„Bild“ kennt Nationalhymne nicht

„Bild“ schreibt heute auf der Titelseite unter Berufung auf die Boulevardzeitung „B.Z.“, der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele wolle,

„(…) daß es von der dritten Strophe unserer Nationalhymne eine türkische Version gibt.“

Das ist falsch.

Denn in der „B.Z.“ heißt es heute auf der Titelseite (und ähnlich auch auf Seite 3):

„Grünen-Fraktionsvize Hans-Christian Ströbele (66) will unsere Nationalhymne ‚Einigkeit und Recht und Freiheit‘ in einer offiziellen Übersetzung, damit sie auch in türkischer Sprache gesungen werden kann. Das sei ein ‚Zeichen der Integration‘ und ein ‚Symbol für die Vielsprachigkeit Deutschlands‘, sagte er der B.Z.“

Von einer „dritten Strophe unserer Nationalhymne“ ist dort allerdings nirgends die Rede. (Zwar findet sich in einer weiterverbreiteten „B.Z.“-Vorabmeldung auch ein O-Ton Ströbeles, in der es heißt, Ströbele würde es „als Zeichen der Integration werten, wenn türkisch-stämmige Mitbürger die dritte Strophe auf türkisch singen könnten“. Doch anderen Medien — so sie sich nicht mit Witzischkeiten aufhalten — gelingt es mühelos, Ströbeles Satz auf das „Deutschlandlied“ zu beziehen.) Denn anders als „Bild“ ist der „B.Z“ und anderen Medien offenbar bekannt, dass „unsere Nationalhymne“ gar keine dritte Strophe kennt.

Mit Dank an Stefan P. für den Hinweis.

Allgemein  

„Bild“ von Außerirdischen entführt

Am 25. Mai wird ein Komet große Teile der Erde zerstören.

„Schon?“, werden Sie jetzt vielleicht fragen. Oder auch: „Schon wieder?“ Aber diese Weltuntergangsgeschichte von „Bild“ ist noch besser als die bisherigen.

Fakt ist: Der in mehrere Stücke zerbrochene Komet „73 P Schwassmann-Wachmann“ zieht im Mai relativ nah an der Erde vorbei. „Relativ nah“ bedeutet konkret: in rund zehn Millionen Kilometern Entfernung, das ist nur 25 mal so weit wie bis zum Mond.

Und „Bild“ titelt:

Komet rast auf Erde zu - Forscher in großer Sorge: 200 Meter hohe Flutwelle im Atlantik?

Der „Forscher“, der eine „gewaltige Flutwelle“, das Ausbrechen von Unterwasser-Vulkanen und eine „Katastrophe“ apokalyptischen Ausmaßes vorhersagt, heißt Eric Julien, und „Bild“ gibt sich einige Mühe, ihn als ernstzunehmenden Wissenschaftler zu präsentieren. Die Zeitung nennt ihn „französischen Kometenforscher und Autor“ und schreibt, er sei „früher für das französische Militär tätig und danach Manager des Flughafens Paris-Orly“ gewesen.

Klingt respektabel.

Was „Bild“ nicht schreibt: Julien ist Ufo-Forscher und Verfasser des Buches „Die Wissenschaft der Außerirdischen“. Er nennt sich auch Jean Edermann, erhielt von Außerirdischen eine Botschaft „über die dreidimensionale Natur der Zeit“, während ein lärmendes Ufo über seinem Haus schwebte, traf ätherische Geschöpfe in seinem Haus, lernte, sich „mental an einen Ort in der Gegenwart wohlwollender Außerirdischer“ zu projizieren und vermutet, dass die Sichtungen von Ufos damit zusammenhängen könnten, dass Atomwaffentests auf der Erde die Sicherheit von Außerirdischen gefährden, die kreuz und quer durch Raum und Zeit reisen.

Klingt — anders.

„Bild“ verrät auch mit keinem Wort, wie der Kometen-Ufo-Forscher zu seiner Prognose gekommen ist — dabei ist das bekannt und durchaus bemerkenswert: Julien sagt, er habe vor drei Jahren eine Vision von einer großen Katastrophe gehabt und vor drei Wochen von Außerirdischen das dazugehörige Datum genannt bekommen: eben der 25. Mai. Gestützt werde seine These unter anderem durch einen Kornkreis, der am 25. Juni 1995 in England auftauchte. Die Katastrophe sei eine Art „öffentliche Warnung“ der Weltreisenden vor einem Atomschlag der USA gegen den Iran.

