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Im Quotenparadies (onlinejournalismus.de)
Es soll ja Print-Journalisten geben, die fürchten sich davor zu wissen, was ihre Leser eigentlich lesen und was nicht. Und während der klassische Branchenpart noch zaghaft über Sinn und Zweck des „Reader Scan“ diskutiert, hat sich in den Online-Redaktionsstuben längst der ständige Blick auf PageImpressions, Click-Through-Rates und HeatMap etabliert.

Kontrolleure gesucht (merkur.de)
Online-Tagebücher machen Journalisten Konkurrenz. Etablierte Medien wie die BBC und Reuters wehren sich.

Vom Internet ins Regal (nzz.ch)
Blogger erobern den amerikanischen Buchmarkt.

Lauthals und hemmungslos (freitag.de)
Lachen hat mit Humor nicht viel zu tun, durchaus aber mit sozialem Status, Rollenmustern, Beziehungsaufbau, und natürlich kichern Frauen anders als Männer. Einige Ergebnisse aus der Forschung über das Lachen.

Ab 1.500 Höhenmeter wird geduzt (taz.de)
Gut, es gibt wichtigere Fragen. Aber keine beschäftigt so viele deutschsprachige Menschen wie die nach dem „du“.

Die Lust am Ekel (zeit.de)
Biologie ist für viele Schüler ein fürchterlich langweiliges Fach. Die amerikanische Lehrerin Sylvia Branzei hat das geändert. Sie schreibt Bücher übers Furzen, Pinkeln, über Schleim und Kacke – und feiert mit ihrer Ekelkunde große Erfolge im prüden Amerika.

Eine Richtige ohne Zusatzzahl

Und man fragt sich: Liest denn das keiner mehr, bevor es in Druck und ins Netz geht?

Und: Wenn denen bei „Bild“ die Altersangaben schon so wichtig sind, könnten sie sich nicht zumindest für ihr Stammpersonal eine Datenbank anlegen? Am besten eine, die gleich aus den Geburtsdaten tagesaktuell das Alter errechnet?

Anscheinend nicht. Denn Oliver Kahn ist 37.

Danke an Henning S., Benjamin S., Fritz K. und Zinah J.!

Nachtrag, 11.59 Uhr: Der Datenbankexperte von Bild.de hat das Alter von Oliver Kahn mittlerweile korrigiert und entschieden, dass Verena Kerth 25 ist.

„Bild“ durfte zwei Laienpaparazzifotos nicht zeigen

Die „Bild“-Zeitung darf mehrere Fotos ihrer „BILD-Leser-Reporter“ nicht mehr verbreiten. Der frühere Außenminister Joschka Fischer und der Fußballspieler Lukas Podolski haben am Dienstag vor dem Landgericht Berlin entsprechende einstweilige Verfügungen erwirkt. Das bestätigte ihr Anwalt Christian Schertz auf Anfrage. Im Fall eines Leser-Fotos, das David Odonkor angeblich beim Urinieren auf einem Parkplatz zeigt, hatte „Bild“ bereits eine Unterlassungserklärung abgegeben.

Bei Fischer und Podolski lehnte „Bild“ einen Verzicht auf die weitere Veröffentlichung dagegen ab, beide zogen deshalb vor Gericht. Ein Foto zeigte Fischer beim Verlassen einer französischen Bäckerei, ein anderes Podolski im Urlaub am Strand. Solche und ähnliche Aufnahmen von den beiden darf „Bild“ nun vorläufig nicht mehr veröffentlichen.

Kurz korrigiert (248)

„Bild“ schreibt heute in einem Artikel über den Kinofilm „Miami Vice“:

In den USA spielte der Streifen bereits mehr ein als „Fluch der Karibik 2“.

Das einzige, was an diesem Satz irgendwie stimmt, ist, dass „Miami Vice“ am vergangenen Wochenende rund 25 Millionen Dollar einspielte und damit mehr als „Fluch der Karibik 2“ (rund 20 Millionen). Aber „Fluch der Karibik 2“ läuft ja auch schon seit vier Wochen in den amerikanischen Kinos.

