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„Etwas messianisch“ (klartext.ch)
Was geschieht, wenn der alte Chefredaktor neuer Chefredaktor und gleichzeitig Besitzer der Zeitung wird? Und wenn die Verleger mit viel Sendungsbewusstsein agieren? Roger Köppel weckt Befürchtungen wie auch Hoffnungen.

Wer liest eigentlich den „Stern“? (visdp.de)
Er war einmal Deutschlands bestes Magazin. Abgesang auf eine Legende (pdf, 138 kb).

Jenseits von Gut und Böse (telepolis.de)
Interview mit Stefan Keuchel, Pressesprecher von Google Deutschland, über Blogs, Journalismus und den Unterschied zwischen Gut und Böse.

„Du musst es nicht mehr lesen“ (taz.de)
Die Tageszeitung „Libération“ entstand als Kollektivprojekt aus der Dynamik der Pariser Studentenproteste von 1968. Sie stieg auf zur gesellschaftlich wichtigsten Zeitungsgründung Europas nach dem Zweiten Weltkrieg. Nun steckt das Blatt in einer schweren ökonomischen und zudem in einer Sinnkrise. Daniel Cohn-Bendit, Anführer der Mai-Revolte und seit Beginn leidenschaftlicher Leser der Zeitung, über das Gestern, das Heute und ein mögliches Morgen von „Libération“.

Wo die herkommen, gibt’s noch mehr (faz.net)
Das Videoportal Youtube beweist, daß im Internet wirklich jeder ein Star werden kann. Man huldigt den Selbstdarstellern, wie man sonst Karaokesängern für ihren Mut zum Auftritt gratuliert. Wir präsentieren die größten Youtube-Stars.

Der Terror der Untergangspropheten (novo-magazin.de)
Die einen rufen: „Der Klimawandel ist nah!“; die anderen basteln Bevölkerungsbomben und Gentechnikmonster. Viele Branchen des Angst produzierenden Gewerbes bedienen sich beim „Krieg gegen den Terror“.

Erdrutschsieg für Linkspartei bei Bild.de

Ein aufregender Wahlabend bei Bild.de:

Absolute Mehrheit für die NPD in Mecklenburg-Vorpommern?

Oder die Grünen im Landtag in Schwerin?

Die Linkspartei mit erdrutschartigen Gewinnen in Mecklenburg-Vorpommern?

Und auch der ganz große Gewinner in Berlin?

Hallo?

Danke an Dennis S. und Jonas!

Unabhängig – überparteilich

Die „Bild“-Zeitung informiert ihre Leser heute über die Alternative, vor der sie bei den morgigen Landtagswahlen stehen.

1,4 Millionen Bürger in Mecklenburg-Vorpommern haben die Wahl: Der bärbeißige Ministerpräsident Harald Ringstorff (66/SPD — Spitzname: „Der Schweiger“) — er regiert seit 1998 — oder Jürgen Seidel (58/CDU).

Schwer.

Die ganze Wahrheit über den Kaiser von China

In der „Bild“-Serie „König Schumi — die Wahrheit über die Legende“ fragt „Bild“-Reporter Helmut Uhl heute beiläufig:

Wie tickt dieser Mann, dem der Kaiser von China, der Papst, Fußballzauberer Ronaldinho oder Pink Floyd ihre Aufwartung machen?

Und wir geben offen zu: Wir wissen nicht, wie Michael Schumacher „tickt“. Aber wir wissen ja (selbst, nachdem wir diverse Zeitungsarchive durchsucht haben) nicht mal, wann/wo/wie der Papst dem Rennfahrer seine „Aufwartung“ gemacht hat. Oder die Pop-Gruppe Pink Floyd. Oder der brasilianische Fußballspieler Ronaldinho. Okay, wir haben davon gehört, dass Schumachers Lieblingsfußballer Ronaldinho heißt und* Schumacher mal ein Pink-Floyd-Konzert besucht hat.** Außerdem durfte Schumacher vor Jahren mal bei einer Audienz im Vatikan den Papst treffen. Aber vielleicht weiß der Herr Uhl von der „Bild“-Zeitung da einfach mehr als wir. Schließlich heißt es dort:

BILD-Reporter Helmut Uhl begleitet den König der Formel 1 seit 15 Jahren. Er hat alles hautnah miterlebt. Die ganze Wahrheit über König Schumi — hier wird sie jetzt endlich aufgeschrieben.

