Kurz korrigiert (260/261 — 262)

Ja, ja, nachdem die „Bild“-Zeitung vor ein paar Wochen auf einen „Liebes-Schwindler“ hereingefallen war, zeigte sie Verena und Oliver Kahn kürzlich als glückliches Paar. Fraglich allerdings, ob das für Bild.de wirklich Grund genug ist, „Verena Pooth“ statt „Verona Pooth“ und „Farah Kahn“ statt „Farah Khan“ zu schreiben.

Und wo wir gerade schon beim Fußball beim Korrigieren sind: Anders als „Bild“ heute behauptet, ist Jens Lehmann offenbar nicht, „der einzige Torwart, der in der Bundesliga aus dem Spiel heraus getroffen hat (1997 für Schalke beim 2:2 in Dortmund)“. Denn das gelang auch Frank Rost 2002 für Werder Bremen beim zwischenzeitlichen 3:3-Ausgleichtreffer gegen Hansa Rostock.

Mit Dank an Christiane B. und Lars sowie Sascha M., Sascha G., Stefan L. und Martin F. für die Hinweise.

Nachtrag, 6.9.2006: Fehler 260 wurde korrigiert, 261 auch, Fehler 262 nicht.

6 vor 9

Abschiedsdebüt für „Österreich“ (derstandard.at)
Nach der Lektüre des Kulturteils sehe ich mich veranlasst, meinen ersten Beitrag (genauer gesagt: mein Abschiedsdebüt) gleich heute zu liefern – Von Robert Menasse (siehe auch die Kolumne: Gerechtigkeit für Wolfgang Fellner).

„Ich bin der Idiot, der mit Zettel und Stift durch die Gegend läuft“ (dradio.de)
Denis Johnson berichtet von blutigen Konflikten in Afrika.

Wofür zahlte die ARD Jan Ullrich 195.000 Euro? (faz.net)
Jahrelang hat die ARD Jan Ullrich im Rahmen einer „Mitwirkendenvereinbarung“ großzügig entlohnt. Die Frage ist nur: Für welche Leistung? Und warum wußte das ZDF als Beteiligter der Sportrechteagentur Sport A nichts davon?

Willkommen im Schnipsel-Universum (zeit.de)
Handy- und Internet-TV verändern den Fernsehkonsum – und entmachten die Medienpolitiker.

„Zuzutrauen ist allen alles“ (taz.de)
Ein Gespräch mit dem Schriftsteller Klaus Modick über seinen neuen Roman „Bestseller“, die zumindest innerbetrieblich weiterhin sehr große Macht der Literaturkritik im Speziellen und die Schizophrenie der Kritik im Allgemeinen.

Von 6 bis 24 Uhr (berlinonline.de)
Wie das Fernsehen Benedikt XVI. durch Bayern begleitet.

Lammert und der Boy von Seite 2

Dieter Bohlen (52) ist für die „Bild“-Zeitung vielseitig verwendbar: als Motiv für „BILD-Leser-Reporter“, als „Bild“-Schlagzeile — aber auch für ihre tolle „Korrekturspalte“. Heute findet er sich dort bereits zum vierten Mal in vier Wochen wieder. Denn nachdem „Bild“ nicht nur Bohlens Alter, sondern auch das seines jüngsten Kindes aus erster Ehe und zuletzt gar den angeblichen Anfangsbuchstaben des angeblichen Vornamen seiner angeblichen neuen Freundin berichtigte, schafft es Bohlen auch heute auf Seite 2 der „Bild“:

Weil Christiane „Ich weiß es!“ Hoffmann am Samstag zu berichten wusste, dass die Trennung von Dieter Bohlen und seiner bisherigen Lebensgefährtin Estefania (eigentlich Stefanie Küster) „schon neun Monate“ zurückliege, heißt es nun:

„Richtig ist: Die Trennung erfolgte am 9. Juni.“

P.S. Falls „Bild“ für die morgige Ausgabe nichts Besseres einauffällt, hätten wir da noch einen Vorschlag:

„Bild“ behauptet heute nämlich, Bundestagspräsident Norbert Lammert (57) habe „einen Brief an Polens Parlamentspräsident Marek Jurek“ geschrieben. In einer längeren Fassung heißt es sogar stolz, es handle sich dabei um einen „offenen Brief“, „der BILD vorliegt“.

