Implizit! „Bild“ dichtet Söder „Kuckuckskind“ an

Wenn CSU-Politiker Väter werden, erzählt „Bild“ das gerne weiter. Wenn beispielsweise Horst Seehofer angeblich ein „Baby mit heimlicher Geliebten“ hat, kann „Bild“ das gar nicht groß und exklusiv genug vermelden. Aber es geht auch eine Nummer kleiner: "CSU-General Söder wird zum 3. Mal Papa"

Sogar die Tatsache, dass Seehofers Parteikollege Markus Söder anscheinend mal wieder ein Baby mit seiner Ehefrau bekommt, war „Bild“ vergangene Woche zumindest in der Münchner Ausgabe eine größere Schlagzeile wert (siehe Ausriss).

Dumm nur, dass sie nicht stimmt. Wie man beispielsweise bei CSU.de nachlesen kann, hat Söder bereits drei Kinder — genauer (wie z.B. „Bunte“ und „Abendzeitung“ berichten — und wie es dann auch irgendwo im Artikel zur falschen „Bild“-Schlagzeile steht): ein uneheliches Kind „aus einer früheren Beziehung“ und zwei weitere Kinder mit seiner jetzigen Ehefrau.

An der Vaterschaft welches dieser drei Söderkinder „Bild“ zweifelt, ist uns nicht bekannt.

Mit Dank an die Hinweisgeber — auch für den Scan.

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Eine ganz eigene Welt (+ +)
(blog.zeit.de/blogruf)
Die Welt wird ihr Onlinegesicht liften. Zu einer kleinen Vorschau lud sie am gestrigen Dienstag einige Medienblogger ins Berliner Axel-Springer-Hochhaus ein. Noch ist nicht alles perfekt, doch in den nächsten Tagen soll das in vielem runderneuerte Portal starten.

?Journalismus hat andere Probleme. Blogger gehören nicht dazu?
(politik-digital.de)
Der elektrische Reporter Mario Sixtus outete sich am Dienstag in der Blogsprechstunde als digitaler Bohemien und riskierte die Einweisung in die Metaphernhölle. Im Chat ging es um Journalismus und Blogs, freies Arbeiten und das nächste große Ding im Internet.

?New York Times?: Der stille Abschied vom Papier
(welt.de, Eytan Avriel)
Bei der angesehensten Zeitung der Welt hat die Online-Leserschaft die Zahl der Abonnenten der Printausgabe bereits abgehängt. Und ob die Zeitung in fünf Jahren noch gedruckt erscheint, kümmert Herausgeber Sulzberger herzlich wenig.

Schnäppchen Content
(taz.de, Martin Reichert)
Axel Springer hat neue Honorarbedingungen für freie Mitarbeiter formuliert: Mehrmals nutzen, einmal zahlen.

Top 10 der vernachlässigten Themen 2006
(nachrichtenaufklaerung.de)
Über fehlende Therapiemöglichkeiten für Medikamentenabhängige wird kaum berichtet.

Vanity Fear – das Video
(axel-springer-akademie.de)
Niels Ruf hat investigativ recherchiert und aufgedeckt, wie die Redaktionskonferenzen von ?Vanity Fair? wirklich laufen. Ein Meisterstück des investigativen Journalismus (vanityfear.mov, Video).

Kurz korrigiert (315)

Nachdem „Bild“-Kolumnist Franz-Josef Wagner gestern bereits (wie berichtet) die ehemalige RAF-Terroristin Brigitte Mohnhaupt fälschlicherweise als „begnadigt“ bezeichnet hatte, macht er heute wieder einen Fehler.* Wagner schreibt:

Der Bundesgerichtshof hat nun für die Vielleicht-Väter entschieden und gegen die Lügenmütter.

Es war natürlich das Bundesverfassungsgericht. Die Kollegen aus der „Bild“-Redaktion wussten das und haben Wagner trotzdem wieder nicht korrigiert. Aber deswegen zu behaupten, dass bei „Bild“ niemand mehr liest, was Wagner da so zusammen schreibt, wäre natürlich eine gemeine Unterstellung.

Mit Dank für den sachdienlichen Hinweis.

*) Gestern hatten wir an dieser Stelle noch der Fairness halber die Möglichkeit formuliert, dass Wagner sich extrem gut mit Rechtsthemen auskenne — ein Hinweis, auf den wir rückblickend auch getrost hätten verzichten können.

