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Schlagzeilen für die Scheinwelt
(nzz.ch, set.)
Nach Unternehmen wie Adidas, IBM und Toyota bauen nun erste Medienhäuser virtuelle Niederlassungen in der Welt des Online-Spiels «Second Life». Bei den Aktivitäten von Firmen wie Reuters oder dem Axel-Springer-Verlag verwischen sich die Grenzen zwischen realer und fiktiver Welt. Die Präsenz hat den Effekt einer PR-Aktion.

«Zeitungen sind etwas anderes als Hamburger»
(bilanz.ch, Stefan Barmettler)
Seit Jahresanfang gehört die BILANZ zum Portefeuille von Axel Springer. Der Vorstandsvorsitzende, Mathias Döpfner, über die Grundwerte des grössten deutschen Verlags, dessen Auslandsengagements und Übervater Axel Springer.

Gut so
(freitag.de, Martin Böttger)
Muss Fernsehen denn wie Fußball sein?

„Die Quelle schweigt“
(fr-online.de, Volker Mazassek)
Wenn ein Sender wie ProSieben sich an der Historie versucht, wird es schon mal unfreiwillig komisch.

Standhafte Reporter im Sturm
(sf.tv, Video, 0:59 Minuten)
Viele europäische Fernsehstationen haben ihre Korrespondenten mitten aus dem Sturm ins Studio zugeschaltet. 10vor10 zeigt, wie die Reporter gegen die Sturmböen ankämpfen.

The last word
(nytimes.com, Video, 2:29 Minuten)
„Hi, I’m Art Buchwald and I just died“

Schleichwerbu can do

„Bild“ macht heute Veronica Ferres zum „Gewinner“ des Tages. Der Grund:

Sie hat BILD gelesen und sofort reagiert.

Weiterer Grund:

Veronika Ferres (41) hat sich via O2 bei LifeService, dem kostenlosen Handy-Ortungssystem der Björn-Steiger-Stiftung, registrieren lassen.

Aber warum „via O2? Ginge doch auch mit jedem anderen Mobilfunkanbieter. Ach so: Frau Ferres wirbt ja für O2. Und „Bild“ hat offensichtlich kein Problem damit, es auch zu tun.

Mit herzlichem Dank an Tobias R.

„Bild“ und der „Aids-Afrikaner“

Nachdem es „Bild“ im Fall des „unheimlichen Aids-Manns“ heute sogar berichtenswert findet, dass einem rechtskräftig Verurteilten (ganz so, wie es das Gesetz vorsieht) die Untersuchungshaft auf seine Haftstrafe angerechnet wird…

… müssen wir wohl doch mal auf einen Halbsatz zu sprechen kommen, mit dem „Bild“ und Bild.de frühere Berichte über den Fall garniert hatten. Der Fall an sich ist schlimm und verzwickt, aber unstrittig: Beim „unheimlichen Aids-Mann“ handelt es sich um den HIV-positiven Kennedy O., den „Bild“ auch schon mal den „Aids-Afrikaner“ nannte. Obwohl bereits 1999 von einem Gesundheitsamt verpflichtet, seine Sexpartnerinnen über seine HIV-Infektion zu informieren, hatte O. offenbar „mindestens eine seiner Liebhaberinnen“ angesteckt und wurde „wegen gefährlicher Körperverletzung und neunfacher versuchter gefährlicher Körperverletzung zu fünf Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt“.

Doch vor dem Urteil schrieb „Bild“:

Anwalt Hanjo Schrepfer kämpft dafür, dass O. nach drei Jahren und sechs Monaten wieder freikommt – und bis an sein Lebensende auf Krankenkassenkosten in Deutschland behandelt wird.
(Hervorhebung von uns.)

Und nach dem Urteil schrieb Bild.de:

Anwalt Hanjo Schrepfer hatte dafür gekämpft, dass O. nach drei Jahren und sechs Monaten wieder freikommt – und bis an sein Lebensende auf Krankenkassenkosten in Deutschland behandelt wird.
(Hervorhebung von uns.)

Ein merkwürdiger Halbsatz: Wäre es „Bild“ lieber, wenn der HIV-positive Mann nicht bis an sein Lebensende behandelt würde? Nicht auf Krankenkassenkosten? Nicht in Deutschland? Merkwürdig ist der Halbsatz aber auch, weil Anwalt Schrepfer auf unsere Nachfrage hin bestreitet, dafür gekämpft zu haben, dass O. bis an sein Lebensende auf Krankenkassenkosten in Deutschland behandelt wird. Vielmehr handelt es sich bei der „Bild“-Formulierung offensichtlich um eine Umschreibung dafür, dass Schrepfer sich auch dafür einsetzt, dass sein Mandant, dessen medizinische Versorgung täglich 70 Euro koste, aus humanitären Gründen nicht in sein Heimatland Kenia abgeschoben wird.