Nach Angaben des Deutschen Bundestages handelt es sich dabei aber peinlicherweise lediglich um einen Artikel Lammerts für die größte polnische Tageszeitung „Fakt“ (mehr dazu z.B. hier und hier), wo der angebliche Lammert-„Brief“, der „Bild“ vorliegt, bereits am vergangenen Freitag in einer Auflage von mehreren hunderttausend Exemplaren erschienen ist.

Mit Dank an Hyp Nom für den Hinweis.
Danke auch an Matthäus W. für die Unterstützung!

Nachtrag, 5.9.2006: Was Millionen „Fakt“-Leser schon seit vergangenem Freitag wissen, erfahren heute nun auch Millionen „Bild“-Leser.

6 vor 9

Das Experiment — Zuerst fernsehen, dann frühstücken (nzzfolio.ch)
Seth Roberts versuchte mit seltsamen Selbstexperimenten herauszufinden, wie sich Essgewohnheiten oder TV-Konsum auf das Wohlbefinden auswirken – und kam zu überraschenden Resultaten.

Natascha und der Neubeginn (derstandard.at)
Wie Nataschas Brief entstand und warum es nicht mehr notwendig ist, ihr Kindheitsfoto abzudrucken: Der STANDARD beantwortet alle Fragen.

Fakten fischen (telepolis.de)
Der History-Bot markiert eine neue Zündstufe des Internet.

De Morgen, wir kommen (notebook-onlinejournalismus.de)
„De Morgen“, die belgische Zeitung, die 17 Reportagefotos von mir gestohlen hat, stellt sich schwerhörig. Auch nach zwei Wochen noch keine Reaktion.

Kalkulierte Tabubrüche (dradio.de)
Wie bekomme ich Aufmerksamkeit?

Link-Tipps zu Leserreportern, Bürgerjournalisten (netzjournalist.twoday.net)
Projektbeispiele sowie Artikel, Blogs über Leserreporter, Bürgerjournalismus

Kurz korrigiert (259)

Wenn, sagen wir, das ehemalige Kindermädchen Friede Springer, inzwischen Mehrheitseignerin (!) der „Axel Springer AG“, den Vorstandsvorsitzenden des Medienkonzerns, Mathias Döpfner, heiraten würde, was wäre dann die passende Überschrift? Etwa:

Warum heiratet Friede ihren Chef?
(Hervorhebung von uns.)

Wohl kaum.

Wenn aber stattdessen die ehemalige Catering-Aushilfe Lisa Plenske, inzwischen Mehrheitseignerin (!) von „Kerima Moda“, den Geschäftsführer des Modekonzerns, David Seidel, heiratet, entscheidet sich „Bild“ für:

"

Mit Dank an Florian Z., Willibald K. und Jan für den Hinweis.

Erwischt!

„Es ist ganz einfach: Sie machen ‚klick‘ und wir zahlen!“
(Hinweis für „BILD-Leser-Reporter“)

Gestern noch, als „Bild“ u.a. ein Foto von „Altkanzler Gerhard Schröder auf Borkum im Liegestuhl“ veröffentlichte (siehe Ausriss), stand bei Bild.de zum Thema „So werden Sie Leser-Reporter bei BILD und Bild.t-online“ folgender Hinweis:

Wichtig! Teilnehmen können nur Fotos, dessen Urheber Sie auch sind, das bedeutet, Sie selbst haben das Foto gemacht. Die abgebildeten Personen müssen mit der Veröffentlichung in BILD und unter www.bild.t-online.de einverstanden sein.

Heute nun ist dieser berechtigte Hinweis bei Bild.de (ähnlich wie unlängst schon der Hinweis, dass die Einsendungen der „Leser-Reporter“ „überprüft und journalistisch nachrecherchiert“ würden) spurlos verschwunden.

