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„Bild“ als Bühne für rechte Esoterik

Erinnern Sie sich noch an Tom Hockemeyer alias Trutz Hardo? Wir schon: „Bild“ hatte den verurteilten Volksverhetzer im Mai dieses Jahres beschäftigt (wir berichteten). Hernach versuchte man sich bei „Bild“ auf vielfältige Weise herauszureden und veröffentlichte am 5. Juni eine „Klarstellung zu Trutz Hardo“, die immerhin mit dem Versprechen endete: „BILD wird nie wieder über diesen Mann berichten.“

Hat sie unseres Wissens auch nicht. Wirklich dazugelernt hat man bei „Bild“ aber offenbar nicht.

Denn heute berichtet „Bild“ über das Ehepaar Feistle („Reiner (45) und Karin (57) F.“). Ausdrücklich weist „Bild“ darauf hin, dass die beiden ein Buch geschrieben haben, das den Titel „Projekt Aldebaran“ trägt und im Verlag „Freier Falke“ erschienen ist. Die Feistles behaupten, sie seien von Außerirdischen entführt worden, und in ihrem Buch haben sie Berichte „anderer Betroffener“ gesammelt, so „Bild“. Außerdem wollen die Feistles sich von einem „Alien-Anwalt“ vertreten lassen, über den „Bild“ schon gestern berichtete.

Das klingt harmlos. Allerdings sind die Feistles in der Esoterikszene offenbar keine Unbekannten: Auf seiner Internetseite vertritt Reiner Feistle die These, dass sich während der 30er und 40er Jahre „die damaligen Köpfe des Nationalregimes, speziell die Vrilgesellschaft“ über das „Unternehmen Aldebaran“ „Gedanken gemacht“ hätten und auch „wußte, daß das deutsche Volk Abkömmlinge dieser Außerirdischen sind.“ Außerdem macht Feistle selbst sich so seine Gedanken über „die vier Grundtypen der Menschen, Schwarze, die nordische weiße Rasse, die Rothäutigen (Indianer), und die gelbe Rasse“.

Und schon 1997 erschien das Buch „Unternehmen Aldebaran“, in dem die Feistles über ihre eigene Entführung berichteten. Als Autor des Buches fungierte Jan van Helsing, der mit bürgerlichem Namen eigentlich Jan Udo Holey heißt. Holey ist Inhaber des „Ama Deus“ Verlags, in dem „Unternehmen Aldebaran“ erschien. Reiner und Karin Feistle werden vom „Ama Deus“ Verlag als Autoren geführt. Ebenso wie beispielsweise Stefan Erdmann.

Im Verfassungsschutzbericht 2004 (pdf) wird Jan van Helsing (bzw. Jan Udo Holey) als „rechtsextremistischer Esoteriker“ bezeichnet und maßgeblich dafür verantwortlich gemacht, dass „antisemitische Argumentationsmuster“ mittlerweile auch in „Teilbereichen der eigentlich unpolitischen Esoterik salonfähig geworden“ seien. Im gleichen Zusammenhang wird auch Stefan Erdmann im Verfassungsschutzbericht erwähnt.

Die Feistles tauchen nicht im Verfassungsschutzbericht 2004 auf. Dafür aber in einem Referat, das der Journalist und Historiker Stefan Meining im Jahr 2002 beim Thüringer Verfassungsschutz gehalten hat. Darin wird der „Ama Deus“ Verlag als einer „der wichtigsten Knotenpunkte der rechtsesoterischen Szene Deutschlands“ bezeichnet — und das Ehepaar Feistle als „Szenegrößen“. (Auf dieses Referat hatten wir übrigens schon vor einer guten Woche hingewiesen.)

Uns hätten diese Informationen ausgereicht, dem Ehepaar Feistle keine Plattform zu bieten, um ihr Buch zu bewerben.

Aber wir sind ja auch nicht „Bild“.

6 vor 9

Darf ich das bloggen? (spreeblick.de)
Da sich die Fälle häufen, in denen Blogger wegen Urheberrechtsverletzungen abgemahnt und zur Kasse gebeten werden, versuchen wir im Folgenden eine kleine Hilfestellung zu geben: Was darf man als Blogger und was darf man nicht?

Jeder Fehltritt landet im Netz (spiegel.de)
Aggressive Blogger krempeln mit Hilfe von „YouTube“ und „MySpace“ den US-Wahlkampf um. Ausrutscher von Kandidaten kursieren oft Minuten später als Videos im Web – ebenso schnell können sie politische Karrieren ramponieren.

