Kurz korrigiert (243-244)

3,5 Millionen verschiedene Menschen (unique users) lesen angeblich monatlich Bild.de. Die Mitarbeiter von Bild.de selbst gehören anscheinend nicht dazu.

Jedenfalls wird seit Stunden die Meldung über einen Unfall in Konstanz mit diesem und ähnlichen Teasern angekündigt:

Koblenz: 14jähriger steuert sich und freund in den Tod

Und bei der Meldung, dass Tommy Haas beim ATP-Turnier in Los Angeles das Halbfinale erreicht hat, müsste man nur die Überschrift mit dem Artikel vergleichen, um zu merken, dass eines von beiden nicht stimmt:

Haas im Halbfinale

(…) Zwei Jahre nach seinem Finalsieg gegen Landsmann Nicolas Kiefer steht der gebürtige Hamburger beim 500 000-Dollar-Turnier erneut im Endspiel.

Im Halbfinale gab’s ein lockeres 6:3 und 6:4 gegen Lokalmatador Paul Goldstein.

(Hervorhebungen von uns.)

In diesem Fall stimmt die Überschrift.

Danke für die vielen Hinweise!

Nachtrag, 20.35 Uhr. Bei Bild.de liest man vielleicht nicht Bild.de, aber BILDblog: Plötzlich sind beide Fehler korrigiert.

Liegt ein Fluch über dem Sommer?

Es ist Sommer. Ein Sommer der Wiederwiederwiederholungen. Und heute fragt „Bild“ anlässlich Elisabeth Volkmanns Tod:

Liegt ein Fluch über der Klimbim-Familie?

Und wir zitieren auszugsweise:

„Sie machten die Menschen glücklich — und wurden selbst so unglücklich.“

„Regisseur Michael Pfleghar († 58) erschoß sich 1991 in der Badewanne seiner Düsseldorfer Wohnung – er war des Lebens überdrüssig.“

„Im November 2005 erlitt Peer Augustinski einen schweren Schlaganfall – 14 Tage Intensivstation, Schädel-Akupunktur. Seitdem ist er halbseitig gelähmt, kämpft sich mit harter Therapie zurück ins Leben.“

„Ingrid Steeger hatte nie Glück mit den Männern. Sie war mit Michael Pfleghar liiert, der sie ausnutzte – wie alle anderen auch. Heute lebt sie mit ihrem Dackel zurückgezogen in einer Zweizimmerwohnung in München.“

Und jetzt? Jetzt zitieren wir auszugsweise aus einem Artikel der „Bild am Sonntag“, erschienen vor fast genau zehn Wochen:

"Der Klimbim-Fluch"

„Muß man selber unglücklich werden, wenn man Millionen andere glücklich macht?“

„Am 23. Juni 1991 erschoß sich der lebensüberdrüssige Pfleghar in der Badewanne seiner Düsseldorfer Wohnung.“

„Peer Augustinski hat immer sehr gesund gelebt. (…) Im November vergangenen Jahres dann ein Schlaganfall, einer von der schweren Sorte. 14 Tage Intensivstation, linksseitige Lähmung, Schädel-Akupunktur. Augustinski kämpft sich durch. Beißt sich durch die Therapie:“

„Und dann ist da noch immer Ingrid Steeger, heute 59. (…) War mit dem genialischen Michael Pfleghar liiert – der hat sie ausgenutzt wie alle ihre anderen Männer auch. Lebt jetzt mit einer alten Dackelhündin in einer Münchner Zweizimmerwohnung, die sie kaum verläßt.“

Und nur zum Vergleich wiederholen wir nun noch ein paar „Bild“- und „BamS“-Aufregersätze der vergangenen zehn Jahre:

„Das ist der Gipfel aller TV-Unverschämtheiten! Erst im April wurden die Gebühren fürs öffentlich-rechtliche Fernsehen (…) erhöht. Und jetzt bekommen wir von ARD und ZDF trotzdem einen TV-Sommer voller Wiederholungen.“
(„Bild“ vom 30.7.2005)

„Der TV-Sommer der Wiederwiederwiederholungen: TV-GÄHN! Egal, wohin man zappt – fast nur noch Wiederholungen. Gähnende TV-Langeweile. (…) Wofür zahlen wir eigentlich noch TV-Gebühren!“
(„Bild“ vom 16.7.2003)

