Die hohe Kunst der Desinformation

Dirk Hoeren, bei „Bild“ für Renten-Lügen zuständig, demonstriert heute auf Seite 1 des Blattes die hohe Kunst der Desinformation. Unter der Überschrift „8377 Euro! Luxus-Pension für Bundestags-Präsidenten“ schreibt er:

Gestern abend Spitzengespräch bei Bundestagspräsident Norbert Lammert (57/CDU, Foto) über die Neuordnung der Diäten und Pensionen für Abgeordnete. Lammert selbst hat ab 2009 einen Pensions-Anspruch von 8377,50 Euro.

Der erste Satz ist korrekt. Der zweite Satz ist korrekt. Schreibt man beide so hintereinander, entsteht ein Eindruck, der vollständig falsch ist. Der sich aber zufällig genau mit dem Eindruck deckt, den die „Bild“-Zeitung seit mehreren Tagen in einer Kampagne gegen Lammert zu erwecken versucht.

Richtig ist, dass Lammert gestern mit den Fraktionschefs darüber sprach, wie die Diäten und Pensionen der Bundestagsabgeordneten geregelt werden sollen. Er machte bei dieser Gelegenheit auch eigene Vorschläge. Den Zorn der „Bild“-Zeitung hatte sich Lammert nicht zuletzt dadurch zugezogen, dass er darauf bestand, diese Vorschläge zuerst mit den gewählten Volksvertretern zu besprechen und nicht zuerst mit dem selbsterklärten „LEITMEDIUM“ der Republik.

Richtig ist vermutlich auch (wir haben das nicht überprüft), dass Lammert ab 2009 einen Anspruch auf mehrere Tausend Euro Pension haben könnte. Das kann man, wenn man weiß, wie es geht, immer schon selbst ausrechnen. Die Zahl als solche ist also keine Neuigkeit. Im Gegenteil: Sie stimmt nur, wenn die jetzige Pensions-Regelung beibehalten wird. Thema des Gesprächs bei Lammert war aber ja gerade die umstrittene Frage, ob diese Regelung beibehalten werden soll.

„Bild“-Redakteur Dirk Hoeren montiert die beiden bekannten und korrekten Tatsachen geschickt so, dass es aussieht, als sei die „Luxus-Pension“ von Lammert ein Ergebnis des Spitzengesprächs bei Lammert. Das ist grober Unfug.

Was „Bild“ unter „Enthüllung“ versteht

Um Werbung für die aktuelle Ausgabe der „GesundheitsBILD“ zu machen, ist man sich bei „Bild“ nicht mal zu schade, auf ihrer Titelseite über einen redaktionellen Text, der offensichtlich nur Informationen aus einer viereinhalb Monate alten Pressemitteilung wiederkäut, ganz ungeniert die Worte „GesundheitsBILD enthüllt“ zu schreiben.

Mit Dank an Nikolai S. für den Hinweis.

Symbolfoto XXXV

Studentinnen der Uni Leipzig haben sich nackt für den „Studentenkalender Leipzig SS 2006″ fotografieren lassen. Warum Bild.de den Teaser zum dazugehörigen Artikel (siehe Ausriss) allerdings ausgerechnet mit einer Fotografie aus einem „Studienjahreskalender“ des Studienjahres 2004/2005 der Uni Bamberg illustriert, weiß wohl nur Bild.de.

Mit Dank an Nico A. für den Hinweis.

Kurz korrigiert (80 – 83)

Nachdem gestern zunächst Bild.de sinnentstellend über den tragischen Tod eines 14-Jährigen berichtet hatte, berichtet heute natürlich auch „Bild“. Und vielleicht sollte man an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen, was am Ende der Polizeimeldung steht, auf der beide Artikel im Kern beruhen. Dort heißt es:

Eine Bitte an alle Medienvertreter:
Die Eltern des Jungen haben sich hier gemeldet und erklärt, dass sie keine Medienkontakte wünschen. Wir bitten alle Journalisten, diesen Wunsch zu respektieren.“

