„Bild“ löst „Pyramiden-Rätsel“ falsch

Ob das „Pyramiden-Rätsel gelöst“ ist, wie „Bild“ gestern schrieb, lassen wir mal dahingestellt. Es gibt aber immerhin eine neue Theorie dazu, wie die Ägypter die Cheops-Pyramide errichtet haben könnten. Der französische Architekt Jean-Pierre Houdin glaubt, dass sie für die ersten 43 Meter eine Außenrampe benutzten. Für die restlichen 103 Meter allerdings — und das ist das Neue an der Theorie — sollen sie eine Wendel-Rampe benutzt haben, die im Inneren der Pyramide verläuft. „Bild“ illustriert ihre Meldung dazu so…:

"Pyramiden-Rätsel gelöst"

…und zeigt damit keineswegs die neue Theorie von Houdin, sondern ausgerechnet eine der altbekannten Theorien, die in Houdins Computersimulation explizit als nicht haltbar bezeichnet werden:

Es erscheint unsinnig, die ganze Pyramide über eine frontale Rampe zu errichten.

Mit Dank an Oliver W. für den sachdienlichen Hinweis.

Allgemein  

Im Zweifel für den Rufmord

Am Freitag, dem 9. März, waren zwei Jungen, elf- und zwölfjährig aus Leipzig, von zu Hause ausgerissen und hatten eine Nacht bei einem 28-jährigen Berliner verbracht. Am Samstagmorgen wurden sie dort von der Polizei abgeholt. Soweit das.

Aber dies ist die Geschichte, wie „Bild“ einen Mann zwei Tage lang fast seitenfüllend zu Unrecht als „Kinder-Fänger in der Unterhose“ verunglimpfte — und, nachdem sich der Mann dagegen wehrte, die Schuld nicht bei sich, sondern bei anderen suchte.

"Der Kinderfänger in der Unterhose" "Warum sitzt dieser Kinderfänger nicht im Knast?"Am 15. und 16. März berichtete „Bild“ über einen 28-jährigen Mann (siehe Ausrisse). „Bild“ nannte ihn zwar Horst Z., nannte aber auch den Berliner Stadtteil, in dem er wohnt, und garnierte beide Geschichten mit einem großen Foto von Horst Z., auf dem er nicht unkenntlich gemacht war. In beiden Artikeln behauptete „Bild“, der „Kinderfänger in der Unterhose“ sei „wegen Kindesmissbrauchs“ vorbestraft. Zudem erweckte „Bild“ in beiden Artikeln den Eindruck, als sei den Jungen etwas Schlimmes widerfahren. So fragte sie am 15. März bereits in der Unterzeile: „Was hat er ihnen nur angetan?“

Dabei wusste man bei „Bild“ schon da, dass Ärzte festgestellt hatten, dass die Jungs „körperlich unversehrt“ waren. Dennoch schrieb „Bild“ noch am 16. März:

Gestern berichtete BILD über Horst Z. (28), den vorbestraften Kinderfänger in der Unterhose. (…) Aber warum kam der Mann, der wegen Kindesmissbrauchs vorbestraft ist, nicht gleich in den Knast?

Und der Text endet mit den Worten:

Elf Stunden hatte Horst Z. so Zeit mit den Kindern. Was in der Zeit geschah, weiß niemand…

"Gegendarstellung"Danach dauerte es zwei Wochen, bis „Bild“ am vergangenen Freitag erneut über Horst Z. berichtete. Diesmal allerdings wesentlich weniger auffällig und in Form einer Gegendarstellung (siehe Ausriss), in der drei Dinge richtig gestellt wurden:

In der Bildzeitung vom 15. März 2007 verbreiten Sie (…) über mich die Darstellung, ich sei wegen Kindesmissbrauchs vorbestraft. Das ist falsch. Ich bin nicht vorbestraft.

