Ex-Terroristen und ihr Persönlichkeitsrecht

Wie berichtet dokumentiert die „Bild“-Zeitung heute fast ganzseitig ihr eigenes Scheitern: Trotz eines erheblichen Aufwandes ist es keinem der zahlreichen „Bild“-Mitarbeiter, die bei der Entlassung der Ex-RAF-Terroristin Brigitte Mohnhaupt auf der Lauer lagen, gelungen, Fotos von ihr zu machen. Stattdessen zeigt „Bild“: einen blauen VW-Bus bei Nacht, eine zeitlose Außenansicht der JVA Aichach, den Gefängnisdirektor — und natürlich, wie Mohnhaupt vor einem Vierteljahrhundert auf einem Fahndungsfoto aussah. Die Enttäuschung darüber ist „Bild“ förmlich anzumerken:

Dass die nächtliche Belagerung der JVA Aichach der letzte Versuch von „Bild“ gewesen sein könnte, Mohnhaupt zu fotografieren, ist unwahrscheinlich. Und dass die „Bild“-Verantwortlichen nicht zögern, ihren Lesern aktuelle Mohnhaupt-Fotos zu zeigen, ist ja bekannt. Bleibt die Frage: Dürften sie das?

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„Frei erfunden“: Bizarre Mohnhaupt-Entlassung

Nun ja, dass die Ex-Terroristin Brigitte Mohnhaupt in der Nacht zum Sonntag bei ihrer Entlassung aus dem Frauengefängnis Aichach von Journalisten angesprochen worden sei und gesagt habe, „dass sie keine Interviews geben und in Ruhe gelassen werden wolle“, ist offenbar nicht wahr. Behauptet hatte das die Nachrichtenagentur dpa (und u.a. auch „Süddeutsche Zeitung“, süddeutsche.de, heute.de und stern.de). In den „Aichacher Nachrichten“ heißt es dazu unter Verweis auf den Gefängnisdirektor Wolfgang Deuschl:

Kann schon sein, dass da jemand fotografiert oder angesprochen wurde (…): Aber sicher nicht die ehemalige Gefangene.

Das „Bild“-Märchen von der Mohnhaupt-Entlassung:

1.40 Uhr: Durch die Sicherheitsschleuse an Gefängnistor 2 fährt ein weißer VW Golf in die JVA.
1.50 Uhr: Der Wagen verlässt die JVA wieder durchs Haupttor, parkt außerhalb des Geländes.
1.57 Uhr: Ein blauer VW-Bus (…) rast (…) aus dem Knast. BILD-Reporter Sigi Kiener: „Auf der Rückbank saß zusammengekauert eine Frau. Sie versteckte sich unter einer Decke. Ich konnte nur ein paar blonde Strähnen sehen.“ Die wartenden Journalisten sind sich sicher: „Das ist die Mohnhaupt“ und nehmen die Verfolgung auf.
1.57 Uhr: Ein JVA-Beamter fährt mit dem weißen Golf unbemerkt vor die Wohnung des Knastchefs auf dem Gefängnisgelände.
1.58 Uhr: JVA-Beamte führen Mohnhaupt von ihrer Zelle in den Garten des JVA-Chefs. Durch eine Gartenpforte verlässt sie den Vorgarten, steigt zu dem JVA-Beamten in den Golf. Der fährt sie zu einem Parkplatz bei Aichach. Dort wartet eine Freundin der Ex-Terroristin in einem dunklen Wagen. Versteckt bewachen und beobachten LKA-Personenschützer alles – um einzugreifen, falls doch ein Fotograf auftaucht.
2.15 Uhr: Mohnhaupt steigt in das Auto ihrer Bekannten. Die Frauen umarmen sich kurz. Dann fahren sie auf die Autobahn A 8 München–Stuttgart. (…)

Ausrisse und O-Ton: „Bild“ vom 26.3.2007

Aber kommen wir zur „Bild“-Zeitung, die (Augenzeugen zufolge) „eine Art ‚Schichtdienst‘ zur Überwachung rund um die JVA eingerichtet“, 20 Zimmer angemietet und in der fraglichen Nacht rund zehn Reporter mit mehreren Autos vor Ort hatte. Denn auch „Bild“ berichtet heute natürlich groß über Mohnhaupts Haftentlassung. Beziehungsweise:

BILD dokumentiert die letzten bizarren Stunden in Gefangenschaft.

