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„Bild“ schürt Krebs-Angst

Die große Schlagzeile auf der heutigen „Bild“-Titelseite ist wohl gar nicht mal falsch. Wahrscheinlich beschreibt sie sogar ziemlich gut, was sie selbst auslöst:

"Krebs-Angst -- So stark strahlt ihr Handy"

„Bild“ beruft sich auf eine jüngst veröffentlichte Studie, über deren Ergebnisse die „Süddeutsche Zeitung“ bereits gestern auf der Titelseite unter der falschen Überschrift „Handys können Krebs auslösen“ berichtet hatte. Ähnlich berichtet heute auch „Bild“ und schreibt auf Seite 1:

Also doch — Handys können bei Viel-Telefonierern Gehirntumore auslösen!

Direkt im Anschluss nennt „Bild“ diese zunächst so eindeutige Aussage zwar einen „Verdacht“, der sich aus der Studie ergebe, doch schon das ist übertrieben. Die Autoren der Studie selbst schreiben nämlich:

We found no evidence of increased risk of glioma related to regular mobile phone use.

(Wir haben keinen Beweis für ein erhöhtes Gliom-Risiko bezogen auf regelmäßigen Mobiltelefongebrauch gefunden.)

Und gegenüber der Nachrichtenagentur dpa fasste einer der Autoren der Studie ihre Grundaussage so zusammen:

„Insgesamt wurde keine (Risiko-)Erhöhung gefunden, aber die Möglichkeit eines Zusammenhangs zwischen (Handy-)Langzeitgebrauch und dem Tumorrisiko auf der Seite, wo das Telefon gehalten wird, rechtfertigt eine weitere Untersuchung.“

Der „Bild“-Text auf Seite 15 zum Thema wird diesem Ergebnis (anders als die Aufmachung und der Text auf der Titelseite) sogar einigermaßen gerecht.

Völlig ungerechtfertigt ist allerdings die alarmierende und gleich drei Mal aufgestellte Behauptung von „Bild“, das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) habe „sofort“ eine „Sondersitzung“ einberufen, „als die Ergebnisse der Studie gestern vorlagen“. Sie ist nämlich schlicht falsch. Zwar hat das BfS als Reaktion auf die irreführende Berichterstattung der „SZ“ gestern eine Pressemitteilung herausgegeben („Studie bestätigt Vorsorgegedanken des BfS“), zu der vermeintlich einberufenen Sondersitzung sagt man uns jedoch beim BfS:

Das ist falsch. Wir haben keine Sondersitzung einberufen.

 
P.S.: Der „Bild“-Kommentar beschäftigt sich heute übrigens auch mit dem Thema und fordert „Aufklärung statt Panikmache“. Aber dabei muss es sich wohl um eine Einzelmeinung innerhalb der „Bild“-Redaktion handeln — oder die Berichterstattung in derselben Ausgabe gilt bei „Bild“ als „Aufklärung“.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber.

Mars jetzt mit neuer Füllung

Hartwig Hausdorf ist in der „Bild“-Zeitung ein gern gesehener Gast. Sie nennt ihn abwechselnd „China-Forscher“, „Buchautor“, „Phänomenforscher“, „Ufologe“, „Alien-Wissenschaftler“ und „Deutschlands seriösesten Archäo-UFO-Forscher“ — gerne aber auch schlicht: „der deutsche Schriftsteller und Privatgelehrte“. Was Hausdorf zu erzählen hat, ist aber auch nie langweilig. In den vergangenen Jahren berichtete er der staunenden „Bild“-Leserschaft unter anderem:

  • von einem kleinwüchsiges Volk in China: „Die Zwerge sind Nachkommen von außerirdischen Havaristen, die vor 12.000 Jahren über China abgestürzt sind.“ („Bild“, 2. Dezember 1995)
  • dass „Außerirdische auf die Erde kommen, um zu töten“, „wahrscheinlich seit Jahrhunderten“: „Vielleicht sind wir nichts anderes als die Laborratten der Außerirdischen.“ („Bild“, 9. Mai 1998)
  • nach der Wahl George W. Bushs im Jahr 2000 von dem „Todesfluch des Indianer-Häuptlings“, der „allen amerikanischen Präsidenten den vorzeitigen, unnatürlichen Tod prophezeite, die in einem ‚Null‘-Jahr gewählt wurden“: William Henry Harrison, 1840 gewählt, „war der erste, auf den der Fluch wirkte“. („Bild“, 28.12.2000).
  • und über die Wahrscheinlichkeit, dass immer noch Dinosaurier durch den Dschungel von Afrika schleichen. („Bild“, 16.06.2004)

