Kleinste Zweifel

FAZ:Wie war das eigentlich mit Gregor Gysis Hirn? Haben Sie Gysis Hirn gezeigt oder irgendeinen anderen Schädel?

Kai Diekmann: „Auf die hübsche Idee mit dem Gehirn hat uns zuerst Gregor Gysi selbst gebracht, als wir mit ihm über seinen Gesundheitszustand und die Belastungen der kommenden Wahl sprachen. Da hat er uns zu seinem Arzt geschickt. Bei dem Termin hat der Professor sogar noch mit Gregor Gysi telefoniert und uns mitgeteilt, er könne die Unterlagen aus der Krankenakte Gysi, die wir dann veröffentlicht haben, herausgeben. Da gibt es nicht den kleinsten Zweifel.“

(Aus einem FAZ-Interview mit dem „Bild“-Chef vom 15.9.2005)

Unter der Überschrift „Keine hübsche Idee“ veröffentlicht die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ heute zu obigem Interview folgenden Leserbrief:

„K. Diekmann wird unter anderem gefragt, ob auf der Titelseite der ‘Bild’ vom 14. Juni mein Gehirn gezeigt worden sei oder nicht. Dieser Frage weicht K. Diekmann wohlweislich aus, es gibt nämlich nicht den kleinsten Zweifel, daß der abgebildete Gehirnquerschnitt nicht von mir stammt. Im Widerspruch zu seinen Behauptungen ist ‘die hübsche Idee’ mit dem Gehirn keineswegs auf mich zurückzuführen. Auch habe ich die Journalisten nicht etwa zu meinem Arzt geschickt. Schon gar nicht hat der Professor diesen gegenüber geäußert, er könne Unterlagen aus meiner Krankenakte zur Veröffentlichung herausgeben. Die Veröffentlichung ist ohne meine Kenntnis und ohne mein Zutun erfolgt. Ich habe nicht einmal geahnt, daß ‘Bild’ plante, meinen Gehirnquerschnitt auf der Titelseite zu präsentieren.

Dr. Gregor Gysi, Berlin“
(Verlinkung von uns.)

Die FAZ hat die eingangs zitierte Interview-Passage in ihrer Online-Ausgabe inzwischen ersatzlos und unkommentiert entfernt.

Mit Dank an Markus H. fürs FAZ-Lesen.

Nachtrag, 17:55:
Mittlerweile findet sich unter dem gekürzten Interview bei FAZ.net folgende „Anmerkung der Redaktion“:

Einzelne Absätze des Gesprächs sind aus rechtlichen Gründen bis zu einer abschließenden Prüfung entfernt worden.

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Was kann denn „Bild“ dafür?

In der gestrigen „Bild“-Zeitung fand sich ja (wie berichtet) eine Fotomontage, die den Boxer Lamon Brewster am Grab von Max Schmeling zeigte. In manchen Ausgaben (z.B. Berlin) war die Montage mit dem Hinweis „Foto: BILD-Fotomontage“ gekennzeichnet, in der Hamburg-Ausgabe hingegen stand darunter „Foto: action press“ (weil die Agentur action press den ans Grab montierten Brewster bei einem PR-Termin fotografiert hatte), und in kleinerer, man könnte sagen, ziemlich kleiner Schrift, hochkant am Rand des Fotos stand zudem: „Montage: Lars Wolter“ (siehe Ausriss).

Nun berichtete die Website des NDR übereinstimmend mit der Online-Ausgabe der „Rheinischen Post“, Brewster habe sich „vor dem Grab von Schmeling ablichten“ lassen. Genauer gesagt, veröffentlichten der NDR und die „Rheinische Post“ eine entsprechende Meldung des Sport-Informations-Dienstes SID.

Fragt man schließlich beim SID den Autor der Meldung, woher er denn wisse, dass Brewster sich „vor dem Grab von Schmeling ablichten“ ließ, sagt er zunächst: „Na, aus der gestrigen ‘Bild’-Zeitung…“

PS: Der NDR hat sich mittlerweile entschieden, die falsche Behauptung ersatzlos aus dem Text zu streichen. Bei der „Rheinischen Post“ steht sie nach wie vor. Aber da hatten wir ja auch nicht nachgefragt.