Sie zitieren mich wie folgt: „Später schliefen sie in meinem Bett ein. Ich habe ihnen zugeschaut, bin wohl auch eingenickt.“ Dazu stelle ich fest: ich habe weiter gesagt, dass ich nicht in meinem Bett lag dabei, sondern auf einer Fitnessliege.

Zu ihrer Darstellung in der Bildzeitung vom 16. März 2007 (…), ich hätte die Jungs eine Nacht lang in meiner Wohnung gehalten, erst dann seien sie von der Polizei befreit worden, stelle ich fest: Die Jungs gingen ein und aus, auch ohne mich. Sie mussten nicht befreit werden.

„Bild“ schreibt zu dieser Gegendarstellung in einer Anmerkung der Redaktion:

Horst Z. hat recht. Die Falschbehauptung über die Vorstrafe basierte auf einer falschen Pressemitteilung der Leipziger Polizei, die zwischenzeitlich zurückgezogen wurde. Die Polizei ermittelte auch gar nicht wegen der Beherbergung der beiden Ausreißer gegen Horst Z., weil es keinerlei Straftaten gab.

Also alles die Schuld der Leipziger Polizei?

Nicht wirklich. Zwar hieß es in einer Pressemitteilung der Polizei vom 13. März tatsächlich, dass Horst Z. wegen Kindesmissbrauchs vorbestraft sei. Doch dass den Jungen nichts passiert war, ließ sich ihr auch deutlich entnehmen. So hieß es darin:

Umgehend wurden die Berliner Kollegen informiert, die die zwei Kinder am Samstagmorgen wohlbehalten aus der Wohnung des „Mitreisenden“ herausholten. (…) Laut eigenen Aussagen wurde den Kindern kein Leid zugefügt.

Außerdem habe die Leipziger Polizei, so eine Sprecherin zu BILDblog, bereits am 14. März, also einen Tag vor dem ersten „Bild“-Artikel, die Pressemitteilung zurückgezogen, in der Horst Z. als wegen Kindesmissbrauchs vorbestraft bezeichnet worden war. Zugleich habe man die Medien über den Fehler informiert.

Die „Bild“-Zeitung hielt das nicht von ihrer falschen und verunglimpfenden „Exklusiv-Story“ ab. Sie muss nach unseren Informationen ein erhebliches Schmerzensgeld an Horst Z. zahlen.

6 vor 9

Der Preis des Erfolgs ist käuflich
(taz.de, Oliver Gehrs)
Der „Stern“ soll Murat Kurnaz 18.000 Euro für ein preisgekröntes Interview bezahlt haben – ein Schnäppchen, gemessen an den sonst üblichen Summen in der Branche. Eine gute Geschichte hat eben ihren Preis. Seltsam nur, dass neuerdings offenbar auch Scheckbuchjournalismus für preiswürdig erachtet und entsprechend ausgezeichnet wird – und sei’s auch nur mit dem „Lead Award“.

Springer-Chef will Papier abschaffen
(ftd.de, Lutz Meier)
Springer-Chef Mathias Döpfner hat Papier als Informationsmedium abgeschrieben. Er könne es gar nicht abwarten, dass onlinebasierte elektronische Geräte das Papier ersetzten und Druck und Vertrieb überflüssig machen.

Frank A. Meyer: Millionen Blogger machen den Journalisten nicht überflüssig
(heute-online.ch/blogs/trashcan, bö.)
Nichts ist dem Internet fremd. Für alles ist Raum. Fürs grosse Ganze mit Google Earth, fürs Klitzekleine mit der Suche nach dem entlaufenen Kätzchen im Quartiers-Chatroom. Google Earth zaubert das Revier auf den Bildschirm, in dem das Kätzchen zu streunen pflegt. Die ganze Welt ist abrufbar. Was wollen wir mehr?