Es folgt eine detaillierte und überaus komplizierte Geschichte, zu der uns Gefängnisdirektor Deuschl auf Anfrage sagt:

Am „Bild“-Bericht stimmen drei Dinge. Erstens: Es ist (wenngleich nicht um 1.40 Uhr wie „Bild“ behauptet, sondern um 1.20 Uhr) ein weißer Golf auf das Gelände der JVA gefahren. Zweitens: Um 1.57 Uhr hat ein VW-Bus das JVA-Gelände verlassen. Und drittens: Am Sonntagmittag gab es Eintopf mit Wursteinlage.

Was „Bild“ darüber hinaus noch so „dokumentiert“, ist laut Deuschl „frei erfunden“. Und Deuschl meint damit nicht nur das eigentliche Märchen der Mohnhaupt-Entlassung (siehe Kasten), sondern auch viele andere „Bild“-Details. So habe Mohnhaupt z.B. weder um Mitternacht geweckt werden müssen, noch habe sie anschließend „die blaue Sträflingskleidung“ abgelegt, weil es in der JVA Aichach nicht nur keine „blaue“, sondern „gar keine Sträflingskleidung“ gebe. Und auch, dass der VW-Bus aus dem Knast gerast sei, will Deuschl nicht bestätigen. Der Wagen habe die JVA langsam verlassen — gerast sei da höchstens einer der „Bild“-Reporter bei seinem offenbar erfolglosen Versuch, einen Blick ins Wageninnere zu erhaschen…

Nachtrag, 27.3.2007: In einem weiteren, ausführlichen Artikel zitieren die „Aichacher Nachrichten“ Gefängnischef Deuschl zur „Bild“-Version der Mohnhaupt-Entlassung mit den Worten: „Schlichtweg völliger Blödsinn.“

Aufgedeckt: Wie „Bild“ den „Piano-Mann“ fand

Am vergangenen Donnerstag berichtete Jürgen Damsch, einer der Chefreporter von „Bild“, über den nunmehr 22-jährigen „Piano-Mann“ (der vor zwei Jahren weltweit Schlagzeilen machte) und druckte „das erste Foto von ihm, seitdem er aus England zurückgekehrt ist“, denn:

BILD fand ihn jetzt (…), sprach ihn auf dem Weg zur Uni an: „Wie geht es dem Piano-Mann heute?“ Er winkt ab: „Das interessiert doch niemanden mehr auf der Welt.“ Wenn er sich da mal nicht täuscht…

Der letzte Satz klingt merkwürdig — passt aber leider sehr gut zu dem, was der „Piano-Mann“ Andreas G. mit „Bild“ erlebt hat. Er hat sich bei uns gemeldet und schildert ausführlich die Vorgeschichte zum „Bild“-Artikel:

Kurz vor Weihnachten rief ein Mann, der sich als Kriminalpolizist ausgab, bei meinen Eltern an und behauptete, er müsse meine Adresse erfahren, weil ich ein Verbrechen begangen hätte. Auf Nachfrage der Eltern behauptete der Anrufer, ich sei zu schnell mit dem Auto gefahren, was die Eltern stutzig machte, weil ich gar kein Auto besitze. Ob es sich dabei um einen „Bild“-Mitarbeiter handelte, weiß ich nicht.

Anfang Januar dann tauchte jemand, der sich als „Bild“-Mitarbeiter ausgab, vor meiner Wohnung auf und wollte mit mir reden, was ich ablehnte. Am nächsten Tag stellte mir der mutmaßliche „Bild“-Mann nach und fotografierte mich.

Am Montag vergangener Woche sprach mich ein anderer Mann, aller Wahrscheinlichkeit nach Jürgen Damsch (der Autor des heutigen „Bild“-Artikels), beim Verlassen meiner Wohnung an, begleitete mich gegen meinen Willen auf meinem Weg durch die Stadt und „drohte“ mir, dass anderntags „die ganze Weltpresse“ vor meiner Tür stünde, wenn ich ihm nicht ein Interview für die „Bild“-Zeitung gäbe. Nachdem ich abermals deutlich machte, dass meinerseits an einem Interview kein Interesse bestehe, machte er ohne meine Einwilligung zahlreiche Fotos von mir, u.a. auch jenes, das in der heutigen „Bild“ abgedruckt ist.

