Vendetta-Journalismus

Die „Zeit“ hat Mathias Döpfner, den Vorstandsvorsitzenden von Axel Springer, gefragt, was er zu dem Vorhalt sagt, die „Bild“-Zeitung verfolge „Bild“-kritische Zeitgenossen mit Schlagzeilen. Döpfner antwortete, er sehe diesen Vendetta-Vorwurf als Teil einer allgemeinen Angriffsstrategie,

aber natürlich ist da auch was Wahres dran. Es gibt Beispiele, die man kritisieren kann und muss. Das ist unbestritten. Aber ein Trend ist das sicher nicht, das bestreite ich.

braucht Ihre Unterstützung!
Wir investieren viel Zeit und Herzblut in dieses Blog, verdienen aber kaum Geld damit. Damit wir trotzdem unsere Miete bezahlen können, würden wir uns freuen, wenn Sie unsere Arbeit finanziell unterstützen. Wie das geht, erfahren Sie hier.
Allgemein  

Ohne Worte

(Alternativvorschlag.)

Danke an Michael W.!

Nachtrag, 5. Oktober: Der Bild.de-Literaturbeauftragte ist aus dem Urlaub zurück und hat den Text gekürzt zu dem schlichten Satz: „Thomas Gottschalk liest in der Uni Düsseldorf“. Jetzt haben zwar die Worte „Nichts als die Wahrheit“ davor ihren Sinn verloren, aber was soll’s.

„Bild“ findet Südkorea nicht

Na, das kann ja lustig werden. Morgen erscheint nämlich der vierte Teil von Franz Beckenbauers „WM-Tagebuch“ in „Bild“. Thema: „Franz in Seoul/Südkorea“.

Und wenn Beckenbauer sich auf seinem Weg dorthin anhand der Karte orientiert hat, die „Bild“ heute abdruckt, und auf der sie sich bemüht, seine Reiseroute nachzuzeichnen (siehe Ausriss), dann wird der arme Präsident des Koreanischen Fußballverbands (KFA), Chung Mong-Joon, wohl etwas bedröppelt am Flughafen gestanden haben, während der Franz, im Flugzeug über Vietnam, Thailand, Laos und Kambodscha kreisend, vergeblich Ausschau nach Seoul gehalten hat. Asien ist aber auch unübersichtlich.

Mit Dank für den sachdienlichen Hinweis an Andre E.

We are family

„Gewinner“ des Tages in „Bild“ ist heute erstaunlicherweise schon wieder nicht Helmut Kohl — obwohl er doch schon wieder einen Preis verliehen bekam.

Nein, „Gewinner“ des Tages ist heute der (fraglos tolle) Fotograf Daniel Biskup, der Helmut Kohl nicht nur auf allen Reisen begleite, sondern für dessen neues Buch Helmut Kohl das Vorwort schrieb und der z.B. auch die Hochzeit des „Bild“-Chefs Kai Diekmann mit der Ex-„Bild“-Kolumnistin Katja Kessler fotografiert hat, bei der ja Helmut Kohl Trauzeuge war.

Otto-LO-gie?

„Otto – find’ ich gut!“ findet „Bild“ ja bekanntermaßen. Und offenbar findet „Bild“ Otto so gut, dass Bild.de die „Höschen-Ty-PO-logie“ der Service-Zeitschrift „Bild am Sonntag“ („BamS erklärt die aktuellsten Modelle“) fast ausschließlich mit Modellen aus Ottos Versandhaus (incl. Preisangabe) bebildert.

Mit Dank an Micka für den Hinweis.

Nachtrag, 10:12:
Das Wort „fast“ in obigem Eintrag hätten wir uns auch sparen können. Denn das dahinter versteckte „String-Röckchen“ der Dessous-Marke „Rosy“ gehört zu 3 Suisses – und 3 Suisses wiederum ebenfalls zu Otto.

Mit Dank an Philipp G. für den Hinweis.

Genauer Lesen macht schwul

„Bild“ hat heute eine dpa-Meldung in ihr Online-Angebot kopiert. Strg+C… Strg+V… Naja, ein nebensächlicher Nebensatz wurde weggelassen, eine Formulierung („Ende vergangenen Jahres“) in eine andere („Ende des letzten Jahres“) geändert, ein Name vor statt hinter ein Zitat geschrieben.

Kurzum: Kopieren können sie also bei Bild.de.

Das war’s dann aber auch. Denn obwohl es doch in der dpa/Bild.de-Meldung (in Übereinstimmung mit der ursprünglichen Pressemitteilung) heißt, es gebe „mehr als doppelt so viele Lebenspartnerschaften von Homosexuellen wie bisher vermutet„, hat man bei Bild.de unter eine Foto etwas ganz anderes geschrieben:

Und obwohl es doch in der dpa/Bild.de-Meldung (ebenfalls in Übereinstimmung mit der ursprünglichen Pressemitteilung) heißt, die Bundesländer hätten „mehr als 12.500 solcher Partnerschaften zwischen Schwulen und Lesben“ gezählt, lautet die Schlagzeile in der „Nachrichten“-Rubrik von Bild.de:

PS: Am Ende dieses Beispiels sichtlich gelungener redaktioneller Zusammenarbeit vielleicht noch ein Blick auf die URL. Sie lautet:

„Mehr Homosexuelle“ also — so kann man das natürlich auch zusammenfassen.

Mit Dank an Jörg F., Tim B. und River T. für den Hinweis.

Wir haben einen neuen Kohl!

