Wer hat an der Uhr gedreht?

Als „Zeitzeugin“ des Transrapid-Unglücks stellte „Bild“ am 25. September Melanie Kroll aus Wilhelmshaven vor:

Sie saß an Bord einer kleinen Propellermaschine, ihr Freund (36) am Steuerknüppel.

Nur Minuten nach der Katastrophe flogen sie über den Unglücksort im Emsland.

Nur Minuten? Dass das nicht stimmt, kann man schon auf den ersten Blick erkennen: Krolls Foto, das „Bild“ veröffentlichte, zeigt, wie ein Teil des Transrapids der Werkstattwagen von zwei riesigen Kränen geborgen wird.

Die Fotos sind nicht Minuten, sondern Stunden nach dem Unglück entstanden. Die Katastrophe ereignete sich gegen 10 Uhr. Kroll war, wie sie dem ARD-Magazin „Panorama“ sagte, um „kurz nach zwei“ an der Unglücksstelle.

Warum datiert „Bild“ das Foto zurück? „Panorama“ hat Nicolaus Fest, Mitglied der „Bild“-Chefredaktion gefragt:

„Weiß ich ehrlich gesagt nicht. Müsst‘ ich mal nachprüfen. Scheint mir ein Fehler zu sein. Gut. Es ist ja insofern auch… auch bei uns passieren Fehler. Ich will das gar nicht… gar nicht kleinreden oder verneinen.“

Dieser „Fehler“ war praktisch für „Bild“. So ersparte sich die Zeitung zunächst unbequeme Fragen. Die Polizei hatte nämlich nach dem Unfall ein Überflugverbot verhängt, damit die Rettungshubschrauber ungestört fliegen konnten. Deshalb ist die Uhrzeit entscheidend. „Bild“ erweckt den Eindruck, die „Leser-Reporterin“ sei ohnehin zufällig in der Luft gewesen, als sich das Unglück ereignete. In Wahrheit ist sie gezielt zur Unglücksstelle geflogen, nachdem sie aus dem Fernsehen von der Katastophe erfuhr.

„Dann hab ich gleich angerufen bei meinem Bekannten, weil der ein Flugzeug hat, und hab gedacht, das ist also das einfachste, wenn wir da hinfliegen.“

Von dem Überflugverbot habe sie nichts gewusst.

Fotografiert Kai Diekmann!

Dies ist ein Experiment.

Denn nachdem das Landgericht Berlin vor ein paar Jahren entschieden hat, dass „Bild“-Chef Kai Diekmann „bewusst seinen wirtschaftlichen Vorteil aus der Persönlichkeitsrechtsverletzung anderer sucht“ und deshalb „weniger schwer durch die Verletzung seines eigenen Persönlichkeitsrechtes belastet wird“, wollen wir Diekmanns Persönlichkeitsrecht erneut einer Belastungsprobe aussetzen.

Ab sofort sucht BILDblog die besten Diekmann-Fotos.

Kai Diekmann (42), wohnhaft in Hamburg. Kai Diekmann, in Badehose am Strand oder in einer Bäckerei oder auf dem Parkplatz oder am Flughafen oder im Flugzeug oder eingenickt im Flugzeug oder beim Shopping oder beim Nase-Bohren nachdenklich oder frischverliebt auf Sylt oder mit seiner Familie aus einem Nobel-Restaurant kommend oder in einer Tankstelle oder beim Italiener oder bei der Arbeit oder ganz ungeschminkt oder ganz entspannt mit einem Bierchen in einer Bar oder beim Pinkeln beim Pinkeln oder oder

Schließlich ist Kai Diekmann Chefredakteur der „Bild“-Zeitung. Unter seiner Verantwortung ruft seit einiger Zeit auch „Bild“ die Leser dazu auf, Fotos zu machen: von Unfällen, Naturereignissen und Beamten, vor allem aber von Prominenten und Nicht-Prominenten in kompromittierenden oder privaten Situationen. „Bild“ verspricht den Laienpaparazzi viel Geld (zwischen 100 und 5000 Euro), damit sie ihre Fotos an die Redaktion schicken — und „Bild“ sie anschließend abdrucken kann. In einigen Fällen gingen die Fotografierten bereits mit Erfolg juristisch gegen die Veröffentlichungen vor oder beklagten sich — z.T. sogar öffentlich — über die Zudringlichkeit der „BILD-Leser-Reporter“, wie „Bild“ die Laienpaparazzi nennt.

