Kurz korrigiert (4)

Wie die Bezirkskriminalinspektion Kiel mitteilte, hat auf dem Gelände einer Wandmaker-Filiale in Schleswig-Holstein ein Polizist einem Dieb ins Bein geschossen. Verschiedene Regionalmedien berichteten darüber. Und „Bild“ auch. In ihrer Schleswig-Holstein-Ausgabe sogar zwei Mal im selben Blatt.

Sowas ist peinlich, kann aber passieren. Warum sich die Angelegenheit aber einmal in Hohenwestedt (richtig), einmal aber auch im rund 50 Kilometer entfernten Eckernförde (falsch) abgespielt haben soll, weiß wohl nur „Bild“.

Mit Dank an Marcel R. für Hinweis und Mitarbeit.

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Kurz korrigiert (3)

Mal die Wäsche von Courtney Love betexten

In der Tat hatte Courtney Love kürzlich einen recht bizarren Fernsehauftritt. Das kann, wer will und des Englischen mächtig ist, in der „New York Times“ vom vergangenen Sonnabend nachlesen. Dort bekommt man auch einen recht guten Eindruck davon, um was für eine Art Sendung es sich handelte. „Jokes about genitals“ (Witze über Genitalien) gehörten, laut „Times“, neben Courtney Love, zu den „skandalösesten Momenten“.

Insofern dürfte es sich bei Loves Auftritt wohl um eine durchaus erwünschte Provokation gehandelt haben. Dafür spricht jedenfalls, was eine der Gastgeberinnen während der Sendung sagte:

„Ich war gespannt, welche Courtney Love hier auftauchen würde: die verrückte Koks-Hure mit dem verschmierten Lippenstift, oder die gewalttätige verrückte Koks-Hure mit dem verschmierten Lippenstift.“

Bei „Bild“ hingegen interessieren solche Dinge womöglich überhaupt niemanden, solange es Fotos von Loves Unterwäsche gibt, die man zeigen und mit irgendwelchem Unsinn betexten kann, bis am Schluss aus Courtney Loves „Peep-Show-Auftritt“ der „absolute Peinlich-Höhepunkt“ geworden ist und ein Bild.de-Teaser wie dieser:

Für das Desinteresse von Bild.de spricht u.a., dass die eigentliche Hauptperson der Show mit keinem Wort erwähnt wird. Stattdessen steht dort, das Ganze hätte sich in „der Sendung ‘Comedy Central'“ zugetragen. Obwohl „Comedy Central“ doch gar keine Sendung ist, sondern ein Sender. Die Sendung selbst hieß „Roast of…“ bzw. wegen ihres Stargasts „Roast of Pamela Anderson“. Und um das herauszufinden, hätte ein Blick ins Bild.de-Archiv genügt. Schließlich hatte man ja schon am Montag vor einer Woche über die Show geschrieben. Allerdings stand damals noch Anderson im Mittelpunkt der „Berichterstattung“ – oder vielmehr ihr „Busen-Blitz-Alarm“.

Dank für die Hinweise an Christian D., Ben K., Andre P. und Perry

Allgemein  

„Was wird aus der kleinen Elisabeth?“

Berlin, den 16. August 2005

An den
Deutschen Presserat
Postfach 7160
53071 Bonn

Beschwerde

Sehr geehrte Damen und Herren,

die „Bild“-Zeitung zeigt mit großer Konsequenz immer wieder Fotos von der einjährigen Tochter der Frau, die in der Nähe von Frankfurt/Oder neun ihrer Kinder getötet haben soll. Gezeigt wird das Kleinkind am 9. August auf Seite 6 in der Badewanne („Was wird aus der kleinen Elisabeth?“), am 10. August auf Seite 7 auf dem Arm ihrer Mutter („Todes-Mutter bricht mit ihrer Familie!“), am 15. August auf Seite 8 ebenfalls auf dem Arm ihrer Mutter („Todesmutter weint im Knast um ihre Kinder“) (alle Seitenangaben Ausgabe Berlin-Brandenburg). Die Fotos sind nicht verfremdet, das Mädchen ist vor allem auf dem Foto in der Badewanne eindeutig zu identifizieren.

