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Störer im Stadt-Bild: Wie 50 junge Münchner mit der Macht der Medien spielen
(jetzt.sueddeutsche.de, Roland Schulz)
Die Schlagzeile war gewohnt gewaltig und ungewohnt absurd: ?Leser wehrt euch! 23 Exkremisten dönern deutsche Buben zu Tode? war am 19. Februar in München auf den Plakaten zu lesen, mit denen ?Bild? seine Zeitungskästen bestückt. Ein Scherz? Schnell stellte sich heraus, dass es sich um eine gefälschte Schlagzeile handelte.

Armes Opfer „Bild“-Zeitung
(taz.de)
Presserat weist den Vorwurf des Springer-Blatts zurück, die jüngste Schleichwerbung-Rüge sei politisch motiviert.

Wahlkampf im Internet
(sf.tv, Video, 3:55 Minuten)
Flugblätter verteilen und öffentliche Brandreden halten war gestern. Auch in der Schweizer Politik gilt zunehmend: Wer neue Wähler mobilisieren will, geht mit seiner politischen Botschaft online. 10vor10 zeigt gelungene Beispiele und erste Gehversuche von Netz-Kampagnen unterschiedlichster politischer Couleur.

Alphablogger der deutschen Blogosphäre. Heute: Robert Basic, Messias wider Willen?
(readers-edition.de, Peter Turi)
Über 1.700 Blogger haben ihn zitiert und verlinkt, zwischen 4.000 und 8.000 Menschen besuchen täglich seine Seite www.basicthinking.de. Basic hat kroatische Wurzeln, spricht sich also eigentlich Baschitsch, ist 40 Jahre alt und hat zwei Kinder.

Tausendundein Missverständnis
(spiegel.de, Yassin Musharbash)
Irgendwo zwischen BBC, CNN, al-Dschasira und al-Qaida, da muss doch die verflixte Wahrheit liegen! In Lugano diskutierten arabische und westliche Medienexperten darüber, warum sie einander einfach nicht verstehen. Die magischen Momente: Debatten voller Selbstkritik.

?Absurd?, sagte Fischer. Und kam nicht
(tagesspiegel.de, Thomas Eckert und Joachim Huber)
Jörg Thadeusz will sie alle, aber nicht alle wollen zu ihm. Ein Gespräch über Gäste und ?Jörgs Allerlei?.

Knallhart recherchiert (3)

Kürzlich hatte sich ja (wie berichtet) die „Bild“-Zeitung öffentlich darüber beschwert, dass der Presserat sie für einen Fall von Schleichwerbung gerügt hat. In einer Pressemitteilung hieß es, der Presserat habe die Rüge ausgesprochen, „um in einwandfreie journalistische Arbeit politisch einzugreifen“ und sich bei seiner Entscheidung „offensichtlich von politischen Beweggründen“ leiten lassen.

Die Frage, um welche „politischen Beweggründe“ es sich dabei handeln soll, wollte „Bild“ uns bislang leider nicht beantworten — dafür aber der „taz“*. Und zwar so:

Im Presserat herrsche seit einiger Zeit der Trend, „Schleichwerbung zum Trend zu machen“. Doch diesen Trend gebe es statistisch überprüfbar gar nicht. Der Presserat sorge vielmehr nun für eine Art sich selbst erfüllende Prophezeiung.

Laut „taz“ findet der Presserat den „Bild“-Vorwurf „so absurd, dass man sich ’nicht genötigt sehe, darauf einzugehen'“.

*) Nachtrag, 20.3.2007: Wir sind zwar nicht das tazBLOG, aber…
… die „taz“ beginnt ihren Artikel mit den Worten: „Natürlich könnte man es als peinlich einstufen, wenn die Berichterstattung über Urlaubsreisen in einer großen Tageszeitung (Bild) in erster Linie aus den dürren Fakten besteht, die das jene Urlaubsreisen anbietende Unternehmen (Aldi) auch in seinen Anzeigen aufführt.“ Jedoch könnte man es (mit Dank an BILDblog-Stammleser Dirty Harry für den Hinweis) natürlich ebenfalls als peinlich einstufen, wenn auch die Berichterstattung über Urlaubsreisen in einer kleinen Tageszeitung („taz“) in erster Linie aus den dürren Fakten bestand, die das jene Urlaubsreisen anbietende Unternehmen (Aldi) auch in seinen Anzeigen aufführt.

