Trapattoni fliegt nicht

Es ist seltsam: Der Fußballtrainer Giovanni Trapattoni ist gerade mit seiner Mannschaft Benfica Lissabon portugiesischer Meister geworden und jetzt „fliegt“ er. So steht’s jedenfalls bei Bild.de:

Trap feiert – und fliegt!

Und im Text heißt es dann:

Trotzdem hat Trap fertig. Fans und Presse lästern über seinen Mauer-Fußball.

Wir wissen natürlich nicht, welche Presse und welche Fans da gemeint sind, wundern uns aber doch etwas, dass hier zum Beispiel dieses steht:

Die Fans von Benfica Lissabon liegen „Maestro“ Giovanni Trapattoni zu Füßen. (…) Auch die Gazetten stimmten in den Jubel-Chor um „Trap“ ein. „Er kam, sah, triumphierte und sagt jetzt auf Wiedersehen“, titelte die Zeitung „A Bola“. „Die Großen sind unter Trapattoni wieder auferstanden“, schrieb Zeitung „Record“, „Danke, Trap, Benfica ist wieder da“, meinte „A Capital“.

Entsprechend ist auch die Überschrift bei Bild.de natürlich völliger Unsinn. Trapattoni „fliegt“ nicht, er denkt lediglich über seinen Rücktritt nach, weil er seine Familie vermisst. Und das weiß sogar „Sport Bild“.

Mit Dank für den sachdienlichen Hinweis an Schon M.

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Nichts dagegen tun

In jeder Stadt und in jeder kleinen Gemeinde gibt es Menschen, die man nicht so sympathisch, vielleicht auch etwas merkwürdig findet und neben denen man deshalb nicht wohnen möchte. Manchmal kann man sich das allerdings nicht aussuchen.

Dann ruft man einfach die „Bild“-Zeitung an. Und die schreibt daraufhin:

Horror-Nachbarn - ...und wir können nichts dagegen tun

So stand’s am 14. Mai in der Ausgabe Mainz/Wiesbaden. Außerdem wusste „Bild“:

„Sie sind wie Heuschrecken, die von Ort zu Ort ziehen und Verwüstung hinterlassen: Deutschlands Horror-Mieter. Eine dieser Familien lebt jetzt in Westhofen.“

Ein Nachbar erklärte „Bild“:

„Die übergeben sich aus dem Fenster, lassen ihre Hunde wild in den Garten, verwüsten hier alles.“

Und „Bild“-Autorin Pilar May hat nicht nur recherchiert, dass die „Müll-Mieter“ die Mietwohnung ihres letzten Wohnorts in Trümmern hinterlassen haben, sondern auch, dass die Familie eine „240-Quadratmeter-Edel-Wohnung“ nun „auf Kosten der Gemeinde“ bewohnt und zitiert Heiner Michel, Pressesprecher der Kreisverwaltung Alzey, der „zugibt“:

„Ja, die Familie bekommt von uns Arbeitslosengeld II, davon wird auch die Miete bezahlt.“

Darüber hat sich Michel ziemlich geärgert. Zum einen, weil natürlich nicht die Kreisverwaltung die Wohnung bezahlt, sondern die Agentur für Arbeit, wie er es der „Bild“-Reporterin gesagt hat, und zweitens, weil „Bild“ nicht erwähnt, dass die Wohnung laut Auskunft der Agentur für Arbeit für neun Personen angemessen teuer ist und deshalb den ALG-II-Vorschriften entsprechend bezahlt wird.

Forscht man ein bisschen weiter nach, erfährt man, dass die Großfamilie mit ihrem kleinen Zoo in Westhofen zwar nicht allzu beliebt ist, sich aber in ihrer neuen Wohnung bisher nichts zu schulden kommen ließ.

Das Veterinäramt, das laut „Bild“ in der vergangenen Woche „endlich einschreiten“ wollte, ist eingeschritten – und konnte keinen Verstoß gegen eine artgerechte Haltung der Haustiere feststellen. Den Hunden gehe es gut, versichert Michel.

Dem Ordnungsamt der Verbandsgemeinde Westhofen liegen keine konkreten Beschwerden vor, sagt Leiter Lothar Renz. Nicht über Leute, die sich aus dem Fenster übergeben und ebenso wenig über Wohnungen, die in Trümmer gelegt wurden. Auch für das Jugendamt gab es bisher keinen Anlass, aktiv zu werden.

