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Tipp: Die schwarzen Dinger links und rechts

Tja. Wie viele Fotos hätte der Bild.de-Autor noch in der Fotogalerie gebraucht, um nicht zu behaupten, an diesem getunten VW Passat Variant (siehe Ausrisse) seien keine Außenspiegel zu sehen?

Nachtrag, 19. Februar. Nach drei Tagen hat auch Bild.de sie entdeckt.

Danke an Dirk G., Alexander B. und Carsten M.!

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Das Märchen vom Wolf und den fünf Experten

Am Dienstag veranstaltete das Bundesumweltministerium in Berlin eine Tagung „Wer hat Angst vorm bösen Wolf?“. Es ging darum, wie bei einem solch konfliktreichen, emotionalisierten Thema wie der Wiederansiedelung des Wolfes in Deutschland eine sachliche Auseinandersetzung gelingen kann.

Am gleichen Tag demonstrierte die „Bild“-Zeitung, wie leicht es ihr fällt, bei diesem Thema jede sachliche Auseinandersetzung zu torpedieren. Jürgen Helfricht, in Dresden bei „Bild“ der Mann fürs Grobe und einschlägig bekannt, schrieb diesen Artikel:

EXPERTEN FORDERN: Schießt die deutschen Wölfe ab!

(…) Jetzt warnen internationale Experten vor den Tieren, fordern ihren Abschuss! Lesen Sie selbst, was die Fachleute sagen.

Was die fünf „Fachleute“ aus drei Ländern sagen, liest sich tatsächlich erfrischend eindeutig. Einer behauptet:

„Menschen sind die natürlich Beute des Wolfes.“

Ein anderer:

„Ich erwarte, dass bald Kinder von den Wölfen getötet werden.“

Hinter die Warnungen schreibt „Bild“ noch den erschütternden Satz:

Sachsens Umweltminister will die Experten ignorieren.

Und fügt, ein bisschen verwirrend, die Information hinzu:

Eine Umfrage des „Internationalen Tierschutz Fund“ (IFAW) ergab: Seit Jahrzehnten kam es in keinem europäischen Land mit Wolfsbestand zu Angriffen auf Menschen.

Ach.

Eine Umfrage auf der Tagung des Bundesumweltministeriums ergab nach Angaben einer Teilnehmerin, dass keiner der anwesenden internationalen Experten die „internationalen Experten“ von „Bild“ kannte. Allerdings scheinen sich die „internationalen Experten“ von „Bild“, wie ein Gruppenfoto in „Bild“ andeutet, untereinander zu kennen. Sie sitzen alle gemeinsam auf einem Sofa mit Joachim Bachmann. Und den kennen wir.

Bachmann ist Jäger, Gründer des Vereines „Sicherheit und Artenschutz“, der dafür kämpft, die Wölfe in Deutschland wieder auszurotten. Er empfindet es laut „FAZ“ als eine Ehre, unter den Wolfsfreunden in der Lausitz als „Wolfsfeind Nummer eins“ zu gelten. Die „Sächsische Zeitung“ zitiert ihn mit den Worten: „Mit dem Wolf ist es wie mit dem Krebs im Körper. Wenn sie ihn frühzeitig bekämpfen, haben sie hohe Heilungschancen. Wenn sie warten, bis die Metastasen da sind, haben sie nur noch fünf Prozent Heilungschancen.“

Das Wildbiologische Büro „Lupus“, das in der Lausitz die Rückkehr der Wölfe fachlich begleitet und von „Bild“ und Bachmann heftig kritisiert wird, sagte gegenüber BILDblog, die „internationalen Experten“ von „Bild“ seien allesamt von Bachmanns „Sicherheit und Artenschutz e.V.“ in die Lausitz eingeladen worden. Was natürlich erklärt, warum ihre Forderungen so sehr übereinstimmen. Und warum sie in keiner Weise repräsentativ sind.

Mit der gleichen Logik, mit der „Bild“ diese Leute schlicht zu Wolfs-„Experten“ macht, könnte sie auch CDU-Politiker zu Fachleuten für die SPD erklären („Experten fordern: Wählt keine Sozialdemokraten!“). Oder sich selbst zum Experten für Wahrheit.

PS: Gestern legte Jürgen Helfricht in einem weiteren „Bild“-Artikel nach. Der Text begann mit den Worten:

„Die Angst der Menschen vor den rund 30 Lausitz-Wölfen wächst von Woche zu Woche!“

Na, woher das wohl kommt.