Alphablogger: Johnny Haeusler – Veteran und Netzwerker
(readers-edition.de, Peter Turi)
Johnny Haeusler ist beides: Legende und Frontmann der neuen deutschen Blogbewegung – und Symbol für ihre relative Erfolglosigkeit. Kein anderer Blogger in Deutschland hat mehr Fans, Leser und aktive Kommentatoren als der ehemalige Rockmusiker und Radiomoderator, keiner hat mehr getan für die deutsche Blogosphäre als er.

Bessere Quoten
(berlinonline.de, Martin Weber)
Die GfK will künftig messen, wie häufig TV-Programme im Internet gesehen werden.

Wir hypen Knut
(epd.de, tgr)
Wie ein Eisbär-Baby zum Medienstar wurde.

Böser Politiker mit acht Buchstaben

Irrer vom Iran,

weil die mehrfache Erwähnung Ihres Namens, Präsident Mahmud Ahmadinedschad, mich zeilenmäßig den halben Brief kostet, darf ich Sie im folgenden kurz Irrer nennen. Ihr militanter Haß auf Israel hat alle Symptome eines Geisteskranken. Größenwahn und Paranoia.

Franz Josef Wagner am 15. Dezember 2005 in „Bild“

Seit ungefähr einem Jahr nennt „Bild“ den iranischen Präsidenten nicht mehr nur mit großer Berechenbarkeit den „Irren von Teheran“, sondern auch mit ähnlicher Konsequenz einen „Diktator“ oder den „irren Diktator“.

Als „Diktator“ werden heute landläufig politische Herrscher bezeichnet, die mit unbeschränkter, absoluter Macht regieren. Das trifft auf Ahmadinedschad nicht zu. Der Iran ist zwar ein autoritärer Staat, hat aber republikanische und demokratische Elemente. Ahmadinedschad wurde 2005 vom Volk aus sieben zugelassenen Kandidaten gewählt. Seine Amtszeit dauert vier Jahre, er kann nur einmal wiedergewählt werden. Der Präsident ist nur der zweithöchste Vertreter seines Landes. Der ungleich mächtigere Oberste Rechtsgelehrte Ajatollah Chamenei ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte, trifft wichtige außenpolitische Entscheidungen und hat überhaupt das letzte Wort. Aus seinem Umfeld ist in der letzten Zeit auch deutliche Kritik an Ahmadinedschad geäußert worden.

Natürlich kann man es sich, wie „Bild“, so einfach machen, die Staats- und Regierungschefs dieser Welt in Gut und Böse, gefährlich und ungefährlich teilen und die Bösen „Diktatoren“ und die Gefährlichen „Irre“ nennen. Man muss dafür allerdings die eigentliche Bedeutung des Wortes „Diktator“ aufgeben.

Ein Tag wie jeder andere

Bereits am Samstag hieß es bei Bild.de:

Vorsicht, 1. April! Es ist wieder so weit: Wer nicht aufpasst, kann ganz schön reinfallen – und wird danach gnadenlos verspottet. (…) seit es Massenmedien gibt, veräppeln am 1. April auch sie ihre Leser oder Zuschauer. Da herrscht ein wahrer Wettbewerb: (…) Fallen womöglich sogar Journalisten-Kollegen auf die Aprilscherz-Meldung rein – und drucken sie nach?

Und heute berichtet die gedruckte „Bild“ auf Seite 1 unter der Überschrift „April, April!“ über die Aprilscherze verschiedener Unternehmen.

Direkt unter dieser bunten Meldung steht bei „Bild“ noch eine andere, weniger bunte (siehe Ausriss): Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) fordere, dass „unser Jahresurlaub (…) schrittweise von sechs auf fünf Wochen verkürzt werden“ solle — „als Beitrag zum Klimaschutz“.

