„Bild“ weiß es (nicht)

Manchmal ist „Bild“ wirklich prima informiert. Gestern zum Beispiel, als das Blatt (unter der Überschrift „Helmut Kohl: Sein neues Glück“) weltexklusiv enthüllte, der „Einheitskanzler“ habe „eine neue Lebenspartnerin“. Aber ja: „Engste Freunde und langjährige Weggefährten (…) hatte Helmut Kohl schon seit einiger Zeit eingeweiht“, hieß es da, aufgeschrieben von einem engsten Freund langjährigen Weggefährten, genauer gesagt von Kai Diekmann, dem derzeitigen Chefredakteur der „Bild“-Zeitung. Kohl war Diekmanns Trauzeuge, Diekmann Kohls Biograph, und darüber, wer wohl der „gute Freund von Helmut Kohl“ ist, den Kohl-Freund Diekmann in seiner Verlautbarung Enthüllung zu Wort kommen ließ, kann man jetzt wild spekulieren

…was übrigens ein gutes Stichwort ist – so als Überleitung.

Schließlich spekulierte am Samstag auch „Bild“. Oder auch nicht. Denn (unter der Überschrift „Kardinal Lehmann jetzt nach Rom?“) hieß es:

„Nach BILD-Informationen will der neue Papst Benedikt XVI. den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann (68), in die Kurie nach Rom berufen. (…) Der Mainzer Bischof Lehmann will bis Montag entscheiden, ob er dem Ruf nach Rom folgt.“

Der Mainzer Bischof Lehmann sagte dazu dem WDR:

„Das gehört zu den vielen Enten und Spekulationen dieser Tage, die nicht aufhören. Ich weiß von nichts, ich lese das nur in der Zeitung.“

Und dem Radio Vatikan (siehe z.B. FAZ.net) sagte Lehmann:

„Ich weiß gar nicht, woher die Leute sich das aus den Fingern saugen. Denn ich weiß überhaupt nichts davon. Das ist alles erstunken und erlogen, sagt man in Deutschland.“

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Eindeutig je nachdem

Kai Diekmann, Chefredakteur der „Bild“-Zeitung, hat der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ ein merkwürdiges Interview über die Entwicklung der „Bild“-Zeitung zur papsttreuesten Zeitung der Welt gegeben. Darin heißt es unter anderem:

Die „Süddeutsche“ nannte „Bild“ am Freitag einen „Osservatore Tedesco“. Fühlen Sie sich wohl oder unwohl mit dieser Beschreibung?

Das ist ein Kompliment: Der „Osservatore Romano“, die Zeitung des Vatikans, hat in seiner Heimat eine Reichweite von einhundert Prozent. So weit sind wir leider noch nicht.

Die „Bild“-Zeitung hat sich in den vergangenen Monaten als besonders papsttreue Zeitung positioniert. Warum?

Weil ehrwürdige Institutionen sich unterstützen müssen.

Im ersten Quartal 2005, das schon von vielen Berichten über Johannes Paul II. geprägt war, ist die Auflage der „Bild“-Zeitung weiter gefallen. Läßt sich mit dem Papst und Themen der katholischen Kirche womöglich gar keine Auflage machen? Würden Sie das in Kauf nehmen als Preis dafür, eine im Sinne der katholischen Kirche und ihrer Werte bessere Zeitung zu machen?

Ich kann Ihre Frage nur mit einem eindeutigen „je nachdem“ beantworten.

„Billiger Nationalismus“

Aus einen Spiegel-Online-Interview mit dem Historiker Hans-Ulrich Wehler:

Wehler: Ich hielt schon die Triumph-Zeile der „Bild“-Zeitung „Wir sind Papst“ für billigen Nationalismus. Ich will es den deutschen Katholiken nicht absprechen, dass sie sich darüber freuen und ein bisschen stolz sind, aber Ratzinger ist aus allen möglichen Gründen gewählt worden, aber nicht wegen der Tatsache, dass er Deutscher ist. Die englische Reaktion der „yellow press“ ist Ausdruck der Kontinuität dessen, was man im Jargon „German bashing“ nennt, der Antipathie gegen die Deutschen, die vor allem in den Unter- und Mittelschichten herrscht und die von diesen Zeitungen bedient wird.

