Neues von Gärtnern und Böcken

Die Axel-Springer-AG hat gestern einige weitere Wechsel in der „Bild“-Redaktion bekanntgegeben. Interessant ist die Person des neuen Redaktionsleiters von „Bild“-Hamburg: Gerald Selch führte zuletzt für das Magazin der „Süddeutschen Zeitung“ ein Interview mit Michael Ballack, in dem der unter anderem erklärte, warum er nicht mit „Bild“ spricht.

Vor fast genau einem Jahr musste Selch als stellvertretender Chefredakteur bei der Münchner Boulevardzeitung „tz“ gehen, nachdem die behauptet hatte, Bastian Schweinsteiger, Paul Agostino und Quido Lanzaat seien in einen Wettskandal verwickelt. Die „tz“ widerrief dies später und entschuldigte sich bei den Spielern, von Selch trennte man sich „im gegenseitigen Einvernehmen“.

Tot oder lebendig?

Dieser Ausriss zeigt eine Fotounterzeile in einem Bild.de-Artikel, der die Überschrift trägt „Falscher Polizist erschießt jungen Fußballer“:

"Starb an seinen schweren Verletzungen: Francesco M. (20)"

Und dieser Ausriss stammt aus demselben Artikel auf Bild.de:

"Francesco schwebt in Lebensgefahr."

Leider stimmen Fotounterzeile und Überschrift. Francesco M. erlag tatsächlich seinen Verletzungen. Als Bild.de-Leser kann man das nur erraten.

Mit Dank an Peer S., Christian Z., Thomas K., Tanja und René T.

Nachtrag, 16.25 Uhr: Der Text auf Bild.de wurde inzwischen korrigiert.

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W&V Talk – Die komplette Sendung
(iptv.tv1.de, Video)
Thema: Der Web 2.0-Hype: Millionenschwere Fehlinvestitionen von Medien- und Werbewirtschaft?

Werbung positiv unterstützen
(nzz.ch, Manfred Weise)
Themenbeilagen als publizistische Grauzonen.

Wenn aus bloggen Literatur wird
(blogpiloten.de, Thomas Gigold)
?Leipzig liest? ist Europas größtes Lese-Festival. Blogger durften da nicht fehlen. Wer nicht glauben mag, das man aus Blogs öffentlich vorlesen darf, wurde am Donnerstag eines Besseren belehrt.

Tom Kummer: Journalismus ist Krieg
(netzeitung.de, Roland Düker)
Weil er Interviews gefälscht hat, gilt Tom Kummer als bad boy des deutschen Magazin-Journalismus. Er muss heute als Tennislehrer arbeiten.

Senden fürs Sorgenkind
(merkur.de, Ingo Petz)
In Europas letzter Diktatur werden die Medien scharf kontrolliert. Westliche Radioprogramme bringen unabhängige Informationen ins Land.

Der große Fritz
(taz.de, Steffen Grimberg)
Der WDR würdigt seinen scheidenden Intendanten mit einem zweiteiligen, eindimensional-peinlichen Rührstück („Rastlos gelassen„, 20.15 Uhr).

Ex-Terroristen gehen gegen „Bild“ und „BamS“ vor

Laut „Spiegel Online“ hat die Ex-Terroristin Eva Haule den Springer-Zeitungen „Bild“ und „B.Z.“ per einstweiliger Verfügung untersagen lassen, Fotos zu veröffentlichen, „die – heimlich geschossen – sie als Freigängerin zeigen“. Außerdem sei es den Zeitungen untersagt, Einzelheiten über Haules Ausbildung zu verbreiten.*

Und auch der „Bild am Sonntag“, die (wir berichteten) Fotos der Ex-Terroristin Brigitte Mohnhaupt aus dem „Trostberger Tagblatt“ „geklaut“ und u.a. auf der Titelseite veröffentlicht hatte, wurde nun per einstweiliger Verfügung verboten, diese Fotos zu zeigen.

*) „Bild“ hatte Haules Gesicht verpixelt. Laut „Spiegel Online“ prüft man bei Springer, ob man gegen die einstweilige Verfügung vorgehen will.

