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Stupid PICTURE

Der Schwierigkeitsgrad dieser journalistischen Aufgabe war eigentlich nicht so hoch: Bild.de wollte testen, wie gut verschiedene automatische Übersetzer im Internet funktionieren. Man sucht sich einige deutsche Sätze aus, gibt sie ein, lässt sich das Ergebnis zurückübersetzen. Eine, sagen wir, machbare Aufgabe.

Nicht für Bild.de.

Erster Test: Babelfish.

Unser Testsatz: „Es war so schön mit dir. Wann werden wir uns wiedersehen?“

Die Übersetzung: „It was with you when we will so beautifully see itself again?“

Moment, das ist gar nicht die Übersetzung von Babelfish! Das ist nur dann die Übersetzung, wenn man zu blöd ist vergisst, zwischen den beiden Testsätzen den Punkt mit einzugeben. Gibt man tatsächlich die Sätze von Bild.de ein, bekommt man die deutlich sinnvollere Übersetzung: „It was so beautiful with you. When will we see ourselves again?“

Später versucht es die Autorin beim Übersetzungsmodul von Google.

Testsatz: „Es war so schön mit dir. Wann werden wir uns wiedersehen?“

Die Übersetzung: „It was with you when we will so beautifully see itself again?“

Die Gegenprobe: „Es war mit Ihnen, wenn wir so schön uns wieder sehen?“

Bewertung: Die zwei Sätze scheinen es in sich zu haben. Google liefert dieselbe Wirrwarr-Übersetzung wie Babelfish.

Tja, und wie kommt das? Weil die Autorin schon wieder zu doof war vergessen hat, den Testsatz korrekt mit dem entscheidenden Satzzeichen zu übertragen. Trotzdem: Gibt Punktabzug für Google.

Und wir halten als tatsächliches Testergebnis fest: Wenn man es nicht schafft, in Übersetzungsprogramme das einzugeben, was man übersetzen lassen will, schaffen es die Übersetzungsprogramme nicht, das zu übersetzen, was man übersetzen wollte, aber nicht eingegeben hat.

Korrektur und Nachtrag, 17.13 Uhr: Die Autorin hat etwas anderes falsch gemacht, als wir dachten. Sie hat nicht den Punkt weggelassen, sondern aus „dir“ im Testsatz „Dir“ gemacht. Das hat Babelfish und Google verwirrt. Und uns auch.

Und noch einen Testsatz hat Bild.de nicht so eingegeben wie behauptet. Mit dem Wort „schau“ in „Ich schau dir in die Augen, Kleines“ haben Google und Babelfish nämlich Probleme: Sie übersetzen es gar nicht. Die Autorin muss es in „schaue“ geändert haben, um zu den angegebenen Ergebnissen gekommen zu sein.

Und überhaupt, die Bewertung: Babelfish und Google liefern exakt die gleichen Übersetzungen. Aber Babelfish bekommt dafür von Bild.de ein „befriedigend“ und Google ein „gut“.

Und den von Lycos produzierten Satz „Do we go to you or to me?“, der jeden Engländer grausen lässt, hält Bild.de für eine „tadellose“ Übersetzung der Frage „Gehen wir zu dir oder zu mir?“

P.S.: Verblüfft stellt Bild.de auch fest, dass in dem Testsatz „Gehen wir zu dir oder zu mir?“ nach Hin- und Rückübersetzung bei allen Angeboten aus dem „Du“ ein „Sie“ geworden ist.

Auch Google kennt keinen Unterschied zwischen einem höflichen „Ihnen“ und einem vertrauten „dir“. Davon abgesehen ist das Ergebnis aber sehr gut.

Menschmenschmensch, dass Google da aber auch keinen Unterschied kennt… Ob es daran liegen könnte, dass die englische Sprache da keinen Unterschied kennt? (Ja, könnte es, und im Lycos-Test räumt Bild.de das sogar ein.)

Nachtrag, 18.00 Uhr: Dass Bild.de zum Testergebnis von Online-Translator den Screenshot von Babelfish zeigt, ist dann auch schon egal.

Danke an Gulli für den Hinweis und Mayweather für die Inspiration und viele andere für Aufklärung bei der Sache mit dem Punkt.

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Irgendso’ne Operation

Das Legen eines Bypasses hat mit dem Einsetzen eines Herzschrittmachers ungefähr soviel zu tun wie, sagen wir, die Vogelgrippe mit SARS.

Der Schrittmacher ist ein kleines Kästchen, das in einer vergleichsweise harmlosen Operation unter die Haut des Patienten eingesetzt wird. Eine Bypass-Operation ist dagegen eine schwere Operation am offenen Herzen, zu der der Brustkorb geöffnet, das Herz stillgelegt und der Kreislauf an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen werden muss.

