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Die Beute wehrt sich
(zeit.de, Götz Hamann und Florian Klenk)
Günther Jauch und seine Frau prozessieren gegen die »Bunte«. Der Abdruck von Paparazzi-Fotos könnte in Deutschland bald sehr viel teurer werden.

In Prag schreibt sichs billiger
(sonntagszeitung.ch, Michael Soukup)
Die «Süddeutsche Zeitung» hat eine Auslagerung der Online-Redaktion nach Tschechien geplant.

„Redaktionelle Kernkompetenz ist für unser Geschäft nicht entscheidend“
(persoenlich.com, Oliver Prange)
Die Telekom-Industrie weltweit erfindet sich gerade neu, denn die herkömmlichen Geschäftsmodelle brechen ein. So auch die Swisscom: Der dominierende Anbieter im Markt will ins Inhalts- und Werbegeschäft einsteigen.

Blogs und Journalismus, oder: Die Ära der Komplementarität
(ejo.ch, Marco Faré)
Manche lieben sie, manchen sind sie zutiefst zuwider. Manche halten sie für das Kommunikationsmittel der Zukunft, manche nur für eine Modeerscheinung und somit ein vorübergehendes Phänomen. Tatsächlich scheinen die Blogs in eine neue Phase eingetreten zu sein, in der man sie als Ergänzung zu den traditionellen Medien sieht.

Die Zukunft des Radios
(spiegel.de, Tim Renner)
Tim Renner, ehemals selbst Plattenboss und heute scharfer Kritiker der Musikindustrie, glaubt an die rettende Kraft des Digitalen. Ödes Formatradio gehöre bald der Vergangenheit an, prophezeit Renner in einem Gastbeitrag – denn die digitale Welt schaffe Vielfalt und Freiheit.

„Ich war Unterschicht“
(faz.net, Matthias Heine)
Der Vater verschwand noch vor der Geburt, mittags gab es Toast mit Ketchup, Geld für den Schulbus war auch nicht immer da. Ein persönliches Protokoll über eine Kindheit am Rand des sozialen Abgrunds.

Kurz korrigiert (274)

Gestern berichtete „Bild“ gewohnt detailfreudig über neue „Schock-Fotos aus Afghanistan“:

Ein Soldat hält dem Skelett wie bei einer Hinrichtung seine Dienstpistole, eine Walther P8, an den Totenschädel.

Das Modell P8 ist nicht von Walther, sondern von Heckler & Koch.

Danke für die sachdienlichen Hinweise an Claus C. und Stephan S.!

…und die Nationalflagge mitsingen!

Weil Jürgen Klinsmann möglicherweise Trainer der Fußball-Nationalmannschaft der USA wird, hat „Bild“ gestern „die wichtigsten Fragen“ dazu „beantwortet“. Darunter diese:

Singt er die US-Hymne mit?

Unwahrscheinlich! Klinsi hat immer betont, dass er sich als Deutscher fühlt und unsere Hymne mit Inbrunst singt. Der Text von „Stars and Stripes“, der US-Hymne, dürfte allerdings kein Problem für ihn sein.

Im Gegensatz zur „Bild“-Zeitung, für die schon der Titel der US-Hymne ein Problem ist. Sie heißt nämlich „The Star-Spangled Banner“. „Stars and Stripes“ nennt man die amerikanischen Flagge.

Danke an Reinhard T. für den Hinweis!

Ein Abend mit Bundesbruder Diekmann

Kai Diekmann, Foto: Philipp Neuhaus, wikipedia@dodekatex.de„Wir sind lieber erfolgreich als beliebt“, sagte Kai Diekmann gestern Abend. Er meinte damit die „Bild“-Zeitung, deren Chefredakteur er ist. Aber vielleicht passt der Satz auch auf die Burschenschaft Franconia, deren Mitglied er ist. (Die Franconia ist als Mitglied der „Burschenschaftlichen Gemeinschaft“ nach Auffassung des SPD-Bundesvorstandes als rechtsextrem einzustufen.)

Gestern hielt Kai Diekmann im Verbindungshaus an der Himmelreichallee in Münster wieder einmal einen Vortrag.

Ein BILDblog-Korrespondentenbericht.

