Drei Streifen für ein Halleluja

Adidas-Boss: DFB-Vertrag sichert 3000 Arbeitsplätze

Holla, wie viele Mitglieder hat denn heutzutage so eine Nationalmannschaft? Wie viele Fußballspieler, Trainer, Betreuer in diversen Mannschaften des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) müssen da mit dreistreifigen Trikots, Schuhen und Taschen ausgestattet werden, dass 3000 Adidas-Mitarbeitern davon ein Auskommen haben? Oder sind die 3000 Leute dafür zuständig, all die Fans zu versorgen, die sich Ausrüstungen im Stil der Deutschen Fußballnationalmannschaft, also auch ab 2011 weiterhin von Adidas kaufen werden? Aber wären das nicht im Zweifelsfall eher Arbeitsplätze in China oder Indonesien als in Deutschland?

Bekannt ist das Gerücht, dass jeder siebte Arbeitsplatz in Deutschland vom Auto abhängt. Kann es sein, dass jeder zehntausendste von der Ausrüstung der Deutschen Fußballnationalmannschaft abhängt?

Kaum. Denn „Adidas-Boss“ Herber Hainer hat im „Bild“-Interview über den DFB-Vertrag bloß gesagt:

„Das steigert unsere Umsätze, unseren Börsenkurs und hilft dabei, unsere mehr als 3000 Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern.“

Mehr Arbeitsplätze als die genannten 3000 hat Adidas in Deutschland gar nicht, und im Sinne des Unternehmens ist zu hoffen, dass sie nicht sämtlich davon abhängen, dass die Firma den DFB ausstattet.

Für „Bild“ hat es trotzdem gereicht, Hainer den Titel „Gewinner“ des Tages zu verleihen. Denn:

[…] der Millionenvertrag mit dem DFB sichert mehr als 3000 Arbeitsplätze in Deutschland.

Ganz sicher nicht.

Danke an Christian H.!

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Das Ende der Sofakartoffel
(faz.net, Marcus Theurer)
Lässt sich mit Journalismus in Zukunft noch Geld verdienen? Der Großteil der Werbeinvestitionen fließt noch in die ?alten? Medien. Doch Verlage und Fernsehsender investieren ins Internet, um das Publikum nicht zu verlieren.

Warum lokale Tageszeitungen eigentlich wie Weblogs sind
(upload-magazin.de)
Weblogs sind noch immer ein missverstandenes Phänomen. Von manchen werden sie mit Foren verwechselt, von anderen mit Online-Tagebüchern gleichgesetzt. Dabei sind Weblogs Internetseiten mit einigen besonderen Eigenschaften. Und diese besonderen Eigenschaften sollten vor allem Tageszeitungsverlage hellhörig werden lassen. Blogs wären die logische Plattform für eine Online-Lokalzeitung.

Kein Satz mehr für den Arschficker
(taz.de, Waltraud Schwab)
Bushidos auftritt in Berlin sollte der letzte gewesen sein über den die Medien berichten. Andere Skandale sind wichtiger.

Wuchtige Schönheit
(blogs.radio24.ch/christoph)
Tagtäglich erhält die Radio24-Redaktion per E-Mail Meldungen von den Polizeikorps aus der ganzen Schweiz. Meldungen über Unglücksfälle, Verbrechen und vor allem Unfälle. Oft ist noch ein Bild beigefügt – und manche dieser Fotos haben eine poetische Schönheit.

Interview mit Stefan Niggemeier an der „9 to 5“
(spreeblick.com, mp3-Audiodatei, 16,4 mb, 35:07 Minuten)

Tagebuch im Internet (engl.)?
(acheta.de)
Ein Begriff ist angekommen.

Allgemein  

„Bild“ am Tatort, Staatsanwalt ermittelt

Mittwochvormittag. In Worms wird ein Mann in seiner Wohnung erschossen, offenbar von einem Polizisten.

Mittwochabend. Das Siegel an der Wohnungstür, mit dem die Polizei den Tatort gesichert hat, wird von Unbekannten gebrochen.

Donnerstag. In der „Bild“-Zeitung erscheint ein großes Foto aus dem Inneren der Wohnung, das den blutverschmierten Tatort zeigt (siehe Ausriss).

Soweit die Chronologie.

Die „Wormser Zeitung“ und andere Medien berichten, dass die zuständige Staatsanwaltschaft in Mainz ein Ermittlungsverfahren wegen Siegelbruch eingeleitet habe.