Laut Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichtes genießen Kinder einen besonderen Schutz gegenüber Veröffentlichungen in der Presse. Nach dem Pressekodex ist die Abbildung von Opfern und Tätern in der Berichterstattung über Straftaten in der Regel nicht gerechtfertigt (Richtlinie 8.1, Ziffer 1) und bei Familienangehörigen, die mit der Straftat nichts zu tun haben, grundsätzlich unzulässig (Richtlinie 8.1, Ziffer 3). In der Vergangenheit hat der Presserat auch Veröffentlichungen von Fotos von Kindern, selbst wenn ein Balken über die Augen gelegt wurde (was „Bild“ nicht getan hat), als unzulässig gerügt.

Mit freundlichem Gruß
BILDblog.de

Nachtrag, 19. August: Am 18. August war das Gesicht des Mädchens in der „Bild“ Berlin-Brandenburg ungekenntlich gemacht.

Symbolfoto XV

Korinthenkacker ist kein schönes Wort, Rosinenbomber schon eher. Das kann man – zumal in Berlin (wo die „Air Service Berlin CFH GmbH“ Rundflüge mit so einem Rosinenbomber anbietet) – ruhig mal in eine Überschrift schreiben, die dann beispielsweise so ausssieht:

Man kann mit dem Wort Rosinenbomber auch ein Foto betexten. Das sieht dann so aus:

Wenn möglich, sollte das dazugehörige Foto dann allerdings nicht so aussehen:

Schließlich handelt es sich bei dem abgebildeten Flugzeug (wie die zum abgebildeten Foto gehörige, ursprüngliche dpa-Beschriftung vom 13. April unmissverständlich erläutert) um „eine JU-52″ auf dem Flugplatz Rechlin-Lärz* – und nicht um den erwähnten Rosinenbomber der „Air Service Berlin CFH GmbH“. Aber womöglich hat „Bild“ für ihre „Air Service Berlin“-Verlautbarung für ihre Berichterstattung beim besten Willen einfach kein schönes Foto davon auftreiben können…

Mit Dank an Gunda S. für die Unterstützung.

*) Ursprünglich hatten wir geschrieben, dass die abgebildete „JU-52″ im Dezember 2004 auf der Berliner Luft- und Raumfahrtausstellung zu sehen gewesen sei. Vermutlich war das aber eine andere „JU-52″.

Was „Bild“ korrigiert und was nicht

Seit kurzer Zeit hat die „Bild am Sonntag“ auf ihrer Leserbriefseite eine Rubrik namens „Korrekturen“. Das ist eine feine Sache. Hier stellte die Redaktion in der vorletzen Ausgabe richtig, dass der nächste Harry-Potter-Film nicht „… und der Zauberkelch“ heißen wird, sondern „… und der Feuerkelch“, und ergänzte einen fehlenden Absatz mit Tips für Excel.

Auch am vergangenen Sonntag gab es Dinge zu korrigieren. Zum Beispiel hatte die „BamS“ über einen vermeintlichen neuen Schleichwerbe-Skandal im österreichischen „Tatort“ berichtet: Eine Angelfirma sei verbotenerweise ins Bild gerückt worden. Leider schrieb die „BamS“ den Namen des Mitarbeiters der Angelfirma falsch, mit dem sie angeblich gesprochen hatte, und machte aus „David Haml“ einen „Hammel“. Vor allem aber sagte dieser Herr Haml hinterher der „taz“, dass er gegenüber der „BamS“ keineswegs „freimütig eingeräumt“ habe, Geld an die Produktionsfirma gezahlt zu haben. Im Gegenteil: Es sei „kein Geld geflossen“. Das bestätigen auch die Produktionsfirma und der ORF. Herr Haml wolle gegen die „BamS“ vorgehen.