„Bild“ vergibt Chance auf Kollegenschelte

Hagen Boßdorf will sich „gegen ‚Bild‘ wehren“, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“. „Bild“ hatte den Sportkoordinator der ARD nämlich am Donnerstag zum „Verlierer des Tages“ gemacht und über ihn geschrieben:

In einem „Zeit“-Interview verharmlost er den Blutdoping-Vorwurf gegen Radstar Jan Ulrich: „Was ist schon Doping? Wenn man sich das eigene Blut spritzt? Nee, Pillen und Spritzen, das ist Doping.“ BILD meint: Total daneben!

Boßdorf hatte aber lediglich aus der Sicht eines Sportlers sprechen wollen. Das lässt sich nachvollziehen, wenn man die vollständige Passage in der „Zeit“ kennt. Sie lautet nämlich:

„Vielleicht gerät man als Radfahrer in so ein Definitionsproblem“, sagt er schließlich. „Was ist schon Doping? (…)“

Allerdings wusste „Bild“ das wahrscheinlich gar nicht und kannte nur eine Vorabmeldung der „Zeit“, in der es heißt:

Boßdorf nimmt den unter Blutdoping-Verdacht stehenden Ullrich indirekt in Schutz: „Was ist schon Doping? (…)“

Der ursprüngliche Fehler lag also bei der „Zeit“, die Boßdorf in ihrer Vorabmeldung sinnentstellend zitiert hatte. Und insofern ist „Bild“ eigentlich kein Vorwurf zu machen. Außer dem, dass sie spätestens seit gestern weiß, was Boßdorf eigentlich gesagt hat und es heute trotzdem nicht korrigiert hat.

Mit Dank an Stefan J. für den sachdienlichen Hinweis.

Wo(gegen) sich Kai Diekmann wehrt

Gestern veröffentlichte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ auf ihrer Leserbriefseite eine Art Dementi von Kai Diekmann:

Am 16. Oktober war in der F.A.Z. folgendes über meine Rede vor dem Hamburger Wirtschaftsrat zu lesen: Vermögens- oder Gehaltslisten von Top-Verdienern, hätte ich angeblich geäußert, würden in „Bild“ nicht veröffentlicht. Kurz darauf habe „Bild“ allerdings genau solche Listen veröffentlicht. …

… Moment! Das stand in der „FAZ“? Stand das nicht in BILDblog?

Sowohl als auch. Denn die „FAZ“ hat einen Artikel über „einflußreiche Blogs“ am 16. Oktober mit einem Screenshot illustriert, auf dem groß und deutlich unser Eintrag über Diekmanns falsches Versprechen beim Wirtschaftsrat der CDU zu lesen war (siehe Ausriss).

Den Vorwurf wollte Diekmann offenbar nicht auf sich sitzen lassen — jedenfalls nicht in der „FAZ“. (Bei uns hat er sich nicht gemeldet.) Ausführlich legt er in seinem Leserbrief dar, was er wirklich gesagt habe: Zum Beispiel dass er nicht verstünde, „warum ausgerechnet Zentralorgane des deutschen Großkapitals wie F.A.Z. oder ‚Manager Magazin‘ solche Listen mit großem Aufwand erstellen und spektakulär veröffentlichen“.

Gesagt habe er auch, dass es ihm „als Chefredakteur einer Zeitung, deren Leser zumeist etwas weniger verdienen würden als Dax-Vorstände, aber oftmals von deren Entscheidungen unmittelbar betroffen seien, nicht leichtfalle, mich auf diesem Feld von den genannten Publikationen links überholen zu lassen“.

Vielleicht wollte Kai Diekmann dies sagen. Tatsächlich hat er nach seinem Vortrag vor dem Wirtschaftsrat der CDU auf die Publikumsfrage, welchen Anteil „Bild“ am Neid in unserer Gesellschaft habe, kritisch auf die Listen anderer Medien über die reichsten Deutschen verwiesen und hinzugefügt:

„Sie werden diese Gehaltslisten in ‚Bild‘ nicht finden.“

Danke an Klaus R. und Christof W.!

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Was ist heute guter Journalismus?
(akademie-fuer-publizistik.de, pdf, 89 kb)
Diese Preisfrage wurde 37 mal beantwortet, drei Gewinner stehen fest: 1. Philip Cueni, 2. Irene Dänzer-Vanotti, 3. Jörg Alsdorf.

Zwielichtige Meinungsbildner
(nzz.ch, S. B.)
Blogger werden zunehmend durch PR und Werbung vereinnahmt. Es geht dabei um den Versuch, einen Paradigmenwechsel im Umgang mit Informationen herbeizuführen.

