„Bild“ entdeckt alte Schnarchtherapie neu

Auf Seite eins weist „Bild“ heute auf die Schwester-Zeitschrift „Bild Gesundheit“ hin. Und zwar so:

Bevor jetzt aber alle Schnarcher zum Kiosk rennen, um herauszufinden, was „Schnarch-Experte Nr.1, Prof. Karl Hörmann“ („Bild“) in der Gesundheits-„Bild“ über diese „neue Therapie“ zu erzählen hat – ein Allheilmittel ist sie nicht, jedenfalls nicht laut Bild.de, bzw. dem dort zu Wort kommenden „Schnarch-Guru“ Dr. Antoine Aschmann. Und nicht nur das. Bereits im Juli 2001 schrieb die „Ärzte-Zeitung“ über die von „Bild“ gemeinte Radiofrequenztherapie:

Die Radiofrequenztherapie wird in der Medizin schon seit Jahren in vielen Disziplinen angewandt. Ärzte der Universitätsklinik Mannheim zum Beispiel benutzen sie schon seit etwa zweieinhalb Jahren, um bei Patienten mit Atemstörungen im Schlaf Zungengrund, Nasenmuscheln oder weichen Gaumen zu verkleinern.

Grob überschlagen gibt es die „neue Therapie“ also mindestens seit rund sieben Jahren, und ebenso lange wird sie schon gegen das Schnarchen eingesetzt. Ob man eine sieben Jahre alte Therapie als „neu“ bezeichnen kann, ist natürlich Ansichtssache.

Anders verhält es sich mit der aktuellen Ausgabe der „Bild Gesundheit“: Die gibt es, wie „Bild“ völlig korrekt berichtet, „jetzt für 1,80 Euro am Kiosk“.

Mit Dank an Dirk E. und Wolfgang L. für den Hinweis.

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Irgendetwas in dieser Richtung hat er doch gesagt!

Dies ist die Geschichte, wie der Hamburger CDU-Politiker Robert Heinemann einmal ganz groß bundesweit Schlagzeilen machte.

Es fing ganz unspektakulär an. Am Dienstag vergangener Woche gab Heinemann mehreren Zeitungen Interviews. Es ging um die aktuelle Diskussion, ob auf Schulhöfen deutsch Pflichtsprache sein sollte. Heinemann äußerte sich differenziert: Er begrüße solche Regeln, aber die Schulen dürften und müssten das selbst entscheiden. Eine Regelung „von oben“ lehnte er laut „Hamburger Morgenpost“ ausdrücklich ab. „Wir werden das nicht vorschreiben“, zitiert ihn das „Hamburger Abendblatt“.

In „Bild“ las sich das am selben Tag schon etwas knackiger. Die Hamburger Ausgabe zitierte Heinemann am Mittwoch mit den Worten:

„Sanktionen müßten die Schulen selbst festlegen. Mögliche Strafe: Wer nicht deutsch spricht, soll den Schulhof fegen.“

Die Formulierung fand Heinemann, wie er später erklärte, „zwar erheblich verkürzt — aber noch nicht völlig falsch“. Eigentlich habe er dem „Bild“-Redakteur auf die Frage nach den Sanktionsmöglichkeiten für Schulen, die eine Deutschpflicht durchsetzen wollten, nur geantwortet, dass viele Maßnahmen denkbar seien: „vom erzieherischen Gespräch über Verfahren wie bei den Streitschlichtern bis hin zu Strafmaßnahmen wie dem Fegen des Schulhofes“. Am Mittwoch habe er den „Bild“-Redakteur angerufen und ermahnt, dass das ihm zugeschriebene Zitat „journalistisch an der Grenze“ sei.

Am Donnerstag überschritt „Bild Hamburg“ diese Grenze und machte aus der möglichen Maßnahme eine Forderung:

CDU-Politiker Heinemann löst hitzige Debatte aus: Deutsch sprechen oder Schulhof fegen! - Riesen-Wirbel um den Hamburger CDU-Schulexperten Robert Heinemann. Der forderte gestern in BILD: "Schüler, die nicht deutsch sprechen, sollen den Schulhof fegen!" Heinemann bekräftigte gestern gegenüber BILD noch einmal seinen Besen-Appell. "Ich stehe zu dem, was ich gesagt habe!"

In einer Fotounterschrift machte „Bild“ aus Heinemann sogar eine Art Grammatik-Polizisten:

Wer nicht richtig deutsch spricht, soll fegen, meint Schulexperte Robert Heinemann.
(Hervorhebung von uns.)