Auf Nachfrage erklärt uns der Leitende Oberstaatsanwalt Klaus Puderbach heute, dass er natürlich nicht sagen könne, ob die „Bild“-Zeitung etwas mit dem unbefugten Eindringen in die Wohnung zu tun habe. Es sei aber „bemerkenswert“, dass sich die Zeitung ein Foto vom Tatort verschafft habe. „Es hätte eigentlich keine legale Möglichkeit gegeben, ein solches Foto aufzunehmen“, sagte Puderbach. Juristische Grenzen interessierten die „Bild“-Zeitung seiner Einschätzung nach bei ihrer Arbeit aber auch nicht:

„Für sie ist das, was sie machen will, Recht und Gesetz.“

Auf Anfragen bei der „Bild“-Pressestelle sowie dem „Bild“-Fotografen Gerd Nahke, wie die Zeitung in den Besitz eines Foto vom Tatort kam, das nach Ansicht der Ermittlungsbehörden praktisch nur unter illegalen Umständen entstanden sein kann, haben wir bislang keine Antworten bekommen.

Vielen Dank an Christian B.!

Nachtrag, 31. August. Nach vier Tagen und drei Anfragen haben wir eine Antwort von „Bild“-Sprecher Tobias Fröhlich erhalten. Er sagt, der Verdacht, „Bild“ habe sich illegal Zutritt verschafft oder ein unter illegalen Umständen enstandenes Foto veröffentlicht, sei falsch und fügt hinzu: „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir unsere Foto- und sonstigen Informationsquellen nicht offen legen.“

Verstrahlt

Am Samstag war die Meldung noch vergleichsweise klein (siehe Ausriss): Im anstehenden „Tatort“, so „Bild“, gehe es unter anderem um ein Mädchen, für dessen Leukämie-Tod „die Strahlen der Sendemasten einer Mobilfunk-Firma (…) verantwortlich sein“ sollten. Die „Bild“-Zeitung berichtete deshalb von einem „Wirbel um den ersten ‚Tatort‘ nach der Sommerpause“ — zitierte dann aber eigentlich doch nur den Mobilfunk-Lobbyisten Uwe Kullnick mit den Worten:

„Die Mobilfunk-Branche erleidet einen erheblichen Image-Schaden. Es ist unnötig, eine diffuse Angst vor Strahlen zu schüren. Keine Studie belegt, dass die Funk-Einheiten Leukämie oder andere tödliche Krankheiten verursachen!“

Was das Schüren der diffusen Angst vor Strahlen anbelangt, dürfte Kullnick auch mit der heutigen „Bild“-Schlagzeile (siehe Ausriss) nicht glücklich sein. Zu Wort kommt der Lobbyist heute gar nicht mehr, dafür aber Jiri Silny. Zur einer „Bild“-Frage nach der Schädlichkeit von Sendemasten heißt es nämlich:

Sie strahlen deutlich weniger als Handys. „Die meisten Menschen wissen nicht, dass die abgestrahlten Energien von Mobiltelefonen im Vergleich zu Sendemasten um den Faktor 1000 bis 10000 höher liegen“, sagt Professor Dr. Jiri Silny vom Universitätsklinikum der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. „Das Telefonieren mit dem Handy birgt somit ein größeres potenzielles Gesundheitsrisiko als ein Sendemast in der Nachbarschaft.“ (…)

Roman Wienert, ein Kollege Silnys am Aachener Forschungszentrum für Elektro-Magnetische Umweltverträglichkeit, hält das Zitat im „Bild“-Kontext für irreführend: „Gemeint ist die Strahlung, die beim Nutzer ankommt.“ Die Sendeleistung einer Basisstation betrage maximal 20 Watt. „Dass die Sendeleistung eines Handys höher ist,“ so Wienert auf Nachfrage von uns, „stimmt natürlich nicht.“

Wienert hält es zudem für unwahrscheinlich, dass „Bild“ mit seinem Kollegen gesprochen hat. Schließlich sei Silny gerade im Urlaub. Und überraschenderweise finden sich die Silny-Zitate aus der heutigen „Bild“ nahezu wortgleich (und genau so irreführend) in einem Artikel der „Berliner Zeitung“ vom 14. Mai 2003. Genauer gesagt, hieß es da vor vier Jahren:

„Viele Menschen wissen nicht, dass die abgestrahlten Energien von Mobiltelefonen im Vergleich zu den Sendemasten um den Faktor 1 000 bis 10 000 höher liegen“, sagte Jiri Silny vom Forschungszentrum für Elektro-Magnetische Umweltverträglichkeit des Universitätsklinikums der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen am Montag auf dem Deutschen Ärztekongress in Berlin. „Das Telefonieren mit dem Handy birgt somit ein größeres potenzielles Gesundheitsrisiko als ein Sendemast in der Nachbarschaft.“ (…)

„Bild“ schreibt heute:

„Millionen fragen sich jetzt: Wie gefährlich sind Handys und Sendemasten wirklich? BILD beantwortet die wichtigsten Fragen.“

Da wäre es natürlich schön gewesen, wenn „Bild“ zur Beantwortung tatsächlich recherchiert und nicht einfach irgendwo irgendwas ungeprüft abgeschrieben hätte.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber für die Anregung.