Am darauffolgenden Dienstag hat mich der mutmaßliche „Bild“-Reporter, der offenbar auch mit meinen Vermietern gesprochen hat, gemeinsam mit einem Kollegen durch die Stadt verfolgt und einfach nur versucht, möglichst viele Fotos zu schießen. Ich habe die beiden dabei ausdrücklich, aber erfolglos darauf hingewiesen, dass ich nicht fotografiert werden möchte.

Am Mittwoch habe ich schließlich „Sicherheitsmaßnahmen“ getroffen, um keinem Reporter zu begegnen.

Falsch ist daher im „Bild“-Artikel u.a. die Behauptung, ich hätte am Vortag „um 13 Uhr“ das Haus verlassen und „um 13.15 Uhr“ im Computersaal der Uni gechattet. Ebenso stammt das Zitat am Artikelende („Ich bin sexy. Ich bin nicht arm. Ich würde sterben für den Tod.“) wie die Internetseite, auf der es zu finden war, nicht von mir.

Meine Vermieter bestreiten zudem, dass sie die Aussagen gemacht hätten, die ihnen in „Bild“ zugeschrieben werden.

Wir haben keinen Grund, an G.s Schilderung zu zweifeln.

6 vor 9

Machen Blogger die Journalisten überflüssig?
(krusenstern.ch, Jürg Vollmer)
Machen Blogger die Journalisten überflüssig? Diese Frage stellte ich heute am 1. BlogCampSwitzerland. Dabei verglich ich die Russland-Berichterstattung der Klassischen Medien mit jener der Weblogs. Rund 200 Zuhörer besuchten die Blogkonferenz an der ETH Zürich und diskutierten die Thesen von 20 Referenten.

Das Internet spielt nur die Nebenrolle
(nzz.ch, Niels Anner)
Moritz Leuenbergers politisches Blog ist in aller Munde. Doch im Wahlkampf 2007 wird das Internet eine marginale Rolle spielen. Schweizer Wahlerfolge entstehen nicht im Netz.

Woher kommt der Hass im Netz?
(welt.de, Adriano Sack)
Das Internet könnte das Paradies sein, in dem Menschen klug und scharfsinnig debattieren. Stattdessen gehören Beleidigungen, Unterstellungen, Diffamierungen zum ganz normalen Umgangston. Der Stammtisch 2.0 unterliegt ganz eigenen Regeln.

Warum Zwonull für Journalismus uninteressant ist
(blog-cj.de, cjakubetz)
Nach all den pompösen 2007-wird-ein-ganz-entscheidendes-Jahr-Ankündigungen und den bisher zu sehenden Resultaten fällt mir vor allem eines auf: Die Ergebnisse sind alles, nur noch nicht originell. Zwischen Spiegel, Stern, Focus, Welt, SZ und den anderen Epigonen sehe ich kaum mehr nennenswerte Unterschiede.

Knut (+)
(stefan-niggemeier.de)
Ich wäre dann gestern Morgen fast wieder bereit gewesen für neue Nachrichten. Hatte mich bei dem Gedanken ertappt, dass in diesen Tagen, in denen ich meine ganze Aufmerksamkeit auf die Niedlichkeit von diesem Knut gerichtet habe, etwas passiert sein könnte in der Welt.

Ratespiel
(wortfeld.de, Alexander Svensson)
Welches Nachrichtenportal sieht derzeit so aus?

Schock-Beichten-Schock: Alles schon gebeichtet!

Das hat sich Buchautor Brandon Hurst sicher nicht träumen lassen, als er alte Zeitungs- und Zeitschriftenarchive nach brauchbaren Zitaten von Angelina Jolie durchsuchte, um eine weitere Biographie über die Schauspielerin damit zu bestücken: Dass die deutsche „Bild“-Zeitung aus diesem recycleten Material einmal eine Titelgeschichte machen und es als „Schock-Beichte“ bezeichnen würde und vermeintlich seriöse deutsche Medien den Unsinn auch noch ungeprüft übernehmen würden.

Der „Bild“-Artikel beginnt so:

„Ganz ehrlich, ich mag ganz verschiedene Typen: jungenhafte Mädchen, mädchenhafte Jungs. Ich fühle mich feminin und maskulin. Ich besitze selbst das ruhelose Gemüt eines Mannes.“

(Angelina Jolie in dem Enthüllungsbuch „Angelina Jolie“.)

Mehr müsste man gar nicht lesen, um zu wissen, dass entweder das Buch oder „Bild“ oder beide hochstapeln. Denn das Zitat findet sich nicht erst in diesem „Enthüllungsbuch“. Es kursiert seit vielen, vielen Jahren im Internet.

