Viele sind besser

wenige — manche — einige — mehrere — viele… Die deutsche Sprache kennt eine ganze Reihe Wörter, mit denen sich nicht genauer bezifferte Mengenangaben machen lassen. Das ist insofern ganz praktisch, als man durch die Wahl des entsprechenden Wortes zumindest ungefähr andeuten kann, wie groß die Menge ist.

Heute morgen um kurz nach 8 Uhr hat eine U-Bahn in Frankfurt einen Müllwagen gerammt, die Nachrichtenagentur dpa berichtete über den Unfall bereits um kurz vor 9 Uhr und vermeldete „mehrere Verletzte“. Und darum steht es so auch seit „08:51 Uhr“ im „News-Ticker“ von Bild.de:

Im Frankfurter Stadtteil Eckenheim ist eine U-Bahn mit einem Müllwagen zusammengestoßen. Dabei wurden mehrere Menschen verletzt.

Doch das ist für Bild.de kein Grund, die Nachricht nicht mit folgender, dramatischer Überschrift unzubieten:

PS: Gegen 9.30 Uhr haben die Polizei und andere Nachrichtenagenturen die „mehreren Verletzten“ der dpa-Meldung dahingehend präzisiert, dass „der U-Bahn-Fahrer als auch der Fahrer des Müllwagens leicht verletzt“ wurden, sonst aber „nach ersten Erkenntnissen“ niemand. Mit anderen Worten: „Mehrere“ waren es, „viele“ nicht. Bild.de bleibt dennoch bei seiner Darstellung.

Mit Dank an Mephon für den Hinweis.

Nachtrag, 13.13 Uhr: Bild.de hat die „U-Bahn rammt Müll-Laster“-Meldung von „08:51 Uhr“ aus dem „News-Ticker“ entfernt.

6 vor 9

 

Eingeklemmtes Aushängeschild
(taz, Silke Burmester)
Der Schriftsteller Joseph von Westphalen schreibt im Playboy die Kolumne „Augenblick“.
(Playboy 01.07, Artikel nicht online verfügbar.)

Steinbrück ist meine letzte Hoffnung
(Tagesspiegel Online, Markus Ehrenberg)
Moderator Helmut Pfleger über den missachteten Fernsehsport Schach, „Deep Fritz“ und Stefan Raab.

Bild.T-Online startet Zeitung in «Second Life»
(Werbewoche)
Am 21. Dezember lanciert Bild.T-Online eine eigene Zeitung in der virtuellen Internet-Welt «Second Life» – kostenpflichtig.
(Die Website existiert auch schon, aber noch auf „Coming Soon“.)

Inside Spiegel Online
(SpiegelKritik, Julia Seeliger)
Julia Bönisch hat während ihres Studiums vier Monate lang als Praktikantin bei Spiegel Online gearbeitet und ihre Erfahrungen und Erlebnisse in einem Buch niedergeschrieben.

Hässlich, unzivilisiert und böse
(sueddeutsche.de, Stefan Holtel & Konrad Buck)
Der Internet-Pionier, Künstler und Gegenwartsphilosoph Jaron Lanier gilt als härtester Kritiker der anschwellenden Euphorie über das Web 2.0. Er sagt, das neue Internet führt ohne Individualität über kurz oder lang statt zu kollektivem Fortschritt zu einer neuen Form von digitaler Unterdrückung.

Wissenschaft als Web-Sampling
(Telepolis, Stefan Weber)
An Universitäten ist eine Textkultur ohne Hirn entstanden. Die neue Textkultur führt systematisch zu Texten, die nicht selbst geschrieben wurden und auch nicht von anderen gelesen werden.
(Artikel ist Teil 3 einer Serie. Teil 1: Textueller Missbrauch, Teil 2: Die abschreibende Zunft).

„Riesen-Zoff um Unterhalt“: Jetzt spricht Bohlen

Es ist schon einen Monat her. Dieter Bohlen war noch nicht überfallen worden, hatte es aber trotzdem auf die Titelseite der „Bild am Sonntag“ geschafft. In einem faktenarmen, suggestiven Artikel berichtete die „BamS“ über einen angeblichen „Riesen-Zoff um Unterhalt“ und schrieb:

„Der Pop-Produzent äußerte sich (…) nicht zu dem Fall.“

Jetzt hat er’s doch getan.