Doch was bedeutet das? Entweder möchten „Bild“ und Bild.de ihre „Leser-Reporter“ plötzlich einfach nur nicht mehr darauf hinweisen, dass die fotografierten Personen mit der Veröffentlichung in „Bild“ und auf Bild.de einverstanden sein müssen. Oder „Bild“ und Bild.de ist das für solche Veröffentlichungen notwendige* Einverständnis völlig egal.

Für letzteres spricht beispielsweise das eingangs erwähnte Schröder-Foto. Denn nach BILDblog-Informationen war Gerhard Schröder mit einer Veröffentlichung des Liegestuhl-Fotos in „Bild“ und auf Bild.de nicht einverstanden.

*) Entsprechend dem sog. „Caroline-Urteil“ des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (von „Bild“ schlicht „Maulkorb-Urteil“ genannt) können Fotos aus dem Alltagsleben, die Prominente bei rein privaten Tätigkeiten zeigen bzw. ausschließlich Einzelheiten ihres Privatlebens betreffen und ohne ihre Einwilligung, zuweilen auch heimlich aufgenommen wurden, nicht als Beitrag zu einer Debatte von allgemeinem öffentlichem Interesse angesehen werden. Deshalb verletze eine Veröffentlichung das in Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention festgeschriebene „Recht auf Achtung des Privatlebens“.

Nachtrag, 19.22 Uhr: Seltsam, aber wer seine Fotos nicht als „BILD-Leser-Reporter“ anbietet, sondern als Teilnehmer beim aktuellen „Foto- und Videowettbewerb: Die peinlichsten Urlaubs-Pannen“ von Bild.de, wird ausdrücklich auf die Teilnahmebedingungen hingewiesen…

6 vor 9

„Sie waren doch so nette Jungs“ (nzz.ch)
Medienberichterstattung im Zeichen des Terrorismus.

Weblogs verändern die Medienlandschaft (dw-world.de)
Ab dem 31. August 2006 richtet die Deutsche Welle zum dritten Mal die internationalen Weblog Awards aus. Im Gespräch mit DW-WORLD.DE erläutert Julien Pain von Reporter ohne Grenzen die Bedeutung von Weblogs.

Fernsehen ist tot (spiegel.de)
Auf immer mehr Wegen wird dem Zuschauer Fernsehen serviert: digital, terrestrisch, mobil und via DSL. Überall braucht man extra Empfangsgeräte – und muss häufig extra zahlen. Die jungen Zuschauer wandern ab ins Internet und zu Videospielen. Ein Abgesang aufs Fernsehen.

Natascha nächste Woche im ORF (oe24.at)
Nächste Woche will Entführungsopfer Natasche Kampusch ihr Schweigen brechen. Im ORF will sie 20 Minuten über acht Jahre Gefangenschaft sprechen.

Scharfe Kritik an Veröffentlichung (orf.at)
Gegen den ausdrücklichen Wunsch von Natascha Kampusch sind angebliche Zitate von ihr an die Öffentlichkeit gelangt. Der Inhalt der Passagen betrifft das Zusammenleben von Kampusch mit ihrem Entführer Wolfgang Priklopil.

Als ob es kein Morden mehr gäbe (sz-magazin.sueddeutsche.de)
In Darfur kämpft jeder gegen jeden. Millionen Menschen sind auf der Flucht. Die UN ist machtlos. Die EU ist machtlos. Auch die Afrikanische Union wird den Völkermord nicht stoppen. Aber nun soll ausgerechnet der Internationale Gerichtshof den Verantwortlichen den Prozess machen.

Sind immer die andern IV

Ihre tolle „Korrekturspalte“ hat „Bild“ heute nicht wie üblich irgendwo auf Seite 2 versteckt, sondern in einem Artikel. Darin heißt es über „die Neue“ von Boris Becker:

Vor einer Woche wurde bekannt, dass die alleinerziehende Mutter eines 4-jährigen Sohnes von Hartz IV lebt.

Doch das bestritt Michelle im Interview mit BILD, behauptete wörtlich: „Das stimmt nicht. (…)“
(Link von uns.)

