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Der Herr der Binse (spiegel.de)
Ein Unglück kommt selten allein. Ullrich war gedopt, Grass war bei der Waffen-SS. Umgekehrt wäre es natürlich noch schlimmer, aber auch so, wie es ist, fällt das Urteil über die gefallenen Helden vernichtend aus. Wie konnten sie nur? Und vor allem: Warum haben sie es uns nicht früher gesagt?

Frühstück in Frieden (taz.de)
Die Medienberichte über die jüngste Eskalation zwischen Israel und der arabischen Welt folgten der üblichen Dramaturgie. Ihr Kern heißt fundamentalistischer Humanismus: Krieg ist böse, Opfer sind unschuldig. Wie entpolitisiert ist unsere Öffentlichkeit?

Man reiche mir einen Kollaps (zeit.de)
Ernsthafter Wald, ernsthafte Kunst, schwere Menschen. Eine Begegnung mit Bayreuth und Wagner, der ja nichts für seine Fans kann.

Digitale Nihilisten (lettre.de)
Die Blogosphäre unterminiert den Medienmainstream.

Terroristische Journalisten? (telepolis.de)
Trotz israelischer Bombardierungen sendet das Hisbollahnahe „Al-Manar TV“ seine „antizionistische Propaganda“ munter weiter.

Peter, der Video-Rentner (spiegel.de)
Er nennt sich selbst geriatric1927, was auf sein Geburtjahr verweist, sitzt vor Blümchentapete in seinem Sessel und erzählt in Videos, die er bei YouTube veröffentlicht, sein Leben. Und siehe da: Hundertausende sehen und hören ihm begeistert zu.

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Die Verwandlung der höflichen jungen Männer (faz.net)
Die meisten Verdächtigen der vereitelten Londoner Anschläge haben pakistanische Eltern. Sie waren unauffällige Briten mit normalen Jobs und interessierten sich für Fußball und Kricket. Doch dann geschah etwas in ihrem Leben.

„Die Macht der Massen“ (ftd.de)
Internet war gestern, heute ist Web 2.0: Wer nicht vom Geldfluss für Onlinewerbung abgeschnitten werden will, muss akzeptieren, dass künftig die Nutzer die Inhalte der Internetangebote bestimmen.

Brüssel will Online-Zeitungen stärker kontrollieren (welt.de)
Verleger und Internet-Wirtschaft protestieren gegen die geplante EU-Fernsehrichtlinie, die auch für redaktionelle Webseiten gelten soll.

Auf Knopfdruck nach rechts oder links (diepresse.at)
Hirnforschung. Mit elektrischen Signalen an den Vestibular-Apparat kann man Menschen fernsteuern.

Werbe-Models auf Abwegen (spiegel.de)
Großflächige Werbebanner sind nicht mehr sicher in Berlin. Unbekannte entführen nachts Models und Produkte von den Plakatplanen. Markenhersteller und Polizei tappen im Dunkeln. Den konsumkritischen Kidnappern geht es um die Rückeroberung des öffentlichen Raumes.

Poesie auf der Parkbank (tagesspiegel.de)
Manuela Mechtel kümmert sich um die Problemkinder vom Neuköllner Reuterplatz. Die Autorin lässt sie Gedichte schreiben.

Kurz korrigiert (253)

Bild.T-Online wird ja durchschnittlich über eine Million Mal täglich angeschaut.

Offenbar jedoch noch immer nicht von den Bild.T-Online-Mitarbeitern, wie der nebenstehende Ausriss aus einem (so bereits seit heute, 13 Uhr, auf Bild.T-Online veröffentlichten) Artikel eindrücklich zeigt.

Mit Dank an Philip S., Julia K. und vic.

Nachtrag, 20.20 Uhr: Sicher ist sicher. Und so hat Bild.de den Fehler zwar nicht korrigiert, aber das Foto samt Bildunterschrift inzwischen komplett aus dem Artikel entfernt…

Wie „Bild“ nicht über Carrells Krankheit berichtete

Apropos:

Als Rudi Carrell der „Bild“-Zeitung im vergangenen Dezember vorwarf, ihn mit ihrer Berichterstattung über seine Krebskrankheit „lebendig begraben“ zu wollen, reagierte „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann mit Unverständnis. Er antwortete dem Showmaster:

Wie Sie wissen, berichten — im Gegensatz zu BILD — zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften seit vielen Wochen über Ihre Erkrankung. Erst nachdem Sie selbst am 21. November in der niederländischen Illustrierten „Prive“ und anschließend mit BUNTE offen über ihre Krebskrankheit sprachen (…ich weiß, daß ich Krebs habe…), hat BILD entsprechend berichtet. Ihre Äußerungen ließen für uns den Schluß zu, daß Sie mit diesem sehr persönlichen Thema nun durchaus öffentlich umgehen wollen.