Wenn Datenschutz zum Fremdwort wird (heute.de)
Risiken und Chancen des Internets im Jahr 2020.

Aus Mangel an Vorstellungsvermögen (nzz.ch)
Den amerikanischen Medien fiel es lange schwer, kritisch über die Behandlung von Terrorverdächtigen durch die US-Regierung zu berichten. Ein Fachartikel analysiert nun das Versagen.

Leserreporter (sz-magazin.sueddeutsche.de)
Seit der Tsunami-Katastrophe Ende 2004 haben Fotos und Videoaufnahmen von zufällig anwesenden Passanten ihren festen Platz in der Berichterstattung professioneller Medien. Einfache Handhabung und rascher Datentransfer machen aus jedem Fotohandy- oder Digitalkamera-Besitzer einen potenziellen Reporter.

Das Netz als Volksempfänger (sueddeutsche.de)
Die Öffentlichkeit erschrickt immer wieder erneut, wenn sie auf nazistische Internetseiten aufmerksam wird. Doch Neonazis zählen seit je zur Avantgarde der Netzaktivisten, die längst gelernt haben, das Web als Vehikel für ihre Propaganda zu missbrauchen. Hier ist der historische Abriss.

Kurz korrigiert (268)

Heute gab es keine Korrekturspalte in „Bild“.

Und wir hätten gedacht, die „Bild“-Zeitung berichtigt wenigstens ihren Kolumnisten Hugo Müller-Vogg, der gestern aus dem Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin einen Theo gemacht hat.

Danke an Karim A.!

Nachtrag, 6.10.2006: Immerhin hat Bild.de Müller-Voggs Fehler jetzt offenbar korrigiert.

Nachtrag, 10.10.2006: Und heute hat „Bild“ mit der Berichtigung des Fehlers vom 4.10. dann doch noch die eigene Korrekturspalte gefüllt.

Bild.de erfindet intelligente Pressemitteilung

Heute lernen wir, wie man aus einer Pressemitteilung einen Bild.de-Artikel macht. Man nehme eine Pressemitteilung, kürze sie ein bisschen, füge das ein oder andere Anführungszeichen, „soll“ und „angeblich“ ein — fertig!

Pressemitteilung Bild.de
Ritex erfindet “intelligentes“ Kondom Neue Erfindung: Eins für alle — das „intelligente Kondom“
Das „intelligente“ Kondom hat jetzt das Unternehmen Ritex aus Bielefeld erfunden. Es kommt nicht auf die Größe an – das behauptet jedenfalls ein Bielefelder Kondom-Hersteller. Die Firma will nämlich das „intelligente Kondom“ erfunden haben.
Das neue Produkt des Kondomherstellers ist in der Lage, sich perfekt an jede Penis-Form und -Größe anzupassen, ohne zu beengen. Laut Hersteller passt es sich perfekt an die Anatomie seines Trägers an.
„Möglich macht das die Unterteilung des Kondoms in drei Zonen“, erklärt Ritex-Geschäftsführer Hans-Roland Richter. Ritex-Geschäftsführer Hans-Roland Richter: „Möglich macht das die Unterteilung des Kondoms in drei Zonen.“
Im vorderen Teil des Kondoms haben die Ritex-Entwickler eine Volumenzone herausgearbeitet. Da das Kondom hier mehr Platz bietet, entsteht ein intensiveres und natürlicheres Gefühl, als bei herkömmlichen Kondomen. Im vorderen Teil des Verhüterlis haben die Entwickler eine so genannte Volumenzone herausgearbeitet. Hier soll das Kondom mehr Platz bieten, ein „intensiveres und natürlicheres Gefühl“ entstehen.
In der Mitte sorgt die Sicherheitszone für einen perfekten Sitz. Das verhindert ein Abrutschen des Kondoms. In der Mitte soll die Sicherheitszone für einen perfekten Sitz sorgen, ein Abrutschen des Kondoms verhindern.
Zum offenen Ende hin vergrößert sich dann der Durchmesser kontinuierlich, so daß das Abrollen über den Penis fast wie von selbst geht. Zum offenen Ende hin vergrößert sich dann der Durchmesser so, dass laut Hersteller das Abrollen über den Penis „fast wie von selbst“ geht.
Die besondere Noppen- und Rippenstruktur wirkt extra stimulierend. Die Kondome zeichnen sich durch eine sehr hohe Elastizität aus. Dabei sind sie mit rund 0,07 Millimetern hauchzart – ungefähr sechsmal dünner als die menschliche Haut. Extra stimulierend: die besondere Noppen- und Rippenstruktur. Der Gummi ist gerade mal 0,07 Millimetern stark — ungefähr sechsmal dünner als die menschliche Haut.