BILD-Chef-Reporter: 4141Deshalb unser Aufruf: Werdet BILD-Chef-Reporter, fotografiert Kai Diekmann — egal, ob am Nebentisch oder auf der anderen Straßenseite. Sagt’s Euren Freunden und Bekannten weiter (insbesondere denen, die auch Freunde und Bekannte von Kai Diekmann sind oder Freunde und Bekannte von Kai Diekmann kennen), schickt die Schnappschüsse an 4141@BILDblog.de* — und denkt bitte immer daran: Die Arbeit von Rettungsdiensten oder Polizei darf nicht behindert werden.

*) Wer ein Diekmann-Foto an BILDblog schickt, erklärt, sämtliche Rechte hieran zu besitzen und überträgt der B-blog GbR alle Rechte zur Veröffentlichung in allen Medien — zur Bearbeitung, Archivierung und Weiterveräußerung. Bei Weiterveräußerung erhält der Urheber von der B-blog GbR 50% der erzielten Nettoverkaufserlöse. Wenn Ihr Diekmann-Foto in der „Bild“-Zeitung (bundesweit) erscheint, erhalten Sie 500 Euro Belohnung. Außerdem veröffentlichen wir eine Auswahl der besten Fotos honorarfrei hier.

Hinweis: Der Hinweis, dass der Fotografierte mit der Veröffentlichung des Fotos einverstanden sein müsse, wurde bei „Bild“ übrigens ersatzlos aus dem Kleingedruckten gestrichen.

6 vor 9

Digital ist besser: Die neue Boheme
(orf.at, Patrick Dax)
Holm Friebe und Sascha Lobo skizzieren in ihrem Buch „Wir nennen es Arbeit“, wie sich mit Hilfe neuer Technologien ein selbstbestimmtes Leben jenseits der Festanstellung führen lässt. Die so entstehende digitale Boheme entwickle sich zum bedeutenden Wirtschaftsfaktor, zeigen sich die beiden Autoren im ORF.at-Interview überzeugt.

Italiens Regierung will Mediengesetz ändern
(nzz.ch, tz.)
Berlusconi spricht von politischer Vendetta und von Banditentum.

„Endloser Datenozean“
(taz.de, Robert Misik)
Die Wissensgesellschaft fördert selten kluges Denken: Der Wiener Philosoph Konrad Paul Liessmann über Reformgeist, verfehlte Bildungspolitik, den Evaluierungswahn und anderes unnützes Wissen.

Streit um „Österreich“
(diepresse.com)
„Bürger“ Hans Böck geht vom Erfolg des Löschungsantrags aus, Herausgeber Wolfgang Fellner spricht von einem „untauglichen Versuch, die erfolgreichste Tageszeitungsgründung dieses Landes zu behindern“.

täglichpress
(stefan-niggemeier.de)
Ich habe von der Firma „X-Ray Personal Media Digest GmbH“ heute zum ersten Mal gehört. Und vermutlich sollte ich mir eigentlich kein Urteil erlauben, wenn ich nicht einmal weiß, was genau ein „vorstandsfähiger Medienspiegel“ ist, den sie anbietet.

Die Umerziehung der Schahiden
(perlentaucher.de, Anna Politkowskaja)
Im offiziellen Tschetschenien sind widersprüchliche Menschen äußerst rar. Einer der Letzten von ihnen ist tot – Buwadi Dachijew.

Allgemein  

Gefunden!

Am 22. August 2006 sprach „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann vor dem Wirtschaftsrat der CDU in Hamburg. Eine Frau im Publikum fragte ihn, welchen Anteil seine Zeitung daran habe, dass wir in einer Neidgesellschaft lebten.