6 vor 9

Faria, faria ho (+)
(spiegel.de, Helmut Merschmann)
Lustig ist das Zigeunerleben: Berlins digitale Bohème feiert sich auf dem Festival „9to5. Wir nennen es Arbeit“ und hält die Selbstvermarktungs-Riesenmaschine in Schwung. Die Größen von Blogistan geben sich ein Stelldichein, eigentlich aber bewegt sich gar nichts.

Am siebten Tag sollst du lesen
(stern.de, Uwe Felgenhauer)
Gedrängel am heiligen Sonntag: Die „FAS“ liegt aus, die „WamS“, die „BamS“, „Der Spiegel“ kommt, die „Süddeutsche“ will auch. Für Verlage ist der Sonntag sexy. So sexy, dass sich einige schon die Finger verbrannt haben.

„In zehn Jahren ist Google tot“
(faz.net, Georg Meck)
Ein Kölner Verlagshaus expandiert: Im Interview spricht Verleger Christian DuMont Schütte über das kurze Leben von Internetfirmen, junge Zeitungsverweigerer und sein Interesse an der ?Süddeutschen Zeitung?.

Vorsicht, Paparazzi!
(tagesspiegel.de, Sonja Pohlmann)
Mit den Foto-Handys kamen die Leserreporter. Bilanz einer umstrittenen Medienpraxis.

?Ich sehe mich auf der Seite der Schwächeren?
(fuldaerzeitung.de, Klaus H. Orth)
Der Autor Günter Wallraff über Heinrich Böll, Rollen, Recherche und den Kampf gegen Ungerechtigkeit.

Germans in Springfield
(youtube.com, Video, 2:18 Minuten)
Added: July 21, 2006

medienlese – der Wochenrückblick

Internetbranche verärgert. Digitale Bohème müde. Springer lacht.

Das Bildblog produzierte und schaltete einen TV-Spot, was vom Bild-Besitzer, dem Springer-Verlag, offenbar mit Humor aufgenommen wurde. Springer-Pressesprecher Dirk Meyer-Bosse sagte: „Gratulation den Kreativen zum guten Spot. Wir haben auch gelacht.“

Sexy Bilderstrecken zum Trotz informierte welt.de seine Leser am 22.08.2007, wie schon am 21.11.2004 und am 10.07.2005, über Menschen, die „einfach keinen Sex wollen“. Online first? Nein, online last. Der Text erschien nämlich bereits in Welt Kompakt, am 17.08.2007.

Felix Schwenzel scheiterte an einer Veranstaltung für digitale Bohemisten an seinem wohl eher konventionellen Schlafrhythmus und wurde müde. In China wurde ein aufmüpfiger Blogger kurzerhand in die Psychiatrie gesteckt.

Read On…

„BamS“ sieht Phantomauftritt bei Loveparade

Mit viel nackter Haut und 30 knappen Zeilen Text widmet sich die „Bild am Sonntag“ heute (auch online) der gestrigen Loveparade in Essen. (Voll) dagewesen ist die „BamS“ aber offensichtlich nicht. Man kennt das ja. Und so heißt es heute in der „BamS“:

Höhepunkt des 2,5-Kilometer-Rundkurses war das Abschlussfest auf dem Berliner Platz, wo Techno-Größen wie ATB, Moby und Westbam auf einer 23 Meter hohen Bühne auftraten.

Dass bei der Loveparade „Techno-Größen wie ATB, Moby und Westbam“ auftraten, ist zwar grundsätzlich richtig. Tatsächlich aber musste die Abschlussparty, wie z.B. die Nachrichtenagentur dpa berichtet, „ohne ihren Top-Star Moby (…) auskommen“. Er hatte in Newark sein Flugzeug verpasst.

Mit Dank an Björn K., Sandra, Stephan S. und Marvin S. für den Hinweis

„Bild“ spricht mit Bushido und Bushido über „Bild“

Nachdem der umstrittene Musiker Bushido vorhin einen nicht minder umstrittenen Konzertauftritt u.a. mit derben Worten („Lest Ihr ‚B.Z.‘? Lest Ihr ‚Bild‘? Ich nicht! (…) Ich scheiß‘ auf die ‚B.Z.‘, ich scheiß‘ auf die ‚Bild‘!“) absolviert und damit auch eine Frage aus der heutigen „Bild“-Zeitung (siehe Ausriss) beantwortet hat, vielleicht noch kurz Folgendes:

Vor knapp zwei Wochen, als „Bild“ berichtete, dass Bushido mit einer jungen Frau zu Mittag gegessen hatte, stand am Artikelende:

Und Bushido? Der wollte sich auf BILD-Anfrage nicht dazu äußern.

