Und beide fangen mit „B“ an!

Chefredakteur Kai Diekmann will die „Bild“-Redaktion von Hamburg nach Berlin verlegen. Der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sagte er wie zur Erklärung:

„Berlin ist gelebter Informationsvorsprung. Die ‚Bild‘-Zeitung ist gedruckter Informationsvorsprung, deshalb gehört beides zusammen.“

Ist klar.

Nachtrag, 17.55 Uhr. „Spiegel Online“ berichtet über weitere Details des geplanten Umzugs und Empörung unter den Mitarbeitern.

Tokio Hotel setzen Tokio-Hotel-Gerücht in die Welt

Man darf ja nicht alles glauben, was in irgendwelchen Internet-Foren so steht. Aber man muss deshalb auch nicht gleich annehmen, dass die Betreiber von Foren so schlecht informiert sind wie die Leute von Bild.de. Die schrieben am Montag:

Schon seit Mitte April stand kein „Tokio Hotel“-Forum mehr still — das Gerücht: Die Teenie-Stars bringen ein englischsprachiges Album auf den Markt!

Soso. Ein Gerücht also. In nicht-stillstehenden Foren. Seit Mitte April. Als wüssten echte Tokio-Hotel-Fans nicht, dass die Brüder Kaulitz am 28. Februar 2007, also vor gut zwei Monaten, zu Gast in der ZDF-Show „Johannes B. Kerner“ waren. Und sich dort folgender Dialog entwickelte:

Johannes B. Kerner: Wann singt ihr auf englisch?
Bill Kaulitz: Wir sind dabei. Wir machen immer so Eins-zu-eins-Übersetzungen von den Texten. Und wir sind jetzt dabei, das zu machen. Ich muss jetzt quasi ins Studio und singe alle Songs noch mal ein.
Kerner: Auf englisch?
Kaulitz: Auf englisch.

Da fragt man sich doch, wo sich das „Gerücht“ die nächsten sechs Wochen nach dieser quasi-offiziellen Bestätigung aufgehalten hat.

Vielleicht im Ausland? Schließlich schreibt Bild.de:

Deutschland, Österreich, Russland, Jugoslawien und zuletzt Frankreich — der Erfolg von Tokio Hotel kennt keine Grenzen.

Anscheinend nicht einmal die, die teils seit über 15 Jahren zwischen Ländern wie Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien, Serbien und Montenegro existieren.

Danke an Leni für den sachdienlichen Hinweis.

Die 10 dümmsten Hunde werden 13

"10 Hunde, die nicht ganz so schlau sind"Offenbar ist die Lobby für Hundethemen stark in der „Bild“-Redaktion. Nachdem „Bild“ bereits vorgestern auf der Titelseite „die 10 klügsten Hunderassen“ präsentiert hatte (wir berichteten), gibt es heute auf der letzten Seite ein weiteres Hunderanking (siehe Ausriss).

Auch diese Liste wurde, genau wie die der „10 klügsten Hunderassen“, bereits 1994 in dem Buch „The Intelligence of Dogs“ von Stanley Coren veröffentlicht. Das hindert „Bild“ nicht, die 13 Jahre alte Nachricht so einzuleiten:

Wuff! Nach den 10 klügsten Hunden (BILD vom Montag) stellt Ihnen Hundeforscher Prof. Stanley Coren (65) heute die 10 dümmsten vor.

Nachtrag, 4.5.2007: „Bild“ hat heute eine „Berichtigung“ zu den nicht ganz so schlauen Hunden im Blatt: „In der Liste der dümmsten Hunde (BILD vom 2. Mai 2007) zeigte Foto Nr. 5 keinen Barsoi, sondern einen Saluki-Hund.“

6 vor 9

Ich werde zitiert, also bin ich
(jungle-world.com, Jörn Schulz)
Marcus Tullius Cicero war kein Freund des Ranking. »Suche nicht andere, sondern dich selbst zu übertreffen«, riet der römische Philosoph. Doch in der Wettbewerbsgesellschaft muss immer einer der Beste oder wenigstens der Einflussreichste sein. Deshalb erstellt das Magazin Cicero eine Liste der 500 deutschen »Top-Intellektuellen«.