Kai Diekmann suggeriert also, „Bild“ habe vor dem 21. November 2005 nicht über Carrells Krebs berichtet.

Am 15. November 2005 titelte „Bild“:

Abgemagert — Haarausfall — Kaum noch Auftritte

Wie krank ist Rudi Carrell?

Die „Bild“-Autoren Daniel Cremer und Guido Brandenburg zitierten „enge Freunde“, dass es Carrell „sehr schlecht gehe, er ernsthaft erkankt sei“. Sie wiederholten die Sätze, die Carrells Schwiegermutter der Zeitschrift „das neue“ gesagt haben soll: „Daß er Krebs hat, ist definitiv. Eine Chemo hat er ja schon hinter sich. Rudi spricht nicht über seine Krankheit.“ Und sie stellten fest: „Fragen zu seiner Krankheit möchte Carrell nicht beantworten.“

Am 16. November 2005 berichtete „Bild“:

So tapfer kämpft er gegen seine Krankheit

(…) Entertainer Rudi Carrell (70) kämpft tapfer gegen seine schwere Krankheit an. Nach Auskunft seiner Ex-Schwiegermutter Erna Bobbert (92) ist Carrell an Krebs erkrankt, unterzog sich schon einer ersten Therapie. (…)

Am 18. November 2005 schrieb „Bild“ zu einem Foto:

Hier geht Rudi Carrell zur Arbeit — Trotz Krankheit!

Köln — Er hat viel Gewicht verloren. Seine Wangen sind eingefallen. Die einst so fröhlichen Augen haben ihren Glanz verloren. (…)

Diekmann will seinen Brief an Carrell bekanntlich als „Entschuldigung“ verstanden wissen.

Wogegen sich Kai Diekmann wehrt V

„Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann streitet sich mit dem toten Rudi Carrell.

Carrell hatte Diekmann im „SZ-Magazin“ vorgeworfen, er habe seinen Tod „herbeigesehnt“ und sich nie für die verletzende Berichterstattung der „Bild“-Zeitung über seine Krebserkrankung entschuldigt. Diekmann ging daraufhin juristisch gegen die Zeitschrift vor. Nach dem Tod Carrells verlangte er eine „Richtigstellung“, die das Blatt heute abdruckt.

Aber der Reihe nach.

Am 17. März erschien im „SZ-Magazin“ ein langes Gespräch mit Rudi Carrell, das „Bild“ in Auszügen nachdruckte und in dem es auch um die „Bild“-Zeitung ging:

SZ-Magazin: Wie kam Ihre Krankheit an die Öffentlichkeit?

Carrell: Ich hatte der Bunten ein ehrliches Interview gegeben. Na gut, ich habe versucht, den Krebs etwas herunterzuspielen. „Ich habe zwar eine schwere Krankheit“, habe ich gesagt, „aber ich lebe, habe keine Schmerzen, kann arbeiten.“ Und was hat die Bild-Zeitung daraus gemacht? Haarausfall, schwer abgenommen! Ich war stinksauer. Und dann diese schlimmen Fotos: Ich fand die ganze Sache nicht fair – mir gegenüber und Hunderttausenden, die Angst vor einer Krebsvorsorge haben oder selbst vor einer Chemotherapie stehen.

Hat sich die Bild-Zeitung bei Ihnen entschuldigt?

Nein, obwohl ich mich schriftlich beim Chefredakteur beschwert habe: „Ich lasse mich von euch nicht lebendig begraben!“ (…)

Haben Sie eine Antwort auf Ihren Brief bekommen?

Ja. „Sie wissen doch, wir sind Ihre größten Fans!“, hat Kai Diekmann zurückgeschrieben. Zwei Tage zuvor hatte er noch meinen Tod herbeigesehnt.

Diekmann erwirkte u.a. gegen diese Passagen eine einstweilige Verfügung. Sie sind deshalb aus dem Online-Auftritt des „SZ-Magazins“ spurlos verschwunden.

Außerdem verlangte Diekmann vom „SZ-Magazin“ den Abdruck einer Gegendarstellung. Zunächst unterlag er mit dieser Forderung vor Gericht. Wenige Tage vor der nächsten Gerichtsverhandlung starb Carrell. Diekmanns Anwälte verzichteten daraufhin auf ihre Forderung — doch der Tod Carrells war für Diekmann offenbar kein Grund, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Einige Tage später ließ er eine neue Forderung stellen: Das „SZ-Magazin“ solle nun eine eigene Richtigstellung abdrucken.