Auch dass sie eine langjährige Affäre mit Jenny Shimizu hatte, ist schon lange bekannt. „Bild“ behauptet:

Angelina, die lange geschwiegen hatte, bestätigt nun: „Ich wollte sie nur noch küssen und berühren. Ich bemerkte, dass ich sie so ansah, wie ich Männer ansah. Das war toll. Es war nichts, nach dem ich gesucht hatte. Es passierte einfach, dass ich mich in ein Mädchen verliebte.“

Das Zitat scheint allerdings aus einem CBS-Interview von 2001 zu stammen. Darin wird sie allerdings allgemein auf ihre Bisexualität angesprochen:

Yeah, I was open about it because I learned and I wasn’t looking to be promiscuous or looking to be bisexual. I just suddenly looked at a woman and felt these things that I felt when I looked at a man and I understood and I had a beautiful time loving another person who happened to be a woman.

Zur „Schock-Beichte“ gehört laut „Bild“ auch diese Enthüllung in Bezug auf ihren Ex-Ehemann Billy Bob:

Über ihre Gedanken damals berichtet sie: „Wenn es einen sicheren Weg geben würde, sein Blut zu trinken, würde ich es gern tun.“

Im Original lautet das Zitat: „If there was a safe way to drink his blood, I’d love to.“ Angelina Jolie sagte es gegenüber der Zeitschrift „Rolling Stone“, die es vor fast sechs Jahren, im Juli 2001 veröffentlichte.

Auch darüber, dass sie mit vierzehn einen Freund hatte, den sie überredete, ihr mit Messern Schmerzen zuzufügen, berichtete sie damals schon. Und anscheinend 2000 schon in der Zeitschrift „Maxim“ und 1999 in der Zeitschrift „Access Hollywood“. Und ähnlich 2003 bei ABC.

Aus einem Buch, das all die alten Zitate wiederverwertet, macht „Bild“ eine „Schock-Beichte“ auf Seite 1. Und „Spiegel Online“* fällt voll drauf rein. Und die Online-Ableger von „Süddeutscher Zeitung“* und „Rheinischer Post“* haben beim Abschreiben nicht einmal gemerkt, dass der von „Bild“ erweckte Eindruck, es handele sich um eine Autobiographie, falsch war.
 
*) Nachtrag, 26.3.2007: Süddeutsche.de hat den Artikel nachträglich ergänzt. Eingangs heißt es dort nun: „Bei diesem Buch handelt es sich um eine unautorisierte Biographie.“ Und am Ende: Aber wie gesagt: Das Buch „Angelina Jolie“ zitiert Angelina Jolie rauf und runter, aber Angelina Jolie selber hat dieses Buch nie autorisiert.“ Bei rp-online.de ist inzwischen „ein Fehler aufgetreten“ und der Artikel „leider nicht verfügbar“. „Spiegel Online“ indes bleibt offenbar bei seiner Darstellung.

Nachtrag, 27.3.2007 (nur der Vollständigkeit halber): Süddeutsche.de hat den Artikel inzwischen vollständig, also auch inklusive der zahlreichen kritischen Leserkommentare, aus dem Angebot entfernt. Und „Spiegel Online“ hat den ursprünglichen Satz „In wenigen Tagen kommt die Biographie der schönen Schauspielerin in Deutschland auf den Markt“ nachträglich um den Hinweis „die allerdings nicht autorisiert ist“ ergänzt.

Kurz korrigiert (322-323)

Die Kompetenz der „Bild“-Zeitung in Sachen Harry Potter ist eher nur so mittel. Insofern würden wir der Behauptung der „Bild am Sonntag“, Harry Potter werde entgegen früherer „Bild“-Behauptungen im siebten Band der Reihe nicht sterben, keine größere Bedeutung schenken.

Insbesondere, da „Bild“ in dem Artikel sowohl das Erscheinungsdatum des Buches falsch angibt (der Verkauf der englischen Ausgabe beginnt nicht am 7. Juli, sondern am 21. Juli) als auch den Titel: Es heißt nicht „Harry Potter and the Deathly Hollows“ (etwa: …und die tödlichen Hohlräume), sondern „Harry Potter and the Deathly Hallows“ (etwa: …und die tödlichen Weihen).

Danke an Verena D. und Volker für die sachdienlichen Hinweise!

