Werbedurchfall bei Bild.de (3)

Langsam wird es bizarr.

Die Startseite des „Spiele“-Ressorts bei Bild.de, die am Wochenende plötzlich vollständig (und vermutlich zutreffend) als Werbung gekennzeichnet war, präsentiert sich heute wieder als redaktioneller Inhalt. Die beiden kleinen Worte „Anzeige“, die rechts oben und unten standen, sind ersatzlos verschwunden:

Danke an Thorsten L.!

Nachtrag, 16.05 Uhr. Die Entscheidung, ob über einer Seite „Anzeige“ steht oder nicht, wird bei Bild.de nun offenbar nach dem gleichen Prinzip getroffen wie die, ob jemand anonymisiert wird und welche Altersangabe er hinter seinen Namen bekommt: zufällig. Aktuell ist die Startseite des Spiele-Ressorts wieder komplett als Werbung markiert.

(Fortsetzung hier.)

Werbedurchfall bei Bild.de (2)

Keine 48 Stunden, nachdem wir darauf hingewiesen haben, wie kunstvoll und unzulässig das „Spiele“-Ressort von Bild.T-Online werbliche Inhalte redaktionell verpackt, hat Bild.T-Online sein „Spiele“-Ressort vollständig zur Anzeige umdeklariert:

Das ist zweifellos ein Fortschritt. Und wirft doch wieder viele Fragen auf. Wir machen uns keine Illusionen mehr, dass uns der Springer-Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner, der Bild.T-Online-Vorstandsvorsitzende Gregor Stemmle oder auch nur der „Bild“- und Bild.T-Online-Sprecher Tobias Fröhlich diese Fragen beantworten werden. Wir wollen sie dennoch festhalten:

  • Warum schafft es das „führende crossmediale General-Interest-Portal“ Deutschlands, das der Axel Springer AG nach eigenen Angaben „große Freude“ und „mittlerweile eine zweistellige Umsatzrendite“ beschert, nicht, von sich aus redaktionelle und werbliche Inhalte so zu trennen, wie es das Gesetz und die angeblich geltenden „journalistischen Leitlinien“ vorschreiben?
  • Warum beseitigt Bild.T-Online die offensichtlichsten Formen der Schleichwerbung im Angebot innerhalb kürzester Zeit, nachdem wir darauf hingewiesen haben (nachzulesen z.B. hier, hier, hier und hier)?
  • Weiß Bild.T-Online, dass die Praktiken gesetzeswidrig sind, versucht aber so lange wie möglich davon zu profitieren, bis jemand öffentlich darauf hinweist?
  • Misslingt die Trennung von Werbung und Redaktion bei Bild.T-Online deshalb immer wieder, weil es intern — anders als behauptet — gar keine Trennung zwischen Redaktion und Anzeigenabteilung gibt?

PS: Konkret könnte man natürlich noch die Frage hinzufügen, wieso es Bild.T-Online bei der Umdeklarierung des „Spiele“-Ressorts nicht gelungen ist, alle Teaser entsprechend als Anzeigen zu kennzeichnen. Auf der Startseite von Bild.de und im „News“-Ressort stehen weiterhin Werbehinweise wie diese hier unten herum, die so tun, als würden sie auf redaktionelle Artikel verweisen. Aber auch das wird sicher in den nächsten Stunden als Reaktion auf diesen Eintrag korrigiert werden.

(Fortsetzung hier.)

„Bild“ lässt eigenen Fehler klarstellen

Ganz am Ende des heutigen „Steuer-Schock“-Artikels „So teuer wird 2007″ steht in „Bild“ ein merkwürdiger Satz. Er lautet:

Das Bundesfinanzministerium stellte unterdessen klar: Die Besteuerung der Bergmannsprämien (5 Euro je voller Schicht unter Tage) bringt nur 25 statt 300 Millionen Euro.

Das klingt, als habe das Bundesfinanzministerium da einen blöden Fehler gemacht. Als hätte man sich verrechnet. Als müsse man nachträglich, peinlicherweise, zugeben, dass die Besteuerung der Prämien viel weniger Geld bringt, als man sich erhofft hatte.

Nur hat das Bundesfinanzministerium von Anfang an von 25 Millionen Euro gesprochen. Nachzulesen war das am Mittwoch und Donnerstag u.a. im „Hamburger Abendblatt“, in der „Financial Times Deutschland“, bei n-tv, im österreichischen „Standard“, im „Handelsblatt“ und in der „Frankfurter Rundschau“.