SPIEGEL ONLINE: Und die heutige Reaktion der „Bild“-Zeitung?

Wehler: Sie bedient einen deutschen Gegen-Nationalismus. Es ist nicht der richtige Zeitpunkt und nicht der richtige Ort, um nach der Diskussion über Vertreibungen und über Luftangriffe auf deutsche Städte, nun darüber zu diskutieren, welche Rolle die HJ für Millionen von Deutschen gespielt hat. Das muss man in einem ganz anderen, abwägenden Ton tun. Hängt man das Ganze auf an der punktuellen Vergangenheit des neuen Papstes, dann kann das nur in die Irre führen.
(Verlinkung von uns.)

„Bild“ übersieht KZ

Wenn das Fernduell zwischen den britischen Tageszeitungen und der „Bild“-Zeitung über den „deutschen Papst“ weiter so eskaliert, müssen wir damit rechnen, dass nächste Woche eine englische Zeitung behaupten wird, dass Kardinal Ratzinger Hitler war, und „Bild“ antworten wird, dass es Hitler nie gegeben hat.

Alles begann am Mittwoch. Während die „Bild“-Zeitung groß berichtete, dass Ratzingers Eltern Maria und Joseph „waren“ (nicht hießen), fanden die britischen Zeitungen die Jugend Ratzingers im Dritten Reich ungleich spannender. „Bild“ antwortete mit einer verwirrenden doppelten Verteidigungsstrategie. Einerseits sei es eine ungeheure Beleidigung, zu schreiben, dass Ratzinger in der Hitler-Jugend gewesen sei. Andererseits sei es überhaupt nicht ehrenrührig, in der Hitler-Jugend gewesen zu sein.

Heute nun ruft „Bild“ den britischen Zeitungen zu:

Shut endlich up!

Die „Papst-Hetze“ der Engländer werde „immer geschmackloser“. „Allen voran“ hetze die „sonst so seriöse Tageszeitung ‘The Independent'“. Als Beleg dient „Bild“ dieser gestern erschienene Artikel. Der Reporter berichtet darin aus Traunstein über die Massaker, die dort im Dritten Reich verübt wurden, und kritisiert, dass der Papst darauf in seiner Auto-Biographie nicht eingehe.

„Bild“ zitiert aus dem „Independent“: „In seiner Biographie erwähnt er [Ratzinger] Todesmarsch und Massaker nicht. Dabei dürfte es gerade in dieser Gegend schwierig gewesen sein, vom KZ in der Nähe Traunsteins nichts mitzubekommen.“

„Bild“ kommentiert:

In der Nähe Traunsteins gab es gar kein KZ, Ratzinger (damals 18) war desertiert, zu der Zeit untergetaucht.

Das ist falsch. In der Nähe Traunsteins gab es eine Außenstelle des KZ Dachau, und zwar in Trostberg, rund 20 Kilometer von Traunstein entfernt.

Oder wie der „Independent“ schreibt:

Trostberg was among several Dachau sub-camps set up towards the end of the war to evade Allied bombing.

An den Anfang ihres Artikels stellt die „Bild“-Zeitung ein Zitat aus dem „Independent“, wohl, weil sie es für besonders bemerkenswert hält. Es lautet:

„In der Heimatstadt des Papstes wurden Nazi-Greuel gegen Juden verübt.“

Wenn „Bild“ schon mit der Formulierung dieser Tatsache ein Problem hat, dann hat „Bild“ wirklich ein Problem.

Nicht „Bilds“ Tag

Schon möglich, dass der 1. Oktober 2004 nicht Peter Neururers Tag war, und vermutlich ging es vielen Fans des VfL Bochum, dessen Trainer Neururer ist, ähnlich. Schließlich war der VfL am Abend zuvor gegen Lüttich aus dem UEFA-Cup ausgeschieden. Aber das spielte eigentlich gar keine Rolle – wenn „Bild“ nicht gestern folgendes geschrieben hätte:

„Dieser 1. Oktober 2004 war nicht mein Tag.“ Am Abend zuvor war der VfL gegen Lüttich im UEFA-Cup ausgeschieden. Wir erinnern uns: In allerletzter Sekunde durch das tragische „Luftloch“ des Brasilianers Edu…

Das steht in einem Text, darüber, dass Neururer seinen Führerschein für einen Monat abgeben muss, vier Punkte in Flensburg bekommt und 137,50 Euro Bußgeld zahlen muss. Dass der 1. Oktober nicht sein Tag gewesen sei, soll Neururer laut „Bild“ als „Entschuldigung“ dafür angegeben haben, dass er auf der Autobahn zu dicht aufgefahren war und eine durchgezogene Linie überfahren hatte.

