Schleichwerbung für BILDblog

Unser Leser Dominik J. hatte angesichts der aktuellen Leser-Reporter-Schwemme und gewisser Defizite der „Bild“-Redaktion bei der Anonymisierung von Personen eine praktische Idee:

Der BILDblog-Balken — die Unkenntlichmachung für unterwegs. Schützt zuverlässig vor versehentlicher Identifizierung durch übereifrige „Bild“-(Leser-)Reporter.

(Nein, nicht im BILDblog-Shop erhältlich.)

Nachtrag, 1.10.2006: Mit Dank an Alexander S. gibt es den „BILDblog-Balken“ jetzt immerhin zum Ausdrucken und Selberbasteln.

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„Finger weg von platter Meinungsmache“ (persoenlich.com)
Die Nutzerprofile der Online-Communities bieten neue Perspektiven für das One-to-One-Marketing. Eine neue Studie (pdf, 472 kb) hat die Eigenschaften und Interessen von Mitgliedern sozialer Online-Netzwerke untersucht. Ein Ergebnis: Versucht ein Unternehmen Meinungsmanipulation, schadet das dem Image enorm.

Schlimmer Verdacht (ndr.de)
Journalisten tarnen sich als Rettungshelfer.

„Es langweilt mich zunehmend“ (zeit.de)
Was sagt Moderator Johannes B. Kerner zur Kritik an der „Kernerisierung“ des Fernsehens? Und warum hat er weiterhin kein Problem damit, Werbung zu machen? Ein Streitgespräch.

Ist erlaubt, was gefällt? (dradio.de)
Über Korrespondenten der neuen Art.

Politisch nicht ganz korrekt (freitag.de)
Wille und Wirklichkeit: Zur Auseinandersetzung über den ARD-Film „Wut“.

Gefahrenzone (sz-magazin.sueddeutsche.de)
Im Fußballsommer entbrannte eine Debatte über No-go-Areas für afrikanische Gäste. Können sich Menschen mit dunkler Haut in Ostdeutschland tatsächlich nicht mehr frei bewegen? Ist der Hass auf alles Fremde ein Teil der dortigen Alltagskultur geworden? Gehört der Osten noch zum Westen?

Für Geld verzichtet Bild.de auf Kritik

Heute spielen wir das beliebte „Sesamstraßen“-Spiel „Eins von diesen Dingen ist nicht wie die anderen“. Und wir spielen es mit der aktuellen Kino-Programmvorschau von Bild.de, in der uns „Bild.T-Online sagt, was top oder flop ist“:

Na? Welcher Anreißer ist anders als die anderen?

Kleiner Tipp: Hinter fünf dieser Ankündigungen sagt uns tatsächlich ein Journalist von „Bild“ oder Bild.T-Online, ob der Film top oder flop ist. Hinter einer sagt es uns die Werbeabteilung des Filmverleihs (Überraschung: Sie findet ihn top).

Auflösung: Hinter Nummer 5, „Bierfest“, steckt kein redaktioneller Inhalt, sondern eine Anzeige. Und auf der Seite, auf die man nach einem Klick kommt, steht dann auch mehrmals klein das Wort „Anzeige“ (was allerdings nicht ausreicht, um der gesetzlich vorgeschriebenen Trennung von Werbung und redaktionellem Inhalt genüge zu tun, wie Bild.de bereits zweimal von Gerichten nachdrücklich erklärt wurde). Abgesehen davon ist die Seite aber exakt wie eine redaktionelle Bild.de-Kinokritik gestaltet. Sogar der Smiley, der das Urteil zusammenfasst, ist identisch. Zum Vergleich: Redaktioneller Bild.de-Smiley (oben), bezahlter Werbesmiley (unten).

Und jetzt zum Vergleich, der Smiley, den die gedruckte „Bild“-Zeitung dem Film „Bierfest“ gegeben hat:

Aha: Auf Bild.de steht in der redaktionellen Übersicht über die Neustarts der Woche anstelle der kritischen Besprechung aus „Bild“ also ein teilweise als Artikel getarnter bezahlter Jubel-Text des Filmverleihs.

Und die Startseite von Bild.de sieht übrigens aktuell so aus:

Vielen Dank an Florian M. für den sachdienlichen Hinweis.