Georg Ratzinger, der Bruder des Papstes, wurde in dieser Woche mit Schmerzen in der Brust in ein Krankenhaus gebracht. Am Donnerstag setzten ihm die Ärzte einen Herzschrittmacher ein. Im Gegensatz zu den Nachrichtenagenturen dpa, AP und KNA sowie Radio Vatikan spricht AFP von einer Bypass-Operation. Ausgerechnet diese vermutlich falsche Meldung benutzte Bild.de am Donnerstag als Grundlage für seinen Artikel, was schon ein bisschen unglücklich war. Für die gedruckte Ausgabe der „Bild“-Zeitung am Freitag übernahm dann Vatikan-Korrespondent und Papstfreund Andreas Englisch die Berichterstattung und schaffte es, die Verwirrung komplett zu machen.

Unter der Überschrift „Bypass rettet Papst-Bruder“ schreibt er: „Georg Ratzinger und das Herz. Mit einer Bypass-Operation retteten ihn Ärzte.“ Und zwei Absätze weiter: „Nach Untersuchungen entschlossen sich die Ärzte dort noch in der Nacht zur Implantation eines Herzschrittmachers.“

Ein Bypass und ein Herzschrittmacher? Das hat nicht einmal AFP behauptet.

Danke an Dr. med. Max Z. für den Hinweis.

Dichtung und Wahrheit

„Bild“-Autor Claus Jacobi schreibt heute in seiner „Mein Tagebuch“-Kolumne, Gerhard Delling habe „vergangene Woche als Ersatz für Ulrich Wickert die ‘Tagesthemen’ moderiert“, obwohl Delling doch eigentlich vor-vergangenen Woche als Ersatz für Anne Will die „Tagesthemen“ moderierte. Clevererweise hat Jacobi an den Schluss seiner Kolumne aber noch schnell ein Goethe-Zitat gehängt, in dem es heißt:

„Wer nicht mehr irrt und nicht mehr liebt, der lasse sich begraben.“

Wir wollen deshalb mal nicht so sein – zumal Jacobis Chef Kai Diekmann ja sinngemäß mal was ganz ähnliches behauptet hat wie Goethe, als er schrieb:

„Wo gearbeitet wird, da werden Fehler gemacht.“

Und jetzt mal ehrlich: Kann’s nicht sogar Gerhard Delling als Betroffenem piepegal sein, was Claus Jacobi da für Fehler gemacht hat?

Wenn allerdings „Bild“ den Fehler macht, auf ihrer Titelseite zu behaupten, Gregor Gysi zeige „als erster deutscher Politiker den Wählern sein Gehirn“, dann sieht die Sache im Nachhinein vielleicht doch ein ganz klein wenig anders aus. Nämlich so:

Der Foto-Beweis: „Bild“-Chef verantwortungslos!

Immerhin: Besorgniserregende Nachrichten wie die, dass die Axel Springer AG bald ProSiebenSat.1 übernimmt, haben auch ihr Gutes. Schließlich stößt man so auch auf alte Texte zum Thema — und damit auch auf einen Satz von „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann aus dem Jahr 2001, den wir (aus gegebenem Anlass) nochmal hervorgekramt haben. Er lautet:

„Solange ich bei ‘Bild’ verantwortlich bin, wird es am Samstag keine nackten Mädels auf der Titelseite geben.“

Und tatsächlich: So richtig „nackt“ waren die Mädels auf den Titelseiten am Samstag in letzter Zeit wohl nicht, weshalb wir annehmen müssen, dass „Bild“-Chef Kai Diekmann seit heute bei „Bild“ nicht mehr verantwortlich ist…

Journalistische Grundregeln

Es gibt eine einfache journalistische Regel, um die Leser zu warnen, wenn ein Artikel nicht so unabhängig sein kann, wie man sich das als Leser wünschen würde. Man schreibt einfach dazu, wenn eigene Interessen berührt sind. Deshalb steht zum Beispiel in Artikeln der „Financial Times“ über Gruner+Jahr (G+J) immer der Satz: „G+J hält auch 50 Prozent der Anteile an der Financial Times Deutschland.“ Da weiß man, woran man ist, und kann sich überlegen, ob man sich über G+J nicht vielleicht lieber aus anderen Zeitungen informiert, die nicht G+J gehören.

Solche einfachen journalistischen Regeln sind besonders wichtig bei Großverlagen, denen bald voraussichtlich eine Hälfte des Privatfernsehens in Deutschland gehört.