„Miami Vice“ dürfte aber nicht die geringste Chance haben, jemals mehr als „Fluch der Karibik 2“ einzuspielen. Letzterer kam an seinem Startwochenende in den USA auf ein RekordEinspielergebnis von 132 Millionen Dollar. Mit insgesamt rund 358 Millionen Dollar in vier Wochen ist „Fluch der Karibik 2“ laut boxoffice.com der bislang erfolgreichste Disney-Film aller Zeiten. Und er hat sogar Chancen, finanziell erfolgreicher zu werden als „Titanic“ — der bis dato erfolgreichste Film aller Zeiten weltweit.

Mit Dank an Sven M. für den sachdienlichen Hinweis.

Allgemein  

BILD dir deinen Inzest-Schock (2)

Der „Inzest-Schock“ von gestern, den „Bild“ in dem ZDF-Film „liebeskind“ ausgemacht haben wollte, sitzt uns noch tief in den Knochen. Denn abgesehen davon, dass „Bild“ Hunderttausenden Fernseh-Zuschauern eine Gemütslage andichtete, für die es keinen Beleg gab und geben konnte, stand auch noch im „Bild“-Text:

Nicht nur Zuschauer, auch Experten waren empört.

Als Beleg hierfür zitierte „Bild“ u.a. den Hamburger Psychologen Michael Thiel:

„Unfassbar! Da wird ein Straftatbestand verharmlost. Gerade für Heranwachsende ist das gefährlich. Für Opfer von Missbrauch ist dieser Film ein Schlag ins Gesicht.“

Zu uns sagt Thiel, der im Laufe seiner Tätigkeit „immer wieder von verschiedenen Medien als Experte zu Rate gezogen worden“ ist, wie es auf seiner Internetseite heißt, er habe den Film ausschnittweise vorab gesehen, sei von „Bild“ zutreffend wiedergegeben worden und stehe nach wie vor zu dem Zitat.

Anders sieht es bei Heinz Hilgers aus. Den Präsidenten des Deutschen Kinderschutzbundes zitierte „Bild“ mit den Worten:

„Das hat Wirkung für Nachahmer. So etwas darf das öffentlich-rechtliche Fernsehen nicht zeigen.“

Uns gegenüber erklärt Hilgers, er kenne den Film „liebeskind“ nicht. Ihm sei wichtig gewesen, dass „Dinge, die verboten sind, eindeutig bewertet werden.“ Außerdem sagt er:

Das Zitat ist nicht von mir. Das hat die „Bild“-Mitarbeiterin mehrfach gesagt, und vielleicht habe ich nicht oft genug widersprochen.

Mehr Licht!

Bild.de stellt heute vier Fotohandys vor, die, so Bild.de, „auch bestens geeignet für alle BILD-Leser-Reporter“ seien. Darunter das Nokia N80. Lars H. aus Regenburg schreibt uns dazu:

Zum Glück haben die Bild.de-Reporter wieder alles genau getestet und bedauern, dass das N80 keinen Blitz habe.

Hier ein Bild von der Rückseite des Geräts:
http://www.alfadigi.com/cgi-bin/catalog/images/mob_nokia_n80.jpg

Ich besitze selber das Handy und wundere mich nun, warum es bei mir blitzt, wenn ich auf den Auslöser drücke. Habe ich ein defektes Gerät?

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Junge Amerikaner lesen Zeitungen online (netzeitung.de)
Der Leserschwund im amerikanischen Zeitungsmarkt wird durch Online-Ausgaben gebremst. Insgesamt interessieren sich die US-Bürger aber weniger für Nachrichten.

Ein Krieg, der nirgendwohin führt (nzz.ch)
Arabische Intellektuelle äussern sich zum Konflikt im Nahen Osten.

Freund oder Feind (zeit.de)
Der neue Krieg im Nahen Osten spaltet auch hierzulande die Gemüter. Viele Medien ergreifen Partei – für oder gegen Israel

Ein gutes Geschäft (woz.ch)
Was geschieht eigentlich mit dem Geld, das der Bund von arbeitenden AsylbewerberInnen einzieht und auf so genannten SiRück-Konten deponiert?

Der Siegeszug der Web-Communities (spiegel.de)
Seit knapp zwei Jahren redet alle Welt über Web 2.0 – doch erst jetzt schlägt sich der Hype auch in Statistiken nieder. Manche Seite hat ihre Nutzerzahlen in einem Jahr verdreifacht.