„Bild“ ist die gefährlichste Zeitung

Wussten Sie, dass es viel gefährlicher ist, einen schwarzen Wagen zu fahren als einen gelb-grün karierten?

Gut, wir haben die genauen Zahlen gerade nicht zur Hand, aber jede Wette: Im vergangenen Jahr waren viel mehr schwarze Autos in Unfälle verwickelt als gelb-grün karierte. Also.

Was sagen Sie? Das sei Quatsch, denn es gebe ja viel mehr schwarze Autos als gelb-grün karierte und da müsste man für eine sinnvolle Angabe mit Prozentwerten arbeiten? Sagen Sie das mal dem Herrn Hoeren, der sich sonst bei „Bild“ vor allem um Renten-Statistiken kümmert. Der zitierte gestern nämlich auf Seite 1 der „Bild“-Zeitung eine Statistik aus dem Jahr 2004, wonach 31.430 Verkäufer bei Arbeitsunfällen verletzt wurden — mehr als in jedem anderen Beruf.

Und was schloss „Bild“ daraus?

Neue Statistik: Verkäufer ist der gefährlichste Beruf

Natürlich könnte die Überschrift trotzdem stimmen — aus reinem Zufall. Tut sie aber nicht. Im Jahr 2004 (auf das sich die „neue Statistik“ von „Bild“ beruft) gab es 1.259.624 Verkäuferinnen und Verkäufer* in Deutschland. Bei 31.430 Arbeitsunfällen ergibt sich daraus eine Unfallrate von 2,5 Prozent.

Maurer zum Beispiel wurden zwar nur 22.772-mal in einen Arbeitsunfall verwickelt. Da es aber auch nur 225.583 Maurer* gibt, liegt ihr Risiko, einen Arbeitsunfall zu haben, bei 10 Prozent — viermal so hoch.

*) nur sozialversicherungspflichtig Beschäftigte

Danke an Dietmar H., Jason M., Wolf Karsten V., Torsten W. und Andre G.!

Und ewig locken die Nazi-Aliens

Gestern schrieben wir an dieser Stelle:

Was da heute in „Bild“ über eine „geheime Kraft im All“ steht, ist immerhin kein kompletter Unsinn.

Und als wollte man das nicht auf sich sitzen lassen, schreibt „Bild“ heute wieder über die Pioneer-Anomalie:

"Das Rätsel um die verschwundenen Nasa-Satelliten: Locken Aliens die Raumsonden auf ihren Planeten?"

Und das ist nun doch kompletter Unsinn:

  1. Pioneer 10 und Pioneer 11 sind keine Satelliten, sondern Raumsonden.
  2. Pioneer 10 und Pioneer 11 sind nicht „verschwunden“. Man weiß recht genau, wo sie sind, nämlich „etwa 400 000 Kilometer von den Positionen entfernt“, an denen sie eigentlich sein sollten, wie „Bild“ selbst schreibt.
  3. Die Frage, ob „Aliens die Raumsonden auf ihren Planeten“ locken, können wir natürlich nicht beantworten, allerdings sind die Annahmen, die „Bild“ offenbar zu dieser Frage inspirieren falsch.
  1. „Bild“ schreibt:

    Eine unsichtbare Macht zieht sie ins Sternzeichen Stier — auf einer völlig anderen Route, als die Wissenschaftler berechnet hatten.

    Noch mal: Soo „völlig“ anders ist die Route gar nicht. Die Sonden werden lediglich gebremst, und da sie sich auf einer gekrümmten Bahn bewegen, weicht der Kurs vom berechneten ab.

  2. Anders als „Bild“ suggeriert, war Pioneer 10 schon immer auf dem Weg ins Sternbild Stier.
  3. Pioneer 11 hingegen war nie und ist nicht auf dem Weg ins Sternbild Stier. Deshalb ist es auch kompletter Unsinn, wenn „Bild“ die Frage, „Wohin steuern die Sonden?“, so beantwortet:

    Auf den Riesenstern Aldebaran (auch „Alpha Tauri“ genannt) zu.

    Pioneer 11 bewegt sich quasi in entgegen gesetzter Richtung zu Pioneer 10 aus dem Sonnensystem und steuert nicht auf Alpha Tauri zu, sondern auf Lambda Aquilae im Sternbild Adler.

