen.

Ja, aber:

Die Sonne steckt in den Flegeljahren. Seit Jahrtausenden war sie nicht so „nervös“ wie heute, schreiben renommierte Wissenschaftler in der Zeitschrift „Nature“.

Das stimmt. So ähnlich stehts jedenfalls in einer Veröffentlichung in „Nature“ vom 28. Oktober 2004. Dort prognostiziert ein internationales Forscherteam allerdings auch einen Rückgang der Sonnenaktivität in wenigen Jahrzehnten.

Und was ist hiermit?

Der Astrobiologe Prof. Chandra Wickramasinghe hat in 41 Kilometern Höhe Massen von bisher unbekannten Mikroorganismen entdeckt: „Das könnten Killerkeime sein!“

Die Theorie von Wickramasinghe, dass die Lungenkrankheit SARS aus dem Weltraum kam, hat „Bild“ zwar vergangenes Jahr schon einmal als Sensation präsentiert, unterstützt wird sie aber nur von wenigen Wissenschaftlern. Manche halten sie für einen „Scherz“ oder auch für ziemlich unwahrscheinlich.

Ansonsten wertet „Bild“ noch Erdbeben, Meteoritenschwärme, derzeit aktive Vulkane und theoretisch mögliche Vulkanausbrüche als Alarmsignale. Was dann auch schon für eine riesige „Bild“-Schlagzeile auf Seite eins und eine große Geschichte auf Seite 12 reicht.

Beruhigend, eigentlich.

ARD inkonsequent, „Bild“ nur ein bisschen

Bei der ARD spinnen sie alle. Erinnern Sie sich?

„Als ARD-Moderator wurde Max Schautzer (64) gefeuert – zu alt!„,

stand Ende August in „Bild am Sonntag“, nachdem die ARD Schautzers Langweiler-Show „Immer wieder Sonntags“ an den 26-jährigen Sebastian Deyle abgegeben und Schautzer ein Buch mit dem merkwürdigen Titel „Rock’n’Roll im Kopf, Walzer in den Beinen“ geschrieben hatte, siehe Google-Cache). Einen Tag später legte „Bild“ empört nach (siehe noch mal Google-Cache und Bildblog):

„Bei ARD und ZDF sitzen die Alten in der letzten Reihe.“

Zwei Monate später nun der nächste Rausschmiss bei der altenfeindlichen ARD: Der Sender wird bei der Show „Wenn das kein Grund zum Feiern ist“ künftig ohne Schlagersänger Patrick Lindner (44) feiern. Die Sensation: Lindner wird „ersetzt durch den 13 Jahre älteren Michael Schanze“. Übel, übel. Und was titelt „Bild“ dazu? Etwa:

„ARD feuert Patrick Lindner (44) – weil er zu jung ist„?

Nein, nein. Sondern:

„Flog Patrick Lindner bei der ARD, weil er schwul ist?

Muss ein ganz schöner Sauhaufen sein, diese ARD.
Glauben Sie nicht?

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