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„Diese Geschichte haben alle überblättert“ (telepolis.de)
Versäumnisse von Biografen und Kulturredakteuren bei der Berichterstattung über die Vergangenheit von Günter Grass.

„Man entscheidet einsam“ – „So ist es“ (weltwoche.ch)
Seit 50 Jahren ist er nun tot, dieser linkspathetische Jahrhundertdramatiker. Und? Was wird bleiben von Bertolt Brecht? Ein Gespräch mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel und dem österreichischen Schauspielkünstler Klaus Maria Brandauer.

Planspiel Libanon (jungewelt.de)
US-Enthüllungsjournalist: Israels Krieg war von langer Hand vorbereitet und von Washington abgesegnet (der betreffende Text von Seymour M. Hersh im New Yorker hier)

Ernest Hemingway on Writing (turi-2.blog.de)
Ein guter Text ist wahr, relevant, knapp, präzise, einfach, emotional und eine Einladung zum Gespräch.

Blogs als Standard (wortfeld.de)
Zeitungs-Websites im Ländervergleich. Im Wortfeld-Wiki werden die Features von Zeitungs-Websites in Deutschland gesammelt.

Vergiss die blöde Lust! (woz.ch)
Wenn frau nicht grad frisch oder halbfrisch verliebt ist, das Alter, in dem alles neu und spannend war, auch schon glücklich oder unglücklich hinter sich gebracht hat, muss sie gelegentlich anfangen, sich zu überlegen, aus welchen Gründen sie den leiblichen Genüssen eigentlich noch huldigt. Die Qualität der Gründe wie der Genüsse ist doch sehr unterschiedlich. (siehe auch: 1993 hatte die WOZ noch ein Sexleben)

Kurz korrigiert (255)

So wie wir „Bild“ kennen, steht dort in der „Korrekturspalte“ von morgen bestimmt:

"Berichtigung: In dem Artikel "Das Bohlen-Fotoalbum der BILD-Leser-Reporter" (BILD vom 16.8.) wird das Alter von Dieter Bohlens jüngstem Kind aus erster Ehe mit 6 Jahren angegeben. Das ist falsch: Das Kind ist 16."

Mit Dank an die zahlreichen Hinweisgeber.

Nachtrag, 17.8.2006
Sorry, wir haben uns geirrt. Tatsächlich steht in der „Korrekturspalte“ heute dies:
"Berichtigung: In dem Artikel „Das Bohlen-Fotoalbum der BILD-Leser-Reporter“ (BILD vom 16. 8.) wird das Alter von Dieter Bohlens Kindern mit 21, 17 und 6 Jahren angegeben. Das ist falsch. Sie sind 21, 17 und 16 Jahre alt."

Kurz korrigiert (254)

Zweifelhaft sind diese Klatschgeschichten, die so durch die Medien geistern ohnehin. Nachdem Bild.de sie bearbeitet hat, sind sie auch falsch.

Der „Action-Thriller“, vor dessen Kamera Frau Ryder und Herr Reeves nach Meinung von Bild.de „derzeit“ stehen, ist ein Science-Fiction-Drama, das vor zweieinhalb Monaten in Cannes Premiere hatte, seit über fünf Wochen in den amerikanischen Kinos läuft und vor drei Wochen erstmals in Deutschland zu sehen war.

Danke an Thomas S. für den Hinweis!

Transfehlleistungen

Zugegeben, er klingt etwas kompliziert, der Satz, mit dem Klaus-Jürgen Duschek vom Statistischen Bundesamt uns gegenüber ein Teilergebnis des Mikrozensus 2005 erklärt:

„Rund 41 Prozent der Haushalte in Deutschland geben an, dass sie einen Haupteinkommensbezieher haben, der überwiegend von Transferleistungen* lebt.“

*) Arbeitslosengeld I und II, Renten/Pensionen, Sozialhilfe, Pflegeversicherung, Sozialgeld, Grundsicherung, sonstige Unterstützung (z.B. BAföG)

Bei „Bild“ wird heute aus demselben Sachverhalt diese Seite-1-Schlagzeile:

"41 % der Deutschen leben vom Staat"

Klingt ähnlich, ist aber falsch. Die Daten des Statistischen Bundesamtes, auf die „Bild“ sich bezieht, erfassen nämlich Ausländer wie Deutsche gleichermaßen (das hat übrigens auch „Deutschlands klügster Manager“ und „Bild“-Kommentator Hans-Olaf Henkel nicht verstanden). Außerdem geht es in der Statistik gar nicht um Einzelpersonen, sondern um „Haushalte“ (s.o.). Das weiß (anders als Henkel) auch „Bild“:

Schon 41,5 % aller Haushalte beziehen ihr Einkommen aus öffentlichen Unterstützungsleistungen wie Hartz IV, Sozialhilfe oder Rente. Das geht aus Berechnungen des Statistischen Bundesamtes hervor.
(Hervorhebung von uns.)