„(…) jeden Sommer der gleiche Ärger über Wiederholungen im TV. (…) Deshalb fordert jetzt Hans-Joachim Otto, medienpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion: Runter mit den TV-Gebühren während der Sommermonate!“
(„BamS“ vom 14.7.2002)

„Gähn-TV immer schlimmer: Das Sommer-Gähn-TV. Nur Wiederholungen, fast alle Show- und Talkmaster im Urlaub.“
(„Bild“ vom 3.8.2001)

„Wofür zahlen wir im Sommer eigentlich Gebühren? Politiker fordern weniger Gebühren wegen Gähn-TV“
(„Bild“ vom 28.7.2001)

„Noch nie sendete das Fernsehen so viele Wiederholungen wie im kommenden Sommer: Der trostlose TV-Sommer“
(„BamS“ vom 2.7.2000)

„Ab Juni fast nur noch Wiederholungen: Das Fernsehen fällt in den Sommerschlaf“
(„BamS“ vom 30.5.1999)

„Nur noch Wiederholungen: Frechheit: Fernsehen fällt drei Monate in Sommerschlaf“
(„BamS“ vom 1.6.1997)

Kurz korrigiert (241-242)

Die „Bild“-Frage, ob Tour-de-France-Sieger Floyd Landis tatsächlich „Hoden-Doping“ betrieben hat, oder doch eher Schulter- oder Oberkörperdoping (pdf) lassen wir besser mal unbeantwortet. Wir wissen schließlich genauso wenig wie „Bild“, ob Landis überhaupt gedopt hat. Nicht korrekt ist deshalb diese „Bild“-Behauptung:

"Floyd Landis (30) gedopt! Erstmals in der Geschichte der Tour de France ist ein Sieger des Dopings überführt worden."

Landis ist nämlich noch nicht des „Dopings überführt worden“. Bislang war lediglich die A-Probe positiv. Als des Dopings überführt gilt man jedoch erst, wenn auch die B-Probe positiv ist.

Und Doping mal hin oder her, so schnell wie „Bild“ schreibt, war Landis auf der 17. Etappe der diesjährigen Tour nun auch wieder nicht:

Am Tag zuvor war der Ami böse eingebrochen, hatte in der Gesamtwertung 8:08 Minuten Rückstand. Nach der 17. Etappe plötzlich 5:42 Minuten Vorsprung.

Landis gewann zwar die 17. Etappe mit 5:42 Minuten Vorsprung. In der Gesamtwertung lag er danach jedoch noch 30 Sekunden hinter dem Führenden auf Platz drei.

Mit Dank an Philip M. und Christoph S. für die Hinweise.

Nachtrag, 29.7.2006: „Bild“ hat den „Vorsprung“-Fehler heute in ihrer Korrekturspalte berichtigt und sogar noch einen weiteren kleinen Fehler („In der Rubrik „Ich weiß es“ (27. Juli) wurde das Alter von Thomas Gottschalk in einer Bildunterschrift mit 57 Jahren angegeben. Gottschalk ist erst 56 Jahre alt.“) entdeckt. Dass darüber hinaus Radost Bokel als „Momo“ natürlich nicht, wie „Bild“ behauptete, der „Kinderstar aus der ‚Unendlichen Geschichte‘ war, ist „Bild“ offenbar auch im Nachhinein nicht aufgefallen. Und der „Vorsprung“-Fehler selbst steht nach wie vor unkorrigiert bei Bild.de

Schleichwerbung: Bild.de verliert vor Gericht

„Bild“ und Bild.de haben mit der Art, wie sie für das „Volks-Sparen“-Angebot der Deutschen Bank geworben haben, unzulässige Schleichwerbung betrieben. Das Kammergericht Berlin erließ in zweiter Instanz eine einstweilige Verfügung (pdf), die es Bild.T-Online untersagt, in gleicher Weise in redaktionell gestalteten Beiträgen für einzelne Unternehmen zu werben. Andernfalls muss Bild.T-Online Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro zahlen. Geklagt hatte ein Journalist, der Internet-Seiten mit Verbraucherinformationen betreibt und sich als Wettbewerber von Bild.de sieht.