So gesehen, kann man diesen heutigen „Bild“-Artikel quasi als natürlichen Lebensraum für Hausdorf bezeichnen:

Mars-Menschen leben im Mars! Darum ahben wir sie auch noch nie gesehen

Geschrieben hat ihn Attila Albert, der inoffizielle „Bild“-Beauftragte für außerirdische Esoterik und missverstandene Wissenschaft. Ihm war es offensichtlich nicht aufregend genug, dass britische und schweizer Forscher festgestellt haben, dass mögliche Spuren von Leben auf dem Mars, Sporen oder Bakterien, längst aufgrund der niedrigen Temperaturen und der Strahlung vernichtet worden wären. Wenn überhaupt, könne man Zellen nur in einer Tiefe von mindestens zwei Metern unter der Mars-Oberfläche finden.

Ja nun.

Zum Glück kennt Attila Albert Hartwig Hausdorf, und so konnte er aus einer für Laien nur mittelaufregenden Wissenschaftsgeschichte eine für Gutgläubige superaufregende Außerirdischen-Geschichte machen:

„Möglicherweise gibt es komplexe Höhlenstädte“, sagt Autor Hartwig Hausdorf (51). Er sieht in Felsformationen wie dem „Marsgesicht“ Monumente einer verlorenen Kultur: „Vielleicht hat der Mars eine Klimakatastrophe erlebt, wie sie uns noch bevorsteht. Die Bewohner flohen in die Tiefe.“

(Desillusionierender Link von uns.)

Natürlich steht selbst „Bild“ einer solch umstrittenen Quelle kritisch gegenüber. Das mit dem „möglicherweise“ und dem „vielleicht“ hat man Hausdorf zum Beispiel für die „Bild“-Schlagzeile nicht geglaubt.

Okay, jetzt wissen wir also, wo die Marsmenschen leben. Jetzt müssen sich Bild.de (Ausriss oben) und die gedruckte „Bild“-Zeitung (Ausriss unten) nur noch darauf einigen, wie die Marsmenschen wohl aussehen.

Angesichts der neuesten Enthüllungen wäre unser Tipp ja: etwa so.

Danke an Alexander B. und Kauli.

Nachtrag, 6. Februar. Der Mikrobiologe Lewis Dartnell, auf dessen aktuelle Studien sich „Bild“ vermeintlich beruft, stellt uns gegenüber klar:

Wir glauben ganz bestimmt nicht, dass es humanoide Mars-„Menschen“ unter der Oberfläche [des Mars] gibt, und ich persönlich halte es auch nicht für wahrscheinlich, dass sich jemals einfache Tiere oder Pflanzen auf dem Mars entwickelt hatten — selbst vor langer Zeit war die Umgebung auf dem Mars wahrscheinlich nur geeignet für zählebiges bakterielles Leben, wenn überhaupt.

In Vogelgrippe-Gelb

Erwartungsgemäß tingelt derzeit mal wieder eine ansteckende Magen-Darm-Infektion (zwei bis drei Tage Brechdurchfall) durch Deutschland, die in diesem Jahr bei mehr Menschen auftreten könnte als in den Vorjahren. Und nachdem in einer kurzen Meldung dazu im aktuellen „Focus“ stand, dass eine Million Menschen erkranken könnten, berichtete natürlich auch „Bild“ — und zwar so:

Immerhin kommt „Bild“ (zumindest im Raum Berlin-Brandenburg) heute schon wieder ohne vogelgrippe-gelbe Überschriften aus — und lässt zumindest erahnen, dass es sich bei der „schlimmsten Magen-Darm-Seuche“ womöglich doch nur um die schlimmste Magen-Darm-Seuche ihrer Art seit 2002/2003 handelt.

Mehr über diesen „Medienthriller ohne Killer“ bei stern.de

Und vielen Dank auch an Matthias M.

6 vor 9

Virtuelle Storys
(ndr.de, Video, 5:50 Minuten)
Wie Medien die Internetwelt „Second Life“ erobern.

Wir armen Blogger-Seelen
(blog.handelsblatt.de, Thomas Knüwer)
Haben Sie kein Mitleid mit mir, lieber Leser. Ich bin selbst schuld. Selbst schuld, dass ich ein soziopathes, irres Wesen bin, ein Windmühlenflügelbekämpfer, der die Ausweglosigkeit seines Tuns nicht erkennt, der sich vergräbt in einer virtuellen Identität. Ich bin Schmutz, ich bin es nicht wert, ernst genommen zu werden. Behauptet ein Professor aus Calgary.

