Kurz korrigiert (6)

Anders als Bild.de behauptet, nachdem man sich dort „im Buchstabendschungel der deutschen und ausländischen Firmen schlau gemacht“ habe, bedeutet die Abkürzung SAP eigentlichSysteme, Anwendungen, Produkte in der Datenverarbeitung“. Und das schon seit 1976.

Mit Dank an Michael P. für den Hinweis.

Nachtrag, 16:05:
Erfreulicherweise hat der SAP-Beauftragte bei Bild.de die falsche Auflösung der Abkürzung inzwischen berichtigt.

Ausgerechnet…

„Damit hat nun überhaupt keiner gerechnet!

Gestern morgen um 9.37 Uhr meldete die Deutsche Presse-Agentur (dpa): ‘Schröder für den Friedensnobelpreis nominiert.’“

So steht es heute in der gedruckten „Bild“. Und natürlich stand das, womit „überhaupt keiner gerechnet hatte“, auch gestern schon bei Bild.de.

Auf der Bild.de-Startseite stand:

Und dann, andernorts, nochmals:

Oben, über dem dazugehörigen Artikel, stand’s dann wieder:

Und im Artikel selbst natürlich auch:

Wie „Bild“ berief sich auch Bild.de ausdrücklich auf „die Deutsche Presse-Agentur (dpa)“, die allerdings am frühen Dienstagnachmittag in einer ersten Zusammenfassung zudem vermeldet hatte:

„Sie [die Nominierung] wurde allerdings bereits vor dem 1. Februar in Oslo eingereicht, als von der vorgezogenen Bundestagswahl im September noch keine Rede war. Nach den Regeln des Osloer Nobel-Komitees müssen bis Februar alle Bewerber-Vorschläge für das laufende Jahr vorliegen.“

Um eventuelle Missverständnisse zu vermeiden, wurde die dpa wenig später sogar noch deutlicher und schrieb:

„Allerdings steht auch fest, dass die Nominierung kein später Einfall von SPD-Strategen nach der Ankündigung der Neuwahl ist.“

Anders als andere, anders auch als die gedruckte „Bild“, glaubte deren Online-Version (an sich durchaus in der Lage, Meldungen nachzubessern) gestern allerdings auf einen entsprechenden Nachtrag verzichten zu können – und das ausgerechnet mitten im Wahlkampf…

Mit Dank an Peter K. für den Hinweis.

„Publizistische Begleitung“

In seiner aktuellen Ausgabe (S. 129) berichtet nun auch der „Focus“ über die Hintergründe dessen, was „Bild“ kürzlich auf ihrer Titelseite „Deutschlands perverseste Wette“ nannte und als Einfall einer Schülerin ausgegeben hatte, die gemeinsam mit einer Freundin herausfinden wollte, wer an einem Tag „mehr Männer in die Kiste“ bekomme.

Laut „Focus“ handelte es sich bei der Aktion jedoch „um einen cleveren PR-Gag„: Armin Lobscheid, Chef des Kölner Bordells „Pascha“, in dem die „Sexwette“ stattfand, habe im Vorfeld für deren „publizistische Begleitung“ (O-Ton Lobscheid) gesorgt und verschiedenen Medien einen entsprechenden „Themenvorschlag“ gemacht. Weiter heißt es:

„Der Kölner ‘Express’ und das RTL-Magazin ‘extra’ hatten wegen ‘zu viel Hardcore’ abgewinkt. ‘Bild’ dagegen signalisierte erfreut Zustimmung, erst in der Kölner Redaktion, dann die Kettwiger NRW-Zentrale, schließlich die Chefredaktion in Hamburg.

So kooperierte Europas größtes Boulevardblatt exklusiv mit Europas größtem Puff.“

Zusammenfassend nennt der „Focus“ die Kooperation (die „der Leserschaft allerdings verborgen“ blieb) „eine Art Notgemeinschaft gegen Auflagenschwund und Freierabstinenz“, die „Bild“ immerhin eine verkaufte Auflage von „deutlich über vier Millionen Exemplaren“ beschert habe…

Arabellas „erstes Mal“

Am Sonntag behauptete die „BamS“:

Zum ersten Mal spricht Arabella Kiesbauer über ihre Horror-Nacht im Knast“
(Hervorhebung von uns.)

Im Text stand es dann abermals:

„In BamS spricht die Moderatorin (36) zum ersten Mal über ihre Horrornacht.“
(Hervorhebung von uns.)