Knut-Content

Wie es zu dieser „Falschmeldung“ kam, steht ausführlich bei FAZ.net. Hier deshalb nur soviel:

  • Nein, Knut wird nicht totgespritzt.
  • Auch wenn es in „Bild“ anders aussieht: Niemand hat ernsthaft eine Tötung des Berliner Eisbären gefordert.
  • Dass der „Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe indirekt auf einen entsprechend missverständlichen „Bild“-Bericht vom 25. Januar verwies, nahm „Bild“ heute zum Anlass, die eigene Geschichte von damals unter Verweis auf den „Spiegel“ („Stimmt!“) nochmals hervorzukramen — dieses Mal als Titelgeschichte.

Und während bei FAZ.net steht, wie’s wirklich war, steht bei Bild.de etwas ganz anderes. Unter der Überschrift „Forderung nach Todesspritze für Berliner Eisbär-Baby abgelehnt — Eisbär-Baby Knut soll leben“ behauptet Bild.de in einer aktualisierten Version des „Bild“-Artikels:

Der kleine Eisbär, der ganz Deutschland verzaubert, kann weiter von seinen Pflegern groß gezogen werden. Das erklärte Tierarzt André Schüle vom Zoologischen Garten Berlin. Er widersprach damit rigoros Tierschützern, die am Wochenende [sic] empfohlen hatten, dem Tier die Todesspritze zu geben.

Und das ist nur insofern eine Neuigkeit, als „Bild“ heute ja (wider besseres Wissen)* das Gegenteil suggeriert hatte.

Mit Dank an diverse Hinweisgeber.

*) Der Tierrechtler Frank Albrecht hatte im Januar den Berliner Zoo „wegen groben Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz“ angezeigt, um auf „die Scheinheiligkeit und Heuchelei“ bei der Zootierhaltung aufmerksam zu machen. Die Behauptung, dass er die Tötung des Eisbären fordere, hatte er in einem offenen Leserbrief an die „Berliner Zeitung“ zudem bereits im Februar als „völlig falsch“ bezeichnet und dies, wie er BILDblog sagte, auch aktuell (aber erfolglos) gegenüber der „Bild“-Zeitung deutlich zu machen versucht. Das von Albrecht angestoßene Verfahren indes wurde, wie uns der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft mitteilt, „mangels Straftat eingestellt“. Albrecht habe sich jedoch dagegen beschwert, „so dass nunmehr die Generalstaatsanwaltschaft den Vorgang zu prüfen haben wird“.

Mehr dazu hier.

Nachtrag, 21.3.2007: Wie schon damals, als „Bild“ fälschlicherweise behauptet hatte, ein Erfinder würde in Sachsen „aus Katzen Benzin“ machen, und die abstruse Behauptung hernach in internationalen Medien weiterverbeitet wurde, verbreitet sich nun auch die Knut-„Falschmeldung“ weltweit (siehe auch hier)– und „Bild“ scheint sogar stolz drauf ist das wieder eine Knut-Meldung wert.

Nachtrag, 27.3.2007: Obwohl doch sogar Knut selbst in seinem Weblog findet, dass der ganze Rummel um ihn „beim Bildblog wirklich gut erklärt“ sei, zeigt sich „Bild“ unbelehrbar und schreibt (weil „Knut und Menschen-Papa“ bald getrennt schlafen müssen) auch heute wieder fälschlicherweise, dass „Tierschützer (…) das Bären-Baby mit der Todesspritze von dieser ’nicht artgerechten Haltung‘ erlösen wollten“.

Kurz korrigiert (321)

Franz Josef Wagner schreibt heute an das „liebe Eisbär-Baby Knut“:

Man hat Dir Antibiotika gespritzt, weil es in der Antarktis keine Viren und Bakterien gibt.

Wenn das Geld bei „Bild“ nicht für eine richtige Schlussredaktion reicht — vielleicht würde es schon helfen, die Artikel wenigstens Kindern zur Kontrolle vorzulegen.

Nachtrag, 21.25 Uhr:
Erschwerend kommt hinzu, dass Antibiotika bekanntlich gegen Viren überhaupt nicht helfen. Und genau genommen gibt es sowohl in der Antarktis als auch der Arktis sehr wohl Bakterien. Aber das ist nun auch schon fast egal.

Danke an Christian N., Benjamin G., Neil G. und all die anderen Hinweisgeber!

Welcher Artikel?!

Bild.de zeigt z.Zt. alle Videos, die Hape Kerkeling als Horst Schlämmer in den vergangenen zwei Monaten peu à peu auf der Internetseite schlaemmerblog.tv veröffentlicht hat. Und eines der Videos zeigt Bild.de sogar groß auf der „Seite 1“:

Und dass es sich bei schlämmerblog.de (bloß) um Werbung für den VW Golf handelt, ist ja bekannt. Selbst Kerkeling alias Schlämmer macht daraus spätestens seit dem 26. Februar keinen Hehl mehr.