Eines jedoch steht fest: Wenn Sie, lieber Helmut Uhl, wirklich „hautnah miterlebt“ haben, wie der 1912 enthronte Aisin Gioro Pu Yi (†1967) ihrem „König Schumi“ (*1969) seine Aufwartung gemacht hat…

… dann bin ich der Kaiser von China.

Mit Dank an Max M. für den Hinweis.

*) 1. Nachtrag, 17.9.2006: Wir müssen uns korrigieren. Wir wissen leider nicht mal, ob Ronaldinho Schumachers Lieblingsspieler ist, sondern eigentlich nur, dass Schumacher an einem Fußballtrick arbeite, von dem er glaubt, dass ihn Ronaldinho eingeführt hat.
**) 2. Nachtrag, 17.9.2006: Inzwischen ahnen wir (mit Dank an André F.) auch, was mit der „Bild“-Formulierung, Pink Floyd hätten Schumacher ihre Aufwartung gemacht, gemeint sein könnte: Immerhin sagte Nick Mason, Schlagzeuger der Band, mal: „Als berühmter Schlagzeuger ist es für mich viel einfacher, zum Formel-1-Grand-Prix zu kommen und mit Michael Schumacher zu reden.“

Weitere Hinweise auf entsprechende Zitate o.ä. von Ronaldinho, vom Papst und natürlich vom Kaiser von China sind uns willkommen.

Das neue Leben der Natascha Kampusch

Der heutige „Bild“-Aufmacher beginnt mit den Worten:

Sie macht die ersten Schritte in ein neues Leben — und sie ist nicht allein! Entführungsopfer Natascha Kampusch (18) schaute sich in Wien Wohnungen an, ihre Mutter Brigitta begleitete sie.

Und noch jemand begleitete sie, wenn auch offenbar nur in größerer Entfernung, so unscharf wie die Fotos sind, die er geschossen hat, und so viele Leute, wie zwischen ihm und den Fotografierten zu stehen scheinen: ein Paparazzo. Ihm verdanken wir Fotos von dieser privaten Szene; das große auf Seite 1 nennt „Bild“ ein „BILD-Exklusiv-Foto“. Die Bilder, deren Urheber „Bild“ verschweigt, machen den Eindruck, als wären sich die junge Frau und ihre Mutter nicht bewußt, dass sie fotografiert werden.

Es stimmt schon, was „Bild“ über Natascha Kampusch schreibt: Sie macht die ersten Schritte in ein neues Leben — und sie ist nicht allein!

Allgemein  

Happiger Unsinn

Vorgestern berichtete „Bild“-Stuttgart über den „Streit um die geplante Akademie für Darstellende Kunst“ in Ludwigsburg:

"Streit um Luxus-Uni: Ein Student würde uns 71 000 Euro im Jahr kosten"

71.000 Euro pro Student und Jahr!? Das ist in der Tat „happig“, wie „Bild“ einen „Insider“ zitiert. Oder besser: Das wäre happig, wenn es denn stimmte. Allerdings macht „Bild“ dafür eine etwas sonderbare, vermeintlich „interne“, Rechnung auf:

Denn nach internen Berechnungen auf Grundlage des bisherigen Konzepts (vier Studiengänge à 7 Schüler und zwei Mio. Euro Unterhaltskosten/Jahr) würde allein ein Student die Landeskasse mit 71 000 Euro/Jahr belasten!