Kai Diekmann antwortete, es gebe eine Zeitschrift, die jährlich eine Liste der reichsten Deutschen veröffentliche. Er glaube, dass solche Veröffentlichungen schädlich seien, weil sie den Neid in unserer Gesellschaft verstärkten.

Diekmann sagte wörtlich:

„Sie werden diese Gehaltslisten in ‚Bild‘ nicht finden.“

Nicht?

Am Mittwoch fanden wir folgenden Artikel groß auf Seite 1 der „Bild“-Zeitung:

Die 30 reichsten Deutschen

Kurz korrigiert (270)

Bild.de berichtet, Gebärmutterhalskrebs sei „die zweithäufigste Todesursache bei Frauen“.

In Deutschland sterben jährlich fast 1700 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. Zum Vergleich: Über 20.000 Frauen erliegen in Deutschland jährlich einem Schlaganfall, über 10.000 Frauen sterben an Grippe oder Lungenentzündung, fast 5000 stürzen zu Tode.

Was Bild.de vermutlich eigentlich sagen wollte: Gebärmutterhalskrebs ist die zweithäufigste tumorbedingte Todesursache bei Frauen.

Danke an Martin S.!

6 vor 9

Moselcoast-Ghetto-Rap-Geschwader: Die Presseschau der Subkultur
(jetzt.de, Tobias Wullert)
Wie prächtig das Angebot in den Hauptbahnhofsbuchhandlungen doch ist. Jedem Interesse ist ein Heft gewidmet. Was steht da eigentlich immer so drin? jetzt.de hat sich fünf Exemplare gegriffen und geblättert.

Ein Ehrenkodex von 50 Seiten
(fr-aktuell.de, Bernd Buder)
Dazwischen zurechtkommen: Im Kosovo bemüht sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk um die journalistische Ethik.

Termin mit dem Tod
(zeit.de, Auszug aus dem Buch „Douloureuse Russie“)
Wie die russische Journalistin Anna Politkowskaja den Mann traf, den viele für ihren wahren Mörder halten. Eine Reportage aus ihrem letzten Buch.

In einem Blog über die verlorene Zeit
(taz.de, Detlef Kuhlbrodt)
Die „Recherche“ lesend sich selbst lesen: Der Schriftsteller Jochen Schmidt arbeitet täglich 20 Seiten Marcel Proust durch und schreibt darüber ein Internet-Tagebuch.

„Um gelesen zu werden“
(tink.ch, Janosch Szabo)
Im Juni startete die deutsche Netzeitung die Plattform Readers Edition. Der Moderator Gerd Stodiek über Bürgerjournalismus und die nicht mehr ganz neue Projektidee.

Über Google, YouTube und eine strahlende Zukunft
(approx.antville.org)
Vor genau sechs Jahren schrieb die Zeit unter der Überschrift „Fernsehen à la Carte“ einen recht euphorischen Artikel über CanalWeb. Kennt eigentlich noch jemand diese Firma?

Bloß früher IV

Heute berichtet „Bild“ auf der allerletzten Seite…

… über einen „Blondinen-Crash“, der sich, so „Bild“, „im englischen Blackburn“ zugetragen haben soll. Kronzeuge für die „Bild“-Meldung ist ein Foto. Genauer gesagt, dieses:

Das Foto allerdings, das Europas größter Tageszeitung (die ja bekanntlich schreibt, „was alle schreiben — bloß früher“) heute auf der allerletzten Seite eine Meldung wert ist, findet sich auch auf verschiedenen Internetseiten — und das schon seit mindestens Mitte August. Und dass „im englischen Blackburn“ ungarische MediaMarkt-Plakate am Straßenrand herumstehen, wie man auf anderen Fotos derselben Serie deutlich erkennen kann, halten wir, gelinde gesagt, für äußerst unwahrscheinlich.

Wahrscheinlicher ist, dass „Bild“ da auf der allerletzten Seite einfach irgendwas zusammenfantasiert hat. Macht das Blatt bei seinen Blondinen auf der allerersten Seite ja auch andauernd.

Mit Dank an Sönke M. für den Hinweis.

