Unglaublich, aber nicht wahr

Nicht weniger als sieben „Bild“-Mitarbeiter haben einen Artikel über die drohende Pleite von Borussia Dortmund recherchiert geschrieben. Sie haben, so glauben behaupten sie jedenfalls, einen „Skandal“ aufgetan, der „nicht nur Fußball-Fans, sondern jeden Arbeitnehmer, der Sozialbeiträge zahlt“ betrifft:

Bei Insolvenz haben die Fußball-Millionäre erst mal Anspruch auf Gehalt aus der Arbeitslosenkasse. (…)

Sollte Dortmund insolvent gehen, müßten die Spieler ihr Geld drei Monate vom Arbeitsamt beziehen. Unglaublich: Bei rund 3 Mio im Monat an Spieler-Gehältern wären das 9 Mio für die Fußball-Millionäre…

Jaha, „unglaublich“ und auch nicht wahr. Denn es gibt eine Beitragsbemessungsgrenze. Sie liegt aktuell bei 5200 Euro im Monat, davon sind noch Steuern und Sozialversicherungsbeiträge abzuziehen. Grob gerechnet liegt „Bild“ mit seiner Angabe von neun Millionen Euro um mindestens 8,7 Millionen Euro daneben.

Auch die restliche Darstellung von „Bild“ ist falsch. Denn die Borussia-Spieler hätten keineswegs „bei Insolvenz“ „erst mal“ Anspruch auf drei Monate „Gehalt“. Dieses Insolvenzgeld wird für nicht gezahlte Gehälter vor der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gezahlt. Das bedeutet: Zahlt Borussia Dortmund noch die Februar-Gehälter und meldet dann Insolvenz an, fließt kein Cent Insolvenzgeld vom Arbeitsamt. Und überhaupt: Das Insolvenzgeld wird zwar von der Bundesagentur für Arbeit (das „Arbeitsamt“, von dem „Bild“ schreibt, gibt es längst nicht mehr) ausgezahlt, es wird aber von den Unfallversicherungsträgern und damit allein von den Arbeitgebern finanziert.

Danke an Sascha K. und Thomas D. für die sachdienlichen Hinweise!

Nachtrag, 21.02. Ja, Insolvenzrecht ist kompliziert, und wir müssen uns in einem Detail korrigieren: Mit der Stellung des Insolvenzantrages beginnt zunächst das Insolvenzeröffnungsverfahren, und dann erst das Insolvenzverfahren. Bis dahin würde den Spielern tatsächlich notfalls Insolvenzgeld gezahlt, höchstens drei Monate lang. Allerdings berechnet, wie gesagt, nicht auf der Grundlage der zigtausend Euro Gehalt eines Fußballprofis, sondern von höchstens 5200 Euro brutto im Monat.

Allgemein  

Wortmonster

„Wortmonster“. So nennt die „Bild“-Zeitung Wörter, die ihr in neuer Rechtschreibung nicht gefallen. „Brennnessel“ gehört dazu, vermutlich wegen der drei gleichen Konsonanten hintereinander. Warum „Sauerstoffflasche“, das sowohl nach alter wie nach neuer Rechtschreibung drei gleiche Konsonanten in der Mitte hat, kein „Wortmonster“ ist, bleibt das Geheimnis von „Bild“. Aber das ist noch die harmloseste Ungereimtheit im neuen, ungefähr 197. Kapitel des Kampfes von „Bild“ gegen die „Schlechtschreibreform“.

42 „Wortmonster“, die in den „Müll“ gehören, hat „Bild“ auf eine Tafel geschrieben. Links die alte, rechts die neue Rechtschreibung. Die gröbste Verfälschung dabei ist die, dass „Bild“ in vielen Fällen so tut, als sei die neue Schreibweise Pflicht, wo sie nur ein Vorschlag ist. Wem „Jogurt“ nicht gefällt, der darf auch nach neuer Rechtschreibung „Joghurt“ schreiben. Das gilt auch für „Delphin“/“Delfin“, „Thunfisch“/“Tunfisch“, „Mayonnaise“/“Majonäse“, „Portemonnaie“/“Portmonee“, „Chicorée“/“Schikoree“, „Ketchup“/“Ketschup“, „Panther“/“Panter“, „Waggon“/“Wagon“, „Exposé“/“Exposee“, „Facette“/“Fassette“, „Graphit“/“Grafit“. In 12 Fällen sind also die „klassischen“ Schreibweisen auch in neuer Rechtschreibung korrekt. Bleiben noch 30 „Wortmonster“.