Wahr ist das allerdings nicht. Dass Kiesbauer „die Nacht mit einer Decke auf dem Betonboden verbringen“ durfte, dass ihre Zelle „eine Stahltür und ein kleines Fenster zum Gang“ gehabt habe und dergleichen, hatte die Moderatorin nämlich auch dem „Mallorca Magazin“ erzählt, das schon zwei Tage vor der „BamS“ erschienen war.

Aber zum Glück gibt es in der „BamS“ ja neuerdings eine „Korrektur“-Rubrik, in der die falsche „BamS“-Behauptung nächsten Sonntag bestimmt zurechtgerückt werden wird…

Mit Dank an Michael B. für den Hinweis.

Geklitterte Geschichte (2. Versuch)

„Bild“ tut sich offenbar nachhaltig schwer damit, was am 26.6.1963 in Berlin passierte. Deshalb noch einmal zum Mitschreiben: Am 26.6.1963 kam der damalige US-Präsident John F. Kennedy nach Berlin. Er landete in Berlin-Tegel, fuhr am Brandenburger Tor vorbei und sagte vom Rathaus Schöneberg aus seinen berühmten Satz: „Ich bin ein Berliner!“ Anschließend setzte er seine Rundreise durch West-Berlin fort – und tschüss.

So war das nun mal – außer natürlich in „Bild“, wo es am Freitag hieß:

26. Juni 1963: J. F. Kennedy. 1,5 Mio. Berliner begrüßten den US-Präsidenten. Vor dem Brandenburger Tor sagte er seinen berühmten Satz: "Ich bin ein Berliner!"

Mit Dank an Andreas L. für den Hinweis.

Kurz korrigiert (5)

In der Umweltliste des Verkehrsclub Deutschland (VCD), der regelmäßig neue Automodelle nach deren Umweltverträglichkeit testet, belegen Citroën C1 1.0, Peugeot 107 Petit Filou und Toyota Aygo mit derselben Punktzahl den zweiten Platz.

So berichtet auch Bild.de – und zeigt in der dazugehörigen Illustration aus unerklärlichen Gründen neben dem Citroën einen Kia Picanto und den neuen Fiat Panda

Platz 2: Citroën C1 1.0, Peugeot 107 Petit Filou, Toyota AYGO (…) Foto: FIAT, Kia, Citroen

…ohne dass der zuständige Bild.de-Redakteur wegen des Fotonachweises, den er hinzugefügt hat, misstrauisch geworden wäre, was ja durchaus nahe gelegen hätte.

Bei Bild.de kommen sie offenbar leicht durcheinander bei all den fremd klingenden Herstellernamen. Immer wieder.

Dank an Oliver K. und Christopher H. für die Hinweise.

Papalapapp

Wenn „Bild“ heute auf Seite 2 mal wieder „weitere wichtige Fragen zum Besuch von Benedikt XVI.“ beantwortet, dann ist das doch eine gute Gelegenheit, mal eben auf den 21. April zurückzukommen, oder? Schließlich hieß es da in „Bild“:

„Die Wahl des deutschen Kardinals Joseph Ratzinger wirft viele Fragen auf. BILD beantwortet die wichtigsten“

Und auf die wichtige Frage „Hat der Papst ein neues Wappen?“ antwortete „Bild“ damals:

Ja, das vorläufige Papstwappen (Foto) zeigt die gekreuzten Schlüssel und die Tiara. Eine große Kordel symbolisiert den starken Zusammenhalt des Papstes mit den katholischen Christen. Die Bänder der Tiara umwinden die Schlüssel. Alle symbolisieren die zeitliche und geistliche Ordnung des Papst-Amtes. Jesus gab Petrus die Schlüssel des Himmelreiches

Bedauerlicherweise stimmte an der „Bild“-Antwort nur das Wörtchen „Ja“ am Anfang. Der Rest ist Unfug: Das auf dem „Foto“ abgebildete Wappen nämlich war mitnichten „vorläufig“ (oder gar „neu“, wie es dazu bei Bild.de heißt), es ist nicht mal ein „Papstwappen“ und erst recht nicht das von Benedikt XVI.. Dessen neues Wappen wurde laut Radio Vatikan (und pfarre-horn.at) „erstmals zur Amtseinführung“, also erst ein paar Tage nach Erscheinen der „Bild“-Antwort, „in einer skizzenhaften grafischen Version“ veröffentlicht und sieht selbst in der endgültigen Fassung nicht nur ganz anders aus, sondern hat auch eine komplett andere Bedeutung.