 
Na, war doch leicht, oder?

Gut, man könnte jetzt noch fragen, ob „intelligent“ für dieses Produkt (und sei es noch so praktisch) wirklich eine treffende Beschreibung ist. Oder was an diesen „neu erfundenen“ drei Zonen so sensationell ist, wenn zum Beispiel längst das wahrscheinlich bekannteste Kondom eines führenden Kondomherstellers vorne weit, in der Mitte enger und am Ende wieder weit ist — also sozusagen drei Zonen hat. Und man könnte auch fragen, ob diese „gerade mal 0,07 Millimeter“ wirklich so bemerkenswert sind, wenn die Stiftung Warentest bei ihrem Kondomtest 2004 schon schrieb: „Üblich sind heute 0,04 bis 0,08 Millimeter Wandstärke.“

Aber fragte man all das, wäre ja die Pressemitteilung nicht wiederzuerkennen!

Danke an Andreas U.!

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Schönheitschirurg lässt Nase laufen

"Polizei sucht diesen Busen"

Um die Geschichte, die die „Bild“-Autoren Attila Albert und Daniel Cremer da aufgeschrieben haben, mal kurz zusammenzufassen: Der Schönheits-Chirurg Michael A. König sagt, dass vier seiner Patientinnen ihre Schönheits-Operationen nicht bezahlt haben. Und er hat „Bild“ Fotos von Busen und Nase zweier Patientinnen zur Verfügung gestellt. „Bild“ behauptet:

Es sind die wohl ungewöhnlichsten Fahndungsbilder, die Ermittlern je untergekommen sind. Nackte Brüste und eine wohlgeformte Nase — von Frauen, die ihre Rechnung beim Schönheits-Chirurgen nicht bezahlt haben!

Nein, es sind nicht „die wohl ungewöhnlichsten Fahndungsbilder, die Ermittlern je untergekommen sind“. Es sind überhaupt keine „Fahndungsbilder“.

Und dass „Bild“ Unsinn schreibt, erkennt man schon daran, dass Busen- und Nasen-Foto vor den Operationen aufgenommen wurden. Beim Busen steht das sogar so in der Bildunterzeile. Zur Nase (siehe Ausriss) aber schreibt „Bild“:

Nicht bezahlt: Die neue Nase von „Silke“ (23) aus Köln.

Im Text heißt es hingegen über „Silke“:

Sie verschwand vor der Wundversorgung — mitsamt der Tamponaden in ihrer Nase.

Soweit das.

„Bild“-Artikel und „Bild“-Überschrift sind aber auch noch in anderer Hinsicht völliger Unsinn: Die Polizei sucht „diesen Busen“ überhaupt nicht (obwohl „Bild“ das am Ende des Textes sogar nochmal behauptet und schreibt, der Chirurg habe „jetzt die Polizei eingeschaltet“). Ein Sprecher der Kölner Polizei sagt uns, von einer Anzeige in dieser Sache sei ihm nichts bekannt, das Betrugsdezernat jedenfalls sei nicht mit dem Fall befasst. Und der betroffene Chirurg Michael A. König teilt uns auf Nachfrage mit:

Wir haben uns entschieden, keine Anzeigen zu erstatten.

Mit Dank an Jasper K. für den sachdienlichen Hinweis.

Nachtrag, 6.10.2006: Auch die „Main-Post“ berichtet übrigens über Michael A. Königs „Busen-Fahndung per Bild-Zeitung“.

Mit Dank an Jochen S.

6 vor 9

Die Amateure kommen (telepolis.de)
Bürgerjournalismus ist unter Medienprofis umstritten und legt zugleich Mängel des Medienbetriebes offen.

Du knipst – ich verdiene (spiegel.de)
Andere arbeiten lassen und möglichst wenig dafür bezahlen: Diesem Prinzip folgen inzwischen mehrere deutsche Printmedien. Hobby-Knipser liefern gegen Honorar oder gar kostenlos Bilder zu – und machen so klaglos mit bei der Entwertung professioneller Arbeit.