Eines davon ist das „Blässhuhn“. Das durfte auch früher schon wahlweise „Bleßhuhn“ oder „Bläßhuhn“ geschrieben werden — hier hat sich nur das „ß“ in ein „ss“ verwandelt, das ist eigentlich der am wenigsten umstrittene Teil der Reform. Bleiben noch 29 „Wortmonster“.

Aus „hierzulande“ wird laut „Bild“ „hier zu Lande“, aber das ist ebenfalls eine Kann-Bestimmung. Ebenso verhält es sich mit „selbständig“, das auch weiterhin richtig ist, „selbstständig“ kommt nur als Möglichkeit hinzu. Bleiben noch 27 „Wortmonster“.

Aus „bittersüß“ soll laut „Bild“ „bitter-süß“ werden, aber das ist Humbug. Bleiben noch 26 „Wortmonster“.

Darunter sind die beiden merkwürdigen „Bewässrung“ und „Erdrosslung“. „Bild“ behauptet, das sei neu. Völliger Quatsch: „Bewässerung“ und „Erdrosselung“ sind wie eh und je richtig, und die Variante ohne „e“ steht als selten, aber auch richtig im „Duden“. Bleiben noch 24 „Wortmonster“.

Von denen sind 6 Beispiele dafür, dass kein Konsonant wegfällt, wenn drei gleiche aufeinander treffen. Das war auch bislang schon so, wenn ein weiterer Konsonant folgte („Sauerstoffflasche“, „Wetttrinken“ etc.), aber da hat es „Bild“ nie gestört. Lustig ist, dass Bild ausgerechnet das Beispiel „Bettuch“/“Betttuch“ auflistet, dabei ist hier die alte Rechtschreibung viel unklarer: Handelt es sich um ein Tuch fürs Bett oder um eines zum Beten? Zieht man auch diese Fälle ab, die man nicht mögen muss, die aber zweifellos eine Vereinfachung der Rechtschreibung darstellen, bleiben noch 18 „Wortmonster“.

Und davon sind noch 5 Fälle, in denen nach neuer Rechtschreibung drei gleiche Konsonanten deshalb aufeinander treffen, weil aus einem „ß“ ein „ss“ wird, darunter ein Wort wie „Gussstahl“, das ohnehin viel zu selten gebraucht wird.

Und der Rest? Über den darf man natürlich streiten. Aus „fritieren“ wird tatsächlich „frittieren“, und „fönen“ tut man sich inzwischen wirklich mit „h“. Schlimm.

Noch schlimmer ist höchstens, wenn eine Zeitung sich bei einem Thema, zu dem sie eine so ausgeprägte Meinung hat, so wenig auskennt. (Oder auskennen will.)

Von vorgestern

Zugegeben, der nun folgende Eintrag ist nicht so richtig aktuell, sondern bezieht sich, nun ja, auf die „Bild“ von vorgestern. Aber das macht nichts. Schließlich schreibt „Bild“ ja bekanntlich „was alle schreiben – bloß früher“. Und so stand da vorgestern eben auch diese Sache mit dem Ring der künftigen britischen Thronfolgergattin Camilla Parker Bowles. Genauer gesagt schrieb „Bild“:

„BILD enthüllt das Geheimnis des Ringes, der die Liebe besiegelt!“

Aha! Nur stand, was „Bild“ da am Montag „enthüllt“ haben will, bereits Tage vorher in englischen Zeitungen, wurde von der Nachrichtenagentur dpa bereits am vergangenen Samstagmorgen mit dem Hinweis auf „englische Zeitungen“ vermeldet und fand sich dementsprechend bereits hie und da (und dort oder hier oder auch hier) wieder. Im Unterschied zu „Bild“ fand sich allerdings auch überall ein Hinweis auf darauf, woher die Infos stammten, bevor „Bild“ sie vorgestern „enthüllt“ zu haben behauptete.