Und sagen wir’s so: „Bild“ hat diesen Wunsch bislang offenbar respektiert. Zumindest finden sich in der Berichterstattung keine O-Töne o.ä. der Eltern. Stattdessen nennt „Bild“ mehrfach den Vornamen ihres Kindes, veröffentlicht ein (immerhin unkenntlich gemachtes) Foto des Jungen sowie ein Foto des Elternhauses und hat für magere 75 Zeilen Text fast eine gesamte Zeitungsseite freigeräumt (siehe Ausriss). Die Zeilen 11 bis 28 beispielsweise lauten:

„Sonnabend nachmittag: Der Gymnasiast und Sohn zweier Sozialpädagogen wollte neue Zinnfiguren für sein Lieblings-Game ‚Warhammer 4000′ haben. Ein populäres Brettspiel, in dem sich Elfen, Vampire und die schrecklichen Orks bekämpfen.

Der Schüler ging in ein Spielwarengeschäft, streifte durch die Regale und malte sich in Gedanken aus, mit welchen Feen und Drachen er die nächste Schlacht gewinnen würde.“

Doch wer sich hier was in Gedanken ausmalte, lassen wir mal dahingestellt — zumal das Spiel nicht „Warhammer 4000″, sondern „Warhammer 40.000″ heißt, kein „Brettspiel“, sondern ein sog. Tabletop ist, und mit „Feen“, „Drachen“ & Co. recht wenig zu tun hat, wie uns Eingeweihte versichern. Um’s mit den Worten unseres Lesers Carsten E. zu sagen:

„Zugegeben, das muss man nicht wissen. Aber man sollte es dann auch nicht einfach mal so hinschreiben.“

Und apropos einfach mal so hinschreiben: „Bild“ schreibt weiter, der 14-Jährige sei „laut Gesetz (…) noch ein Kind“, was immerhin die Frage aufwirft, welches Gesetz „Bild“ da gemeint haben könnte. §19 StGB? §176 StGB? §1 JGG? §7 KJHG? §2 JArbSchG?! Um’s mit den Worten von „Bild“ zu sagen:

„Niemand weiß es.“

Mit Dank an Oliver M., Sebastian R., Jan G., Timm B., Markus S., Johannes T., Peter T., Oliver B., Stefan S., Vincent I., Mango_Jerry, Carsten E., Torsten R., Christian G., Alexander R. und Thomas G.

„Bild“ rächt sich am Bundestagspräsidenten

Die „Bild“-Zeitung arbeitet in diesen Tagen offenbar gezielt daran, das Ansehen von Bundestagspräsident Norbert Lammert zu beschädigen. Begonnen hat sie damit exakt zu dem Zeitpunkt, als sich Lammert weigerte, in einem von „Bild“ gewünschtem Sinne auf von „Bild“ gestellte Fragen zu antworten.

Sicher wäre es falsch, das Vorgehen von „Bild“ im juristischen Sinne als „Erpressung“ zu bezeichnen. Es ist eher so, dass die „Bild“-Zeitung demonstriert, über welche Mittel sie verfügt, um Politikern und anderen Menschen, die nicht bereit sind, sich auf ihre Spielregeln einzulassen, das Leben schwer zu machen.

Die „Bild“-Zeitung greift dazu nicht zu eindeutigen Lügen. Sie verkürzt Tatsachen nur, stellt abwegige Zusammenhänge her, spekuliert vielsagend und führt ihre Leser in die Irre. Die Wahrheit bleibt dabei auf der Strecke.

Es ist mühsam, all die Kleinigkeiten geradezurücken, die die „Bild“-Zeitung in ihrer Kampagne gegen Lammert schief darstellt. Aber da müssen wir jetzt durch.


Am Samstag enthüllte „Bild“ (in einigen Ausgaben als Aufmacher auf dem Titel) scheinbar, dass Lammert einen Nebenjob für 25.000 Euro hat. Und geschickt ist schon, wie „Bild“ immer das Monatseinkommen als Bundestagspräsident dem Jahreseinkommen durch den Aufsichtsratsposten bei der Ruhrkohle AG (RAG) gegenüberstellt und dadurch die zweite Zahl größer erscheinen lässt, als sie ist:

14 018 Euro/Monat erhält er für den politischen Spitzenjob. Jetzt wird bekannt: Zusätzlich kassiert Lammert als Aufsichtsrat des Essener Kohle-Konzerns RAG 25 000 Euro/Jahr!

