„Bild“ lässt Krankenkassen-Beiträge explodieren

Dirk Hoeren ist bei „Bild“ ein vielbeschäftigter Mann. Am selben Tag, an dem er mit einem großen Interview seine Falschmeldung von letzter Woche wiedergutmachen muss, schreibt er (zusammen mit einer Kollegin) schon wieder einen neuen „Bild“-Aufmacher, an dessen Fehlern er sich die nächsten Tage abarbeiten kann.

Dieser „Schock“ ist vielleicht für Menschen, die sich auch aus anderen Quellen als die „Bild“-Zeitung informieren, nicht gar so groß. Denn die Erhöhung der Beitragssätze der Krankenkassen zeichnete sich schon ab. Am 15. Dezember titelte die „Financial Times Deutschland“:

Krankenkassen wollen Beiträge stark erhöhen

Die Spitzenverbände hätten eine Erhöhung um 0,7 Prozentpunkte angekündigt, schrieb die „FTD“. Das „kostet Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammen knapp 7 Mrd. Euro“.

Eine knappe Woche später hat die Schock-Welle endlich die „Bild“-Zeitung erreicht, und sie staunt auf der Seite 1:

Bis zu 7 Milliarden Euro kassieren [die gesetzlichen Kassen] 2007 von Arbeitgebern und Arbeitnehmern mehr ab.

Nun wäre Dirk Hoeren aber nicht Dirk Hoeren, wenn seine Artikel nur spät wären und nicht auch fehlerhaft. Er schreibt:

Die höchsten Steigerungen haben die Versicherten der AOK Rheinland zu tragen: (…).

Es gibt keine „AOK Rheinland“. Es gibt nur eine AOK Rheinland/Hamburg, aber deren Beitrags-Steigerung (0,9 Prozentpunkte) ist nicht die höchste. Vermutlich meint „Bild“ die AOK Rheinland-Pfalz (1,3 Prozentpunkte).

Nun wäre Dirk Hoeren aber nicht Dirk Hoeren, wenn seine Artikel nur spät und fehlerhaft wären und nicht auch grob irreführend. Er schreibt über die Erhöhung vieler Allgemeiner Ortskrankenkassen (AOK):

Damit liegen die Beiträge dann teilweise schon über 16 Prozent. Absoluter Rekord! Trauriger Spitzenreiter ist die AOK Saarland mit 16,7 Prozent.

Das ist erstaunlich. Denn die Nachrichtenagenturen berichteten gestern übereinstimmend von deutlich niedrigeren Sätzen. Den neuen Beitragssatz der AOK Saarland zum Beispiel gaben sie mit 15,8 Prozent an.

„Bild“ hat einfach auf alle Beitragssätze 0,9 Prozentpunkte aufgeschlagen. Das ist der Sonderbeitrag, den die Arbeitnehmer zusätzlich zum Regelsatz bezahlen müssen, den Arbeitgeber und Arbeitnehmer paritätisch zahlen. Die höhere Zahl gilt zwar eigentlich nicht als „allgemeiner Beitragssatz“; sie zu nennen wäre aber nicht falsch — würde „Bild“ nur einmal erklären, dass ihre Zahlen eben inklusive dieses Sonderbeitrags gemeint sind, und nicht mehrmals den Eindruck erwecken, die Arbeitgeber müssten den gleichen Satz zahlen.

Vollends unzulässig wird die Rechnung aber an der Stelle, an der „Bild“ die so erhöhten Beitragssätze mit dem Beitragssatz vergleicht, den Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt einmal als Ziel ausgegeben hatte. Auf die von Schmidt genannten „12,15 Prozent“ hat „Bild“ nämlich „vergessen“, ebenfalls die 0,9 Prozentpunkte aufzuschlagen — um die Diskrepanz zwischen Ziel und Realität noch größer wirken zu lassen als sie ohnehin schon ist.

Danke an Daniel K.!

Und wie ist Ihr Eindruck?