„Verleger zu werden, ist heute einfacher als früher“
(persoenlich.com, David Vonplon)
Markus Schneider, Beat Müller und Wendelin Hess haben den Verlag Echtzeit gegründet. Nicht weil sie reich werden wollen, sondern in der Überzeugung, dass sich für Bücher von den besten Journalisten des Landes ein Publikum finden wird.

Internetboom in Putins Reich
(aargauerzeitung.ch, Alexander Schrepfer-Proskurjakov)
Online-Medien gewinnen für die Meinungsfreiheit in Russland stark an Bedeutung. Der Kreml versucht, sie zu kontrollieren.

Die Kraft des Netzes (+)
(fr-online.de, Viktor Funk)
Online und mächtig – im Internet wachen kritische Köpfe über das Treiben in der Politik. Ein Video im Web kann schnell eine Karriere beenden. Oder Proteste anheizen, wie die Bilder von Saddams Hinrichtung. Der Polizei bei Fahndungen helfen. Oder ihre Übergriffe dokumentieren. Das Internet als unberechenbare fünfte Gewalt.

Weblogs, Podcasts & Co.
(lfm-nrw.de)
Eine neue Broschüre für den Umgang mit neuen Kommunikationswegen im Netz (pdf, 812kb).

Endlich, aber leider

„Hä?“

haben sich die Mitarbeiter des Bundesinnenministeriums gefragt, als sie heute morgen in der „Bild“-Zeitung diese Überschrift sahen:

Nicht alle bekommen die Pensionen gekürzt? Wer denn nicht?

Im „Bild“-Artikel steht es nicht. Im heute von der Bundesregierung beschlossenen Gesetzesentwurf steht es nicht. Und auf unsere Nachfrage fällt dem Innenministerium auch nicht ein, was „Bild“ meinen könnte.

Im Gegenteil: Die Einschnitte gelten (sobald der Bundestag das Gesetz verabschiedet hat) bereits für die Mitglieder dieser Bundesregierung. Die Altersgrenze, ab der sie eine Pension beziehen, wird angehoben, die Mindestamtszeit erhöht, die Höchstdauer des Übergangsgeldes gesenkt. Und auf ihre Pensionen werden, anders als bisher, andere Einkommen und Renten angerechnet. Mit anderen Worten: Sie werden gekürzt. Für alle im Kabinett.

Lustigerweise hat bei Bild.de jemand offenbar die „Bild“-Unterzeile auch nicht verstanden und versucht, sie zu konkretisieren:

Endlich! Regierung kürzt Luxuspensionen für Minister ...aber nur, wenn sie nicht lang genug im Amt waren

Netter Versuch, aber: Doch, auch dann.

Im Zweifel gegen den Angeklagten

Wenigstens kann man „Bild“-Kolumnist Franz Josef Wagner nicht vorwerfen, die Leser über sein Verständnis von den Grundlagen eines Rechtsstaates im Unklaren zu lassen. Im Zusammenhang mit dem Fall Kurnaz/Steinmeier schreibt er heute:

Der Bremer Türke ist für mein Leben nicht so wichtig. Wichtig ist für mich die Sicherheit.

Wie „Bild“ aus einem Irrtum Irrsinn macht

Wir stellen uns das etwa so vor: Neulich bekam Katja S. (29) aus Leipzig ein Schreiben vom Leipziger Amt für Bauordnung und Denkmalpflege. Es ging darin um ein angeblich von ihr gebautes Haus, das aber gar nicht existierte. Ganz klar, es musste sich bei dem Schreiben um einen Irrtum handeln. Und die clevere Katja S. dachte sich, der Irrtum müsse sich doch rasch aufklären lassen…

…und wendete sich an die „Bild“-Zeitung.

Und die „Bild“-Zeitung tat, was sie in solchen Fällen zu tun pflegt: ließ sich von Katja S. das Behörden-Schreiben geben, schickte eine Fotografin los, die Katja S. vor dem unbebauten Grundstück fotografierte und machte den Fall gestern öffentlich:

"Behörden-Irrsinn: Ich soll ein Haus abreißen, das es gar nicht gibt"

Die Überschrift ist falsch. Katja S. soll gar kein Haus abreißen, wie man dem Schreiben der Behörde entnehmen kann, das „Bild“ abdruckt. Sie sollte lediglich statische Unterlagen nachreichen. Und tatsächlich ist auch im „Bild“-Text gar keine Rede davon, dass Katja S. irgendwas abreißen soll. Am Ende heißt es lediglich:

Einen „Schwarzbau“ müsste sie abreißen — aber den sieht ja nur die Behörde.