Lachen mit Bild.de

Derzeit auf der „Seite 1“:

Wir fordern: Absolutes Alkoholverbot für Bild.de!

Mit Dank an Andreas K., Stefan S., Ansgar, Reichelt, Marcel, Christoph H., Florian S., Tobben H., Claudia K., dhidalgo, Malte L., Sabine W., Falk B. und Johannes W.

Nachtrag, 15.36 Uhr: Ist geändert.

Lasst die Finger von Manuela E.

Es ist bestimmt nicht leicht für „Bild“, andauernd irgendwelche Geschichtchen über die RTL-Show „Deutschland sucht den Superstar“ zu erf…ahren.

Ein Glück, dass „Bild“ in der vergangenen Woche gleich zwei Mal die „BILD-Leser-Reporter“ zur Hilfe kamen. Die angeblichen von „Bild“ nicht namentlich genannten Informanten hatten nämlich „aufgedeckt“, dass mehrere DSDS-Kandidaten zuvor schon öffentlich aufgetreten waren und es sie „sogar auf CD“ gab. „Bild“ machte daraus Schlagzeilen* wie:

Betrug? Profi-Sänger bei den Superstars

*) Das war insofern irreführend, als ja auch bei anderen DSDS-Staffeln schon „ProfiSänger“ mitgemacht hatten, ohne damit für („Bild“-)Schlagzeilen zu sorgen. Eine gewisse Berechtigung hatte die „Betrug“-Frage aber dennoch, weil beispielsweise in den RTL-„Steckbriefen“ die Gesangskarrieren der angeprangerten DSDSKandidaten mit keinem Wort erwähnt werden…

Heute nun berichtet „Bild“ ein drittes Mal über einen „Profi-Sänger“ bei „Deutschland sucht den Superstar“. Und ja, die Geschichte heute steht nicht mehr (wie am 6. Februar) auf der Titelseite oder (wie am 8. Februar) auf Seite 4, sondern weiter hinten im Berlin-Brandenburger Regionalteil. Groß ist sie dennoch:

Eine BILD-Lesereporterin hat es aufgedeckt: Der Berliner Kandidat Max Buskohl (18) hat eine eigene Band!

Und weiter heißt es, die „BILD-Leser-Reporterin Manuela E. [Name von uns gekürzt] entdeckte auf ‚myvideo.de‘ einen Musik-Clip mit Max Buskohl und seiner Gruppe ‚Empty Trash'“.

Einen Hinweis darauf, worin genau im Fall Max Buskohl eigentlich der groß angekündigte „Schwindel“ besteht, bleibt „Bild“ indes schuldig. In Buskohls offiziellem DSDS-„Steckbrief“ hieß und heißt es:

Er geht gerne aus und feiert, schreibt eigene Songs und spielt Gitarre. Das musikalische Talent hat Max von seinem Vater, Carl Carlton, der u.a. Gitarrist bei Robert Palmer, Peter Maffay und Udo Lindenberg war. Seit August 2005 ist Max Mitglied der Berliner Band ‚Empty Trash‘, in der er unter dem Namen ‚Charlie Crawford‘ singt.
(Hervorhebung von uns.)

Das heißt: Was „BILD-Leser-Reporterin“ Manuela E. „aufgedeckt“ hat, hätte nun wirklich jeder aufdecken können. Ach ja, vergangene Woche fragte „Bild“ noch:

Wird man als Zuschauer bei „Deutschland sucht den Superstar“ eigentlich nur für dumm verkauft?“

Inzwischen lautet die Antwort wohl: Nicht für dümmer als bei „Bild“.

Keine „Stern“-Stunde (2)

Jetzt ist es also „gerichtsamtlich“: „Bild“ hatte am 10. Juni 2005 fälschlicherweise behauptet, Doris Schröder-Köpf habe Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) auf die Idee mit dem Neuwahl-Coup gebracht. Nun befand ein Gericht, diese Behauptung sei „unwahr“ und müsse richtiggestellt werden.

Aber:

Das Magazin „Stern“ hatte das offenbar unwahre Neuwahlen-Gerücht der „Bild“-Zeitung (wie berichtet) nachgeplappert später ebenfalls verbreitet. Und weil Schröder-Köpf deshalb gerichtlich gegen den „Stern“ (jedoch nicht gegen „Bild“) vorging, ist der „Stern“ heute für „Bild“ der „Verlierer“ des Tages.