Die Nachricht entstammt einer Pressemitteilung des IW, herausgegeben am (wer hätt’s gedacht?) 1. April. Darin heißt es:

Dadurch kann (…) die CO2-Belastung deutlich reduziert
werden, weil die Bundesbürger vor allem weniger Zeit für Fernreisen haben (…). In Köln hat man ausgerechnet, dass fünf zusätzliche unbezahlte Arbeitstage das Bruttoinlandsprodukt um etwa 30 Milliarden Euro erhöhen würden. (…) Damit die Arbeitnehmer sich auf die neuen Verhältnisse allmählich einstellen können, empfiehlt das Institut, an jedem 1. April den Urlaub um einen Tag zu kürzen, bis 5 Wochen erreicht sind.“

Die gnadenlose Verspottung von „Bild“ sparen wir uns.

Mit Dank an Gert M.

6 vor 9

April, April in Radio und Fernsehen
(blogmedien.de, Video, 8:20 Minuten)
Wie Radiohörer belogen, betrogen und abgezockt werden und das ZDF zum ?Free-TV? mutiert.

Christoph Schultheis und Stefan Niggemeier über Bildblog
(elektrischer-reporter.de, Video)
Im Internet zu publizieren fördere ?die Demut gegenüber dem Leser?, beschreibt Bildblog-Mitgründer Christoph Schultheis seine Erfahrungen mit der Internet-Publizistik. Dieser direkte Dialog mit dem Nutzer sei den meisten klassischen Journalisten fremd.

Alphablogger: Sascha Lobo – digitaler Bohemien und Blogvermarkter
(readers-edition.de, Peter Turi)
Sascha Lobo fällt auf. Zumindest seit er einen feuerroten Irokesen zum Anzug trägt. Das scheinbar Unvereinbare zusammenzubringen, zeichnet Lobo aus: Einerseits betreibt er eine Werbeagentur, andererseits gilt er als glaubwürdiger Blogger. Einerseits erfindet er den Begriff ?digitale Bohème?, andererseits schuftet er für den Aufbau des Werbenetzwerkes Adical.de, in dem er zusammen mit Johnny Haeusler (www.spreeblick.com) über 30 Top-Blogs als Werbeträger etablieren möchte. Lobo wurde bekannt als Co-Autor des Buches ?Wir nennen es Arbeit?, wo er zusammen mit Holm Friebe die freie, ungebundende Projektarbeit in Internet, Medien und Marketing als ideale Erwerbsform preist.

Das Fernsehen mit der Maus
(arte-tv, Ewald Wessling)
Die digitale Revolution erfasst das Fernsehen, die Generation iPod will ihr eigener Programmdirektor sein. Ein konkretes Szenario vom Fernsehen der Zukunft entwirft Medienexperte Ewald Wessling.

Glotzen mit der Quatsche
(taz.de, Frieder Bechtel)
Fernsehen per Mobiltelefon ist eigentlich längst möglich. Doch weil sich die deutsche Medienbürokratie nicht auf einen Standard einigen kann, ist sogar Albanien längst weiter.

April April 2007
(nerdcore.de)

BILDisch für Anfänger

Der Engländer nennt sie „false friends“: Wörter, die ähnlich aussehen, aber ganz etwas anderes bedeuten. Das englische Wort „gymnasium“ ist für Deutsche so ein false friend, weil es „Turnhalle“ bedeutet.

Auch die Sprache von „Bild“ ist bekanntlich voller falscher Freunde. „Enthüllen“ zum Beispiel bedeutet nicht dasselbe wie in der deutschen Sprache, sondern etwa: „längst bekanntes mit Verspätung aufgreifen“. Fast schulbuchmäßig demonstriert die „Bild“-Zeitung in der heutigen Ausgabe den Einsatz, wenn sie titelt:

"BILD enthüllt Kerkelings neuesten Coup - Hape jetzt als Schlittenhund in Norwegen unterwegs"

Das Hörbuch, das „Bild“ meint, lässt sich (wie sogar „Bild“ selbst bemerkt) längst im Buchhandel vorbestellen. Das Internet ist voll von Besprechungen. Am Mittwoch veröffentlichte die Frauenzeitschrift „Brigitte“ ein langes Interview darüber mit Kerkeling. Vor fast zwei Wochen erschien in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ ein großer Artikel darüber. Und vor über zwei Wochen las Hape Kerkeling selbst auf der lit.Cologne daraus vor.