Das wird „jetzt“ bekannt? Nun ja: Dass Lammert als Aufsichtsrat für die RAG arbeitet, ist so lange bekannt, wie er es macht. Es lässt sich u.a. auf den Internetseiten sowohl der RAG als auch des Deutschen Bundestages nachlesen. Der genaue Betrag von 25.000 Euro scheint öffentlich zwar noch nicht genannt worden. Aber die Größenordnung war klar: Laut RAG-Geschäftsbericht 2004 beliefen sich „die Aufwendungen für die Vergütung des Aufsichtsrats auf 672.214,25 €“ — bei 21 Aufsichtsratsmitgliedern und der Annahme, dass die Vorsitzenden etwas mehr bekommen, hätte man Lammerts Anteil annähernd korrekt schätzen können. Im Zusammenhang mit Lammerts Vorgängerin im Aufsichtsrat, Anke Fuchs, schrieb „Bild“ schon am 20. September 1995: „Ein Aufsichtsratsposten bringt nicht unter 20 000 Mark, bisweilen bis zu 100 000 Mark im Jahr.“

„Bild“ fragt weiter:

Der Parlamentspräsident als Aufseher eines Großkonzerns — geht das überhaupt?

Rein rechtlich schon. Den Job hatte Lammert schon vor seiner Wahl zum Parlamentspräsidenten…

Das ist, wie so vieles, korrekt und doch nicht treffend. Als Lammert den Job antrat, war er nämlich schon Bundestags-Vize-Präsident. Der Eindruck, er habe den Aufsichtsratsposten noch aus einer Zeit, als er im Bundestag noch nicht in verantwortlicher Position war, und weigere sich seitdem, ihn aufzugeben, ist also falsch.

Weiter schreibt „Bild“:

Den Job hatte Lammert (…) auch offiziell bei Amtsvorgänger Thierse angemeldet. Aber: Nach den neuen Bestimmungen müßte Lammert, wie alle Bundestagsabgeordneten mit einem Nebenjob, Angaben über die Einnahmen daraus veröffentlichen.

Doch die entsprechende Regelung hat Lammert in seiner Funktion als Bundestagspräsident vorerst auf Eis gelegt.

Das „Aber“ im zweiten Satz ist ohne Sinn. „Bild“ versucht einen Zusammenhang zu konstruieren zwischen den Nebeneinkünften Lammerts und seinem Beschluss, die Nebeneinkünfte von Bundestagsabgeordneten aufgrund eines laufenden Verfahrens vorerst nicht zu veröffentlichen. Worin dieser Zusammenhang bestehen soll, lässt „Bild“ offen. Denn ganz unabhängig von der Veröffentlichungspflicht war Lammerts Tätigkeit, wie gesagt, bekannt und die Größenordnung der Vergütung auch. Und nach der neuen Regelung, die derzeit auf Eis liegt, müsste er auch keine genaue Zahl angeben, sondern nur, dass er von der RAG im Monat zwischen 1000 und 3500 Euro bekommt.

Weil Lammert angibt, die Vergütung für seinen Aufsichtsratsposten einer „gemeinnützigen Stiftung“ zugute kommen zu lassen, beschäftigt sich „Bild“ heute mit der Frage, ob es sich dabei vielleicht um die von Norbert Lammert gegründete „Norbert-Lammert-Stiftung“ handele. „Bild“ kennt zwar die Antwort nicht, findet es aber „merkwürdig“, dass Lammert das nicht ausdrücklich ausschließen, sondern gar nichts dazu sagen will. „Bild“ schreibt:

Das ist das gute Recht des Bundestagspräsidenten!

Aber er hätte ausschließen können, daß die Spende oder Teile davon an die beiden Stiftungen gehen, in denen er Führungsfunktionen inne hat. Damit hätte er möglichen Spekulationen die Grundlage entzogen, Lammert spende an Lammert …

Da scheint wieder die alte „Bild“-Logik durch, die schon gegenüber Joschka Fischer und Jürgen Klinsmann galt: Wer nicht ausdrücklich die „Bild“-Unterstellungen gerade rückt, muss damit leben, dass „Bild“ sie als wahr annimmt.

