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Zirkusreife „Bild“-Kampagne gegen Sarrasani

Tag 1:
Es fing eigentlich relativ harmlos an: Vor einer knappen Woche berichtete „Bild“-Dresden zum ersten Mal über die zwei Tiger des"Sarrasani-Tiger wohnen jetzt im Supermarkt!" Zirkus „Sarrasani“: „Sarrasani-Tiger wohnen jetzt im Supermarkt!“ (siehe Ausriss). Mieter hätten sich wegen des Gebrülls beschwert, hieß es. „Bild“ zitierte eine 71-jährige Anwohnerin, die sich gar nicht mehr traue, „an unserem alten Supermarkt vorbeizugehen“. Außerdem stinke es „schrecklich“. Eine weitere Mieterin „schimpft“ angeblich: „Das Gebrüll hört sich so qualvoll an!“ Zwar habe die Stadt die „seltsame Raubtierhaltung“ genehmigt. Allerdings zitiert „Bild“ einen Amtstierarzt, er habe nicht gewusst, dass die Tiger „im Warenlager“ gehalten würden.

Tag 2:
Am Tag darauf berichtete „Bild“"Rettet die Tiger aus dem Supermarkt" wieder über den „Skandal“, den „Bild“-Leser „aufgedeckt“ hätten. Unter der Überschrift „Rettet die Tiger aus dem Supermarkt“ behauptete „Bild“, Sarrasani lasse seine zwei Tiger „seit Wochen“ und „heimlich“ im Supermarkt wohnen. Und Tierschützer würden fordern, dass „Sarrasani seine Tiere sofort artgerecht unterbringt“. (Nebenbei: Als wir einen der von „Bild“ zitierten Tierschützer fragten, ob er die konkrete Unterbringung der Sarrasani-Tiger kenne, beendete der abrupt das Telefon-Gespräch.)

Tag 3:
Am folgenden Tag hieß es in „Bild“: „Tiger in Kaufhalle gehalten: Fliegt"Tiger in Kaufhalle gehalten: Fliegt Sarrasani jetzt aus dem Supermarkt?" Sarrasani jetzt aus dem Supermarkt?“ „Bild“ habe herausgefunden, dass nicht mal der Vermieter der Halle über die „merkwürdige Nutzung als Raubtierkäfig“ informiert gewesen sei. „Ob Sarrasani rausfliegt“, wolle der Vermieter nach einem Gespräch entscheiden. Und wieder hieß es, „Bild“-Leser hätten „aufgedeckt, dass der Varieté-Chef seit Wochen seine Tiger (…) mitten im Wohngebiet hausen lässt.“

Tag 4:
Einen Tag später kam, was kommen musste: „Sarrasani-Tiger im Supermarkt: Der Foto-Beweis!“ Ein „Bild“-Fotograf "Sarrasani-Tiger im Supermarkt: Der Foto-Beweis!"hatte ein Foto gemacht, das, nun ja, einen Tiger hinter Gittern zeigt, und offenbar die Behauptung Sarrasanis widerlegen sollte, es gehe den Tigern gut. „Bild“ fasste noch kurz ihre Kampagne der vorhergehenden Tage zusammen und schrieb, dass sich „wieder Mieter der angrenzenden Wohnblocks bei BILD“ gemeldet hätten. Von „mehreren Eingaben wegen des Gebrülls und Gestanks“ war die Rede. Zu Wort kam dann allerdings wieder nur die 71-jährige Mieterin, die „Bild“ schon am ersten Tag ihrer Kampagne zitiert hatte und die sich nun auch noch über „das Zirkus-Zelt mit Bumbum bis 23 Uhr“ beschwerte. „BILD bleibt dran!“ hieß es abschließend.

Tag 5:
Tat sie auch. Aber nur in Form einer Zwei-Spalten-Meldung, in der es hieß: „Gestern fotografierte BILD exklusiv eine der beiden Raubkatzen“ — und die darüber Auskunft gab, dass Sarrasani „einen zweiten Drahtzaun mit Sichtschutz gegen neugierige Blicke aufgestellt“ habe.