Nachtrag, 28.9.2005:
Nachdem ein BILDblog-Leser die „Rheinische Post“ auf ihren Irrtum hinwies, hat man sich dort entschieden, die Meldung mit einer „Anmerkung der Redaktion“ zu versehen:

„Die ursprüngliche Textversion wurde geändert, weil sich nicht verifizieren lässt, dass Lamon Brewster sich vor dem Grab von Schmeling ablichten ließ. Wir haben darum die entsprechende Passage aus dem Text, der von einer Nachrichtenagentur geliefert wurde, gestrichen.“

In der „Frankfurter Neuen Presse“ indes (und wer weiß, wo sonst noch) steht die falsche Passage weiterhin unkorrigiert…

Nachtrag, 28.9.2005, 12:20:
Nach unserer Veröffentlichung teilt uns nun auch die „Frankfurter Neue Presse“ mit, sie habe „ebenfalls die Textkorrektur der Kollegen der ‘Rheinischen Post’ übernommen und an den Text angefügt„. Und jetzt ist auch mal gut.

Schwups III

Die „Bild“-Zeitung wird wohl auch in den nächsten Tagen ihre Seiten mit Gegendarstellungen von Menschen füllen müssen, über die das Blatt falsch oder irreführend berichtet hat. Am eindrucksvollsten dürfte eine Gegendarstellung von Umweltminister Jürgen Trittin ausfallen, die „Bild“ in Schlagzeilengröße auf Seite 1 bringen muss. Eine weitere Gegendarstellung Trittins soll auf Seite 2 erscheinen.

Das Landgericht Berlin hat am Freitag nämlich den Einspruch der Axel Springer AG gegen zwei einstweilige Verfügungen zurückgewiesen. Es geht dabei (wie berichtet) um die „Benzin-Wut“-Kampagne von „Bild“ gegen Trittin. „Bild“ hatte die Empfehlungen des Umweltministers gegen die hohen Spritpreise (u.a.: zu sparsameren Autos wechseln, spritsparender fahren, Kraftstoffe wie Biodiesel einsetzen, ab und zu Bus und Bahn statt des Autos benutzen) auf die einzige Forderung verkürzt: „ab und zu das Auto stehen lassen“.

Das Landgericht Berlin sieht in dieser Verkürzung des Zitates eine Verletzung des Persönlichkeitsrechtes von Trittin.

An die Wiedergabe wörtlicher Zitate sind grundsätzlich strenge Anforderungen zu stellen. (…)

Dass der Antragsteller den Rat, ab und zu das Auto stehen zu lassen, für den Fall gegeben hat, dass Bus oder Bahn genutzt werden könne, wird dem Leser ebenso verschwiegen wie die Tatsache, dass er weitere Vorschläge unterbreitet hat, die den Antragsteller nicht mehr in einem so arroganten Licht dastehen lassen wie es nach dem Ausgangsartikel der Fall ist, in dem der Antragsteller als jemand dargestellt wird, dem die Belange der Autofahrer völlig egal sind.

Bemerkenswert ist, wie die Axel-Springer-AG in dem Prozess laut Urteilsbegründung die Verkürzung von Trittins Aussagen verteidigt hat: Aus dem Interview habe die „Bild“-Zeitung „den einzig realistischen und praktikablen Vorschlag“ Trittins herausgegriffen. Sie habe Trittin durch die Verkürzung sogar „vor noch heftigerer Kritik bewahrt, weil durch die hohen Benzinpreise in finanzielle Bedrängnis geratene Autofahrer es als Hohn empfinden müssten, dass sie sich ein neues Biodiesel-Auto kaufen sollten.

Im Klartext: „Bild“ hat Trittin mit dieser sinnentstellenden Berichterstattung letztlich vor sich selbst geschützt:

Wut auf Trittin / "Der soll mal SEINEN Dienstwagen stehen lassen"

Und er ist nicht einmal dankbar.

„Bild“ verwechselt Deutschland mit Afghanistan

Am 17. September, kurz vor der Bundestagswahl, berichtete „Bild“, was zuvor der „Spiegel“ berichtet hatte: dass nämlich CDU, FDP und SPD „einen Teil ihrer Wahlplakate im Ausland drucken“ ließen. Und nicht nur das. „Bild“ hatte noch eine weitere Quelle zum Thema aufgetan und schrieb (siehe Ausriss):

„Und auch die Ausstattung der Wahllokale kommt nach einem Bericht der ‘Financial Times Deutschland’ weitgehend aus dem Ausland.