Vor einer Woche hatte „Bild“ den ehemalige Finanzminister Hans Eichel als „Gier-Eichel“ bezeichnet und berichtet, er wolle „7000 Euro mehr Pension!“ Eichel hatte dieser Darstellung umgehend in einer Pressemitteilung widersprochen und „Bild“ „presserechtliche Schritte“ angedroht. Einen Tag darauf verklärte „Bild“ dann ihren Fehler als „Riesen-Wirbel“ (wir berichteten) und bemühte sich am darauffolgenden Samstag noch einmal, „das Chaos um die Minister-Pensionen“ zu erklären. „Bild“ schrieb:

Schuld an dem Pensions-Chaos sind die komplizierten Gesetze in Deutschland!

Heute nun kommt Eichel selbst zu Wort und „erklärt im BILD-Interview seine Klagen auf höhere Versorgung“:

"Herr Eichel, warum wollen Sie mehr Pension haben?"

Presserechtliche Schritte hat „Bild“ jetzt nicht mehr zu befürchten. In einer Pressemitteilung, die Eichel heute herausgegeben hat, heißt es nämlich unter der Überschrift „Bild bedauert und zahlt“:

Bild hat auch die Anwaltskosten übernommen, die Eichel im Zusammenhang mit dieser Auseinandersetzung entstanden sind.

„Bild“ hat also eingesehen, dass sie mit ihrer Berichterstattung über die „7000 Euro mehr Pension“ voll daneben lag. Allerdings traut „Bild“ sich offenbar trotzdem nicht, das auch ihren Lesern mitzuteilen. „Bild“ leitet das heutige Eichel-Interview nämlich so ein:

BILD bedauert, dass durch den Bericht ein falscher Eindruck entstehen konnte und sprach über die Pensionsklagen mit Hans Eichel.

Für Eichel mag das damit erledigt sein. Unsinn ist es aber trotzdem. Der falsche Eindruck „konnte“ nicht entstehen, er musste entstehen:

"Eichel will 7000 Euro mehr Pension!"

Kurz korrigiert (302)

Anthony Hopkins: Ehefrau dachte, er wollte sie fressenUnd wenn man, wie die Mitarbeiter der Bild.de-Rubrik „Internet-Klatsch“, ohnehin den ganzen Tag aus kleinen Dingen große Geschichten macht, wird aus einer „kurzen Beziehung“ zwischen Martha Stewart und Anthony Hopkins auf der Homepage schnell mal eine Ehe.

Danke an Katrin S., Alexander B., Marco S. und Jörg F.!

Nachtrag, 19.40 Uhr. Aus der „Ehefrau“ wurde inzwischen die „Freundin“.

6 vor 9

Diese Macht ist mit uns
(Tagesspiegel Online, Jo Groebel)
Wenn Medien digital werden – was bedeutet das für die Nutzer? Sieben Thesen zur gemeinsamen Zukunft von Mensch und Maschine.

Wo Diekmann Kapitän ist
(jungle-world, Thomas Blum)
Nichts gegen Orgien, solange kein Bild-Reporter dabei fotografiert. Gerhard Henschels kluge Kritik des größten Boulevardblatts Europas.
(Bezieht sich auf das Buch „Gossenreport. Betriebsgeheimnisse der Bild-Zeitung„)

Zeit über Gebühr verbringen
(Neues Deutschland, Rainer Braun)
Das Fernsehjahr 2006 nähert sich dem Ende – was hat es gebracht?

Unsittlich? Aber immer!
(FR online, Tilman P. Gangloff)
Die hunderste Ausgabe des deutschen MAD erscheint.

Frequenzauktion: Der Hammer ist gefallen – Kommentar
(Readers Edition, Georg Erber)
Die Auktion für die 3,5 GHz – die so genannten WiMax-Frequenzen – ist zu Ende.

«Vieles deutet auf eine Katastrophe hin»
(Weltwoche.ch, Mathias Plüss)
Sie fürchten um den Schiefen Turm von Pisa, prognostizieren den Super-Gau oder auch bloss die Wanderung ihrer Seele: Wie Frauen die Zukunft sehen.
(Die Weltwoche hat zu Weihnachten wieder eine „Interview-Sonderausgabe“ gemacht.)