Eine Antwort, die „Bild“-Interviewer Rolf Hausschild („Wer ist diese Frau? … Jetzt spricht sie — exklusiv in BILD.“) offenbar nicht weiter hinterfragt hatte — und „Bild“ nun, drei Tage später, unter der Überschrift „Berichtigung“ „Ist die Neue von Boris eine Lügnerin?“ korrigiert, denn:

Jetzt wird Michelle der Lüge überführt.

In Wirklichkeit wurde sie als Hartz-IV-Empfängerin im Berliner Jobcenter Charlottenburg-Wilmersdorf geführt.

Das berichtet die BZ [ebenfalls eine Springersche Boulevardzeitung] und veröffentlichte als Beweis sogar Michelles sogenannte Vorgangsnummer.
(Link von uns.)

Allgemein  

Zitat-Anschlag auf Nena?

Am Montag berichtete „Bild“ über einen angeblichen „Terroranschlag“ bzw. „Feuer-Anschlag auf Nena“ (siehe Ausriss) und schrieb: „Türkischstämmige Männer (…) wollten angeblich ein Tankschiff auf dem Rhein-Herne-Kanal kapern und am Gelsenkirchener Amphitheater in die Luft jagen – während eines Nena-Konzerts!“ Die Polizei hatte die Sache indes (wie berichtet) als „Fehlalarm“ bezeichnet, das zeitgleich stattfindende Nena-Konzert als „Zufall“ und den von „Bild“ hergestellten Nena-Zusammenhang als „Spekulation“. Unbeirrt schrieb „Bild“ tags drauf nochmals über den „Nena-Anschlag!“, ließ ihre Leser über die deutlichen Polizeidementis jedoch weiter im Unklaren.

Wenn man so will, blieb „Bild“ von der ganzen Story letztlich aber nur der exklusive O-Ton, mit dem „Bild“ Nena zitiert hatte:

Sie sagte zu BILD: „Ich habe nachmittags von der Bombendrohung erfahren, hatte ein mulmiges Gefühl. Aber ich lasse mir von Terroristen den Auftritt nicht kaputt machen.“

Auf Nenas Website allerdings gibt Nenas Management bekannt:

„Die Behauptung angeblicher Äußerungen von Nena gegenüber der BILD ist von der BILD frei erfunden. NENA hat kein Gespräch mit BILD-Redakteuren zu diesem Thema geführt. Nena distanziert sich von dieser unwahren Berichterstattung der BILD.“

Mit Dank an Michael P.

6 vor 9

Ende der Geruhsamkeit (taz.de)
Heute Abend moderiert Ulrich Wickert zum letzten Mal die „Tagesthemen“ (ARD, 22.15 Uhr). Diesen Mann musste man einfach gerne sehen? Nun ja: Nicht wenige haben ihn gehasst.

Wer bietet mehr? (zeit.de)
Reporter schachern um ein Interview mit Natascha Kampusch. Kann sich die ehemalige Geisel gegen die Paparazzi wehren?

Der Schatz im Netz (tagesspiegel.de)
Zehntausende Chinesen arbeiten als Berufsspieler.

Ich bin immer noch im star-affinen Alter (planet-interview.de)
Bravo-Chefredakteur Tom Junkersdorf über das Erfolgsgeheimnis der Bravo, den Draht zu den Lesern, den Kampf gegen Gewalt an Schulen, die sexualisierte Mediengesellschaft und wie weit der Starkult gehen darf.

Mit wohligem Gruseln (zeit.de)
Kindesmissbrauch und Mord, ein mysteriöses Verbrechen, ein spätes Geständnis: Der Fall John Mark Karr gab amerikanischen Medien die perfekten Zutaten für ungebremsten Hype. Nun sind die Ermittlungen geplatzt.

Die Ausgepennte (spiegel.de)
Sie hat den Begriff „Urbane Penner“ für die kreative und unterbezahlte Elite Berlins erfunden – für Leute wie sich selbst. Seit zwei Monaten ist Mercedes Bunz Chefredakteurin des Berliner Stadtmagazins „zitty“ und bewegt sich leichtfüßig zwischen Pop, Diskurs und Karriere. Ein Porträt.

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