Das „Foto“ in „Bild“ indes zeigt nichts weiter als das offizielle Wappen des Vatikans – und das wiederum nicht erst seit April oder so, sondern (mehr oder weniger) schon seit dem 14. Jahrhundert. Dumm nur, dass die Erklärung von „Bild“ nicht mal dazu passt: Die „große Kordel“ beispielsweise verweist im Vatikanwappen auf den Bund zwischen der Macht des Himmelreichs und der göttlichen Herrschaft des Papstes auf Erden. Dass die Kordel „den starken Zusammenhalt des Papstes mit den katholischen Christen“ symbolisiert, hatte sich „Bild“ daher wohl spontan zurechtphantasiert.

Aber davon, dass „Bild“ wichtige Fragen auch richtig beantwortet, war in „Bild“ ja auch nie die Rede.

Mit Dank an Filippo R. für den Hinweis.

Nachtrag, 20.8.2005:
Wen wundert’s da, dass „Bild“ auch die Frage „Wer schützt den Papst?“ u.a. mit dem Satz „Die Schweizergarde ist nicht in Köln.“ beantwortet, obwohl das offenbar gar nicht stimmt?

0,2 Promille

Nein, natürlich geht die Welt nicht unter — jedenfalls, nach allem was wir wissen, nicht am „Freitag den 13. April 2029″ und auch nicht durch den Asteroiden Apophis. Um das herauszufinden, muss man nicht mal mehr irgendwelche Fachaufsätze lesen, weil sich beispielsweise schon Spiegel-Online oder die „Zeit“ der Panikmache von „Bild“ angenommen haben.

Und als wären die Weltuntergangsvisionen in der gedruckten „Bild“ nicht schon hanebüchen genug, in der Online-Ausgabe wird es noch skurriler. Dort ist der ansonsten gleichlautende Text ein ganzes Stück länger, und mit einigen Zitaten aus der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ angereichert (die in der Druckausgabe übrigens mit keinem Wort erwähnt wird).

Allerdings hat man bei Bild.de die „FAZ“-Zitate mehrfach aus dem Zusammenhang gerissen. So steht dort beispielsweise, mit eindeutigem Bezug auf den angeblich „400 Meter“ großen Asteroiden (der in Wahrheit bloß 320 Meter misst) folgendes:

Die angesehene „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ warnt: „Der Einschlag eines derartigen Himmelskörpers könnte ganzen Zivilisationen zum Verhängnis werden.“

Die Passage in der „FAZ“ jedoch liest sich im vollen Wortlaut so:

Seit den neunziger Jahren gibt es mehrere Programme zur systematischen Suche nach solchen Objekten, die mindestens einen Kilometer groß sind. Der Einschlag eines derartigen Himmelskörpers könnte ganzen Zivilisationen zum Verhängnis werden.

Über Apophis steht in der „FAZ“, dass Objekte wie er „immerhin noch erhebliche Schäden anrichten könnten„.

Etwas später zitiert Bild.de den Nasa-Astronauten Russell Schweickart, und im Anschluss heißt es:

Spätestens 2014 muß „Apophis“ auf eine andere Bahn gestoßen werden, sonst gibt es wohl keine Rettung mehr.

Darüber steht auch etwas in der „FAZ“. Nur, dass Schweickart dort nicht davon ausgeht, dass Apophis bis zum Jahr 2014 abgelenkt werden müsste. Seiner Ansicht nach müsste im Jahr 2014 lediglich mit der Planung dafür begonnen werden.

Und weiter im Bild.de-Text:

Die Beobachtungen des 300-Meter-Radioteleskops in Arecibo (Puerto Rico) zeigen: Der Asteroid ist völlig unberechenbar.

Keine Ahnung, wie Bild.de darauf kommt, in der „FAZ“ jedenfalls steht quasi das Gegenteil:

Schon die ersten (…) Rechnungen zeigten, daß der Kleinplanet im Jahr 2029 der Erde außerordentlich nahe kommen würde. Radarmessungen mit dem 300-Meter-Radioteleskop in Arecibo (Puerto Rico) haben das Anfang dieses Jahres bestätigt.

Doch natürlich braucht man bei Bild.de die „FAZ“ nicht, um durch das Weglassen von Informationen einen falschen Eindruck zu erwecken. Das geht auch so:

Mehrmals verloren die Wissenschaftler den Kontakt. Auf 1:300 schätzten sie anfangs die Chance eines Einschlags, mußten auch diese Zahl immer wieder ändern.

Zwischenzeitlich (im Dezember 2004) schätzten Wissenschaftler die Chance eines Einschlags sogar auf 1:37. Noch am selben Tag konnte jedoch ein Zusammenstoß am 13. April 2029 ausgeschlossen werden. Und jetzt gehen eigentlich alle, bis auf „Bild“, davon aus, dass Apophis die Erde überhaupt erst im Jahr 2036 theoretisch treffen könnte. Daniel Scheeres (den „Bild“ Scheerer nennt), von der University of Michigan, hat dafür, laut „Zeit“ und Spiegel-Online, eine Wahrscheinlichkeit von 0,02 Prozent errechnet.

