Bombig

Wenn „Bild“ Worte wie geheim oder heimlich schreibt, kann das vieles bedeuten. Aktuell bedeutet die Geheimniskrämerei, dass „Bild“ etwas aus einer anderen Zeitung abgeschrieben und davor einfach die Worte streng geheim gesetzt hat. Warum? Vielleicht, weil’s schicker aussieht.

Schließlich nutzte bereits die andere Zeitung, das britische Boulevardblatt „The Sun“, einen kleinen Trick, um ihre Meldung schicker aussehen zu lassen. Sie stellte in einem Satz zwei Informationen so nebeneinander, dass sie den Eindruck erwecken, sie hätten etwas miteinander zu tun. Haben sie aber nicht. Im Original heißt es:

„AMERICA is building the mother of all bombs (…). If the Pentagon decides on military action against Iran, the bomb is designed to destroy complexes 60ft underground and half a mile long.“

Und der zweite Satz bedeutet sinngemäß: Falls das Pentagon einen Militärschlag gegen den Iran unternimmt, kann die Bombe bis zu 18 Meter tiefe und 800 Meter lange unterirdische Komplexe zerstören.

Geplant wurde die erwähnte Bombe allerdings seit 2002, entwickelt und gebaut wird sie seit 2004, die ersten Tests waren von Anfang an für 2006 vorgesehen. Um den Iran ging es dabei nie. – Aber bei „Bild“ wurde daraus gestern:

„Um die Atom-Mullahs zu stoppen, läßt US-Präsident George W. Bush nach einem Bericht der britischen Zeitung ‚Sun‘ mit Hochdruck die ‚Mutter aller Bomben‘ bauen – Codename MOP (englische Abkürzung für: ‚massive Eindring-Waffe‘).“

Und wo wir gerade dabei sind. Die von „Bild“ gesetzten Anführungszeichen bei dem Ausdruck Mutter aller Bomben lassen den Eindruck entstehen, es handele sich bei der Waffe um die so genannte MOAB, was die englische Abkürzung für Massive Ordnance Air Blast Bomb ist (oder Mother Of All Bombs, wie das amerikanische Militär die GBU 43 B in einer euphemistischen Umschreibung auch nennt). Das ist eine völlig andere Waffe. Die „Sun“ benutzte den Ausdruck ohne Anführungszeichen im Sinne von der Inbegriff. Und dieser kleine Fehler erklärt dann wohl auch das von Bild.de verwendete Symbolfoto. Das zeigt nämlich die MOAB. Nicht die „streng geheime“ MOP. Von der hat nicht einmal „Bild“ Fotos.

Mit Dank an Andreas S., Jan I., Malte B. und Sebastian W. für die Inspiration.

Heute anonym

Bei Bild.de gibt es einen Artikel, in dem ein mutmaßlicher Betrüger nur gepixelt abgebildet ist. Klickt man auf den Link unter dem gepixelten Foto kommt man auf einen Artikel vom Vortag — und dasselbe Foto, ungepixelt.

Und jetzt fragen Sie uns nicht, ob die Anonymisierung von Menschen für Bild.de nur ein Witz oder ein Glücksspiel ist, ob sie von der Tagesform des zuständigen Redakteurs abhängt oder die Pixel bei Bild.de rationiert sind — und ob niemand bei Bild.de mal auf den eigenen Link klickt, um zu sehen, was sich dahinter verbirgt. Wir wissen es nicht, und Antworten auf Fragen bekommen wir von „Bild“ seit einiger Zeit nicht.

Danke für die vielen Hinweise!

Nachtrag, 15. Februar. Bei Bild.de liest man anscheinend nicht Bild.de, aber BILDblog: Auch im älteren Artikel ist das Gesicht nun unkenntlich gemacht.