Soweit die Kampagne von „Bild“. Und nun die Fakten:

Die Sarrasani-Tiger wohnen nicht „seit Wochen“, wie „Bild“ mehrfach behauptete, „im Supermarkt“, sondern sie sind bereits seit dem Jahr 2004 auf dem Gelände untergebracht. Und das auch nicht „heimlich“, wie „Bild“ wiederholt schrieb, sondern mit Kenntnis und Billigung des Veterinäramts, das die Haltung abgenommen und regelmäßig kontrolliert hat. „Die Haltungsbedingungen und der Allgemeinzustand der Tiger wurden letztmalig im Dezember 2006 amtstierärztlich kontrolliert“, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung der Dresdner Stadtverwaltung. Zudem fand am Tag des ersten „Bild“-Berichts eine weitere Kontrolle statt. Weiter heißt es in der Mitteilung (und ähnlich auch in einer Stellungnahme Sarrasanis [pdf]):

Bei beiden Kontrollen ergaben sich aus tierschutzrechtlicher Sicht keine Beanstandungen bzw. Auflagen.

Sarrasanis Vermieter, die TLG Immobilien GmbH, ist nach unseren Informationen seit Mietbeginn im Jahr 2004 darüber informiert, dass der Zirkus zwei Tiger auf dem Gelände hält. Bei der TLG wollte man sich uns gegenüber jedoch nicht zu dem Sachverhalt äußern.

Dass laut „Bild“ weder der zitierte Amtstierarzt noch der Vermieter gewusst hätten, dass die Tiger „im Warenlager“ gehalten würden, kann allerdings stimmen. Doch es gibt dafür einen einfachen Grund: Die Tiger werden nicht „im Warenlager“ gehalten.

In der Pressemitteilung der Dresdner Stadtverwaltung heißt es entsprechend:

Die Tiger werden im Außengelände neben der ehemaligen Kaufhalle am Straßburger Platz gehalten. Die Haltung der Tiere ist nicht zu beanstanden; Größe und Ausstattung der Haltungseinrichtungen entsprechen den „Leitlinien für die Haltung, Ausbildung und Nutzung von Tieren in Zirkusbetrieben oder ähnlichen Einrichtungen des BMVEL“ sowie den Anforderungen des Erlaubnisbescheides nach § 11 Tierschutzgesetz der zuständigen Erlaubnisbehörde der Landeshauptstadt Wiesbaden.

Ob es aus ethischer Sicht zu beanstanden ist, Tiger oder sonstige wilde Tiere wie beispielsweise Eisbären in Gefangenschaft zu halten, wollen wir nicht diskutieren. Sarrasani erfüllt jedenfalls offensichtlich alle „drei Voraussetzungen“ für die Haltung von Tigern, die „Bild“ bereits am zweiten Tag ihrer Kampagne zusammengetragen hatte:

"Darf sich eigentlich jeder einen Tiger halten?"

P.S.: Der Zirkus Sarrasani hat in direkter Umgebung des Tiger-Geheges ein Büro mit Kartenverkaufsstelle. Von Beschwerden seitens der Anwohner sei bei Sarrasani jedoch nichts bekannt, sagt uns eine Sprecherin auf Anfrage. Tja, die 71-jährige Dame Mieter hielten es offenbar für sinnvoller, sich an „Bild“ zu wenden.

„Bild“ entdeckt Gold auf Fußballtrikots

Offenbar inspiriert durch eine Pressemitteilung des VfB Stuttgart vom vergangenen Freitag freut sich „Bild“ heute in einer kleinen Meldung mit dem amtierenden deutschen Fußballmeister, dass der Verein nun „einen goldenen Stern auf der Brust tragen“ dürfe. Und nicht nur das:

"Ganz neu: Als erster Meister hat der VfB auch ein golden leuchtendes DFL-Logo auf dem Ärmel."