Und möglicherweise hat er das ja sogar zu „Bild“ gesagt. Die Drängelfahrt aber, wegen der Neururer seinen Führerschein abgeben muss, fand gar nicht am 1. Oktober 2004 statt, sondern zwei Wochen zuvor, am 17. September (wie beispielsweise die Nachrichtenagentur dpa zutreffend berichtete). Das Datum macht durchaus einen Unterschied. Denn am Vorabend des 17. September hatte Bochum im UEFA-Cup-Hinspiel gegen Standard Lüttich 0:0 gespielt. Neururer war damals, wie sich beispielsweise hier nachlesen lässt, noch „stolz“ auf seine Mannschaft und zuversichtlich, dass sie Lüttich im Rückspiel schlagen würde.

Mit Dank für den sachdienlichen Hinweis an www.vfl4u.de

„Bild“ organisiert Upstand

Sie werden es vielleicht nicht gemerkt haben, aber in der vergangenen Woche ist es laut „Bild“ zu einem „Künstleraufstand“ gekommen, „wie es ihn in der deutschen Musikbranche noch nie gegeben hat!“ Nun ja: Ein Dutzend ehemaliger deutscher Teilnehmer am Eurovision Song Contest hatte auf Initiative der Zeitung einen Aufruf an die Sängerin Gracia unterschrieben. Sie solle wegen der Vorwürfe gegen ihren Produzenten, die Charts manipuliert zu haben, nicht am Wettbewerb teilnehmen.

Inzwischen versuchen „Bild“-Redakteure etwas zu organisieren, das sie vermutlich einen Künstleraufstand nennen würden, wie es ihn in der internationalen Musikbranche noch nie gegeben hat. Zu diesem Zweck hat sich „Bild“ jetzt die Mühe gemacht, alle Grand-Prix-Teilnehmer dieses Jahres zu kontaktieren. Sie versendet E-Mails, in denen die Künstler aufgefordert werden, gegenüber „Bild“ ihren „standpoint“ in dieser Angelegenheit deutlich zu machen. Da an den meisten von ihnen der „huge scandal here in Germany“ bislang vorbei gegangen sein dürfte, liefert „Bild“ in dem Schreiben, das uns vorliegt, eine praktische Kurzzusammenfassung der „Affair“ mit:

Gracia only got into the contest because of her good chart-position.

Now that this seems to be a result of manipulation, most Germans don’t want her to represent Germany in Kiev anymore.

Der erste Satz ist falsch, der zweite zumindest unbewiesen.

Sollte es also in den nächsten Wochen in der „Bild“-Zeitung zu einem noch nie dagewesenen, internationalen Künstleraufstand gegen Gracia kommen, wüßten wir, wie „Bild“ die Aufständischen rekrutiert hat.

Quizfrage

„Bild“ (also die Zeitung, die gut zwei Monate vor der Papstwerdung Kardinal Ratzingers behauptet hatte, „nach 944 Jahren gäbe es mit ihm erstmals wieder einen deutschen Papst“, obwohl das doch, wie wir jetzt längst wissen, gar nicht stimmt) hatte vor knapp drei Wochen eine Art Paparazzifoto der FDP-Generalsekretärin Cornelia Pieper in hochhackigen Schuhen abgedruckt (siehe Ausriss) und dazu (unter dem Stichwort „Bandscheiben-Schwindel“) berichtet, Pieper „habe einen Bandscheibenvorfall erlitten“. „Merkwürdig“ hatte „Bild“ das damals gefunden und gefragt:

„Ist dieser Bandscheibenvorfall nur ein Polit-Schwindel?“

Nun, knapp drei Wochen später, druckt „Bild“ (unter dem Stichwort „Nach Bandscheiben-OP“) endlich die Auflösung. Zusammengefasst lautet sie überraschenderweise:

Nein.
 

