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Der Gossenreport (netzeitung.de)
Ist es cool oder uncool, die «Bild»-Zeitung schrecklich zu finden? Beobachtungen von einer Veranstaltung in Kreuzberg.

Googeln als erste Journalistenpflicht (stefan-niggemeier.de)
Weil so oft darüber geschimpft wird, dass Journalisten immer häufiger Googeln mit Recherchieren verwechseln ? schön wär?s ja schon, wenn die Journalisten überhaupt googeln würden, bevor sie schreiben.

Fotoagentur Magnum erfindet sich neu (welt.de)
Der Fotojournalismus ist durch die Digitalisierung verlustträchtig geworden. Nicht so bei der berühmtesten Agentur der Welt: Sie nutzt das Internet als Geldquelle.

Text oder nie! (drs.ch)
DRS 3, Arosa Humor Festival und Migros Kulturprozent suchen gute Texte voller Biss und Humor – also Deinen besten Text.

„Ich baue auf den Ruhm post mortem“ (sueddeutsche.de)
Ein Gespräch mit dem Dichter Wolf Wondratschek – über sein Werk, die Kritiker, seine Freundschaft zu Bernd Eichinger und den Ort, an dem er tot sein will.

Madonna im Hardcore-Plüsch (spiegel.de)
Ilona Staller, Hardcore-Pornostar der Achtziger, ist heute 54 und lebt ein ruhiges Leben zwischen Plüschtieren und Fitnessclub. Von der Politik hält Cicciolina inzwischen wenig, vom Papst viel. Dennoch hat sich die einstige Parlamentarierin kaum verändert. Ein Penthousebesuch.

Kurz korrigiert (267)

Bild.de ist im „Lotto-Fieber“ und schreibt:

Im Juli erzielte ein Mann aus Schleswig-Holstein mit rund 21,2 Mio. Euro den höchsten Einzelgewinn in der Lotto-Geschichte.

Nö. Den höchsten Einzelgewinn der Lotto-Geschichte erzielte ein Mann im Breisgau am 25. Mai 2005. Er gewann 23,9 Mio. Euro. Und gestern wusste man das in der „Bild“-Familie auch noch.

Danke an Manfred H.!

Nachtrag, 3. Oktober. Sicherheitshalber hat Bild.de den Satz nicht korrigiert, sondern ersatzlos gestrichen.

Mega-starke Freundschaft

Am Samstag wettete Thomas Gottschalk in „Bild“, dass er mit „Wetten, dass…?“ mehr Zuschauer haben werde als am Samstag zuvor Günther Jauch, Andy Borg und Stefan Raab zusammen.

Er verlor, und deshalb darf muss wird Gottschalk demnächst einen Tag lang den Posten des „Bild“-Chefredakteurs übernehmen.

Trotzdem, schreibt „Bild“, habe „Wetten, dass…?“ am Samstag eine „mega-starke Einschaltquote (12,02 Mio.)“, ja: eine „Traumquote“ erzielt.

Soso. Es war die niedrigste „Einschaltquote“ einer regulären „Wetten, dass…?“-Sendung seit dem 29. April 1995.

Es zahlt sich also aus, mit „Bild“ befreundet zu sein. Vor allem, wenn es mal nicht so gut läuft.

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Studie über den Journalismus (dradio.de)
Was ist mit den deutschen Journalisten los? – fragen die Autoren dieses „Reports über Journalisten in Deutschland“ irgendwann gegen Ende ihrer umfangreichen Studie. Dabei bleiben sie die Antwort zwar nicht direkt schuldig, doch sie fällt so differenziert aus.

Marketing-Kolumne: Werbung 2.0 (brandeins.de)
Im Web 2.0 der Bürgerportale, Videoblogger und Selbstdarsteller lösen sich die klassischen Zielgruppen auf. Aber das macht nichts. Die Online-Werber nehmen ohnehin schon Einzelpersonen ins Visier.

Medienattacke 2.0 (fr-aktuell.de)
Ist nun Revolution? Oder doch eher nicht? So leicht klären lässt sich das nicht. Jedenfalls: Die Weblogs verändern das Selbstverständnis der Presse.

Die Maus hielt viel aus (tagesspiegel.de)
Sabine Christiansen moderiert ihr letztes Talkshow-Jahr im deutschen Fernsehen. Trotz heftigem Gegenwind hat sie es ganz nach oben geschafft.