BILD sei Dank
(telepolis.de, Christian Gapp)
„Schockfotos von deutschen Soldaten“ titelte BILD gestern. Schön sind sie nicht, die Fotos von Soldaten, die mit einem Totenkopf posieren. Aber sie sagen vielleicht mehr über die entrüsteten Betrachter und die Nöte der Soldatinnen und Soldaten bei Auslandseinsätzen aus als über die vermeintlichen Perversitäten der abgebildeten Soldaten.

Dänischer Chefredakteur freigesprochen
(welt.de, Clemens Bomsdorf)
An den Bildern drohte sich der Kampf der Kulturen neu zu entzünden. Doch das Gericht sieht in der Veröffentlichung der Mohammed-Zeichnungen keine Straftat. Die Kläger bleiben aber bei ihrer Sicht und gehen in Berufung.

Zappen verboten: Ein Fernsehtag mit der ARD
(faz.net, Jochen Hieber)
Im Zeitalter des Zappens einen Fernsehtag lang bei einem einzigen Sender zu verweilen und sich dabei nichts entgehen zu lassen: Das ist die Idee der Serie, mit der wir heute beginnen. Folge eins: 19 Stunden Das Erste.

Spieglein, Spieglein
(taz.de, Max Hägler)
Mit „clap“ bekommen Medien und Werber nun ihr eigenes Satiremagazin: Das Spaßdefizit soll weg.

Diekmanns rechte Verbindungen

Selbst, wenn er wollte: Kai Diekmann, Chefredakteur der „Bild“-Zeitung, dürfte nicht SPD-Mitglied werden. Die Partei jedenfalls würde einen entsprechenden Antrag Diekmanns ablehnen.

Aber der Reihe nach:

Obwohl nicht unbedingt dafür bekannt, als Vortragsreisender emsig durch die Lande zu touren, scheint Kai Diekmann in letzter Zeit häufiger am Rednerpult zu stehen. Insbesondere sein Vortrag über den „Erfolg der Marke BILD“ hat es ihm offenbar angetan. Nach Auftritten beim „PR-Club Hamburg“ und dem sog. „Wirtschaftsrat der CDU“ hält er ihn am heutigen Donnerstag zum dritten Mal, diesmal in Münster — bei der Burschenschaft Franconia.

Schließlich will die traditionsreiche Studentenverbindung ihren Mitgliedern „das richtige Rüstzeug für die spätere verantwortungsbewusste Teilnahme am gesellschaftlichen und politischen Leben“ vermitteln. So steht es auf der Franconia-Homepage. Außerdem steht dort, dass die Franconia „Mitbegründer der Burschenschaftlichen Gemeinschaft“ sei, die kurz als „Zusammenschluss von Burschenschaften Deutschlands und Österreichs“ beschrieben wird.

Grundlegend für die Burschenschaftliche Gemeinschaft ist dabei, dass keine Abtretung der Ostgebiete stattgefunden hat, sondern daß sich diese Gebiete im Schwebezustand befinden, da keine Abstimmung darüber unter den Vertriebenen durchgeführt wurde. Weiterhin unterstützt die Burschenschaftliche Gemeinschaft den volkstums-bezogenen Vaterlandsbegriff ohne Rücksicht auf Staatliche Gebilde und deren Grenzen.Unerwähnt lässt die Franconia allerdings, dass es sich bei der „Burschenschaftlichen Gemeinschaft“ (siehe Ausriss) um einen von Burschenschaftskritikern des Rechtsextremismus verdächtigten Zusammenschluss innerhalb des Dachverbandes „Deutsche Burschenschaft“ handelt, der (laut „Frankfurter Rundschau“) „mit der Abgrenzung nach rechts schon immer Schwierigkeiten hatte“ und laut SPD „eindeutig biologistisch, völkisch und großdeutsch ausgerichtet“ ist.

Zu den 22 deutschen Mitgliedern der „Burschenschaftlichen Gemeinschaft“ zählen neben der Franconia Münster auch Burschenschaften, die schon in diversen Verfassungschutzberichten auftauchten, weil sie „keine Berührungsängste“ zu Alt- und Neonazis zeigten. Und der SPD-Vorstand setzte im Frühjahr einen umstrittenen „Unvereinbarkeitsbeschluss“ durch, wonach niemand Mitglied der SPD sein dürfe, der Mitglied einer Burschenschaft der „Burschenschaftlichen Gemeinschaft“ sei.

