„Bild“ benutzt toten Bruno zum Aufbinden

Herz des Bären heimlich verbrannt

Diese verstörende Exklusiv-Information über „Bruno“ alias „JJ1“ prangt heute in „Bild“. Im Text heißt es:

Wo ist Bruno jetzt? Im Tiermedizinischen Institut München. Dort wurde er gewogen, seine Innereien wurden herausgenommen und verbrannt.

Erstaunliche Informationen. Denn eigentlich wollten die Verantwortlichen gegenüber der Presse keine Details oder Bilder vom getöteten Bären herausrücken.

Das ist natürlich für „Bild“ kein Zustand. Die Mitarbeiter (gleich neun sind in der Autorenzeile genannt) müssen die Tierärztliche Fakultät ziemlich gelöchert haben, zumindest heiß es dort, man sei durch die dauernden Nachfragen am gestrigen Tag „geschädigt“: „Mit Sicherheit wurde keine Aussage über die Innereien gemacht.“ Woher die Information stamme, wisse man nicht.

Das macht auch nichts, denn sie ist eh falsch. Eine Sprecherin des für die Pressearbeit im Fall „Bruno“ zuständigen bayerischen Umweltministeriums sagte uns:

„Die Innereien werden ebenfalls untersucht und für wissenschaftliche Zwecke verwendet. Sie werden nicht verbrannt.“

Übrigens: Mit dem heutigen Text widerlegt Bild auch eine eigene Behauptung vom 22. Juni. „Wer ‚JJ1‘ abschießt, darf ihn als Trophäe behalten!“, hieß es da. Das muss sogar bei „Bild“ irgendwann jemandem komisch vorgekommen sein. Gestern hat man deshalb einfach mal beim Umweltministerium nachgefragt, ob das überhaupt stimmt, was man da selbst geschrieben hatte. „Nein“, lautete die Antwort. „Der Bär wird vollständig ausgestellt.“

Nachtrag, 28. Juni. So liest sich das also, wenn die „Bild“-Zeitung eine eigene Falschmeldung korrigiert:

Leugnen. Schweigen. Widersprüche. (…)

WIR WOLLEN DIE GANZE WAHRHEIT WISSEN! (…)

Erst hieß es, Brunos Herz und die anderen Innereien seien verbrannt worden. Die Wahrheit: Sie liegen in einer geheimen Kühlkammer (7 Grad Celsius).

Von der Existenz einer „geheimen“ Kühlkammer weiß man in der Tierärztlichen Fakultät zwar nichts. Richtig sei aber, sagte man uns, dass man Brunos Innereien nicht in der prallen Sonne aufbewahre.

Kurz korrigiert (124)

Franz Josef Wagner schreibt heute an die „WM-Schiedsrichter“ und beschwert sich, ups, Verzeihung, beschwert sich, dass die zu viele gelbe und rote Karten zeigen. Dabei stellt er fest:

Wir operieren inzwischen in den Gehirnen und Zellen der Menschen, Flugkörper fliegen außerhalb unserer Galaxie.

Und wenn Wagner hier nicht außerirdische Flugkörper meint, dann ist das natürlich Unsinn. Der am weitesten von der Erde entfernte von Menschen gebaute Flugkörper ist nämlich die Sonde „Voyager 1“. Sie durchfliegt gerade die Grenze unseres Sonnensystems in rund 14 Milliarden Kilometern Entfernung. Das ist ganz schön weit weg. Um aber unsere Galaxie, also die Milchstraße, auf dem kürzesten Weg zu verlassen, müsste „Voyager 1“ noch mal rund 1000 Lichtjahre, bzw. 9,5 Billiarden Kilometer zurücklegen – wenn sie die richtige Richtung eingeschlagen hat.

Mit Dank an Roland W. und Klemens K. für den Hinweis.

Tolle News vom Elternabend

„Schlägereien auf dem Schulhof, Handyklingeln im Unterricht, Klappmesser in der Hosentasche – an vielen Schulen ist das Alltag. Die Gesamtschule Badenstedt (Niedersachsen) macht Schluß damit!“

So stand’s am Samstag in „Bild“. Überschrift:

"Nicht spucken, nicht erpressen und keine tiefen Ausschnitte! 1. Friedensvertrag in deutscher Schule"

Nur haben wir nicht den blassesten Schimmer, wie „Bild“ darauf kommt, dass es an der „Gesamtschule Badenstedt“ den „1. Friedensvertrag in deutscher Schule“ gebe — mit strengen „Friedensregeln“ wie „züchtige Kleidung“, „keine elektronischen Geräte“ oder „Fotografier- und Filmverbot“ und „harten Strafen“, denn…

… so ziemlich alles, was „Bild“ da als „1. Friedensvertrag in deutscher Schule“ auflistet, ist in Schulverträgen, Schulordnungen und/oder Hausordnungen vieler, vieler, vieler vieler anderer deutscher Schulen schon seit Jahren Gang und Gäbe. Und am Schulzentrum Badenstedt hat man sich unlängst bloß entschieden, die eigene Schulordnung entsprechend zu erweitern und zu aktualisieren, wie uns Thomas Fitzner als einer der Schulleiter sagt.