Bild.de-Leser erfahren das jedoch erst, nachdem sie auf den Link „zum Artikel“ geklickt haben — und das nicht etwa, weil der Link „zum Artikel“ zu einem Artikel führte, in dem Bild.de über das VW-Werbeblog berichtete. Nein, nein: Hinter dem Link „zum Artikel“ befindet sich gar kein Artikel, sondern (unterhalb eines als „Anzeige“ gekennzeichneten Werbebanners) bloß eine Anzeige.

Diese Praxis ist verboten — und ein guter Anlass, noch einmal darauf hinzuweisen, dass der Springer-Chef Mathias Döpfner zum Thema nicht-gekennzeichnete Werbung gesagt hat, die „journalistischen Leitlinien“ Springers würden „das ganze Haus sensibilisieren, dass Verstöße nicht geduldet werden“.

Mit Dank an Dietmar P. für den Hinweis.

Nachtrag, 20.40 Uhr:
Bild.de hat der Anzeige auf der „Seite 1“ nun das Wörtchen „Anzeige“ hinzugefügt, den Link „zum Artikel“, der ja zu gar keinem Artikel, sondern bloß zu einer Anzeigenseite mit Videos führt, hingegen unverändert gelassen.

Fragen Sie nicht bei Rudi Altig nach…

Das Verhältnis des ehemaligen Radrennprofis Rudi Altig zum Thema Doping ist ein, sagen wir: sehr spezielles. Ganz schön lässt sich das auch anhand eines Interviews dokumentieren, das Altig (Spitzname: „Die rollende Apotheke“) vor zehn Jahren der „Bild“-Zeitung gab.

Thema Doping: Haben auch Sie früher mal Herr Altig?

Altig: „Bin ich besoffen, weil ich eine Flasche Bier trinke? Gedopt ist für mich jemand, der vom Rad steigt und keinen klaren Satz sprechen kann, weil er vollgepumpt mit Tabletten ist. Das war ich nie. Ich habe Pillen geschluckt, klar. Wie alle anderen auch. Aber in Absprache mit meinem Arzt, nie unkontrolliert. Außerdem: Zu meiner Zeit war Doping nicht verboten. (…) Doping ist keine Frage der Qualität. Entscheidend ist doch, wieviel ich mir reinhaue!“

Das war zu Altigs 60. Geburtstag.

Gestern wurde Altig siebzig, und in „Bild“ gratulierte am Freitag schon Vize-Chefredakteur und Ober-Sport-Chef Alfred Draxler mit einem Artikel, der so beginnt:

Sportlichen Ruhm zu konservieren, ist ein schwieriges Unterfangen. Fragen Sie mal bei Jan Ullrich nach…

Diejenigen, die zu nationalen Denkmälern wurden, heißen Max Schmeling, Fritz Walter, Kaiser Franz, Uns Uwe, Gold-Rosi, Schumi, Steffi oder Boris.

Und Rudi Altig! Er ist DIE Radsport-Legende Deutschlands.

Hach, ganz anders als Ullrich. Denn der hat ja, möglicherweise, gedopt. Aber natürlich kam Draxler auch bei Altig um das Thema Doping nicht herum. Nicht ganz jedenfalls. Draxler zählt Altigs diverse Erfolge auf und fragt:

Schafft man das denn alles ohne Doping? Er sagt. „Ich habe über ungeahnte Kraftreserven verfügt!“

Eine gute Antwort, fand „Bild“ offenbar. Und beließ es dabei.

Vielen Dank an Tobias L.!

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Ein ganz neuer Dreh
(zeit.de, Jan Pfaff)
Seit sich im Internet jeder zum Star seiner eigenen Fernsehshow machen kann, leben viele junge Leute auf ihren wöchentlichen Auftritt hin – und wirbeln nebenbei das traditionelle TV-Geschäft durcheinander.

„Ich bin ja jetzt bald die Dienstälteste“
(faz.net, Harald Staun)
Die Moderatorin Maybrit Illner im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über die Gesetze des Polit-Talks und ihre künftigen Konkurrenten.

Internet: Ende der Kultur?
(sueddeutsche.de, Heribert Prantl)
Das Internet hat den Kommunismus wieder eingeführt – zulasten der Schöpfer geschützter Werke. Der freie Zugang zu digitalen Daten ist der Sauerstoff der Demokratie. Weil das Urheberrecht trotz seiner Schutzfunktion der Allgemeinheit reichliche Nutzungsmöglichkeiten gibt, ist es der Sauerstoff des Internets.