Ganz ähnlich verhält es sich mit Herbert Lee Stivers, dem mittlerweile 78-jährigen US-Soldaten, der Hermann Göring 1946 Zyankali ins Gefängnis geschmuggelt hatte. In „Bild“ hieß es dazu vorgestern:

„BILD fand Stivers (…) in Kalifornien, er erzählt exklusiv seine Geschichte.“

Und während man sich noch fragt, wie und wo die „Bild“-Rechercheure den Mann wohl aufgetrieben haben, was es sie wohl für Mühen und Überredungskünste gekostet hat, damit er seine Erinnerung „exklusiv“ ausplaudert, hat man auch schon die Antwort gefunden: Strivers Geschichte stand nämlich einfach schon am 7.2. (also nur eine Woche vorher) in der kalifonischen „Los Angeles Times“ und wurde beispielsweise am 8.2. hier und hier oder hier sowie hierzulande natürlich hier, hier, hier, hier oder hier mit Hinweis auf die „LA Times“ weiterverbreitet.

Ja, und dann ist da ja noch diese Meldung bei Bild.de, ebenfalls von vorgestern, in der es hieß:

Jetzt haben findige Wissenschaftler eine erstaunliche Wirkung von Viagra entdeckt“

Doch wenn die Wissenschaftler wirklich so „findig“ waren, wie von Bild.de vorgestern behauptet, waren sie mindestens so „findig“ wie Bild.de selbst. Denn offenbar wurde die „erstaunliche Wirkung von Viagra“ nicht nur von dem bei Bild.de herbeizitierten „Team amerikanischer und portugiesischer Forscher“ herausgefunden, sondern auch von Professor Yaacov Leshem, Pflanzenforscher an der Bar-Ilan-Universität in Ramat Gan in Israel und Professor Ron Wills von der Abteilung für Lebensmitteltechnologie an der Universität Newcastle in Australien. Letzeres jedenfalls geht z.B. aus einer Meldung der „Ärztezeitung“ hervor – erschienen im Sommer 1999.

Mit Dank an Michael B., Andreas S., Andreas G., Thiemo R., Tobias L. und Constantin für die sachdienlichen Hinweise.

Damit war nun wirklich nicht zu rechnen

Welche brandheiße News würden Sie hinter diesem Teaser erwarten:

Ausriss: Bild.de

Dass eine von „Bild“ als „Luder“ bezeichnete Teilnehmerin der RTL-2-Langweiler-Reality „Big Brother“, die übrigens mit bürgerlichem Namen Natalie heißt, dass also besagte Natalie vor laufenden Kameras heiratet? Nicht? Gut, das wäre nämlich falsch. Mit etwas Fantasie vielleicht, dass Natalie vor laufender Kamera (und damit quasi beinahe „live“) einen Heiratsantrag angenommen hat? Naja – fast.

Den Heiratsantrag gab es zwar – allerdings hat Natalie abgelehnt. Eine Hochzeit findet (vorerst) nicht statt. So bzw. so ähnlich steht’s übrigens auch in der Überschrift des Beitrags, auf den man gelangt, wenn man auf den oben abgebildeten Teaser klickt:

Ausriss: Bild.de

Und um pingelig zu sein: Statt „nein“ hat Natalie – zumindest laut Bigbrother.de – „Ich brauche noch ein bisschen Zeit“ gesagt, um „möglichst einfühlsam abzulehnen“.

We are the champions XXVII

Am Sonntag übertrug das ZDF die „Goldene Kamera“. Das ist ein Preis der Fernsehzeitschrift „Hörzu“. Die ist eine Schwester von „Bild“. Und deshalb hatte die Übertragung im ZDF — laut „Bild“ — eine „Rekord-Einschaltquote“.

Oder was könnte der Begriff „Rekord-Einschaltquote“ sonst bedeuten? Dass die Sendung die meistgesehene am Sonntag war? Nö, das war der „Tatort“. Die meistgesehene am Sonntag im ZDF? Nö, das war der „Ferienarzt auf Capri“. Die mit dem höchsten Marktanteil am Sonntag im ZDF? Nö, das war „Leute heute spezial“. Die meistgesehene „Goldene Kamera“ der letzten Jahre? Nö, die Quoten waren 2001 besser. Und 1999. Und 1998. Und 1997. Und 1996. Und 1995. Und 1994. Und 1993.