Auf geschickte und perfide Weise bringt „Bild“ die „möglichen Spekulationen“ überhaupt erst selbst in die Welt und tut so, als wäre es anrüchig, wenn Lammert wirklich für seine eigene Stiftung spendete. Das ist grob irreführend. Denn selbst wenn, würde das nicht bedeuten: „Lammert spendet an Lammert“. Die Mittel würden nicht Lammert zugute kommen, sondern ausschließlich gemeinnützigen Zwecken („Bild“ selbst spricht von Projekten in Vietnam und Bolivien). Lammert könnte allenfalls entscheiden, für welche Zwecke das Geld eingesetzt wird. Aber das kann er ja ohnehin schon: Es ist sein Geld, das er völlig legal für seine Aufsichtsratstätigkeit von der RAG bekommt. Für welchen gemeinnützigen Zweck er es ausgibt, ist so oder so seine Entscheidung. Wenn Norbert Lammert das Geld der Norbert-Lammert-Stiftung spendet, ist daran nichts Anrüchiges. Klingt merkwürdig, ist aber so.

Schließlich fragt „Bild“ den Bundestagspräsidenten heute: „Warum hat keiner ihrer Vorgänger eine derart hochdotierte Nebentätigkeit ausgeübt?“ Interessante Frage. Gegenfrage: Welches Amt hatte Anke Fuchs über viele Jahre inne, während sie die exakt selbe hochdotierte Nebentätigkeit wie Lammert ausübte? Sie war Bundestags-Vize-Präsidentin.

Danke an Lukas L. und Harald L.!

Allgemein  

Einmal Raser, immer Raser

Vermutlich werden wir nie genau erfahren, was sich am 8. Juni 2005 spät abends auf der Augsburger Straße kurz vor Dachau ereignet hat. Warum die Schauspielerin Julia Palmer-Stoll das Risiko einging, ihren Wagen zu verlassen, um in der Nacht einen Igel von der Gegenfahrbahn zu retten. Warum der Fahrer eines anderen Fahrzeuges nicht bremste, obwohl er die Frau auf der Straße hätte knien sehen müssen, sie erfasste, viele Meter mitschleifte und tödlich verletzte.

Es gibt aber ein Gutachten im Auftrag der Staatsanwaltschaft, das zum Ergebnis kam, dass der Unfallfahrer sich an die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h gehalten hat. Auf diesem Gutachten basiert auch ein Strafbefehl, wonach der Fahrer 150 Tagessätze zu je 50 Euro zahlen soll: Gerade weil er nicht schneller fuhr als erlaubt, hätte er bremsen können. Beim Strafmaß ist auch eine Mitschuld von Julia Palmer-Stoll berücksichtigt.

Die „Bild“-Zeitung hält die Strafe für zu niedrig. Das steht ihr zu.

Schon am 22. Dezember 2005 behauptete „Bild“ unsinnigerweise, der Strafbefehl bedeute, dass das Leben der Schauspielerin „nur 7500 Euro wert“ gewesen sei. Gestern schrieb das Blatt, ihr Tod sei noch nicht „gesühnt“. In beiden Artikeln verschwieg die „Bild“-Zeitung, was sie am 14. Oktober 2005 noch wusste: „daß sich der Unfallfahrer an die vorgeschriebene Geschwindigkeit (50 km/h) hielt“. Stattdessen nannte sie ihn am 22. Dezember:

Raser

und gestern:

Todesraser

Das steht „Bild“ nicht zu.

Ungeprüft übernommen (3)

Die Tatsache, dass der FDP-Bundesvorsitzende Guido Westerwelle am vergangenen Mittwoch „gleich in zwei Meldungen der Nachrichtenagentur AP zum ‚FDP-Generalsekretär‘ degradiert wurde“, schaffte es am vergangenen Freitag in der „Top 10 der Woche“ des „Bild“-Kolumnisten Mainhardt Graf Nayhauß als „ärgerlichste Herabwürdigung“ immerhin auf Platz 3.

Und mal abgesehen davon, dass der falsche „Generalsekretär“ ursprünglich nicht von AP, sondern von der „Stuttgarter Zeitung“ stammen könnte, die den Fehler jedenfalls bereits am Mittwochnachmittag öffentlich berichtigt hatte, steht das, was „Bild“-Mann Nayhauß als „ärgerlichste Herabwürdigung“ bezeichnet, ungeprüft übernommen und bis heute unkorrigiert bei Handelsblatt.com zum Beispiel…

… und, wer hätt’s gedacht, natürlich in der so genannten „multimedialen Erweiterung von BILD“.