6 vor 9

Radikales Umdenken
(werbewoche.ch, Karl Lüönd)
Das tägliche Informationsmenü soll nicht den Röhrenblick der Spezialisten, sondern die offene und neugierige Sicht der Menschen prägen.

„Fakten sind langweilig“ (+ +)
(taz.de, Johanna Schmeller)
Tom Kummer sorgte mit gefälschten Starinterviews für einen Medienskandal. Jetzt hat er eine Autobiografie geschrieben: „Blow up“. Will er sich rehabilitieren?

„Künftig wird jeder im Internet sein“
(fr-online.de, Ralf Siepmann)
Uwe Knüpfer, Chef der ersten deutschen Online-Lokalzeitung (onruhr.de), sieht die Zukunft im Digitaldruck.

Eingebunden oder abgebunden? Wie Weblogs (nicht) integriert werden
(blog.zeit.de/blogruf, Falk Lüke)
Wie werden Weblogs auf Medien-Websites präsentiert, wie werden ihre Inhalte mit dem originär redaktionellen Content verzahnt?

Die nackte Wahrheit
(facts.ch, Markus Schär)
Der «Kassensturz» tat alles, um den Arzt Peter Meyer-Fürst als Sexualtäter darzustellen. Jetzt zeigt sich: Das eingeleitete Verfahren gegen den Schönheitschirurgen beruht auf der Anzeige einer Betrügerin.

Bundesrat Moritz Leuenberger hat einen Blog eröffnet
(moritzleuenberger.blueblog.ch, Karikatur)

„Bild“-Hintergrund irrelevant

Gestern enthüllte „Bild“ das Trikot des Fußballvereins Hertha BSC für die Bundesliga-Saison 2007/2008. Zum „Hintergrund“ schrieb „Bild“, dass „einige Fans“ nie „warm wurden“ mit dem aktuellen Trikot. Insbesondere das „Adler-Wappen aus den Meister-Jahren 1930/1931“ kam offenbar nicht so gut an. Und nachdem es am 2. Spieltag der laufenden Saison einen Trikot-Vorfall (Fans warfen nach einem Spiel „von den Herthanern in die Fankurve geworfene Trikots wieder zurück“) gab, hatte sich, so ist jedenfalls der „Bild“-Zeitung zu entnehmen, Ex-Hertha-Präsident Wolfgang Holst als Sprecher des Ältestenrates „in den Zoff“ eingeschaltet:

Holst damals: „Man muss die Fans ernst nehmen. Wir haben ihre Wünsche angehört und protokolliert. Das Papier geht der Geschäftsleitung zu.“ Und die hat reagiert: Schluss mit dem Adler auf den neuen Schmuckstücken für die Fans!

Hertha BSC nahm dazu in einer Pressemitteilung Stellung. Der Verein stellt darin fest, dass „bereits seit der Spielzeit 2005/2006 das Trikotdesign (…) verabschiedet worden ist“. Insofern sei auch der Hinweis auf den Ältestenrat in der „Bild“-Zeitung „nicht relevant“.

Das klingt nachvollziehbar. Insbesondere, wenn man weiß, dass Hertha BSC bereits zwei Wochen vor dem Trikot-Vorfall (und damit offenbar auch vor der Äußerung von Holst) in einer Mitteilung schrieb:

Um es ganz deutlich zu machen: In keiner Sekunde wurde daran gedacht, das HERTHA-Logo mit der Fahne durch das Logo mit dem Adler zu ersetzen. (…) [Das aktuelle] Trikot ist eine Sonder Edition und wird es nur in dieser Spielzeit geben. Die weiteren Trikots, und auch das aktuelle Auswärtstrikot werden selbstverständlich mit dem Original-Logo mit der Fahne gespielt. Auch zukünftig wird das alte HERTHA-Logo erhalten bleiben und auf den neuen Trikots zu sehen sein.
(Links von uns.)