Der Verlag kam dieser Forderung heute nach und stellte im „SZ-Magazin“ richtig:

(…) dass der Chefredakteur der Bild-Zeitung, Kai Diekmann, sich in einem Schreiben an Rudi Carrell für die Berichterstattung in Bild über seine Krebserkrankung entschuldigt hat.

(…) dass Kai Diekmann niemals den Tod von Rudi Carrell herbeigesehnt hat.

In der Formulierung, die Diekmann veranlasste, steckt eine erstaunliche Behauptung. Denn wie Carrell können auch wir in Diekmanns Brief keine Entschuldigung für die Berichterstattung entdecken. In seinem Fax vom 22. Dezember 2005 an Carrell räumt er keinerlei Fehlverhalten seiner Zeitung ein. Stattdessen schreibt er:

Sehr geehrter Herr Carrell,

ich finde es sehr bedauerlich, daß Sie sich durch unsere Berichterstattung verletzt fühlen. Das war nicht unsere Absicht. (…)

BILD ist seit Jahren einer Ihrer treuesten Fans. Ich bedaure sehr, daß Sie mit unserer Berichterstattung unzufrieden sind (…).

Was Diekmann bedauert, ist nicht die Berichterstattung von „Bild“, sondern Carrells Unzufriedenheit.

So war das also: In der gleichen Woche, in der Diekmann in seiner Zeitung den Tod „des großen Rudi Carrell“, des „TV-Giganten“ und „großen Entertainers“ betrauern ließ, beauftragte er seine Anwälte, gegen dessen Aussagen vorzugehen.

„Bild“ animiert zum Ehebruch

Das US-Magazin „Forbes“ hat kürzlich eine Liste veröffentlicht: „The Hottest Billionaire Heiresses“ („Die heißesten Milliardärs-Erbinnen“). Und woran denken „Bild“-Redakteure wohl zuerst, wenn sie so eine Liste sehen? Offenbar daran, was für eine gute Partie diese Erbinnen wären, klar:

"Hier lächeln 18 Milliarden Euro. 10 reiche Töchter -- und alle sind noch zu haben"

Und wir fragen uns, ob man bei „Bild“ nicht etwas zu sehr vom Reichtum geblendet war. Davon, dass alle „noch zu haben!“ seien, ist nämlich im „Forbes“-Magazin, auf das „Bild“ sich ausdrücklich bezieht und aus dem so ziemlich alle anderen Infos über die Erbinnen zu stammen scheinen, überhaupt nicht die Rede. Zu Recht. Aerin Lauder beispielsweise ist offenbar seit 1996 mit Eric Zinterhofer verheiratet und hat zwei Kinder (was übrigens auch „Bild“ schreibt). Und Julia LouisDreyfus hat ebenfalls zwei Kinder und ist sogar schon seit 1987 mit Brad Hall verheiratet.

Mit Dank an Julia L. für den sachdienlichen Hinweis.

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Die Macht der Gewöhnung (tagesspiegel.de)
Wie reagiert man auf die Nachricht vom geplanten Massenmord? In London sehr ruhig. Und in New York überrascht. Anfangs.

Weblogs – Kopfjäger im Internet oder journalistische Avantgarde (politik-digital.de)
Matthias Armborst ist Journalist, Wissenschaftler und Blogger. In seinem Buch „Kopfjäger im Internet oder publizistische Avantgarde? Was Journalisten über Weblogs und ihre Macher wissen sollten“ untersucht er das Verhältnis von Journalismus und Blogosphäre.

Die Flaute nach dem Schuss (telepolis.de)
Über die Hintergründe von Bildfälschungen im Journalismus

Das Ende einer Welt (spiegel.de)
Die letzte Sendung von „Top of the Pops“ markiert das Ende des Musikfernsehens. Auch die Spartenkanäle MTV und Viva haben ihre großen Zeiten hinter sich. Die Avantgarde der Jugendkultur ist weitergezogen, ins Internet, und erzieht dort völlig neue Konsumenten.

Berliner Mauer auf italienisch (sueddeutsche.de)
Padua errichtet einen stählernen Sperrwall um verwahrloste Wohnblocks in der „Bronx Venetiens“. Darin hausen arme Zuwanderer.

Der freie Mann (zeit.de)
Der Fußballer Besart Berisha ist mit seiner Familie aus dem Kosovo geflohen. In der neuen Bundesliga- Saison kämpft er für den HSV – und den Lebensunterhalt seiner Eltern.

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Rat der falschen Wächter (zeit.de)
Wie Blogger im Libanonkrieg Propaganda betreiben.

„Vieles im Journalismus ist Recycling“ (dradio.de)
Journalistik-Professor Weischenberg: Selbstständige Recherche wird seltener.