Leider stimmt aber auch das nicht — jedenfalls insofern nicht, als „Bild“ den Eindruck erweckt, diese 41,5 Prozent würden ausschließlich dem Staat auf der Tasche liegen. Denn es geht in der Statistik ja um den „überwiegenden“ Lebensunterhalt der „Haupteinkommensbezieher“ dieser Haushalte (s.o.).

Zum Vergleich hat das Statistische Bundesamt heute nochmal die Daten auf Einzelpersonen bezogen aufgeschlüsselt. Da ergibt sich ein anderes Bild. Von den rund 82,7 Millionen Menschen in Deutschland leben nämlich bloß 29,2 Prozent „vom Staat“ (und 40,9 Prozent bestreiten ihren Lebensunterhalt durch eigene Erwerbstätigkeit).

Und noch was. Der „Bild“-Text beginnt wie folgt:

Immer weniger Deutsche leben von selbst verdientem Lohn!

Weiter heißt es, dass „nur 55,4 % der 39 Millionen Haushalte von eigenem Einkommen“ leben.

Dabei ergab eine Umfrage des Statistischen Bundesamts im April 1996, dass damals 55 Prozent der Haushalte einen Haupteinkommensbezieher hatten, dessen überwiegender Lebensunterhalt aus Erwerbstätigkeit stammte. Die aktuellen 55,4 Prozent sind daher nicht „immer weniger“, sondern doch eher mehr.

P.S.: Das „manager-magazin“ machte heute übrigens in seiner Online-Ausgabe eine Meldung aus der „Bild“-Geschichte, präsentiert aber zum Glück inzwischen (unter der Überschrift „Heute leben weniger Deutsche auf Staatskosten als vor zehn Jahren“) auch „die Auflösung für den Statistik-Aufreger“ und erklärt, warum die „Bild“-Schlagzeile „zudem grob verkürzt“ sei.

Mit Dank an Jason M. für den sachdienlichen Hinweis.

Nachtrag, 22.05 Uhr: „Die Auflösung für den Statistik-Aufreger“ bei manager-magazin.de wurde noch einmal überarbeitet. Die Überschrift lautet jetzt treffend „Heute leben kaum mehr auf Staatskosten als vor zehn Jahren“, und andere Ungenauigkeiten im Text wurden korrigiert.

„Bild“ fand „SS-Beweis“ auch

„Bild“-Autor Paul C. Martin schreibt heute über den Schriftsteller Günter Grass, der kürzlich öffentlich gemacht hatte, dass er als Jugendlicher Mitglied der Waffen-SS gewesen sei. Offenbar belegen auch Dokumente seine Waffen-SS-Zugehörigkeit. Und „Bild“-Autor Martin schreibt:

"Ein vergilbtes Dokument aus dem US-Militärarchiv, das BILD vorliegt. Der SS-Beweis!"

„Bild“ widmet dem „SS-Beweis“ heute auch die Titelschlagzeile (siehe Ausriss) und schreibt:

„Jetzt fand BILD das Dokument, das zweifelsfrei beweist: Grass war bei der Waffen-SS!“

Wie „Bild“ das Dokument fand, steht indes nirgends. Eine vergleichsweise naheliegende Möglichkeit wäre ein Klick auf Spiegel Online gewesen. Dort nämlich ist die ganze Story bereits seit gestern nachmittag, 15.05 Uhr, weltweit und kostenlos zugänglich. Und ebenfalls seit gestern nachmittag wimmelt es daher auch im Angebot der Nachrichtenagenturen von Meldungen über die auf Spiegel Online veröffentlichten Dokumentenfunde des „Spiegel“-Autors Klaus Wiegrefe.

