Der Buttermilchverlierer

Eigentlich ein Jammer, dass die „Bild“-Zeitung es damals, Ende August, schlicht versäumt hatte, Dieter Bohlen zum „Verlierer“ des Tages zu machen. Dabei war ihm doch vom Müller-Milch-Konzern der eigentlich erst zum Jahresende auslaufende Werbevertrag mit sofortiger Wirkung gekündigt worden, nachdem sich Bohlen in aller Öffentlichkeit abfällig über Buttermilchtrinker geäußert hatte. O-Ton Bohlen damals:

„Buttermilch wird von 50-jährigen alternativen Bio-Latschenträgerinnen gekauft. Dass die nicht unbedingt Produkte kaufen, auf denen meine Rübe prangt, ist doch klar.“

Nun ja. Bei Müller Milch jedenfalls hieß es in einer Pressemitteilung vom 27.08.04 anlässlich der zitierten „unwahren und diffamierenden Äußerungen“: „Eine derartige Äußerung ist schlicht nicht hinnehmbar, erst recht nicht von einem vertraglich mit uns verbundenen Werbepartner. Unsere Kunden sind unser höchstes Gut, wir lassen nicht zu, dass diese von wem auch immer beleidigt werden. (…) Neben der abfälligen Art und Weise sind Herrn Bohlens Äußerungen auch schlicht und ergreifend falsch.“ (Und mal abgesehen davon, dass solche Vorwürfe kritischen „Bild“-Lesern irgendwie bekannt vorkommen können:) Wenn das tags drauf nicht Bohlen zum Verlierer machte, wen dann?

Andererseits war nie wirklich zu rechnen gewesen mit einem „Verlierer“-Bohlen. Sei es, weil er seine „unwahren und diffamierenden Äußerungen“ ausgerechnet in der Sonntagsausgabe der „Bild“-Zeitung („BamS“) geäußert hatte, oder weil (nicht erst, seit Bohlens Autobiografie von der Ehefrau des „Bild“-Chefs und „BamS“-Herausgebers aufgeschrieben worden war) die Springer-Blätter „Bild“ und „BamS“ womöglich „die natürlichen Partner von Dieter Bohlen“ sind.

Egal. Denn jetzt hat es Bohlen mit seiner Buttermilchgeschichte doch noch in die „Verlierer“-Rubrik von „Bild“ geschafft. Ja, nachdem bekannt wurde, dass Bohlen vor dem Augsburger Landgericht gegen den Müllerschen Rauswurf klagt, geht die „Verlierer“-Ehre heute an… Müller-Milch-Chef Theo Müller!

Was für blöde Zahlen!

In einem „großen Branchen-Report“ schreibt „Bild“ am Dienstag auf, „wie 2005 wird“, also wo im kommenden Jahr Stellen gestrichen werden und wo mit Neueinstellungen zu rechnen ist. Warum auch nicht? Weil aber „Bild vor zwei Monaten schon einmal eine solche Branchenprognose gedruckt hatte, vergleichen wir doch mal ein paar:

Chemie
— In der Chemie-Branche bleibt die Joblage 2005 laut „Bild“ „stabil“: „Der Branchenverband VCI erwartet mehr Aufträge, vor allem aus dem Inland.“
— In der Prognose vom Oktober hieß es noch: „Laut Verband VCI bauen Firmen, u. a. wegen des Ölpreises, bis zu 20.000 Jobs ab.“

Hotel- und Gaststättengewerbe
— Die Zahl der Jobs „bleibt stabil“, schreibt „Bild“ jetzt, „weil immer mehr Deutsche Urlaub im eigenen Land machen“.
Vor zwei Monaten waren allerdings noch “ rund 5000 neue Stellen im Hotelgewerbe“ realistisch, „weil mehr Auslandstouristen kommen“.

Maschinenbau
— In der heutigen „Bild“ steht, dass im neuen Jahr 5000 Stellen geschaffen werden sollen.
Zuletzt war in „Bild“ nach 4000 Entlassungen „bis Jahresende [2004]“ von einer „stabilen Jobsituation wegen Auftragbooms“ die Rede.

Bau
— „Bild“ befürchtet einen „Absturz auf Raten“: „minus 20.000 Jobs“.
Vor zwei Monaten rechnete sie noch mit „minus 60.000 Jobs“.

Öffentlicher Dienst
— Bei „4,7 Mio. Beschäftigten“ sollen „10.000 weitere Stellen“ wegfallen, „weil Bund, Länder und Gemeinden sparen müssen“, so „Bild“.
Der Oktober-Prognose zufolge galten bei „4,2 Mio. Beschäftigten“ noch „30 .000 Arbeitsplätze“ als bedroht.