„Teenager bleiben auf MySpace unter sich“ (futurezone.orf.at)
Die Mediensoziologin Danah Boyd setzt sich in ihrer Forschungsarbeit mit sozialen Netzwerken auseinander. ORF.at hat mit ihr über den Reiz von MySpace für Teenager, 14-Jährige, die Porno-Divas verehren, und Zugangsbeschränkungen für Online-Communitys gesprochen.

Schöne neue Welt (faz.net)
Der „Telegraph“ muß als das britische Blatt mit der ältesten Leserschaft die stockkonservative Rentnergruppe bedienen. Nun wagt die Zeitung die Flucht nach vorn – und will digitaler Marktführer im Nachrichtenwesen werden.

Macht und Machtkämpfe in der WOZ (woz.ch)
Wie überlebt man die WOZ? Wie laufen Intrigen und Machtkämpfe? Wie schafft man Ideen durch Sitzungen? Wie reisst man Projekte an? Wie überlebt man die Saurier, die einen sonderbarerweise eingestellt haben? Wie scheitert man? Eine Beichte.

Ingridiskret (weltwoche.ch)
Vom PR-Büro direkt auf Sendung: 5 vor 12 für „10 nach 10„?

Knicken und Kuschen auf Biegen und Brechen

"So knicken wir schon vor dem Islam ein!"

Gibt es wirklich „immer mehr Beispiele dafür, wie wir vor dem Islam kuschen“? „Bild“ behauptete das am vergangenen Freitag — und trug immerhin zehn „Beispiele“ zusammen, die die Behauptung belegen sollen. Mindestens drei davon belegen allerdings etwas ganz anderes.

Das „Beispiel“ mit dem Muezzin der Moschee in Dillenburg zum Beispiel, dem ein Gericht „das Recht“ gab, die Gemeinde „per Lautsprecher zum Gebet zu rufen“, belegt irgendein Geknicke und Gekusche nämlich nur bedingt. Ohne näher auf die Einzelheiten dieses Streits einzugehen: Er wurde schon vor vier Jahren beigelegt — und zwar nicht durch die Entscheidung des Verwaltungsgerichts, wie uns der Bürgermeister Dillenburgs, Michael Lotz, erklärt. Vielmehr hatte die muslimische Gemeinde damals signalisiert, von ihrem Recht auf den Gebetsruf per Lautsprecher keinen Gebrauch zu machen. Und tatsächlich hat sie das auch nie. Der Vorsitzende der Moschee in Dillenburg, Babaoglu Cengiz, sagt uns:

Der Lautsprecher wurde noch nie benutzt.

Im Übrigen bezeichnen beide das Verhältnis von muslimischer Gemeinde und Stadtverwaltung als gut.

Ein anderes „Beispiel“ von „Bild“ betrifft den Baustopp für die Sehitlik-Moschee im Berliner Stadtteil Neukölln. Der sei aufgehoben worden, „obwohl die beiden Minarette jeweils 8,5 Meter und die Kuppel fünf Meter höher waren als in der Baugenehmigung bewilligt“. „Bild“ erwähnt allerdings nicht, dass ein Strafgeld verhängt wurde, das laut Baustadträtin Stefanie Vogelsang (CDU) das höchste sei, „das es je in Neukölln gab“, wie sie im August der „FAZ“ sagte. Und im November 2003 schrieb die „Welt“ zur Verhängung des Bußgelds:

Aus der Sicht von Baustadträtin Stefanie Vogelsang (CDU) ein ganz normaler Vorgang. Reihenweise geschehe dies im Bezirk. Ein Abriss der Moschee sei nicht verhältnismäßig. Denn ihre jetzige Höhe verstoße nicht gegen das Baurecht, sondern nur gegen die eigentliche Erlaubnis. Eine Nachtragsgenehmigung werde bald erteilt.

Eines der angeblichen „Beispiele“ taucht sogar schon in der „Bild“-Überschrift auf: „Weihnachtsparty abgesagt“. Im Text heißt es dazu:

In der Heinrich-Heine-Oberschule in Neukölln fiel eine christliche Weihnachtsfeier aus Rücksicht auf die vielen muslimischen Schüler aus.

Nun ja, laut Schulleiterin Cordula Heckmann ist der Anteil musilimischer Schüler tatsächlich so hoch, dass eine christliche Weihnachtsfeier niemals in Erwägung gezogen worden sei. Zur vermeintlichen Absage sagt Heckmann entsprechend:

Das ist totaler Quatsch. Wir haben nie eine Weihnachtsfeier angesagt, deshalb können wir auch keine absagen.

