Die dummdreisteste Zeitung Deutschlands

"Drei Tage vor Neujahr: Supermarkt kassierte schon 19 % Mehrwertsteuer"Vergangenen Sonntag berichtete die „BamS“ über den angeblich „dreistesten Supermarkt Deutschlands“. Es handelte sich dabei um eine Stralsunder „Plus“-Filiale, die „drei Tage vor Neujahr“ schon 19 Prozent Mehrwertsteuer kassiert habe (siehe Ausriss). Das Blatt behauptete:

BamS liegen mehrere Kassenbons von Kunden des Supermarktes vor, auf denen schon Produkte mit 19 Prozent Mehrwertsteuer verkauft wurden.

Und natürlich bildete die „Bams“ auch einen dieser Kassenbons ab:

Wie gut zu erkennen ist, wird die Mehrwertsteuer da tatsächlich mit 19 Prozent angegeben und macht 42 Cent aus. Allerdings macht das die „Plus“-Filiale keineswegs zum „dreistesten Supermarkt Deutschlands“, sondern allenfalls zum dümmsten. Denn, so eine „Plus“-Sprecherin zu BILDblog:

„Es handelte sich dabei um einen Computerfehler. Die Kunden hatten dadurch allerdings keinen Nachteil, weil die Preise gleich geblieben sind. Und Sie werden auch den ganzen Januar über immer noch dieselben Preise zahlen, wie 2006.“

Die „Plus“-Filiale in Stralsund hat also lediglich eine zu hohe Mehrwertsteuer ausgewiesen, und die Kunden haben so viel bezahlt wie immer.

Dies ist die veränderte Fassung eines früheren BILDblog-Beitrags, bei dem wir uns leider verrechnet hatten. Wir bitten das zu entschuldigen.

6 vor 9

Angst am Dovenfleet
(taz.de, Tom Schimmeck)
Was ist bloß aus dem „Sturmgeschütz der Demokratie“ geworden? Aus jener publizistischen Waffe, die „Der Spiegel“ heißt und am 4. Januar vor sechzig Jahren erstmals erschien? Deren Enthüllungen man genoss. Und die Coolness, die das Blatt verströmte. Der Hausbesuch eines Ehemaligen. (Weitere Artikel des taz-Dossiers zum Spiegel hier.)

Das Netz des Hasses
(sueddeutsche.de, Lars-Marten Nagel)
Weil die Daten von Sexualstraftätern in den USA öffentlich gemacht werden, entstand eine besondere Form des Journalismus: Reporter überwachen mit Hilfe von Computern Kriminelle, die ihre Strafe bereits abgesessen haben.

www.bedrohte-woerter.de
(welt.de, Hendrik Werner)
Augenweide, Berserker, Conférencier: Wie eine Schriftstellerinitiative mit Hilfe der interessierten Öffentlichkeit deutsche Wörter vor dem Aussterben retten will (Website).

Prost Schwestern!
(nzz.ch, Gunhild Kübler)
Vor 30 Jahren erschien die erste Ausgabe von Alice Schwarzers feministischer Monatszeitschrift «Emma». Inzwischen «sind wir Kanzlerin».

Interview: ?Wir ringen mit den Heuschrecken?
(profil.at, Herbert Lackner)
Der neue ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz über den Konkurrenzkampf gegen die Privaten, seine Neudefinition der ?Quote? und die Pläne für das Programm.

Wer D singt, muss auch E singen
(dradio.de, Matthias Sträßner)
Der neue Tagesausklang im Deutschlandfunk verbindet Deutschlandlied und Europahymne.

Kurz korrigiert (304)

Bild.de berichtete jüngst wieder über Britney Spears und behauptete:

"Erst vor ein paar Tagen war die sturzbetrunkene Spears aus einer Bar in Los Angeles geflogen (wir berichteten).
"

Klickt man jedoch auf den „(wir berichteten)“-Link, gelangt man zwar zu einem anderen Bild.de-Artikel. Darin ist allerdings nirgends die Rede davon, dass die sturzbetrunkene Spears aus einer Bar in Los Angeles geflogen sei. Vielmehr ist (auch anderen Medienberichten zufolge) in der Bar etwas aus Spears geflogen… Aber bevor wir hier ins Detail gehen („Ekel-Alarm!!!“), halten wir lieber fest, dass offenbar nicht einmal Bild.de-Mitarbeiter Bild.de-Meldungen lesen. Immerhin.

Mit Dank an Lothar S. für den Hinweis.

Merkels Strenggeheimsphäre

geheim: (1.) der „Bild“-Zeitung erst seit Kurzem bekannt; (2.) der „Bild“-Zeitung und ihren Lesern schon länger bekannt; (3.) weltweit lange bekannt; (4.) irgendwas mit Hitler; (5.) öffentlich; (6.) falsch; (7.) öffentlich und von „Bild“ gefälscht; (8.) von „Bild“ bis heute nicht verstanden; (9.) von „Bild“ aus anderen Zeitungen abgeschrieben.
(Zitiert aus dem großen BILDblog-„Bild“-Wörterbuch)

Beginnen wir also das neue Jahr mit einem Quiz und fragen: Wie geheim ist eigentlich „Merkels Geheimurlaub“, dem die „Bild am Sonntag“ in ihrer aktuellen Ausgabe fast die komplette letzte Seite widmete (siehe Ausriss)?