Und so wäre es, angesichts der Sorge um die Meinungsvielfalt, eine kleine vertrauensbildende Maßnahme gewesen, wenn Bild.de in seinem Artikel über die geplante Verschmelzung von Axel Springer und ProSiebenSat.1 irgendwo in einem Nebensatz den Hinweis untergebracht hätte, dass Bild.de und „Bild“ selbst Objekte von Axel Springer und somit direkt betroffen sind.

Kein Wort.

Nachtrag, 6.8.2005:
Im Text der gedruckten „Bild“ immerhin heißt es heute: „Die Axel Springer AG (BILD, ‘Welt’) will die ProSiebenSat.1 Media AG übernehmen!“

Symbolfotos XII – XIV

So richtig nachvollziehbar ist es nicht, warum „Bild“ am 3. August einen Bericht über Zerkarien im Kellersee bei Eutin (Kreis Ostholstein) mit einem Foto vom Großen Plöner See in Plön (Kreis Plön) bebilderte.

Dass die „Bild“-Zeitung darüber hinaus am 7. Februar einen Artikel über „Terror-Schüler“ an einer Berufsbildenden Schule in Hannover mit einer Fotomontage bebilderte, die gar nicht die Berufsbildende Schule, sondern stattdessen das unbescholtene Bismarck Gymnasium zeigte, wurde jedenfalls jüngst vom Deutschen Presserat missbilligt, weil sowas nämlich gegen Ziffer 2 und Richtlinie 2.2 des Pressekodex verstößt.

Aber das ist noch nichts gegen das, was „Bild“ da am 22. Juli in ihrer Stuttgart-Ausgabe angestellt hatte: Unter der Überschrift „Masken-Mann jagt kleine Mädchen“ hatte „Bild“ nämlich über einen „unheimlichen Masken-Mann“ bzw. „Masken-Gangster“ berichtet, der in Ditzingen (Kreis Ludwigsburg) sein Unwesen getrieben habe. Illustriert war die Meldung mit folgendem „Foto“*:

Was „Bild“ nicht wissen konnte, aber die „Stuttgarter Zeitung“ inzwischen zu berichten weiß: Die Geschichte vom „Masken-Mann“ war offenbar „frei erfunden“, weshalb es um so merkwürdiger ist, dass „Bild“ dennoch ein „Foto“ von ihm drucken konnte…

Mit Dank an Philipp G, Sascha V. und Heiner S. sowie die „Stuttgarter Zeitung“ (und bildblock.de) für die Mithilfe.


*) Wir bitten die schlechte Qualität des „Fotos“ zu entschuldigen. Falls jemand den „Masken-Mann“ in besserer Qualität griffbereit haben sollte, würden wir uns freuen.

Springer übernimmt ProSiebenSat.1

Axel Springer („Bild“, „Die Welt“, „Hörzu“ …) übernimmt ProSiebenSat.1 (Pro Sieben, Sat.1, Kabel 1, N24, Neun Live …). Bis zum Herbst will Springer 100 Prozent der Fernsehfamilie besitzen und mittelfristig beide Unternehmen miteinander verschmelzen. Was das für die „Bild“-Zeitung und ihre „unabhängige“ Berichterstattung bedeutet, kann man erahnen. Und natürlich demnächst hier nachlesen.

Mehr in der „Financial Times“ und bei „Spiegel Online“, erste Reaktionen bei tagesschau.de.

Nachtrag, 12.47 Uhr: Auf einer Pressekonferenz sagte ProSiebenSat.1-Chef Guillaume de Posch zu Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner, er werde in Zukunft nicht nur „Bild“ und „Welt“ lesen, sondern auch die Fernsehprogramme sehen müssen. Und wörtlich: „Ich kann dir versichern, die Frauen sehen auf unseren Sendern genau so gut aus wie in der ‘Bild’-Zeitung.“

Nachtrag, 18.45 Uhr: Die „Süddeutsche Zeitung“ kommentiert die Fusion so:

Harmlos, unpolitisch ist [Springer] freilich nicht — und will es auch nicht sein. Man hat gern Einfluss, man hat auch gern Medienmacht, um Dinge zu bewegen. (…) Hier wächst zusammen, was nicht zusammengehört, wenn die Meinungsvielfalt erhalten bleiben soll.

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Auch bekannt als QUARK

Die so genannte „Vogelgrippe“ (aviäre Influenza) ist laut Wikipedia „eine erstmals 1878 in Italien beobachtete, durch Viren hervorgerufene anzeigepflichtige Tierseuche“.