Von 300 Millionen Euro Mehreinnahmen hatte nicht das Bundesfinanzministerium gesprochen, sondern — Sie ahnen es: die „Bild“-Zeitung. Neben einem Artikel des Hauptstadtbüroleiters Sebastian von Bassewitz stand am Donnerstag:

Bergmannsprämien: 5 Euro / Tag für jede volle Schicht unter Tage müssen versteuert werden. Mehreinnahmen: 300 Millionen Euro.

„Bild“-Chefkorrespondent Einar Koch (der sich schon bei den Rechtsextremen verzählt hatte) nutzte die (falsche) Zahl gleich in seinem Kommentar und schrieb:

Die „Reichensteuer“, die gerade mal vergleichsweise lächerliche 127 Millionen Euro Mehreinnahmen bringt, dient nur dazu, Neidkomplexe zu bedienen, die breite Masse der Geschröpften ruhig zu stellen.

Zum Vergleich: Allein die fünf Euro, die künftig die Kumpel von ihrer Bergmannsprämie versteuern müssen, bringen dem Fiskus mehr als das Doppelte!

Das war großer Unsinn von „Bild“. Der Zeitung ist es aber offenbar unmöglich, eigene Fehler einzugestehen. Und deshalb klingt es also, wenn „Bild“ sich entschieden hat, einen eigenen Fehler richtigzustellen, so:

Das Bundesfinanzministerium stellte unterdessen klar: Die Besteuerung der Bergmannsprämien (5 Euro je voller Schicht unter Tage) bringt nur 25 statt 300 Millionen Euro.

Vielen Dank an David H. und Torben K.!

Allgemein  

Symbolfoto XXXVII

In Nigeria ist heute eine Pipeline explodiert.

Und Bild.de zeigt dazu auch ein dpa-Foto:

Das dpa-Foto allerdings zeigt nicht etwa, wie Bild.de (auch in einem großen Teaser) vermuten lässt, die heutige Explosion der Pipeline, sondern, wie es z.B. korrekt bei Handelsblatt.com heißt, ein „Archivbild“. Noch genauer heißt es dort:

"Das Archivbild vom 17.9.2004 zeigt ein ähnliches Unglück in Nigeria."

Mit Dank an Marc B. für den Hinweis.

Nachtrag, 13. Mai. Es hat lange gedauert, aber inzwischen hat Bild.de das Foto gegen ein anderes ausgetauscht.

Ein Gedicht für Günther Jauch

Ganz besonders bitter ist die Tatsache, dass Günther Jauch unter Ausschluss der Öffentlichkeit heiraten will, natürlich für seinen Fanclub, der sich angeblich extra ein Gedicht zusammengereimt hatte, wie „Bild“ heute exklusiv suggeriert:

„Was Ihr Euch ersehnt seit einiger Zeit / es wird bald Wirklichkeit /

Wir wünschen Euch von Herzen nun / Gottes Segen möge auf Euch ruhn“

Hmmmmmm.

Nachtrag, 21.10 Uhr. Ursprünglich hatten wir an dieser Stelle noch die „Bild“-Formulierung bemängelt, Jauch heirate die „Mutter seiner vier Kinder“. Da waren wir leider etwas voreilig.

Danke an Andreas C. und Thorsten G.!

Hirnlos

Im Grunde ist es ganz einfach: Wer hirntot ist, ist tot. Wer im Wachkoma liegt, ist nicht tot. Daraus folgt: Man kann nicht gleichzeitig im Wachkoma liegen und hirntot sein.

Für „Bild“ ist das offenbar zu kompliziert. Jedenfalls findet sich dort dieser Artikel:

Im Text heißt es dann:

Das Martyrium dauerte angeblich zwei Stunden, Antonio bekam keine Luft — Herzstillstand, Hirntod!

(…)

Seitdem ist der Italiener, der früher als Kaufmann arbeitete, gelähmt und schwerstbehindert. Wachkoma!

Und wir wissen zwar nicht, ob Gia im Wachkoma liegt, die Frage aus der „Bild“-Überschrift lässt sich aber eindeutig beantworten: Gia wurde nicht „hirntot geprügelt“. Ein Blick auf das von „Bild“ veröffentlichte Foto reicht aus, um das zu wissen. Dort ist Gia nämlich im Rollstuhl zu sehen, und es sieht ganz und gar nicht so aus, als würde er künstlich von einer Beatmungsmaschine am Leben gehalten.

Natürlich hätte „Bild“ sich das auch von einem Pfleger oder der Schwester des Opfers erklären lassen können. Schließlich machte das Blatt einen „BILD-Besuch bei dem Prügel-Opfer“. Aber wahrscheinlich war man zu sehr mit der Recherche der wirklich wichtigen Details beschäftigt.