Die „Bild“-Berichterstattung scheint dennoch gewirkt zu haben: Seit der Beitrag erschienen ist, haben sich die Nachbarn, die sich schon vorher nicht leiden konnten, offenbar gar nichts mehr zu sagen. Stattdessen müssen die in „Bild“ abgebildeten Wohnungsbesitzer nun wenig freundliche Kommentare der ungeliebten Nachbarn über sich ergehen lassen. Ein Sat.1-Team war auch schon in Westhofen. Manch einer spricht schon von einer „Hexenjagd“.

Bislang kam es zu keiner Auseinandersetzung, die so heftig war, dass die Polizei einschreiten musste. Hoffentlich bleibt das so.

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Traurige Fakten

Schwer zu sagen, ob das „brutale Grand-Prix-Debakel“ (also die Tatsache, dass der deutsche Beitrag beim Eurovision Song Contest in Kiew am vergangenen Samstag auf dem letzten Platz landete) „jetzt“ tatsächlich „Konsequenzen“ hat, wie es heute in der „Bild“-Zeitung steht, ob es also irgendwie gerechtfertigt ist, wenn „Bild“ behauptet:

0 points! ARD feuert Grand-Prix-Chef

Tatsache ist, dass der für den Grand Prix zuständige NDR bereits gestern bekannt gab, der bisherige Grand-Prix-Verantwortliche Jürgen Meier-Beer höre „auf eigenen Wunsch“ auf.

Tatsache ist auch, dass die Nachrichtenagentur ddp daraufhin schrieb:

„Meier-Beer unterstrich, sein Abgang habe nichts mit dem Grand-Prix-Debakel (…) zu tun (…). Die Gespräche über eine neue Aufgabe für ihn hätten bereits vor einem halben Jahr begonnen.“

Und der NDR legte heute, nach den „ARD feuert Grand-Prix-Chef“-Behauptungen, mit einer zweiten Pressemitteilung nach, in der es heißt:

„Spekulationen in Teilen der Presse, der NDR habe seinen Grand-Prix-Verantwortlichen strafversetzt oder gar gefeuert, entbehren jeder Grundlage (…). Tatsächlich hat Herr Dr. Meier-Beer bereits vor sechs Monaten darum gebeten, nach zehn Jahren mit einer neuen Aufgabe betraut zu werden. Zu diesem Zeitpunkt haben wir gemeinsam begonnen, seinen Wechsel vorzubereiten (…)“

Und wenn sich der NDR nun abermals (und derart ausdrücklich) an die Öffentlichkeit wendet und betont, die Personalie stehe „in keinem Zusammenhang mit dem Abschneiden der Sängerin Gracia beim ‘Eurovision Song Contest’“, dann sollte man sich den „Bild“-Text vielleicht doch noch einmal genauer anschauen. Schließlich findet man dort zwar jede Menge Ausrufezeichen („Gracia Letzte! Miese Quote! Falsches Konzept!“, „Das brutale Grand-Prix-Debakel in Kiew, jetzt hat es Konsequenzen!“, „Die ARD feuert Grand-Prix-Chef Jürgen Meier-Beer (53)!“, „Null Punkte für den Ex-Unterhaltungs-Chef!“, „Sinkende Einschaltquote!“, „Katastrophales Ergebnis!“, „Hohe Kosten!“, „Falsches Auswahlsystem!“) — aber kein einziges Indiz für die Behauptung, Meier-Beer sei gefeuert worden.

Stattdessen findet man unter dem Stichwort „Traurige Fakten“ den Satz:

2000 schauten noch 12 Millionen zu, dieses Jahr nur rund 7 Millionen.

Und das ist in der Tat traurig, weil es nämlich 2000 nicht „12 Millionen“, sondern 10,03 Millionen Zuschauer waren, was hier nur deshalb Erwähnung finden soll, weil „Bild“ nicht einmal dort, wo sie ausdrücklich mit „Fakten“ aufwartet, mit Fakten aufwartet.

Nachtrag, 18.6.2005:
Bild.de muss eine Gegendarstellung des NDR-Intendanten Jobst Plog u.a. veröffentlichen, in der es heißt, „daß Herr Dr. Meier-Beer bereits vor mehreren Monaten darum gebeten hat, mit einer neuen Aufgabe betraut zu werden und bereits vor Durchführung des ‘Eurovison Song Contest’ feststand, daß Herr Dr. Meier-Beer den Posten des „Grand-Prix-Chefs“ abgeben würde.“ Der „Bild“-Artikel selbst ist online nicht mehr verfügbar.