Gut, das ist vielleicht nicht nötig: Die „BamS“ hat ja die Rubrik „Korrekturen“. — Nur leider fand sich darin für Herrn Hammel Haml kein Platz, weil stattdessen dieser schlimme Fehler berichtigt werden wollte:

Klong! – Klirr! – Schepper!

Dass Andrea Nahles am 18. Juli (!) bei Focus Online in einem Weblog-Eintrag zur Rechtschreibreform an zwei Stellen fälschlicherweise das statt dass geschrieben hatte, ist peinlich.

Dass „Bild“ sie dafür am 15. August (!) zum „Verlierer“ des Tages macht, ist zunächst mal seltsam.

Dass „Bild“ die Peinlichkeit mit den Worten „Wer im Glashaus sitzt…“ kommentiert, ist irgendwie lustig.

Dass „Bild“ sie allerdings als „Bundestagsabgeordnete“ bezeichnet, obwohl sie doch bekanntermaßen seit 2002 gar nicht mehr im Bundestag sitzt, ist, nun ja… typisch.

Mit Dank an Christoph für den Hinweis.

Ein erbärmliches Leben

In der heutigen „Bild am Sonntag“ fehlt ein Satz. Er lautet: „Andreas Türck, bitte tun Sie uns alle einen Gefallen und beenden ihre traurige Existenz.“

Dieser Satz steht nicht da. „Bild am Sonntag“-Autor Stefan Hauck hat ihn nicht hingeschrieben. Aber wenn man seinen langen Text über den Fernsehmoderator Türck liest, könnte man auf den Gedanken kommen, dass dieser Satz nur zufällig fehlt.

Das Urteil im Vergewaltigungs- Prozess gegen Andreas Türck soll erst am 8. September fallen. „Bild am Sonntag“ richtet schon heute über ihn. Türcks 36 Jahre nennt Stefan Hauck ein „erbärmliches Leben“: Türck sei ein Mensch mit sehr wenig Talent. Die „Summe seiner Begabungen“ reichte nicht aus, es zu mehr zu bringen, als zu einer kurzen, schäbigen Fernsehkarriere. Bald wäre er höchstens im „Dschungelcamp“ noch aufgetaucht, und Leute wie Hauck, der seit Jahren die Großen und Wichtigen für „Bild am Sonntag“ interviewt, hätten sich nicht mehr mit ihm auseinandersetzen müssen.

Doch dann kam die Anklage wegen Vergewaltigung und brachte Türck noch einmal in die Schlagzeilen. Allerdings ist es im Moment alles andere als sicher, dass Türck schuldig gesprochen wird. „Zweifel an Türcks Schuld mehren sich“, schrieb die „F.A.Z.“ am Freitag. Auch die „Bild am Sonntag“ scheint mit einem Freispruch zu rechnen. Nur ändert das für sie nichts an der Schuld Türcks, in einem ganz anderen als dem juristischen Sinne:

Nun ist es aber so, daß Andreas Türck auf seinem Rückweg in die vorhersehbare Bedeutungslosigkeit dann doch etwas Unvorhersehbares tat. Und deshalb sitzt er nicht im „Dschungelcamp“, sondern als Angeklagter auf einem blauen Polsterstuhl im Saal 165 C des Frankfurter Landgerichts.

Auch deshalb muß man kein Mitleid empfinden.

Es gibt zwei Möglichkeiten, diese Sätze zu deuten. Entweder will „Bild am Sonntag“-Autor Hauck sagen, dass er sicher ist, dass Türck die Frau vergewaltigt hat, ganz egal, ob man ihm das nachweisen kann und er von einem Gericht verurteilt wird. Für diese Möglichkeit spricht Haucks Formulierung, dass Türck „etwas Unvorhersehbares tat“. Im Klartext hieße dies: „Andreas Türck ist ein Vergewaltiger“. Oder „Bild am Sonntag“-Autor Hauck will sagen, dass Türck ein so verkommener Mensch ist, dass er es verdient hat, für einen Vergewaltiger gehalten zu werden, selbst wenn er keiner ist. Für diese Möglichkeit spricht Haucks Formulierung, dass man kein Mitleid mit ihm empfinden müsse. Im Klartext hieße dies: „Andreas Türck ist so schlimm wie ein Vergewaltiger.“