Nun, am 5. August 2002 meldete bereits die Nachrichtenagentur dpa:

Als anerkennendes Zeichen für die Leistungen der vergangenen Saison tragen die Spieler von Borussia Dortmund ein goldenes Meisterlogo.

Und in den Jahren danach trugen dann natürlich auch FC Bayern München und Werder Bremen ein golden leuchtendes DFL-Logo auf dem Ärmel. Anders gesagt: Die goldene Variante ist so alt wie das DFL-Logo selbst. Ganz neu ist demnach wohl vor allem der „Bild“-Redakteur, der das nicht wusste.

Mit Dank an Christian H., Christian K. und Jessica für den Hinweis.

6 vor 9

Harald Schmidts unerträgliche Langeweile
(stefan-niggemeier.de)
Die alten Reflexe funktionieren noch. Ungefähr einmal im Jahr macht der ?Spiegel? ein großes Interview mit Harald Schmidt, und alle tun so, als müsse irgendetwas Großes drinstehen. Dabei ist das einzige Neue, das Schmidt auf rund drei Seiten sagt: Er sehe sich gegenüber seinem zukünftigen Showpartner Oliver Pocher in der Rolle des Sidekick und nicht umgekehrt.

Der gemeinsame Feind
(innenansichten.tagesspiegel.de, Mercedes Bunz)
Alle Redaktionen von großen Zeitungen haben ein gemeinsames Feindbild. Es heißt Hermes. Hermes ist das Redaktionssystem, auf dem fast alle deutschen Zeitungen erstellt werden.

Schöner lesen
(tagesspiegel.de, Sonja Pohlmann)
Wie die Zeitschriften ?Art? und ?Monopol? versuchen, vom Kunstsommer zu profitieren. „Wir leben vom Bildungsbürgertum, das sich kontinuierlich informieren will.“

Radio darf im Internet wieder kreativ sein
(welt.de, Tina Kaiser)
Abgenudelte Hits, langweiliges Programm: Der Hörfunk steckt in der Krise. In Scharen schalten junge Hörer das Radio ab. Um verprellte Kunden zurückzugewinnen, bieten die Sender jetzt Spartenkanäle im Internet an.

„Erinnerung an antisemitische Gerüchte“
(kismetonline.at)
Weblogs wie Politically Incorrect (PI), Grüne Pest, Akte-Islam oder die Website von Daniel Pipes sind nur einige wenige, die es sich zum Ziel gesetzt haben, das Leben von Muslim/innen in Europa anzuprangern. Von wenig sachlicher Kritik über Beleidigungen bis hin zu menschenverachtendem Hass, überbieten sich derartige Internetprojekte eins ums andere Mal.

„Das war Ehrensenf. Ich bin Katrin“
(jetzt.sueddeutsche.de, Dirk von Gehlen)
Deutschland bekannteste Online-Moderatorin verabschiedet sich – um jetzt auch offline Erfolg zu haben. Auf Wiedersehen, Katrin Bauerfeind!

Kanzler! Das traut er sich zu?

Vielleicht hätte Kai Diekmann, „Bild“-Chef und Herausgeber von „Bild“ und „Bild am Sonntag“, damals, vor zweieinhalb Jahren, auch eine Kopie seiner Mail an die „Bild“-Mitarbeiter an den Kollegen Strunz (Claus Strunz, Chefredakteur „Bild am Sonntag“) schicken sollen. Schließlich hatte Diekmann in seiner Mail ja u.a. auch gegen „übergeigte Überschriften“ gewettert.