Reizthema Jugendwahn

Jugendwahn! Sat.1 schmeißt Fritz Egner (55) raus

So berichtete „Bild“ am Montag über die Ablösung Fritz Egners als Moderator der Sat.1-Show „Die witzigsten Werbespots der Welt“ durch Ingo Oschmann. Die (ebenfalls im Springer-Verlag erscheinende) „Welt“ hatte darüber bereits am 11.12.2004 ausführlich berichtet – und alles weitere überlassen wir gern dem Online-Medienmagazin DWDL.de, wo es dazu heißt:

Erschreckend an der Geschichte sind zweierlei Dinge: Zunächst die fast ernst gemeinte Sorge, wieso Fritz Egner es nötig hat, mit Monate alten Themen noch einmal durch die Boulevard-Presse zu ziehen. Auf der anderen Seite aber erschreckt die Art und Weise, wie hier der Leser getäuscht wird. Eine Meldung bei „Bild“ bedeutet einmal mehr nicht, dass es auch eine Neuigkeit sein muss. Ein sechs Monate altes Thema wird mit Kampagnen-Journalismus der Marke „Wir packen das Reizthema Jugendwahn noch aus“ aufgewärmt.

Jede Menge schräge Vögel (1)

Unser Kanzler ist Putins Kumpel, seine Frau wirbt so lieb für Hundefutter und unser Konsulat in der Ukraine läßt jede Menge schräge Vögel rein.

BILD-Autor Hauke BrostAnlässlich des Eurovision Song Contest widmet sich „Bild“-Kolumnist Hauke Brost heute Grundsätzlichem. Und wir widmen uns „Bild“-Kolumnist Hauke Brost. Denn das Leben ist eine Achterbahn, nur ungerechter.

Hintergrund: Wer ist Hauke Brost?

Ganz massive Probleme

Arbeitslose zum Intim-Verhör

Unter obiger Überschrift berichtete die „Bild am Sonntag“ gestern, dass die Agentur für Arbeit plane, zukünftig „detaillierte Gespräche mit jedem Arbeitslosengeld-II-Empfänger“ zu führen. Genauer gesagt hieß es in der „BamS“:

„Bevor sie eine Stelle vermittelt bekommen, sollen alle Empfänger von Arbeitslosengeld II bei ihrer Arbeitsagentur zum Intim-Verhör!“

Das ist falsch.

Die „Fragen nach privaten Details“ („Wie eng sind Ihre Beziehungen zu Freunden? Gehen Sie regelmäßig zum Arzt? Welche Kontakte zu Ihren Nachbarn pflegen Sie?“), die von der „BamS“ aus einem durchaus umstrittenen, internen „Fachkonzept Beschäftigungsorientiertes Fallmanagement im SGB II“ zitiert werden, sollen nicht, wie die „BamS“ pauschal behauptet, „die Hartz-IV-Betroffenen beantworten, wenn sie einen neuen Job wollen“.

Die Fragen stammen vielmehr aus einer knapp 100-seitigen „Handlungsempfehlung“ der Arbeitsagentur und seien „nur für Langzeitarbeitslose mit ganz massiven Problemen“ gedacht bzw. „Langzeitarbeitslose mit massiven Schwierigkeiten, zum Beispiel Suchtproblemen“ bzw. „Menschen, die wegen teils massiver persönlicher Problemsituationen von so genannten Fallmanagern betreut werden“ und betreffen „nur wenige ALG-II-Empfänger“ – weshalb denn auch beispielsweise die „Allgemeine Zeitung Bad Kreuznach“ weitaus korrekter titelt:

BA: Kein "Intim-Verhör" für Arbeitslose

„Bild“ weiß Russland nicht

Heute reden wir mal über Inkompetenz. Die „Bild“-Zeitung fordert nämlich heute ihre Leser auf, sich ihre Fernsehgebühren von der ARD „zurückzuholen“, weil der Grand Prix so schlecht war:

Was Ihr Peter Urban uns am Sonnabend zugemutet hat, war eine an Langeweile und Inkompetenz nicht zu überbietende TV-Katastrophe.