Und so gesehen wäre es von „Bild“ genau so sinnlosvoll gewesen, zu behaupten, die Staatsanwaltschaft hätte mit ihrem Antrag auf acht Jahre Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung dafür gekämpft, dass der Angeklagte jahrelang auf Staatskosten behandelt wird.

Hinten, unten, klein, spät

Im September 2006 hat der Presserat die „Bild“-Zeitung dafür gerügt, dass sie ohne Einwilligung der Eltern das Foto des zehnjährigen Jungen veröffentlichte, der bei einem Terroranschlag in Ägypten getötet worden war.

„Bild“ hat sich verpflichtet, die Rügen des Presserates abzudrucken.

Aber wie, wann und wo? Das Blatt ist ja auch ohne Rügen jeden Tag immer schon voll.

Heute, über drei Monate nach dem Urteil des Presserates, ergab sich in der „Bild“-Zeitung offenbar auf den hinteren Seiten endlich eine Lücke, die groß genug war, um den schweren Verstoß der „Bild“-Zeitung gegen das Persönlichkeitsrecht eines toten zehnjährigen Jungen in angemessener Größe zu würdigen:

Danke an Nadja G.!

Diese Vollpfosten!

"Kennen Sie eigentlich auch Ameisentitten?"
Ja, kennen wir, ehrlich gesagt*. Aber wieso „auch“? Bei Bild.de weiß man nämlich offenbar nicht, was „Ameisentitten“ sind, hat aber ausgerechnet diesen Begriff gewählt, um ihn an diversen Stellen auf Bild.de in Überschriften zu verwenden. Sowas Dummes aber auch.

*) „Ameisentitten“ bezeichnen laut „Wörterbuch der Jugendsprache 2007“ Gänsehaut, während die „verfilzten Haare“, wie Bild.de „Ameisentitten“ fälschlicherweise übersetzt, dieses Jahr „Amateurlocken“ (2006 noch „Zeckenmatte“) heißen.

Mit Dank an Jörg F. für den sachdienlichen Hinweis.

6 vor 9

Günther Jauch und die ARD
(ndr.de, Video, 12:44 Minuten)
Ausführlicher Bericht zur Causa Jauch mit Einschätzungen verschiedener Medienjournalisten wie Michael Hanfeld oder Stefan Niggemeier.

Der Weg der Journalisten in die Digitale
(basicthinking.de)
Robert Basic macht sich Gedanken über die Welt der Informationsherrschaften namens ?Presse? / ?Medien?.

Internet-Shows erobern das Fernsehen
(stern.de, Till Frommann)
Immer öfter schaffen ursprünglich fürs Internet produzierte Formate den Sprung ins Fernsehen. Für die Programmgestalter eine gute Sache: Schließlich liefern die Online-User auf diese Weise Inhalte zum Nulltarif.

Auf Niveau Meereshöhe
(facts.ch, Marianne Fehr)
Gewinnen können bei Fernsehformaten wie «MusicStar» oder «Deutschland sucht den Superstar» nur die Juroren.

Auf Tuchfühlung mit dem Publikum
(blogwerk.com, Peter Hogenkamp)
Blogs sind als private Tagebücher gross geworden. Inzwischen haben auch viele Unternehmen Corporate Blogs als effektives wie effizientes Kommunikationsmedium entdeckt. Erfolg hat in der Blogosphäre allerdings nur, wer einige Grundprinzipien beachtet.

„Lügner reden immer nur von Notlügen“
(spiegel.de, Kristina Neumann und Sebastian Hofer)
PR-Berater lügen, sagt der PR-Berater und frühere VW-Sprecher Klaus Kocks – und erregt damit den Zorn seiner Kollegen. Ein Interview über Moral, Wahrheit und seine Behauptung, dass Angela Merkel alles richtig macht.

Killer spielen Killerspiele

Nicht jedes Computerspiel, in dem irgendwelche Figuren getötet werden, ist ein böses Killerspiel.