BILD am SONNTAG: Sie sind Außenminister, im Oktober wollen Sie zudem stellvertretender SPD-Vorsitzender werden — und damit automatisch der Reservekanzlerkandidat. Trauen Sie sich das alles zu, Herr Steinmeier?
FRANK-WALTER STEINMEIER: Ich trete an als stellvertretender Parteivorsitzender. Wenn ich mir das nicht zutrauen würde, hätte ich nicht Ja gesagt, als Kurt Beck mich gebeten hat, zu seinem Team zu gehören. (…)

Als früherer Chef des Kanzleramts kennen Sie den Kanzlerjob aus dem Effeff: Kanzler — können Sie das?
Die SPD wird sich rechtzeitig für das Wahljahr 2009 aufstellen und den Kanzlerkandidaten benennen. Wen ich mir wünsche, ist völlig klar: Kurt Beck.“

Und Strunz? Hat für die heutige „Bild am Sonntag“ den Außenminister Frank-Walter Steinmeier interviewt (siehe Kasten). Über das Interview berichten inzwischen auch verschiedene Nachrichtenagenturen und haben sich dabei für folgende Überschriften entschieden:

Steinmeier für Beck als Kanzlerkandidat (AP)

Steinmeier: Wünsche mir
Beck als Kanzler
(dpa)

Steinmeier wünscht sich Beck als Kanzlerkandidaten (ddp)

Nur die „BamS“ selber hat beim eigenen Interview („Das Rennen um die SPD-Kanzlerkandidatur ist eröffnet.“) offenbar nicht richtig zugehört und titelt überm Steinmeier-Interview:

"Kanzler? Das traut er sich zu!"

Mit Dank an Sag Ich für den Hinweis.

Blut ist dicker als Bohlen

Im Frühjahr hatte Dieter Bohlen eine Idee.

„Bild“ nannte sie am 15. März: „Bohlen ist jetzt 1414-Reporter!“ — und zeigte ein paar Fotos von Bohlen und seiner Freundin („Bild“ nennt sie „Carina“), von denen „Bild“ und Bohlen behaupteten, er habe sie selbst auf den Malediven „mit Selbstauslöser“ fotografiert.

Knapp einen Monat später war Bohlen zu Gast in der ZDF-Show „Johannes B. Kerner“ und erklärte nach einigem Gefrotzel den „Sinn dahinter“:

Bohlen: Also meine Freundin wird ja gejagt von Paparazzis. Jeden Tag. Und wenn du natürlich selber Fotos…
Kerner: Das heißt, die fahren jeden Tag hinter ihr her, egal wo sie hinfährt und holen sie ab bei dir zuhause…
Bohlen: Ja, pass auf… ich komm aus der Tennishalle raus, seh‘ mein’twegen Paparazzi, mach‘ so ’ne Fresse. Du kannst denen ja nicht mit ’nem Tennisschläger ein‘ über’n Schädel zieh’n — würd‘ ich ganz gerne machen, weil es nervt total.
Kerner: Is‘ auf lange Sicht kein gutes Rezept.
Bohlen: Wie, das mit’m Tennisschläger? Nee, genau. Und dann kommst du, guckst du raus und guckst böse. So. Und dann fotografieren die dich — bumm: Bohlen guckt böse. (Macht eine Schlagzeilengeste in die Luft.) „Das Doppelleben von Dieter Bohlen! In seinem Privatleben ist er überhaupt nie lustig! Er ist total deprimiert! Er liegt am Boden!“ Und so weiter. Die Scheiße muss ich mir doch nicht immer geben. Dass ich da am Boden lieg‘ und wer weiß was. Und wenn wir jetzt ab und zu, Carina und ich, ’n paar Privatfotos einfach rausgeben, ist dieser Druck auf diese Paparazzis auch nicht mehr so da, weil dann können die ihre blöden Fotos hoffentlich irgendwann nicht mehr verkaufen.

Genutzt hat das offenbar nichts. Denn „Bild“ orakelt heute:

"NACKTFOTOS AUFGETAUCHT"

(…) Ui-ui-ui, was ist denn DA bloß passiert? Es sind Nacktfotos von Pop-Produzent Dieter Bohlen (53) und seiner Freundin Carina (23) aufgetaucht, die das Pärchen nahtlos brutzelbraun gebraten und splitterfasernackt in einer Bucht auf Mallorca zeigen.