Im Prinzip könnte man die Sache mit dem heutigen „Gewinner des Tages“ in „Bild“ einfach wie folgt aufschreiben:

Nein, nicht alles, was in „Bild“ steht, ist weit hergeholt — im Gegenteil: Als „Bild“ Mitte letzten Monats den Otto-Versand-Chef (und Springer-Aufsichtsrat) Michael Otto zum „Gewinner“ des Tages machte, lautete der ausgesprochen originelle „Bild“-Kommentar dazu:

„BILD meint: Otto — find’ ich gut!“

Und heute nun macht „Bild“ den Otto-Chef Otto erneut zum „Gewinner“ des Tages und kommentiert:

„BILD meint: Otto — find’ ich gut!“

Aber so ähnlich hatten wir das schon. Also schreiben wir lieber:

„Bild“ macht heute nicht etwa Helmut Kohl, sondern abermals den Springer-Aufsichtsrat Michael Otto zum „Gewinner des Tages“. Und warum? Weil ihm ein Preis des nicht unumstrittenen Vereins „Atlantik-Brücke“ verliehen wurde, in dem Otto Mitglied ist und „Bild“-Chef Kai Diekmann im Vorstand sitzt.

Nachtrag:
Dass im Übrigen auch Helmut Kohl einen Preis bekommen hat, berichtet „Bild“ heute erst auf Seite 2.

Der Trip-Tip

Es ist ja nicht so, dass sich nichts ändert. Bild.de zum Beispiel hat inzwischen eingesehen, dass es besser ist, Teaser, die zu Werbeseiten führen, durch das Wort „Anzeige“ zu kennzeichnen.

Gut, vielleicht ist eingesehen das falsche Wort. Vielleicht hat es eher mit einem verlorenen Prozess in dieser Sache zu tun. Jedenfalls ist Werbung auf Bild.de wirklich häufiger als noch vor Monaten mit dem Wort „Anzeige“ gekennzeichnet. Wie hier zum Beispiel:

Aber auch wenn der lustige Pressesprecher von „Bild“ so Sätze schreibt wie: „Bild.T-Online wird weiterhin gemäß der journalistischen Leitlinien von Axel Springer großen Wert darauf legen, daß Werbung auch als solche klar erkennbar ist“, heißt das keineswegs, dass Bild.T-Online nun gemäß der journalistischen Leitlinien von Axel Springer Werbung als solche klar erkennbar mache. Vielleicht wäre es zu einfach, Anzeigen einfach immer durch das Wort „Anzeige“ zu kennzeichnen.

Dieser Teaser auf der heutigen Startseite jedenfalls (Ausriss rechts) ist wieder genau so ein Fall, den das Berliner Landgericht für rechtswidrig erklärt hatte. Er sieht aus wie ein Teaser für einen redaktionellen Beitrag, führt aber zu Werbung für den Reiseanbieter FlyLoco.

Übrigens gibt es dort nicht einmal, wie von Bild.de angekündigt, „Wien — 3 Tage ab 99 Euro. Das günstigste Angebot auf der verlinkten Seite beläuft sich im Moment auf 129 Euro.

Danke an Daniel R. für den sachdienlichen Hinweis!

Allgemein  

Rückwärts in die Zukunft

Kennen Sie das auch? Sie laufen mühsam einen steilen Berg rauf und denken sich, Mensch, wenn es doch nur einen Trick gäbe, sich diese Strapazen zu ersparen. Wir haben da — inspiriert durch Bild.de — eine Empfehlung: Drehen Sie sich einfach um. Und gehen Sie rückwärts. Dann laufen Sie nicht bergauf, sondern bergab. Quasi.

Und damit zu einem neuen Elektroauto namens „Pivo“ von Nissan. Dessen Fahrgastzelle lässt sich komplett auf dem Fahrgestell drehen. Das ist praktisch beim Einparken, weil man in alle Richtungen gucken kann. Unter anderem berichten „Auto Motor und Sport“, „Kronen-Zeitung“ und „Blick“ über dieses Gefährt. Aber nur „Bild“ kommt auf die Idee, dass durch diese Konstruktion der Rückwärtsgang überflüssig würde…

Danke an largoplecs für den Hinweis.

Nachtrag, 3. Oktober: Womöglich hat „Bild“ den Unsinn mit dem Rückwärtsgang doch nicht selbst erfunden, sondern einfach gedankenlos von AFP übernommen.

„Bild“-Berichterstattung bleibt „nicht akzeptabel“

Wir haben jetzt mal nachgefragt. Warum die „Bild“-Zeitung einen Artikel, für den sie gerade vom Presserat gerügt wurde, weil er gegen mehrere Ziffern des Pressekodex verstößt, nicht aus ihrem Online-Angebot entfernt. Und das, obwohl „Bild“ als Zeitung der Axel Springer AG ausdrücklich den Pressekodex als Grundlage ihrer Arbeit anerkennt.

Wir haben also beim offiziellen „Bild“-Sprecher angerufen und nachgefragt. Wir werden seine Antwort allerdings nicht veröffentlichen. Der Sprecher von „Bild“ weigert sich, uns als journalistisches Angebot zu behandeln und uns offiziell Auskünfte zu geben. Er spricht mit uns unter der Voraussetzung, dass wir seine Aussagen nicht verwenden. Als journalistisches Angebot fühlen wir uns an solche Gepflogenheiten gebunden.

Und so muss die Frage offen bleiben, warum Bild.de weiter einen Artikel in seinem Angebot hat, der nach dem Urteil des Presserates das Persönlichkeitsrecht eines Menschen verletzt, eine vorverurteilende Berichterstattung darstellt und insgesamt „nicht akzeptabel“ ist. Offenkundig handelt es sich aber nicht um ein Versehen oder ein Versäumnis von Bild.de.

Blättern:  1 ... 646 647 648 ... 719