Und natürlich ist der „SS-Beweis“, der, nebenbei bemerkt, laut „Berliner Zeitung“ seit Jahrzehnten „öffentlich zugänglich“ ist, seit seinem Bekanntwerden am gestrigen Nachmittag auch in diversen anderen Medien ein Thema — meist unter Verweis auf den „Spiegel“ oder Spiegel Online. Nur Focus Online berichtet treudoof: „Das meldet die ‚Bild‘-Zeitung (Mittwochausgabe).“

Übrigens:
Bei Bild.de, wo der Dokumentenfund erstmals gestern abend, 22.57 Uhr, in der „Bild“-Version („Jetzt fand BILD…“) auftauchte, heißt es in einem Teaser fälschlicherweise noch immer: „Grass-Affäre: Bei der SS musste er Fingerabdrücke abgeben“, obwohl er das doch gar nicht „bei der SS“ tat, sondern als Kriegsgefangener der Alliierten.

Nachtrag, 17.8.2006: Bei Focus Online wurde der Hinweis auf „Bild“ mittlerweile ersatzlos aus dem Artikel entfernt — offenbar allerdings erst, nachdem BILDblog-Leser Christian G. (Danke übrigens!) die Focus-Online-Redaktion auf ihre Ungeschicklichkeit hingewiesen hatte.

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Das Geständnis-Event (zeit.de)
Nicht die SS-Mitgliedschaft von Günter Grass ist der Skandal, sondern sein Interview in der „FAZ“: eine Beichte, die keine ist.

Verzerrtes Bild vom Krieg (spiegel.de)
„Eingebettete“ Reporter haben das Bild des Irak-Kriegs in US-Medien maßgeblich bestimmt. Nach einer amerikanischen Studie kamen Berichte über das Frontleben der US-Soldaten erheblich häufiger auf die Titelseite als das Leid der Zivilbevölkerung.

Vorsicht: Voyeure (welt.de)
Deutschland hält den Atem an. Denn ein Männermagazin hat exklusiv enthüllt: Männer werden am Strand zu Spannern. Doch damit nicht genug. Noch lange nicht.

Geschäftsideen vor ihrer Zeit (bernergazette.ch)
Die Berner Gazette liest „Zeilengeld“ von George Gissing und findet ein Zitat zur Sehnsucht des Lesers nach Schnickschnack.

Wohin damit (zitty.de)
Angst vor dem Schulbeginn – Vielleicht sind wir ja alle ein bisschen schizophren.

Sei pünktlich! Spuck nicht auf die Straße! (taz.de)
Die Lehrbücher für die Integrationskurse machen Migranten eher mit kulturellen Vorurteilen vertraut als mit dem Alltagsleben in Deutschland. Die NS-Geschichte kommt in dem neuesten Lehrbuch gar nicht vor. Bundesamt verspricht Nachbesserungen.

Bild.de-Leser haben entschieden — aber wie?

„Unsere Leser haben entschieden“ schreibt Bild.de über den Text zum Bild.de-Voting-Ergebnis, wer der oder die tollste Soap- und/oder Telenovela-Darsteller oder Darstellerin sei. Da wäre es natürlich sinnvoll gewesen, wenn man als Grundlage für diesen Text das Votingergebnis genommen hätte, das Bild.de nur einen Klick entfernt präsentiert. Oder — wahlweise — die Präsentation des Voting-Ergebnisses entsprechend angepasst hätte. Nur, um keine Verwirrung aufkommen zu lassen.

Denn, wer vermag nun schon zu beurteilen, ob „Soap-König“ Daniel Fehlow 16,8 Prozent der Stimmen bekommen hat, wie im Text steht, oder 16,7, wie auf der Ergebnis-Seite zu lesen ist? Kam Alexander Solti auf 14,4 Prozent der Stimmen (Ergebnis-Seite) oder doch auf 14,9 (Text)? Ist Henriette Richter-Röhl tatsächlich mit 12,6 Prozent die „beliebteste Soap-Lady“ (Text) oder ist sie bloß die zweitbeliebteste mit 12,1 Prozent und stattdessen Janin Reinhardt mit 12,3 Prozent die beliebteste Frau (Ergebnis-Seite)? Was wiederum die Frage aufwirft, auf welchem Platz Susanne Gärtner landete: Auf Platz 4 als zweitbeliebteste Frau mit 12,3 Prozent (Text) oder doch eher mit 11,5 Prozent als drittbeliebteste Frau auf Platz fünf (Ergebnis-Seite)? Außerdem: Landete Tanja Szewczenko nun auf dem letzten Platz, wie es im Text heißt, oder auf dem Vorletzten, wie auf der Ergebnis-Seite steht? Und wie egal genau ist den Bild.de-Mitarbeitern eigentlich, wie ihre Leser wirklich entschieden haben?