Allgemein  

Schlimm ist „Bild“ nicht schlimm genug

Auf Bild.de gibt es mal wieder eine Gegendarstellung, in der schwere Vorwürfe gegen den Wahrheitsgehalt der Berichterstattung von „Bild“ erhoben werden:

Im Portal der Bild.T-Online.de AG + Co. KG (www.bild.t-online.de) ist am 09.01.2006 über mich berichtet worden:
1. „Schönheitschirurg vergewaltigt Frau während Narkose.“
2. „Eine Vergewaltigung unter Narkose!“
Hierzu stelle ich fest:
Diese Tatsachenbehauptung ist unwahr. Tatsächlich habe ich nie eine narkotisierte Frau gegen ihren Willen zum Geschlechtsverkehr gezwungen.
Hamburg, den 06.02.2006
Dr. Dr. Roland Stock

Anlass der Gegendarstellung ist ein Artikel, der nicht nur online, sondern – teilweise in etwas abgewandelter Form – auch in vielen Druckausgaben stand.

Tatsächlich ist der Schönheitschirurg Roland Stock, der die Gegendarstellung durchgesetzt hat, ein Mann, mit dem sich die Justiz in der Vergangenheit wiederholt beschäftigen musste und immer noch muss: U.a. wurde Ende Januar Anklage wegen mehrfacher Körperverletzung und mehrfachen Betrugs gegen ihn erhoben, ein weiteres Verfahren wegen Betrugs läuft noch, und es wird wegen fahrlässiger Tötung gegen ihn ermittelt. Eine Rechtfertigung für die „Bild“-Behauptung, Stock habe eine Frau unter Narkose vergewaltigt, ist das nicht.

Schließlich ist die einzige Begebenheit, die ihn mit einer möglichen Vergewaltigung in Verbindung bringt schon etwas länger her: Im Sommer 2004 wurden bei Stock mehrere Videobänder sichergestellt. Eines, aus dem Jahr 1995, soll ihn beim Sex mit einer möglicherweise bewusstlosen Frau zeigen. Sicher ist das allerdings nicht, denn als damals ein Standbild daraus in Zeitungen in Hamburg und Berlin veröffentlicht wurde, meldetet sich niemand, der aufklären konnte, was auf dem Band zu sehen ist. Daraufhin stellte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen in dieser Sache ein.

Im Dezember 2005 dann hatte Stock eine 33-jährige Frau namens Tülay D. an der Nase operiert, wobei es zu Komplikationen kam. Die Frau starb drei Tage nach der Operation im Krankenhaus. Deshalb ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung gegen Stock. Und das war der eigentliche Anlass für „Bild“ am 9. Januar über Stock zu berichten – mit einem Hinweis auf das vermeintliche Vergewaltigungsvideo, mit der erneuten Veröffentlichung des Standbildes, und in Teilen der „Bild“-Auflage auch mit den beiden Sätzen aus der Gegendarstellung. In anderen Ausgaben, z.B. in Berlin, stand nur der erste Satz. Und das sah so aus:

Im Text heißt es außerdem über Tülay D.:

Der schlimme Verdacht: Dr. Dr. S. soll die Frau vor ihrem Tod unter Narkose vergewaltigt haben. Ermittler fanden an der Leiche Sperma-Spuren!

Das mit dem Sperma stimmt zwar, allerdings hatte die Staatsanwaltschaft „Bild“ vor Veröffentlichung wissen lassen, dass es ebenso gut von Tülay D.s Mann stammen könne. In der Hamburger „Bild“-Ausgabe steht das sogar. In anderen Teilen der Republik und im Internet verzichtete „Bild“ auf diesen Hinweis. Und fragt man heute bei der Hamburger Staatsanwaltschaft nach, erfährt man, dass es sich in der Tat „eindeutig“ nicht um Sperma von Stock handelte.

Kurz gesagt: Stock wurde nie wegen Vergewaltigung angeklagt. Es gibt weder neue Hinweise auf etwaige Vergewaltigungen, noch wird wegen Vergewaltigung gegen Stock ermittelt.

Vor allem aber wurde Stock nie wegen Vergewaltigung verurteilt. Dabei wäre das das Einzige, was die „Bild“-Behauptung gerechtfertigt hätte.

Wie „Bild“ sich korrigiert

Vor ziemlich genau fünf Monaten erlitt der Fußballspieler Chavdar Yankov (Hannover 96) auf dem Spielfeld eine Verletzung. Die Haut an seinem Penis war eingerissen und musste mit mehreren Stichen genäht werden.