Verarschen kann „Bild“ uns alleine!

Einen der größten Erfolge unter Chefredakteur Kai Diekmann feierte die „Bild“-Zeitung im Jahr 2003 mit ihrer wochenlangen Berichterstattung über einen in den USA lebenden deutschen Sozialhilfeempfänger, den sie „Florida Rolf“ nannte. Die Kampagne erreichte nicht nur, dass der Mann nach Deutschland zurückkehrte, sondern auch, dass der Bundestag in kürzester Zeit die Gesetzeslage verschärfte. Dabei betraf die Regelung nicht einmal 1000 vermeintliche „Sozialschnorrer“ und bedeutete möglicherweise sogar höhere Ausgaben für die Steuerzahler.

In diesen Tagen arbeitet sich „Bild“ wieder an einem vermeintlichen „Abzocker“ ab: Henrico Frank, ein Arbeitsloser, der SPD-Chef Kurt Beck dafür verantwortlich machte, Hartz-IV-Empfänger zu sein, und dafür von ihm gesagt bekam, er solle sich erst einmal waschen und rasieren, dann bekomme er auch Arbeit. Frank ließ sich von Journalisten zu einem Friseurbesuch überreden, Beck vermittelte ihm darauf mehrere Stellenangebote, Frank ließ ein Treffen mit Beck jedoch platzen und lehnte auch die angebotenen Jobs ab. Seitdem ist er für „Bild“ „Deutschlands frechster Arbeitsloser“ und heute zum zweiten Mal großer Seite-1-Aufmacher:

Warum kriegt so einer Stütze?

Die Frage klingt, als wollte „Bild“, ähnlich wie bei „Florida-Rolf“, eine vermeintliche oder tatsächliche Ungerechtigkeit im Gesetz anprangern. In Wahrheit hat der Bundestag erst vor kurzem die Gesetzeslage für Menschen wie Henrico Frank drastisch verschärft. Wer innerhalb eines Jahres drei Angebote seiner Arbeitsagentur ohne guten Grund ablehnt, bekommt vom kommendem Jahr an für ein Vierteljahr sämtliche Zahlungen gestrichen, ist nicht krankenversichert, bekommt kein Geld für Unterkunft und Heizung. Nach Ansicht von Kritikern dieses Gesetzes kann das für viele hartnäckige Arbeitsverweigerer bedeuten, obdachlos zu werden. Die neue Regelung ist juristisch umstritten, weil eigentlich jeder Mensch einen verfassungsrechtlichen Anspruch auf das Existenzminimum hat.

„Faulenzern“ und „Abzockern“ wie Henrico Frank droht also nach dem verabschiedeten Gesetz, nichts zu bekommen. Da es schwer ist, Menschen weniger als nichts zu geben, ist nicht ganz klar, auf welche Art Gesetzesverschärfung die „Bild“-Kampagne zielen könnte: Die Möglichkeit, „Faulenzer“ und „Abzocker“ aus dem Land zu jagen?

Aber vielleicht geht es der „Bild“-Zeitung hier auch nicht um das Gesetz. Vielleicht hat sie mit Henrico Frank eine persönliche Rechnung offen. Darauf deutet zum Beispiel der gestrige „Bild“-Artikel hin, der so begann:

ER HAT UNS ALLE VERARSCHT!

Die „Bild“-Zeitung lässt offen, ob sie mit „uns“ uns meint oder „Bild“-Mitarbeiter. Deren Gefühl, „verarscht“ worden zu sein, könnte aber daher rühren, dass die Geschichte so schön auf ein Happy-End hätte hinauslaufen können: Dank tatkräftiger Unterstützung der Medien wird aus nichtsnutzigem Hartz-IV-Suff-und-Schmuddel-Punk ein glückliches Mitglied der arbeitenden Gesellschaft. Henrico Frank wollte dieses Spiel, hinter dem er eine PR-Aktion von Beck vermutet, offenbar nicht mitspielen — ob er dabei klug vorging, ist eine andere Frage.