Nein, das mit der „Rekord-Einschaltquote“ hat „Bild“ einfach erfunden. Vermutlich als Vorwand, damit die „Goldene Kamera“ es endlich einmal in die „Bild“-Rubrik „Gewinner des Tages“ schafft. Das war sie ja in den vergangenen sechs Wochen erst ein-, zwei-, dreimal.

Einfach dumm gelaufen

Die heutige „Bild“-Überschrift „Ireen Sheer will Schmerzensgeld von Florian Silbereisen“ stimmt fast. Genauer müsste sie nur heißen: „Ireen Sheer will kein Schmerzensgeld von Florian Silbereisen“.

Bei der ARD-Sendung „Winterfest der Volksmusik“ waren am Samstag mehrere Interpreten mit Schlittschuhen auf einer Eisfläche aufgetreten. Ireen Sheer stürzte bei den Proben und brach sich den Arm.

„Bild“ berichtet heute: Sheer wolle Schadensersatz- und Schmerzensgeld-Ansprüche prüfen lassen, müsse Teile ihrer Radio-Tour zur neuen CD absagen und fühle sich von der ARD wegen der Pflicht zum Schlittschuhlaufen vorgeführt.

Gegenüber der Nachrichtenagentur dpa sagte Sheers Managerin Dagmar Ambach heute: Die Sängerin werde keine Ansprüche auf Schadensersatz und Schmerzensgeld geltend machen, müsse keine Auftritte absagen und habe schon oft auf dem Eis gestanden und deshalb kein Problem mit der Aktion gehabt. Ambach wörtlich: „Das ist einfach dumm gelaufen.“

Allerdings werde Sheer dem Sender vielleicht Mehrkosten durch Taxifahrten oder so in Rechnung stellen.

Matthäus 23, 2-3

Nur dass es da jetzt nicht zu blöden Missverständnissen kommt:

Die „geschmacklose Werbung“, die den „toten Modezar“ „gar keine Ruhe“ finden und seinen Anwalt angeblich an Schmerzensgeld denken lässt, das ist die im kleinen Foto rechts.

Das im kleinen Foto links ist der „Gummi-Mosi“, eine Karikatur von Moshammer als Puppe, die ihn zwar „wie eine Witzfigur“ aussehen lässt, aber dem „toten Mosi“ beim Schlager-Grand-Prix einen „letzten glamourösen Auftritt“ verschafft hätte, aus der jedoch, weil die ARD abgewunken hat, „die Luft raus“ ist, weshalb „Bild“ den „schrägen Gummi-Mosi“ nun in einer lustigen Aktion an den „besten Mosi-Doppelgänger“ verschenkt.

Todsünde II

Heute spielen wir wieder das beliebte Spiel: Erkennen Sie die bezahlte Werbung, die sich hier als redaktioneller Beitrag getarnt hat (auch bekannt als Döpfners Todsünden-Memory):

Richtig: Es ist der nette Kai Pflaume oben rechts, der passend zum Valentinstag freundlicherweise „die besten Love-Songs aller Zeiten“ empfiehlt. Klickt man darauf, findet man immer noch kein Wort wie „Anzeige“ oder „Werbung“, aber den Autorennamen Nicole Geiger, der fast das Gleiche bedeutet. Interessanterweise befinden wir uns nun im Ressort „Lotto & Gewinnen“, aber zu gewinnen gibt es hier nur etwas für den Werbepartner von Bild, der sich auch dann noch nicht zu erkennen gibt, wenn man den Fehler macht, auf den Link namens „Hier geht’s zu den Lieblings-Lovesongs von Kai Pflaume!“ zu klicken. „Werbung“? Kein Wort davon. Der Schwindel, daß Bild.de mit den Worten: „einfach downloaden“ eigentlich meinte: „einfach bezahlen und dann downloaden“, fliegt erst auf, wenn man auch dort auf den Link geklickt hat — und sich plötzlich im Downloadportal „Musicload“ von Bild.de-Partner T-Online befindet.

