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Woran man einen BMW erkennt

Ich meine, was soll man von einer Zeitung halten, die es schafft, den Satz „Noch-Ehefrau Maja rauschte in einer BMW-Limousine mit ihren Anwälten davon“ in ein Foto zu schreiben, auf dem das einzig wirklich Erkennbare der Mercedesstern auf der Radkappe ist?

Danke an Björn S. und Moritz B. für den Hinweis.

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Gericht zwingt „Bild“, die Wahrheit zu schreiben

Die Europäische Kommission hat recht. Die Redaktion

schreibt „Bild“ heute unter eine Gegendarstellung, in der die EU-Kommission dementiert, dass sie die Übersetzung von Dokumenten ins Deutsche gestoppt habe. Das ist bemerkenswert. Nicht nur, weil die „Bild“-Zeitung vor einem Monat noch das Gegenteil behaupt hatte. Sondern vor allem, weil die „Bild“-Zeitung erheblichen Aufwand betrieben hat, um zu verhindern, dass sie diese Gegendarstellung veröffentlichen muss.

Gegendarstellung

Kurz korrigiert (16)

„Bild“-Kommentator Hans-Olaf Henkel meint, dass es jetzt ganz schlimm bergab geht mit unserem Land.

Leider hat er das aber nicht hingeschrieben, sondern stattdessen dies:

Im Geleitzug der Industrienationen sitzen wir nicht mehr wie früher in der Lokomotive, sondern endgültig im Bremserhäuschen.

Nein, Herr Henkel, ganz sicher sitzen wir nicht im Bremserhäuschen des Geleitzuges. Und eine Lokomotive gibt es nicht einmal. Ein Geleitzug hat nämlich mit einer Eisenbahn nichts zu tun. Es handelt sich um einen Konvoi von Schiffen.

Kurz korrigiert (15)

Wenn das, was Bild.de über „die größte Prostata der Welt“ schreibt, stimmen würde, wäre eine „Original“-Prostata ungefähr so groß wie ein Football. Ist sie aber nicht.

Mit Dank an Eric U. für den Hinweis.

Nachtrag, 14:45:
Auf der Website des Prostatamodells heißt es: „Der Maßstab beträgt etwa 20:1″. Stimmen kann allerdings auch das nicht.

Nachtrag, 21:10:
Der Mann mit dem Maßstab hat nochmal nachgemessen und bei Bild.de aus der 20-fachen Vergrößerung eine 200-fache gemacht.

Nachtrag, 28.9.2005:
Die Website des Prostata-Modells hat die falsche Maßstabsangabe inzwischen ersatzlos entfernt.

Von Katzen und erfinderischen Menschen

Jetzt müssen wir doch tatsächlich abermals auf diese „Bild“-Geschichte zurückkommen, wonach ein Erfinder angeblich „aus Katzen Benzin“ machen könne, obwohl seine Erfindung doch eigentlich aus Müll Diesel macht. Denn wie das NDR-Medienmagazin „Zapp“ gestern berichtete, hatte „Bild“ sich die Grusel-Story nicht etwa erst am 13. und 14. September für ihre Bundesausgabe ausgedacht, sondern bereits fünf Tage früher für die Leipziger Regionalausgabe. Und nicht nur das.

Der Artikel in „Bild“-Leipzig widerlegt nämlich die Behauptung eines „Bild“-Sprechers, die Berichterstattung habe doch nur zeigen sollen, dass Katzen-Kadaver „theoretisch“ zur Treibstoffgewinnung benutzt werden könnten. Denn unter der Überschrift „Aus toten Katzen mache ich Benzin“ (siehe Screenshot) hieß es dort ausdrücklich:

„Tüftler-Sachse kocht Kadaver aus, um dann mit dem Gebräu zu fahren.“

Und weiter im Text:

„In einem Kuhstall in Kleinhartmannsdorf kocht er tote Katzen aus.“

Wie „Bild“ auf solche Behauptungen kommt, ist unklar. „Zapp“ wurde offenbar jedes Interview verweigert, doch der Erfinder sagte dem Magazin:

„Der Redakteur war nie auf unserem Hof. Ich weiß nur von einem ganz kurzen Telefongespräch.“

Wirklich verwunderlich aber wird die ganze Angelegenheit dadurch, dass es „Bild“ selbst bewiesenermaßen besser weiß. Schließlich hatte einer der beiden „Bild“-Autoren, die sich die Sache mit der „Katzen-Kraft“ zusammenfantasierten, in der Chemnitz-Ausgabe schon früher einmal über den Erfinder berichtet — und zwar so:

Eine Wiederholung von „Zapp“ läuft am 23.9. um 15 Uhr auf 3sat.