Gut gebrüllt, „Bild“

"Brüll-Rekord: Schalke-Fans schaffen 129 Dezibel"

Das muss aber laut gewesen sein am vergangenen Sonnabend beim Spiel Schalke 04 gegen den VfB Stuttgart. 129 Dezibel! Das sei, schrieb „Bild“ am Montag, „so laut wie nirgendwo anders in der Liga“. Außerdem sei das fast so laut wie eine startende Rakete und lauter als ein startender Düsenjet. So stand es jedenfalls in der „Lärm-Tabelle“, die „Bild“ abdruckte und in der sie sogar erklärte, was ein Dezibel ist. Wie „Bild“ auf diese „129 Dezibel“ gekommen war, stand auch im Text:

Der Lärm-Check wird in der Veltins-Arena mehrfach pro Spiel angezeigt.

Der „Bild“-Artikel wird seit seinem Erscheinen eifrig im Schalke-Forum diskutiert. Für eine gewisse Verwirrung sorgt dabei, dass der „ELE-Soundcheck“ (vom Stromversorger ELE), den „Bild“ „Lärm-Check“ nennt, bekanntermaßen nicht in Dezibel misst und in der Vergangenheit schon viel höhere Werte angezeigt hat als 129 (der Rekord scheint so bei 183 zu liegen). Entsprechend werden die „129 Dezibel“ von „Bild“ im Schalke-Forum vereinzelt angezweifelt. Zuweilen wird aber auch die Theorie ventiliert, dass man den ELE-Wert circa durch 1,5 teilen muss, um auf Dezibel zu kommen.

Diese schöne Theorie können wir leider nicht bestätigen. Wie uns jetzt ein Sprecher der Veltins-Arena mitteilt, misst der ELE-Soundcheck Volt, die dann in eine Fantasie-Skala übersetzt werden, die bis 200 reicht. Und, so der Sprecher:

Das kann man nicht in Dezibel umrechnen.

Insofern hat es also durchaus Sinn, von Maßeinheiten wie „SCHALL(-KE)“ oder „dELEzibel“ zu sprechen.

Das wollten wir nur mal anmerken, damit sich nicht wieder irgendwelche Behauptungen zur Tatsache verfestigen.

Mit Dank an Hanno E. für den sachdienlichen Hinweis.

Fällt die „Bild“-Redaktion jetzt auseinander?

  • Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?
  • Wer wird Millionär?
  • Darf’s ein bisschen mehr sein?
  • WIRD „BILD“ EINGESTELLT?

Es gibt so viele Fragen auf der Welt. „Bild“ hat sich für ihre heutige Ausgabe die folgenden ausgedacht:

  • LETZTE TOURNEE?
  • LETZTES ALBUM?
  • Holt die Polizei TOKIO-BILL zur Musterung?
  • Ist es jetzt vorbei mit dem wilden Rockstar-Leben?
  • Wollten sich Bill und Tom vor der Bundeswehr drücken?
  • Wie sollen Bill und Tom neun Monate Grundwehrdienst und ihre Musiker-Karriere unter einen Hut bringen?
  • WIRD IHRE BEVORSTEHENDE TOURNEE (AB 3. APRIL) IHRE LETZTE SEIN?
  • Werden sie überhaupt je wieder eine Platte aufnehmen?
  • Fällt die Band jetzt auseinander?
  • Wie wollen Bill und Tom jetzt weiter verfahren?

Anlass für all diese Fragen: ein sog. „Fragebogen zur Musterungsvorbereitung“ [pdf], der allen Deutschen, die wehrpflichtig werden, nach ihrer „Erfassung“ zugeschickt wird — und der laut „Bild“ von zwei 17-jährigen Mitgliedern der Popgruppe Tokio Hotel bislang nicht beantwortet wurde, weshalb sie ein weiteres Schreiben vom Kreiswehrersatzamt bekommen hätten, in dem es heiße: „Bitte beachten Sie, dass die Verweigerung der erbetenen Auskünfte als Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße geahndet werden kann!“

Diese, öh, Nachricht nutzt „Bild“ heute für eine dramatische Titelschlagzeile (siehe Ausriss) und „Bild“-Redakteur Mark Pittelkau für die vielen aufgeregten Fragen — denen „Spiegel Online“ inzwischen noch zwei weitere hinzufügt:

Gab es die Drohung der Geldbuße gar nicht? Oder aber ist der Fall sogar gravierender (…)?