Obwohl er am vergangenen Montag überfallen wurde und Bild.de bereits drei Stunden nach dem Überfall als Allererstes berichten durfte, findet sich dort heute — zusätzlich zu den großen „Überfall auf Bohlen“-Ankündigungen (siehe rechts) — auch noch ein etwas kleinerer Teaser mit Bohlens Namen:

"13.12.2006 - Gegendarstellung: Dieter Bohlen"

Bild.de hatte nämlich (ganz ähnlich wie die „Bild am Sonntag“ damals) bei besagtem „Riesen-Zoff“-Artikel einfach so die (verkürzte) grundsätzliche Einschätzung irgendeines „BamS“-Experten derart neben ein Foto von Dieter Bohlen montiert, dass sie aussah wie ein wörtliches Bohlen-Zitat.

Und deshalb stellt Bohlen nun auf Bild.de fest:

„Etwas Derartiges habe ich weder
wörtlich noch sinngemäß je gesagt.“

BILDblog-Leser wissen das schon länger. Jetzt wissen’s auch die Bild.de-Leser. Ob und wann die „BamS“-Leserschaft davon erfährt, bleibt abzuwarten. Und warum der beanstandete Bild.de-Teaser noch immer online ist, weiß wahrscheinlich nur Bild.de selbst.

6 vor 9

„Vieles wird vom Boulevard geprägt“
(FR online, Wolfgang Hettfleisch)
Der Ausschluss von Journalisten bei Sportvereinen spiegelt die verschärften Bedingungen des Mediengeschäfts.

Yahoo und Reuters kooperieren
(HORIZONT, D. Rasshofer)
Der US-Internkonzern Yahoo und die britische Nachrichtenagentur Reuters starten das Gemeinschaftsprojekt „You Witness“ – auf Deutsch: Du bist Zeuge.

Roger Köppel ist „Journalist des Jahres“
(persoenlich.com)
Eine Jury des Branchenmagazins „Schweizer Journalist“ (Artikel online nur als Thumbnails einsehbar) vergab zum zweiten Mal ihre Preise für „die besten Journalistinnen und Journalisten“. Roger Köppel wurde für seine aussergewöhnlichen Leistungen in der Deutschschweiz in diesem Jahr ausgezeichnet.

Die hundert besten Sites
(FACTS ONLINE)
Nützliches und Sehenswertes – die Tipps der FACTS-Redaktion.
Facts wie 1997… Mit Wikipedia!

Bildblog im Abo
(Bildblog)
Seit gestern gibt es BILDblog im Abo für 12 Euro pro Jahr. Die Gegenleistung ist ein BILDblog-Abonnentenausweis 2007.

Überflüssiger Wirbel um Forresters iTunes Store-Bericht
(fscklog, Leo)
Aus einer kleinen Studie wird ein Medienereignis, wenn Jounalisten herauslesen wollen, dass die iTunes-Umsätze rückläufig seien, so wie hier. Die Blogs sind bereits einen Schritt weiter in der Analyse der Zusammenhänge. (pho)

Gute Zitate, selbstgemacht

In großer Aufmachung berichtet „Bild“ heute erneut über den „Gier-Banker“, den „feinen Herrn Welteke“, der vor Gericht eine Erhöhung seiner Bundesbank-Pension von 8000 auf rund 12.500 Euro im Monat durchsetzte. „Bild“ dokumentiert mit mehreren Zitaten, dass auch in anderen deutschen Zeitungen „Riesenempörung“ über die „fette Pensions-Erhöhung“ herrsche. An erster Stelle steht dieses:

Süddeutsche Zeitung: "Zynisch gegenüber jenen, die jeden Cent umdrehen müssen. Der Mann hat immer noch nicht verstanden, dass der Umgang mit viel Geld auch ethisch und intellektuell verpflichtet."