Heinemann sagt, er habe sich daraufhin „massiv bei der Bild-Zeitung beschwert“. Das scheint keinen großen Eindruck gemacht zu haben. Am Freitag erschien die Falschmeldung groß in der Bundesausgabe von „Bild“:

Und am Samstag wieder in der Hamburger Ausgabe, diesmal als „Spruch der Woche“:

Erst am gestrigen Montag, nachdem Heinemanns angebliches Zitat von vielen anderen Medien aufgegriffen worden war, erschien in „Bild“ Hamburg so etwas wie eine Richtigstellung. Wobei die „Bild“-Zeitung über die Richtigstellung natürlich nicht „Richtigstellung“ schrieb, sondern:

Herr Heinemann, wie ist das denn nun mit dem Schulhof-Fegen? (...) Schüler, die auf den Pausenhöfen nicht deutsch sprechen, sollen zur Strafe den Schulhof fegen. Mit dieser Idee hat CDU-Schulexperte Robert Heinemann bundesweit für Aufsehen gesorgt und für hetige Reaktionen bei SPD und GAL gesorgt (BILD berichtete).

Nichts deutet darauf hin, dass sich in dem folgenden Interview quasi „Bild“ korrigiert und nicht Heinemann. Es sei denn, man kennt den Hintergrund – dann versteht man auch die merkwürdig trotzköpfige Fragestellung von „Bild“:

PS: Unsere Anfrage bei „Bild“, zu Heinemanns Vorwürfen Stellung zu nehmen, blieb unbeantwortet.

Nachtrag, 1. Februar. Inzwischen haben wir eine Antwort von „Bild“ bekommen. Sie lautet: „Von unserer Seite gibt es dazu nichts zu sagen.“

„Bild“ hat schon gewählt

In knapp zwei Monaten sind in Rheinland-Pfalz Landtagswahlen, und beide großen Parteien versuchen, sich mit Vorschlägen zur Familienpolitik zu profilieren. Die Nachrichtenagentur AFP fasste es gestern so zusammen:

Die SPD kündigte am Samstag auf ihrem Parteitag an, bei einer Wiederwahl bis 2010 eine vollständige Beitragsfreiheit für den Kindergartenbesuch zu erreichen. (…) Auch die CDU will die Kindergartengebühren abschaffen, und das sogar schon ab 2007.

Das Wahlprogramm der CDU [pdf], das am vorletzten Samstag beschlossen wurde, verspricht u.a., mehr Personal einzustellen, um in Zukunft auch Zweijährige schon zu betreuen, und mehr Lehrer einzustellen. Das Wahlprogramm der SPD [pdf], das am vergangenen Samstag beschlossen wurde, verspricht u.a. einen Rechtsanspruch für einen Kindergartenplatz für Zweijährige und Hilfen beim Schulbuchkauf und Schulessen.

Man könnte nun ins Grübeln kommen, welcher Seite eher zu trauen ist, die Versprechen auch einzuhalten, und welche Finanzierungsmöglichkeiten man realistischer findet. Kann man aber nicht, wenn man die heutige „Bild“-Zeitung liest. „Bild“ hat sich trotz der fast gleichlautenden Vorschläge schon entschieden, wer in die Freunde-des-Hauses-Rubrik „Gewinner des Tages“ gehört. Es ist der SPD-Ministerpräsident Kurt Beck*:

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (56, SPD) will die Kindergartengebühren abschaffen. Außerdem sollen alle Kinder ab zwei Jahren einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz bekommen. Und: Höhere Zuschüsse für Schulbücher, Essen und ein beitragsfreies Erststudium soll es auch geben.

BILD meint: Ein wahrer Landesvater!

Für den Hinweis, dass die CDU ähnliche, teils weiter gehende Vorschläge gemacht hatte, fand die „Bild“-Zeitung in diesem Text keinen Platz mehr.

*) Kurt Beck hat sich in der vergangenen Woche — im Gegensatz zu vielen Parteikollegen — grundsätzlich offen für eine Ministererlaubnis gezeigt, die der Axel Springer AG eine Fusion mit ProSiebenSat.1 trotz des Vetos des Kartellamtes erlauben würde.

Danke an Jochen Z. für den Hinweis!

In Amerika sind die Türken Indianer

Wir müssen über den „Brief von Wagner“ von gestern reden. Das ist, wie so oft bei den Kolumnen von Franz Josef Wagner, nicht so leicht, also fangen wir mit einem schlichten Fehler an:
Wagner behauptet, dass eine Berliner Schule ihren überwiegend aus ausländischen Familien stammenden Schülern „ab sofort“ vorschreibt, auf dem Pausenhof ausschließlich deutsch zu sprechen. Dabei gilt die Regel schon seit fast einem Jahr.

