Apropos Fauxpas

Kurz vor Ende der Bewerbungsfrist haben wir dann doch noch einen neuen Favoriten für den Preis der peinlichsten Zurschaustellung eigener Ahnungslosigkeit in einem Online-Artikel 2006.

Country-Sängerin Dolly Parton ist mit den Kennedy Center Honors ausgezeichnet worden, und Bild.de ist ehrlich erschüttert:

Pardon, Frau Parton! Aber wie sehen Sie denn aus?

Ganz schlimmer Mode-Fehlgriff bei Dolly Parton (60). (…) Im bauchnabeltief ausgeschnittenen, weißen Flitter-Fummel sah der scheinbar alterslose Star aus wie sein eigenes Püppchen (…). Nicht zu vergessen das Regenbogen-Band, das ihre zwei Doppel-Dollys dezent in Szene setzte.

Alles in Allem: Schreeecklich! Ein kleiner Tipp: Liebe Frau Parton, eine Auszeichnung fürs Lebenswerk bekommt man nur einmal. Und darum sollte man sich auch wenigstens einmal dem Anlass entsprechend kleiden!

Ein kleiner Tipp, liebe Bild.de-Redaktion: Das peinliche Regenbogenband, das Frau Parton sich scheinbar zur Betonung ihres Bauchnabels ihrer Brüste umgehängt hat, ist dem Anlass der Preisverleihung ganz außerordentlich entsprechend.

Öhm, wie bringen wir Ihnen das jetzt schonend bei?

DAS BAND IST DER VERDAMMTE PREIS!

Danke an Bernhard W. für den Hinweis!

Wozu Beamte taugen

Vielleicht dachten die „Bild“-Leute am vergangenen Donnerstag, dass diese Schlagzeile ihre Leser noch nicht genug aufregen würde:

Beschlossen! Rente erst ab 67

Zum Glück wussten sie aber einen einfachen Trick, um das Empörungspotential dieser Schlagzeile locker zu verdoppeln:

Aber für Politiker und Beamte gilt das nicht...

Denn das weiß der „Bild“-Leser: Beamte haben es immer besser. Ihre Zeitung bestätigte ihnen das noch am selben Tag durch zwei Tabellen, die den „RENTE MIT 67“-Artikel einrahmten:

So lange arbeiten Beamte wirklich* / Wie viel länger müssen wir künftig arbeiten?

Was ein ziemlich eindrucksvoller Vergleich ist. Denn während Beamte je nach Berufsgruppe schon in einem Alter zwischen 48,1 und 63,4 Jahre in den Ruhestand gehen, müssen „wir“ (!) zwischen 65 und 67 Jahre alt werden, um eine volle Rente zu bekommen.

Das eine ist die reale Arbeitszeit, das andere die nominale. In diesem Sinne könnte „Bild“ auch beweisen, dass Schokolade in der Nähe von Beamten weniger lange hält, indem die Zeitung einfach die tatsächliche Zeit, bis eine Tafel Schokolade in einem Beamtenhaushalt aufgegessen wurde, mit dem Haltbarkeitsdatum einer Tafel Schokolade in „unseren“ Haushalten vergleicht.

Aber wie sieht es jetzt aus mit der Rente ab 67, die „für Politiker und Beamte nicht gilt“? Dass die Schlagzeile falsch war, konnte schon ahnen, wer den zugehörigen Artikel zu Ende las. „Die Bundesregierung will die Rente mit 67 auch auf Beamte im Bund übertragen“, stand dort — das sei nur „noch nicht beschlossen“.

Am Tag drauf, als „Bild“ erneut über die „Rente mit 67“ berichtete, fand sich in dem Artikel sogar folgender Satz:

Regierungssprecher Wilhelm stellte klar: Die Verlängerung der Lebensarbeitszeit solle künftig auch für Bundesbeamte und Minister gelten: „Das wird so schnell wie möglich umgesetzt.“

Für eine Schlagzeile im Sinne von: „AUCH BEAMTE UND POLITIKER SOLLEN LÄNGER ARBEITEN“ hatte „Bild“ an diesem Tag allerdings keinen Platz. Stattdessen lautete die Überschrift:

RIESEN-WUT auf Rente mit 67

Danke an Werner S. für den sachdienlichen Hinweis!