Mit Dank an Jördis G. und Tom K. für den sachdienlichen Hinweis.

Werbedurchfall bei Bild.de

Im vergangenen Herbst wurde die Arbeitsstruktur bei Bild.T-Online geändert. Damit sollte, wie der Vorstandsvorsitzende scherzte, die „konsequente Trennung von Redaktion und werblichen Inhalten noch stärker“ im Unternehmen verankert werden. Seitdem weiß jeder Mitarbeiter exakt, ob er für Werbung oder Redaktion zuständig ist.

Schön wäre es, wenn man das auch als Leser wüsste. Zum Beispiel bei Marion Helmes. Sie hat u.a. diesen Artikel im Ressort „Spiele“ von Bild.de verfasst:

Der Artikel ist erstaunlich euphorisch verfasst, was vielleicht kein Wunder ist — er ist über weite Strecken fast identisch mit der Pressemitteilung, die das Unternehmen herausgegeben hat, von der das Spiel stammt. Nichts deutet darauf hin, dass Frau Helmes das Spiel, das sie so begeistert bewertet („auf keinen Fall entgehen lassen“), selbst gespielt hat.

Die Redaktion von Bild.de war offenbar so beeindruckt von dem „Flitzkacke“-Spiel, dass sie es sogar direkt von ihrer Seite zum Download anbietet — nicht ohne vorher 14,95 Euro vom Bild.de-Leser zu kassieren, von denen mutmaßlich ein Teil an den Lizenzgeber „Bluefish Media“ geht und ein anderer in die Kassen von Bild.T-Online.de fließt.

An keiner Stelle wird der Bild.de-Leser auf dem Weg von der Homepage zum Kauf des Produktes durch ein Wort wie „Anzeige“ gebremst. Bis zuletzt erfährt er nicht, ob er ein Spiel von Bild.de oder von jemand anderem kauft, geschweige denn, ob die Euphorie bei der redaktionellen Ankündigung tatsächlicher journalistischer Begeisterung geschuldet ist oder schnöden Geschäftsmodellen.

Im gesamten „Spiele“-Ressort von Bild.de gibt es keinerlei Trennung zwischen redaktionellen und werblichen Inhalten. Möglicherweise ist jeder einzelne „Artikel“ in diesem Ressort (ähnlich wie beim „Erotik“-Ressort) in irgendeiner Form gekauft — doch zu erkennen ist das entweder gar nicht oder sehr unvermittelt, wenn der Besucher nach einem Klick auf einen scheinbar redaktionellen Link plötzlich mitten in einer Anzeige steht.

Ein Beispiel von Dutzenden: Über das Spieleportal „Deutschland spielt“ berichtet Bild.de einerseits scheinbar redaktionell und verzichtet bei Teasern auf der „Spiele“-Startseite auf das sonst übliche Wörtchen „Anzeige“. Wer aber in der (redaktionellen) Menuleiste auf „Deutschland spielt“ klickt, kommt auf eine Seite, in der die gleichen Teaser und Artikel plötzlich vollständig als „Anzeige“ markiert sind.

Diese Praxis ist rechtswidrig. Und sie verstößt gegen die angeblich sowohl bei Springer als auch bei Bild.T-Online geltenden „Leitlinien“.

Und obwohl niemand von Bild.T-Online auf unsere Mails oder unsere Briefe antwortet und obwohl BILDblog nach Angaben des Unternehmenssprechers „unterhalb der Wahrnehmungsschwelle“ von Bild.T-Online liegt, werden innerhalb weniger Tage nach Veröffentlichung dieses Eintrags bestimmt wieder einmal viele kleine „Anzeigen“-Schildchen bei Bild.de auftauchen.

Danke an Jörg für den Hinweis!

Nachtrag, 16.30 Uhr. Marion Helmes, von der die meisten scheinbar redaktionellen Spielebesprechungen auf Bild.de stammen, arbeitete übrigens zuvor bei der Firma Intenium, die das Portal „Deutschland spielt“ betreibt, für das Bild.de so eifrig (und oft ungekennzeichnet) wirbt. Auf ihrer Seite im Business-Netzwerk openbc.com hat sie unter „Ich suche“ unter anderem angegeben: „hochmotivierte Praktikanten für eine Online-Redaktion (Standort Berlin)“.

(Fortsetzung hier.)