Mit Dank für die zahlreichen sachdienlichen Hinweise

Kann ich als „Bild“-Leser ein Flugzeug landen? II

Wie kommen solche haarsträubenden Geschichten wie der Crash-Kurs „Wie lande ich eine Boeing 737″ in die „Bild“-Zeitung? Im konkreten Fall können wir das erklären — und eine Menge darüber lernen, wie man bei Deutschlands größter Tageszeitung arbeitet.

Als Grundlage für ihre Flug-Tipps hat die „Bild“-Zeitung einen Artikel aus der im gleichen Verlag erscheinenden Männerzeitschrift „Maxim“ verwandt. Die Kollegen dort sind nicht unbedingt Experten für Luftfahrt, sondern eher für den ausgedehnten Witz. Und auch in dem Stück „Wie man(n)… ein Flugzeug landet“ auf Seite 35 der September-Ausgabe fehlt es nicht an Indizien, dass es sich hier weniger um handfesten Service, als um Unterhaltung handelt.

Der erste Hinweis ist die Rubrik „Wie man(n)…“, in der es nebenbei noch darum geht, wie man eine Regierung stürzt („Neuwahlen? Das geht doch schneller!“) und wie man schlauer wird („Rasieren Sie sich nicht!“). Wer das übersehen hat, könnte bei einzelnen Formulierungen der „Kurzanleitung“ zur Flugzeug-Landung stutzig werden. Der Text beginnt mit den Worten: „Zerren Sie den leblosen Körper aus dem Kapitänssitz (links)“ und endet mit dem Satz: „Sammeln Sie die Telefonnummern der Stewardessen ein, verhelfen Sie sich zu so vielen Schnapsfläschchen wie möglich und stellen Sie sich auf umjubelte Auftritte in Talkshows ein.“

Nun ist natürlich nicht auszuschließen, dass zwischen solchen Sprüchen kleine Körner Wahrheit stecken. Und tatsächlich ist die lustige „Maxim“-Geschichte nicht halb so falsch wie die ernst gemeinte „Bild“-Geschichte. In „Maxim“ heißt es zum Beispiel:

Halten Sie Ausschau nach einem Flugplatz. Finden Sie keinen, tut’s auch ein Feld oder ein gerades Stück Autobahn, das anderthalb Kilometer lang ist. Orientieren können Sie sich durch den Kompaß, den Sie an dem kleinen Flugzeug auf dem Zifferblatt erkennen. Das zeigt in die Richtung in die Sie fliegen.

Erst in der „Bild“-Version wird der Kompass zum unmittelbaren Gerade-Straßen-Suchgerät:

Ist kein Flugplatz in der Nähe, mit Hilfe des Kompasses (6) ein gerades Stück Straße (mindestens 1,5 km Länge) ansteuern.

Den Eindruck, dass Notrufe über die Frequenz 121.5 „weltweit“ zu hören sind, erweckt auch nur „Bild“, nicht „Maxim“. Und die Männerzeitschrift gibt auch konkrete Hinweise, in welcher Stellung der Hebel für die Landeklappen bei welcher Geschwindigkeit sein soll — bei „Bild“ heißt es dazu nur rätselhaft: „Über den Handhebel (3) die Landeklappen an die Geschwindigkeit angepaßt ausfahren.“ Angepasst, soso.

Wenn man den Artikel in „Maxim“ kennt, weiß man übrigens auch, warum „Bild“ das falsche Cockpit zeigt, das nicht dem der bei Athen abgestürzten Maschine entspricht: „Maxim“ präsentiert „die Maschine, mit der Sie wahrscheinlich in den Malle-Urlaub fliegen“.

Wir fassen zusammen: Als Quelle für einen Artikel, der Passagieren helfen soll, im Notfall ein Flugzeug zu landen, verlässt sich „Bild“ auf einen lustigen Text aus einer Männerzeitschrift und verdreifacht beim Kürzen die Fehlerzahl.

Bleibt noch die Frage, woher „Bild“ an anderer Stelle weiß, dass man so ein Flugzeug als Laie eigentlich gar nicht landen kann. Die Liste mit populären Film-Mythen („Jedes Schloß kann innerhalb von Sekunden mit einer Kreditkarte oder einer Büroklammer geöffnet werden“) hat „Bild“ einfach aus dem Internet abgeschrieben.

Danke an Andreas D., maq, Marcel D. und Christof W.!

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