Die niederrheinische Nationalmannschaft

Manche Dinge sind Chefsache bei „Bild“, und so ließ es sich Alfred Draxler, Stellvertreter des „Bild“-Chefredakteurs und Ober-Sport-Chef der Zeitung, nicht nehmen, Jupp Derwall mit einem Artikel zum 80. Geburtstag zu gratulieren.

Jupp Derwall, geboren am 10. März 1927 in Würselen bei Aachen. Zwei Länderspiele für Fortuna Düsseldorf.

Aber das wüssten wir dann doch gern genauer, was das für Länderspiele waren: Fortuna Düsseldorf gegen Eintracht Bulgarien?

Danke an Christian H. und Volker W.!

Nachtrag, 12. März. Anscheinend ist die Formulierung — auch nach Meinung vieler BILDblog-Leser — nicht so abwegig, wie wir dachten, sondern als Jargon durchaus üblich. Also gut: Wir ziehen unsere dumme Frage zurück.

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„Ich wollte berühmt werden“
(zuender.zeit.de, Simone Deckner)
Er war einer der bekanntesten deutschen Musikjournalisten, bevor seine Karriere in der Psychiatrie endete. Heute ist er Nachtportier und schreibt Bücher. Wie geht es Ihnen, Wolfgang Welt?

Ein Springer zwischen zwei Welten
(sz-magazin.sueddeutsche.de, Michael Jürgs)
Mathias Döpfner schreibt über Klassik, lobt Wolf Biermann und leitet den Springer-Verlag. Über einen Mann zwischen Bild-Zeitung und Bourgeoisie.

?Dieses Gefühl, nicht mehr allein zu sein?
(tagesspiegel.de, David Bauer)
Berlins bekanntester Blogger Johnny Haeusler über Medien, Macht und den täglichen Wahnsinn da draußen.

Maximo Park Avenue
(fr-online.de, Klaus Walter)
Das Pop-Magazin „Spex“ versucht ein Comeback.

Was Leser-Reporter leisten
(nzz.ch, ras.)
Eine kleine Bilanz von Medienhäusern.

»Tagesschau gucken« (+ +)
(zeit.de/campus, Karin Geil)
Was macht Claus Kleber den ganzen Tag? Der Moderator gibt Auskunft.

Allgemein  

W. wie Wiederholungstäter

Daniela W. starb 2001 an Krebs. Doch weil Daniela W. letztlich doch nur als exemplarisches Schicksal im Zusammenhang mit einem ganz anderen Fall herhalten muss, erscheint es uns überaus einleuchtend, dass „Bild“ sich gestern offenbar entschieden hatte, den Nachnamen von Daniela W. durch Abkürzung zu anonymisieren.

Weniger einleuchtend erscheint uns hingegen wieder einmal, dass es „Bild“ nicht gelungen ist, den Nachnamen von Daniela W. auch auf dem großen Foto ihres Grabsteins unkenntlich zu machen.

Mit Dank an Simon H. für den Hinweis und Daniel F. für den Scan.

Allgemein  

Bloß früher V

Heute groß in „Bild“ — Hammer-Fotos und mutige Satzbau-Experimente:

Es sind erschütternde Bilder, die den gefallenen Pop-Engel einen Tag zeigen, bevor Britney den dritten Entzugsversuch in der Suchtklinik „Promises“ startet.

Man könnte also auch sagen, es sind erschütternde Bilder, die fast zwei Wochen alt sind. Und da das Auto, das Spears mit einem grünen Regenschirm attackiert, einem der Paparazzi-Fotographen gehört, die gerade damit beschäftigt waren, sie zu fotografieren, ist es nicht überraschend, dass diese erschütternden, fast zwei Wochen alten Bilder auch seit fast zwei Wochen an vielen Orten für die Öffentlichkeit zu bestaunen sind.

Aber bei „Bild“ hat man sich vor lauter Erschütterung entschieden, sie nicht in ihrer aktuellen Berichterstattung damals („…schnappte sich einen grünen Regenschirm, schlug wie in Rage auf das Auto eines Fotografen ein…“) zu bringen. Sondern erst heute, fast zwei Wochen danach — dafür aber oben auf dem Titel und fast seitenfüllend auf der letzten Seite (Ausriss unten).