  1. Am Ende des Textes fragt „Bild“ bang: „Gibt es noch Kontakt?“, antwortet im Prinzip mit „nein“ und fügt hinzu:

    Jedes Signal ist aber elf Jahre unterwegs.

    Dann müssten die Sonden elf Lichtjahre von der Erde entfernt sein. Sind sie aber nicht. Tatsächlich braucht jedes Signal von Pioneer 10 bloß rund elf oder inzwischen wohl eher zwölf Stunden zur Erde.

So. Und hinsichtlich der vermeintlichen Aliens, von denen „Bild“ zu berichten weiß, dass sie „Legenden“ zufolge 1944/45 schon mal zur Erde gereist seien, um den Nazis „ihre Technik“ anzubieten, wollen wir auf ein Referat von Dr. Stefan Meining verweisen, das er im Jahr 2002 beim Symposium des Thüringer Landesamts für Verfassungsschutz gehalten hat. Es trägt den Titel: „Rechte Esoterik in Deutschland. Ideenkonstrukte, Schnittstellen und Gefahrenpotentiale.“ (pdf)

Mit Dank an Udo M., Studentkiel, Alexander N. und Peter B. für die sachdienlichen Hinweise.

Allgemein  

Zeitlichkeit ist der Seinssinn der Sorge

Manchmal entdecken die Tester von Bild.de selbst beim Vergleich von Autos derselben Kategorie erschütternde Qualitätsunterschiede.

Der Bentley Continental GTC:

Aber erst muss das Stoffdach runter. Das geht auf Knopfdruck gemächlich innerhalb von 25 Sekunden.

Dagegen der BMW M6 Cabrio:

Das BMW-Dach ist blitzschnell geöffnet: 24 Sekunden

Na, damit ist die Kaufentscheidung quasi gefallen.

Nachtrag, 14.15 Uhr. Ah: Weiter unten im Artikel sind auch die 24 Sekunden des BMW für Bild.de nicht „blitzschnell“, sondern eine „verdammt lange“ Zeit. Verwirrend.

Danke an Günther P. — und die vielen anderen Hinweisgeber!

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Wann der Spuck vorüber war (weltwoche.ch)
Widersprüche, Lügen und ein Zeitplan, der nicht stimmen kann: Bei der Fussball-EM in Portugal trickste das Schweizer Fernsehen die Öffentlichkeit aus.

Total vernetzt: Internet von übermorgen (wiwo.de)
Rund um den Globus arbeiten Forscher am Internet von übermorgen. Das Web 3.0 wird intelligenter sein, schneller und auch allgegenwärtig.

Die CS gratuliert der WOZ (werbewoche.ch)
Kilian Gasser und die WOZ haben für die Jubiläumsausgabe über 20 Seiten Inserate verkauft.

Kein Empfang auf Guangdong (fr-aktuell.de)
Bundesliga und Champions League sind längst im Internet frei empfangbar – zum Verdruss der Rechteinhaber.

Treibjagd, Gier und Unschuldslämmer (bilanz.ch)
Themen rund um Gier und Filz dominierten im August die Medien. Das zeigt das dreimonatlich publizierte Issues-Barometer des FÖG der Uni Zürich und von Adwired.

Mit teuren Schuhen lebt sich’s besser (nzz.ch)
Moritz von Uslar erprobt seine Interviewtechnik im Roman.

David Blieswood und seine Liebe zu Gillette

Der offizielle Berater des „Bild“-Chefredakteurs Kai Diekmann heißt Norbert Körzdörfer. Wenn er im Blatt schreibt, nennt er sich manchmal aber „David Blieswood“ (ein Pseudonym, das er der „Süddeutschen Zeitung“ so erklärte: „David ist unser Sohn, wir wohnen in Bliesdorf und träumten immer von Hollywood — so einfach ist das“).

Als Blieswood schrieb Körzdörfer auch schon für „Welt“ und „Welt am Sonntag“. Und man könnte sagen, er ist sich über viele Jahre treu geblieben.

Blieswood am 25. September 2006 in „Bild“:

Ich nassrasiere mich mit einer Sensation: „Gillette Fusion“ (5 + 1 Klinge). Ich bin ein Babypopo.