Das so genannte „SARS“ (Severe Acute Respiratory Syndrome) ist laut Wikipedia „eine Infektionskrankheit, die erstmals im November 2002 in der chinesischen Provinz Guangdong beobachtet wurde“.

Beide Krankheiten traten in den vergangenen Jahren im asiatischen Raum auf, haben ähnliche Symptome, können für den Menschen tödlich sein und sorgen hierzulande gern für Schlagzeilen. Vogelgrippe und Sars haben aber überhaupt nichts miteinander zu tun – außer vielleicht, dass „Bild“ das überhaupt nicht begriffen hat.

Denn in der Leipzig-Ausgabe der „Bild“ fand sich gestern der folgende Artikel:

Bebildert ist der „Vogelgrippe“-Text mit einem SARS-Virus (unten) und einem SARS-Arzt (links). Und um die Verwirrung komplett zu machen, ist im Text selbst von der „Lungenkrankheit SARS (Vogelgrippe)“ die Rede, was bei einer Zeitung, die eine Aids-Erkrankung und eine HIV-Infektion nicht unterscheiden kann, vielleicht nicht weiter verwundert. Und sagte nicht auch ein Mitbewohner der Verstorbenen „fassungslos“ zu „Bild“, „Meike war genau zur SARS-Zeit in China. Hoffentlich war sie nicht an Vogelgrippe erkrankt“?

Zum Glück hat „Bild“ aber neben den Text extra noch einen Infokasten mit der Überschrift „Was ist die Vogelgrippe?“ gesetzt, in dem „Bild“ gleich zu Beginn ausdrücklich behauptet, die Vogelgrippe sei „auch als SARS (…) bekannt“. Doch das ist nicht nur falsch, sondern auch sehr verwunderlich: Der Rest des „Vogelgrippe“-Infokastens nämlich sieht ganz so aus, als wäre er (teilweise sogar wörtlich) aus einem der eingangs zitierten Wikipedia-Einträge abgeschrieben – genauer gesagt, aus dem zu SARS.

Mit Dank an Stefan R. für Hinweis, den selbstlosen Kauf einer „Bild“-Zeitung und den Scan!

Nachtrag, 17:00:
Dass es sich bei der Toten überhaupt um einen Vogelgrippe-Fall handelt, ist laut „Leipziger Volkszeitung“ übrigens „momentan eine reine Mutmaßung“.

Sauber getrennt

Das Urteil des Berliner Landgerichtes lässt kaum Fragen offen: Die Praxis von Bild.de, Links zu setzen, die aussehen, als würden sie zu redaktionellen Texten führen, tatsächlich aber auf Werbeangebote verweisen, ist unzulässig:

Ein Hyperlink, der aus einem redaktionellen Zusammenhang auf eine Werbeseite führt, muss so gestaltet sein, dass dem Nutzer irgendwie erkennbar wird, dass auf eine Werbeseite verwiesen wird (…)

Andernfalls verstößt das Angebot gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb und das Teledienstgesetz. Auch wenn auf der nächsten Seite, auf die der Nutzer nach dem Klicken kommt, das Wort „Anzeige“ auftaucht, ändert das nichts an der Pflicht, den Nutzer schon vorher korrekt über den Werbecharakter eines Teasers zu informieren, denn:

Auch wenn der typische Internetnutzer generell damit rechnet, mit Werbung konfrontiert zu werden, so wird er, wenn er einen Link verwendet, der darauf hindeutet, zu redaktionellen Inhalten zu gelangen, Werbung dennoch nicht erwarten. Die Gefahr, den zweiten Link zu benutzen, ohne den Hinweis auf den werblichen Charakter zu erkennen, ist daher groß.

Das Urteil betrifft unmittelbar nur den konkreten verhandelten Fall. Wenn Bild.de in diesem Fall erneut so werben würde wie geschehen, würde ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro fällig. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen, der das Verfahren angestrengt hat, ist allerdings der Meinung, dass nach diesem Urteil auch andere, ähnliche Verstöße von Bild.de für das Unternehmen sehr teuer werden könnten. „Bild“-Sprecher Tobias Fröhlich sagt, Bild.de werde „weiterhin gemäß der journalistischen Leitlinien von Axel Springer großen Wert darauf legen, daß Werbung auch als solche klar erkennbar ist“.

Na, dann schauen wir uns das doch mal an.