Die „Bild“-Zeitung jedoch erweckt den Eindruck, Frank habe sie in die Irre geführt. Dabei zeigte Frank von Anfang an wenig Bereitschaft, die ihm von dem Medien zugeteilte Rolle zu spielen — selbst den Frisurwechsel bereute er schnell. Dass Frank „vier Handys“ hat (nach eigenen Angaben alle Prepaid, ohne laufende Kosten), war „Bild“ ebenso bekannt, wie dass er weiter seinen Anstecker „Arbeit ist Scheiße“ trug. Erst im Nachhinein machte sie daraus Belege, um Frank zu „Deutschlands frechstem Arbeitslosen“ zu stempeln.

Die „Bild“-Berichte über den Arbeitslosen sind inzwischen voller bösartiger Interpretationen und einseitiger Verdrehungen. Aus dem Angebot, für „5,50 Euro / Stunde“ zu arbeiten, macht „Bild“ einen von acht „gut bezahlten Jobs“. Dass sich die Sprecherin Franks bei den Arbeitgebern erkundigte, ob sich die Stellen (u.a. Straßenbauarbeiter, Maurer, Maler) überhaupt eignen für jemanden, der „nur noch eine Niere, dazu einen Bandscheibenvorfall und eine Schulterprellung“ hat, nennt „Bild“ schlicht „dreist“: „Motto: Ich kann nicht, aber was gibt’s denn?“ Nebenbei fabriziert „Bild“ aus den Zitaten mehrerer Politiker der Linkspartei, die grundsätzlich begrüßen, wenn Arbeitslose in die Politik und die Parlamente gehen, eine mögliche Kandidatur Franks für den Bundestag.

Den CDU-Politiker Michael Fuchs hingegen zitierte „Bild“ gestern mit den Worten:

Was wirft das für ein Licht auf all die anderen Arbeitslosen! Henrico Frank bringt sie alle in Verruf.

Tut er das wirklich? Oder tun das nicht „Bild“ und die anderen Medien, die das Verhalten Franks in einer Breite diskutieren, die gar keinen Sinn ergäbe, wenn sie davon ausgingen, dass Franks Verhalten ein völliger Einzelfall wäre. Dadurch, dass sie den Fall seit einer Woche ausführlich begleiten, suggerieren sie erst, dass es sich um ein grundsätzliches Phänomen und Problem handelt.

Der Politologe Frank Oschmiansky hat vor einigen Jahren die Konjunktur der immer wiederkehrenden „Faulheitsdebatten“ untersucht und befand, sie folgten „zu einem guten Teil politischen Kalkülen“. Sie ließen bei den Bürgern den Eindruck entstehen, der „Missbrauch sozialer Leistungen“ sei eines der größten Probleme dieses Landes — dabei sei der Schaden rechnerisch „marginal“ gegenüber Delikten wie Schwarzarbeit, Subventionsmissbrauch, Korruption oder Steuerhinterziehung. Oschmianskys Fazit:

Zudem zielen die „Faulheitsvorwürfe“ darauf, das sozialpsychologische Klima zu schaffen, um Leistungseinschränkungen oder auch Zumutbarkeits- oder Sanktionsverschärfungen den Boden zu bereiten. (…) Durch die Skandalisierung des Leistungsmissbrauchs wird ein Klima erzeugt, in dem Kürzungen von Sozialleistungen leichter durchsetzbar sind.

6 vor 9

Gratistitel bewegen die Medienlandschaft
(Publicom AG, René Grossenbacher)
Der Vormarsch der Gratismedien ist nach Meinung der DELPHInarium-Experten unumkehrbar. Die Boulevardpresse und die regionalen Abonnementszeitungen sind vom Trend am stärksten betroffen. Leiden wird generell auch die journalistische Qualität. Die Lage ist aber nicht hoffnungslos: Für hochwertige Inhalte werden die Konsumenten auch in Zukunft Geld ausgeben.