Mit besonderem Dank an Bernd K. für seine Recherche.

Hoffentlich ist es wenigstens Jette Joop

Jette Joop hat für „Bild“ bei der Modenschau ihres Vaters Wolfgang fotografiert. Wie zum Beweis zeigt „Bild“ ein Foto, auf dem Jette Joop sich scheinbar selbst fotografiert. Der Bildtext allerdings wirft Fragen auf:

Warum gibt „Bild“ an, dass es sich bei Jette Joops Kamera um eine „‚Olympus FE-190‘ (6,0 Mio. Pixel)“ handelt?

Vor allem aber:

Warum gibt „Bild“ an, dass es sich bei Jette Joops Kamera um eine „‚Olympus FE-190‘ (6,0 Mio. Pixel)“ handelt, wenn es sich bei der Kamera in Jette Joops Hand gar nicht um eine Olympus FE-190 (6,0 Mio. Pixel) handelt, sondern um eine Canon Digital Ixus 430 (4,0 Mio. Pixel)?

Danke an Till R. für den Hinweis!

Zur Erinnerung: „Bild“ findet Sexualstraftäter sexy

Weil der Boygroup-Sänger Nick Carter offenbar in einer Radiosendung behauptet hat, eine sexuelle Beziehung zu Debra Lafave gehabt zu haben, schreibt Claudia Haj Ali* Bild.de heute über Lafave:

Zur Erinnerung: Der Fall der schönen Sex-Lehrerin schockte 2005 ganz Amerika. Die damals 25-Jährige hatte eine Liebes-Beziehung zu einem ihrer Schüler. Sie trieben es auf dem Pult und im Auto. Die Anklage wegen sexuellen Missbrauchs endete für Lafave mit einem milden Urteil. Die Staatsanwälte ließen die Klage fallen – aus Sorge um die Privatsphäre des minderjährigen Opfers.

Das allerdings ist grob irreführend und teilweise falsch.

Zur Erinnerung: Der Fall Debra Lafave sorgte bereits 2004 für Schlagzeilen — auch in „Bild“. Schon damals beurteilte das Blatt Sexualstraftaten bekanntermaßen anders, wenn die Verdächtigen gut aussahen. Und „Bild“ fand (statt „Knaben-“ oder „Kinderschänderin“ in vergleichbaren Fällen) Bezeichnungen wie „schöne Sex-Lehrerin“, „Blondine“ oder „Verführungsbiest“ angemessen. Und auch heute hat Bild.de wieder kein Problem damit, sexuellen Missbrauch** als „Liebes-Beziehung“ zu verharmlosen.

Aber das ist noch nicht alles: Denn wie bereits im März berichtigt berichtet, ließen die Staatsanwälte damals nur eine zweite (!) Klage fallen. Und auch sonst können wir uns bloß wiederholen: Lafaves Verurteilung als „sexual offender“ (auf deutsch: Sexualstraftäterin) ist nach wie vor ohne Einschränkung rechtskräftig, ob’s „Bild“ passt oder nicht.

Mit Dank an Michael K.

*) Nachtrag, 5.10.2006: Bedauerlicherweise ist uns ein Fehler unterlaufen. Autorin des oben zitierten Absatzes („Zur Erinnerung: ….“) ist offenbar nicht Claudia Haj Ali. Die „Bild“-Autorin hatte in der gestrigen Print-Ausgabe unter der Überschrift „Nick Carter: Sex-Lehrerin machte mich zum Mann“ einen wesentlich kürzeren Text über „Amerikas berühmt-berüchtigte Sex-Lehrerin Debra LaFave (25)“ verfasst. Die Fehler in der Bild.de-Version derselben Nachricht stammen, wie uns die Autorin mitteilt, nicht von ihr. Wir bitten um Entschuldigung!

**) Klarstellung, 27.10.2006 (mit Dank an Johannes L.): Bild.de verwendet im Zusammenhang mit dem Fall Lavafe wiederholt den Begriff „sexueller Missbrauch“ und bezeichnet diesen u.a. als „Liebes-Beziehung“. Der Begriff „sexueller Missbrauch“ ist hier allerdings missverständlich: Verurteilt wurde Lavafe wegen „lewd and lascivious behavior“.

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