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Falscher Riesen-Wirbel um Riesen-Wirbel

Die Regel, dass man Fragen in „Bild“-Schlagzeilen bis zum Beweis des Gegenteils getrost mit „Nein“ beantworten kann, gilt auch bei diesem großen Artikel vom Freitag:

Extrem-Wetter-Kongress in Hamburg. Zerstören Hurrikane unser schönes Mallorca?

„Bild“-Autor Christian Schmidt malt sich die Sache lustvoll aus:

Schwarze Wolken jagen über den Himmel, schwere Regentropfen fluten auf die Strandpromenade von El Arenal, Sturmböen zerfetzen die Werbeschilder der Kioskbesitzer. Ein Hurrikan trifft Mallorca.

Ein Horror-Szenario für Millionen Sommerurlauber, das schon bald Wirklichkeit werden könnte! (…)

HURRIKAN-ALARM auf MALLORCA!

Nun denkt sich „Bild“ ja solche Geschichte nicht aus. Also, jedenfalls nicht ganz. Im konkreten Fall beruft sich die Zeitung auf den Meteorologen und Hurrikan-Experten Thomas Sävert von der Firma Meteomedia, der beim Hamburger Extremwetterkongress die „alarmierendste Studie“ vorgestellt habe:

Pro Jahr ziehen bis zu drei Hurrikane über die Mittelmeer-Region. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis einer Mallorca trifft.

Sävert ist die einzige Quelle für das Mallorca-Katastrophenszenario von „Bild“. Ausführlich referiert das Blatt seine angeblichen Erkenntnisse, zum Beispiel die Prognose, dass in Folge der Klimaveränderung im Mittelmeer stärkere Hurrikane entstehen könnten.

Erstaunlich nur: In anderen Berichten von der Konferenz ist von dieser akuten Bedrohung für „unser“ Mallorca keine Rede. Oder, vielleicht doch nicht erstaunlich. Gegenüber BILDblog erklärt Thomas Sävert:

„Ich bezog eindeutig Stellung, dass es zwar hurrikanähnliche Stürme im Mittelmeeraum gibt, die aber keinesfalls die Stärke der tropischen Hurrikane erreicht und daher auch nicht als solche bezeichnet werden sollten. Die Insel Mallorca habe ich mit keinem Wort erwähnt, und ich habe auch nicht davon gesprochen, dass diese ‚Hurrikane‘ stärker werden sollen. Alle Zitate sind gefälscht. Ich bin eigentlich als seriöser Wissenschaftler bekannt, der solche Aussagen, wie sie in der ‚Bild‘-Zeitung getroffen wurden, nie machen würde.“

Sävert hält den Artikel für rufschädigend und prüft rechtliche Schritte.

Das gefährlich aussehende Wirbelwinddings auf der großen Fotomontage, mit der „Bild“ die vermeintliche Hurrikan-Gefahr illustriert, ist übrigens nicht einmal ein Hurrikan. Sondern ein Tornado.

Rätsel der Wissenschaft

Von der wissenschaftlichen Forschung immer noch unbeantwortet ist die Frage, ob es theoretisch denkbar ist, eine Nachricht so kurz und schlicht zu formulieren, dass es nicht einmal dem Überschriftenpraktikanten von Bild.de gelingt, sie falsch zu verstehen.

Testspiel: Schweizer besiegen die USA. Fußball-EM-Gastgeber Schweiz gewinnt das Testspiel in den USA gegen Jamaika mit 2:0.

Danke an Florian K. und Thomas R.!

Nachtrag, 22.30 Uhr. Der Überschriftenpraktikant hat sich die Meldung dann nachträglich doch noch einmal ganz genau durchgelesen.

Neues von Gärtnern und Böcken

Die Axel-Springer-AG hat gestern einige weitere Wechsel in der „Bild“-Redaktion bekanntgegeben. Interessant ist die Person des neuen Redaktionsleiters von „Bild“-Hamburg: Gerald Selch führte zuletzt für das Magazin der „Süddeutschen Zeitung“ ein Interview mit Michael Ballack, in dem der unter anderem erklärte, warum er nicht mit „Bild“ spricht.

Vor fast genau einem Jahr musste Selch als stellvertretender Chefredakteur bei der Münchner Boulevardzeitung „tz“ gehen, nachdem die behauptet hatte, Bastian Schweinsteiger, Paul Agostino und Quido Lanzaat seien in einen Wettskandal verwickelt. Die „tz“ widerrief dies später und entschuldigte sich bei den Spielern, von Selch trennte man sich „im gegenseitigen Einvernehmen“.

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