Die Krake über unseren Häuptern (jungle-world.com)
Google ordnet nicht nur das Internet, sondern immer stärker auch die nichtvirtuelle Welt. Ein Buch klärt auf über die Machenschaften einer Riesenfirma.

Im Zweifel für den Zweifel (tagesspiegel.de)
Der Krieg im Libanon findet auch in deutschen Wohnzimmern statt. Hisbollah und Israel, Fernsehen und Zeitung kämpfen um die Köpfe.

„Ruhm und Glück“ – Reality-TV im Irak (netzeitung.de)
Eine andere Realität, ohne Entführungen und Explosionen, bietet der irakischen Bevölkerung die TV-Show «Saya Wa Surmaya». Allerdings müssen die Produzenten sich an die Regeln halten.

Die härtesten Weicheier der Welt (spiegel.de)
Kein Sex. Kein Alkohol. Keine Zigaretten. Keine Drogen. Kein Fleisch. Was Krankenkassen erfolglos predigen, erklärt eine Jugendszene zum Prinzip: „Straight Edge“.

Die Opfer, die „Bild“ bringt (2)

Die „Bild“-Zeitung fasst heute die Kriegshandlungen im Nahen Osten so zusammen:

Die Kämpfe gingen unterdessen mit voller Härte weiter. Die Hisbollah feuerte über 90 Raketen auf Nordisrael ab. Bei Kämpfen im Südlibanon starben drei Soldaten und 30 Hisbollah-Kämpfer.

Zum Vergleich: So berichteten die Nachrichtenagenturen gestern über die Ereignisse (alle Hervorhebungen von uns):

  • dpa, 20.22 Uhr: „Bei Gefechten im Südlibanon seien drei Soldaten getötet und fünf weitere verletzt worden, zudem seien 30 Hisbollah-Kämpfer getötet worden, teilte die israelische Armee mit.“
  • dpa, 19.33 Uhr: „Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben …“
  • AP, 19.32 Uhr: „Bei heftigen Gefechten im Grenzgebiet kamen nach israelischen Militärangaben…“
  • Reuters, 19.03 Uhr: „Am 28. Kriegstag kamen nach Angaben der Armee…“
  • AP, 16.29 Uhr: „Bei heftigen Gefechten im Grenzgebiet kamen nach israelischen Militärangaben…“
  • dpa, 15.45 Uhr: „Die israelische Armee teilte mit, …“

Am vergangenen Sonntag hatte „Bild am Sonntag“ die Mahnung zitiert, dass in einem Krieg „jede der handelnden Parteien ein eigenes Interesse bei der Zurverfügungstellung von Informationen“ habe, und Medien deshalb Distanz wahren und vermitteln müssten. Für die „Bild“-Zeitung scheint das nicht zu gelten. Sie macht ohne Not aus unüberprüften Informationen einer der handelnden Parteien objektive Tatsachen – und schreibt sie ganz ohne Quellenangabe auf…

…und hat auch heute wieder, am dritten Tag in Folge, keinen Platz im Blatt, um über zivile libanesische Opfer zu berichten.

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Im Warteraum des Paradieses (fr-aktuell.de)
Wie der Kameruner Charles Ondoua, der vor einem halben Jahr über den Zaun von Melilla sprang, in Spanien lebt.

Die Entdeckung der Bürger (telepolis.de)
Schreiben die Leser den Journalismus in die Klemme?

Mediale Langeweile (telepolis.de)
Nach einer Umfrage unter jungen Amerikanern sind diese mehrheitlich gelangweilt von den Medienangeboten und üben sich daher im medialen Multitasking.

Meinungsforscher: Kampagnen in der Politik überbewertet (dradio.de)
Immer mehr Kampagnen mit einer politischen Botschaft, so Gerald Wood, Deutschlandchef des Meinungs- und Marktforschungsunternehmens Gallup, seien in Deutschland überflüssig und Geldverschwendung. Es handele sich dabei nicht um eine geeignete Form der Kommunikation.

I wer? proletarisch! (derstandard.at)
Von einem „Proleten­sport“ spricht niemand mehr, seit die VIPs eigene Tribünen haben – Trotzdem ist die Entwicklung des Fußballs mit der Arbeiterklasse untrennbar verknüpft.

„Die Bedeutung des Fernsehens nimmt ab“ (businessnews.com)
Seit Youtube, Google Video und und dem kürzlich gestarteten MTV Overdrive ist klar: On Demand-Videos sind im Trend. Was sich dadurch für Fernsehsender ändert, erklärt Michael Westphal, Geschäftsführer von TV1.de im Business News-Interview.

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