Und mal abgesehen davon, dass sich im Vergleich der beiden „Bild“-Prognosen offenbar die Zahl der Beschäftigten im Öffentlichen Dienst seit Oktober ohnehin um 500.000 verändert hat (siehe oben), ist das vielleicht auch alles nicht so wichtig. In zwei Monaten ist ja sowieso wieder alles ganz anders.

Voll vergeigt

Vielleicht erkennt man eine Qualitätszeitung auch daran, dass sie irgendwelche Dinge, die irgendjemand irgendwo behauptet, nicht einfach ungeprüft abschreibt und dann noch zu großen Schlagzeilen aufbläht.

Der „Tagesspiegel“ veröffentlichte am Dienstag ein Interview mit ARD-Programmdirektor Günter Struve, das wie folgt endet:

Die ARD sendet am alles entscheidenden 31. Dezember den unschlagbaren „Silvesterstadl“ mit Karl Moik. (…) Im ZDF: „Die große André-Rieu-Silvestergala“. Eine Kampfprogrammierung?

Struve: Aber natürlich. Der Rieu ist jetzt völlig neu draufgesetzt worden, weil das ZDF gesehen hat, dass es mit fiktionalen Programmen nicht hat landen können.

bild.de macht daraus:

Neuer Zoff zwischen ARD und ZDF
TV-Krieg um Silvester!
(…)

Ist das denn die Möglichkeit? Der TV-Krieg eskaliert.

Schon wieder streiten sich ARD und ZDF ums Programm. Nach Gottschalk gegen Schmidt, Kerner gegen Christiansen – jetzt das nächste Kapitel. Das ZDF sendet am Silvester-Abend Walzerkönig André Rieu gegen Mr. Musikantenstadl Karl Moik im Ersten.

Es hätte keiner großen Recherche bedurft, um herauszufinden, dass „Die große André-Rieu-Silvester-Gala“ keineswegs erst seit kurzem im ZDF-Programm eingeplant ist, sondern schon in allen Programmzeitschriften steht, die Wochen vor dem Sendetermin Redaktionsschluss haben.

Und hatte es nicht vorher schon erste, klitzekleine Anzeichen dafür gegeben, dass das ZDF womöglich im Jahr 2004 mit André Rieu als „Kampfprogrammierung“ gegen den „Silvesterstadl“ in der ARD vorgehen könnte? Was lief im vergangenen Jahr an Silvester im ZDF? „Die große André-Rieu-Silvester-Gala“.

Und was setzte das ZDF im Jahr 2002 gegen den „Silvesterstadl“ der ARD? „Die Große André-Rieu-Silvester-Gala“.

Und an Silvester 2001? „André Rieu in Wien“.

An Silvester 2000? „André Rieu in der Royal Albert Hall“.

Kampfprogrammierungen soweit das Auge reicht. Und „Bild“ geht einem Blödsinn redenden ARD-Programmdirektor voll auf den Leim.

Unbezahlbare Berichterstattung

Artikel zu produzieren, die kommerzielle und journalistische Interessen vermischen, inaktuell sind oder fehlerhaft, das gehört bei „Bild“ zum täglichen Alltag. Manchmal aber packt auch die „Bild“-Redakteure der Ehrgeiz. Dann strengen sie sich richtig doll an und produzieren ein Stück, das alles gleichzeitig enthält. Ein inaktuelles, fehlerhaftes Stück Schleichwerbung quasi.

Und das in einem Artikel, das weniger als 50 Wörter lang ist. Es geht um den heutigen „Gewinner des Tages“:

Er macht das Fernsehen in Deutschland wieder spannend: Manuel Cubero (41), Vizepräsident Digital TV bei Kabel Deutschland, bringt 30 neue Sender auf unsere Bildschirme! Für nur 9 Euro/Monat können Kabelnutzer die neuesten Hollywood- und Disney-Streifen sehen. Dazu Doku-Filme, „Playboy-TV“ und „BibelTV“.

BILD meint: Besser als ständige Wiederholungen!

Erstens. Sinn des Textes ist es offensichtlich, freundlich darauf hinzuweisen, dass ein kommerzielles Unternehmen ein bestimmtes Produkt zum Kauf anbietet. Solche Texte nennt man gemeinhin nicht „Artikel“, sondern „Anzeigen“ und nicht „Journalismus“, sondern „Werbung“. Zeitungen haben nach dem Pressekodex dafür Rechnung zu tragen, dass man das eine vom anderen unterscheiden kann. Das gilt auch für „Bild“.