Mit Dank an Heike W. und Carsten R. für den sachdienlichen Hinweis.

Nachtrag, 15.14 Uhr: Und, schwupps, hat man sich bei Bild.de entschieden, dass die Angaben auf der Ergebnis-Seite richtig sind und den Text entsprechend angepasst.

„Bild“-Experte kennt Uno-Resolution nicht

„Bild“ lässt sich heute von Michael Wolffsohn die Frage beantworten, ob Israel den Krieg gewonnen hat. Der Professor für Neuere Geschichte unter besonderer Berücksichtigung der internationalen Beziehungen kommt zu dem Ergebnis „Gewonnen ja, gesiegt nein!“, und begründet das u.a. so:

Die Hisbollah sollte entwaffnet werden. So hatte es die Uno 2004 beschlossen. Im jetzigen Uno-Beschluss zum Waffenstillstand ist von Entwaffnung der Hisbollah nicht mehr die Rede.

Nun ja: Der jetzige Beschluss des UN-Sicherheitsrates (Resolution 1701) bezieht sich nicht weniger als vier mal auf den Beschluss von 2004 (Resolution 1559), in dem die Entwaffnung aller Milizen im Libanon gefordert wurde. Und der jetzige Beschluss wiederholt die alte Forderung ausdrücklich noch: Grundlage des Waffenstillstands und einer langfristigen Lösung sei u.a. „die Entwaffnung aller bewaffneten Gruppen im Libanon“ außer der libanesischen Streitkräfte. Generalsekretär Kofi Annan wird aufgefordert, Vorschläge für die Entwaffnung der Miliz zu erarbeiten.

Kurz gesagt: Das Gegenteil dessen, was in „Bild“ steht, ist richtig.

Danke an Simon K. und Erich B.!

„Bild“ verläuft sich im Nahen Osten

Es scheint, als hätte die „Bild“-Zeitung den Überblick über die vielen Schauplätze im Nahen Osten verloren. Gestern formulierte sie in Bezug auf die Waffenruhe im Libanon-Konflikt die Überschrift:

Ab heute sollen die Waffen schweigen. Für ihn kommt der Frieden zu spät

Der Pfeil unter dem Wort „ihn“ zeigt auf einen Mann, der als angeblicher Kollaborateur von Mitgliedern der Gruppe „Islamischer Jihad“ hingerichtet worden sein soll. Im Westjordanland wohlgemerkt, nicht im Libanon.

Danke an Ullrich F. für den Hinweis!

„Bild“ verleumdet Sozialarbeiterin (3)

Am 7. Juni dieses Jahres schrieb „Bild“ über die Sozialarbeiterin Fatma Celik:

"Sozialarbeiterin verhöhnt verprügelte Lehrerin!"

Das war unwahr. Celik hatte die „verprügelte Lehrerin“ nicht verhöhnt, sondern „Bild“ hatte sinnentstellend aus einem Interview mit Celik in der „taz“ zitiert. Und aus dem sinnentstellenden und verkürzten Zitat schlussfolgerte „Bild“ dann die falsche Überschrift und einen „neuen Skandal um Schulhofschläger Mohamed O.“, weil Celik dem „Prügelkind scheinbar recht“ gegeben habe. Entsprechend muss „Bild“ (wie kürzlich übrigens auch schon der „Tagesspiegel“) heute die bereits angekündigte Gegendarstellung veröffentlichen. Darin heißt es:

In der Bildzeitung (…) verbreiten Sie unter der Überschrift „Sozialarbeiterin verhöhnt verprügelte Lehrerin“ auf S. 5 über mich ein unvollständiges und damit sinnentstelltes Zitat: (…)

Das hätte auch „Bild“ natürlich schon bei Veröffentlichung des Artikels klar sein müssen. Und insofern haben wir dem nicht mehr hinzuzufügen als „Bild“ der Gegendarstellung:

Fatma Celik hat recht,
die Redaktion

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