Sind es erste Versuche, aus „Bild“ angesichts sinkender Auflagen eine Monatszeitschrift zu machen?

Ist gestern eine andere, wirklich große Geschichte, für die schon auf der ersten und letzten Seite Platz freigeräumt worden war, 30 Sekunden vor Redaktionsschluss geplatzt?

Steckt dahinter die Entscheidung, im Sinne journalistischer Ausgewogenheit am Weltfrauentag nicht nur die Glanzseiten dieses Geschlechts zu zeigen?

Bessere Vorschläge?

6 vor 9

Kein Medium für dicke, bildungsferne Arbeitslose?
(medienspiegel.ch, der unmündige Leser)
Kürzlich haben wir uns durch die Verlagsseiten von sehr unterschiedlichen Schweizer Medien geklickt. Besonders aufgefallen sind uns dabei die jeweiligen Angaben zu den Zielgruppen, die uns veranlasst haben, für Sie, geschätzte Leserinnen und Leser, ein Zielgruppen-Quiz zusammenzustellen. Testen Sie Ihr Wissen über die Schweizer Medienbranche und versuchen Sie, den zwölf zufällig ausgewählten Publikationen die jeweils selbstdeklarierte Zielgruppe zuzuordnen.

„Lassen Sie uns ganz offen reden…“
(dradio.de, Hajo Schumacher)
Der Autor dieser Zeilen weiß sich als eben einer dieser Moderatoren mitten im Glashaus, wenn er diese Illusionsveranstaltungen bemäkelt, die praktisch täglich in Fernsehen und Radio veranstaltet werden. Bisweilen, viel zu oft womöglich, macht er dieses Spiel sogar mit. Deswegen kann er aber dennoch ein paar besorgte Gedanken darüber verlieren.

Druck auf die Tränendrüse
(zeit.de, Jürgen Krönig)
Die Berichterstattung in den Medien ist einer neuen Studie zufolge in den vergangenen zehn Jahren deutlich emotionaler geworden.

Möglichst viel blättern
(taz.de/blogs/bildschirmtext)
Page Impressions (PI), also Seitenaufrufe, sind die Auflagenzahl der Onlinemedien. Umso höher, desto besser für das Anzeigengeschäft.

Rasende Reporterin macht mit 103 Karriere
(sf.tv, Video, 3:43 Minuten)
Shino Mori ist 103 Jahre alt und seit einem Jahr im Fernsehbusiness. Für Amakusa-TV, einem japanischen Internetfernsehen, ist sie als rasende Reporterin unterwegs. Shino Mori ist längst ein Star und ihr Erkennungszeichen die pinke Reporterjacke.

Jetzt bist Du in der Blogospähre (+)
(sehrcool.de, Audio)
Wenn Du mich verlinkst, verlink ich Dich auch. Ein neuer Blog-Song.

„Bild“ lässt sich ein E für ein A vormachen

Heute in „Bild“-Hamburg:

Sagen wir’s so:
„Nach BILD-Informationen“ ist es Hamburgs SPD-Fraktionschef Michael Neumann, in Wirklichkeit wird es der „Zeit“-Herausgeber Michael Naumann.

Mit Dank an Olaf J. für den Hinweis und die Inspiration zur Überschrift sowie Yasemin Y. für den Scan.

Kurz korrigiert (319)

Da berichtet „Bild“ seit über einer Woche täglich in einer überwältigenden Zahl von Artikeln über das Leid der Deutschen, die am Ende des zweiten Weltkrieges aus Ostpreußen vertrieben wurden („Haben die Russen auf Befehl vergewaltigt?“) — und dann das:

Litauen liegt natürlich östlich von Ostpreußen.

Mit wahren Zahlen die Unwahrheit sagen

Die letzte große Renten-Schock-Tabelle auf Seite 1 der „Bild“-Zeitung liegt locker mehrere Tage zurück. Das konnte so nicht bleiben.

BILD nennt die wahren Zahlen! Kann man von dieser RENTE leben?Und so überrascht „Bild“-Renten-Lügen-Experte Dirk Hoeren gemeinsam mit zwei Kollegen heute mit dem Versprechen, „zum ersten Mal die wirklichen Zahlen“ zu nennen. Sie sind — natürlich — höchst beunruhigend und lassen „Bild“ rhetorisch fragen: „Kann man von dieser RENTE leben?“

Die Zahlen, die „Bild“ veröffentlicht, geben an, wie viel Geld die Rentner in Deutschland zur Zeit durchschnittlich ausgezahlt bekommen — sortiert nach Altersgruppen, West und Ost, Mann und Frau. Und, um es klar zu sagen: Sie stimmen in dem Sinne, dass sie statistisch korrekt sind.