„Bild“ hat also offenbar einfach zwei Millionen Euro durch 28 Studenten geteilt. Da kommen dann wirklich 71.428 Euro pro Student zusammen. Aber das ist natürlich Unsinn: Zwar soll es tatsächlich vier verschiedene Studiengänge an der Akademie geben, wie uns eine Sprecherin bestätigt (Bühnenbild/Kostüm, Regie, Dramaturgie und Schauspiel), allerdings dauern die auch je vier Jahre. Folglich befänden sich spätestens im fünften Jahr vier Jahrgänge à „vier Studiengänge à 7 Schüler“ an der Akademie.

Wenn schon, müsste „Bild“ also mit 112 Studenten pro Jahr (4×4×7) rechnen und käme auf rund 18.000 Euro.* Von einer „Luxus-Uni“ zu sprechen fiele dann schon etwas schwerer. Insbesondere da sogar der von „Bild“ zitierte „Insider“ meint, ein Student koste sonst „im Schnitt 20.000 Euro“.

*) Die verantwortliche Filmakademie Baden-Württemberg rechnet übrigens in einer gestern herausgegebenen „Richtigstellung“ mit 80 Studenten pro Jahr und kommt in ihrer auf 20 Jahre angelegten Zählung auf 14.219 Euro, weil die Akademie für Darstellende Kunst in den ersten sieben Jahren komplett von der Landesstiftung finanziert werde und die Landeskasse damit überhaupt nicht belaste. Für die Jahre 8 bis 20 werden Kosten von 1,75 Mio. Euro pro Jahr angesetzt.

Mit Dank an Christian G. für den sachdienlichen Hinweis.

Real existierende Desorientiertheit

„Die Symptomatik zeigt typischerweise ein gemischtes und wechselndes Bild, beginnend mit einer Art von „Betäubung“, mit einer gewissen Bewusstseinseinengung und eingeschränkten Aufmerksamkeit, einer Unfähigkeit, Reize zu verarbeiten und Desorientiertheit.“
Aus dem Diagnoseschlüssel der „International Classification of Diseases“ (ICD) für die Akute Belastungsreaktion (Schock) (ICD-10 F43.0).

"Schock-Bericht der Weltbank: Deutschland sozialistischer als China"

Es muss „Bild“ schon ziemlich schlimm erwischt haben, denn der „Schock-Bericht der Weltbank“ (der eigentlich „Doing Business in 2007“ [pdf] heißt und übrigens keine Aussagen darüber trifft, wie „sozialistisch“ ein Land ist) wurde schon vor neun Tagen veröffentlicht und „Bild“ zeigt heute offenbar Schock-Symptome.

Die Titel-Schlagzeile ist jedenfalls ziemlich irreführend und entgegen ihrer Ankündigung sagt „Bild“ auf Seite zwei nicht, „wie schlimm es wirklich um Deutschland steht“ — jedenfalls nicht, soweit es die Ergebnisse des Weltbank-Reports betrifft. „Bild“ hat sich lediglich einen Teilaspekt des Berichts herausgepickt und schreibt:

Schock-Studie der hochangesehenen Weltbank: Deutschland ist starrer, bürokratischer, sozialistischer als das kommunistische China — zumindest was den Arbeitsmarkt betrifft! (…) – dem Zuständigkeitsbereich von Arbeits- und Sozialminister Franz Müntefering (SPD).

Was „Bild“ mit „zumindest“ meint, erfährt man, wenn man sich die Ergebnisse der Weltbank-Studie mal im Einzelnen anschaut. Deutschland liegt in sieben von zehn Kategorien zum Teil weit vor China, in einer mit China gleichauf und in der Gesamtwertung („Ease of doing business“) kommt Deutschland unter 175 untersuchten Ländern auf Rang 21, während China Platz 93 belegt.

P.S.: Dass Jugendliche in Deutschland nur zwischen sechs und 20 Uhr arbeiten dürfen, wie „Bild“ schreibt (und worin sie einen der „schlimmsten Job-Killer“ entdeckt haben will), stimmt zwar, allerdings ist das, anders als „Bild“ behauptet, eher nicht „unmöglich für das Gaststättengewerbe, wo deutlich länger geöffnet ist“. Es gibt nämlich Ausnahmen im Jugendarbeitsschutzgesetz. Zum Beispiel dürfen „Jugendliche über 16“ im Gaststättengewerbe bis 22 Uhr arbeiten.