Für das „Volks-Sparen“ wurde im Februar 2005, wie bei diesen Aktionen üblich, in einer Beilage in der „Bild“-Zeitung und auf Bild.de geworben. Auf der Internetseite war neben der Überschrift „Dieser Zins bringt’s“ ein Sparschwein mit dem „Volks-Sparen“-Logo zu sehen — sauber durch das Wort „Anzeige“ als Anzeige gekennzeichnet. Unter diesem Werbelink stand — wie als Trenner — eine Leiste, die zu anderen Bild.de-Seiten führte. Danach folgten redaktionelle oder scheinbar redaktionelle Artikel („Umfrage: Für welchen Traum sparen Sie?“, „Wissenswertes rund um den Zaster“ …) sowie die Ankündigung: „Prominente Sparfüchse nehmen das Volks-Sparen unter die Lupe“ (statt Prominenten waren Max Schautzer und Jochen Sattler abgebildet).

Dieser vermeintliche Test war (wie weitere „Artikel“) Teil der Anzeige — aber nach Ansicht des Gerichtes „nicht hinreichend eindeutig als Werbung erkennbar“. Die Deutsche Bank als werbendes Unternehmen werde nicht einmal genannt. Und der schwarze Balken mit dem Wort „Anzeige“, der über dem Sparschein-Teaser steht, könnte „von einem unbefangenen Durchschnittsleser ohne weiteres“ nur auf diesen bezogen werden.

Auch die Bild.T-Online-Werbebeilage der „Bild“-Zeitung enthielt nach Meinung des Gerichts „unerlaubte Schleichwerbung“. Die Aufmacherseite gebe sich zum Beispiel „den Anschein einer redaktionellen Zeitungsseite“. Dass ganz oben auf der Seite sehr klein „Sonderveröffentlichung“ stand, helfe auch nicht, im Gegenteil: Das verstärke eher den Eindruck einer objektiven Sonderberichterstattung.

Bereits im Juli 2005 hatte das Landgericht Berlin in einem Fall die Praxis der Trennung (oder genauer: Vermischung) von Werbung und Redaktion bei Bild.de für unzulässig erklärt. Das Kammergericht bestätigte jetzt, dass im Internet zwar bei einem werblichen Inhalt nicht zwingend das Wort „Anzeige“ stehen muss. Der Nutzer muss aber in jedem Fall klar erkennen können, welche Inhalte werblicher Natur sind. Und er muss vor jedem einzelnen Klick wissen, ob er auf eine Anzeigenseite kommt oder auf redaktionelle Inhalte.

Diese Vorgabe erfüllt Bild.de von sich aus nach wie vor nicht. Die samstags erscheinende Bild.T-Online-Beilage in „Bild“ ist allerdings inzwischen (klein) als „Anzeige“ gekennzeichnet.

Die „Bild“-Zeitung hat sich bislang nicht entschieden, ob sie sich uns gegenüber zu dem Gerichtsbeschluss äußern will. Auch ob sie Rechtsmittel einlegen wird, konnte oder wollte uns der „Bild“-Sprecher noch nicht sagen.

Nachtrag, 30. Juli. Inzwischen hat sich „Bild“ entschieden: Man werde sich nicht zu dem Urteil äußern.

Verrechneter Sommer

„Bild“ ist ja gerade wieder mal dabei, „Die Große Geld-Debatte“ zu führen. Heute sind die Beamten dran:

"Soviel verdienen deutsche Beamte"

Im Text heißt es:

Es ist das Top-Thema in Deutschland: Die großen Gehalts-Listen von BILD! Heute sagt BILD, wie viel unsere rund zwei Millionen Staatsdiener verdienen (…) Ihr Job ist sicher, Kündigung ausgeschlossen. (…) Pensionen: Im Alter 71,75 % des letzten Gehaltes (steuerpflichtig).

Huch?! Nee, Verzeihung! Das war ja der Text, den „Bild“ vor ziemlich genau zwei Jahren unter der Überschrift „So viel verdienen deutsche Beamte“ druckte. Heute steht in „Bild“:

Die große Geld-Debatte: Ganz Deutschland diskutiert, wer wieviel Geld für seine Arbeit bekommt. Heute sagt BILD, was die rund zwei Millionen deutschen Beamten verdienen (…) Nicht jeder Staatsdiener verdient sehr viel — dafür hat er einen sicheren Arbeitsplatz, weniger Abgaben und eine gute Pension (71,75 % vom letzten Brutto).

Und was vor zwei Jahren irreführend war, ist es noch immer. Zum Beispiel die „Bild“-Angabe zu den Pensionen. Zwar beträgt die höchstmögliche Beamten-Pension tatsächlich 71,75 Prozent, allerdings muss man dafür 40 Jahre verbeamtet gewesen sein. Denn das Ruhegehalt berechnet sich nach § 14 BeamtVG. Bei 30 Dienstjahren kommt man so auf rund 54 Prozent „vom letzten Brutto“, bei 20 Dienstjahren nur auf 36 Prozent.