Die Franconia selbst musste sich noch bis in dieses Jahr vorwerfen lassen, dass sie 2004 den angeblich ehemaligen Neonazi Oliver Westerwinter in ihren münsteraner Räumlichkeiten beherbergt habe.

Alles das aber dürfte Kai Diekmann, dem „Bild“-Chef, der heute ab 19 Uhr in ebenjenen Räumlichkeiten der Franconia Münster seinen Vortrag hält, ohnehin bekannt sein: Immerhin ist er selbst dort seit seiner Studienzeit* Mitglied.

*) Nachtrag, 27.10.2006: Möglicherweise ist Diekmann nicht, wie wir behauptet haben, seit seiner Studienzeit Franconia-Mitglied, sondern war dort offenbar während seiner Studienzeit Mitglied und ist es seit einiger Zeit wieder.

Nachtrag, 28.10.2006: Ein BILDblog-Korrespondentenbericht von der Franconia-Veranstaltung

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Agenten und Prinzipale
(werbewoche.ch, Stephan Russ-Mohl)
Journalisten gestehen nie ein, welche Folgen ihre Doppelrolle als Informationsempfänger und -vermittler zeitigt.

Licht aus für den Zirkus
(facts.ch, Markus Schär)
Ohne Christoph Blocher stirbt die „Arena“ einen langsamen Tod. Die einst wirkungsvollste Politsendung des Schweizer TV läuft wohl nach den nächsten Wahlen aus.

So war es
(weltwoche.ch, Gerhard Schröder)
Vom Eisenwarenverkäufer zum deutschen Weltpolitiker: Vor einem Jahr hat er das Amt des Bundeskanzlers niedergelegt, jetzt präsentiert er seine Erinnerungen. Auszüge aus Gerhard Schröders Autobiografie in einem exklusiven Vorabdruck.

Schröder-Buch – Die Hintergründe einer medialen Vermarktung
(ndr.de, Videobeitrag)
Deutschland, ein Schröder-Märchen? Der Eindruck entsteht, wenn man dieser Tage eine Zeitung aufschlägt oder sich durch die Fernsehkanäle zappt. Gerhard Schröder regiert wieder die Schlagzeilen – dieses Mal, weil er ein Buch geschrieben hat.

Das Bild des Bürgers in Uniform
(faz.net, Michael Hanfeld)
Spätestens jetzt ist das Bild des Bürgers in Uniform an der Realität zerbrochen: Aufnahmen zeigen Bundeswehrsoldaten in Afghanistan mit einem Totenschädel. Wieso sind die Fotos gerade nun aufgetaucht? Und wie ist die „Bild“-Zeitung an sie gelangt?

Wo the fuck bleibt Alice?
(taz.de, Martin Reichert)
Ohne einen DSL-Anschluss haben die Gayromeos in Brandenburg ein Problem: Sie können nicht zueinander finden.

Das Job-Wunder von Axel Springer

Tolle Nachrichten aus dem Hause Axel Springer: Der Verlag hat in den ersten neun Monaten dieses Jahres 281 neue Stellen geschaffen. Das geht aus einer Pressemitteilung der Axel Springer "Springer schafft 281 neue Jobs"AG hervor. Und in der „Bild“-Zeitung, die bei Axel Springer erscheint, findet man diese Information offenbar so wichtig, dass sie sie heute sogar auf der Titelseite platziert (siehe Ausriss).

Andere Informationen hingegen, die in diesem Zusammenhang vielleicht nicht ganz unerheblich sind, findet „Bild“ weniger wichtig: Zum Beispiel, dass Springer damit immer noch 82 Beschäftigte weniger hat als im Jahresdurchschnitt 2005. Oder dass Springer damit fast 4.000 Beschäftigte weniger hat als im Jahr 2001. Oder dass Springer im September angekündigt hat, bis 2009 266 Stellen abzubauen. Oder dass im September 600 Springer-Mitarbeiter vor der Konzernzentrale gegen die geplanten Stellenkürzungen protestierten. Oder dass der Springer-Betriebsrat, anders als der Vorstandschef, der Auffassung ist, dass bei Springer netto Stellen abgebaut würden, wie die „FTD“ heute berichtet. Oder dass ein Teil der neuen Stellen, wie eine Verlagssprecherin erklärte, in Polen entstanden. Oder, oder, oder…

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