    A: streng geheim
    B: nicht geheim

Glaubt man dem „BamS“-Kolumnisten Martin S. Lambeck, lautet die Antwort selbstverständlich: A. Denn laut Martin S. Lambeck „entdeckte“ die „BamS“ Merkel im „streng geheimen Winterurlaub“ im schweizerischen Pontresina (bei St. Moritz) beim Verlassen des Hotels „Schweizerhof“.

Richtig ist aber natürlich Antwort B.

Denn nachdem beispielsweise die „NZZ“ bereits vor einem Jahr berichtet hatte, dass Merkel „seit Jahren regelmässig im Viersternehotel ‚Schweizerhof‘ in Pontresina“ logiere, und die Nachrichtenagentur dpa noch zwei Tage vor Erscheinen der aktuellen „BamS“ ganz nebenbei vermeldete, dass sich Merkel „in ihrem Urlaubsort in der Gegend von St. Moritz“ aufhalte, müssen wir unseren eingangs zitierten „Bild“-Wörterbuch-Eintrag wohl leider um eine zehnte Bedeutung erweitern:

geheim: (1.) der „Bild“-Zeitung erst seit Kurzem bekannt; (2.) der „Bild“-Zeitung und ihren Lesern schon länger bekannt; (3.) weltweit lange bekannt; (4.) irgendwas mit Hitler; (5.) öffentlich; (6.) falsch; (7.) öffentlich und von „Bild“ gefälscht; (8.) von „Bild“ bis heute nicht verstanden; (9.) von „Bild“ aus anderen Zeitungen abgeschrieben; (10.) privat.

6 vor 9

Verstummende Wachhunde
(nzz.ch, Stephan A. Weichert)
Medienkritische Selbstbeobachtung interessiere nicht nur die Brancheninsider, schreibt der Autor des folgenden Beitrags. Er kritisiert, dass viele Verlage den Medienjournalismus weggespart hätten.

„ZiB 1“ wurde 2006 noch männlicher
(standard.at)
Der Frauenanteil der ORF-Nachrichten sank im letzten Jahr der ersten Generalin – Die „ZiB“ blieb schwarz, Wolfgang Schüssel meist am Wort – Jahresbilanz als Download (pdf, 151 kb).

Tyler Brûlé ist der Mann, der seinen Markt erfindet
(welt.de, Joachim Bessing)
Vor zehn Jahren hat der Designer Tyler Brûlé mit der Zeitschrift „Wallpaper“ ein neuartiges Lifestyle-Magazin kreiert. Dann wurde es stiller um ihn. Jetzt will Brûlé den Erfolg mit „Monocle“ wiederholen.

Unkontrolliertes Sprudeln
(zeit.de, Eberhard Spohd)
Ulf Geyersbach hat ein Buch über die Sprache des Fußballs geschrieben. Auf humorvolle Art analysiert er die Neuschöpfungen und Entgleisungen, die Begriffe und Dummheiten der Menschen, die sich mit dem Sport beschäftigen und wie sie sich über die Jahrzehnte verändert haben.

„Väter weg von Puff und Kneipe“
(taz.de, Jan Feddersen und Susanne Lang)
Parteien? Nur noch Dienstleister auf dem politischen Illusionenmarkt. Die Linke? Nur noch entwaffnet und ratlos. Die Grünen? Nur noch Gierpartei und Teil der totalen Mitte. Warum Peter Sloterdijk dann doch ganz optimistisch ist.

„Ich empfinde es als trostreich, dass die Bücher warten können.“
(kluge-alexander.de)
Alexander Kluge im Gespräch mit Claus Philipp.

6 vor 9

Aktuelle und zukünftige Medientrends
(telepolis.de, Petra Vitolini Naldini)
Quo vadis TV?

Der virtuelle Reiseführer (1): Second Life
(jetzt.sueddeutsche.de, Tobias Moorstedt)
jetzt.de hat einige der virtuellen Urlaubsziele besucht und einen Reiseführer zusammen gestellt. Das erste Kapitel unseres ?Virtual Lonely Planet? ist das bekannte Metaversum ?Second Life?, das Rimini des Cyberspace.

Die Ehre und Rache eines Scheichs
(faz.net, Jürg Altwegg)
Nach dem 11. September war er ein gefragter Terrorismusexperte. Jetzt steht er plötzlich am Pranger der Weltpresse und entschuldigt sich bei einem saudischen Scheich. Das Fiasko des Jean-Charles Brisard.