Und so sind offenbar auch die angeblichen „Friedensregeln“ aus dem angeblichen „Friedensvertrag“ nichts weiter als ein bunter „Bild“-Mix von z.T. bereits seit 2002 geltenden Regelungen und der nun aktualisierten Schulordnung.

Und weil sich an Fitzners Schulzentrum partout kein „Friedensvertrag“ finden lässt, ist das Stück Papier, das der Schulleiter für „Bild“ so schön in die Kamera hält (O-Ton: „Thomas Fitzner, Leiter der Hauptschule, zeigt den Vertrag“), laut Fitzner auch nichts weiter als der ohnehin schon länger gültige und eher unspektakuläre „Schulvertrag“.

Mit Dank an Adrian G. für den Hinweis.

Kurz korrigiert (123)


Links, das ist Luis Alfredo Palacio Gonzales, Präsident von Ecuador.

Und wer ist der Mann rechts?

Nun ja, die Meinungen gehen auseinander.

Die allermeisten Medien behaupten zwar übereinstimmend, es sei Horacio Sevilla-Borja, der ecuadorianische Botschafter.

Aber die „Bild“-Zeitung behauptete, es handele sich dabei um „Ecuardors Staatspräsident Alfredo Palacio“.

Ts, wem soll man da jetzt glauben?

Mit Dank an Thorsten R., Philipp M. und Günther Jauch für den Hinweis.

Kurz korrigiert (122)

Anders als der Big Mac — und anders als Bild.de den Bild.de-Lesern erzählt — kommt das „US-amerikanische Wirtschaftsmagazin ‚The Economist‘bekanntlich nicht aus den USA, sondern seit über 160 Jahren aus Großbritannien.

Mit Dank an Tilman K. für den Hinweis.

Nachtrag, 26.6.2006, 9.30 Uhr: Guten Morgen. Bild.de hat den Fehler korrigiert.

„Na, wie wär’s mal mit nem Buch?“

Wir müssen noch mal kurz auf diese merkwürdige In-&-Out-Geschichte zurückkommen.

OUT: Völlig sinnentleert und obergelangweilt Löcher in die Wand starren. Na, wie wär

Dass „Bild“ plötzlich dringend vor dem Nichtstun warnte und zum Lesen aufforderte, ist nämlich nicht mehr ganz so abwegig, wenn man weiß, von wem das empfohlene Buch stammt. Die Herausgeberin heißt Ulla Bohn, und bis vor einem Jahr stand sie noch im Impressum der „Bild“-Zeitung: als Kulturchefin.

Danke an Christian M.!

Lachen mit „Bild“

Geschmacklos! Will „Bild“ unseren Poldi kaputt machen?

Seit Tagen ist auf Bild.de folgender Witz aus der „Bild“-Zeitung zu lesen:

Poldi zu Schweini: „Sag mal, welches Datum haben wir heute?“ Schweini: „Schau doch in die Tageszeitung!“ — „Habe ich schon, aber die ist von gestern!“

Ungerührt verhöhnt die Boulevardzeitung unseren Stürmer als strohdummen Voll-Proll. Lustig ist das nicht. Man fragt sich: Will „Bild“ Poldi kaputt machen?

BILDblog meint: „Bild“ würde Größe zeigen, wenn sie Poldi nicht länger lächerlich macht und den „Witz“ endlich aus dem Netz —

Halt! Stopp! War ganz anders: Es sind ja die Witze der ARD über Poldi, die „geschmacklos“, „nicht lustig“ und ein „Skandal“ sind, und bei denen man „Bild“ sich fragt: Will die ARD Poldi kaputt machen, indem sie ihn als strohdumm hinstellt?

Apropos „strohdumm“: Bei „Bild“ hat man einige der „Lukas‘ Tagebuch“-Beiträge von Eins Live und You FM abgetippt, darunter diesen:

Zur Zeit dicke Luft im Hotel. Kein Wunder: Balle-Ballack und Totti Frings haben 40 Kalt-Buller gegessen und machen Rülpskonzert im Frühstücksraum. Die Vollidioten, ey!

Kalt-Buller??? Schlimm, wenn man als „Bild“-Mitarbeiter sogar Comedy schlimm finden muss, die man nicht einmal verstanden hat.

Danke an Maja I. und Mike S.!

Kurz korrigiert (121)

Richtig ist, dass Norbert Röttgen in der Kritik steht, weil er vom kommenden Jahr an sowohl Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) als auch Bundestagsabgeordneter für die CDU sein will.

Unwahrscheinlich ist aber, dass er nun auch noch SPD-Mann wird.

SPD-Röttgen

Nachtrag, 9.00 Uhr. Ah, nun heißt es bei Bild.de: „SPD über Röttgen“.

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