Mit Dank auch an Rocco S., Daniel von B.,
Manuel B. und Eric A. für die Erinnerung.

6 vor 9

Schnell mal raus (+)
(sueddeutsche.de, Christina Maria Berr)
Ganz dicht dran ist Ulrich Tilgner. Der Korrespondent leitet das ZDF-Büro in Teheran – und fliegt von dort immer wieder nach Bagdad.

Unter Piraten
(zeit.de, Götz Hamann)
Für Google wird die Zeit knapp. Traditionelle Medienkonzerne verlangen, dass der Internet-Konzern die Verletzung von Urheberrechten stoppt – und setzen die juristischen Daumenschrauben an.

Nur ein bisserl pieksen
(falter.at, Christopher Wurmdobler)
Aus der Kuschelecke in die Klatschspalte: Seit zehn Jahren ist der einstige Ö3-Star Dominic Heinzl im Privatfernsehen Gesellschaftsreporter – und er ist der beste. Trotz seiner fragwürdigen Achtzigerjahrefrisur.

Ausbildung zum Schrei-Moderator
(jungle-world.com, Elke Wittich)
»Big Brother« geht weiter. Den populärsten Kandidaten winken im besten Fall Moderatorenjobs beim Quizsender Neun Live.

RTL und Weblogs
(schockwellenreiter.de, Video)
RTL Futuretrend-Beitrag über Weblogs, Blogging, und besonders über den Shopblogger und das Bildblog.

Parteien kreuzen die Klingen auf einer gemeinsamen Blog-Seite
(nzz.ch, fur.)
In der Nacht auf Mittwoch hat NZZ Online ein neues Angebot aufgeschaltet. Auf der Seite «NZZvotum» finden sich nicht nur Fakten und Hintergründe zu den kommende Zürcher Kantons- Regierungsratswahlen. Zentrales Element ist der erste parteiübergreifende Blog der Schweiz, an dem Politikerinnen und Politiker aller namhaften Parteien des Kantons Zürich teilnehmen.

RAF — Freilassung fordert erstes Opfer

Sie sind oft klein und unscheinbar, bloßer Kitt zwischen Satzteilen. Aber es wäre ein Fehler, Konjunktionen gering zu schätzen. Franz Josef Wagner weiß das. Als er noch Chefredakteur der Berliner Boulevardzeitung „B.Z.“ war, verdankte er der Konjunktion „aber“ diese legendäre Überschrift:

Pandabärin unfruchtbar — aber Schumi zweites Baby

Lustig.

Wir wissen nicht, ob sie in der „Bild“-Redaktion gestern auch gelacht haben, als ihnen ein ähnlicher Trick mit einer anderen Konjunktion für die heutige Schlagzeile einfiel:

Terroristin kommt FREI! ...und Witwe Schleyer nach Kollaps in Klinik

Weniger lustig, aber viel wirkungsvoller.

Denn wer liest schon bis ganz ans Ende der zugehörigen, fast ganzseitigen „Bild“-Berichterstattung, um dort zu erfahren, dass es gar keinen Zusammenhang zwischen der Gerichtsentscheidung und dem „Kollaps“ der Witwe von Hanns-Martin Schleyer gibt. Dass es ihn nicht einmal geben kann, weil Frau Schleyer laut „Bild“ bereits „am Freitag, drei Tage vor der Entscheidung des Stuttgarter Oberlandesgerichts“ ins Krankenhaus eingeliefert wurde.

Danke auch an Josh M.!

„Bild“-Kolumnist begnadigt RAF-Terroristin

Das Stuttgarter Oberlandesgerichts (OLG) hat gestern entschieden, dass die ehemalige RAF-Terroristin Brigitte Mohnhaupt im März nach 24 Jahren Haft entlassen werden soll. Und „Bild“ erklärt in einem Seite-2-Text, warum die Freilassung nach „Recht und Gesetz“ erfolge:

Denn: Nach dem Strafgesetzbuch (§ 57 a) bedeutet „lebenslange Freiheitsstrafe“ nicht unbedingt Haft bis zum Tode. Nach frühestens 15 Jahren kann die Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden, wenn nicht die „besondere Schwere der Schuld die weitere Vollstreckung gebietet“. In diesem Fall setzt das Gericht eine Mindesthaftdauer fest — bei Mohnhaupt waren es 24, bei Klar 26 Jahre!