Danke auch an Benjamin S.!

Volks-Volksentscheid

Gestern abend war Dirk Hoeren, „Bild“-Experte für PolitikerPensionen und –Gehälter, für RentenLügen, Krankenkassenbeiträge oder Vogelgrippe-Impfungen, zu Gast in der Sendung „Hart aber Fair“. Es ging um Steuern und Abgaben. Als „Hart aber Fair“-Moderator Frank Plasberg Hoeren mit gewissen Inkonsistenzen in der „Bild“-Berichterstattung konfrontierte und fragte, wie denn die Forderungen nach weniger Steuern auf der einen und nach mehr Staat auf der anderen Seite zusammen passten, ergab sich dieser kurze Dialog:

Hoeren: Das passt sehr gut zusammen, weil der Eindruck entsteht, dass Steuern gleich Staat und Staat gleich Steuern sind. Das ist ja nicht unbedingt der Fall. „Bild“ spricht eine klare Sprache. Es gibt in Deutschland keine Volksabstimmungen und auch keine Volksbefragungen, „Bild“ ist mit zwölf Millionen Lesern am Tag so was wie die tägliche Volksbefragung, der tägliche Volksentscheid. (Gemurmel im Publikum und in der Runde)

Plasberg: Entschuldigung, darf ich noch mal an unsere Frage erinnern: Heißt das, dass wir auch so einäugig sind als Bürger (…)? Das kann ja sein, dass Sie tatsächlich nur unsere eigene Schizophrenie wiedergeben…

Hoeren: Also, da würde ich Ihnen jetzt nicht unbedingt widersprechen.

„Bild“ verliert beim Vergewaltiger-Quartett

Nachdem im Mai vergangenen Jahres eine 16-Jährige behauptet hatte, von vier Minderjährigen vergewaltigt und dabei mit dem Foto-Handy gefilmt worden zu sein, berichteten darüber viele Medien — und für die meisten war die Sache auch ohne Richterspruch eindeutig. Beispielshalber seien hier mal alle vorverurteilenden Tatsachenbehauptungen* zu dem Fall in den an vier aufeinanderfolgenden Tagen veröffentlichten Artikeln der „Bild“-Zeitung aufgelistet:

Vier Schüler (13 bis 15) vergewaltigen Mädchen (16) +++ Es ist widerlich. Es ist schockierend. Es macht Angst! +++ Schülerin vergewaltigt +++ die vier Täter +++ Warum waren sie zu solch einer abartigen Tat fähig? +++ Opfer +++ Täter +++ das Vergewaltiger-Quartett +++ Täter +++ diese Tat +++ die Täter +++ Jetzt spricht die 16jährige Christina, die in Charlottenburg von vier Jungs geschändet wurde. +++ Die Gruppen-Vergewaltigung von Charlottenburg — der Fall erschüttert ganz Deutschland. +++ Nach BILD-Informationen mußte Christina ihre Peiniger auch oral befriedigen. +++ die abscheuliche Tat +++ die vier Täter +++ die vier Täter +++ vergewaltigte 16jährige +++ …und die vier Täter laufen immer noch frei rum +++ die Vergewaltiger +++ Täter +++ die Täter +++ die Täter +++ die Täter +++ die Täter +++ Täter und Opfer +++ Sextäter +++ Christina von vier Jungen vergewaltigt +++ die widerliche Tat +++ Wie BILD erfuhr, hat einer der vier Peiniger die Schülerin bei der brutalen Tat entjungfert.

*) Natürlich gab es auch relativierende Formulierungen in den „Bild“-Texten: Tatverdächtige (2x), Beschuldigte (1x), mutmaßlich (9x — Beispielsatz: „Und jetzt verhöhnt einer der mutmaßlichen Täter das Opfer auch noch dreist im TV!“

Seit einer Woche nun gibt es Neuigkeiten — gute Neuigkeiten eigentlich:

Nach den übereilten Vorverurteilungen hat die Berliner Justiz die Ermittlungen nun allerdings nach rund neun Monaten eingestellt. Die angebliche Vergewaltigung sei keine Straftat gewesen, sagte der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft Michael Grunwald. Weder die Angaben der Beteiligten noch die ausgewerteten Sachbeweise belegten die für eine Vergewaltigung oder sexuelle Nötigung erforderliche Gewaltanwendung oder erhebliche Bedrohung des Mädchens.

So berichtete am 9. Februar die Nachrichtenagentur ddp (und ähnlich auch dpa). Die Nachricht übernahmen anschließend nur wenige Medien. „Bild“ gehört nicht dazu.