Zweitens. Das Angebot „Kabel Digital HOME“, das in „Bild“ beschrieben wird, ist kein neues Angebot, sondern besteht seit fast einem Vierteljahr. Am 27.09.2004 hatte Kabel Deutschland seine Einführung bekannt gegeben. Mitte November bereits hatte (wie berichtet) bild.de in einer Anzeige in einem Artikel darüber berichtet dafür geworben.

Drittens. Kabel Deutschland bringt keineswegs „30 neue Sender“ auf unsere Bildschirme. Bei den Sendern handelt es sich zum Teil um längst bestehende Programme wie 13th Street, Sci Fi, Planet und Bibel-TV. Kabel Deutschland selbst wirbt aus guten Grund nicht mit 30 „neuen“, sondern „zusätzlichen“ Kanälen.

Viertens. Im 9-Euro-Paket von Kabel Deutschland laufen keineswegs die „neuesten Hollywood- und Disney-Streifen“. Als seine Weihnachtshighlights bezeichnet Kabel Deutschland selbst die Filme Jurassic Park I bis III (1998 bis 2001) und „Der letzte Kaiser“ (1987).

Fünftens. „Bild“ schreibt, das Programm sei „besser als ständige Wiederholungen“. Tatsächlich besteht es im Wesentlichen aus ständigen Wiederholungen. Der Kanal „Kinowelt TV“ z.B. zeigt „legendäre Hollywoodstreifen“, „Klassiker“ und „Spielfilmhighlights aus einer der größten Filmbibliotheken Deutschlands“. „BBC Prime“ wiederholt beliebte BBC-Programme. Der Sci-Fi-Kanal wiederholt im Dezember 6 „Star Trek“-Filme. Kein Kanal im Paket zeigt auch nur annähernd so wenige Wiederholungen wie ARD, ZDF, RTL, Sat.1 und Pro Sieben.

Fazit: Da muss aber richtig was schief gelaufen sein bei „Bild“. Denn es wäre ja undenkbar, dass man sich als Unternehmen die anlasslose Erklärung zum „Gewinner des Tages“ in „Bild“ einfach erkaufen kann. Und dass man die Fehler quasi gleich mitkauft, durch die das Angebot in einem noch besseren Licht als in der eigenen Werbung dasteht. Und dass man sich sogar den Zeitpunkt der Erwähnung noch aussuchen kann: aus journalistischer Sicht verspätet, aber gerade noch rechtzeitig zum Weihnachtsfest.

Ein sensationeller Erfolg

Euphorisch kündigt bild.de heute den Start der neuen Fernsehserie „Nip/Tuck“ an, die tatsächlich nicht nur von Zeitungen gelobt wird, deren Verlag (wie bei „Bild“) an dem ausstrahlenden Sender ProSieben beteiligt ist und deren Verlag (wie bei „Bild“) eine andere Zeitschrift herausgibt, in der eine der Hauptdarstellerin aktuell halbnackt zu sehen ist.

Andere Zeitungen schaffen es allerdings regelmäßig, trotz dieser fehlenden Nähe zum Gegenstand der Berichterstattung Sätze aufzuschreiben, die auch stimmen. Im Gegensatz zu bild.de, wo über die Vorgängerserie „Sex and the City“ steht:

Mehr als 4 Mio. Zuschauer schalteten jede Woche ein, wenn Carrie & Co auf Sendung gingen. Ein sensationeller Erfolg.

Richtig ist, dass es von den 94 Folgen (und vielen, vielen Wiederholungen) exakt zwei auf mehr als 4 Millionen Zuschauer brachten.

Wie „Bild“ zitiert

Welche Wertungen fallen der „Bild“-Zeitung zu dem Tanzstück „Hannelore Kohl“ von Johann Kresnik ein, das am Freitag in Bonn Premiere hatte?

Geschmacklos
Sumpf der Gefühle
Halbwahrheiten
skandalöse Lügen
das intellektuelle Niveau von Nacktfilmchen
eklig
Theater als Toilette für Gefühle

Schlimm also. Ganz, ganz schlimm. Und andere scheinen das genauso zu sehen. „Bild“ zitiert die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“:

„Kresnik ist ein Choreograph, der unterstellt statt untersucht, der Konflikte behauptet statt austrägt. Für die inneren Nöte der Hannelore Kohl interessiert er sich nicht: So bleibt die Figur ein willfähriges Demonstrationsmittel seiner Besserwisserei.“

Keine Frage, dem FAS-Kritiker hat es auch nicht gefallen. Aber der Kernsatz seines Artikels ist dieser:

Der einzige Skandal dieser Aufführung ist ihre Harmlosigkeit.

Den zitiert „Bild“ nicht.