Der Hauptvorwurf, der fast die Hälfte des zugehörigen „Bild“-Artikels ausmacht, lautet wie folgt:

Hätten Sie gewußt, was „Belrus“ bedeutet?

Nein? Macht nichts! 7,01 Millionen TV-Zuschauer wußten es bei der Übertragung des „European Song Contest“ auch nicht. Weil die ARD nicht mal in der Lage war, die eingeblendeten Untertitel des ukrainischen Fernsehens zu übersetzen. BILD hilft: „Belrus“ ist englisch und heißt übersetzt: Weißrußland …

Daran ist ungefähr alles falsch.

Der Wettbewerb heißt nichtEuropean Song Contest“, sondern „Eurovision Song Contest“. „Belrus“ ist kein englisches Wort. Das Wort, das „Bild“ meint, heißt „Belarus“. Das ukrainische Fernsehen hat auch „Belrus“ nicht als „Untertitel“ eingeblendet. Eingeblendet war „Belarus“, das englische Wort für Weißrussland.

Und an exakt dieser Stelle, an der das ukrainische Fernsehen „Belarus“ einblendet, weil die weißrussische Punktevergabe zu sehen ist, sagt der „inkompetente“ ARD-Moderator Peter Urban wörtlich dies:

Nun nach Weißrussland.

Jetzt können Sie natürlich immer noch den Vordruck von „Bild“ benutzen, an die ARD schreiben und versuchen, sich Ihre TV-Gebühren zurückzuholen. Aber wenn Sie sich schon über Inkompetenz beschweren wollen, vielleicht schreiben Sie lieber woanders hin?

Nachtrag, 20.6.2005:
Am 16.6.2005 musste „Bild“ eine entsprechende Gegendarstellung des NDR-Intendanten Jobst Plog abdrucken.

Allgemein  

Wie sich die Bilder gleichen

Investigative Journalisten bei der „Bild“-Zeitung haben eine aufsehenerregende Entdeckung gemacht: Der neue Papst gleicht dem alten wie ein Papst dem anderen jemand, der „in seiner Körpersprache seinem Vorgänger immer ähnlicher“ wird und „dessen Gestik zu übernehmen“, eine „große stille Verbeugung vor dem Vorgänger“ ist.

In der Tat: Die vierteilige „Fotostudie“ von „Bild“ zeigt frappierende Ähnlichkeiten.


Die beiden haben offenbar einen ähnlichen Modegeschmack…


… lieben die gleichen Bücher…


…benutzen beim Winken ihre Hände…


…und wenn man sie durch größere Menschenmengen fotografiert, kann man den einen so wenig erkennen wie den anderen.

Aber hier hören (außer für „Bild“) die Ähnlichkeiten natürlich noch längst nicht auf, denn…


…als Zeichen seiner „Verbeugung für den Vorgänger“ hat Papst Benedikt XVI. denselben Architekten für seine Arbeitsräume gewählt wie Papst Johannes Paul II…


…und im Schlaf kann man die beiden quasi gar nicht mehr auseinanderhalten.

Hauptsache, es gibt Streit

Am vergangenen Sonntag stand im „Tagesspiegel“ ein Text von Marie Theres Kroetz-Relin. Kroetz-Relin ist die Tochter der Ende April verstorbenen Maria Schell, und sie beschreibt in diesem Artikel anschaulich und detailliert, „wie sie nach dem Tod ihrer Mutter von der Boulevardpresse belagert wurde“. Zwar nennt Kroetz-Relin keine Namen einzelner Boulevardmedien, es gibt in dem Text aber einen Absatz, bei dem man unweigerlich an diese, nein, diese – Verzeihung: bei dem man an folgende Geschichte erinnert wird, die am 29. April auf Seite vier in „Bild“ stand:

Familienkrach am Grab von Maria Schell

In dem seitenfüllenden „Bild“-Text geht es um Maria Schells Bruder, Carl Schell. Der habe sich Jahre nicht um seine „kranke Schwester“ gekümmert, sei jetzt aber „plötzlich wieder da“ und wolle „an ihrer Beerdigung teilnehmen“.