Anders als vor zwei Jahren, als „Bild“ bei den meisten Einkommen noch eine Einkommensspanne angegeben hatte, will sie es diesmal ganz genau wissen und gibt dafür im Kleingedruckten „Berechnungs-Annahmen“ an:

35jähriger verheirateter Beamter, der mit 23 Jahren verbeamtet wurde; ohne Weihnachtsgeld und Zulagen

Wir haben mal ein paar Stichproben gemacht und festgestellt, dass die Annahmen bei manchen Berufsgruppen zu recht abenteuerlichen Konstellationen führen. Wer z.B. nach 12-jähriger Dienstzeit mit 35 Jahren immer noch Gefreiter ist, der hat definitiv was falsch gemacht. Andererseits sind Generalbundesanwälte oder Richter am Bundesgerichtshof für gewöhnlich etwas älter als 35.

Noch weiter neben der Realität liegt „Bild“ beim Staatsanwalt:

Staatsanwälte werden nach Besoldungsgruppe R1 [pdf] bezahlt. Demnach kommt man in Westdeutschland als 35-Jähriger auf 3.695,38 Euro und im Osten auf 3418,23 Euro Grundgehalt. Der Familienzuschlag für Verheiratete beträgt 105,28 Euro, bzw. 97,38 Euro. Wie „Bild“ auf die eigenen Zahlen (s.o.) kommt, ist uns ehrlich gesagt schleierhaft.

Ähnlich sieht’s beim Richter am Landessozialgericht (Besoldungsgruppe R2) aus:

Nach unserer Rechnung ergibt sich für einen 35-Jährigen ein Bruttoeinkommen von 4.261,50 Euro (West) und 3.941,88 Euro (Ost). „Bild“ hat auch hier sehr viel höhere Beträge raus (s.o.).

Und wenn „Bild“ schon möchte, dass „ganz Deutschland“ darüber diskutiert, „wer wieviel Geld für seine Arbeit bekommt“, dann wünschte man sich dafür doch wenigstens eine korrekte Grundlage. Sonst kann man sich ja die Infos gleich selber zusammensuchen.

Mit Dank an Robert T., Oliver H., Marcel H., Jan G. und Benjamin S. für die sachdienlichen Hinweise.

Es muss nicht immer Apfelsaftschorle sein

Nichts als Ärger, und wir fassen zusammen:

  • „Bild“ veröffentlicht von „BILD-Leser-Reportern“ eingesandte Fotos von Prominenten, die durch die Veröffentlichung ihre Persönlichkeitsrechte verletzt sehen.
  • „Bild“ veröffentlicht von „BILD-Leser-Reportern“ eingesandt Fotos von Nicht-Prominenten, die gar nicht das zeigen, was „Bild“ behauptet.
  • Und heute veröffentlicht „Bild“ von „BILD-Leser-Reportern“ eingesandte Fotos wie dieses:

    [Am 1. Mai 2010 entfernt.]

    In „Bild“ heißt es dazu:

    [Der „Bild“-Leser] aus Düsseldorf entdeckte dieses Sonderangebot…

    Wo der „Bild“-Leser es „entdeckte“, lässt „Bild“ offen. Entdecken können hätte er es beispielsweise im Februar bei Spiegel Online, im Oktober 2005 hier, im September 2005 hier oder bereits im Februar 2005 hier.

AUFGEMERKT! „Bild“ zahlt für lustige Internetfotos 500 Euro.

    Ach ja, angekündigt werden den „Bild“-Lesern die heutigen „Bild“-Leserfotos übrigens mit den Worten:

    "Laß dich nicht verar..."

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber.

Nachtrag, 22.17 Uhr: Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet heute, dass „Bild“ wegen der Veröffentlichung eines Laienpaparazzifotos von David Odonkor eine Unterlassungserklärung abgegeben habe.

Nachtrag, 1.5.2010: Wir haben das Foto, das in diesem Eintrag zu sehen war, auf Wunsch des Urhebers entfernt. Auch von allen der oben verlinkten Seiten ist es verschwunden.

Allgemein  

Biere zu Apfelsaftschorlen

Hä? Am Montag zahlte „Bild“ zwei „BILD-Leser-Reportern“ 500 Euro für ein Foto, das einen Polizisten beim Apfelsaftschorle-Trinken zeigt.
 