Nachtrag, 28.9.2005:
Dem „Bild“-Ableger „Auto-Bild“ gelingt es in seiner aktuellen Ausgabe übrigens, die Diesel-aus-Müll-Erfindung auf einer Doppelseite und auf dem Cover korrekt (und ganz ohne Katzen) wiederzugeben.

Kurz korrigiert (14)

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet heute von einem angeblichen Plan der SPD, die Fraktionsgemeinschaft von CDU und CSU im Bundestag zu untersagen. Dann würde die SPD die größte Fraktion stellen. Und könnte daraus, unter anderem, das Recht ableiten, den nächsten Bundestagspräsidenten zu bestimmen…

…keineswegs aber den Bundespräsidenten, wie „Bild“ heute unter Bezug auf die „Süddeutsche“ schreibt.

Danke an Stephan L., Tommy S. und Jan I. für die Hinweise!

Nachtrag, 21 Uhr: Irgendwann im Laufe des Nachmittags hat der Demokratie-Beauftragte von Bild.de seinen Dienst angetreten und die Meldung korrigiert.

Knapp (Wahlkampf X)

Vielleicht hätte „Bild“ Hamburg am Montag gerne so etwas geschrieben wie:

Na, vielen Dank, liebe Leser. Wir haben Sie wirklich davor gewarnt, diesen Kommunisten und Penner Niels Annen zu wählen. In zwei riesigen Artikeln. Mit Überschriften wie: „Was bringt so einer im Bundestag?“. Und was machen Sie? Wählen den trotzdem! Wofür machen wir denn unsere Zeitung verdammtnochmal?

Aber sowas kann „Bild“ ja als „überparteiliche“ Zeitung nicht schreiben. Deshalb erschien in der Übersicht über die Ergebnisse in den einzelnen Wahlkreisen stattdessen folgender Text:

Schwere Schlappe für den Dauer-Studenten und linken Ex-Juso-Chef Niels Annen (32). Auch wenn er in Eimsbüttel einen knappen Sieg einfahren konnte: Er bescherte der Partei schlimme Verluste. 2002 hatte sie hier noch 51,3 % der Erststimmen geholt.

Richtig ist, dass Annen mehr Stimmen verlor als die anderen SPD-Kandidaten in Hamburg. Sein „knapper Sieg“ in Eimsbüttel besteht allerdings darin, dass Annen fast 16.500 Stimmen mehr bekam als der CDU-Kandidat und damit 11 Prozentpunkte vor ihm liegt. Und bei den Zweitstimmen liegt die SPD fast 14.400 Stimmen oder 9,8 Prozentpunkte vor der CDU.

Wenn es noch knapper geworden wäre, wäre es fast noch knapp geworden.

Vielen Dank an Fiete S. für den Hinweis und das Foto!

„Bild“ hat’s nicht gewusst

NICHT MAL DER KANZLER HAT’S GEWUSST!

So beginnt der Text zum heutigen Seite-1-Aufmacher in „Bild“.

Und so sieht der entsprechende Artikel auf Seite zwei aus:

Im Text selbst steht’s auch noch mal:

Nicht einmal der Kanzler war vorher eingeweiht.

Und bei Bild.de steht schon den ganzen Tag genau das Gleiche.