Daten sind Macht (faz.net)
Das Wissen der Welt zugänglich zu machen – dieser Mission hat sich Google verschrieben. Nicht überall kommt diese Absicht, die mit dem Urheberrecht kollidiert, gut an. Eine Charmeoffensive soll jetzt Abhilfe schaffen.

Teleshopping (nzzfolio.ch)
Einmal pro Jahr treffen sich die Einkäufer der TV-Sender in Los Angeles und feilschen um die neuen Serien. Was Sie morgen am TV sehen werden.

Springers Leitlinien leiten nicht

„[Unsere journalistischen Leitlinien] sind ein Schutzwall für unabhängigen Journalismus. Wir haben sie in einer Zeit eingeführt, in der der kommerzielle Druck auf Redaktionen immer größer wird. Jeder wird natürlich beobachten, wie wir damit umgehen – das macht uns angreifbarer als diejenigen, die still ihre faulen Kompromisse machen.“

Mathias Döpfner, Vorstandschef Axel Springer AG, 13. März 2004

 

Ganz konkret zeigt sich der Umgang der Axel Springer AG mit diesen Leitlinien natürlich einfach daran, dass Bild.de sich konsequent weiter als Schleichwerbeportal positioniert und exakt dieselben Schleichwerbe-Praktiken pflegt, die Bild.de von Gerichten bereits zweimal untersagt wurden. (Oder daran, dass der Berater des „Bild“-Chefredakteurs seine jahrelange Werbekampagne für eine Nassrasierer-Marke im Blatt fortsetzt.)

Aber die Bedeutungslosigkeit dieser „journalistischen Leitlinien“ ist noch grundsätzlicher. Im Sommer haben wir versucht, eine Stellungnahme des Verlages zu den merkwürdigen Werbepraktiken im Spiele-Ressort von Bild.de zu bekommen. Wir wollten, dass uns jemand erklärt, warum diese Praktiken, die wir als Schleichwerbung bezeichnen würden, anscheinend nicht gegen die „journalistischen Leitlinien“ verstoßen.

Was dann passierte, ist vielleicht ganz aufschlußreich.

Wir haben eine Mail an Tobias Fröhlich geschrieben, der Pressesprecher für „Bild“ und Bild.de ist. Nach mehreren Nachfragen bekamen wir die Antwort, er werde sich mit der Sache nicht befassen. Wir haben daraufhin eine Mail an Edda Fels geschrieben, die Leiterin Unternehmenskommunikation bei der Axel Springer AG. Wir baten sie, uns einen Ansprechpartner für unser Anliegen zu nennen. Sie gab uns zur Antwort, soweit sie wisse, sei Herr Fröhlich an der Sache dran. Als wir sie darauf aufmerksam machten, dass für Herrn Fröhlich die Sache längst erledigt sei und fragten, ob es „irgendeinen Ansprechpartner in der Axel Springer AG“ gibt, der dem Vorwurf von Verstößen gegen die „journalistischen Leitlinien“ nachgeht, bekamen wir keine Antwort mehr. Stattdessen meldete sich einige Tage später Herr Fröhlich und bat um Verständnis, dass er „jetzt nicht im Detail auf Ihre Darstellung in Ihren Fragen eingehen möchte“. Eine Antwort in der Sache erhielten wir nicht.

Als nächstes wandten wir uns mit einem Brief an Mathias Döpfner. Wir baten ihn um Unterstützung, da er noch wenige Wochen zuvor bei einer Tagung des „Netzwerk Recherche“ die Bedeutung der „journalistischen Leitlinien“ betont hatte. Wir fragten ihn:

Warum geht meinem Hinweis, Bild.de verstoße systematisch gegen die „Journalistischen Leitlinien“, niemand nach — und sei es nur, um den Vorwurf zu entkräften? Wer sorgt intern dafür, dass die „Leitlinien“ nicht nur eine Monstranz sind, die auf Festtagen vorgezeigt wird, sondern eine tatsächliche Bedeutung im Alltag haben? Und an wen kann man sich wenden, wenn man einen Verstoß gegen die „Leitlinien“ festgestellt zu haben glaubt?

Herr Döpfner hat uns nicht geantwortet.

An seiner Stelle schrieb uns wieder Edda Fels:

Wir können uns nur wiederholen, aber das tun wir gern.