Implizit! „Bild“ dichtet Söder „Kuckuckskind“ an

Wenn CSU-Politiker Väter werden, erzählt „Bild“ das gerne weiter. Wenn beispielsweise Horst Seehofer angeblich ein „Baby mit heimlicher Geliebten“ hat, kann „Bild“ das gar nicht groß und exklusiv genug vermelden. Aber es geht auch eine Nummer kleiner: "CSU-General Söder wird zum 3. Mal Papa"

Sogar die Tatsache, dass Seehofers Parteikollege Markus Söder anscheinend mal wieder ein Baby mit seiner Ehefrau bekommt, war „Bild“ vergangene Woche zumindest in der Münchner Ausgabe eine größere Schlagzeile wert (siehe Ausriss).

Dumm nur, dass sie nicht stimmt. Wie man beispielsweise bei CSU.de nachlesen kann, hat Söder bereits drei Kinder — genauer (wie z.B. „Bunte“ und „Abendzeitung“ berichten — und wie es dann auch irgendwo im Artikel zur falschen „Bild“-Schlagzeile steht): ein uneheliches Kind „aus einer früheren Beziehung“ und zwei weitere Kinder mit seiner jetzigen Ehefrau.

An der Vaterschaft welches dieser drei Söderkinder „Bild“ zweifelt, ist uns nicht bekannt.

Mit Dank an die Hinweisgeber — auch für den Scan.

6 vor 9

Eine ganz eigene Welt (+ +)
(blog.zeit.de/blogruf)
Die Welt wird ihr Onlinegesicht liften. Zu einer kleinen Vorschau lud sie am gestrigen Dienstag einige Medienblogger ins Berliner Axel-Springer-Hochhaus ein. Noch ist nicht alles perfekt, doch in den nächsten Tagen soll das in vielem runderneuerte Portal starten.

?Journalismus hat andere Probleme. Blogger gehören nicht dazu?
(politik-digital.de)
Der elektrische Reporter Mario Sixtus outete sich am Dienstag in der Blogsprechstunde als digitaler Bohemien und riskierte die Einweisung in die Metaphernhölle. Im Chat ging es um Journalismus und Blogs, freies Arbeiten und das nächste große Ding im Internet.

?New York Times?: Der stille Abschied vom Papier
(welt.de, Eytan Avriel)
Bei der angesehensten Zeitung der Welt hat die Online-Leserschaft die Zahl der Abonnenten der Printausgabe bereits abgehängt. Und ob die Zeitung in fünf Jahren noch gedruckt erscheint, kümmert Herausgeber Sulzberger herzlich wenig.

Schnäppchen Content
(taz.de, Martin Reichert)
Axel Springer hat neue Honorarbedingungen für freie Mitarbeiter formuliert: Mehrmals nutzen, einmal zahlen.

Top 10 der vernachlässigten Themen 2006
(nachrichtenaufklaerung.de)
Über fehlende Therapiemöglichkeiten für Medikamentenabhängige wird kaum berichtet.

Vanity Fear – das Video
(axel-springer-akademie.de)
Niels Ruf hat investigativ recherchiert und aufgedeckt, wie die Redaktionskonferenzen von ?Vanity Fair? wirklich laufen. Ein Meisterstück des investigativen Journalismus (vanityfear.mov, Video).

Kurz korrigiert (315)

Nachdem „Bild“-Kolumnist Franz-Josef Wagner gestern bereits (wie berichtet) die ehemalige RAF-Terroristin Brigitte Mohnhaupt fälschlicherweise als „begnadigt“ bezeichnet hatte, macht er heute wieder einen Fehler.* Wagner schreibt:

Der Bundesgerichtshof hat nun für die Vielleicht-Väter entschieden und gegen die Lügenmütter.

Es war natürlich das Bundesverfassungsgericht. Die Kollegen aus der „Bild“-Redaktion wussten das und haben Wagner trotzdem wieder nicht korrigiert. Aber deswegen zu behaupten, dass bei „Bild“ niemand mehr liest, was Wagner da so zusammen schreibt, wäre natürlich eine gemeine Unterstellung.

Mit Dank für den sachdienlichen Hinweis.

*) Gestern hatten wir an dieser Stelle noch der Fairness halber die Möglichkeit formuliert, dass Wagner sich extrem gut mit Rechtsthemen auskenne — ein Hinweis, auf den wir rückblickend auch getrost hätten verzichten können.