Und: Egal, wie oft Bild.de das noch macht — verboten bleibt es doch.

Schnief

„Bild“ schreibt:

„Bis zu 90.000 Tote?
Horror-Grippe in Deutschland –
auch den Kanzler hat es erwischt

(…) Bundeskanzler Gerhard Schröder (60) sagte gestern alle Termine ab – Grippe! Was rollt da auf Deutschland zu? Experten rechnen mit bis zu 90.000 Grippetoten.

Die Influenza-Welle breitet sich rasant von Süden und Westen aus. In Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Baden-Württemberg sind bereits Tausende infiziert! Vor allem Kinder sind betroffen!

Das Virus kommt aus Italien, hat dort schon 1,5 Millionen Menschen erwischt. Prominentes Opfer bei uns: Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD).“

Und mal abgesehen davon, dass der „Bild“-Bericht (bewusst oder fahrlässig) hypothetische Warnungen von Wissenschaftlern und aktuelle Meldungen über eine „moderate“ Grippewelle vermischt, verschweigt „Bild“ ihren rund 12 Millionen Lesern zudem (bewusst oder fahrlässig), was beispielsweise die Nachrichtenagentur AP bereits gestern nachmittag unter der Überschrift „Schwere Erkältung – Aber nicht die gefährliche Influenza“ vermeldete: „Eine Erkältung, die häufig mit der Grippe (Influenza) verwechselt wird, hat sich auch Bundeskanzler Gerhard Schröder eingefangen.“ Entsprechend zitierte die Agentur auch den Regierungssprecher Bela Anda („Er hat eine fiebrige Erkältung, auch als Grippe bekannt.“), um anschließend noch einmal ausdrücklich zusammenzufassen:

„Nach Angaben aus der Regierung handelt es sich um einen grippalen Infekt und nicht um die wesentlich gefährlichere Influenza.“

„Bild“ und die „Kunstfigur“

Am vergangenen Samstag schrieb „Bild“ mal wieder über die Sängerin Michelle. Michelles neue Platte ist seit gestern im Handel, vor ein paar Jahren war sie mal ein paar Jahre lang mit dem Sänger Matthias Reim zusammen, und man könnte meinen, die 32-Jährige hätte der „Bild“ (oder in „Bild“) (oder bei „Kerner“) schon so ziemlich alles erzählt, was es so zu erzählen gibt: Abtreibung, Schulden, Brust-OP, „Koma-Kollaps“, Psychiatrie, Selbstmordversuch, Hundediplom… Die Überschrift vom vergangenen Samstag indes lautete:

„Michelle: Für Sex mit Matthias Reim musste ich mich schminken“

Im Text stand dann als O-Ton von Michelle über sich und Reim:

„Wir trafen uns jede Nacht im Bett. Erst später begriff ich, daß er nicht mich, sondern die Kunstfigur Michelle liebte. Warum sonst hatte er vor dem Sex immer darauf gedrungen, ich solle mich schminken mit knallroten Lippen und ein verführerisches Kleid anziehen?“

Gute Frage. Statt einer Antwort steht bei Bild.de nun aber eine Gegendarstellung von Matthias Reim, die sich auf den „Sex“-Text bezieht und mit den Worten endet:

„Hierzu stelle ich fest: Diese Behauptungen entbehren jeglicher Grundlage.

Und man kann an dieser Stelle getrost hinzufügen, was gelegentlich auch andernorts (als „Anm. d. Red.“) unter einer Gegendarstellung zu lesen ist – nämlich, dass die Redaktion verpflichtet ist, eine Gegendarstellung „wie vorgelegt und unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt abzudrucken“. (Siehe beispielsweise auch: HbgPrG, §11) Denn unter Reims Gegendarstellung steht der Zusatz nicht. Stattdessen heißt es:

Matthias Reim hat Recht.
Die Redaktion“

Eine Frage hätten wir aber trotzdem noch: Wenn Reim also Recht hat und die Behauptungen „jeglicher Grundlage“ entbehren — wer hat sie sich dann ausgedacht: Michelle oder die Erschaffer der Kunstfigur Michelle?

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