Nachtrag, 21.40 Uhr: Vier Tage nach der ursprünglichen Veröffentlichung, zwei Tage nach Nayhauß‘ Kolumne und keine zwei Stunden, nachdem wir darauf aufmerksam gemacht haben, hat Bild.de den „FDP-Generalsekretär“ in „FDP-Chef“ korrigiert.

Bild.de dementiert sich selbst und die „BamS“

Bekanntlich kann man Journalismus ja auch als eine Art Fakten-Bingo betreiben. Und in ein und demselben Text unter der Überschrift „14jähriger stürzt sich vom Balkon in die Tiefe“ zu behaupten, der 14-Jährige sei „vom Balkon der elterlichen Wohnung“ und „aus dem Fenster seines Zimmers“ gesprungen, wie Bild.de das tut, erhöht immerhin die Chancen, dass wenigstens eine der beiden Versionen stimmt (laut Polizei übrigens letztere).

Noch präziser wird Bild.de allerdings bei der Übernahme einer aktuellen, exklusiven „BamS-Umfrage unter Bundesliga-Torhütern“, ob Oliver Kahn oder Jens Lehmann wohl der bessere deutsche WM-Torwart wäre*. Denn über Nürnbergs Keeper Raphael Schäfer heißt es bei Bild.de zunächst:

„Nur Nürnbergs Keeper Raphael Schäfer votiert für Lehmann: ‚Ich würde mich für ihn entscheiden.'“
(Hervorhebung von uns.)

Andererseits wird er bei Bild.de aber auch mit den Worten zitiert:

„Schäfer (Nürnberg): Ich bin für Kahn. Er war die Nummer eins und hat sich nichts zu schulden kommen lassen“
(Hervorhebung von uns.)

Und das ist insbesondere deshalb merkwürdig, weil Schäfer in der „BamS“ folgendes, vielleicht sinnvollere, aber komplett andere Zitat zugeschrieben wird:

„(…) Wenn man den moderneren Fußball spielen möchte, ist Lehmann der bessere Kandidat.“

*) So richtig einleuchtend ist aber die eigentliche „BamS“-Auswertung der Umfrage ohnehin nicht. Schließlich heißt es dort zwar, das Ergebnis sei „eindeutig“, weil „die Mehrheit“ der befragten „18 Bundesliga-Torhüter“ für Kahn votiere. Andererseits aber plädieren, wie die „BamS“ selbst schreibt, offenbar nur „acht Keeper (…) inklusive Kahn“ für Kahn, während „die anderen neun [sic] Torhüter“ entweder „unentschlossen“ seien oder „ihren Favoriten nicht nennen mögen“.

Mit Dank an die zahlreichen Hinweisgeber.

Nachtrag, 21.50 Uhr: Bild.de hat nicht nur die ursprünglich falsche Überschrift „14jähriger stürzt sich vom Balkon in die Tiefe“ in „Junge (14) springt aus dem 4. Stock“ und die falsche Formulierung „vom Balkon der elterlichen Wohnung“ in „aus dem Fenster der elterlichen Wohnung“ geändert, sondern auch das ursprüngliche Schäfer-Zitat gegen das aus der „BamS“ ausgetauscht.

Nachtrag, 23 Uhr: Irgendwie hapert’s bei Bild.de aber noch immer mit der „BamS“-Umfrage. Denn nun ist es nicht einmal mehr „nur Nürnbergs Keeper Raphael Schäfer“, der „für Lehmmann“ votiert. Im Gegenteil wird das „Lehmann der bessere Kandidat“-Zitat von Bild.de nun auch „Kirschstein (HSV)“ zugeschrieben. Das ist wiederum insofern seltsam, als „Kirschstein (HSV)“ laut „BamS“ etwas ganz anderes sagt: „Kahn sollte im Tor stehen.“ Überhaupt sind derzeit bei Bild.de auch sonst alle (!) Zitate falsch zugeordnet.