Spezialfirmen in Kanada produzieren die 140.000 Wahlurnen, China stellte die Wahlstationsausrüstungen, Firmen in Österreich und Großbritannien druckten die 40 Millionen Stimmzettel.“

Und spätestens bei den „40 Millionen Stimmzetteln“ hätte „Bild“ eigentlich stutzig werden müssen. Hatte der Bundeswahlleiter nicht längst bekannt gegeben, dass „– nach einer Schätzung des Statistischen Bundesamtes — im Bundesgebiet etwa 61,9 Millionen Deutsche wahlberechtigt“ sein werden?

Andererseits: Stand es nicht genau so in der FTD? Aber ja. Wörtlich hatte es dort am Vortag geheißen:

„Spezialfirmen in Kanada produzierten die 140.000 Wahlurnen, China stellte die Wahlstationausrüstungen, Firmen in Österreich und Großbritannien druckten die 40 Millionen Stimmzettel (…).“

Aber vielleicht hätte die „Bild“-Redaktion den FTD-Text doch ein wenig genauer lesen sollen. Schließlich handelte es sich bei dem angeblichen „Bericht“ um die Kolumne „Casual Friday“ — und die endete (unter Verweis auf die Konrad-Adenauer-Stiftung) ebenso überraschend wie pointiert mit den Worten: „Viel Glück, Afghanistan!“

Und siehe da, weniger humorig (aber wortgleich) finden sich die Infos zu Wahlstationsausrüstung und Stimmzettelproduktion tatsächlich auch bei der zitierten Adenauer-Stiftung wieder — in einem „Kurzbericht“ zum Thema „Wahlen in Afghanistan“ bzw. so:

Mit Dank an Thomas R. für Hinweis und Scans.

„davor“ = „danach“

Diese Geschichte ist uninteressant. Es ist eine von diesen dummen Wowereit-fast-wieder-umgedreht-Geschichten, die „Bild“ so liebt, der Anlass ist ein schlichter Begrüßungsbussi mit Franziska van Almsick bei einer Gala.

Aber da gibt es ein bemerkenswertes Detail. Bei Bild.de heißt das Stück „Hier verzaubert Franzi Berlins Regierenden Bürgermeister“. Und fast der gesamte Artikel beschäftigt sich mit diesem Moment, in dem es — so suggeriert Bild.de — zwischen dem schwulen Bürgermeister und dem ehemaligen Sportstar funkte:

Ich schau dir in die Augen, Süße — und geb dir gleich einen Kuß…

Ein Blick, so verträumt wie bei einem Liebespaar, die Lippen erwartungsvoll gespitzt: Hinreißend – hier verzaubert Franzi Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (51). Der schien ganz begeistert: der Klaus ganz WOWereit! (…)

Kein Wunder, daß selbst der Bürgermeister seinen Blick nicht abwenden konnte.

Doch zu einem Kuß auf Franzis süße Schnute wollte er sich dann doch nicht durchringen: Kurz davor „bog“ er ab, drückte ihr einen herzhaften Schmatzer auf die Wange…

All das ist im Grunde nur die Betextung dieses Fotos (Ausriss links), das auch erster Teil einer dreiteiligen Fotogalerie bei Bild.de ist. Bildtext dort: „Klaus Wowereit spitzt schon die Lippen, hat sein Ziel im Visier — und Franzi schmachtet ihn an…“ (Auf den nächsten beiden Fotos folgen dann die Bussis.)

Die gleichen Fotos finden sich am 23. September auch in der gedruckten „Bild“, sogar durchnummeriert, aber in anderer Reihenfolge:

Hier soll der Blick von Wowereit und van Almsick nach den Bussis stattgefunden haben, Bildtext: „Danach himmeln sich beide an.“

Wie gesagt: Uns interessiert sehr wenig, in welcher Reihenfolge sich dieses Ereignis wirklich abgespielt hat. Aber wir merken uns: Im Zweifelsfall würde die „Bild“-Zeitung Fotos in jede beliebige Reihenfolge bringen, um zu beweisen, was immer sie beweisen will.

Jenseits der Stille (Symbolfoto XVII)

Ein bisschen seltsam sieht’s schon aus, das „Foto“ von Lamon Brewster am Grab von Max Schmeling: Neben der Überschrift „Brewster am Grab von Max Schmeling“ (und Sätzen wie „Einige Minuten verharrte der Boxer am Grab von Max“) sieht man den Schwergewichts-Weltmeister in der heutigen „Bild“ im Trainingsanzug lässig auf Schmelings Grabstein gestützt an dessen Begräbnisstätte posieren (siehe Ausriss). Aber so „andächtig“, wie „Bild“ den Friedhofsbesuch des Boxers schildert, sieht er irgendwie nicht aus.