Im Ressort „Auto“ stehen diese drei Teaser nebeneinander:

Der linke Teaser ist als Anzeige gekennzeichnet und führt zu einer ebenfalls als „Anzeige“ markierten Bild.de-Seite, die zu einem kostenpflichtigen Angebot von „Janolaw“ führt. Aber auch der mittlere führt zu einem kostenpflichtigen Angebot von „Janolaw“. Hier enthalten weder der Teaser, noch die Folgeseite das Wort Anzeige. Und auch der rechte Teaser führt nicht zu einem redaktionellen Text, sondern direkt auf Seiten, die von der EurotaxSchwacke GmbH betrieben werden und deren Dienste kostenpflichtig sind.

Das Seitenmenu im Ressort „Reise“ sieht bei Bild.de so aus:

Frage: Welcher dieser Menupunkte führt zu redaktionellen und welcher zu werblichen Inhalten? Nein, die Fettung ist kein Hinweis. Nur die Punkte „Reise“ und „Reisekasse & Recht“ führen zu redaktionellen Angeboten. Alle anderen sind Werbung für Unternehmen wie Tui oder Condor, die — um die Verwirrung komplett zu machen — auf den Folgeseiten teils als „Anzeige“ (Ausriss links) gekennzeichnet sind, teils als „powered by“ (Ausriss rechts).

Aber auch in der überwiegend redaktionellen Hauptseite „Reise“ hat Bild.de einige Überraschungen versteckt. Zum Beispiel hier:

Wer sich auf den Teaser links unten klickt, um sich über die Sparmöglichkeiten bei Tui zu „informieren“, kommt zu einem Artikel, der scheinbar unabhängig und journalistisch, aber erstaunlich detailliert über die Sparmöglichkeiten informiert — ausschließlich bei der Tui, die ein Partner von Bild.de ist. Mitten im vermeintlich redaktionellen Text ist ein Link untergebracht, der direkt zum gemeinsamen Werbeangebot führt:

Im Reiseressort finden sich in der rechten Spalte auch folgende Teaser:

Sie sehen aus, als würden sie auf eine Verbraucherberatung durch die Bild.de-Redaktion hinweisen. Tatsächlich führen sie zu Seiten der Creditplus-Bank, die dort für ihren Online-Kredit wirbt, in einem Fall sogar fast vollständig verkleidet als unabhängige Beratung.

Und im Ressort „Gesund & Fit“ sieht das Seitenmenu so aus:

In diesem Fall soll wohl das Deutschlandfähnchen signalisieren: Hier geht es auf eine Werbeseite (für das Maggi-Kochbuch).

Danke auch an Christoph H. für die Recherche!

Völlig bekloppt

Schuld ist eigentlich Carola Frentzen. Die Rom-Korrespondentin der Deutschen Presseagentur (dpa) hatte nämlich zum 24. Juli eine launige Sommerloch-Meldung über „Gutes Benehmen in Badehose und Bikini“ an Italiens Stränden geschrieben: Frentzen hatte „eine Art ‘Knigge’ für die Badegäste“ aufgetan, in dem von der italienischen Badeanstaltenvereinigung S.I.B. „zehn Strandgebote“ oder „Verhaltensregeln“ bzw. „Regeln des Anstands“ formliert worden waren. Die dpa-Frau hatte außerdem noch mit einem Benimm-Experten gesprochen. Und sie hatte nicht mit „Bild“ gerechnet.

Denn in „Bild“ sah die Sache drei Tage später so aus:

Von einem „Busen-Verbot“, einem „Bier-Verbot“ und einem „Bolz-Verbot“ war da plötzlich die Rede und anderen Sachen, die angeblich „verboten“ oder „nicht erlaubt“ seien.

Gestimmt hat das alles nicht. Zum einen handelt es sich bei dem Regelkatalog der S.I.B. um simple „suggerimenti“ (Vorschläge), wie auch der S.I.B.-Präsident Riccardo Borgo in einer unmittelbaren Reaktion auf die „Bild“-Veröffentlichung mitteilte (und auch die italienische Zeitung „Corriere della Sera“ berichtet). „Wir haben niemandem etwas verboten“, sagte Borgo hier wie dort. Außerdem sei „von keiner Seite her das Verbot ergangen, Bier zu trinken oder sich oben ohne aufzuhalten.“

Statt jedoch die eigene Falschmeldung zu korrigieren, entschied man sich bei „Bild“ für einen anderen Weg: „Bild“ ignorierte die (durch sie selbst notwendig gewordene) Richtigstellung, ließ lieber ihren Vatikan-Experten Andreas Englisch aus Rimini nochmals und nochmals über die „lange Verbotsliste“ schreiben — und nutzte die Gelegenheit, schnell noch die eine oder andere barbusige Frau zu zeigen…

Mit großem Dank an Salvatore B. sowie Patrick K., Robert G., Johannes H. und Roberto C. für den Hinweis und die spontanen Übersetzungshilfen!

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