Einen Tag später, als „Bild“ berichtete, dass die junge Frau schwanger von Bushido sei, stand am Artikelende über ihn:

Auf BILD-Anfrage motzte er nur Skandal-Rapper-mäßig: „Schreibt doch, was ihr wollt!“

Und als „Bild“ gestern berichtete, dass ein Fotograf behauptet, Bushido habe ihn tätlich angegriffen, hieß es:

Bushido knapp zu BILD: „Ich gebe dazu keinen Kommentar ab.“

Heute allerdings — mitten in ihrem inzwischen überholten Rätselraten um Bushidos Auftritt — hat sich die „Bild“-Zeitung etwas anderes ausgedacht. Mit einer Stellungnahme, einem aussagekräftigen oder überhaupt irgendeinem Bushido-O-Ton konnte das Blatt zwar auch wieder nicht aufwarten. Aber dafür heißt es:

Im BILD-Gespräch ließ es der Rapper gestern offen, ob er heute (…) auftreten will!
(Hervorhebung von uns.)

Gespräch? Der Volksmund sagt dazu wohl eher Monolog.

„Bild“ verspielt „Wer wird Millionär?“-Joker

Wenn „Bild“ schon die Gelegenheit bekam, aus den neuen Regeln der RTL-Show „Wer wird Millionär?“ noch schnell eine riesige Titelschlagzeile für den heutigen Samstag zu machen, bevor die neuen Regeln am Samstagmorgen auch offiziell vom Sender RTL bekanntgegeben wurden, dann wäre es doch schön gewesen, wenn „alle spannenden Details“, die „RTL vor dem Sendestart nicht verraten“ wollte, aber „BILD enthüllt“, auch wenigstens stimmen würden.

Doch „Bild“ behauptet über den neuen „‚Risiko‘-Joker“:

Jauch stellt die Frage ans Publikum im Studio. Wer die richtige Antwort kennt, steht auf. Von diesen Personen wählt der Kandidat einen. Vertrackt, denn diese Antwort MUSS genommen werden. Will der Kandidat das nicht, scheidet er aus.

Auf RTL.de heißt es jedoch:

Der Kandidat kann sich nun einen Zuschauer aussuchen, dem er die richtige Antwort zutraut. Der Moderator fragt den Zuschauer nach seiner Antwort. Jetzt kann sich der Kandidat entscheiden, ob er die Antwort annimmt oder nicht.

Und eine RTL-Sprecherin präzisierte auf unsere Nachfrage hin: „Wenn sich der Kandidat gegen die Antwort des Zuschauers entscheidet, scheidet er nicht aus. Insofern ist das, was über den neuen Zusatzjoker in ‚Bild‘ steht, falsch.“

Mit Dank an Dennis S. für den Hinweis — und an Torsten W., weil er die neuen Regeln schon spätestens um 9.34 Uhr bei RTL.de entdeckt hat.

Nachtrag, 17.09 Uhr: Und nachdem die Nachrichtenagenturen ddp (seit heute Vormittag) und AP (seit heute Nachmittag) die neuen Regeln lieber unter Berufung auf „Bild“ weiterverbreiten, statt selbst mal bei RTL nachzufragen oder auf RTL.de nachzuschauen, steht die falsche Regel inzwischen beispielsweise auch bei „Spiegel Online“.

Nachtrag, 18.20 Uhr: Auf Bild.de, wo man die „Bild“-Enthüllung zunächst im Wortlaut übernommen hatte, wurde der Fehler inzwischen korrigiert. Dort heißt es nun: „Jauch stellt die Frage ans Publikum im Studio. Wer die richtige Antwort kennt, steht auf. Von diesen Personen wählt der Kandidat einen, dem er die richtige Antwort zutraut. Jauch fragt den Zuschauer nach seiner Antwort. Jetzt kann sich der Kandidat entscheiden, ob er die Antwort annimmt oder nicht.“

Auch „Spiegel Online“ hat nachgebessert und schreibt jetzt: „Der Kandidat wählt dann einen der Zuschauer aus, der ihm bei der Beantwortung der Frage helfen darf.“

Nachtrag, 27.8.2007: „Bild“ berichtigt den Fehler heute in der Korrekturspalte. Und AP hat die vorschnelle Übernahme des „Bild“-Fehlers gestern in einer zweiten Zusammenfassung (mit dem Zusatz: „neu: RTL, stellt Vorgehen bei Risiko-Joker klar“) unter Verweis auf die „RTL-Homepage“ verschleiert korrigiert.

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