Bericht aus „Bild“

Auf Seite 148 erscheint in der morgigen Ausgabe des Magazins „Focus“ ein Interview. Darin steht offenbar, dass die ZDF-Show von Johannes B. Kerner demnächst u.U. zur selben Sendezeit ausgestrahlt werden könnte wie die ARD-Show von Sabine Christiansen. Zumindest hat der „Focus“ das so bereits am Samstagmorgen in einer entsprechenden Vorabmeldung formuliert.

Und nachdem die Nachrichtenagenturen die Vorabmeldung aufgegriffen und weiterverbreitet haben, steht sie heute auch in der „BamS“. Als Titelgeschichte. Und mir der riesigen Schlagzeile: „TV-KRIEG!“ Doch während andere Zeitungen und Nachrichtenseiten die Kerner/Christansen-Meldung bloß rüberkopiert und veröffentlich haben, hat man sich in der „BamS“ die Mühe gemacht, sie mit einem Gottschalk-O-Ton aus der „Bild“ vom vergangenen Donnerstag, einem kleinen Johannes B. Kerner-Interview und einem richtig exklusiven O-Ton von ARD-Programmdirektor Günter Struve anzureichern (siehe auch Bild.de).

Immerhin zwei Absätze aber (von „Das ZDF droht…“ bis „… zu plazieren“) sind auch in der „BamS“ quasi identisch mit dem ursprünglichen Agentur-Wortlaut. Warum auch nicht? Warum allerdings ausgerechnet in diesen Abschnitt fälschlicherweise vom „Bericht aus Bonn“ die Rede ist (den doch bekanntermaßen bereits am 16.04.1999 der „Bericht aus Berlin“ abgelöst hat), wird – anders als eine sinnlose Frage an Johannes B. Kerner („Werden Sie wie Christiansen auch einen Hundesalon aufmachen?“) – wohl auf immer unbeantwortet bleiben.

Mit Dank an wirres.net für den Hinweis.

„Jetzt“ geht’s los

Bei der Größe dieses Teasers und dem Wörtchen „jetzt“ könnte man eigentlich ein bisschen Aktualität erwarten. Aber nicht bei bild.de. Dass ProSiebenSat.1 die Rechte an der Serie „Desperate Housewives“ gekauft hat, sagte der Chef der Senderfamilie der US-Zeitschrift „Variety“ in einem Interview, das vor über einem halben Jahr erschien: am 31.05.2004. Der deutsche Branchendienst „Kress“ berichtete darüber am 07.06.2004. Das Wort „jetzt“ ist insofern ein leeres Versprechen, als noch kein Sendetermin feststeht. Und für das einzig möglicherweise Neue an der Geschichte, dass die Serie nämlich angeblich bei Pro Sieben laufen wird und nicht bei Sat.1, gibt es in dem bild.de-Artikel weder eine Quelle noch eine ausdrückliche Bestätigung.

Nachrichtenvergrößerung

Bei Bild.de (der „multimedialen Erweiterung von BILD“) hat man anscheinend in der TV-Beilage des Berliner Stadtmagazins „tip“ geblättert und dort, in einem Porträt der Schauspielerin Nadeshda Brennicke, folgende Text-Passage entdeckt:

„Wo waren wir? Schönheitsoperationen? ‚Darüber rede ich ganz offen, damit habe ich kein Problem.‘ Sie [Nadeshda Brennicke] lacht auf. ‚Als ich mir drei Jahre nach der Geburt meines Sohnes den Busen habe operieren lassen und dann aus der Narkose aufwachte, sah ich als erstes im Fernsehen Bilder vom gesunkenen Atom-U-Boot Kursk … und da habe ich so geheult. Da stirbt die ganze Mannschaft, und ich lieg hier und hab mir neue Titten machen lassen!‘ Sie lacht laut auf.“

Und was macht Bild.de daraus? Na, dies:
Nadeshda Brennicke - Erster TV-Star bereut Busen-OP

Das ist, so formuliert, natürlich Unsinn. Noch sinnentstellender ist allerdings das Brennicke-Foto (siehe Ausriss), mit dem Bild.de die als „Top-Thema“ angekündigte, mickrige Meldung illustriert. Das nämlich stammt ausgerechnet aus einer Folge der TV-Serie „Polizeiruf 110“ vom Mai 2002 namens „Silikon Walli“, die (mit Brennicke in der Titelrolle) im Rotlicht- und Brust-OP-Milieu spielte. In einen Brennicke-Porträt des Mediendienstes Teleschau (siehe z.B. hier) hieß es damals dazu:

„Drei Stunden brauchte ein Special-Effect-Maskenbildner Drehtag für Drehtag, um aus der zierlichen und privat meist ungeschminkten Kindfrau eine mehr als vollbusige Silikon-Blondine mit scheinbar ebenso unnatürlich aufgeblasenen, roten Lippen zu formen. ‚Es war schon sehr eigenartig, mit so viel Oberweite herumzulaufen‘, erinnert sich die Schauspielerin.“

Und gegenüber dem „Kölner Express“ (Überschrift: „Wie kommt Schauspielerin Nadeshda Brennicke plötzlich zu dieser Oberweite?“) betonte „Polizeiruf“-Autor Wolfgang Limmer sogar, dass die Darstellerin der Walli-Rolle nicht wegen ihrer Busengröße gecastet worden sei. Im Gegenteil:

„Das war eine Meisterleistung der Maske. Ihr wurde eine Masse auf den Körper gepappt, die bei Körperwärme klebt. Die Übergänge von Haut und Klebemasse wurden weggeschminkt.“

Noch Fragen? Ach ja, dass Nadeshda Brennicke – Jahre vor der „Walli“-Rolle – ihre Brüste („auf das Kleinste, das es gibt“) vergrößern ließ, las sich übrigens schon in dem Teleschau-Porträt ähnlich reuelos wie jetzt im „tip“:

„Nach der Geburt ihres Sohnes war ihr Busen auf ein Minimum geschrumpft, und danach habe sie sich überhaupt nicht mehr als Frau gefühlt. ‚Ich finde eine Schönheitsoperation absolut legitim, wenn man dazu steht. Das Wichtigste ist doch immer die Ehrlichkeit.‚“

Mit Dank an Jörg F. für den entscheidenden Hinweis.

Nachtrag, 19.24 Uhr:
Gut möglich auch, dass die Leute von Bild.de nicht einmal im „tip“-TV-Magazin geblättert, sondern den Unsinn bloß ungeprüft bei der Konkurrenz abgeschrieben haben…

Nachtrag, 19.12.04:
Na, sowas! Schon wieder hat Bild.de aus der ursprünglichen Überschrift („Erster Fernsehstar bereut Busen-OP“) nachträglich eine ein wenig weniger sinnentstellende („Fernsehstar heulte nach Busen-OP“) gemacht. Warum nicht gleich so? Oder wie wär’s mit „Schauspielerin erinnert sich an Tränen nach Busen-OP vor einigen Jahren“? (Ist dann zwar keine nennenswerte Schlagzeile mehr, dafür aber sachgemäß.)

Entdeckt! Springers geheime Boulevard-Zeitung

Heute auf der „Bild“-Titelseite:
Ausriss aus der BILD-Titelschlagzeile vom 17.12.04: Entdeckt! Hitlers geheime Steuerakte
Und wir ahnen es schon: Wenn „Bild“ so Wörter wie entdeckt oder geheim (und Hitler natürlich) auf ihre Titelseite schreibt, dürfte die Angelegenheit, um die es sich dabei handelt, der Öffentlichkeit schon länger bekannt sein. Und so ist es auch im Fall von „Hitlers geheimer Steuer-Akte“.

Denn entdeckt wurde Hitlers Steuerakte Anfang der 50er Jahre vom Amerikanischen Besatzungsoffizier Oron James Hale, der seine Aufzeichnungen dazu anschließend im „American Historical Review 60, 1952–1954“ veröffentlichte und die Akte 1952 dem bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Hans Ehard überreichte. Nach dessen Tod im Jahr 1980 wurde die Akte in Ehards Nachlass im Bayerischen Hauptstaatsarchiv wiederentdeckt. Ach ja, im Februar 2004 dann schrieb die Historikerin Anna Maria Sigmund im Geschichtsmagazin „PM History“ über die wiedergefundene Akte, und im Juli 2004 erschien ihr „PM“-Text in der österreichischen Zeitung „Die Presse“. Und in der Nacht zum gestrigen Donnerstag veröffentlichte die Nachrichtenagentur dpa diese Meldung, wonach sich ein 71-jährige ehemaliger Notar aus Immenstadt im Allgäu namens Klaus-Dieter Dubon die Steuerakte nochmals vorgenommen und all das herausgefunden hatte, was ohnehin längst bekannt war, woraufhin „Bild“ aus der dpa-Meldung eben jene Hitler-Titelstory machte, Hitler mit Hitler-Gruß abbildet und das Cover von Hitlers „Mein Kampf“ und noch ein Hitler-Foto usw. usf.

Mit Dank an Claus F. und Kauli für die Hinweise.

Blättern:  1 ... 825 826 827 ... 861