Mal die Wäsche von Courtney Love betexten

In der Tat hatte Courtney Love kürzlich einen recht bizarren Fernsehauftritt. Das kann, wer will und des Englischen mächtig ist, in der „New York Times“ vom vergangenen Sonnabend nachlesen. Dort bekommt man auch einen recht guten Eindruck davon, um was für eine Art Sendung es sich handelte. „Jokes about genitals“ (Witze über Genitalien) gehörten, laut „Times“, neben Courtney Love, zu den „skandalösesten Momenten“.

Insofern dürfte es sich bei Loves Auftritt wohl um eine durchaus erwünschte Provokation gehandelt haben. Dafür spricht jedenfalls, was eine der Gastgeberinnen während der Sendung sagte:

„Ich war gespannt, welche Courtney Love hier auftauchen würde: die verrückte Koks-Hure mit dem verschmierten Lippenstift, oder die gewalttätige verrückte Koks-Hure mit dem verschmierten Lippenstift.“

Bei „Bild“ hingegen interessieren solche Dinge womöglich überhaupt niemanden, solange es Fotos von Loves Unterwäsche gibt, die man zeigen und mit irgendwelchem Unsinn betexten kann, bis am Schluss aus Courtney Loves „Peep-Show-Auftritt“ der „absolute Peinlich-Höhepunkt“ geworden ist und ein Bild.de-Teaser wie dieser:

Für das Desinteresse von Bild.de spricht u.a., dass die eigentliche Hauptperson der Show mit keinem Wort erwähnt wird. Stattdessen steht dort, das Ganze hätte sich in „der Sendung ‘Comedy Central'“ zugetragen. Obwohl „Comedy Central“ doch gar keine Sendung ist, sondern ein Sender. Die Sendung selbst hieß „Roast of…“ bzw. wegen ihres Stargasts „Roast of Pamela Anderson“. Und um das herauszufinden, hätte ein Blick ins Bild.de-Archiv genügt. Schließlich hatte man ja schon am Montag vor einer Woche über die Show geschrieben. Allerdings stand damals noch Anderson im Mittelpunkt der „Berichterstattung“ – oder vielmehr ihr „Busen-Blitz-Alarm“.

Dank für die Hinweise an Christian D., Ben K., Andre P. und Perry

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Allgemein  

„Was wird aus der kleinen Elisabeth?“

Berlin, den 16. August 2005

An den
Deutschen Presserat
Postfach 7160
53071 Bonn

Beschwerde

Sehr geehrte Damen und Herren,

die „Bild“-Zeitung zeigt mit großer Konsequenz immer wieder Fotos von der einjährigen Tochter der Frau, die in der Nähe von Frankfurt/Oder neun ihrer Kinder getötet haben soll. Gezeigt wird das Kleinkind am 9. August auf Seite 6 in der Badewanne („Was wird aus der kleinen Elisabeth?“), am 10. August auf Seite 7 auf dem Arm ihrer Mutter („Todes-Mutter bricht mit ihrer Familie!“), am 15. August auf Seite 8 ebenfalls auf dem Arm ihrer Mutter („Todesmutter weint im Knast um ihre Kinder“) (alle Seitenangaben Ausgabe Berlin-Brandenburg). Die Fotos sind nicht verfremdet, das Mädchen ist vor allem auf dem Foto in der Badewanne eindeutig zu identifizieren.

Laut Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichtes genießen Kinder einen besonderen Schutz gegenüber Veröffentlichungen in der Presse. Nach dem Pressekodex ist die Abbildung von Opfern und Tätern in der Berichterstattung über Straftaten in der Regel nicht gerechtfertigt (Richtlinie 8.1, Ziffer 1) und bei Familienangehörigen, die mit der Straftat nichts zu tun haben, grundsätzlich unzulässig (Richtlinie 8.1, Ziffer 3). In der Vergangenheit hat der Presserat auch Veröffentlichungen von Fotos von Kindern, selbst wenn ein Balken über die Augen gelegt wurde (was „Bild“ nicht getan hat), als unzulässig gerügt.

Mit freundlichem Gruß
BILDblog.de

Nachtrag, 19. August: Am 18. August war das Gesicht des Mädchens in der „Bild“ Berlin-Brandenburg ungekenntlich gemacht.