Wie berichtet, behauptete „Bild“ damals mehrere Tage lang, der Spieler Benjamin Köhler (Eintracht Frankfurt) sei für die Verletzung verantwortlich gewesen. Und als sich herausstellte, dass es ganz offensichtlich nicht Köhler, sondern Köhlers Team-Kollege Christoph Spycher war, der Yankov verletzt hatte, berichtete „Bild“ nicht mehr.

Zumindest bis gestern.

Allerdings (siehe Ausriss) ließ „Bild“ die günstige Gelegenheit einer beiläufigen Korrektur nun leider ungenutzt verstreichen und schrieb stattdessen unter der Überschrift „Penis-Opfer hat wieder einen geilen Hammer“ unverbesserlich:

„Im September hatte ihm der Stollen von Frankfurts Köhler den Penis aufgeschlitzt.“

Aber womöglich ist es ja das, was „Bild“-Chef Kai Diekmann meinte, als er mal davon sprach, auch seine Zeitung müsse „die ‚innere Wahrheit‘ eines Sachverhalts (…) richtig wiedergeben“: Aus dem internen „Bild“-Archiv unkorrigierte Fehler abschreiben.

Mit Dank an Benjamin S. für den Hinweis.

Nicht Nichts

Bild.de (bzw. laut Bild.de auch „Bild“) berichtet ja heute, die „Big Brother“-Kandidatin Michelle Littbarski sei, nachdem die Zuschauer sie jüngst per Televoting aus der RTL2-Show gewählt haben, „am Ende“:

Vom Papa verstoßen, kein Job, kein Geld!

Pierre Littbarskis (45) schöne Tochter Michelle (18) steht seit gestern Abend vor dem Nichts. (…)“

Desweiteren erinnert der Bericht daran, dass ihr Vater die Unterhaltszahlungen von monatlich 766,94 Euro eingestellt habe, und schreibt: „Auch Mama Monika wird kaum helfen können.“

Und wir wissen nicht, wie Bild.de (oder „Bild“?) darauf kommt, dass „Mama Monika“ ihrer Tochter „kaum helfen können“ wird. (Schließlich hat Monika Littbarski die Frage nach „finanziellen Schwierigkeiten“ noch gestern in der „Bild am Sonntag“ ausdrücklich und unwidersprochen verneinen dürfen). Aber dafür wissen wir jetzt, was man im Hause „Bild“ unter „Nichts“ bzw. „kein Geld“ versteht:

9166,80 Euro nämlich.

Denn eben diese auf der offiziellen „Big Brother“-Website (siehe Ausriss) unter dem Stichwort „Konto“ vermerkte Summe, die immerhin knapp zwölf der o.g. monatlichen „Unterhaltszahlungen“ entspricht, darf Littbarski nach ihrer Teilnahme an der Show behalten.

„Bild“ macht Bohlen-Witze

Heute steht einer der lustigsten Sätze seit langem in der „Bild“-Zeitung. Er lautet:

RTL glaubt so fest an den Erfolg von Dieter Bohlen, daß der Sender den [Zeichentrick-Film über Bohlen] sogar als Gegenprogramm zu „Wetten, dass..?“ mit Thomas Gottschalk (55) im ZDF zeigt.

Der ist gut.

Wenn „Wetten dass“ läuft, guckt kein Schwein RTL. Deshalb lässt der Sender an diesen Samstagen sein Erfolgsprogramm „Wer wird Millionär“ ausfallen. Deshalb lässt der Sender an diesen Samstagen sein Erfolgsprogramm „Deutschland sucht den Superstar“ ausfallen. Deshalb wiederholt der Sender an diesen Samstagen fast immer irgendwelche alten Spielfilme.

Die naheliegende Erklärung, warum RTL „Dieter – der Film“ gegen „Wetten dass“ zeigt, wäre diese: Der Sender hält ihn für einen hoffnungslosen Fall.

Aber Dieter Bohlen ist ein Freund der „Bild“-Zeitung, und für Freunde tut man schon mal etwas. Man schreibt über einen der unmöglichsten Sendeplätze (nämlich parallel zur meistgesehenen Sendung im deutschen Fernsehen), es handele sich um die „beste Sendezeit“. Man zitiert Bohlen mit den Worten „Ich bin echt froh, daß der Film endlich fertig ist“ und verschweigt, dass das Werk schon im Herbst 2004 ins Kino hätte kommen sollen, erst verschoben und schließlich, wie „Bild am Sonntag“ im Juli 2005 schrieb, „von den Kinobossen“ aus dem Programm geworfen wurde. Man jubelt: „Pop-Titan ist er schon. Jetzt wird er auch noch Filmstar!“, obwohl der Film doch gerade (trotz gegenteiliger Prognosen von „Bild“) das vorläufige Ende des Traums von einer Leinwandkarriere bedeutete.