Chefredakteur Diekmann: ?Müssen uns der neuen Rolle Berlins stellen?
(faz.net, Michael Hanfeld)
Deutschlands größte Boulevardzeitung will nach Berlin umziehen. ?Bild?-Chefredaktuer Kai Diekmann im F.A.Z.-Interview über die Anziehungskraft der deutschen Hauptstadt, die Zukunft des Medienstandorts Hamburg und das Vermächtnis von Axel Springer.

Wünsch dir was
(sueddeutsche.de)
Die privaten Fernsehsender müssen sich warm anziehen: Wenn das kostenlose Fernseh-Netzwerk „Joost“ startet, droht die Massenflucht der Zuschauer ins Netz.

?Es ist bedauerlich, dass es in der Schweiz keinen Medienjournalismus mehr gibt!?
(persoenlich.com)
In der Schweiz gäbe es keinen richtigen Medienjournalismus mehr, sagt der ehemalige Medienpionier und Sat.1-Chef Roger Schawinski.

Auf den letzten Zug
(teleboy.ch, Dr. Gonzo)
«Darf ich mich verabschieden», sagte der frühere SP-Präsident Helmut Hubacher um 23 Uhr 45, «ich muss auf den letzten Zug». Das war kurz vor Ende der Sendung; im «Club» wurde über die Frage debattiert «Was läuft falsch bei der SP?».

Bier öffnen mit Zeitung
(youtube.com, Video, 0:35 Minuten)

6 vor 9

„Einfach so eine Lüge in den Mund gelegt“
(bildblog.de)
„Ich, …, schreibe Ihnen wegen des heutigen Berichts der Bild-Zeitung auf Seite 3, zu dem ich, man kann wirklich sagen, benutzt und lächerlich gemacht wurde. Ich finde es eine bodenlose Frechheit, dass Sie auf der Straße irgendwelche Passanten anreden, penetrant nerven, ein dämliches Foto schießen und dieses dann auch noch riesengroß und vor allem mit ausgedachten Zitaten veröffentlichen.“

Ich bin markiert vom Tod
(zeit.de, Thomas David)
Tomi Ungerer hatte drei Infarkte, er ist 75 Jahre alt und immer noch unverdrossen. Nun ist sein jüngstes Buch erschienen. Es ist das 141.

Die sollen böse sein?
(taz.de, Andreas Rüttenauer)
Die Radsportler Jan Ullrich und Bjarne Riis sind längst zu einem Dauerskandal geworden: Immer neue Details ihrer Dopingvergehen werden vermeintlich enthüllt. Geht es wirklich um Aufklärung?

Ärger wegen Hugh und Bockwurst
(spiegel.de, Konrad Lischka)
Anwälte entdecken Blogs als Geldquelle. Ein US-Klatschportal wird mit einer Sieben-Millionen-Dollar-Klage wegen Fotodiebstahls überzogen. In Deutschland zittern viele vor Abmahnungen einer Rezepte-Website – bei denen es um ein Bockwurstfoto geht. Streitwert: 6000 Euro.

„Hier haben sich unglaubliche Szenen abgespielt“
(tagesspiegel.de, Yoko Rückerl und Jens Mühling)
Sacrower See bei Berlin oder Gorkipark in Moskau? Ulrich Deppendorf und Thomas Roth über ihre neuen Arbeitsplätze.

Die Gestörten
(brandeins.de, Wolf Lotter)
Deutschland begibt sich auf die Suche nach der Creative Economy, dem Schlüssel zur Wissensgesellschaft. Und stößt dabei auf eine Klasse, die irgendwie nicht ins Konzept passt.