Dann eben hier: Meine ultimativ letzten Worte zu Second Life
(sixtus.net, Mario Sixtus)
Wer das Internet nicht kapiert, schreibt über Second Life oder eröffnet dort eine Filiale. Zeit, mit diesem Quatsch abzurechnen.

Liste mit Interviews der Deutschen Gründerszene von A-Z
(thinkomat.de)
Ich weiß ja nicht wie es euch geht aber ich lese super gerne Interviews von Gründern und ihren Startups.

Switch Reloaded – Peter Klöppel (+ +)
(youtube.com, Video)
18:45 Uhr – hier sind die Nachrichten von RTL.

Mond für Hurra-Patriotismus missbraucht

Wenn irgendein Ding ganz ohne Besatzung durch die Gegend juckelt, kennen wir Deutsche dafür ein vielleicht nicht ganz politisch korrektes, aber unmissverständliches Wort.

„Bild“ kennt dieses Wort offenbar nicht.

Denn in ihrer schier grenzenlosen Begeisterung darüber, dass der Mond (in Anspielung an die legendäre „Bild“-Schlagzeile von 1969: „Der Mond ist jetzt ein Ami“) bald ein Deutscher sei, weil (Hurra!) wir Deutsche bald auf den Mond flögen, vergisst „Bild“ komplett, ihren Lesern eine nicht ganz unwesentliche Tatsache mitzuteilen. Sowohl auf der Titelseite als auch im dazugehörigen Artikel: kein Wort davon, dass die Mondmission im Jahr 2012/2013, bei der „Deutschland vorangehen“ will, unbemannt sein wird und nicht mal auf dem Mond landet.

Stattdessen in „Bild“: ein einziger Halbsatz über den „spektakulären Plan“ („Die Mondsonde soll vier Jahre lang den Mond umkreisen“). Doch weil das offenbar selbst „Bild“ nicht spektakulär genug erschien, wird die Geschichte großzügig mit Grafiken einer längst bekannten, späteren, europäischen (!) Mondlandemission illustriert. Und dass diese zweite Mission ebenfalls unbemannt vonstatten geht, hüllt „Bild“ in tapsige Passivkonstruktionen („Dabei könnte ein Radioteleskop aufgestellt werden“).

Zum Schluss zeigt die „Bild“-Zeitung dann noch mal eindrücklich, wie sehr sie eigentlich hinterm Mond lebt — und schreibt:

Nur zwölf Menschen haben den Mond je betreten, alles US-Astronauten der Apollo-Missionen. Der nächste ist wahrscheinlich ein Deutscher.

Doch was „Bild“ für „wahrscheinlich“ hält, ist in Wirklichkeit mehr als unwahrscheinlich: Für eine bemannte Mondlande-Mission gibt es weder in Deutschland noch in Europa einen festen Termin. (Erst kürzlich hieß es z.B. in der „Kölnischen Rundschau“, eine bemannte Mission zum Mond habe „derzeit keine Priorität“.) Es kursiert dennoch die Jahreszahl 2024 — und selbst das wäre nach derzeitigem Wissensstand neun Jahre nach Russland, vier Jahre nach Malaysia und (was wohl am wahrscheinlichsten ist) immerhin rund vier bis sechs Jahre nach den USA.

So ist dann auch die ganze Wir-Deutsche-aufm-Mond-Geschichte für „Bild“-Verhältnisse ausgesprochen konsequent: Dort glaubt man schließlich von sich selber ebenfalls, stets „früher“ dran zu sein — und hinkt dann mit ’ner Titelstory doch nur wieder um Wochen hinterher.

Mit Dank an Dominik B. für den Hinweis.

Ballacks „Bild“-Boykott

Michael Ballack hat dem „SZ-Magazin“ ein langes Interview gegeben, in dem es auch um die Medien geht.

„Lachnummer“, „Fans haben Schnauze voll“, „Ballack kaputt“, so lauten Schlagzeilen in der Bild-Zeitung. Sprechen Sie im Moment mit Leuten von Bild?

Nein.

Kann man sich das als Kapitän der Nationalmannschaft überhaupt leisten? Haben Sie nicht die Befürchtung: Ich rede nicht mit einigen Journalisten, dafür schreiben die noch schlechter über mich?

Das ist keine Befürchtung, sondern Realität. Wenn man falsch berichtet, Unwahrheiten verbreitet oder gar hetzt, dann ist es verständlich und auch legitim, dass ich mich wehre. Ich will nicht meinen Anstand verkaufen, damit mein Bild in der Öffentlichkeit so perfekt wie möglich ist.

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