6 vor 9

New Blogs On The Kids
(jetzt.sueddeutsche.de, Tobias Moorstedt)
Neun Thesen zur Blogosphäre: jetzt.de durchleuchtet die Zukunft des Zukunftmediums.

Die eigentliche Zuschauer-Beschimpfung
(welt.de, Torsten Thissen)
Sabine Christiansen flimmerte wie immer über den Schirm. Unser Autor blickt in die Tiefe dahinter und schreibt, wie Christiansen gestern ihre Zuschauer begrüßt hätte, wenn sie ehrlich wäre.

Von George W. Bush zu Tode informiert
(diepresse.com, Norbert Rief)
In den USA dürfen Zeitungen fast alles drucken. Dafür hat man die Manipulation perfektioniert.

Der Königsmacher
(sonntagszeitung.ch, Martin Suter)
Walter Mossberg ist der gefürchtetste Technikjournalist der USA.

Von „Popcorn“ bis „Sugar“
(standard.at, Judith Hecht)
Jugendmagazine: Sie werden von Teenies geliebt und von Eltern oftmals gehasst – Ein Überblick.

Mensch, Jochen!
(taz.de, Thomas Feix)
Er ist jetzt 53, Entsetzen überfällt ihn bei dem Gedanken. Die Tage, die Nächte verbringt er in einem Sessel vor dem Fernseher oder Radio. Seit Jahren schon. Sein Leben kommt nicht von der Stelle. Die toten Eltern wollen es so.

Gibt’s das auch für Chile?

Heute nachmittag gegen 17.04 Uhr schickte uns BILDblog-Leser Lars B. folgenden Screenshot der Bild.de-Startseite zur Kenntnisnahme:

Aber okay: Sowas kann passieren. Außerdem hat Bild.de die neben der Anzeige (links) vielleicht wirklich etwas deplaziert wirkende Meldung (rechts) längst ausgetauscht. Aber ja. Um 19.49 Uhr schickte uns BILDblog-Leser Niklas F. einen Screenshot, der zeigt, dass nun etwas ganz anderes neben der Anzeige steht. Aber sehen Sie selbst:

Mit Dank an Lars B. und Niklas F.

„BILD-Vatikan-Experte“ kein Moslem-Experte

"17.49 Uhr"

„17.49 Uhr“ ist eine super Uhrzeit: auf die Minute genau quasi.

Sie stand am Freitag in „Bild“, weil Papst Benedikt XVI. in Istanbul war und „BILD-Vatikan-Experte“, „BILD-Vatikan-Korrespondent“ bzw. „BILD-Vatikan-Sonder-Korrespondent“ Andreas Englisch darüber berichtete. Hinter die Uhrzeit schrieb Englisch:

Benedikts Besuch wird zur Sensation. In sich versunken steht er mit Ali Bardakoglu, dem Chef der türkischen Religionsbehörde, in der Moschee, richtet seine Gedanken zu Gott. (…) „Alle Muslime“, sagt Bardakoglu, „sind glücklich, dass Sie unser Land besucht haben.“

Möglicherweise aber hat Herr Englisch beim Berichterstatten über die „Sensation“ ein bisschen zuviel auf die Uhr geschaut. Denn der Mann, der in dem Moment neben dem Papst versunken in der Moschee stand, als dessen Besuch „zur Sensation“ wurde, war nicht Ali Bardakoglu, Chef der türkischen Religionsbehörde, mit dem sich der Papst (wie doch auch Englisch selbst am Mittwoch in „Bild“ zu berichten wusste) bereits Tage zuvor getoffen hatte, sondern der Mufti von Istanbul, Mustafa Cagrici.

Aber was soll’s*: Beide hatten so weiße Hüte auf, als sie neben dem Papst standen — und die Uhrzeit stimmte bestimmt.