„Einfach so eine Lüge in den Mund gelegt“

Eine Kleinigkeit zur Einstimmung: Die von Kai Diekmann aus Hamburg herausgegebene „Bild“ berichtet heute in Teilen ihrer Ausgabe darüber, dass das Wetter auf Mallorca am Wochenende offenbar schlechter war als in Deutschland („Ätsch! Wir haben Mallorca die Sonne geklaut!“) und zitiert, passend zur „Ätsch“-Geschichte, einen Mallorca-Urlauber mit den Worten „So ein Mist! Und dafür habe ich das viele Geld ausgegeben.“ Laut „Bild“ handelt es sich bei dem zitierten Urlauber um „Dyck Kaimann aus Hamburg“. Aber das, wie gesagt, nur zur Einstimmung, denn…
 
… keine Frage: Es war ein Fehler dieser jungen Frau, kürzlich in Bremen, dass sie sich von „Bild“-Reporter Sebastian Rösener ansprechen und sogar überreden ließ, ein Paar Ohrenschützer aufzusetzen, um damit fotografiert zu werden. Wäre sie („Nein, danke, kein Interesse.“) einfach weitergegangen, sie hätte sich im Nachhinein nicht so „benutzt und lächerlich gemacht“ gefühlt.

So aber sah die Seite 3 der Bremer „Bild“ am vergangenen Donnerstag wie folgt aus:

Und die junge Frau mit dem blauen Tanktop („Schülerin S       * (18) trägt Ohrenschützer: ‚Ich halte den Stadtlärm nicht mehr aus'“) sah sich anschließend genötigt, ein Fax „an die Chefredaktion der Bremer Bild und besonders an Herrn Sebastian Rösener“ zu schicken, aus dem wir ein wenig zitieren möchten:

Ich, S                           , schreibe Ihnen wegen des heutigen Berichts der Bild-Zeitung auf Seite 3, zu dem ich, man kann wirklich sagen, benutzt und lächerlich gemacht wurde. Ich finde es eine bodenlose Frechheit, dass Sie auf der Straße irgendwelche Passanten anreden, penetrant nerven, ein dämliches Foto schießen und dieses dann auch noch riesengroß und vor allem mit ausgedachten Zitaten veröffentlichen. (…) Ich habe, und das würde ich vor aller Welt schwören, nie gesagt, dass mich der Lärm in Bremen stört, sondern auf Ihre herausfordernde Frage, ob es in Bremen nicht viel zu laut wäre, lediglich geantwortet, dass ich gar nicht aus Bremen komme, sondern aus W          , und dass es dort sehr ruhig ist. Zusätzlich sagte ich noch, dass ich sowieso nicht in Bremen leben möchte, sondern in Hamburg, und dass es dort bestimmt noch lauter ist. Ihr werter Kollege Rösener meinte dann noch frech zu mir, dass er das, was ich gesagt habe, ja gar nicht so hören wollte, sondern wohl vielmehr das Gegenteil. Ihr Zitat: „Ich halte den Stadtlärm nicht mehr aus!“, das Sie mir verbotener Weise angehängt haben, entspricht nicht einmal im Ansatz der Wahrheit, obwohl die Bild doch ständig damit wirbt, die Wahrheit ans Licht zu bringen, oder etwa nicht?!? (…) Sie haben mich vor allen absolut lächerlich gemacht und mir einfach so eine Lüge in den Mund gelegt. (…) aber vielleicht könnten Sie sich ja nächstes Mal jemanden suchen, der auch Ihre erwarteten Antworten gibt und hinter Ihnen steht. Sonst sollte man sich vielleicht andere Themen suchen, für die sich die Leute interessieren und womit sie niemanden lächerlich machen.

Nach unseren Informationen hat der Leserbrief der jungen Frau die Verantwortlichen bei „Bild“ erreicht. Geantwortet wurde ihr bislang nicht.

*) Unkenntlichmachungen von uns.

Die 10 klügsten Hunde werden 13

„Bild“ präsentiert ihren Lesern heute auf der Titelseite „Die 10 klügsten Hunderassen“ und schreibt dazu:

Der Hundeforscher Prof. Stanley Coren (65) hat eine Rangliste erstellt.

Und es stimmt. Stanley Coren hat diese Rangliste tatsächlich erstellt. "Die 10 klügsten Hunderassen"Dass „Bild“ sie allerdings heute zu einer Titelgeschichte (siehe Ausriss) macht, ist schon etwas eigenartig*. Denn die Liste ist seit rund 13 Jahren bekannt. Coren hat sie im Jahr 1994 in seinem Buch „Die Intelligenz der Hunde“ veröffentlicht — und „Bild“ hatte schon mal darüber berichtet. Im Jahr 2002, also mit acht Jahren Verspätung. Und auch da auf der Titelseite.