Auch das ist falsch. Wie uns der Amtsleiter der Leipziger Bauaufsicht, Hans-Gerd Schirmer, sagt, wäre ein Abriss „unzumutbar“ gewesen. Schlimmstenfalls hätte man eine „Nutzungsuntersagung“ ausgesprochen. Aber es habe sich im Fall Katja S. ohnehin um das „Versehen eines Mitarbeiters“ gehandelt. Nach dem „Bild“-Bericht habe sich die Bauaufsicht auch bei Katja S. für die Verwechslung entschuldigt. Früher ging das offenbar nicht. Denn, so Schirmer etwas irritiert:

Weder die Betroffene noch die „Bild“-Zeitung haben wegen des Schreibens bei uns nachgefragt.

Mit Dank an Dirk W. für den sachdienlichen Hinweis.

6 vor 9

Wir sind alle Praktikanten
(taz.de, Melanie Zerahn)
Die Generation Praktikum ist nicht das Risiko einer kleinen randständigen Gruppe prekärer Akademiker. Sie ist Vorbote einer Globalisierung, die auch das ganze westliche Lebens- und Erwerbsmodell auf den Kopf stellen wird: Beruf, Geld und Liebe.

News auf Papier und im Internet folgen anderen Regeln (+)
(tagi.ch, Peter Sennhauser)
Nachrichtenjournalismus findet mehr und mehr online statt. Die Frage nach dem «Wie» überfordert bewährte Verleger und Journalisten gleichermassen.

«heute» ehrt Will Smith mit einem Preis
(filmblog.ch, Thomas Hunziker)
Wer in diesen Tagen an den zahlreichen Preisverleihungen in und um Hollywood leer ausgeht, muss nicht verzagen. Das Schweizer Ringier-Produkt «heute», das ab und zu auch als Tageszeitung betitelt wird, kümmert sich um missverstandene Schauspieler und verleiht ihnen Preise – wohl aus Mitleid.

5 Millionen warten auf einen Besitzer
(telepolis.de, Peter Mühlbauer)
Bisher wird das Metis-System der VG Wort noch kaum angenommen.

Im Trommelfeuer der Kritik
(heute.de, Alfred Krüger)
Neues Telemediengesetz: Gesetzeslücken statt Rechtssicherheit.

Schlafen Sie mit dem Produzenten!
(faz.net, Mark Siemons)
Bekommt man als Schauspielerin in China nur dann eine Rolle, wenn man mit den entscheidenden Leuten das Bett teilt? Zhang Yu hat hierfür den Beweis geliefert – mit selbstgedrehten Videos, die sie öffentlich machte.

„… wie der ‚Stern‘ behauptet hatte“

Die Welt ist ungerecht. Manchmal meint es das Leben gut mit „Bild“.

Gestern schrieb der „Bild“-Kolumnist Hugo Müller-Vogg auf Seite 2:

„Münte“ muss wegen Doris Schröder-Köpf vor den Richter!

Heute wird’s (…) spannend: Zuerst muss Vizekanzler Franz Müntefering (SPD) vor Gericht klären, ob Ex-Kanzlergattin Doris Schröder-Köpf tatsächlich die Idee zu den Neuwahlen hatte, wie der „Stern“ behauptet hatte.“

Und heute befasst sich „Bild“ abermals auf Seite 2 mit dem Thema:

„Münte“ hilft Ex-Kanzler-Gattin Doris vor Gericht

(…) Hintergrund des Rechtsstreits: Der „Stern“ hatte über ein Treffen Schröders mit „Münte“ in Hannover im Frühjahr 2005 geschrieben („Der Doris-Faktor“), Doris Schröder-Köpf habe die Neuwahlen-Idee gehabt.

Was „Bild“ nicht schreibt: Die Behauptung, Doris Schröder-Köpf habe die Neuwahlen-Idee gehabt, stand zwar Ende Juni 2005 im „Stern“ — und zwar so:

Gut möglich, dass es sich an jenem milden Tag im März so abgespielt hat. (…) Plötzlich wirft Doris den Begriff „Vertrauensfrage“ und die Idee von den „vorgezogenen Wahlen“ in die Runde. (…) [Gerhard Schröder] denkt eine Weile darüber nach und sagt dann: Ja, das ist der richtige Weg. (…) Es spricht vieles dafür, dass es so war.