1) Selbstverständlich gilt die Trennungsregel zwischen Redaktion und Anzeigen auch für Bild.T-Online.

2) Online und Print sind zwei unterschiedliche Mediengattungen, dies sieht auch die gängige Rechtsprechung mit Bezug auf Kennzeichnung von werblichen Inhalten so.

3) Sites mit werblichem Inhalt sind auch bei BTO [Bild.T-Online] gekennzeichnet.

Damit endeten unsere Versuche, jemanden in der Axel Springer AG zu finden, der für die Einhaltung der journalistischen Leitlinien zuständig ist. Unsere Vermutung: Es gibt niemanden. Möglichen Verstößen wird nicht nachgegangen. Die Leitlinien sind in der Praxis der Redaktionen ohne Bedeutung.

Eine Antwort auf unsere Fragen haben wir nicht bekommen. Aber natürlich ist auch das eine Antwort. Die journalistischen Leitlinien sind offenbar nur dazu da, dass Mathias Döpfner bei Medienkongressen und in Interviews über sie reden kann.

Symbolbild am Sonntag (Wiedervorlage)

Was stand denn nun wirklich auf dem ominösen Zettel, den Nationaltorwart Jens Lehmann beim WM-Viertelfinal-Elfmeterschießen gegen Argentinien aus dem Stutzen zog?

Gute Frage eigentlich, die Kinonews.de heute (zum bevorstehenden Kinostart von Sönke-Wortmanns WM-Doku „Deutschland. Ein Sommermärchen“) auf einer mit dem Wort „Anzeigensonderveröffentlichung“ überschriebenen „BamS“-Seite stellt.

Neu allerdings ist die Frage nicht. Vor einer Woche schon stand sie ganz ähnlich auch im „Spiegel“:

Was stand drauf auf jenem Zettel, den Torhüter Jens Lehmann während des Elfmeterschießens gegen Argentinien studierte?

Seltsam ist sie allerdings schon, die ganze Fragerei jetzt — vor allem für „BamS“-Leser. Hatte ihre Zeitung doch bereits vor einem Vierteljahr auf der Titelseite — zwischen den Worten „BamS enthüllt“ und „Lehmanns Elfer-Spickzettel“ — ein handbeschriebenes, zerknittertes Stück Papier abgebildet, das bei Bild.de (siehe Ausriss) bis heute mit den Worten „Das stand auf dem Zettel von Lehmann“ verlinkt ist.

Okay, wir wissen längst: Der „BamS“-Zettel damals war „nicht echt“ („Berliner Zeitung“) bzw. „nachempfunden“ („BamS“) und „völlig falsch“ (Jens Lehmann). Wie falsch, wissen wir allerdings erst, seit der „Spiegel“ vor einer Woche exklusiv Auszüge aus einem Begleitbuch zu Wortmanns WM-Film abdruckte* — und „Bild“-Leser immerhin seit Freitag.

Zum Vergleich:

Aber zum Glück gibt es ja in der „Bild am Sonntag“ eine „Korrektur“-Rubrik. Und deshalb wissen „BamS“-Leser seit heute immerhin, dass…

… ähm, dass die zweite Belagerung Wiens durch türkische Heere nicht 1668, sondern 1683 stattfand.

*) Weil Lehmann den zerknitterten Zettel direkt in die Wackelkamera von Sönke Wortmann hält, können sich demnächst auch alle „Sommermärchen“-Zuschauer davon überzeugen, dass zumindest die Zerknitterung des „BamS“-Zettels dem Original täuschend echt nachempfunden ist!

Kurz korrigiert (266)

Wir können uns nur wiederholen: Die „Bild am Sonntag“-Kolumne von Martin S. Lambeck heißt „Die Woche in Berlin“. Vielleicht sollte er das ernst nehmen und wirklich keine Abstecher mehr nach München, Brasilien, Washington — oder in den Kongo machen. Heute schreibt Lambeck, Verteidigungsminister Franz-Josef Jung hätte dort vergeblich darauf gewartet, von Präsident Laurent Kabila empfangen zu werden.

Kein Wunder: Laurent Kabila ist am 16. Januar 2001 ermordet worden. Präsident der Demokratischen Republik Kongo ist sein Sohn Joseph Kabila.

Danke an Karim A. für den Hinweis!