Das Gegenteil steht da allerdings auch — im Nachrichtenticker, einem kleinen Laufband am unteren Bildschirmrand:

Wenn man da drauf klickt, gelangt man zu diesem Text:

Außenminister Joschka Fischer (Grüne) hat Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) vorab über seinen am Dienstag erklärten Verzicht auf Parteiämter bei den Grünen informiert. Beide hätten sich am Montag zu einem einstündigen Gespräch im Kanzleramt getroffen, erklärte Regierungssprecher Béla Anda jetzt in Berlin. An dem Gespräch hätten nur Fischer und Schröder teilgenommen. Anda betonte, daß sich der Verzicht Fischers nur auf Parteiämter beschränke und nicht etwa Regierungsämter einschließe.

Dass Anda damit anders lautende Medienberichte dementierte, steht da zwar nicht, aber hier zum Beispiel.

Mit Dank an Peter K. und Boris S. für die Hinweise.
 
Nachtrag, 22.9., 1.10 Uhr:
Mittlerweile ist die oben zitierte Ticker-Meldung nicht mehr online.

Nachtrag, 22.9.2005, 10:03:
Dafür, dass der Kanzler schon vorab informiert war, sprechen auch seine Äußerungen in der von ARD und ZDF am Wahlabend ausgestrahlten „Berliner Runde“. Wie beispielsweise die „Welt“ am Dienstag dokumentierte, hatte Schröder bereits da von „den Nachfolgern von Herrn Fischer“ gesprochen.

Dinosauriersterben ohne Schaulustige

Forscher sicher! Durch ein Wurmloch geht

Um mal etwas Positives zu sagen: Diese Geschichte auf der heutigen Seite 1 von „Bild“ ist nicht ganz so unsinnig, wie man denken könnte. Natürlich müsste man den Ausruf „Forscher sicher!“ ersetzen durch: „Einzelne Forscher vermuten!“, und natürlich sind die Thesen des Princetoner Professors mit dem schönen Namen Richard Gott bestenfalls faszinierende Gedankenspiele und nicht konkrete Erwartungen. Aber richtig ist, dass der Forscher glaubt, es sei theoretisch möglich, Zeitreisen zu unternehmen, und Wurmlöcher könnten dabei als eine Art Abkürzung zwischen zeitlich oder räumlich weit entfernten Punkten dienen.

„Bild“ hat offenbar diesen Artikel in „National Geographic“ gelesen, daraus gleich ein Zitat von Professor Gott abgeschrieben und die Illustration übernommen (natürlich ohne den ursprünglichen Hinweis, dass es sich nicht um ein „Foto“ handelt, sondern um die Fantasie eines Künstlers).

Alles wäre nur ein bisschen übertrieben und abwegig und ungenau gewesen — wenn man sich bei „Bild“ nicht dazu entschieden hätte, die theoretischen Gedankenspiele mit ein bisschen Anschauung aufzupeppen. Und so beginnt der Artikel mit der Frage:

Können wir doch eines Tages in die Vergangenheit blicken und beobachten, wie vor 65 Millionen Jahren die Dinos ausstarben?

Und er endet mit der Antwort:

Wir bräuchten vielleicht nur Minuten, um 65 Millionen Lichtjahre im Wurmloch zurückzureisen und das Ende der Dinosaurier zu erleben.

Mal abgesehen davon, dass es nicht einen Moment gab, in dem es Poff machte und die Dinosaurier plötzlich alle tot waren. Und mal abgesehen davon, dass „Bild“ am Ende Lichtjahre (eine Entfernungseinheit) mit Jahren (einer Zeiteinheit) verwechselt. Wenn, sagen wir, in 100 Jahren eine Maschine erfunden würde, mit der die Menschen in die Vergangenheit reisen können, warum wimmelt es dann bei uns nicht von Menschen, die diese 100 Jahre zurück gereist sind? Weil sie alle unsere Gegenwart so langweilig fanden und stattdessen gerade schlangestehen vor den Dinosaurieren?

Richard Gott (der ohnehin Reisen in die Vergangenheit für weit unwahrscheinlicher hält als solche in die Zukunft) hat auf diese Frage eine Antwort:

Man kann nicht in eine Zeit reisen, in der noch keine Zeitmaschinen gebaut worden waren. Man kann keine Zeitmaschine benutzen, bevor sie existiert.

Und deshalb ist die ganze Dinosauriergeschichte in „Bild“ leider doch endgültig: Unsinn.

Danke an Jan B., Frank W. und Andreas G.

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