*) Anlass für die heutige Hunderangliste in „Bild“ könnte eine Studie der Universität Wien sein, die besagt, dass Hunde sich nur sinnvolle Verhaltensweisen bei ihren Artgenossen abschauen. Der erste Satz der „Bild“-Meldung lautet jedenfalls: „Hunde denken, bevor sie handeln — das fanden Verhaltensforscher heraus.“

6 vor 9

Bücherwürmer online
(nzz.ch, Regula Freuler)
Sind Weblogs das neue Massenmedium oder bloss «Klowände des Internets»? Beides, wie ein Tauchgang in die Blogosphäre der Literatur-Freaks zeigt.

blogmedienTV 14: Abzocke im Fernsehen
(blogmedien.de, Video)
Themen: Tricks der Hütchenspieler bei 9Live und Co. +++ wie Werbebotschaften in Radiobeiträge gelangen +++ ungewöhnliche Recherchen eines Dortmunder Radioreporters.

Musik, bei der mein Vogel komisch klingt
(faz.net, Katrin Passig)
Internetradios wie last.fm gehorchen dem persönlichen Geschmack und definieren die Musikgenres neu – wenn man sie richtig dressiert. Denn ganz ohne Eigeninitiative ist die musikalische Resozialisierung nicht zu haben.

Schuften macht Spaß
(zeit.de, Jörg Burger)
Wolf Schneider, gnadenloser Wächter der Sprache, hat ein Buch über das Glück geschrieben. Ein Gespräch über die Irrtümer der Philosophen und die Freude, gehasst zu werden.

Wer ist die nette Nutte?
(taz.de)
„Anti-Goetz“ vs. „Lügeneimer“: Die Schriftsteller Rainald Goetz und Joachim Lottmann liefern sich ein Blog-Duell.

nzzvotum.ch: Nach der Wahl ist nicht vor der Wahl
(metablog.ch)
Jetzt hat ja Zürich am 15. April gewählt, und wie fast schon erwartet ist auf nzzvotum.ch seither tote Hose. Eigentlich schade; wenn die Parteien hier weiter diskutieren würden, wäre das sicherlich ein Gewinn (oder zumindest gute Unterhaltung) für das lesende Stimmvolk.

Wie die „BamS“ mit Keith Richards trauert II

Es ist noch nicht einmal vier Monate her, da behauptete der „Bild am Sonntag“-Chef Claus Strunz in seiner Kolumne „Der Chefredakteur antwortet“, die „BamS“ verfolge die Arbeit von BILDblog „wohlwollend“. (Der Anlass damals: ein Fehler im BILDblog.) Aber:

Das wohlwollende Verfolgen unserer Arbeit ist offenbar folgenlos.

So hatte die „BamS“ vor einer Woche ihre letzte Seite großzügig mit Paparazzifotos bebildert, auf denen angeblich der Rockmusiker Keith Richards zu sehen war, wie er („TOTAL ENTSPANNT“) „in der Sonne Floridas“ liege, sich („TOTAL ERFRISCHEND“) „mehrere Dosen Bier“ gönne und es sich („TOTAL ZUFRIEDEN“) „richtig gut“ gehen lasse. Kurzum:

Richards ist zufrieden, lächelt entspannt in die Sonne.

In Wahrheit aber (BILDblog berichtete) war am Tag vor Erscheinen der „BamS“ Keith Richards‘ schwerkranke Mutter gestorben, der „Rock-Opa“ hatte zuvor in London am Sterbebett bis zu ihrem Tod gewacht. Der Mann auf den Fotos hingegen war, wie uns die Agentur, von der die „BamS“ die Paparazzifotos hatte, im Nachhinein mitteilte, nur ein „Keith-Richards-Double“, auf das ein Paparazzo reingefallen war. Man habe, hieß es zerknirscht, die Bilder deshalb zurückgezogen.