Milchmädchen (25) serviert „Bild“ die Rechnung

Vielleicht waren die zuständigen „Bild“-Redakteure nur abgelenkt durch die „hübsche Peggy (25)“ und die Möglichkeit, gleich mehrere Wortspiele mit „Latte“ zu machen. Vielleicht haben sie aber auch grundsätzliche Verständnislücken, was Mehrwertsteuer und Prozentrechnung angeht.

Jedenfalls versucht „Bild“ uns heute zu erklären, woraus sich die Kosten für einen „Latte Macchiato“ (laut „Bild“ ist das die „Ital. Kurzbezeichnung für Espresso mit Milch“) zusammensetzen, und macht folgende Rechnung auf:

Das kann nicht stimmen. Denn die Mehrwertsteuer wird natürlich auf den Nettopreis erhoben. Ohne Mehrwertsteuer kostet der Kaffee laut „Bild“ 2,44 Euro. Davon 16 Prozent sind 0,39 Euro. Macht insgesamt: 2,83 Euro.

(Sollte der Kaffee aber bei der hübschen Peggy (25) wirklich 2,90 Euro kosten, betrüge der Mehrwertsteueranteil 0,40 Euro, und „Bild“ müsste bei den anderen Bestandteilen der Rechnung noch ein paar Cent aufschlagen.)

Die „Bild“-Rechnung würde stimmen, wenn der Mehrwertsteuersatz bereits bei 19 Prozent läge — wogegen die Zeitung ja zur Zeit täglich anschreit, anscheinend ohne das Wesen der Steuer wirklich verstanden zu haben.

Danke an Rüdiger E., Christian R., Joachim O. und die anderen Hinweisgeber!

Nachtrag, 21 Uhr. Mysterium „Bild“-Zeitung: In Chemnitz kostet der Latte Macchiato laut der dortigen „Bild“-Ausgabe nur 2,50 Euro. Dort gibt es offenbar kein Gebäck zum Kaffee, und es fehlt die Zeit, die Rechtschreibung noch einmal zu überprüfen. Dafür ist die Mehrwertsteuer völlig korrekt mit 16 Prozent berechnet.

Vox Populi

Am Mittwochnachmittag hinterließ ein Leser bei zeit.de folgenden Kommentar:

Heute erlebt – Straßenumfrage der Bild.

Reporter: „Wie finden Sie, daß die Bild nicht über die Hochzeit Günther Jauchs berichten darf?“

Antwort Passant: „Gut.“

Bild-Reporter: „Ok, danke schön, wir suchen aber eine andere Meinung.“

So passierte das noch drei mal!

Der Bild-Reporter hatte von ganz oben den Auftrag bekommen, bnur Leute mit der richtigen Meinung zu Wort kommen zu lassen: Bild soll berichten und Jauch soll sich fügen (und damit auch die dt. Justiz, die ja schließlich das Urteil erlassen hat)

Naja, morgen sind dann in der Bild die Leute zu sehen, die sich eine Berichterstattung der Bild wünschen.

Der zeit.de-Leser hatte Unrecht. „Bild“ brauchte einen Tag länger:

Danke an Jonas G.!

Kurz korrigiert (102)

Bild.de schreibt über die aktuelle Charts-Platzierung des deutschen Beitrags für den Eurovision Song Contest:

„Und schon gibt es den ersten Eintrag in die Geschichtsbücher der Hitparade. Noch nie stand ein deutscher Grand-Prix-Beitrag vor der internationalen Endrunde an der Spitze der deutschen Charts!“
(Hervorhebung von uns.)

Und weil Bild.de das offenbar bemerkenswert findet, steht’s als „Grand-Prix-Rekord“ sogar in Überschrift und Teaser. Doch auch, wenn man das bei „Bild“ vielleicht nicht wahrhaben will: Die „Texas Lightning“-Platzierung ist kein „Grand-Prix-Rekord“. Im Frühjahr 2004 schon stand Max Mutzke mit seinem Beitrag „Can’t wait until tonight“ an der Spitze der deutschen Charts: vom 22. März bis 11. April 2004 (KW 13 bis 15) und damit ebenfalls „vor der internationalen Endrunde“ am 15. Mai 2004 — sogar von Null auf Platz 1.

Mit Dank an Peter K. für den Hinweis.

Nachtrag, 20.35 Uhr: Zurückzuführen ist der Bild.de-Fehler vermutlich auf eine (gelinde gesagt) irreführende Formulierung in einer Pressemitteilung des NDR eine Woche vor dem Finale. Dort heißt es nämlich: „Damit geht beim Eurovision Song Contest zum ersten Mal ein Titel für Deutschland ins Rennen, der hierzulande an der Spitze steht.“

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