Und wir merken uns: Etymologisch stammt das „Bild“-Wort „enthüllen“ nicht, wie im Deutschen, von der Hülle ab, sondern von der Ente.

„Hör auf!“

Als Bild.de kürzlich wieder über Leonardo DiCaprio berichtete, war es noch keine drei Wochen her, dass der Bundesgerichtshof ein vielbeachtetes Grundsatzurteil gefällt hatte. Im Kern ging’s vorm BGH um die Frage, ob bzw. wann Fotos von Prominenten ohne deren Zustimmung gemacht und veröffentlicht werden dürfen — und wann nicht.

Beklagt war u.a. „Die Aktuelle“, geklagt hatte (wieder mal) Caroline von Monaco. Aber das nur nebenbei, denn zur Debatte stand Grundsätzlicheres: Fotos, die dem Gericht zufolge für sich genommen „denkbar harmlos“ waren. Doch weil die Berichterstattung über Prominente zugenommen und — nicht zuletzt durch die Verbreitung von Handy-Fotos in der Presse — teilweise groteske Züge angenommen habe, entschied der BGH, die Privatsphäre stärker zu schützen. In der Urteilsbegründung heißt es weiter:

„Der Schutz der Persönlichkeit der Betroffenen wiegt umso schwerer, je geringer der Informationswert für die Allgemeinheit ist. Das muss (…) auch für Personen mit hohem Bekanntheitsgrad gelten, so dass es auch hier eine Rolle spielt, ob die Berichterstattung zu einer Debatte mit einem Sachgehalt beiträgt, der über die Befriedigung bloßer Neugier hinausgeht.“

Und das ist nun vielleicht eine gute Gelegenheit, um zu Leonardo DiCaprio zurückzukehren. Denn bei Bild.de findet sich seit vergangenem Montag ein kurzer Text folgenden Inhalts:

"Hier kauft Leonardo DiCaprio Zeitschriften"

(…) Ein Leser-Reporter (36) entdeckt den Superstar in einem Zeitschriftenladen.

„Ganz ohne Bodyguards. Er wollte aber nicht erkannt und fotografiert werden. Kaufte einen ganzen Stapel Zeitschriften, ging dann in einen Fotoladen.“

Unser Leser-Reporter hinterher. „Ich wollte unbedingt ein besseres Foto. Da sagte Leo plötzlich auf Deutsch mit Akzent ‚Hör auf!‘ Dann bin ich gegangen.“ (…)
(Link von uns.)

Müssen wir noch erwähnen, dass Bild.de direkt neben diesen Zeilen ein (denkbar harmloses) Foto von DiCaprio in einem Zeitschriftenladen zeigt? Sollen wir wirklich darüber nachdenken, wie gering dessen Informationswert für die Allgemeinheit ist? Oder ernsthaft die Frage erörtern, ob diese Berichterstattung zu einer Debatte mit einem Sachgehalt beiträgt, der über die Befriedigung bloßer Neugier hinausgeht?

Sagen wir’s lieber so: Vermutlich ist die Bild.de-Veröffentlichung nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1999 unzulässig, nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte von 2004 ebenfalls und nach dem aktuellen BGH-Urteil erst recht.

6 vor 9

Militärjustiz gegen Zivilisten
(sf.tv, Video, 7:54 Minuten)
Journalisten zeigten, wie der Schweizer Geheimdienst einen ägyptischen Fax vom Himmel fischte. Jetzt stehen sie vor Militärgericht. Solche Justiz gehöre abgeschafft, sagen Kritiker.

Zweite Lebenslüge
(taz.de, Martin Schöb)
Im Hype um die Online-Parallelgesellschaft „Second Life“ haben sich die klassischen Medien kräftig einlullen lassen. Kritik am Geschäft mit den Avataren mussten bislang die Blogger erledigen.