Soweit die Kleinigkeiten.

Doch Wagner gibt in seinem Brief den „lieben türkischen Schülern“ noch gute Ratschläge mit:

Wenn Deutschland zu Eurem Land werden soll, dann müßt Ihr fließend Deutsch sprechen. Oder Ihr übernehmt die Rolle der Indianer in Amerika. Straßenräuber, Drogenkranke, Geächtete.

Ohne Deutsch kein Schulabschluß, ohne Deutsch keine Lehrstelle, ohne Deutsch ein Indianer.

(…) Eine schöne Wohnung, ein Auto in der Garage, eine Topfpflanze auf dem Balkon, geachtet von den Nachbarn – all das kriegst Du, wenn Du deutsch kannst. In unserer Sprache heißt das Glück.

Hoppla. Die Rolle der Indianer in Amerika ist es, zugedröhnt unschuldige Leute zu überfallen? Wissen das die Indianer? Und hätten sie das verhindern können, wenn sie nur rechtzeitig
aufgehört hätten, ihre komischen Dialekte zu sprechen?

Da kommt man natürlich ins Grübeln, wie die amerikanische Geschichte verlaufen wäre, wenn die Indianer sich nur rechtzeitig an die Gepflogenheiten ihres Gastlandes… Moment: Gastland? Waren nicht die Indianer zuerst da? Wären dann nicht die Bleichgesichter die Türken Amerikas? Also quasi die Indianer? Oder, ganz anders, waren die Indianer einfach nicht integrationswillig genug, um es in der amerikanischen Geschichte zu einer anständigen Rolle zu bringen? Und wer hat hier auf dem Pausenhof wieder gekifft?

Und schon haben wir uns fröhlich in einer Kolumne von Wagner verlaufen und finden den richtigen Ausgang nicht mehr. Denn womöglich müsste man sich ernsthaft damit auseinandersetzen, dass Wagner unter der wirren Oberfläche hier eine klare Ideologie vertritt, welche Rolle Türken seiner Meinung nach in Deutschland haben sollten: brave Konsumenten, die ihren (deutschen) Nachbarn nicht unangenehm auffallen. Glückliche Türken sind die, die „wir“ gar nicht als Türken erkennen.

Man spricht deutsch

„Es hatte aber alle Welt einerlei Zunge und Sprache. (…) Und sie sprachen untereinander: (…) Wohlauf, laßt uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, damit wir uns einen Namen machen; denn wir werden sonst zerstreut in alle Länder. Da fuhr der HERR hernieder, daß er sähe die Stadt und den Turm, die die Menschenkinder bauten. Und der HERR sprach: Siehe, es ist einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen, und dies ist der Anfang ihres Tuns; nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden können von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun. Wohlauf, laßt uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren, daß keiner des andern Sprache verstehe!“
(1. Mose 11, 1-7)

Soweit die Bibel über diese Turmbau-Sache zu Babel damals, die auch für Wolfgang Amadeus Mozart weitreichende Folgen haben sollte. Na, klar: Hätte der Mann etwa sonst seine Opern in Deutsch geschrieben, damit sie, äh, jeder versteht? Wohl kaum. Und außerdem gäbe es ohne die aus dem biblischen Bauvorhaben resultierende babylonische Sprachverwirrung vermutlich keine deutsche Version des Internetsuchdienstes Google, wo sich inzwischen deutlich mehr Einträge zu „Mozart“ als zu „Motorrad“ finden lassen*, was ja wohl zweifelsfrei beweist, dass Mozart ein großer Musiker war, größer jedenfalls als dieses Ding mit zwei Rädern und einer Wärmekraftmaschine und wahrscheinlich sogar der größte Musiker aller Zeiten! Dabei hatte er noch nicht mal einen Motorradführerschein.

Kurzum: Wer diese Begründung jetzt – warum auch immer – komplett bescheuert findet, hat vermutlich Recht.

Als Grund Nr.2 der „100 Gründe, warum Mozart der größte Musiker aller Zeiten ist“, schreibt „Bild“ heute aber trotzdem:

„Bei Google gibt es 21,9 Millionen Einträge zu Mozart – zu Gott nur 12 Millionen.“

Mit Dank an die zahlreichen Hinweisgeber.

*) Die Anzahl der Google-Suchergebnisse kann variieren.