Die Nackig-Bilder wurden von einer Berliner Zeitung gedruckt – und sind auch im Internet (…) zu bewundern.

Bohlen, der auf Mallorca urlaubt, ist entsetzt, hat einen Rechtsanwalt eingeschaltet. Er ließ die Veröffentlichung der Fotos verbieten und sogar Schmerzensgeld verlangen. (…)

„Bild“ zeigt die „Nackig-Bilder“ nicht, sondern findet es „erstaunlich, dass Bohlen wegen der Nacktfotos so heftig reagiert“, und spekuliert anschließend eifrigst über eine angebliche Busen-OP von Bohlens Freundin. Außerdem druckt „Bild“ — quasi als „Fotobeweis“-Ersatz — eines der Bohlenschen 1414-Fotos aus vom März („Ihr Busen ist offensichtlich sehr gewachsen“). Dass die Busengrößenfrage damals für „Bild“ kein Thema war, bleibt seltsamerweise unerwähnt.

Merkwürdig auch: Bei der von „Bild“ anonymisierten Berliner Zeitung handelt es sich um das „Bild“-Schwesterblatt „B.Z.“, wo die Nacktfotos von Dieter Bohlen auf der Titelseite der "B.Z."„Nackig-Fotos“ vorgestern Titelstory waren. Die „B.Z.“ schrieb: „Robinson Bohlen zeigt sein nacktes Badeglück“ — und hatte allzu pikante Körperstellen mit kleinen gelben Sonnensymbolen unkenntlich gemacht (siehe Ausriss).

Und: Auf der Internetseite der „B.Z.“ ist der Artikel nicht mehr verfügbar. Und heuteblog.de, wo die „B.Z.“-Titelseite in einem Blogeintrag abgebildet war, hat das Titelseiten-Bild geschwärzt, nachdem man dort gestern „gegen 21.30 Uhr von der B.Z.-Redaktion (…) gebeten bzw. aufgefordert [worden sei], diesen Ausriss zu entfernen“. „Bild“ hingegen gibt (anders als Bild.de übrigens) heute eine komplette Webadresse an, auf der ausschließlich Faksimiles des „B.Z.“-Berichts zu sehen sind — hochgeladen von einem anonymen Nutzer, der in seinem Profil Vor- und Nachnamen von Bohlens Freundin verwendet und über „sich“ schreibt: „Offener Typ, Kontakfreudig, Spaß am Leben!!!! Ich bin Weiblich und Vergeben. bei Hamburg, Deutschland“

Was für eine knifflige Situation: Da gibt es also „Nackig-Fotos“, wie gemacht für „Bild“. Andererseits gibt es da ja diese langjährige Freundschaft zwischen „Bild“ und „Pop-Titan“ — und der will die Fotos offenbar partout nicht in der Zeitung sehen — auch nicht in der „B.Z.“. Aber die Fotos zu verurteilen als „Aufnahmen aus dem Privatbereich, die kein Mensch von sich in der Zeitung sehen möchte“, klappt auch nicht, weil es sich bei „der Zeitung“ ja ausgerechnet ums „Bild“-Schwesterblättchen handelt. Ein Dilemma! Und der Ausweg? Ein abstruser Gedanke:

Da wird man die „B.Z.“-Fotos doch wohl nicht selber ins Internet gestellt haben.
 
Nachtrag, 17.6.2007: Inzwischen finden sich auch auf der von „Bild“ angegebenen Internetadresse keine Inhalte mehr. Dort heißt es nur noch, der Nutzer sei „nicht mehr (…) aktiv“. Bild.de hat den Hinweis auf den Namen der Internetseite inzwischen getilgt, den Text entsprechend angepasst. Dort heißt es nun nur noch:

Die Nackig-Bilder wurden von einer Berliner Zeitung gedruckt – und waren auch im Internet zu bewundern.