Blieswood am 29. März 2003 in der „Welt“:

Ein Milliardär hatte Geburtstag. Worüber freute er sich am meisten? Über neue Rasierklingen aus den USA. Ich komme ins Bad. Da liegt ein Geschenk meiner Frau: Die neuen „Gilette Mach3 turbo“-Anti-Friction- Klingen. Ein Mann braucht so wenig zum Glück.

Blieswood am 9. September 2002 in der „Welt“:

Mein Lieblings-Friseur, Gerhard Meir, empfahl mir jetzt ein Wunder-Öl: „Huile de Rasage“ von „Clarins“ (ca. 30 Euro). Man schmiert einige Tropfen Öl auf die nasse Gesichtshaut – und gleitet mit dem „Mach 3“ von Gillette sanft drüber. Ein Gefühl wie beim Baby-Popo.

Blieswood am 23. August 1998 in der „Welt am Sonntag“:

Ich habe die Zukunft gespürt.

Sie heißt Gillette „Mach3“, kostet 7,99 Dollar. Es ist ein Quantensprung im jahrtausendalten Kampf Mann gegen Bart.

Angeblich über 500 Millionen Mark verschlang die Entwicklung der dreimesserigen Kompaktklinge. Blitztest: Das Gleiten ist wie Streicheln. Das Griffgefühl liegt zwischen Kartoffelschäler und Tapezierrolle.

Ein blauer Feuchtigkeits-Streifen löst die ewige Frage: Noch scharf oder fast schon stumpf? Wenn der Streifen weg ist, ist die Klinge verbraucht. Ein geniales Ding. Deutschland-Start: September. Preis: 13,99 Mark (Internet: www.gillette.com).

Danke an Nils M. für den Hinweis!

Nachtrag, 29. September. Aus David Blieswoods Buch „Das ABC der feinen Lebens-Art“ (Ullstein, 1999), S.76:

Nur wer sich naß rasiert, fühlt sich wie früher. Seit 20 Jahren rasiere ich mich mit den Top-Modellen von Gillette. Da tritt Langeweile ein. Ich testete den neuen „Wilkinson FX Performer“. Sanfter, aber nicht besser. Rückkehr zu „Gillette Sensor Excel“.

Augen auf im Schriftverkehr!

Staat verschwendet 30 Milliarden Euro!

„Unfassbar!“ findet „Bild“-Redakteurin Katharina Ugowski die Steuerverschwendung in Deutschland, wie sie der Bund der Steuerzahler gerade wieder in seinem „Schwarzbuch“ dokumentiert, hat ihren Artikel darüber aber leider offenbar verfasst, bevor sie ihre Fassung wiederfand.

Sie schreibt:

Der Beschwerde-Ausschuss des bayerischen Landtags fuhr ausgerechnet nach China, um vom Beschwerde-Recht des kommunistischen Landes zu lernen. Kosten: 4345,98 Euro für jedes der 13 (!) Ausschussmitglieder.

Richtig ist: 4345,98 Euro ist das Budget, das jedem Ausschussmitglied während der gesamten fünfjährigen Wahlperiode zur Verfügung steht. Dieser Etat ist nach Angaben des Bayerischen Landtages, wie im Schwarzbuch nachzulesen, bislang noch nicht ausgeschöpft, obwohl der Ausschuß in der aktuellen Wahlperiode nicht nur nach China, sondern auch noch nach Rumänien gereist ist. Die China-Reise muss also deutlich weniger als 4345,98 Euro gekostet haben.

Anders als Frau Ugowski behauptet, kostete auch nicht „eine Brücke“ über die A14 in Mecklenburg-Vorpommern, die für die Bauern zu schmal geworden ist, 480.000 Euro — das ist
nach Angaben des Bundes der Steuerzahler der Preis für „mehrere Brücken“.
*

Ugowskis Kollege Einar Koch fordert in seinem Kommentar zum Thema übrigens, Menschen, die Steuergelder verschwenden, „mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren“** zu bestrafen. Nicht auszudenken, wenn auch das falsche Abschreiben von Informationen unter Strafe gestellt würde!