Wogegen sich Kai Diekmann wehrt III

„Bild“-Chef Kai Diekmann, der ja bekanntlich eine gewisse Art von Gegendarstellungen „gerne“ drucke, „weil sie zeigen, wie hier das Recht der Gegendarstellung im Kern mißbraucht wird“, hat mal wieder eine Gegendarstellung durchgesetzt. Diesmal gegenüber der „Berliner Zeitung“.

In deren Silvesterausgabe hatten Mitarbeiter des Blattes notiert, was ihnen 2005 in den Medien gefiel und was nicht. Ein Beitrag war von Christoph Schultheis, einem der Betreiber dieser Seite. Seine persönlichen Plus-Punkte des Jahres gingen so:

Matthias Reim (Sänger), Claudia Roth (Politikerin), Anke Engelke (Entertainerin), Alexandra Neldel (Schauspielerin), José Manuel Barroso (EU-Kommission) und Steffi (16). Sie konnten sich erfolgreich gegen falsche Behauptungen der Bild-Zeitung wehren. Ihre Gegendarstellungen endeten mit dem kleinlauten Eingeständnis der Redaktion, dass das, was „Bild“ berichtet hatte, nicht stimmte.

Gegen diesen Text hat Diekmann eine Gegendarstellung erwirkt. Er stellt darin fest:

Die Gegendarstellung von Alexandra Neldel haben wir ohne eine derartige Erklärung abgedruckt.

Diekmann hat Recht — wenn man unter „wir“ ausschließlich die gedruckte „Bild“-Zeitung versteht. Der Online-Auftritt von „Bild“ dagegen hat sehr wohl eine derartige Erklärung abgedruckt. Nur die Papier-„Bild“ hat es nicht getan. Sie hat es unterlassen, ihre Leser darüber zu informieren, dass ein Zitat, das ihre Kolumnistin Christiane Hoffmann der Schauspielerin Alexandra Neldel untergeschoben hat, tatsächlich frei erfunden war.

Kai Diekmann hat also eine Gegendarstellung durchgesetzt, damit niemand fälschlicherweise annimmt, er habe eine von seiner Zeitung verbreitete Lüge über Alexandra Neldel in seiner Zeitung korrigiert. Das muss ihm wichtig gewesen sein.

Nachtrag, 30. Januar: Die Gegendarstellung ist bislang nur online erschienen. In der gedruckten Ausgabe der „Berliner Zeitung“ soll sie voraussichtlich am Mittwoch stehen.

Der Hund in der Pfanne: verrückt

Zuerst müssen wir etwas klarstellen: Ja, in Vietnam und in einigen anderen Ländern Asiens werden Hunde gegessen, genau wie „Bild“ gestern berichtete. Um sie zu essen, muss man sie natürlich vorher schlachten und zubereiten. Aber das ist in Vietnam offenbar so normal wie, sagen wir, hierzulande die Sitte, Rinder zu schlachten und zu verzehren – eine Sitte übrigens, die wiederum für viele Inder undenkbar wäre.

Vor diesem Hintergrund ist es wenig sachdienlich, eine Geschichte über die Zubereitung von Hunden in Vietnam mit Bezeichnungen wie „Schock-Fotos“ oder „ekelhaft“ zu versehen. Für Vietnamesen dürften die Bilder alltäglich sein und auch nicht ekliger als für einen Mitteleuropäer Bilder aus einem Schlachthof.

Aber sei’s drum. „Bild“ schreibt außerdem:

„Dieser schwarz-weiße Straßenhund wird süß-sauer serviert. (…) Ein Schlachter schneidet einem Straßenhund die Kehle durch, hängt das Tier zum Ausbluten auf einen Haken.“

Woher „Bild“ wissen will, dass es sich um einen „Straßenhund“ handelt, wissen wir nicht. Die Beschreibung der Agentur, von der „Bild“ die Fotos übernommen hat, gibt darüber keine Auskunft. Und der Fotograf der Bilder, Tristan Savatier, berichtet uns, das sei Unsinn: „Diese Hunde (Schlacht-Hunde) werden in Farmen aufgezogen. Sie haben keine Namen. Sie sind wie jedes andere Schlachttier.“

Und wer nicht nur lesen will, was sich „Bild“, so Savatier, „ausdachte, um eine Boulevard-Geschichte daraus zu machen“, kann sich sämtliche Bilder und Beschreibungen hier anschauen.

PS: In dem „Bild“-Artikel heißt es außerdem:

„‘Thit chó’, nennen die Einheimischen dieses zweifelhafte Vergnügen. Wörtlich übersetzt: einen (heißen) Hund essen.“

Wörtlich übersetzt allerdings heißt Thit Fleisch und Chó Hund. Hundefleisch also.

