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Der Siegeszug der Blogger aus der banlieue
(fr-aktuell.de, Peter Rutkowski)
Ein Schweizer Magazin (hebdo.ch, bondyblog) ging in die umkämpften Pariser Vorstädte und hat dort eine kleine mediale Graswurzel-Revolution ausgelöst.

Immer auch ein bisschen Kino
(berlinonline.de, Holger Schmale)
Pünktlich zum Medienrummel um die Schröder-Memoiren zeigt die ARD ein Porträt des Ex-Kanzlers.

Sabine Christiansen: „Häme bin ich gewohnt“
(welt.de, Dagmar von Taube)
Lange war sie die erfolgreichste Frau im deutschen Fernsehen. Nach zehn Jahren wird Sabine Christiansen im Sommer die Moderation ihrer Polit-Talkshow an Günther Jauch abtreten – um ein Leben mit neuem Mann und neuem Job zu beginnen. Im Ausland.

Wie man als Blogger garantiert versagt
(drweb.de, Sven Lennartz)
Wer nichts kann, der klaut. So praktiziert es die Firma HP.Network aus Dinslaken in einem neu angelegten Firmenweblog. Die dort eingestellten Beiträge sind fast alle gestohlen. Aus dem Dr. Web Magazin.

„Teheran 2.0“
(ftd.de, Christian Schütte)
Web 2.0 ist schön, macht aber leider viel Arbeit. Wer erinnert sich nicht an das sensationelle Newcomer-Blog von Mahmud Ahmadinedschad, dem iranischen Staatspräsidenten, dessen Herz so voll ist, dass ihm davon der Mund und manchmal auch die Hutschnur übergeht.

Schnäuze und so
(weltwoche.typepad.com, Güzin Kar)
„Journalisten sind die einzigen Menschen, die nichts von Google gehört haben.“

„BamS“-Informant enttarnt

Axel Sülwald berichtet heute für die „Bild am Sonntag“ (Preis am Kiosk: 1,40 Euro) kurz, aber groß über den neuen Fiat 500:

„Nach BamS-Informationen soll die für Mitte 2007 erwartete „Knutschkugel“ (…) ab 2008 auch als Cabrio kommen!“

Und zur Illustration zeigt die „BamS“ freundlicherweise sogar „schon einmal“ zwei „Computer-Animationen“ des Autos.

Doch woher hat „BamS“-Autor Sülwald bloß seine ominösen „BamS-Informationen“?

Nun, nach BILDblog-Informationen gehört er möglicherweise einfach nur zu den weit über 200.000 Menschen, die monatlich bei autoexpress.co.uk vorbeischauen. Meldung und Bilder finden sich nämlich auch auf der Website der größten britischen Autowochenzeitschrift*. Allerdings schon seit anderthalb Wochen. Exklusiv. Und obendrein kostenlos.

Nachtrag, 20.40 Uhr: Naja, oder „BamS“-Autor Sülwald gehört zu den knapp 300.000 Lesern des gedruckten „Auto Express“. Der hatte das Fiat-Cabrio schließlich in seiner letzten Ausgabe als Cover-Story.

*) Und noch ein Nachtrag: BILDblog-Leser Jens-Uwe R. weist zu Recht darauf hin, dass es sich beim „Auto Express“ um die britische Lizenzausgabe der „Auto-BILD“ handelt.

Allgemein  

„Bild“ wider den Magerwahn im Showgeschäft

Annett Louisan ist anscheinend kürzlich in einem „trägerlosen Seidenkleid“ aufgetreten, das „Bild“ nicht übersehen ließ, dass sich „ein paar Pfündchen mehr auf die Rippen geschmuggelt haben“. Na und?

Die „Bild“-Zeitung hat kein Problem damit. Im Gegenteil. Sie jubelt:

Endlich mal eine Sängerin, die den Magerwahn im Showgeschäft nicht mitmacht!

Und wenn Sie jetzt so ein wohliges Gefühl im Bauch haben und denken: Mensch, wose Recht ham, hamse Recht, dann sollten Sie jetzt nicht hier klicken.

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Jungs Weiß(nicht so recht)Buch
(blog.zeit.de, Jochen Bittner)
Kommende Woche will der Verteidigungsminister dem Regierungskabinett das lang ersehnte Weißbuch vorstellen. Dieser Blog veröffentlicht das neue sicherheitspolitische Strategiepaper (pdf, 829 kb) exklusiv vorab.

„Piep piep piep – wir ham‘ uns alle lieb!“
(telepolis.de, Wolf-Dieter Roth)
Medientage 2006: Öffentlich-rechtlicher und privater Rundfunk kuscheln miteinander gegen die bösen Telcos.