Und das ist bei genauerem Hinsehen auch nicht verwunderlich. Denn statt wie sonst so oft einfach ein Paparazzifoto zu betexten, hat „Bild“ sich bei Brewster fürs Gegenteil entschieden. Offenbar gab es diesmal partout keinen Fotobeweis „Fotobeweis“, denn unterhalb der Bild-Betextung („Das Grab von Max Schmeling: Lamon Brewster war in aller Stille dort“) heißt es schließlich schlicht:

„Foto: BILD-Fotomontage“

Nachtrag, 15:10:
Offenbar findet sich der Hinweis „BILD-Fotomontage“ nicht in allen „Bild“-Ausgaben. In Hamburg beispielsweise lautet der Foto-Nachweis einerseits „Foto: action press“ und andererseits „Montage: Lars Wolter“. Und wer wissen möchte, wo Brewster eigentlich war, als das Foto von ihm gemacht wurde, das „Bild“ so geschickt hinter den Grabstein montiert hat: Es entstand jenseits der Stille am vergangenen Donnerstag am Rande eines PR-Termins auf dem Dach des Hotels Atlantic in Hamburg.

Mit Dank an Sven S. und action press für die Unterstützung.

Fallhöhe

Beruhigend, dass der „Bild“-Zeitung heute gelingt, was ihr vor gut einem Jahr schon einmal gelungen war: nämlich auf korrekte Weise zu schildern, was im August 2004 bei einem tragischen Unfall auf der 60 Meter hohen Wiehltalbrücke passiert war:

„Der Lkw stürzte zwölf Meter in die Tiefe“
(Hervorhebung von uns.)

Aufmerksame „Bild“-Leser wissen schließlich, wie schwer „Bild“ sich damit tut (siehe Ausrisse).

Dumm nur, wenn Bild.de nun unweit der korrekten Angabe zur Fallhöhe einen älteren Text aus dem Archiv gekramt hat und behauptet:

„Gefahrengut-Transporter stürzt 100 Meter tief in ein Dorf“
(Hervorhebung von uns.)

Besonders dumm ist das deshalb, weil in dem verlinkten Text selbst davon gar keine Rede ist…

Wie die Lotto-Szenen nicht in den „Tatort“ kamen

Im vergangenen Sommer wurde eine Reihe von Fällen bekannt, in denen Unternehmen ihre Werbebotschaften gegen Geld in ARD-Sendungen wie „Tatort“ und „Marienhof“ untergebracht hatten. Für Aufsehen sorgte, dass sie sogar die Drehbücher in ihrem Sinne beeinflussen konnten.

In diesem „Schleichwerbe-Skandal“ gab es einen bizarren Fall, der anders war: Der damalige Geschäftsführer der Produktionsfirma Studio Hamburg, Frank Döhmann, sah einen bereits fertiggestellten, aber noch nicht ausgestrahlten „Tatort“ und entdeckte darin eine Szene, in der — aus rein dramaturgischen Gründen, ohne dass Geld im Spiel war — vor einer „Lotto“-Bude ein Lottoschein ausgefüllt und abgegeben wird. Dennoch gelang es Döhmann im Nachhinein über einen Vermittler, die Deutsche Klassenlotterie Berlin dazu zu bringen, für diese Schleichwerbung, die gar keine war, 15.000 Euro zu akquirieren. Inzwischen ist Döhmann gekündigt, und Studio Hamburg hat zugesagt, das Geld zurückzuzahlen.

Dieser Fall unterscheidet sich also von den Schleichwerbungs-Fällen in einem wesentlichen Detail. Das hat „Bild am Sonntag“ entweder nicht verstanden oder nicht verstehen wollen. Am 17. Juli (drei Tage, nachdem unter anderem die Schwesterblätter „Welt“ und „Hamburger Abendblatt“ den Fall korrekt geschildert hatten) veröffentlichte „Bild am Sonntag“ einen Text, dessen Überschrift schon falsch war:

So kamen die Lotto-Szenen in den „Tatort“

Im Artikel selbst schrieb „Bild am Sonntag“:

Gekaufter „Tatort“
Im „Tatort“-Film „Schattenhochzeit“ füllen die Kommissare (…) einen Lottoschein aus. Die Darstellung von Lotto in dem Krimi wurde vertraglich genau geregelt.