Symbolfoto XXV

Die Meldung, dass sich der Produzent und Musiker Kanye West fürs Cover der US-Ausgabe der Zeitschrift „Rolling Stone“ in einer umstrittenen Pose fotografieren ließ, bebildert Bild.de bereits seit gestern mit einem großen Foto des Musikers Ludacris (siehe Ausriss). Ähnlich sehen sich Kanye West und Ludacris nicht, aber sie sind, einer wie der andere, dunkelhäutig.

Mit Dank an Nico U. und andere für den Hinweis.

Nachtrag, 16:50:
Bild.de hat das Ludacris-Foto, mit dem die Kanye-West-Meldung illustriert wurde, inzwischen gegen ein Foto von Kanye West ausgetauscht.

Wogegen sich Kai Diekmann wehrt II

„Bild“-Chef Kai Diekmann, der ja bekanntlich eine gewisse Art von Gegendarstellungen „gerne“ drucke, „weil sie zeigen, wie hier das Recht der Gegendarstellung im Kern mißbraucht wird“, hat mal wieder eine Gegendarstellung durchgesetzt. Diesmal gegenüber dem „Tagesspiegel“. Und das zu Recht, wie ihm auch die Redaktion des „Tagesspiegels“ bestätigt.

Schließlich hatte der „Tagesspiegel“ im Verlauf eines Interviews* mit dem „Zeit“-Herausgeber Michael Naumann behauptet:

„Sie beschwerten sich im vergangenen Jahr, dass Bild-Reporter in Ihrem Privatleben recherchieren, nachdem Sie ‘Bild’ wegen der Osthoff-Berichterstattung ‘Schweinefantasien’ vorgeworfen hatten.“

In Diekmanns Gegendarstellung heißt es deshalb:

„Der behauptete kausale oder zeitliche Zusammenhang zwischen den Recherchen zur Person des Herrn Naumann und seiner Kritik an der Osthoff-Berichterstattung der BILD-Zeitung existiert nicht. Die Recherchen, auf die die Frage anspielt, haben Ende September/Anfang Oktober 2004 stattgefunden. Die von Herrn Naumann kritisierte Berichterstattung der BILD-Zeitung über die Entführung Susanne Osthoffs stammt aus dem November 2005.“

Und so gesehen, war die Behauptung des „Tagesspiegel“ nicht nur falsch, sondern auch dumm.

Denn natürlich existiert kein zeitlicher Zusammenhang zwischen den Recherchen der „Bild“-Reporter in Naumanns Privatleben im Herbst 2004 und Naumanns Kritik an der „Bild“-Berichterstattung gut ein Jahr später – also auch kein kausaler, logo. Anders sieht’s allerdings mit einer anderen „Bild“-Kritik Naumanns aus. Sie war nämlich vier Monate vor den „Bild“-Recherchen erschienen – also durchaus in einem zeitlichen Zusammenhang.

Ganz so abwegig, wie es die Gegendarstellung Diekmanns suggerieren könnte, war die Behauptung im „Tagesspiegel“ deshalb nicht, sondern hatte sich offenbar (wie kurzzeitig auch wir) auf den falschen der beiden Naumann-Texte bezogen.

Korrekterweise hätte der „Tagesspiegel“ also schreiben können:

Sie beschwerten sich im vergangenen Jahr, dass „Bild“-Reporter in Ihrem Privatleben recherchierten, nachdem Sie „Bild“ in einem „Zeit“-Artikel als „das Geschlechtsteil der deutschen Massenmedien“ bezeichnet hatten.
(Alternativvorschlag von uns.)

Aber gut, dass Diekmann das jetzt geklärt hat.
 
*) Online hat der „Tagespiegel“ den strittigen Satz im Naumann-Interview ersatz- und kommentarlos entfernt und nur die anschließende Frage „Wie ist Ihr Verhältnis zur ‘Bild’ heute?“ stehengelassen.

PS: Nachdem der „Tagesspiegel“ (der wie die „Zeit“ zum Holtzbrinck-Konzern gehört) im Herbst 2004 einen kritischen Artikel über die Recherchemethoden bei „Bild“ veröffentlicht hatte, konnten die Axel Springer AG sowie die „Bild“-Redakteure Martin Heidemanns und Thomas Drechsler nach gerichtlichen Auseinandersetzungen insgesamt drei Gegendarstellungen im „Tagesspiegel“ durchsetzen, in denen verschiedenen Details des strittigen Artikels widersprochen wird.

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