Symbolfoto XV

Korinthenkacker ist kein schönes Wort, Rosinenbomber schon eher. Das kann man – zumal in Berlin (wo die „Air Service Berlin CFH GmbH“ Rundflüge mit so einem Rosinenbomber anbietet) – ruhig mal in eine Überschrift schreiben, die dann beispielsweise so ausssieht:

Man kann mit dem Wort Rosinenbomber auch ein Foto betexten. Das sieht dann so aus:

Wenn möglich, sollte das dazugehörige Foto dann allerdings nicht so aussehen:

Schließlich handelt es sich bei dem abgebildeten Flugzeug (wie die zum abgebildeten Foto gehörige, ursprüngliche dpa-Beschriftung vom 13. April unmissverständlich erläutert) um „eine JU-52″ auf dem Flugplatz Rechlin-Lärz* – und nicht um den erwähnten Rosinenbomber der „Air Service Berlin CFH GmbH“. Aber womöglich hat „Bild“ für ihre „Air Service Berlin“-Verlautbarung für ihre Berichterstattung beim besten Willen einfach kein schönes Foto davon auftreiben können…

Mit Dank an Gunda S. für die Unterstützung.

*) Ursprünglich hatten wir geschrieben, dass die abgebildete „JU-52″ im Dezember 2004 auf der Berliner Luft- und Raumfahrtausstellung zu sehen gewesen sei. Vermutlich war das aber eine andere „JU-52″.

Was „Bild“ korrigiert und was nicht

Seit kurzer Zeit hat die „Bild am Sonntag“ auf ihrer Leserbriefseite eine Rubrik namens „Korrekturen“. Das ist eine feine Sache. Hier stellte die Redaktion in der vorletzen Ausgabe richtig, dass der nächste Harry-Potter-Film nicht „… und der Zauberkelch“ heißen wird, sondern „… und der Feuerkelch“, und ergänzte einen fehlenden Absatz mit Tips für Excel.

Auch am vergangenen Sonntag gab es Dinge zu korrigieren. Zum Beispiel hatte die „BamS“ über einen vermeintlichen neuen Schleichwerbe-Skandal im österreichischen „Tatort“ berichtet: Eine Angelfirma sei verbotenerweise ins Bild gerückt worden. Leider schrieb die „BamS“ den Namen des Mitarbeiters der Angelfirma falsch, mit dem sie angeblich gesprochen hatte, und machte aus „David Haml“ einen „Hammel“. Vor allem aber sagte dieser Herr Haml hinterher der „taz“, dass er gegenüber der „BamS“ keineswegs „freimütig eingeräumt“ habe, Geld an die Produktionsfirma gezahlt zu haben. Im Gegenteil: Es sei „kein Geld geflossen“. Das bestätigen auch die Produktionsfirma und der ORF. Herr Haml wolle gegen die „BamS“ vorgehen.

Gut, das ist vielleicht nicht nötig: Die „BamS“ hat ja die Rubrik „Korrekturen“. — Nur leider fand sich darin für Herrn Hammel Haml kein Platz, weil stattdessen dieser schlimme Fehler berichtigt werden wollte:

Klong! – Klirr! – Schepper!

Dass Andrea Nahles am 18. Juli (!) bei Focus Online in einem Weblog-Eintrag zur Rechtschreibreform an zwei Stellen fälschlicherweise das statt dass geschrieben hatte, ist peinlich.

Dass „Bild“ sie dafür am 15. August (!) zum „Verlierer“ des Tages macht, ist zunächst mal seltsam.

Dass „Bild“ die Peinlichkeit mit den Worten „Wer im Glashaus sitzt…“ kommentiert, ist irgendwie lustig.

Dass „Bild“ sie allerdings als „Bundestagsabgeordnete“ bezeichnet, obwohl sie doch bekanntermaßen seit 2002 gar nicht mehr im Bundestag sitzt, ist, nun ja… typisch.

Mit Dank an Christoph für den Hinweis.

Ein erbärmliches Leben

In der heutigen „Bild am Sonntag“ fehlt ein Satz. Er lautet: „Andreas Türck, bitte tun Sie uns alle einen Gefallen und beenden ihre traurige Existenz.“

Dieser Satz steht nicht da. „Bild am Sonntag“-Autor Stefan Hauck hat ihn nicht hingeschrieben. Aber wenn man seinen langen Text über den Fernsehmoderator Türck liest, könnte man auf den Gedanken kommen, dass dieser Satz nur zufällig fehlt.