Mitstreiter für FTD Debatte gesucht
(ftd.de)
Jetzt ist Ihre Meinung noch mehr gefragt: FTD Debatte ist das neue Forum für den Austausch von Standpunkten, Argumenten und Informationen über Wirtschaft, Politik, Finanzen, Karriere und Sport. Ein ausgeklügeltes Bewertungssystem sorgt dafür, dass die besten Inhalte einfach zu finden sind.

Viermal täglich eine Multimedia-Zeitung
(nzz.ch, Heribert Seifert)
Mit kühnen Schritten sucht die britische Zeitung „Daily Telegraph“ den Weg in Richtung Multimedia. Künftig wird sie täglich vier Hauptprodukte anbieten. Dem Vorstoss gingen Entlassungen voran.

„Der Herr hat’s genommen“
(welt.de, Burkhard Riering)
Der Medienunternehmer und Pleitier Leo Kirch will Genugtuung und klagt gegen die Deutsche Bank. Morgen wird er 80 Jahre alt.

Unnachgiebiger werden! Oder hinschmeißen!
(spiegel.de, Thea Dorn)
Passend zu Eva Hermans Apfelkuchen-Thesen ist sie auch in der Politik wieder da: die Sehnsucht nach dem bärig-bärtigen Mann, der im rechten Moment auf den Tisch haut. Doch Angela Merkel hat noch immer die Chance, sich aus politischen und gesellschaftlichen Mustern von vorgestern zu befreien.

„Bild“ nicht

Seit vier Tagen kämpft „Bild“ in einer Serie für die deutsche Sprache, die „wie ein weidwundes Tier auf der Lichtung“ stehe und „kein scharfes Schwert zur Selbstverteidigung“ habe. „Bild“ klagt u.a. über Anglizismen, die Zumutungen der Jugendsprache und die allgemeine Sprachlosigkeit.

Bestimmt zu Recht.

Nachtrag, 16.30 Uhr:
Negativ wirkt sich bei dieser Serie natürlich auch die bekannte Englischschwäche von „Bild“ aus: „Denglisch“ grassiert, weil Jugendliche amerikanische Idole anhimmeln, die in „screenplays“ auftreten? In Drehbüchern??

Mit Dank an Christian D. und Jens F. und Gruß an Peter K.

Kurz korrigiert (272)

Miroslav Klose ist im Champions-League-Spiel von Werder Bremen gegen Levski Sofia gestern in der 82. Minute ausgewechselt worden. Warum? „Bild“ weiß es:

Damit er sich für Bayern schonen kann, für sein erstes Saisontor…

Klose hat in dieser Bundesliga-Saison bereits zwei Tore erzielt: gegen Hannover 96 und Bayer Leverkusen.

Danke an Christian G., Christoph M., Wolfram M., Walter H. und Reinhard W.

Kurz korrigiert (271)

Etwas verspätet kommen wir auf die „Top 10“ der vergangenen Woche von „Bild“-Kolumnist Mainhard Graf Nayhauß zurück, der als „taktloseste Entgleisung“ eine Meldung aus dem Satiremagazin „Titanic“ ausmachte:

Unter der Überschrift „Von Null auf Hundert – wie Unauffällige immer wieder Weltgeschichte machten“ nannte es zusammen mit Hitler den Unions-Fraktionsvize Bosbach, dessen Tätigkeit als „gelernter Supermarktleiter“ (in Wahrheit Rechtsanwalt) in „rumsitzen“ und in „Akten rummalen“ bestünde.

Und sicher ist das, wie fast alles in „Titanic“, irgendwie taktlos und womöglich sogar beleidigend gemeint. Bis auf die Sache mit dem „gelernten Supermarktleiter“. Das ist einfach wahr.

Danke an Stefan S. für den Hinweis!

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Zugriff auf weitere E-Paper
(blog.benbit.ch)
Dieses Sicherheitsloch hab ich aber bereits vor Monaten entdeckt, nur hab ich mich entschlossen, es nicht zu veröffentlichen. Aber offensichtlich, ist es ein neuer Trend Sicherheitslöcher in Applikationen zu veröffentlichen.

Keine Zeit für Journalismus
(werbewoche.ch, Karin Müller)
Nie zuvor gab es so viele gute Journalisten wie heute. Wer so was sagt, liest wohl keine Schweizer Presseerzeugnisse.

Innereien befreien
(jungewelt.de, Frank Schäfer)
The Smiths konnten Leben retten – doch wer rettete die Smiths? Marc Spitz über die Leiden drogensüchtiger Musikjournalisten.

„Wir onkeln unsere Leser nicht an“
(fr-aktuell.de, Claus Lochbihler)
Thomas Kerstan, Chefredakteur von „Zeit Campus„, über Lesestoff zwischen Service und Lebensgefühl.

Vorbild Super Nanny
(zeit.de)
Wie erreicht man Problemfamilien? Experten und Bundestagsabgeordnete suchten gemeinsam nach Lösungen, wie man den Medieneinfluss auf Kinder steuern kann.