Mehr dazu hier.

Heute nehmen wir mal wieder „Bild“ in Schutz

Bloggen für BILDUnter dem Stichwort „Medien-Ente“ hieß es gestern beispielsweise bei FAZ.net:

„Jauch-Kandidat nach Show gefeuert!“
So lautete die Schlagzeile von „Bild“; die
Meldung wurde vielfach übernommen.
Doch die Geschichte des wegen zu
großer Offenherzigkeit entlassenenen
Bundestags-Chauffeurs war falsch.

Das geht uns dann doch zu weit. Aber lesen Sie selbst…
 
Nachtrag, 17.6.2007: Die „FAZ“ findet inzwischen offenbar selbst nicht mehr, dass es sich bei dem „Bild“-Bericht um eine „Medien-Ente“ handelte. Am Samstag hieß es in einer kurzen „FAZ“-Meldung: „Der Bericht in der ‚Bild‘-Zeitung hat wohl doch den Umschwung bei der Kündigung des Bundestagsfahrers Konrad Göckel bewirkt, auch wenn er und der Geschäftsführer der Firma RocVin (…) dies gegenüber dieser Zeitung dementierten. (…)“

Nach „Malle“ wollen mehr als alle

Im großen „Mallorca-Special“ („Nach Malle wollen alle!“) ist Bild.de offensichtlich so ziemlich jeder "Nach Malle wollen alle! Großes Mallorca-Special"Superlativ recht (siehe Ausriss). So auch dieser:

Allein im vergangenen Jahr hoben laut Statistischem Bundesamt rund 3,8 Millionen Flugzeuge von Deutschland aus gen Mallorca ab.

Wenn das stimmte, wären das mehr als 10.000 Flüge pro Tag. Und wenn man annähme, dass jedes Flugzeug im Schnitt nur etwa 75 Passagiere an Bord hätte (eine zugegebenermaßen völlig aus der Luft gegriffene Zahl), dann würden pro Jahr rund 285 Millionen Urlauber allein aus Deutschland die Insel bevölkern. Da müssten dann — selbst wenn wirklich „alle“ nach „Malle“ wollten und auch flögen — schon einige Mehrfach-Urlauber dabei sein. Glücklicherweise ist das Unsinn.

Mit Dank an Christian K. für den sachdienlichen Hinweis.

Nachtrag, 18.04 Uhr: Der Mallorca-Beauftragte von Bild.de hat aus den -zeugen inzwischen -gäste gemacht.

Kurz korrigiert (423)

Bild.de berichtet heute über eine merkwürdige „Geräuschallergie“ im All bzw. „IRRITATIONEN AUF DER INTERNATIONALEN RAUMSTATION“ und schrieb unter ein Foto der Raumstation:

Duden.de meint dazu:

Aber vielleicht meinte Bild.de das mit dem Andoggen ja metaphorisch?

Nee, doch nicht: Bild.de hat’s schon korrigiert.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber.

„Bild“ schenkt „Reiter-Held“ eine Ente

Unter der Überschrift „Verband kennt ihn nicht mehr“ berichtete „Bild“ am 6. Juni über den 70. Geburtstag von „Reiter-Held“ Alwin Schockemöhle (siehe Ausriss). Selbst "Reiter-Held Schockemöhle: Verband kennt ihn nicht mehr"Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel hätten gratuliert, schreibt „Bild“. Aber:

Aus aller Welt kamen Glückwünsche. Nur die deutsche Reitsportföderation (FN) in Warendorf vergaß ihren größten Reiter. Kein Anruf, kein Telegramm, keine Würdigung. Wie peinlich!