Das Urteil im Vergewaltigungs- Prozess gegen Andreas Türck soll erst am 8. September fallen. „Bild am Sonntag“ richtet schon heute über ihn. Türcks 36 Jahre nennt Stefan Hauck ein „erbärmliches Leben“: Türck sei ein Mensch mit sehr wenig Talent. Die „Summe seiner Begabungen“ reichte nicht aus, es zu mehr zu bringen, als zu einer kurzen, schäbigen Fernsehkarriere. Bald wäre er höchstens im „Dschungelcamp“ noch aufgetaucht, und Leute wie Hauck, der seit Jahren die Großen und Wichtigen für „Bild am Sonntag“ interviewt, hätten sich nicht mehr mit ihm auseinandersetzen müssen.

Doch dann kam die Anklage wegen Vergewaltigung und brachte Türck noch einmal in die Schlagzeilen. Allerdings ist es im Moment alles andere als sicher, dass Türck schuldig gesprochen wird. „Zweifel an Türcks Schuld mehren sich“, schrieb die „F.A.Z.“ am Freitag. Auch die „Bild am Sonntag“ scheint mit einem Freispruch zu rechnen. Nur ändert das für sie nichts an der Schuld Türcks, in einem ganz anderen als dem juristischen Sinne:

Nun ist es aber so, daß Andreas Türck auf seinem Rückweg in die vorhersehbare Bedeutungslosigkeit dann doch etwas Unvorhersehbares tat. Und deshalb sitzt er nicht im „Dschungelcamp“, sondern als Angeklagter auf einem blauen Polsterstuhl im Saal 165 C des Frankfurter Landgerichts.

Auch deshalb muß man kein Mitleid empfinden.

Es gibt zwei Möglichkeiten, diese Sätze zu deuten. Entweder will „Bild am Sonntag“-Autor Hauck sagen, dass er sicher ist, dass Türck die Frau vergewaltigt hat, ganz egal, ob man ihm das nachweisen kann und er von einem Gericht verurteilt wird. Für diese Möglichkeit spricht Haucks Formulierung, dass Türck „etwas Unvorhersehbares tat“. Im Klartext hieße dies: „Andreas Türck ist ein Vergewaltiger“. Oder „Bild am Sonntag“-Autor Hauck will sagen, dass Türck ein so verkommener Mensch ist, dass er es verdient hat, für einen Vergewaltiger gehalten zu werden, selbst wenn er keiner ist. Für diese Möglichkeit spricht Haucks Formulierung, dass man kein Mitleid mit ihm empfinden müsse. Im Klartext hieße dies: „Andreas Türck ist so schlimm wie ein Vergewaltiger.“

Was wirft die „Bild am Sonntag“ Andreas Türck vor, außer dass seine Karriere größer und länger gewesen sei, als ihm nach der „Summe seiner Begabungen“ zustand? Dass er sich angeblich gerne in Lokalen „im Halbschatten der Gesellschaft“ aufhielt, weil es „wenigstens hier Menschen gab, die ihn für eine große Nummer beim Fernsehen hielten“. Dass er angeblich Mädchen imponierte, „die Kaufhausmode tragen und ganz ernsthaft ‘Party machen’ sagen, wenn man sie fragt, was sie sich als ihre Zukunft vorstellen“. Und dass er, der Untalentierte, ernsthaft geglaubt hat, „sein Ticket in die Fernsehwelt wäre eine Dauerkarte“.

Im Grunde sagt Stefan Hauck zu Andreas Türck, dass er — ganz egal, ob er im September freigesprochen wird oder nicht — es nicht verdient hat, jemals wieder auf die Beine zu kommen. Oder „ins Licht“, wie Hauck es nennt. Dass ihm dieser Platz in der Öffentlichkeit nicht zusteht — nicht einmal als (möglicherweise zu unrecht) Angeklagter. Haucks Artikel ist eine einzige wütende Anklage: Wie kann Andreas Türck es wagen, ihn, den „BamS-Autor“, noch einmal mit seiner erbärmlichen Existenz zu behelligen?

Kurz korrigiert (2)

Anders als „Bild“ berichtet, waren es nicht „185 Gramm Rauschgift“, die die Polizei in der Wohnung fand, sondern – laut Polizeibericht186,5 Gramm Gebäck. (Mehr dazu im „Kölner Express“, im „Kölner Stadt-Anzeiger“ oder bei DrugBlog.de.)

Mit Dank an Johann A. für Hinweis & Scan.

Kurz korrigiert (1)

So. Erledigen wir schnell noch ein paar „Bild“- und Bild.de-Falschmeldungen der letzten Tage.

Linkspartei: Sie will alle Drogen freigeben!
Anders als „Bild“ berichtet, fordert nicht die Linkspartei die Freigabe aller Drogen, sondern die Jugendorganisation der Linkspartei in Sachsen.