Kurz korrigiert (79)

Anders als der langjährig für Politik und Gegenwartsgeschichte zuständige „BamS“-Chefreporter und heutige „BamS“-Kommentator Helmut Böger in seinem „BamS-Kommentar“ unter der Überschrift „Horst Köhler — der unfertige Präsident“ behauptet, ist Köhler nicht erst seit „neun Monaten“ im Amt, sondern bereits seit dem 1. Juli 2004.

Mit Dank an Thomas P. für den Hinweis.

Nachtrag, 22 Uhr: Auf Bild.de wurde die falsche Zeitangabe zu Köhlers Amtszeit aus dem Kommentar des „BamS“-Kollegen Böger inzwischen geändert. Korrigiert wurde die falsche Zahl hingegen nicht: In der geänderten Bild.de-Version ist nun statt von „neun Monaten“ von „22 Monaten“ die Rede, obwohl doch seit dem 1. Juli 2004 erst knapp 21 Monate vergangen sind…

Nachtrag, 22.50 Uhr. Bild.de hat die falsch geänderte Zeitangabe zu Köhlers Amtszeit aus dem Kommentar des „BamS“-Kollegen Böger abermals überarbeitet — und das Monatezählen lieber ganz aufgegeben. Nun heißt es dort: „Seit dem 1. Juli 2004 ist Köhler jetzt im Amt, der — im Gegensatz zu seinen acht Vorgängern von Heuss bis Rau — niemals einem Parlament angehört hat, immer wieder der Versuchung erlegen, sich tagespolitisch zu äußern.“ Das ist zwar (anders als die ursprüngliche „BamS“-Fassung „In den neun Monaten seiner Amtszeit ist Köhler, der [usw.]“) sprachlich eher unschön, dafür aber wenigstens endlich korrekt.

Symbolfoto XXXIV

„Elite-Soldaten holen Geiseln raus“, schreibt „Bild“ heute und will die tolle Geschichte natürlich auch bebildern. Naturgemäß sind bei solchen geheimen Unternehmen jedoch keine Pressefotografen dabei. Die „Bild“-Redaktion hat sich deshalb mal wieder für ein Symbolfoto entschieden (siehe Ausriss), das sie wie folgt betextet:

"Elitesoldaten der Engländer und Amerikaner befreiten die Geiseln. Das Foto zeigt eine US-Einheit, die mit dem Hubschrauber bei der Offensive in der vergangenen Woche abgesetzt wurde."

Die Betextung des Fotos ist Unsinn: Ob und inwieweit an der Aktion überhaupt „Amerikaner“ beteiligt waren — wer weiß. (In der britischen „Times“ heißt es: „The force consisted mainly of SAS troopers, backed by about 50 soldiers from the 1st Battalion The Parachute Regiment and Royal Marines — all members of the Special Forces Support Group codenamed Task Force Maroon.“ Kurzum: Es waren „mainly“ Briten.) Und dass die „Offensive in der vergangenen Woche“, mit der „Bild“ glaubt, den aktuellen Artikel illustrieren zu müssen, nichts mit die Befreiung dreier britischer Geiseln zu tun hat, lässt das Blatt zumindest unerwähnt.

Bedauerlicherweise zeigt die von „Bild“ als Symbolfoto verwendete Abbildung jedoch nicht einmal die „Offensive in der vergangenen Woche“. Es handelt es sich dabei vielmehr um eine Aufnahme, mit der bereits die Nachrichtenagentur AFP am 16. März 2006 symbolhaft die an diesem Tag begonnene Offensive der US-Armee bei Samarra zu illustrieren versuchte, zu der es bis dahin ebenfalls keine Fotos gab.

Das von „Bild“ also abermals als Symbolfoto verwendete Symbolfoto zeigt US-Soldaten der 1. Gepanzerten Division*, die am 26. August 2005 nahe Bagdad eine Landezone sicherten. Die Agentur AFP, die „Bild“ selbst als Quelle nennt, wies bei Veröffentlichung ausdrücklich darauf hin — „Bild“ nicht.

*) Nachtrag, 26.3.2006: Eine „Armored Division“ ist natürlich keine „Gepanzerte Division“, wie wir schrieben, sondern eine „Panzerdivision“.

Mit Dank an Christoph P. für die Korrektur.

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