Bemerkenswert an diesem Zitat ist, dass es kein Zitat ist — trotz der Anführungszeichen, die das Gegenteil suggerieren. Das Wort „zynisch“ etwa kommt in dem „SZ“-Kommentar nicht vor.* Wenn man den Original-Text der „SZ“ liest, kommt man auch ins Grübeln, ob er wirklich als Beleg für die „Riesenempörung über Weltekes fette Pensions-Erhöhung“ taugt:

(…) Dass ein ehemaliger Bundesbankpräsident und Landesminister 12 500 Euro im Monat erhält, sollte die Debatte über das Verhältnis von Gehalt und späterer Pension bei Politikern beflügeln — unmoralisch hoch ist das aber nicht, verglichen mit vielen Manager-Abfindungen.

Warum also die Empörung über den angeblichen Raffke Welteke? Weil der Mann immer noch nicht verstanden hat, dass der Umgang mit viel Geld auch ethisch und intellektuell verpflichtet. Mit 33 Prozent des alten Gehaltes könne man nicht leben, hat er gesagt. Das ist schwer zu vermitteln gegenüber jenen, die jeden Cent umdrehen müssen. Und es eignete sich trefflich für jene Boulevard-Kampagne, die ihn 2002 den Posten bei der Bundesbank kostete. (…)

*) Nachtrag, 14. Dezember. Wir müssen uns korrigieren. Von dem Kommentar sind in verschiedenen Ausgaben der „Süddeutschen Zeitung“ verschiedene Versionen erschienen. Die eine ist die, aus der wir oben zitieren. In einer anderen kommt tatsächlich das Wort „zynisch“ vor. Im Kontext liest sich das so:

Mit 33 Prozent des alten Gehaltes könne man nicht leben, hat er gesagt. Das ist zynisch gegenüber jenen, die jeden Cent umdrehen müssen, und unbedarft gegenüber den Mechanismen des Boulevardjournalismus. 2002 kostete ihn das den Chefposten bei der Bundesbank; nun schrieb sich wieder einmal die Schlagzeile über Welteke wie von selber.

(Übrigens trat Welteke nicht 2002 zurück, wie die „SZ“ schreibt, sondern 2004.)

6 vor 9

McDeutsch: Wie global ist deutsch?
(Deusche Welle, Birgut Adolf)
Ist aus dem vermeintlich deutschen Sprachschatz längst ein internationales Gemeingut geworden? Ein Symposium zur Globalisierung der deutschen Sprache in Berlin sucht nach Antworten.

Zeitungsverlage starten Imagekampagne
(Werben & Verkaufen)
„Die Zeitungen. Wer liest, versteht“ – unter diesem Leitspruch werden vom 15. Dezember bis März 2007 Anzeigen mit insgesamt 40 Motiven in deutschen Zeitungen geschaltet.

Das ZDF zeigt Mut zum Scheitern
(FAZ.net, Peer Schader)
Zwar gibt es zur Zeit im deutschen Fernsehen kaum ein Genre, das die Sender so konsequent bedienen wie das der Auswanderer-Reportage. Die ZDF-Reportage „37 Grad: Nichts wie weg? Von Auswanderern und Rückkehrern“ war erfrischend anders.

Falsch herum verliebt
(Spiegel Online, Peer Schader)
Sat.1 stellt die Telenovela „Schmetterlinge im Bauch“ ein, bei der ARD ist „Zwei Engel für Amor“ gefloppt. Die Sender wissen nicht mehr, was die Zuschauer am Vorabend sehen wollen – und planen ins Blaue hinein.

Wikio: Yigg in Professionell
(e-commerce-blog.de, Daniel Schäfer)
Der neue deutschsprachige Newsaggregator Wikio geht an den Start und scheint um einiges professioneller zu sein als Yigg.

Pendlerblog hört auf
(Pendlerblog, Der unmündige Leser)
Dies ist der letzte Beitrag des Pendlerblogs [*14. Februar 2005; ? 12. Dezember 2006]. Es war eine schöne Zeit.

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