Abenteuerliches Unterfangen
(weltwoche.ch, Kurt W. Zimmermann)
Mit «gehobenem Boulevard» will sich Verleger Michael Ringier bei der Elite anbiedern. Die Folge: Steter Auflageschwund, die einst mächtige Institution Blick verliert auch politisch zusehends an Bedeutung. Denn Boulevard und Political Correctness vertragen sich nicht.

Die Geschichte der Zukunft der Zeitung
(nzz.ch, Stefan Betschon)
Es geht wieder aufwärts mit der Presse. Oder ist dieses Gefühl der Leichtigkeit nur der kurze Augenblick, wo Auftrieb und Schwerkraft sich gegenseitig aufheben, bevor die Schwerkraft dann doch siegt? Wie auch immer: Dieser Moment der Schwerelosigkeit erlaubt einen Rückblick auf jüngste Veränderungen im Zeichen des Internets.

Blogger zum Anfassen
(nzz.ch, mhz.)
150 Internet-Akteure an der ETH Zürich.

Bild Bashing
(youtube.com, Video, 0:50 Minuten)
Aufnahmen der Gruppe PO.DEL.KO (mehr) bei der Installation von Schlagzeilen wie „HEUT MAL NIX:“.

Rechtsweg ausgeschlossen

Der Rechtsanwalt der ehemaligen RAF-Terroristin Brigitte Mohnhaupt, Hellmuth Jipp, hat die „Bild“-Zeitung in einer Abmahnung aufgefordert, Mohnhaupt nicht mehr „schlimmste Terroristin“ oder „Mörderin“ zu nennen. „Bild“ nimmt das heute zum Anlass, Mohnhaupt in einem großen Seite-2-Text mehrfach „Mörderin“ und „Terroristin“ zu nennen:

"Jetzt schickt sie ihren Anwalt los: Terroristin Mohnhaupt will nicht mehr

Und nachdem „Bild“-Kolumnist Franz Josef Wagner bereits am Montag „unfassbar“ fand, dass „in unserem Land eine Mörderin die Chance hat, glücklich zu werden“ (was er in seiner heutigen Kolumne bekräftigt), empört „Bild“ sich heute darüber, dass sich „nicht nur Mohnhaupt“, sondern auch andere ehemalige RAF-Mitglieder auf „ihr Recht auf ‚Resozialisierung'“ berufen, das (wir erinnern uns) vor rund 34 Jahren vom Bundesverfassungsgericht zum grundrechtlichen Anspruch erklärt wurde.

Und „Bild“ findet noch etwas anderes „unfassbar“.

Es ist unfassbar! Sie bombte und mordete, um den deutschen Rechtsstaat, das „Schweinesystem BRD“, zu vernichten! Dafür bekam sie lebenslänglich. Der Rechtsstaat ließ sie nach 24 Jahren auf Bewährung frei — um ihr eine zweite Chance zu geben. Und nun will RAF-Terroristin Brigitte Mohnhaupt (gerade vier Tage auf freiem Fuß) denselben Rechtsstaat benutzen, um nicht mehr „Terroristin“ genannt zu werden! Auch nicht „Mörderin“!

Darüber, ob der „Rechtsstaat“ (also zunächst das Hamburger Landgericht) ihr da Recht geben sollte, darf und kann man streiten.

Nicht streiten darf und kann man hingegen darüber, dass jeder Mensch — und das schließt Mörder und Terroristen ein — „in unserem Land“ selbstverständlich das verfassungsmäßige Recht hat, den Rechtsweg zu beschreiten. Das weiß doch jedes Kind. „Bild“ aber ist offenbar der Meinung, dass das für ehemalige RAF-Terroristen nicht gelten soll. Indem sie nämlich Mohnhaupt vorwirft, „denselben Rechtsstaat benutzen“ zu wollen, der sie entlassen habe, „um ihr eine neue Chance zu geben“, spricht „Bild“ ihr dieses Recht ab.

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