Märchen vom schwulen Pilz


Tja, da wundert sich der Achtklässler. Schwule Killer-Pilze? Das klingt ja nun nicht gerade nach seriöser Wissenschaft. Ist es auch nicht, es ist kompletter Blödsinn. Es stimmt zwar, dass Cryptococcus neoformans (C.n.) ein nicht ganz ungefährlicher Krankheitserreger ist, davon, dass er schwul sei, kann allerdings keine Rede sein. Und das sagt einem ja eigentlich schon das Basis-Wissen Biologie – oder der gesunde Menschenverstand.

(Eine, etwas vereinfachte, wissenschaftliche Begründung wollen wir dennoch nicht unterschlagen: Zunächst mal haben Pilze streng genommen überhaupt keine Geschlechtschromosomen, sondern es gibt auf ihren Chromosomen Regionen, die das Geschlecht bestimmen. Die nennt man „mating type loci“. Auch deswegen unterscheidet sich die Sexualität der Pilze gravierend von menschlicher Sexualität, weshalb es Unsinn ist, hier mit dem Begriff schwul zu operieren. Außerdem verfügen Pilze über zwei verschiedene „mating types“ (Paarungstypen). Da wäre „mating type a“ und „mating type alpha“. Sexuelle Fortpflanzung zwischen Pilzen kann nur zwischen kompatiblen, also verschiedenen Paarungstyp-Zellen stattfinden. Darin unterscheidet sich C.n. nicht von anderen Pilzarten. Deshalb ist es, selbst wenn man unsinniger Weise das unter 1. gesagte außer Acht lässt, immer noch Quatsch Cryptococcus schwul zu nennen. Warum also kam man bei Bild.de auf die absurde Geschichte? Möglicherweise deshalb: Joseph Heitmann fand heraus, dass die Entwicklung der geschlechtsbestimmenden Regionen auf den Chromosomen von C.n. und deren Anordnung Ähnlichkeiten zum menschlichen Y-Chromosom aufweisen, welches ja bekanntlich mit männlichen Eigenschaften assoziiert wird. Aus wissenschaftlicher Sicht ist das u.a. deshalb so interessant, weil man an C.n. die genetische Entwicklung von Geschlechtschromosomen studieren und Einblicke in die Ursachen für Unfruchtbarkeit gewinnen könnte.)

Deshalb wissen wir auch nicht, ob Nonsens-Sätze wie die folgenden aus Desinteresse, Dummheit, boshaftem Zynismus entstanden sind – oder schlicht aus Homophobie:

Der hefeähnliche Pilz Cryptococcus neoformans (Foto) ist nicht nur schwul, er zeugt mit seinem gleichgeschlechtlichen Partner sogar jede Menge Nachwuchs!
(…)
Gefährlich! Der schwule Pilz ist ein tödlicher Krankeitserreger. Er befällt den Menschen, verursacht lebensgefährliche Infektionen im Gehirn.
Hervorhebungen von Bild.de

Nachtrag, 22.4.2005:
Leider haber wir übersehen, dass es offenbar tatsächlich neue Erkenntnisse gibt, weshalb dieser Eintrag, so wie wir ihn gemacht haben, nicht stimmt. Wir bitten um Entschuldigung.

Überraschend ist etwas anderes

„Die Geschichte geht so: Da gibt es einen Volker Schäfer aus Kassel. Der ist gelernter Kunstlehrer, freiberuflicher PR-Berater und steht den Grünen nahe. In jeder Beziehung! ‘Das ist mein Lebensgefährte, wir lieben uns’, stellte Grünen-Parteichefin Claudia Roth den Mann aus Kassel vor wenigen Monaten überglücklich vor, nahm ihn mit zu einer Gala beim französischen Botschafter.

So weit, so gut. Überraschend ist etwas anderes: Der ‘Kulturexperte’ Volker Schäfer verdient seit einiger Zeit kräftig Geld nebenbei dazu – als Kommunikationsberater für das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS).“

So ähnlich geht die „Geschichte“ noch eine ganze Weile weiter. Und weil sie gestern unter der Überschrift „Amigo-Affäre um Grünen-Chefin Roth – Warum bekam ihr Freund so lukrative Staatsaufträge?“ in der „Bild“-Zeitung stand, konnte der Eindruck entstehen, es gebe einen kausalen Zusammenhang zwischen der Beauftragung Schäfers als Kommunikationsberater des BfS und seiner Beziehung zu Roth.