Mit Dank an Daniel K. Für den Hinweis.

*) In der Samstagsausgabe findet sich dort, wo „Bild“ sonst häufiger die Korrekturspalte platziert, ein Papstfoto. Und in dem dazugehörigen Artikel kommt dann auch noch kurz „Istanbuls Mufti Mustafa Cagrici“ vor. Hier allerdings ist Cagrici überraschenderweise der Mann, „mit dem Benedikt in der Blauen Moschee gebetet hatte“.

Pack‘ die Badehose ein! (3)

Sicher, Fehler passieren. Aber haben Sie die gestrige „Bild“-Berichtigung erkannt? Nein? So sah Sie aus:

"Barbados-Reise: EU-Politiker kassieren auch noch Tagegeld"

Oberflächlich betrachtet beschäftigt sich diese Meldung mit der unerhörten Tatsache, dass EU-Abgeordnete auf einer Dienstreise in die Karibik „auch noch Tagegeld“ in Höhe von 137 Euro kassiert haben:

Und das, obwohl Reisekosten (Flüge in der Business-Klasse) und die Unterkunft in Luxushotels vom EU-Parlament bezahlt wurden.

Stimmt. Fragt sich nur, warum eine Tageszeitung daraus eine aktuelle Meldung macht. EU-Parlamentarier bekommen immer und seit Jahren schon Tagegeld, wenn sie an „offiziellen Sitzungen der Organe des Parlaments“ teilnehmen (274 Euro seit 1.1.2006). Und im keineswegs geheimen „Praktischen Leitfaden für die Abgeordneten“ (Stand: 2004) heißt es dazu:

Für Sitzungen außerhalb des Hoheitsgebiets der Europäischen Union wird das Tagegeld um die Hälfte gekürzt, doch die Kosten für Übernachtung und Frühstück werden vom Parlament übernommen.

Offenbar hat Dirk Hoeren diese altbekannte Tatsache also nur deswegen aufgeschrieben, weil bei „Bild“ die streng rationierten Korrekturspalten langsam knapp werden. Denn die eigentliche Neuigkeit für „Bild“-Leser steht am Ende (siehe Ausriss rechts). Ganz nebenbei korrigiert „Bild“ dort nämlich, dass Lissy Gröner, anders als „Bild“ vor gut zwei Wochen berichtet hatte, gar nicht an der vermeintlichen „Lustreise“ in die Karibik teilgenommen hatte.

P.S: Die Information, dass die Karibik-Reisenden 137 Euro Tagesgeld bekamen, enthielt auch schon der RTL-Bericht, aus dem „Bild“ am vergangenen Montag ausführlich zitierte. Dass „Bild“ diese Tatsache erst gestern aufgefallen ist, darf man also ausschließen.

6 vor 9

Stefan Niggemeier: Sympathien für den Boulevard (Teil 2 / 3)
(netzeitung.de, Maik Söhler)
39 Fragen an den Bildblog-Gründer Stefan Niggemeier.

Die beliebtesten Web 2.0-Portale nach Alter
(marketing-boerse.de, Torsten Schwarz)
Studie untersucht Nutzung der Web 2.0-Portale (pdf, 79 kb). Über Vierzigjährige verschlafen Web 2.0. Jüngere teilen ihr Wissen beim Social Bookmarking und Reisen.

Rundumschlag
(tagesspiegel.de, Marc Felix Serrao und Alice Bota)
Sechs Uhr aufstehen, Kaffee kochen, Zeitung holen, loben, erwähnen, kritisieren: 2000-mal „Altpapier„.

Nun feiert mal schön
(abendblatt.de, Karin von Faber)
In diesem Jahr feiert „Hörzu“ ihren 60. Geburtstag. Die Zeitschrift hat sechs Jahrzehnte deutscher Mediengeschichte geprägt.

Swisspressphoto
(swisspressphoto.ch)
Die besten Bilder 2006.

Im Dienst der guten Sache?
(nzz.ch, Heribert Seifert)
Integration als problematischer Leitbegriff für Journalisten.

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