Ob sie „wahr“ oder „wirklich“ sind, ist eine andere Frage. Aussagekräftig oder von irgendeiner tatsächlichen Relevanz sind diese Durchschnittswerte jedenfalls nicht. Sie beinhalten nämlich sämtliche Rentenansprüche — auch die vielen Kleinrenten von Menschen, die nur kurze Zeit berufstätig waren, von Müttern, die nie berufstätig waren, von Beamten, die am Anfang ihres Berufslebens kurz als Angestellte gearbeitet haben. Ein solcher Beamter würde natürlich vor allem von seiner Beamtenpension leben. In die „Bild“-Rechnung geht aber nur seine winzige gesetzliche Rente ein, die den Durchschnitt entsprechend senkt.

Dieser Durchschnitt ist deshalb sehr wenig aussagekräftig. Und schon gar nicht lässt er Aussagen darüber zu, von wieviel Geld die Menschen „leben“ müssen — neben Beamtenpensionen fehlen zum Beispiel auch Betriebsrenten oder die eigenständige Versorgung freiberuflicher Rechtsanwälte, Ärzte oder Architekten in der Rechnung.

In der Fortsetzung des Artikels auf Seite 2 deutet „Bild“ immerhin die Unzulänglichkeit der Durchschnittszahlen an und schreibt:

Warum gibt es so wenig [Rente]?
Weil immer mehr Senioren in Rente gehen, die arbeitslos waren und deshalb nicht genug in die Rentenkasse einzahlen konnten.

Das ist zwar in anderer Hinsicht wieder grob irreführend, denn die größere Zahl von ehemals arbeitslosen Rentnern senkt natürlich nicht die Rentenansprüche der anderen. Sie senkt aber natürlich die Durchschnittszahlen von „Bild“.

Dennoch spricht „Bild“ diesen Zahlen wider besseres Wissen eine Aussagekraft zu, die sie nicht haben, und überschreibt den Seite-2-Artikel mit den Worten:

BILD nennt die wahren Zahlen / Für so wenig Rente haben wir das ganze Leben gearbeitet

Richtig hätte die Überschrift lauten können:

BILD nennt die wahren Zahlen
Aber wer das ganze Leben gearbeitet hat,
bekommt fast immer mehr

Hätte Bild.de nicht jemanden anrufen können?

Jaha, lustig, was man alles im Internet findet. Von der Seite Unmoralische.de hat Bild.de eine Aufstellung der „dümmsten Antworten aus TV-Quiz-Shows“ übernommen und dabei auf jeden Plausibiliätstest verzichtet. An dritter Stelle findet sich nämlich folgendes Beispiel:

Günther Jauch stellte eine Frage nach dem Vornamen von „George (!) W. Bush“? Und die Kandidatin wusste es nicht?? Und das Publikum wusste es auch nur ganz knapp???

Okay, im Internet findet sich etwas, das „Bild“ vermutlich einen „Foto-Beweis“ nennen würde:

Darauf ist zwar nur sehr schwer zu erkennen, dass die Frage auf dem Monitor der Kandidatin gar nicht ein-, sondern zweizeilig ist, es sich also um eine Montage handeln muss. Aber angesichts der ohnehin überwältigenden Unwahrscheinlichkeit des Ganzen wäre das falsch geschriebene Wort „heisst“ vielleicht doch ein letztes und schließlich überzeugendes Indiz dafür, dass es sich bei all dem —

— nur um eine Erfindung handelt.

Oder um es mit Bild.de zu sagen:

Dümmer geht’s immer.

Danke an Markus S. und Piet W.!

PS: Für alle, die es genau wissen wollen: Die Frage ist bei „Wer wird Millionär?“ nie gestellt worden, auch nicht in ähnlicher Form, auch nicht mit anderen Antworten. Thema war nur Bushs zweiter Vorname einmal: In der Sendung vom 24. Mai 2001 fragte Jauch, wofür das „W.“ im Namen des damals neuen Präsidenten steht.
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