Als Quelle für die Geschichte dient „Bild“ Schockemöhle selbst, über den dpa anlässlich seines Geburtstags diskret schrieb: „Inzwischen lebt Alwin Schockemöhle (…) zurückgezogen in seiner Villa im niedersächsischen Mühlen“. „Bild“ zitiert ihn mit den Worten:

„(…) Dass sich nun keiner an meinem Geburtstag aus Warendorf bei mir meldete, auch nicht Präsident Breido Graf zu Rantzau und nicht dessen Vorgänger Dieter Graf Landsberg-Velen, das ist wie eine Verschwörung.“

Gut möglich, dass Schockemöhle das tatsächlich zu „Bild“ gesagt hat.

Allerdings entspricht es offenbar nicht den Tatsachen. Gestern dementierte die Reitsportföderation (die übrigens nicht anzweifelt, dass Schockemöhle korrekt zitiert wurde) in einer Pressemitteilung glaubwürdig den eingangs zitierten „Bild“-Satz:

Diese Behauptung ist falsch. Richtig ist: Breido Graf zu Rantzau (Breitenburg), Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), sandte ein handschriftliches Glückwunschreiben an Alwin Schockemöhle. Ein Gratulationsschreiben wurde ebenfalls von Dr. Hanfried Haring, dem Vorsitzenden des geschäftsführenden Vorstands und Generalsekretär der FN, an Alwin Schockemöhle gesandt. Persönlich gratulierten anlässlich des Geburtstagsempfangs mit Ruth Klimke (Münster) und Friedrich Witte (Burscheid) zwei der insgesamt drei Vize-Präsidenten der FN.

Und zumindest was die persönliche Anwesenheit von Friedrich Witte angeht, hätte es der „Bild“-Autor (Kürzel: DL) eigentlich besser wissen müssen. Es handelt sich nach unseren Informationen nämlich um denselben Autor, der auf equinet.de schrieb:

Im Kreise von Familie, Verwandten, Freunden, ihm altbekannten Journalisten und Züchtern feierte gestern Alwin Schockemöhle (…) seinen Geburtstag. (…) Gekommen waren unter anderem als Privatmann Friedrich Witte, Vize-Präsident der FN (…)

Mit Dank an Alexa F. für den sachdienlichen Hinweis.

6 vor 9

„Wenn mir der Chef einer großen Illustrierten droht, hört der Spaß auf“
(sz-magazin.sueddeutsche.de, Alexandros Stefanidis)
Sabine Christiansen hat viel Kritik einstecken müssen. Jetzt wehrt sie sich.

Schurken, Heroen und Clowns auf der «Tagesschau»-Bühne
(nzz.ch, Heribert Seifert)
Die Berichterstattung über das G-8-Treffen in Heiligendamm machte erneut deutlich: Dem Fernsehen fällt es schwer, kritisch Distanz zu wahren, wenn sich Protestbewegungen professionell inszenieren.

Alt, älter, ARD
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Während der „Durchschnittsdeutsche“ 43 Jahre alt ist, zählt der „Durchschnittsfernsehzuschauer“ 51 Lenze – und wird immer älter.

Was vom Tage übrig bleibt
(merkur.de, Daniel Hildebrand)
Die ?Tagesthemen? im Ersten sind ihr Geld wert, stellten wir vor einigen Wochen fest (siehe Medienseite des RM Nr. 19 vom 10. Mai 2007). Wozu brauchen wir überhaupt eine zweite milliardenteure Anstalt mit einer eigenen News-Show? Das ?heute-journal? stellt sich dieser Frage und beantwortet sie mit einem unverwechselbaren Stil.

Unproduktive Bildschirmarbeiter
(focus.de, Peter Glaser)
Ablenkung ist der Quell wahrer Produktivität. In der digitalen Welt heißt es nicht mehr ?Der Weg ist das Ziel?, sondern ?Der Rand ist die Mitte?.

Zieht nach Halberstadt!
(zuender.zeit.de, Christian Bangel)
Die ostdeutsche Provinz braucht mehr couragierte Bürger. Warum nicht junge, großstädtische Freiberufler, die zum Arbeiten nur ein Notebook brauchen? Wir sprachen mit Sascha Lobo, der den Begriff „digitale Bohème“ prägte.

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