Kugel verletzt Reporter vor Britneys Haus
Anders als „Bild“ berichtet, fiel der Schuss, der einen Paparazzo in Malibu traf, keineswegs vor dem Haus von Britney Spears, sondern vor einem ganz anderen Haus, in dem Spears angeblich zu Besuch gewesen sein soll.


Anders als „Bild“ berichtet, spielt Ashley Cole nicht inzwischen für Chelsea, sondern hat gerade erst seinen Vertrag mit Arsenal verlängert (vielleicht hat „Bild“ ihn mit Joe Cole verwechselt).


Anders als „Bild“ berichtet, ist dies nicht die „prächtige Villa“ des nordkoreanischen Diktators Kim Jong Il, sondern der Grenzort Panmunjeom, an dem Nord- und Südkorea miteinander verhandeln.

Nur ob Haarefärben nun zu Haarausfall führt, wie „Bild“ heute behauptet, oder Haarefärben überhaupt nicht zu Haarausfall führen kann, wie „Bild“ heute ebenfalls behauptet, wissen wir ehrlich gesagt auch nicht. Immerhin ist einer der beiden Artikel mit Sicherheit keine Falschmeldung.

Danke für die sachdienlichen Hinweise an Thomas F., Sunke S., André K., Nils B., Leander K., Johannes, Cay D und Marc E.

Nachtrag, 9 Uhr: Den Chelsea-Fehler hat Bild.de inzwischen korrigiert. Alle anderen stehen noch da.

Sexsüchtig II

In Deutschland finden regelmäßig sogenannte „Gang-Bang-Partys“ statt, auf denen einzelne Frauen mit vielen Männern Geschlechtsverkehr haben. Oft werden diese Ereignisse gefilmt oder fotografiert und als Pornos kommerziell verwertet. Bordelle werben mit besonders extremen Veranstaltungen solcher Art für sich. Für sie ist es ein Geschäft wie jedes andere.

Warum die „Bild“-Zeitung in dieser Woche über eine solche Aktion in großer Aufmachung und in einer Form berichtete, die das beteiligte Bordell und die veranstaltende Szene als Werbung für sich verstehen, konnten und können wir nicht beantworten. Immer deutlicher wird aber, dass die „Bild“-Artikel eine Reihe von Ungereimtheiten enthalten. „Bild“ erzählt die Geschichte als spontane Wette zweier Freundinnen. In ihrer vorgeblichen Empörung („Deutschlands perverseste Wette“) verharmlost die Zeitung dadurch den Charakter der Ereignisse.

„Was ist das nur für ein Mädchen, das mit 64 Männern schläft“, fragt „Bild“ und vergisst ein paar Details. Zum Beispiel jenes, dass Nathalie (in der Szene auch als „Nathi“ bekannt) häufiger zu ähnlichen Parties einlädt, bei denen man für 100 Euro das Recht bekommt, mit ihr Geschlechtsverkehr zu haben. Oder jenes, dass Nathalie auch auf der Seite des Bordells, in dem die angebliche „Sex-Wette“ ausgetragen wurde, ihre Dienste anbietet. Alles spricht dafür, dass Nathalie dieses Geschäft quasi-professionell betreibt und in Zukunft von der Aufmerksamkeit, die „Bild“ ihr beschert, erheblich profitieren dürfte. Diesen Werbeeffekt allein kann man „Bild“ vielleicht nicht vorwerfen, weil er ein möglicher Nebeneffekt jeder journalistischen Arbeit ist. Vorwerfen muss man der „Bild“-Zeitung aber, dass sie den kommerziellen und quasi-professionellen Hintergrund der „Orgie“ komplett verschweigt. Stattdessen druckt das Blatt ein Foto von Nathalie „mit ihren Kuscheltieren“ und den Satz: „Ein bißchen nachdenklich ist sie schon geworden. Aber die Sexaktion bereut sie nicht“.

„Bild“ behauptet, die beiden Frauen hätten 150 Euro gezahlt für die Miete der Zimmer im Bordell. Ein Mitarbeiter erzählt aber, dass sie „natürlich“ nichts dafür zahlen mussten (mal abgesehen davon, dass der in „Bild“ angegebene Zimmerpreis nicht stimme). Vieles deutet darauf hin, dass das Bordell auch die Kosten für die Sexpartner, die jeweils 50 Euro für ihre Teilnahme erhielten, übernommen hat. Zudem hatte das Bordell die Werbung im Vorfeld und die Organisation der Veranstaltung übernommen. „Bild“ behauptet auch, Nathalie gehe aufs „Brüggemann-Berufskolleg“ in Dortmund. Ein solches Kolleg gibt es nicht, möglicherweise meint „Bild“ ein Kolleg im „Brügmann-Block“. (Eine Anfrage dazu von uns an „Bild“ blieb unbeantwortet.)