Außerdem wird Kroetz-Relin in dem „Bild“-Text zitiert – allerdings nicht, ohne dass „Bild“ noch ein paar Sätze dazuschreibt. So heißt es dort:

„Es gibt Leute, die sich jetzt auf Kosten meiner Mutter in den Vordergrund drängen.“
Wen sie damit meint, ist klar! Marias Bruder Carl Schell (77).
Hervorhebungen von „Bild“

Und der Text endet folgendermaßen:

Und niemand ist glücklich über das Wiedersehen!
Düster klingt, was Marie Theres Kroetz-Relin vor der Beerdigung sagt: „Wenn jemand, der da nicht hingehört, meiner Mutter am Grab zu nahe kommt, dann raste ich aus.“
Hervorhebungen von „Bild“

Das klingt tatsächlich nach Familienkrach – Kroetz-Relin hat es ja quasi bestätigt. Oder? Im „Tagesspiegel“ allerdings klingt das völlig anders:

Nach so vielen Würdigungen war die Zeit reif für Schmutzwäsche: Eine Boulevardzeitung brauchte eine Story und konfrontierte mich mit Zitaten, die angeblich von meinem Onkel Carl stammen sollten. Ich verweigerte dazu jede Stellungnahme, da ich meinen Onkel 16 Jahre nicht gesehen hatte, und erklärte im strengen Ton, dass ich dieses pietätlose Verhalten der Journalisten widerlich finde und ich das auch öffentlich am Grab meiner Mutter sagen würde.
Hervorhebungen von uns

Anschließend erzählt Kroetz-Relin im „Tagesspiegel“ vom Tag der Beerdigung:

Wütend rief ich den Journalisten an und schrie: „Wie kommen Sie dazu, meine Zitate zu entfremden und gegen meinen Onkel anzuwenden? Sie wissen genau, dass es gegen euch, die Medien, gerichtet war! Ich würde nie ein Wort gegen meine Familie sagen…“ „Tut mir leid, aber die Story über Vicky Leandros ist ausgefallen, und da hab ich Ihre Antworten vom Band abgetippt…“ Ich war fassungslos: Das Gespräch wurde ohne mein Wissen mitgeschnitten und meine Worte zum reißerischen Aufmacher verdreht.
Hervorhebungen von uns

Da pimpt was nicht

Es gibt „Pimp Daddy“-T-Shirts, „Pimp Daddy“-Zigarettenpapiere und „Pimp Daddy“-Zigarettendrehmaschinen, „Pimp Daddy“-Goldkettchen, „Pimp Daddy“-Hüte, „Pimp Daddy“-Puppen, andere „Pimp Daddy“-Puppen und andere „Pimp Daddy“-T-Shirts – und es gibt (jedenfalls laut Bild.de) einen „neuen Trend aus Amerika“: das „Pimpen“!

Lesen wir doch mal rein, was Bild.de so schreibt:

(…) Der neue Protz-Trend kommt – logisch – aus den USA. Dort haben Rap-Ikonen wie Snoop Dogg, 50 Cent oder Namensgeber Pimp Daddy eine Pimp-Mania ausgelöst. (…)

Aha, möchte man da sagen. Oder doch lieber: Ach ja?

Denn selbst, wenn wir den Trendscouts von Bild.de nicht unterstellen wollten, dass sie womöglich was verwechselt und peinlicherweise nicht „Pimp Daddy“ sondern Puff Daddy bzw. P. Diddy gemeint haben könnten (ja, sogar, wenn man nach längerem Suchen tatsächlich einen irrelevanten Rap-Musiker gleichen Namens ausfindig zu machen vermag), geht die angebliche „Pimp-Mania“ natürlich mitnichten auf irgendeine namensgebende Rap-Ikone zurück, sondern – wie die „Pimpen“-Experten von Bild.de leider verschweigen – bloß auf die ursprüngliche Bedeutung des Wortes pimp, also „Zuhälter“, weshalb dann auch der Begriff Pimp Daddy nichts anderes bezeichnet als ein dazugehöriges (nicht nur in Rapper-Kreisen beliebtes) Klischee, das in den letzten Jahren durch Lieder wie dieses, TV-Sendungen wie diese und diese oder sowas noch populärer wurde.

Mit anderen Worten: Die Bild.de-Mär vom „Namensgeber Pimp Daddy“ ist ebenso dumm wie dreist (insbesondere dort, wo dann auch noch von „weiblichen Pimps“ und dem „Pimp-Doc“ die Rede ist), wäre aber kaum der Rede wert, zeigte sie nicht, wie man im Hause „Bild“ sogar bei unreif zusammengeschusterten Artikelchen ungeniert drauflosfantasiert.

Mit Dank an Perry für die Anregung.

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