Die Pille, live (weltwoche.ch)
Wenn der Mensch überhaupt noch etwas über Sex wissen will, dann das: Wie wirkt Viagra auf einen Mann, der italienisches Blut in den Adern und den WM-Final vor Augen hat?

Allgemein  

BILD dir deinen Inzest-Schock

Hunderttausende „Bild“-Leser schüttelten heute verwundert den Kopf, als sie diese Geschichte lasen:

"Inzest-Schock im TV"

Woher wir das wissen? Wir wissen es nicht. Wir haben keine Ahnung, was Menschen so treiben, während sie „Bild“ lesen. Ob sie sich am Hintern kratzen, in der Nase bohren oder Sex mit ihrer Tochter haben.

Eines wissen wir dafür aber ziemlich genau: Als „Bild“-Autorin Bea Peters gestern über den ZDF-Film „liebeskind“ schrieb, da konnte sie keine Ahnung haben, ob die folgenden Zeilen wahr sein würden, wenn sie am nächsten Tag in der Zeitung stehen:

Diese TV-Szene schockte gestern Abend Hunderttausende Zuschauer (…) Ein Film, der viele Zuschauer zutiefst verstörte, Gefühle verletzte.

Der Film begann nämlich erst um 22.45 Uhr und die Szene, die angeblich „Hunderttausende Zuschauer“ geschockt haben soll, kam sogar noch später. Die Zeitungsseite aber, auf der die eben zitierten Zeilen stehen, ging, soweit wir wissen, gestern bereits um 20.00 Uhr in Druck.

Merke: Wenn die „Bild“-Zeitung — wie so oft — zu wissen behauptet, was „Hunderttausende“ empört oder „ganz Deutschland“ diskutiert, ist das womöglich frei erfunden.

Beim ZDF sagte man uns übrigens, dass das Feedback auf „liebeskind“ insgesamt eher unterdurchschnittlich gewesen sei. Obwohl in der Zuschauerredaktion grundsätzlich sehr viele Anrufe und E-Mails eingingen, wenn Zuschauer über eine Sendung empört seien, habe man zu „liebeskind“ nur zwei Anrufe und einige E-Mails erhalten. Überwiegend Anfragen, ob und wann der Film wiederholt werde.

P.S.: Außerdem fragen wir uns, warum „Bild“ „liebeskind“ gestern zum TV-Tipp (siehe Ausriss) machte, anstatt vor dem „Inzest-Schock“ zu warnen, der doch angeblich so viele Zuschauer verstört und deren Gefühle verletzt hat.

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Zu viele bleiben offline (welt.de)
Die größte Studie zur Internet-Nutzung in Deutschland zeigt: Beim Surfen kommen sich Frauen und Männer nicht näher. Auch der digitale Graben zwischen Ost und West ist groß.

Musik von unten (ftd.de)
Die Musikindustrie wächst und gedeiht – nur haben die großen Konzerne wenig davon. Es ist nicht nur das Internet, das ihnen Probleme bereitet: Vor allem der Siegeszug kleiner und unabhängiger Labels macht den Marktführern zu schaffen.

Die Zeit der Kopfjäger (spiegel.de)
Das soziale Internet, von dem die Netzgemeinde im Augenblick schwärmt, lebt von den Investitionen seiner Nutzer. Der Kampf der Profis, die Geld verdienen wollen, um die besten Köpfe hat jedoch bereits begonnen.

Journalisten recherchieren weniger als früher (netzeitung.de)
Medienschaffende verwenden heute weniger Zeit für das Zusammentragen von Fakten als noch vor zwölf Jahren, ergab eine Studie. Der Zeitaufwand für technische und organisatorische Tätigkeiten ist dagegen gestiegen.

Vom Reiz inszenierter Welten (tagesanzeiger.ch)
Warum haben Marken wie Starbucks so viel Erfolg? Sie suggerieren Weltoffenheit. Das Image ist wichtiger als die Qualität des Produktes.

Das verbotene Wort (tagesspiegel.de)
Neues Gesetz schränkt Presse in Russland weiter ein.

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