Roth jedoch ließ nach dem „Bild“-Bericht mitteilen, der Eindruck, es gäbe einen kausalen Zusammenhang zwischen der Beauftragung Schäfers als Kommunikationsberater des BfS und seiner Beziehung zu Roth, „entbehrt jeglicher Grundlage“. So heißt es jedenfalls in einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa, die außerdem einen „Bild“-Sprecher zitiert, der sagt, die Fakten in „Bild“ seien korrekt und würden nicht bestritten. „Wir haben uns nichts vorzuwerfen“ lautet das Resümee bei „Bild“, das allerdings leider nicht so ganz nachvollziehbar ist.

Denn Roth hat nicht nur rechtliche Schritte gegen „Bild“ angekündigt, ihr Anwalt weist zudem ausdrücklich darauf hin, Roth habe Schäfer „zu einem Zeitpunkt kennen gelernt, als dieser bereits seit über einem Jahr als Kommunikationsberater für das Bundesamt für Strahlenschutz tätig war“. Und das bedeutet doch, die Fakten in „Bild“ (egal wie „korrekt“ und „nicht bestritten“ sie auch sein mögen) sind derart unvollständig, dass von einer „Amigo-Affäre“ womöglich überhaupt gar keine Rede sein kann, oder?

Mit Dank an Max P., CS und Pascal-Nicolas B. für die Hinweise.

Nachtrag, 22.4.2005:
Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet (siehe Netzeitung.de), hat Roth nach Angaben einer Parteisprecherin vorm Landgericht Berlin wegen des „Bild“-Berichts eine Einstweilige Verfügung gegen die „Bild“-Zeitung erwirkt, wonach das Blatt eine Gegendarstellung abdrucken müsse. Weiter heißt es: Das BfS und das Bundesumweltministerium betonten, der Vertrag Schäfers sei einwandfrei, er arbeite projektbezogen seit März 2001 für das BfS. Der Axel Springer-Verlag will dennoch Rechtsmittel einlegen.

„Bild“ holt Papst aus der Nazi-Ecke

Die „Bild“-Zeitung. Erst seit einem Tag Papst, und schon alle Hände voll zu tun. Zum Beispiel den Mit-Papst Benedikt XVI. vor fiesen Angriffen zu schützen. Und die sind nirgends schlimmer als im Inland. Außer im Ausland.

Engländer beleidigen deutschen Papst

empört sich „Bild“ und regt sich vor allem über die „Sun“ auf, die gestern mit der zweifellos grenzwertigen Schlagzeile „Von der Hitler-Jugend zum Papa Ratzi“ aufmachte.

„Bild“ schreibt:

60 Jahre nach Kriegsende zerrt das Blatt die Jugend des Papstes ins Rampenlicht, drängt ihn in die Nazi-Ecke: „Es gab Fan-Gesänge für den Ex-Feindsoldaten im Zweiten Weltkrieg, der jetzt Papst Benedikt XVI. ist.“

Um zu behaupten, dass die „Sun“ den Papst in eine Nazi-Ecke drängt, muss man allerdings, wie „Bild“, den Schluss des „Sun“-Artikels ignorieren. Er lautet:

Er war 14, als er gezwungen wurde, der Hitler-Jugend beizutreten. Später war er deutscher Flak-Helfer — bevor er desertierte.

In ihrem Kommentar fügt die „Sun“ in Bezug auf die Position Ratzingers zu moralischen Fragen hinzu:

Wir applaudieren einem Mann, der erkannt hat, dass Werte nicht verhandelbar sind.

Auch skandinavische Zeitungen „verzerren“ nach Ansicht von „Bild“ Ratzingers Vergangenheit:

Das „Aftonbladet“ (Schweden) schreibt: „Der neue Papst war in Hitlers Armee Kindersoldat. (…) Am Ende packte er es nicht mehr, und er desertierte.“

Fest steht: Der neue Papst war in Hitlers Armee Kindersoldat. Am Ende packte er es nicht mehr, und er desertierte. Offen ist: Welchen Teil dieser Aussage findet „Bild“ ehrenrührig?

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