Das sagen nicht wir, das sagt „Bild“. Heute berichtet die Zeitung groß über die vielen jungen Leute, die gestern um Mitternacht ein Elektronikgeschäft „stürmten“, um so früh wie möglich die Erweiterung „The Burning Crusade“ zu dem Rollenspiel „World of Warcraft“ zu kaufen.

World of Warcraft??

„Bild“ klärt auf:

Wer hinter dem Namen ein „Killerspiel“ vermutet, liegt falsch: Bei „World of Warcraft“ (…) steht die Kommunikation im Vordergrund. Die Spieler treffen sich im Internet, lösen gemeinsam Aufgaben. Tauchen ab in eine Fantasiewelt voller Elfen, Zwerge und Trolle.

Oooooh: Elfen.

Dass es bei aller Kommunikation auch in „World of Warcraft“ gelegentlich hilft, Feinde zu töten, erwähnt „Bild“ nicht. Offenbar ist das also für die Definition, was ein „Killerspiel“ ist, nicht entscheidend.

Gestern berichtete „Bild“ über ein anderes Computerspiel: „Final Fantasy VII“*. Das sollen nach Informationen der Zeitung die beiden Jugendlichen exzessiv gespielt haben, die am Wochenende in Tessin ein Ehepaar „totgemetzelt“ („Bild“) haben. „Bild“ schrieb gestern:

Die Idole der Jungen: „Sephiroth“, der mit seinem Langschwert unschuldige Bewohner tötet. Und „Reno“, der den Anführer der Guten killen soll. (…)

Am Tatabend sollen sich die Killer mit den Spielnamen angeredet haben. Wollten sie sein wie ihre Vorbilder, ohne Gnade töten, wie sie es schon hundertmal am PC geübt hatten?

Die „Bild“-Zeitung lässt keinen Zweifel, dass „Final Fantasy VII“ im Gegensatz zu „World of Warcraft“ ein gefährliches Killerspiel ist. Die Nachrichtenagentur dpa nannte „Final Fantasy VII“ unter Berufung auf „Bild“ entsprechend ein „Gewalt-Computerspiel“.

Menschen, die „Final Fantasy VII“ spielen, halten die Spielbeschreibung und das Urteil für abwegig. Und die Unabhängige Selbstkontrolle USK hat dem Spiel aus dem Jahr 1997 eine Freigabe ab 12 Jahren erteilt — dieselbe übrigens wie „World of Warcraft“, das bekanntlich den „Bild“-Unbedenklichkeitsstempel trägt. Die USK erklärt diese Kategorie so:

Kampfbetonte Grundmuster in der Lösung von Spielaufgaben. Zum Beispiel setzen die Spielkonzepte auf Technikfaszination (historische Militärgerätschaft oder Science-Fiction-Welt) oder auch auf die Motivation, tapfere Rollen in komplexen Sagen und Mythenwelten zu spielen. Gewalt ist nicht in alltagsrelevante Szenarien eingebunden.

Das Bild, das die „Bild“-Zeitung von dem Spiel zeigt (siehe Ausriss), ist eindrucksvoll, kein Zweifel. Aber es ist auch irreführend. Die Szene stammt nämlich gar nicht aus „Final Fantasy VII“, sondern offenbar aus dessen späterem Ableger „Dirge of Cerberus** (ab 16 Jahren), und darin geht es nicht um „Reno“ und „Sephiroth“.

Aber was ist nun ein Killerspiel? Warum erklärt „Bild“ ein Spiel (frei ab 12) für gefährlich und ein anderes (frei ab 12) für ungefährlich?

Oder kann es sein, dass der Begriff „Killerspiel“ für „Bild“ einfach jedes Spiel bezeichnet, das jemand spielt, der später zum Killer wurde?

*) erhältlich im Bild.de-Shop
**) erhältlich im Bild.de-Shop

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber.

Nachtrag, 18.1.2007 (mit Dank an Michael H. und Simon S.): Noch wahrscheinlicher ist allerdings, dass die abgebildete Szene gar nicht aus einem Computerspiel stammt, sondern aus dem Film „Final Fantasy VII — Advent Children“ (frei ab 12).

Nach Angaben der Geisel in einer Fernsehsendung gestern abend haben die beiden Jugendlichen vor der Tat tatsächlich diesen Film gesehen, in dem auch die Figuren „Sephiroth“ und „Reno“ auftauchen. Diesen Film, den die Nachrichtenagentur dpa trotz seiner Freigabe ab 12 Jahren nun ein „Gewaltvideo“ nennt, hielt „Bild“ offenbar fälschlicherweise für das Computerspiel „Final Fantasy VII“.