Laut „Spiegel Online“ erhält man das von „Bild“ zitierte Schreiben nämlich „erst nach zweimaligem Ignorieren eines Musterungsbescheids (…) Demnach wären die Kaulitz-Brüder bereits zur Musterung geladen worden, dort aber nicht erschienen.“ Dann ergäben zwar die „Bild“-Überschriften plötzlich mehr Sinn, dafür wäre aber dazugehörige Artikel irgendwie Murks.

Im Anschluss an die letzte „Bild“-Frage („Wie wollen Bill und Tom jetzt weiter verfahren?“) schreibt Pittelkau:

Die Zwillinge und ihr Management wollten sich gestern gegenüber BILD nicht äußern.

Er hätte auch schreiben können: „Fortsetzung folgt…“

(Fortsetzung folgt…)

Nachtrag, 16.35 Uhr: Anders als „Bild“ hat „Spiegel Online“ die eigenen offenen Fragen inzwischen in einer aktualisierten Fassung des Artikels beantwortet:

Eine Sprecherin der Wehrbereichsverwaltung Nord in Hannover bestätigte heute, dass die beiden den Fragebogen bekommen hätten. Ein Musterungsverfahren sei aber noch nicht eingeleitet worden.

Der aktuelle Zwischenstand lautet demnach:
„Bild“-Artikel bloß irreführend, „Bild“-Überschriften Murks.

(Fortsetzung folgt…)

6 vor 9

Modernes Raubrittertum
(mmm.verdi.de, Gisela Sonnenburg)
Das Internet bringt nicht nur Segen. Sondern es erleichtert auch Urheberrechtsverletzungen. Betroffene Journalisten haben dadurch viel Ärger, reichlich Verluste, einen hohen Zeitaufwand – und Anspruch auf eine angemessene Entschädigung.

Europas erste Klinik für Computerspielsüchtige
(welt.de, Eva Eusterhus)
Computersucht gilt heute als ernst zu nehmende Krankheit. Durch das jahrelange Spiel am Computer sind die Süchtigen extrem isoliert. Mitten im Herzen von Amsterdam werden ihnen wieder minimale Sozialkompetenzen beigebracht.

Alphablogger der deutschen Blogosphäre. Heute: Thomas Knüwer, Grenzgänger
(readers-edition.de, Peter Turi)
Thomas Knüwer, 37, ragt mit seinen Einsfünfundneunzig nicht nur optisch aus dem Kreis seiner Kollegen hervor, Knüwer ist der Vorzeigeblogger unter den Journalisten und der Vorzeigejournalist unter den Bloggern. Der festangestellte Redakteur bei der Wirtschaftszeitung ?Handelsblatt? hat sich als Grenzgänger zwischen klassischem Journalismus und der wachsenden Blogosphäre mit seinem Blog http://blog.handelsblatt.de/indiskretion/ einen Namen gemacht.

Schluss mit „How Are You Today Honey“
(sueddeutsche.de, Else Buschheuer)
Weg aus New York. Aber wohin? München ist zu bussibussi. Hamburg zu kühl, Köln zu schwul. Leipzig! Schriftstellerin Else Buschheuer über ihre Rückkehr in die Heimat.

Das Leben der anderen
(taz.de, Barbara Bollwahn)
Seit ich ein digitales Aufnahmegerät habe, schneide ich mit Begeisterung heimlich Gespräche mit.

Ohne Worte
(bildblog.de, lupo)

Wahrnehmungsstörung (vermutl. chronisch)

Heute lernen wir wieder etwas darüber, wie „Bild“ (oder im konkreten Fall: Bild.de) die Welt sieht. Wenn Sie sich bitte zunächst diesen Ausschnitt aus einem Bild.de-Artikel von heute über einen dramatischen Vorfall nach dem FA-Cup-Spiel Tottenham gegen Chelsea durchlesen würden:

Jetzt stellen Sie sich die beschriebene Szene bitte bildlich vor.

Fertig?

Gut, dann vergleichen Sie den Film, den Bild.de Ihnen soeben vor Ihrem geistigen Auge entstehen ließ, jetzt bitte mit diesem Film, den Fernsehkameras von dem Geschehen aufgenommen haben:


Vielen Dank an Sascha W.!

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