Was wirft die „Bild am Sonntag“ Andreas Türck vor, außer dass seine Karriere größer und länger gewesen sei, als ihm nach der „Summe seiner Begabungen“ zustand? Dass er sich angeblich gerne in Lokalen „im Halbschatten der Gesellschaft“ aufhielt, weil es „wenigstens hier Menschen gab, die ihn für eine große Nummer beim Fernsehen hielten“. Dass er angeblich Mädchen imponierte, „die Kaufhausmode tragen und ganz ernsthaft ‘Party machen’ sagen, wenn man sie fragt, was sie sich als ihre Zukunft vorstellen“. Und dass er, der Untalentierte, ernsthaft geglaubt hat, „sein Ticket in die Fernsehwelt wäre eine Dauerkarte“.

Im Grunde sagt Stefan Hauck zu Andreas Türck, dass er — ganz egal, ob er im September freigesprochen wird oder nicht — es nicht verdient hat, jemals wieder auf die Beine zu kommen. Oder „ins Licht“, wie Hauck es nennt. Dass ihm dieser Platz in der Öffentlichkeit nicht zusteht — nicht einmal als (möglicherweise zu unrecht) Angeklagter. Haucks Artikel ist eine einzige wütende Anklage: Wie kann Andreas Türck es wagen, ihn, den „BamS-Autor“, noch einmal mit seiner erbärmlichen Existenz zu behelligen?

Kurz korrigiert (2)

Anders als „Bild“ berichtet, waren es nicht „185 Gramm Rauschgift“, die die Polizei in der Wohnung fand, sondern – laut Polizeibericht186,5 Gramm Gebäck. (Mehr dazu im „Kölner Express“, im „Kölner Stadt-Anzeiger“ oder bei DrugBlog.de.)

Mit Dank an Johann A. für Hinweis & Scan.

Kurz korrigiert (1)

So. Erledigen wir schnell noch ein paar „Bild“- und Bild.de-Falschmeldungen der letzten Tage.

Linkspartei: Sie will alle Drogen freigeben!
Anders als „Bild“ berichtet, fordert nicht die Linkspartei die Freigabe aller Drogen, sondern die Jugendorganisation der Linkspartei in Sachsen.

Kugel verletzt Reporter vor Britneys Haus
Anders als „Bild“ berichtet, fiel der Schuss, der einen Paparazzo in Malibu traf, keineswegs vor dem Haus von Britney Spears, sondern vor einem ganz anderen Haus, in dem Spears angeblich zu Besuch gewesen sein soll.


Anders als „Bild“ berichtet, spielt Ashley Cole nicht inzwischen für Chelsea, sondern hat gerade erst seinen Vertrag mit Arsenal verlängert (vielleicht hat „Bild“ ihn mit Joe Cole verwechselt).


Anders als „Bild“ berichtet, ist dies nicht die „prächtige Villa“ des nordkoreanischen Diktators Kim Jong Il, sondern der Grenzort Panmunjeom, an dem Nord- und Südkorea miteinander verhandeln.

Nur ob Haarefärben nun zu Haarausfall führt, wie „Bild“ heute behauptet, oder Haarefärben überhaupt nicht zu Haarausfall führen kann, wie „Bild“ heute ebenfalls behauptet, wissen wir ehrlich gesagt auch nicht. Immerhin ist einer der beiden Artikel mit Sicherheit keine Falschmeldung.

Danke für die sachdienlichen Hinweise an Thomas F., Sunke S., André K., Nils B., Leander K., Johannes, Cay D und Marc E.

Nachtrag, 9 Uhr: Den Chelsea-Fehler hat Bild.de inzwischen korrigiert. Alle anderen stehen noch da.

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