„Spannertum und sittliche Empörung“

Schräg, kultig, schmutzig? Mit sinkender Auflage und wachsender Hysterie? „Bild“ enthüllte, dass der CSU-Politiker Horst Seehofer eine „heimliche Freundin“ habe, die von ihm im 4. Monat schwanger sei. Deshalb ist „Bild“ heute auch Thema in anderen Medien. Ein kleine, unvollständige Presseschau:

„Berliner Zeitung“:

Mittlerweile hat sich die Bild-Zeitung, obwohl ihre Auflage seit Jahren sinkt, eine gewisse Beachtung auch in sogenannten besseren Kreisen verschafft, wo man im Kokettieren mit dem, was man „schräg“ oder „kultig“ findet, seine Vorurteilslosigkeit beweist. Und so kam es, dass in diesen Tagen ein solches Organ in den Streit um Stoiber eingreifen kann, indem es über einen möglichen Nachfolger schreibt, er habe eine Geliebte, die von ihm schwanger sei. (…) [E]inen Nutzen aus der Geschichte zieht die Bild-Zeitung selbst, die seit je mit der Mischung aus Spannertum und sittlicher Empörung ihre Leser befriedigt. (…) Wie jemand sein Sexualleben führt, ist allein seine Sache und die seiner Partner (…). Es geht nicht darum, irgendjemandem seine Freuden zu verleiden. Aber was ist es für eine Gesellschaft, die sich täglich, millionenfach und öffentlich anzoten lässt?

 
„Süddeutsche Zeitung“:

Das Blatt selbst hat sich in der Überschrift des ersten Artikels zutreffend charakterisiert: Da steht das Wort „schmutzig“. Dieser Selbstbeurteilung kann man nicht widersprechen, denn auf diesem Terrain kennt das Blatt sich aus.
(Link von uns.)

 
Michael Haller auf Stern.de:

Die „Bild“ verliert seit zehn Jahren kontinuierlich an Auflage. Mit wachsender Hysterie sucht sie nach Knallern, mit denen sich Auflage machen lässt. Und bei Politikern hat sie keine Hemmungen, schließlich sind da die Anzeigenkunden außen vor. Wenn es um Wirtschaftsthemen geht, sucht die „Bild“ viel eher Möglichkeiten der Kooperation – deutlich erkennbar zum Beispiel beim Fall Dieter Bohlen und „Deutschland sucht den Superstar“. Das hat nichts mehr mit Journalismus zu tun, hier geht es um Win-Win-Geschäftsmodelle.

 
„Augsburger Allgemeine“:

In gut informierten Berliner Kreisen wird eine ganz andere Version gehandelt: Seehofers Freundin selbst soll das Boulevardblatt informiert haben. Und zwar, weil der Minister mit ihr Schluss machen und zur Familie zurückkehren wollte, heißt es. Bild soll die Story schon seit Wochen in der Schublade gehabt haben und nur auf einen günstigen Zeitpunkt zur Veröffentlichung gewartet haben.

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Stadt Wiesbaden kürzt Arbeitslosenhilfe für Henrico Frank
(welt.de)
Weil er sich nicht um die angebotenen Stellen gekümmert hat, muss Henrico Frank nun mit weniger Hartz-IV-Hilfe auskommen. Ab dem 1.Februar wird die monatliche Leistung von derzeit 345 Euro um 30 Prozent gesenkt. Frank war durch seinen Streit mit SPD-Chef Kurt Beck in die Schlagzeilen geraten.

Kohle und Kies, Knete und Kröten
(jungle-world.com)
Wo gibt es Geld zu holen? Die Experten der Jungle World wissen Rat.

Intelligenz im Ohr
(sueddeutsche.de, Yvonne Göpfert)
Musik, Kultur, Forschung oder Politik – es gibt eigentlich nichts, wozu sich nicht ein Podcast im Internet findet. Seit gut einem Jahr kann man auch Fremdsprachen mit der neuen Technik lernen.

„Lieber nicht am Telefon“
(tagesspiegel.de, Marc Felix Serrao)
Thomas Roth, künftiger Leiter des ARD-Studios in Moskau, über Putin und russische Pressefreiheit.

Von Popmusik bis Politik
(berlinonline.de)
In eigener Sache: Über die Blogs der Berliner Zeitung.

Was Leser wirklich lesen!
(axel-springer-akademie.de, Video)
Ein kurzes Interview aus dem Jepblog der Axel-Springer-Akademie mit Christa D., 72, Berlinerin.

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