Mit Dank an Philipp S. und Thorsten L. für die Hinweise.

Allgemein  

„Bild“ verletzt und diskriminiert

Am 26. April berichtete „Bild“ auf der Titelseite über ein Attentat im ägyptischen Dahab und illustrierte die Titelschlagzeile und den Bericht im Blatt mit dem Foto eines 10-jährigen Jungen, der bei dem Anschlag getötet worden war (siehe Ausrisse).

„Bild“ hatte sich das Foto (wie bereits berichtet) offenbar mit unlauteren Mitteln verschafft und ohne Einwilligung der Mutter des Jungen unverpixelt veröffentlicht.

Nachdem beim Deutschen Presserat mehrere Beschwerden wegen der Veröffentlichung eingegangen waren, hat der Presserat die „Bild“-Zeitung dafür öffentlich gerügt: Der Abdruck des Fotos sei „ein schwerwiegender Verstoß“ gegen Ziffer 8 des Pressekodex. Im Klartext: „Bild“ hat laut Presserat „das Persönlichkeitsrecht des Jungen verletzt“.

Soweit das.

Von den aktuell insgesamt acht öffentlichen Rügen des Presserats richten sich jedoch neben der obigen noch zwei weitere gegen „Bild“. In der Pressemitteilung heißt es dazu:

BILD (Stuttgart) erhielt eine öffentliche Rüge für einen Bericht über ein Lawinenunglück. Darin hatte die Zeitung die Fotos dreier Todesopfer abgedruckt. Zusätzlich hatte sie das Foto eines Überlebenden ohne dessen Einwilligung gedruckt und dabei das Gesicht nur unzureichend mit einem Balken unkenntlich gemacht. Zudem wurden dessen berufliche Position und Wirkungsort genannt. Damit wurde der Betroffene für einen größeren Personenkreis identifizierbar. (…)

BILD (Berlin) erhielt eine öffentliche Rüge wegen der Berichterstattung über den Mord an einem Friedhofsgärtner. Die Zeitung hatte in dem Bericht den beiden Tatverdächtigen fiktive türkische Namen gegeben, da die Polizei nach jungen Männern „südländischer Herkunft“ gefahndet hatte. Wie kurze Zeit später bekannt wurde, handelte es sich bei den beiden Verdächtigen um Deutsche. [BILDblog berichtete.] BILD hat in der darauffolgenden Berichterstattung zu dem Fall dann deutsche Namen vergeben, ohne die Leser darauf hinzuweisen, dass sie vorab fiktive türkische Namen benutzt hatte. Hierin sah der Beschwerdeausschuss einen Verstoß gegen Ziffer 12 des Pressekodex, da die Verwendung der ausländischen Namen dazu führt, dass Vorurteile bedient werden.

PS: Wie immer ist „Bild“ zum Abdruck dieser Rügen verpflichtet.

Mit Dank auch an Konrad B. für den Hinweis.

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Sprachrohre einer egalitären (Medien-)Öffentlichkeit (nzz.ch)
Die Weblogs boomen: Im Internet gibt es Millionen von Amateur-Publizisten. Die meisten widmen sich Privatem, doch einige erheben aufklärerische Ansprüche. Können sie das Mediensystem bereichern?

Per Anhalter durchs Pluriversum (zeus.zeit.de)
Die Laien erobern das Internet. Mit welchen Folgen? Sieben Thesen zur digitalen Zukunft.

Wüste Drohungen (ndr.de)
Wie die NPD Journalisten behandelt.

All you can read (taz.de)
Warum ich so gerne für kostenlose Anzeigenblätter schreibe.

Umstellt von Erziehern (freitag.de)
Am Fall Natascha Kampusch zeigt sich die Unfähigkeit, Opfer zu denken.

Generalverdacht (sz-magazin.sueddeutsche.de)
Hier sehen Sie sechs Mitarbeiter des SZ-Magazins. Und einen mutmaßlichen Terroristen. Würden Sie ihn erkennen?

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