Ein Versuch, Künstler vor Internetpiraten zu schützen
(Tages-Anzeiger Online, Verena Vonarburg)
Gratis Musik aus dem Internet herunterzuladen, ist erlaubt – aber nur, wenn man das Stück im privaten Kreis hört. So will es der Ständerat.

Neue Chefredaktion in der Netzeitung
(Netzeitung)
2007 beginnt für die Netzeitung mit einem Wechsel in der Chefredaktion. Michael Angele und Matthias Ehlert führen das Blatt künftig als Doppelspitze. Der bisherige Chefredakteur Maier kauft die «Readers Edition».

Max Schautzer gründet Senioren-Sender
(Handelsblatt.com, Hans-Peter Siebenhaar)
Der ehemalige ARD-Entertainer Max Schautzer hat für sich seine Zielgruppe identifiziert. Der Moderator will im nächsten Jahr mit einem neuen Sender für Zuschauer ab 50 Jahren in Deutschland auf Sendung gehen, sagte der 66-Jährige dem Handelsblatt exklusiv. Mit dem digitalen Sender könnte Schautzer bei seinem Publikum jedoch technische Schwierigkeiten haben.

Happy Campers – US-Import „Barcamp“ mausert sich zur Alternativkonferenz
(Telepolis, Oliver Gassner)
Man könnte sagen, ein Barcamp sei ein Mix aus einem nicht endenden Strom von Kaffee, funktionierendem WLAN, Schlafsäcken, dem Mangel an Powerpointpräsentationen und freiem Zutritt für alle, die mitarbeiten. Das wäre zwar nicht ganz die offizielle Definition, würde aber die Sache ganz gut treffen.

Martin Hitz gründet konverMedia GmbH
(pho) Martin Hitz, u.a. Ex-Redaktionsleiter NZZ Online und Projektleiter beim Relaunch der Tagesschau und vielgelesener Schweizer Blogger mit medienspiegel.ch, hat sich selbstständig gemacht. In seiner eigenen Medienmitteilung schreibt er: «Jeder Medienmanager möchte eine Website wie die BBC oder einen Internetauftritt wie der Londoner Guardian oder die New York Times.» Aber dann geben sie es an die IT oder an eine Agentur, die natürlich alle keine Ahnung haben. :-) Bliebe zu erwähnen, dass auch nicht alle das Budget der BBC oder der New York Times haben.
Viel Erfolg, Martin!

6 vor 9

Der Boxer und der Papst
(Berliner Zeitung, Klaudia Wick)
Die zwölf Menschen des Fernsehjahres 2006.

SpiegelOnline und die Netzeitung erzählen recht unterschiedliche Geschichten über Henrico Frank:
Henrico, das Beck-Gespenst
(Spiegel Online, Björn Hengst und Carsten Volkery)
SPD-Chef Beck hat acht Jobs für den arbeitslosen Henrico Frank gefunden. Doch der zeigt sich nicht dankbar, sondern schwingt sich zum Anwalt aller Arbeitslosen auf. Wird der Hartz-IV-Empfänger zum Schreckgespenst für den rheinland-pfälzischen Regierungschef?
Wiesbaden droht Rasiertem mit ALG-II-Kürzung
(Netzeitung)
Mitarbeiter von SPD-Chef Beck haben dem arbeitslosen Frank acht Stellenangebote überbracht. Die Staatskanzlei erklärte den Fall damit für erledigt. Das Sozialamt ermahnte den berühmten Erwerbslosen indes.
Fest steht, wenn man das Foto bei SpOn sieht: Das Waschen und Rasieren hat nicht lange vorgehalten.

60 Jahre „Der Spiegel“ – ein Gründungsmitglied erzählt
(Deutschlandfunk, Brigitte Baetz)
Leo Brawand ist der letzte lebende Gründungsredakteur des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“, das in vierzehn Tagen seinen 60. Geburtstag feiern wird.

Hausfrauen ohne Werbepausen
(Der Tagesspiegel, Wilfried Urbe)
Von „24“ zu „Stalingrad“: Der DVD-Verkauf wird für TV-Produzenten immer wichtiger.