Und dann ist da noch die Sache mit der Zahl der Geschlechtspartner. Ein Leser, der sich über die unterschiedlichen Angaben in „Bild“ und auf Bild.de gewundert hat, schrieb deshalb an „Bild“ und erhielt vom „Leserservice“ folgende Antwort:

Es handelt sich durchaus nicht um einen Fehler! Während die Ausgabe mit der Angabe „64“ bereits gedruckt und ausgeliefert war, hatten wir neue Informationen erhalten und die Zahl entsprechend reagiert [sic]. Womit wir eindrucksvoll bewiésen haben, wie aktuell BILD ist!

Bei dieser Antwort handelt es sich durchaus um einen Fehler! Tatsächlich war die Ausgabe mit der Angabe „100“ die erste, die gedruckt wurde. Erst später korrigierte „Bild“ die Zahl nach unten. Wenn man sich die Flyer ansieht, mit denen das Bordell für das „fucking race“ wirbt, ahnt man, was wirklich dahinterstecken könnte: Der „Wettbewerb“ sollte bis 24 Uhr laufen. Die Vermutung liegt nahe, dass „Bild“ einfach schon einmal, als die Veranstaltung noch gar nicht beendet war, irgendeine Zahl hingeschrieben hat.

Übrigens: Wie gut die Berichterstattung in „Bild“ als kommerzielle Werbung für die „Gang-Bang-Szene“ funktioniert, obwohl „Bild“ den Namen des Bordells nicht nennt, sieht man auf den „News“-Seiten des künftigen Schwestersenders Sat.1. Dort wird die „Bild“-Geschichte übernommen und mit den nötigen Links zu den Veranstaltern ergänzt.

Danke an alle Hinweisgeber!

Sexsüchtig

Es klingt wie ein Werbegeschichte für ein Bordell. Oder wie ausgeklügelte PR für einen Hardcore-Porno: Zwei junge Frauen sollen darum gewettet haben, welche von ihnen es schafft, in einem Bordell in Köln innerhalb eines Tages mit mehr Männern zu schlafen. „Bild“ nennt es „Deutschlands perverseste Wette“ und macht sie zum Aufmacher auf Seite 1.

2000 Männer sollen laut „Bild“ Schlange gestanden haben; jedem Geschlechtspartner boten die Frauen 50 Euro. Die „Schülerin“ und die „Hausfrau“ müssen mehrere Tausend (!) Euro investiert haben. Schließlich soll eine von beiden einen Schwächeanfall erlitten und das Experiment beendet haben.

Was steckt hinter dieser Geschichte? Anscheinend keine Porno- oder Puff-Werbung, sondern tatsächlich die Aktion zweier Frauen, die — nach Angaben des beteiligten Bordells, das den Artikel sofort stolz auf seine Homepage gestellt hat — seit Jahren in der „Swinger- und Gangbang-Szene“ unterwegs sind. Durch Zufall habe ein „Bild“-Redakteur eine E-Mail bekommen, mit der die beiden Frauen ihre Aktion in diesen Kreisen bekannt machte.

Die Familiengeschichte des 19-jährigen Mädchens, die den Wettbewerb „gewann“, klingt eher tragisch. Mit der „Bild“-Zeitung sei abgesprochen worden, Privates aus der Berichterstattung herauszuhalten, heißt es im Bordell. „Bild“ übe aber jetzt erheblichen Druck aus.

Womöglich eine ganz alltägliche Boulevardzeitungs- Geschichte, auf die jetzt diverse Fernsehsender aufspringen.

Ungewöhnlich ist jedoch, dass sie in zwei Versionen heute in „Bild“ zu lesen ist. Zunächst war die Rede von 100 Männern. In späteren Ausgaben der Zeitung (und am frühen Morgen bei Bild.de) waren es plötzlich nur noch 64. Auf unsere Frage, was hinter dieser Änderung steckt, erhielten wir von „Bild“ keine Antwort. Der Bordellbetreiber sagt, die richtige Zahl laute weder 100, noch 64, sondern 56.

Macht das einen Unterschied? Ja. Weil nur eine Zahl stimmt.

Vielen Dank für die zahlreichen Hinweise.

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