Aber was stand bereits am 10. Juni 2005, zwei Wochen vor Erscheinen des umstrittenen „Stern“-Berichts, exklusiv in „Bild“?

Eingeweihte erzählen: Auch bei dem Schröder-Plan, durch die Vertrauensfrage im Bundestag vorzeitige Neuwahlen zu erreichen, soll die Kanzler-Gattin den Kanzler beraten haben!

Es war Mitte März (…). Da habe Doris Schröder-Köpf das Thema Vertrauensfrage und vorgezogene Bundestagswahl ins Gespräch gebracht. Nach längerem Nachdenken kam der Kanzler zu dem Schluß: Ja, das ist der richtige Weg!

Aber weil Schröders-Köpfs Anwalt damals nicht gegen „Bild“, sondern gegen den „Stern“ vorging, sitzt nun eben das Magazin auf der Anklagebank — und die Zeitung berichtet entspannt, was „Münte“ aussagt: dass das, was der „Stern“ damals aus „Bild“ abschrieb berichtete, nicht stimmt.

Die Wahrheit über die Wahrheit über Superstars

Allan Garnelis hat es nicht geschafft. Im Casting von „Deutschland sucht den Superstar“ ist er zwar weit gekommen, aber bei der Auswahl der besten 20 Sänger für die Liveshows hat ihn die Jury aussortiert.

Allan Garnelis hat es geschafft. In der „Bild“-Zeitung ist er heute groß auf die Seite 1 gekommen:

1. Kandidat packt aus! Die Wahrheit über Superstars: Die Finalisten stehen längst fest. Unser Jubel ist nur gespielt. Wir wurden sogar eingesperrt

Die „Wahrheit über Superstars“ fasst „Bild“ so zusammen: Beim Casting habe Garnelis erst „vor Ton-Ingenieuren vorsingen“ müssen. Im sogenannten „Recall“ mussten alle Kandidaten morgens aus dem Hotel auschecken, weil ja jeder im Laufe des Tages rausfliegen konnte — „so spart RTL Produktionskosten“, erklärt „Bild“. Weil die Freude mancher Teilnehmer „zu actionlos“ gewesen sei, hätten sich viele „auf Kommando“ noch einmal stärker freuen sollen. Und nachdem Garnelis ausgeschieden sei, habe er sich zum Heulen in eine Garderobe gesetzt, sei aber von der Kamera verfolgt worden. „Im ersten Moment dachte ich: ‚Verpisst euch‘.“

Soweit, so naja.

Wie aufregend die „Bild“-Zeitung selbst die Geschichte fand, kann man vielleicht daran ablesen, dass sie sie offenbar erst einmal liegen ließ. Das Freiburger Online-Magazin „Fudder“, auf das „Bild“ sich beruft, hat Garnelis‘ Erfahrungen schon vor drei Wochen veröffentlicht.

Dort lesen sie sich allerdings wesentlich unaufgeregter. Und die Enthüllung, dass die Finalisten schon länger feststehen, steht da gar nicht ausdrücklich, vermutlich weil das gar kein Geheimnis ist. RTL hat nie versucht zu verschweigen, dass diese Shows, wie üblich, aufgezeichnet sind. Gestern wusste das auch „Bild“ noch.

Dass die „DSDS“-Bewerber bei den Castings vor Ort nicht sofort vor der Jury singen, sondern erst von Mitarbeitern der Produktion getestet werden, ist auch keine Sensation. Bei „Popstars“ funktioniert das genauso, allein schon aus Zeitgründen.

Außerdem sagt Garnelis in „Fudder“ über den Moment nach dem Rauswurf, als die Kamera auf ihn zusteuerte:

„Der Umgang von denen war schon menschlich. Die müssen das nunmal machen. (…) Da hockt immer einer schräg unter der Kamera und stellt dir Fragen. Der war sichtlich ergriffen. Ich habe heute mehr mit den Leuten vom Team zu tun als mit den anderen Kandidaten.“

In „Bild“ war dafür kein Platz mehr.

Aber so, wie es bei „Fudder“ steht, wäre drei Wochen später vermutlich keine „Bild“-Seite-1-Geschichte mehr draus geworden.

Danke an Jörg W., Benjamin S., Timm H., Katharina M. und majestic!

PS: Bei „Spiegel Online“ liest und glaubt man „Bild“.

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