Im neuen Kleid
(sueddeutsche.de, Hans-Jürgen Jakobs)
Das Re-Design eines der führenden Nachrichten-Portale im deutschsprachigen Netz ist Auftakt einer breiten redaktionellen Offensive. sueddeutsche.de wird von nun an stärker als bisher mit der Redaktion der Süddeutschen Zeitung zusammenarbeiten.
sueddeutsche.de ist neu – und hat wie Spiegel Online auch die linke Navigationsleiste abgeschafft.

Veranwortung der Medien bei der Suizid-Berichterstattung
(Chefredaktor-Blog, Ueli Haldimann)
„20 Minuten“ und der „Tagesanzeiger“ berichten ausführlich über Suizide, mit Nennung der geeigneten Orte.

Das beste Sauerland der Welt

Man könnte denken, dass jemand, der Artikel geschrieben hat wie „Lesbe (taubstumm) sticht Lesbe (taubstumm) nieder“, „Waldmensch metzelt Spaziergänger nieder“ oder „Armer Mann mit Dauererektion: Droht jetzt sogar eine Amputation?“ — dass so jemand schwer zu erschüttern ist. Aber so abgebrüht ist „Bild“-Reporter Sven Kuschel nicht. Die Meldung, dass vier nordrhein-westfälische Zweckverbände an einer Fusion arbeiten, hat ihn elektrisiert. In gewaltiger Größe verkündete er gestern in „Bild“-Westfalen diese frohe Botschaft:

Geheimer Politiker-Plan: Unser Sauerland wird Super-Nationalpark

Ein Wort für dieses Gebilde hat Kuschel auch schon gefunden: „Sauerstone“. In Anspielung auf den „weltberühmten Yellowstone-Nationalpark in den USA“, der auch nur knapp dreimal so groß sei wie der „Super-Nationalpark“, der da im Sauerland entstehe.

Blöd nur, dass im Sauerland gar kein Nationalpark entsteht, nicht mal ein Normal-Nationalpark. Entstehen könnte bestenfalls ein großer Naturpark — immerhin taucht dieses entscheidende Wort im „Bild“-Text auch mehrmals auf. Im Gegensatz zu den gesetzlich streng geschützten Nationalparks, Gebieten von „besonderer Eigenart“, in denen sich die Natur möglichst ungestört entwickeln soll, geht es bei Naturparks vor allem um Landschaften, die sich für Erholung und Tourismus eignen und entsprechend gepflegt, entwickelt und vermarktet werden sollen.

Wie wenig spektakulär der geplante Zusammenschluss von vier bestehenden Naturparks ist, ahnt man, wenn Theo Melcher, der Kreisdirektor von Olpe, in „Bild“ sagt, es gehe um einen Abbau von Bürokratie und schnellere Planung und Umsetzung von Projekten. Wie auf diese Weise das Sauerland „zu einem der grünsten Punkte Deutschlands“ wird, bleibt das Geheimnis von „Bild“-Mann Sven Kuschel.

Apropos: Der „Geheimplan“, den „Bild“ da aufgetan hat, ist so geheim, dass Kreisdirektor Melcher ihn sechs Tage vor dem „Bild“-Bericht bereits gegenüber dem WDR bestätigt hat. Und zehn Tage vor dem „Bild“-Bericht bereits das Süderländer Tageblatt von einer Sitzung des Zweckverbandes Naturpark Ebbegebirge berichtete, auf der der Plan diskutiert und begrüßt wurde. Und diese Sitzung 23 Tage vor dem „Bild“-Bericht bereits von der „Siegener Zeitung“ unter der Überschrift „Zweckverband spricht über Zusammenlegung“ angekündigt wurde.

Aber, hey, die Sache mit Yellowstone und dem Super-Nationalpark hat „Bild“ natürlich exklusiv.

Vielen Dank an Jörg W. für den sachdienlichen Hinweis!

Blättern:  1 ... 649 650 651 ... 828