Harald Fidler gibt sich die Kugel
(standard.at)
„Kleinen Tod“ nennen die Japaner das Prickeln, das das Fugu-Gift auf der Zunge auslöst – Der japanische Kugelfisch im Selbstversuch.

… aus dem Sinn

Weil Robert V.* mehrere Fotos einer „Kürbis-Regatta“ im kanadischen Bécancour an die „Bild“-Zeitung geschickt hat, darf er heute quer über eine „Bild“-Seite behaupten:

„Bild“ glaubt ihm das offenbar unbesehen und behauptet auch:

„Er (…) ist der erste BILD-Leser-Reporter aus Übersee.“
(Link von uns.)

Was aber ist dann mit Manja S.?

Was mit Joachim K.?

Und was mit Sabine W.?

Mit Dank an Volker K.
*) Alle Anonymisierungen von uns.

Allgemein  

Wie „Bild“ den Kopf aus der Schlinge zieht

Was ist Kai Wessel für ein Mensch? — Wir wissen es nicht.

Wir wissen nur: Kai Wessel schreibt in „Bild“. Geschichten aus Ostwestfalen. Viel passiert dort nicht. Aber wenn, dann tragen Wessels „Bild“-Geschichten Überschriften wie diese:

„Hund beim Gassigehen hingerichtet!“
„Celina (6) auf Spielplatz von Jagdterrier zerfleischt“
„Arzt-Pfusch bei Deck-Pudel“
„Amokläufer erschoss Cousin und Freund“

Und vor einer Woche schrieb Kai Wessel unter der Überschrift „Tatort Schule – Sie wollten meinen Jungen in der Turnhalle aufhängen“:

„Hilflos baumelte der kleine Junge (6) über dem Boden. Immer tiefer grub sich die Schlinge in seinen Hals. Röchelnd schnappt er nach Luft.

Aufgeknüpft im Kinderhort!

Schauplatz der ‚Hinrichtung‘ war (…) ein Detmolder Kinder- und Jugendhaus (…).“

Anschließend rekonstruierte Wessel die „Chronologie einer unfassbar brutalen Tat“:

„Eine Gruppe Jugendlicher (11–14) fiel im Toberaum der Tagesstätte über den kleinen S.* her. Ihr Anführer schnappte sich ein kräftiges Seil, band es ihm um den Hals. Dann ließ er S. daran herunter baumeln — wie am Galgen.“
*) Abkürzung des Namens von uns.

Soweit Kai Wessel in „Bild“. Es klingt, als wäre er dabeigewesen. War er aber nicht. Doch wie zum Beweis zitierte Wessel die örtliche Polizei: „Wir ermitteln wegen Körperverletzung (…).“

Einen Tag später berichtete dann die „Lippische Landes-Zeitung“ und fasste zunächst Kai Wessels „Bild“-Bericht zusammen:

„Schlagzeile und Text beschrieben in interpretationsfreien Worten ein Lynchszenario.“

Aber nicht nur das. Die „Lippische“ schreibt auch:

„Dieses Szenario allerdings soll es laut Polizei nie gegeben haben (…): ‚Es ist richtig, dass die Mutter des Kindes (…) Anzeige erstattet hat und wir daraufhin die Ermittlungen
aufgenommen haben (…). Von Aufhängen wie in einem Western war dabei aber überhaupt nicht die Rede. (…) Offenbar gab es keine jugendliche Tätergruppe, und es wurde auch niemand mit einer Schlinge brutal aufgeknüpft.‘

Stattdessen sei, so die „Lippische“ (unter Berufung auf Polizei und Kinderhort), die Halsverletzung des Jungen womöglich „durch einen Unfall beim Spielen verursacht“ worden, wobei sich der Sechsjährige am Seil einer Hängematte verletzt haben könnte. Er habe jedoch „nach dem Vorfall an anderer Stelle im Haus sogar noch weitergespielt“.

Gut, hier könnte die Geschichte zu Ende sein. („Bild“ berichtet, die Polizei dementiert, man kennt das.) Ist sie aber nicht — nicht für das Detmolder Kinder- und Jugendhaus, das wegen Kai Wessels „Bild“-Bericht um seinen Ruf fürchtet, und nicht für uns, denn:

Nach der Veröffentlichung der „Lippischen Landeszeitung“ entschloss sich „Bild“ zu einer, ähm… Korrektur?


„(…) Jetzt kam raus: Der Täter ist erst acht Jahre alt. Nach Darstellung einer Mitarbeiterin kam es zwischen den Jungs zu einem Streit.“

Abgesehen davon bleibt „Bild“ anscheinend bei ihrer Darstellung.

Und wer ist der Autor dieser Unverfrorenheit? — Wir wissen es nicht.

Mit Dank an Stefan D., Jürgen T und die Detmolder Polizei, die uns bestätigt, die Darstellung der „Lippischen Landes-Zeitung“ treffe „den Nagel auf den Kopf“.

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