Und es mag sein, dass man in der „BamS“ in der vergangenen Woche kein BILDblog gelesen hat. Offensichtlich aber nicht nur das. Denn auch viele andere deutsche und internationale Medien berichteten über den Tod von Richards Mutter — ja, sogar in der Schwesterzeitung „Bild“ erschien vergangenen Mittwoch eine kleine Meldung mit der Überschrift „Keith Richards trauert um seine Mutter“. Und bei Bild.de, wo man die „BamS“-Falschmeldung zunächst übernommen hatte, wurde die Seite inzwischen „aus dem redaktionellen Angebot (…) herausgenommen“. Das alles hätte der „Bild am Sonntag“ zumindest zu denken geben können…

In der heutigen „BamS“ aber finden die Leser weder im „Leser-Forum“, in dem manchmal auch kleinere „Korrekturen“ abgedruckt werden, noch sonstwo* in der Zeitung einen Hinweis auf den bedauerlichen Fehler.

*) Auf der letzten Seite, wo vor einer Woche noch die falschen Richard-Fotos zu sehen waren, steht heute, dass Pamela Anderson auf ihrer Internetseite von einem Besuch in einem russischen Waisenhaus berichtet. Die Überschrift der „Bild am Sonntag“ zu dieser Meldung lautet übrigens:"Pam Anderson -- Ein (Adoptiv-)Baby von Putin!"

Nachtrag, 2.5.07 (Mit Dank an Günter V. und Axel S.): Laut einem Bericht der österreichischen Boulevardzeitung die „Neue“ handelt es sich bei dem Keith-Richards-Double aus der „BamS“ übrigens um den Vorarlberger Sigi Amann.

Symbolfoto XLVIII

Unmittelbar neben einem kleineren Artikel über einen nicht unspektakulären „Plakatanschlag auf den Reichstag“ berichtet „Bild“ heute groß über einen „Riesen-Eklat im Bundestag“:

Und was „Bild“ schreibt, stimmt soweit: Eine Debatte zum Thema Kinderbetreuung musste gestern peinlicherweise vorzeitig beendet werden, weil sich nicht genügend Bundestagsabgeordnete an einer Abstimmung, dem sog. Hammelsprung, beteiligt hatten, bei der die anwesenden Abgeordneten den Sitzungssaal verlassen und anschließend durch verschiedene Türen (Ja/Nein/Enthaltung) wieder betreten müssen.

Allerdings kann man durchaus bedauern, dass „Bild“ in ihrem Bericht unterschlägt mit keinem Wort erwähnt, dass die fragliche Debatte zeitgleich mit der eingangs erwähnten Protestaktion stattfand, bei der die Demonstranten nicht nur die Debatte selbst störten, sondern immerhin auch den Reichstagsschriftzug „Dem deutschen Volke“ mit einem Transparent „Der deutschen Wirtschaft“ verhüllt hatten. In einem „Spiegel TV“-Bericht heißt es deshalb sogar: „Später wollen viele Abgeordnete nicht wieder ins Plenum kommen. Anscheinend ist die Plakataktion vor dem Gebäude für sie interessanter.“ Womit sich die „Bild“-Frage „War das schöne Wetter vielleicht wichtiger…?“ zumindest nicht mehr so leicht beantworten ließe, wie „Bild“ sich das gedacht hat.

Ärgerlicher aber ist das große Foto, mit dem „Bild“ den „Riesen-Eklat“ illustriert („Leere Ränge im Bundestag gestern Mittag: Die Debatte über den Ausbau der Kinderbetreuung wurde abgebrochen“, siehe oben). Das nämlich zeigt — wenn man der „Tagesschau“ glauben mag, die „Bild“ selbst als Quelle für das Foto angibt — gar nicht die abgebrochene Debatte über den Ausbau der Kinderbetreuung. Stattdessen handelt es sich bei dem „Bild“-Foto laut „Tagesschau“ um eine Szene aus einer vorangegangenen, ganz anderen Debatte, in der nach rund 10 Jahren mit großer Mehrheit (!) endlich eine Reform im Strafvollzug verabschiedet wurde (s. Screenshot).

Nicht, dass es bei dem abgebrochenen Tagesordnungspunkt, über den „Bild“ berichtet, wesentlich voller gewesen wäre. Aber wenn die „Bild“-Zeitung sowieso keinen echten „Foto-Beweis“ („Bild“-Slang) für die „leeren Ränge“ zeigen wollte, dann hätte sie den „Riesen-Eklat im Bundestag“ ebensogut auch so bebildern können:

Mit Dank auch an M. und Florian S.

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