Nachtrag, 18.45 Uhr. Möglicherweise hat „Bild“ die Fehler nicht selbst gemacht, sondern aus einer fehlerhaften dpa-Meldung übernommen.

*) Korrektur, 28. September. Tatsächlich sind 480.000 Euro der Preis für eine Brücke. Die Angaben auf der Internet-Seite des Schwarzbuchs, wo etwas zweideutig von „mehreren Brücken“ die Rede ist, seien „unglücklich formuliert“, wie der Steuerzahler-Bund auf Nachfrage einräumt.

Vielen Dank an Christoph S. und Arno L.!

**) Nur mal so zum Vergleich (und mit Dank an Robert S.): Eine Freiheitsstrafe „nicht unter drei Jahren“ sieht das Strafgesetzbuch u.a. für Körperverletzung mit Todesfolge und schweren Raub vor.

Wie, „WER“? Was!

Was da heute in „Bild“ über eine „geheime Kraft im All“ steht (siehe Ausriss), ist immerhin kein kompletter Unsinn. Denn diese"WER zwang die Raumsonden auf neuen Kurs" „Kraft“ existiert wirklich und ihre Ursache ist bisher ungeklärt. Im Allgemeinen wird das Phänomen als Pioneer-Anomalie bezeichnet, und es existieren zahlreiche Erklärungsansätze dafür. Die meisten davon findet man in einem Text in der aktuellen Ausgabe von „Astronomie heute“ (pdf), worauf „Bild“ sich ausdrücklich bezieht, und seit gestern auf Spiegel-Online.

„Bild“ fügt den Hypothesen heute allerdings eine weitere hinzu:

Sind möglicherweise sogar Aliens im Spiel? (…) Haben Aliens diese Nachricht verstanden und die Sonden vom Kurs gelenkt?

Nun ja, man weiß es nicht, aber dazu später.

So ganz scheint „Bild“ nämlich nicht begriffen zu haben, was die Pioneer-Anomalie eigentlich ausmacht. Im Text heißt es:

Doch der Kurswechsel [der Sonden] wurde immer größer. Rund 400 000 Kilometer auf einer Strecke von 14 Milliarden Kilometern. Gleichzeitig verlangsamte sich die Geschwindigkeit.

Tatsächlich sind Verlangsamung und Kurswechsel keine zwei unterschiedlichen Phänomene, sondern die Verlangsamung ist der „Kurswechsel“ bzw. die Ursache dafür. Deshalb sind die Pioneer-Sonden heute rund 400.000 Kilometer von dem Punkt entfernt, an dem sie eigentlich sein sollten. Der Bremseffekt ist allerdings, anders als „Bild“ suggeriert, konstant.

Das war’s im Grunde schon*, und es ist für die Wissenschaft tatsächlich überaus interessant, weil die Möglichkeit besteht, dass sich die Pioneer-Anomalie nicht allein mit den bislang gültigen physikalischen Gesetzen erklären lässt.

Die Möglichkeit aber, dass diese Anomalie sich mit Aliens erklären lässt, die hat noch kein seriöser Wissenschaftler erwähnt. Auch nicht Prof. Hans Jörg Fahr, Astrophysiker der Uni Bonn, den „Bild“ Hans Jürgen Fahr nennt und dreimal korrekt zitiert, wie er uns bestätigte. Zur Alien-Hypothese sagt er allerdings:

Das ist natürlich Unfug.

*) So ganz war es das, was den Artikel in „Bild“ angeht, eigentlich nicht. Der Vollständigkeit halber seien hier deshalb noch weiter Ungenauigkeiten erwähnt: Die „Kraft im All“ ist natürlich nicht „geheim“, und sie wurde bereits 1980 „entdeckt“. „Astronomie heute“ schreibt, anders als „Bild“ behauptet, nicht, dass der Pioneer-Effekt „das größte Rätsel der Weltraumforschung“ sei. Außerdem konnten wir keinen Hinweis darauf finden, dass Forscher vermuten, die wahrscheinlichste Erklärung für die Anomalie sei „die Schwerkraft unbekannter Objekte außerhalb unseres Sonnensystems“.

Mit Dank an Dietmar H., Thorsten L., Philip K., Benedikt H., Stephan K., Ereglam und Daniel K. für die sachdienlichen Hinweise.

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