"Post von Wagner: Begnadigte Brigitte Mohnhaupt"„Bild“-Kolumnist Franz-Josef Wagner allerdings hat das entweder nicht gelesen, oder er hat es nicht verstanden. Und offenbar hat er auch sonst nicht viel gelesen.* Denn Wagner schreibt heute an die „Begnadigte Brigitte Mohnhaupt“. Im Text heißt es:

Die deutsche Justiz hat Sie, vielfache Mörderin, Brigitte Mohnhaupt, begnadigt.

Das ist falsch. „Die deutsche Justiz“ kann niemanden begnadigen. Eine solche Entscheidung trifft (im Falle von sogenannten „Staatsschutzdelikten“) der Bundespräsident nach freiem Ermessen. Die Entscheidung über die von „Bild“ beschriebene Haftentlassung nach Paragraph 57 a StGB hingegen ist an bestimmte, im Gesetz beschriebene, Voraussetzungen gebunden. Darauf wies das OLG Stuttgart gestern in einer Pressemitteilung (die Wagner offenbar auch nicht kennt) sogar ausdrücklich hin:

Es handelt sich nicht um eine Entscheidung im Gnadenweg, sondern um eine an bestimmte gesetzliche Voraussetzungen gebundene richterliche Entscheidung.

Offenbar hat niemand bei „Bild“ Wagner auf seinen Fehler aufmerksam gemacht. Aber er passt ja auch ganz gut zur Haltung von „Bild“. So erkennt Hans-Jörg Vehlewald die Mohnhaupt-Entscheidung in seinem Kommentar („Recht ohne Gerechtigkeit“) zwar als „rechtens“ an, findet sie aber ungerecht, weil Mohnhaupt „kein Zeichen von Reue“ habe erkennen lassen. Reue allerdings ist keine Voraussetzung für die Freilassung nach Paragraph 57 a StGB. Bei einer Begnadigung hingegen, kann man das so oder so sehen.

Mit Dank an die zahlreichen Hinweisgeber.

*) Es besteht übrigens auch die entfernte Möglichkeit, dass Wagner an die „begnadigte“ Mohnhaupt schreibt, weil er sich extrem gut mit dem Thema auskennt. Tatsächlich wird nämlich die Haftentlassung nach Paragraph 57 a StGB in Juristenkreisen offenbar zuweilen als „kleine Gnade“ bezeichnet. Aber das sei hier nur der Fairness halber erwähnt.

Allgemein  

Eine Geschichte, die man nicht glauben sollte

Da berichtete also offenbar in der vergangenen Woche die „Komsomolskaja Prawda“, eine Art russische „Bild“-Zeitung, irgendwelche russischen Fischer hätten irgendein eigenartiges Wesen gefangen, das Ding für einen Außerirdischen gehalten, getötet, mit einem Fotohandy gefilmt und — aufgegessen. Lecker sei es gewesen.

„Bild“ selbst hielt das gestern für „eine Geschichte, die man kaum glauben kann“ — und übernahm sie ungeprüft (siehe Ausriss), denn:

Vielleicht kam dieses Wesen ja wirklich aus einer anderen Welt…

Nun ja. Bereits gestern wiesen uns mehrere BILDblog-Leser, ihrerseits ufologische, meeresbiologische und journalistische Laien, darauf hin, dass es sich bei dem „Alien (…) mit seitlichen ‚Teufelsgesicht'“ bloß um einen auf dem Rücken liegenden Rochen oder ähnliches handeln könnte. Ein naheliegender Gedanke, auf den „Bild“ jedoch nicht gekommen zu sein scheint.

Und heute nun weist uns ein weiterer BILDblog-Leser darauf hin, dass offenbar die komplette Fischer-Fotohandy-lecker-Geschichte eine Falschmeldung ist. Zumindest ist dasselbe Video, das den angeblich jüngst gefangenen „Alien“ zeigt, (ohne die russische Mär drumrum) bereits seit über einem Jahr bei YouTube zu finden.*

Mit Dank an G.M.B., Guido S. und N8crawler!

*) Gewiss, die Recherche war vielleicht zu schwer für „Bild“ nicht leicht: Bei einer YouTube-Suche nach alien und fish ist das am 30.11.2005 eingestellte Video z.Zt. der allererste Treffer — übrigens in der Kategorie „Comedy“.

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