Nachtrag, 2. Oktober. Bild.de hat den Fehler inzwischen korrigiert.

Schleichwerbung für BILDblog

Unser Leser Dominik J. hatte angesichts der aktuellen Leser-Reporter-Schwemme und gewisser Defizite der „Bild“-Redaktion bei der Anonymisierung von Personen eine praktische Idee:

Der BILDblog-Balken — die Unkenntlichmachung für unterwegs. Schützt zuverlässig vor versehentlicher Identifizierung durch übereifrige „Bild“-(Leser-)Reporter.

(Nein, nicht im BILDblog-Shop erhältlich.)

Nachtrag, 1.10.2006: Mit Dank an Alexander S. gibt es den „BILDblog-Balken“ jetzt immerhin zum Ausdrucken und Selberbasteln.

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„Finger weg von platter Meinungsmache“ (persoenlich.com)
Die Nutzerprofile der Online-Communities bieten neue Perspektiven für das One-to-One-Marketing. Eine neue Studie (pdf, 472 kb) hat die Eigenschaften und Interessen von Mitgliedern sozialer Online-Netzwerke untersucht. Ein Ergebnis: Versucht ein Unternehmen Meinungsmanipulation, schadet das dem Image enorm.

Schlimmer Verdacht (ndr.de)
Journalisten tarnen sich als Rettungshelfer.

„Es langweilt mich zunehmend“ (zeit.de)
Was sagt Moderator Johannes B. Kerner zur Kritik an der „Kernerisierung“ des Fernsehens? Und warum hat er weiterhin kein Problem damit, Werbung zu machen? Ein Streitgespräch.

Ist erlaubt, was gefällt? (dradio.de)
Über Korrespondenten der neuen Art.

Politisch nicht ganz korrekt (freitag.de)
Wille und Wirklichkeit: Zur Auseinandersetzung über den ARD-Film „Wut“.

Gefahrenzone (sz-magazin.sueddeutsche.de)
Im Fußballsommer entbrannte eine Debatte über No-go-Areas für afrikanische Gäste. Können sich Menschen mit dunkler Haut in Ostdeutschland tatsächlich nicht mehr frei bewegen? Ist der Hass auf alles Fremde ein Teil der dortigen Alltagskultur geworden? Gehört der Osten noch zum Westen?

Für Geld verzichtet Bild.de auf Kritik

Heute spielen wir das beliebte „Sesamstraßen“-Spiel „Eins von diesen Dingen ist nicht wie die anderen“. Und wir spielen es mit der aktuellen Kino-Programmvorschau von Bild.de, in der uns „Bild.T-Online sagt, was top oder flop ist“:

Na? Welcher Anreißer ist anders als die anderen?

Kleiner Tipp: Hinter fünf dieser Ankündigungen sagt uns tatsächlich ein Journalist von „Bild“ oder Bild.T-Online, ob der Film top oder flop ist. Hinter einer sagt es uns die Werbeabteilung des Filmverleihs (Überraschung: Sie findet ihn top).

Auflösung: Hinter Nummer 5, „Bierfest“, steckt kein redaktioneller Inhalt, sondern eine Anzeige. Und auf der Seite, auf die man nach einem Klick kommt, steht dann auch mehrmals klein das Wort „Anzeige“ (was allerdings nicht ausreicht, um der gesetzlich vorgeschriebenen Trennung von Werbung und redaktionellem Inhalt genüge zu tun, wie Bild.de bereits zweimal von Gerichten nachdrücklich erklärt wurde). Abgesehen davon ist die Seite aber exakt wie eine redaktionelle Bild.de-Kinokritik gestaltet. Sogar der Smiley, der das Urteil zusammenfasst, ist identisch. Zum Vergleich: Redaktioneller Bild.de-Smiley (oben), bezahlter Werbesmiley (unten).

Und jetzt zum Vergleich, der Smiley, den die gedruckte „Bild“-Zeitung dem Film „Bierfest“ gegeben hat:

Aha: Auf Bild.de steht in der redaktionellen Übersicht über die Neustarts der Woche anstelle der kritischen Besprechung aus „Bild“ also ein teilweise als Artikel getarnter bezahlter Jubel-Text des Filmverleihs.

Und die Startseite von Bild.de sieht übrigens aktuell so aus:

Vielen Dank an Florian M. für den sachdienlichen Hinweis.

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