Aber vielleicht sollte man die Geschichte ein wenig anders erzählen. Denn „Bild“ behauptete u.a. (zumindest in Teilen ihrer Auflage und online), auf dem Foto sei „ein Polizist beim kühlen Bierchen am Vormittag“ zu sehen. Darüber hinaus hieß/heißt es suggestiv eher vage:

[Die „Bild“-Leser] erwischten diesen relaxten Polizisten beim Trinken. Ein Bierchen oder doch nur eine Apfelschorle? Hoffentlich hatte der schon Feierabend

Allerdings stand anderntags in der „Korrekturspalte“ von „Bild“:

Das Polizeipräsidium Bielefeld legt Wert auf die Feststellung, daß der Beamte der Stadtwache auf Fußstreife in der Innenstadt war und bei seiner kleinen Pause kein Bier getrunken hat.

Deutlicher wurde die „Neue Westfälische“, die ebenfalls gestern ausführlich über das falsch beschriftete „Bild“-Foto berichtete (siehe Ausriss):

Das vermeintlich kühle Bier ist eine Apfelsaftschorle, die der Polizeikommissar vormittags am Stehtisch auf der Bahnhofstraße (…) trank. „In diesem Geschäft gibt es nicht einmal Bier“, sagt Polizeisprecher Martin Schultz.

Was abermals die Frage aufwirft, wie es dazu kommen kann, wenn „Bild“ tatsächlich (wie behauptet) die Leserfotos genauso prüft wie die Angebote professioneller Fotografen. Eine Frage, auf die wir von „Bild“ bislang noch keine Antwort bekommen haben.

Mit Dank an Jan. G, padeluun, Dirk B. und Markus P. für die Scans.

Carrells letzter Wunsch war nicht sein letzter Wille

Manchmal reicht es einfach nicht, die halbe Wahrheit zu kennen.

Kurz nachdem Rudi Carrell gestorben war, wusste „Bild“, dass der Showmaster eingeäschert und neben seiner zweiten Frau Anke begraben werden wolle. „Bild“ wusste außerdem, dass die Urne seiner zweiten Frau im Garten seines Grundstückes beigesetzt worden sei. Und aus beidem folgerte „Bild“ nun offenbar, dass nun auch Carrell in seinem Garten beigesetzt werden wolle.

Das war eine weitreichende Schlussfolgerung. Deshalb fragte „Bild“ schon am ersten Tag der Berichterstattung über Carrells Tod unheilvoll: „Bleibt Rudi Carrells letzter Wunsch etwa unerfüllt?“ Und fragte beim Bürgermeister von Carrells Wohnort Syke nach, ob so eine Bestattung im Garten überhaupt erlaubt sei, und der Bürgermeister verneinte und sagte, es gebe noch nicht einmal einen entsprechenden Antrag.

Vielleicht hätte man sich an dieser Stelle schon fragen können, ob das Fehlen des Antrags nicht auch bedeuten könnte, dass Carrell womöglich gar nicht im eigenen Garten bestattet werden wollte. Vielleicht hätte auch jemand im langen Interview nachlesen können, das Carrell erst im März dem „SZ-Magazin“ gegeben hat. Darin antwortete er auf die Frage, ob er nicht auf dem Grundstück neben seiner Frau Anke beerdigt werden wolle: „Ich überlege noch, ob wir vielleicht ein gemeinsames Grab mit beiden Urnen nehmen, auf einem normalen Friedhof.“

„Bild“ zitierte stattdessen nun den Ordnungsamtsleiter von Syke, der sagte, es werde keine Ausnahmegenehmigung für Carrell geben. „Bild“ fragte auch beim niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff nach, der der Zeitung sagte, er würde es „außerordentlich begrüßen“, wenn die zuständige Behörde die Genehmigung doch erteilen würde. Und weil in der Welt von „Bild“ demokratische Abläufe und gesetzliche Vorschriften keine große Sache sind, machte die Zeitung daraus gleich die Überschrift: „Rudi darf in seinem Garten beigesetzt werden“.