Kai Diekmann arbeitet mit „Bild“-Methoden

Nein, das Verhältnis von „Bild“-Zeitung und Heide Simonis ist wahrlich kein entspanntes.

Aktuell hat Simonis nun einen Prozess gegen „Bild“ vor dem Berliner Landgericht verloren. Simonis verlangte 50.000 Euro Schmerzensgeld für den Abdruck einiger Fotomontagen, die „Bild“ am 2. Mai auf der Titelseite und im Blattinneren veröffentlicht hatte. Die Montagen zeigten u.a. das Gesicht der Politikerin mit Maden übersät sowie ihren Kopf auf einem mit Jauche besudelten Bikinikörper und stellten — so Simonis‘ Anwalt — eine „Verletzung der Menschenwürde“ dar.

„Bild“ reagierte auf das Gerichtsurteil mit einer Pressemitteilung. Darin heißt es korrekt:

„Eine ein Schmerzensgeld rechtfertigende Persönlichkeitsverletzung konnte das Landgericht (…) nicht erkennen.“

Unter der Überschrift „Kein Geld für Hoppel-Heide“ äußert sich in der Mitteilung jedoch auch „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann wie folgt:

„Heide Simonis hat mit ihrer Tanzshow ihr Ansehen nachhaltig beschädigt. An einer lächerlichen Show teilnehmen wollte sie, aber darüber lachen sollte man nicht. Sie hat als Unicef-Botschafterin das Vergleichsangebot einer großzügigen Spende und von Anzeigenraum für Unicef abgelehnt und auf Zahlung einer Geldentschädigung an sich selbst bestanden. Nun hat sie vor dem Landgericht die Quittung erhalten. Und wieder ein schwerer Ausrutscher!“

Allerdings sind Diekmanns hämische Äußerungen mehr als irreführend: Nicht nur verschweigt der „Bild“-Chef, dass Simonis wegen desselben „Bild“-Berichts vor Gericht bereits eine „Aufsehen erregende Gegendarstellung“ (AP) hatte durchsetzen können; der „Bild“-Chef erweckt darüber hinaus den Eindruck, Simonis‘ „Geldentschädigung an sich selbst“ und das „Vergleichsangebot einer großzügigen Spende und von Anzeigenraum für Unicef“ stünden in irgendeinem direkten Zusammenhang. (Immerhin sind beide Sachverhalte in Diekmanns Statement durch ein schlichtes „und“ miteinander verbunden.)

Doch der Eindruck trügt: Medienberichten zufolge bezog sich das „Vergleichsangebot“ von „Bild“ nämlich gar nicht auf Simonis‘ (erfolglose) Schadensersatzklage, sondern auf ihr (erfolgreiches) Gegendarstellungsbegehren, gegen das sich „Bild“ über Monate vehement gewehrt hatte.

Mit Löffeln gefressen

"War

Gestern spekulierte „Bild“ im Technikteil Sportteil ausführlich über die Gründe für Michael Schumachers Ausscheiden beim Formel-1-Rennen in Suzuka.

"Das ist ein Kolbenfresser"Bei der Gelegenheit versuchte „Bild“ auch gleich, ihren Lesern mit Hilfe einer Grafik (siehe Ausriss links) zu erklären: „Das ist ein Kolbenfresser“. Und sagen wir es mal so: Auf der „Bild“-Grafik Grafik sind tatsächlich ein Zylinder und ein Kolben zu sehen. Allerdings kommen Dinge wie „Kolben“ und „Zylinder“ nicht bloß in Motoren vor. Und eine „Blockade“ des abgebildeten Kolbens „an der ihn umgebenden Zylinderwand“ würde nie und nimmer zu einem Motorschaden führen. Die Abbildung zeigt nämlich keinen Zylinder, wie er in Verbrennungsmotoren zu finden ist, sondern einen Hydraulikzylinder, wie er auf der Internetseite der Remo AG zu finden ist (siehe Ausriss rechts).

Mit Dank an Tobias J. und Marcel S. für den sachdienlichen Hinweis.

Blättern:  1 ... 651 652 653 ... 809