„Bild am Sonntag“ erweckte den falschen Eindruck, die Lotto-Szene sei aufgrund eines Schleichwerbe-Vertrages eingefügt worden. Heute, nach über zwei Monaten, haben Studio Hamburg und der NDR deshalb zwei Gegendarstellungen durchgesetzt. Die „Bild am Sonntag“ druckt sie mit dem Zusatz:

Anmerkung der Redaktion: Der NDR und die Studio Hamburg Produktion bestreiten nicht, daß Geld geflossen ist.

Das stimmt, tut aber nichts zur Sache.

Da fällt uns ein: Hat die „Bild am Sonntag“ nicht im Gegensatz zu „Bild“ eine Korrektur-Rubrik, um eigene Fehler richtigzustellen? Hätte sie da nicht längst…? Ah, blöd: Darin war in den letzten Monaten wohl kein Platz. „Bild am Sonntag“ musste stattdessen so gravierende Korrekturen unterbringen wie die, dass „Die Liebe ist ein seltsames Spiel“ nicht von Ralph Maria Siegel, sondern von Gerhard Winkler komponiert wurde („BamS“-Korrektur vom 28. August) und dass Wittenberge nicht in Mecklenburg-Vorpommern, sondern in Brandenburg liegt („BamS“-Korrektur vom 18. September).

Stasi-Spitzel Lafontaine?

Es gibt viele Möglichkeiten, auf die Nachricht hinzuweisen, dass in der neuen Fraktion der Linkspartei im Bundestag nach Angaben der Stasi-Unterlagen-Beauftragen Oskar Lafontaine / Stasi-Spitzel in Links-Fraktionmindestens sieben bekannte Stasi-Informanten sitzen sollen. Diese hier links, die Bild.de gewählt hat, ist vermutlich die missverständlichste. Oskar Lafontaine ist bislang nicht öffentlich verdächtigt worden, Stasi-Spitzel gewesen zu sein, nicht einmal von „Bild“.

Vielleicht hat die Art der Formulierung etwas damit zu tun, dass „Bild“ und Lafontaine gerade in vielerlei Hinsicht miteinander im Clinch liegen. Heute veröffentlicht „Bild“ auf Seite 2 folgende Gegendarstellung des Politikers:

In der „BILD-Zeitung“ vom 16. Juli 2005 (S. 2), wurde unter der Überschrift „Warum fliegt der Osten so auf Lafontaine?“ behauptet, ich hätte nach dem Fall der Mauer gesagt, dass „wir alles dafür tun müssen, um zu verhindern, dass die Wiedervereinigung stattfindet“. Das ist falsch. Richtig ist, dass ich im Dezember 1989 aus Anlass des Zuzugs zahlreicher Übersiedler aus der DDR in das damalige Bundesgebiet geäußert habe, „dass wir alles tun müssen, um zu verhindern, dass die Wiedervereinigung auf bundesdeutschem Boden“ — gemeint war Westdeutschland — „stattfindet“.

Damit finden sich in der Berliner „Bild“-Ausgabe heute gleich zwei der ungeliebten Gegendarstellungen. Nach Angaben von Juristen, die mit der Zeitung in ähnlichen Fällen zu tun hatten, versucht „Bild“ solche Veröffentlichungen wann immer möglich auf den Samstag zu legen. An diesem Tag ist die Auflage der Zeitung niedriger als unter der Woche.

Mit Dank an Michael K.

Allgemein  

In „Bild“ spricht die Freundin von Christians Killer

"Ich liebe ihn noch immer"

Die Schlagzeile war 23 Zentimeter breit, fast 9 Zentimeter hoch und falsch.

Seltener als Stars und Politiker setzen nichtprominente Opfer von „Bild“ durch, dass das Blatt seine Fehler korrigieren muss. „Steffi“, die angeblich „offizielle Freundin“ von Keith M., hat es geschafft. Heute druckt „Bild“ folgende Gegendarstellung:

Gegendarstellung zu dem Zitat in der Bildzeitung vom 1. September 2005, S.8 über Keith M., der im Verdacht steht, den 7-Jährigen Christian getötet zu haben, über der Überschrift: „In Bild spricht die Freundin von Christians Killer“: „Ich liebe ihn noch immer“. Ihre Darstellung ist falsch. So etwas habe ich nicht gesagt.

Die Redaktion hat den Satz hinzugefügt:

„Steffi“ hat recht.

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