Berlin braucht die „Spex“ nicht und „Spex“ nicht Berlin
(zuender.zeit.de, Kai Florian Becker)
Die ?Piranha Medien? wollen die ?Spex? nach Berlin umsiedeln. Dann aber will Chefredakteur Uwe Viehmann die Redaktion verlassen. Im Zuender berichtet er davon, was die Änderungen für das Heft bedeuten werden.

Die Schlägerei, die gar keine war
(berlinonline.de, Eva Schweitzer)
Eine Website listet Fehler von Zeitungen auf.

Frau von Welt
(fr-online.de, Christoph Twickel)
„Es ist beruhigend sauber dort“, sagt Heidi Klum über die Schweiz. Und damit es auch so bleibt, ist der ehemalige Welt-Chefredakteur Roger Köppel vor kurzem zurück in seine Heimat und zur Weltwoche gegangen.

6 vor 9

Das Anti-Google des Wikipedia-Gründers
(welt.de, Oliver Haustein-Teßmer)
Jimmy Wales findet die marktbeherrschende Suchmaschine großenteils nutzlos. Mit seinem neuen Projekt will der 40-Jährige die Nutzer entscheiden lassen, wie Inhalte im Web gefunden werden. Geld dafür hat er von Amazon erhalten.

Youtube ist Aufsteiger des Jahres
(faz.net, Holger Schmidt)
In der ganzen Welt ist Youtube die am schnellsten wachsende Internetseite – nur nicht in Deutschland. Hier haben zwei Außenseiter die Nase vorn.

Wenig Interesse am Open Peer Review
(telepolis.de, Florian Rötzer)
Das Wissenschaftsmagazin Nature hat in einem Experiment Artikel vor der offiziellen Veröffentlichung zur Kommentierung online gestellt – mit mäßigem Erfolg.

Es muss nicht immer Google sein
(heute.de, Alfred Krüger)
Wie sich deutsche Suchmaschinen gegen die Übermacht von Google & Co. behaupten wollen.

Gratis-Internet in St. Gallen
(sf.tv, Video, leider nur in schweizerdeutscher Sprache verfügbar)
Die Stadt St. Gallen will auf dem ganzen Stadtgebiet drahtlosen Internet-Zugang einrichten – gratis und für alle. Bis Ende Februar läuft in Zusammenarbeit mit der Universität ein Pilotprojekt. Der Stadtrat hat dafür 94’000 Franken bewilligt. Monika Waldburger berichtet.

Der Kiosk
(taz.de, Gabriele Göttle)
Vom Leben einer Kioskfrau aus Fleisch und Blut.

Allgemein  

Heute anonym IX

Vor einigen Tagen hatten wir der „Bild“-Zeitung einige Päckchen Verpixelungen geschenkt, damit sie es schafft, Menschen, die anonymisiert werden sollten, tatsächlich zu anonymisieren. Anscheinend ist unser Präsent noch nicht angekommen.

Aber eigentlich gibt es keinen Grund zum Scherzen. „Bild“-Düsseldorf berichtet heute groß über den Prozess gegen einen Fahrer, dessen Bus in Kevelaer mit einem LKW kollidierte — bei dem Unfall waren 30 Menschen verletzt und einer getötet worden. Das Gericht verurteilte den Fahrer zu einer Bewährungsstrafe.

„Bild“ zeigt ein großes Foto von dem Mann und hat ihn darauf durch Verpixelungen anonymisiert. Eine Mühe, die sich die Zeitung hätte sparen können: Direkt darunter zeigt sie ihn auf einem weiteren Foto völlig unverfremdet.

Und wir wissen immer noch nicht, ob es bloße Unfähigkeit oder irgendein böses Kalkül ist, dass „Bild“ so etwas immer wieder passiert. Wir wissen aber auch nicht, was beunruhigender wäre.

Vielen Dank an Sylvio D. für Hinweis und Scan!

Allgemein  

Da wird sich Karl Lügenfeld aber freuen

„Frechste Bescherung aller Zeiten“ nennt die „Bild“-Zeitung ihre Idee, einer Reihe von Prominenten das zu schenken, was sie angeblich verdient haben.

Weil der Modeschöpfer Karl Lagerfeld so „gern beim Alter schummelt“, bekommt er von „Bild“ ein „Klassenfoto (datiert)“. Lustig. Und welches Alter gibt „Bild“ in diesem Zusammenhang für Lagerfeld an? „(68)“.

Tja. Also, wenn wir die „frechste Bescherung aller Zeiten“ veranstalteten, würden wir „Bild“ ein Archiv schenken. Darin könnte die Zeitung dann diesen drei Jahre alten Artikel aus der „Bild am Sonntag“ finden:

Karl Lügenfeld! Er machte sich fünf Jahre jünger. Am Mittwoch feiert Lagerfeld Geburtstag. Offiziell den 65. - in Wahrheit wird er 70 Jahre

Manche Leute sind selbst zum Frechsein zu blöd.

Vielen Dank an Jann M.

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