Während nun andere Zeitungen das Thema aufgriffen, ohne die Grundannahme zu überprüfen, wurde es in „Bild“ selbst ein bisschen ruhig um die Urne-im-Garten-Geschichte. Bis gestern, als „Bild“ berichtete, Carrell sei auf dem Friedhof in Heiligenfelde beigesetzt worden — neben seiner Frau, deren Urne offensichtlich überführt worden sei. Heute schreibt „Bild“ wieder über Carrells „letzten Willen“. Und zitiert seinen Schwiegersohn Dieter Klar mit den Worten: „Das Haus soll auf alle Fälle verkauft werden. Das wollte Rudi so. Er hat deshalb auch angeregt, nicht auf seinem Grundstück bestattet zu werden, sondern außerhalb.“

Danke an Stefan S.!

Embedded Journalism

Bei einem israelischen Luftangriff im Libanon ist versehentlich der Stützpunkt einer UN-Patrouille in Chijam getroffen worden. Vier unbewaffnete Blauhelmsoldaten kamen dabei ums Leben.

„Versehentlich“. Dieses Urteil von Bild.de über den Vorfall steht in keiner Agenturmeldung. Eine ähnliche Aussage steht nicht bei „Spiegel Online“, nicht bei sueddeutsche.de, nicht unter FAZ.net, nicht in der Netzeitung, nicht bei der BBC und nicht bei CNN.

Das Wort „versehentlich“ findet sich in einer Meldung der Nachrichtenagentur AP, aber dort steht es in indirekter Rede:

Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert bekundete sein tiefes Bedauern und erklärte, die UN-Soldaten seien bei dem Angriff in der Nacht zum Mittwoch versehentlich getötet worden.

Über dem Artikel heißt es bei Bild.de noch: „Israel spricht von einem Versehen“, aber dann spricht auch Bild.de von einem Versehen. Bild.de macht sich die israelische Version von dem Vorfall zu eigen und präsentiert sie als Tatsache.

Und offenbar nicht versehentlich, denn Bild.de vermeidet in der Meldung auch jeden Hinweis auf Vorwürfe gegen Israel. Immerhin hat Kofi Annan, der UNO-Generalsekretär, davon gesprochen, es habe sich um einen „offenbar vorsätzlichen“ Angriff gehandelt. Seine Vorwürfe gehen seit heute nacht gegen 0.30 Uhr über deutschsprachige Nachrichtenagenturen und fehlen seitdem in kaum einem Bericht über den Vorfall.

Außer bei Bild.de.

Die „Unternehmensgrundsätze“ der Axel Springer AG verpflichten ihre Mitarbeiter zur „Unterstützung der Lebensrechte des israelischen Volkes“. Offenbar in Kriegszeiten sogar um den Preis, die Leser schlecht zu informieren.

Danke an Pierre H. und Heinz-Gerd R.!

Wer liest „Bild“ und „Bild am Sonntag“?

„Bild“ und „Bild am Sonntag“ sind immer noch mit großem Abstand die meistgelesenen Printmedien, die in Deutschland verkauft werden — aber sie verlieren zur Zeit nicht nur besonders viele Käufer, sondern auch Leser.

Nach den Umfragen der „Media-Analyse 2006/II“, die heute veröffentlicht wurde, erreicht jede Ausgabe von „Bild“ 11,49 Millionen Leser, jede „Bild am Sonntag“ 10,62 Millionen Leser. (Zum Vergleich: Der „Spiegel“ kommt auf 6,00 Millionen Leser, die „Süddeutsche Zeitung“ auf 1,11 Millionen.)

Gegenüber der letzten Media-Analyse vor einem halben Jahr hat „Bild“ 330.000 Leser verloren. Bei „Bild am Sonntag“ ging die Zahl der Leser um 240.000 zurück.

Nach wie vor sind „Bild“ und „Bild am Sonntag“ vor allem Männer-Zeitungen: Den gut sieben Millionen männlichen „Bild“-Lesern stehen nur knapp viereinhalb Millionen Frauen gegenüber:

Über die Hälfte der „Bild“-Leser gehört zur Arbeiterschicht*, obwohl diese Gruppe nur 37 Prozent der Gesamtbevölkerung stellt. Auch beim Grad der Ausbildung unterscheidet sich die Leserschaft von „Bild“ und „Bild am Sonntag“ teilweise deutlich von der Gesamtbevölkerung:

In den Pressemitteilungen der Axel Springer AG über die Ergebnisse der Media-Analyse zu „Bild“ und „Bild am Sonntag“ kommt der aktuelle Leserschwund übrigens nicht vor.

*) „Beruf des Haushaltsvorstandes (jetzt/früher): Facharbeiter / sonstige Arbeiter“

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