Exklusiv: Bohlen als ComicSogar auf die Seite 1 hat die „Bild“-Zeitung ihren Freund gehoben (siehe Ausriss), und das Wort „exklusiv“ darin ist vielleicht der zweitbeste Witz in „Bild“ seit langem. Die Zeitung hat die Bilder nämlich einfach von der RTL-Presseseite heruntergeladen, wo sie ganz offiziell und genau für diesen Zweck seit zwei Tagen herumliegen. Anderswo im Netz waren die Screenshots schon vorher zu finden. Und dass die Bilder trotzdem halbwegs „exklusiv“ wirken, liegt nur daran, dass andere Medien kein Interesse hatten, auf einen Film, der offensichtlich zu schlecht fürs Kino war, drei Wochen vor der Ausstrahlung im Fernsehen groß hinzuweisen.

In eigener Sache

BILDblog-Leser wissen mehr. Anders als die durchschnittlich über elf Millionen „Bild“– und abertausend Bild.de-Leser wissen sie nämlich nicht nur, dass Charlotte Roche am Mittwochabend als Gast in der „Harald Schmidt“-Show „vor 920 000 Zuschauern plötzlich mit klaffender Zahnlücke in die Kamera“ schaute, sondern beispielsweise auch, was über Roches Auftritt bei Schmidt im „Berliner Kurier“ steht. Dort heißt es heute nämlich in einer kleinen Meldung:

„Ex-Viva-Girl und TV-Moderatorin Charlotte Roche (…) war ARD-Talkgast bei Harald Schmidt. Dabei glänzte sie nicht nur durch ihre freche Klappe, sondern auch mit ihrer Aufschrift am T-Shirt: BILDblog.de – einem Internet-Forum, das der Bild-Zeitung Paroli bietet.“

Und so sah das aus:

Was weder in „Bild“ noch im „Kurier“ steht, ist, wie überrascht wir selber von Roches Auftritt waren – und wie sehr wir uns darüber gefreut haben. Das steht nämlich nur hier.

Kurz korrigiert (63)

Soweit Ernst Jandl. Oder um es mit Bild.de zu sagen, wo es in einer Werbung für in einem Artikel über Mauritius heißt:

Aber St. Helena soll ja auch ganz schön sein…

Mit Dank an Dieter B. für den Hinweis.

Nachtrag, 10.2.2006:
Bird.de hat den Fehrel kolligielt.

Sabine H.

Anders als in der ausländischen Presse gibt es in den Medien des deutschsprachigen Raums offenbar eine stillschweigende Übereinkunft, zum Schutz der Persönlichkeit die Mutter der neun toten Babys aus dem brandenburgischen Brieskow-Finkenheerd in der Berichterstattung nicht mit vollem Namen, sondern nur „Sabine H.“ zu nennen. Die Nachrichtenagenturen tun das, die Zeitungen und Zeitschriften, die Fernseh- und Radiosender, Internetnachrichtenangebote – und eigentlich auch „Bild“ und Bild.de.

Um so unverständlicher also, dass Bild.de in der vergangenen Nacht einen Text aus der heutigen „Bild“ mit einem Foto von Sabine H. illustrierte und bis heute gegen 10 Uhr mit einer Bildunterschrift veröffentlichte, in der u.a. zwei Mal der komplette Nachname zu lesen war (siehe Ausriss).

Nachdem wir Bild.de darauf aufmerksam gemacht haben, lautet die Bildunterschrift nun:

Mit Dank auch an Thomas B., Joachim S., T.W., Maike S., Andie, Norbert B., Manfred J., Reinhard L., Christian R., Landei, Sylvie, Stefan H., Stephan D., Christoph S., Alexandra W., Nico U., Kai B., Christian R., Jörg-Stefan S. und Marius M. für den Hinweis.

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