Lachen mit Bild.de

Derzeit auf der „Seite 1“:

Wir fordern: Absolutes Alkoholverbot für Bild.de!

Mit Dank an Andreas K., Stefan S., Ansgar, Reichelt, Marcel, Christoph H., Florian S., Tobben H., Claudia K., dhidalgo, Malte L., Sabine W., Falk B. und Johannes W.

Nachtrag, 15.36 Uhr: Ist geändert.

Lasst die Finger von Manuela E.

Es ist bestimmt nicht leicht für „Bild“, andauernd irgendwelche Geschichtchen über die RTL-Show „Deutschland sucht den Superstar“ zu erf…ahren.

Ein Glück, dass „Bild“ in der vergangenen Woche gleich zwei Mal die „BILD-Leser-Reporter“ zur Hilfe kamen. Die angeblichen von „Bild“ nicht namentlich genannten Informanten hatten nämlich „aufgedeckt“, dass mehrere DSDS-Kandidaten zuvor schon öffentlich aufgetreten waren und es sie „sogar auf CD“ gab. „Bild“ machte daraus Schlagzeilen* wie:

Betrug? Profi-Sänger bei den Superstars

*) Das war insofern irreführend, als ja auch bei anderen DSDS-Staffeln schon „ProfiSänger“ mitgemacht hatten, ohne damit für („Bild“-)Schlagzeilen zu sorgen. Eine gewisse Berechtigung hatte die „Betrug“-Frage aber dennoch, weil beispielsweise in den RTL-„Steckbriefen“ die Gesangskarrieren der angeprangerten DSDSKandidaten mit keinem Wort erwähnt werden…

Heute nun berichtet „Bild“ ein drittes Mal über einen „Profi-Sänger“ bei „Deutschland sucht den Superstar“. Und ja, die Geschichte heute steht nicht mehr (wie am 6. Februar) auf der Titelseite oder (wie am 8. Februar) auf Seite 4, sondern weiter hinten im Berlin-Brandenburger Regionalteil. Groß ist sie dennoch:

Eine BILD-Lesereporterin hat es aufgedeckt: Der Berliner Kandidat Max Buskohl (18) hat eine eigene Band!

Und weiter heißt es, die „BILD-Leser-Reporterin Manuela E. [Name von uns gekürzt] entdeckte auf ‚myvideo.de‘ einen Musik-Clip mit Max Buskohl und seiner Gruppe ‚Empty Trash'“.

Einen Hinweis darauf, worin genau im Fall Max Buskohl eigentlich der groß angekündigte „Schwindel“ besteht, bleibt „Bild“ indes schuldig. In Buskohls offiziellem DSDS-„Steckbrief“ hieß und heißt es:

Er geht gerne aus und feiert, schreibt eigene Songs und spielt Gitarre. Das musikalische Talent hat Max von seinem Vater, Carl Carlton, der u.a. Gitarrist bei Robert Palmer, Peter Maffay und Udo Lindenberg war. Seit August 2005 ist Max Mitglied der Berliner Band ‚Empty Trash‘, in der er unter dem Namen ‚Charlie Crawford‘ singt.
(Hervorhebung von uns.)

Das heißt: Was „BILD-Leser-Reporterin“ Manuela E. „aufgedeckt“ hat, hätte nun wirklich jeder aufdecken können. Ach ja, vergangene Woche fragte „Bild“ noch:

Wird man als Zuschauer bei „Deutschland sucht den Superstar“ eigentlich nur für dumm verkauft?“

Inzwischen lautet die Antwort wohl: Nicht für dümmer als bei „Bild“.

Keine „Stern“-Stunde (2)

Jetzt ist es also „gerichtsamtlich“: „Bild“ hatte am 10. Juni 2005 fälschlicherweise behauptet, Doris Schröder-Köpf habe Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) auf die Idee mit dem Neuwahl-Coup gebracht. Nun befand ein Gericht, diese Behauptung sei „unwahr“ und müsse richtiggestellt werden.

Aber:

Das Magazin „Stern“ hatte das offenbar unwahre Neuwahlen-Gerücht der „Bild“-Zeitung (wie berichtet) nachgeplappert später ebenfalls verbreitet. Und weil Schröder-Köpf deshalb gerichtlich gegen den „Stern“ (jedoch nicht gegen „Bild“) vorging, ist der „Stern“ heute für „Bild“ der „Verlierer“ des Tages.

Mit Dank auch an Rocco S., Daniel von B.,
Manuel B. und Eric A. für die Erinnerung.

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