Und lustig ist nicht nur, dass „Bild“ all diese interessanten Details weglässt, obwohl die doch helfen würden bei der wichtigen Entscheidung, ob man vor der Apokalypse schnell noch seinen Jahresurlaub nehmen soll. Lustig ist auch, dass Julien wenigstens weiß, wovon er spricht: mit ungefähr 40 Kilometer pro Sekunde werde der Kometentrümmer auf die Erde zurasen, warnt er. Bei „Bild“ werden daraus 40 Meter pro Sekunde — mit der Geschwindigkeit könnte sich der Komet bequem in den fließenden Verkehr auf deutschen Autobahnen einreihen.

Danke auch an Benjamin W.!

USA warnen vor Terror und mexikanischen Pools

Manchmal, da sind die Leute von „Bild“ schon auf genau der richtigen Fährte zum Kern einer Geschichte und kommen dann kurz vor dem Ziel doch noch vom Weg ab.

Wie bei diesem Artikel in der aktuellen „Bild am Sonntag“:

USA warnen vor Terror bei Fußball-WM

Fünf Wochen vor Anpfiff der Fußballweltmeisterschaft haben die USA vor Terroranschlägen in Deutschland gewarnt! (…)

Nach BamS-Informationen wurden Bundesregierung und Sicherheitsdienste von der am Freitag veröffentlichten Mitteilung völlig überrascht. Aus Washington war kein Hinweis gekommen — obwohl es üblich ist, vor Terrorwarnungen die betreffenden Staaten in Kenntnis zu setzen.

An dieser Stelle hätten die drei Autoren des Artikels ahnen können, dass an ihrer Geschichte etwas faul ist. Denn wenn es „üblich ist“, vor Terrorwarnungen die betreffenden Staaten in Kenntnis zu setzen, das in diesem Fall aber nicht geschah, könnte das natürlich einfach bedeuten, dass es sich hier gar nicht um eine neue „Terrorwarnung“ handelte.

Und genauso ist es.

Das für Reisehinweise zuständige „Bureau of Consular Affairs“ des amerikanischen Außenministeriums hat weder eine aktuelle Reisewarnung, noch eine spezielle Bekanntmachung über Gefahren durch Terror und Gewalt herausgegeben, und auch in seinen Konsularinformationen über Deutschland ist die WM nicht erwähnt.

Der „Bild am Sonntag“-Artikel bezieht sich auf eine Informationsbroschüre zur Fußball-WMin exakt gleicher Form warnt die Behörde aktuell zum Beispiel Studenten, die in den Frühjahrsferien nach Mexiko reisen, dass dort regelmäßig US-Bürger tödlich mit den Auto verunglücken, von Balkonen oder in Gruben fallen oder im Hotelpool ertrinken.

Die Broschüre zur Fußball-WM enthält nur ganz allgemeine Warnungen wie die, dass solche Massenereignisse „grundsätzlich“ ein Ziel von Terror-Anschlägen sein können (und dass „emotionsgeladene Sportereignisse“ generell „unvorhersehbar“ seien). „Konkrete, glaubwürdige terroristische Drohungen“ gebe es nicht. Dieser Satz findet sich schließlich auch im „Bild am Sonntag“-Artikel — aber erst, nachdem die drei Autoren gründlich den gegenteiligen Eindruck erweckt haben.

Danke an Jörn W. für den Hinweis!

Die Top-Form der „Bild am Sonntag“

Die „Bild am Sonntag“ wird heute 50, und die Axel Springer AG feiert das mit einer angemessen euphorischen Pressemitteilung, Überschrift: „Im Jubiläumsjahr in Top-Form.“ Im Text selbst formuliert es Frank Mahlberg, der Verlagsleiter der Zeitung, noch etwas konkreter:

BILD am SONNTAG ist eine Erfolgsgeschichte und publizistisch wie wirtschaftlich in Top-Form.

Wirtschaftlich mag das stimmen — nach Angaben des Verlages hat die Zeitung 2005 mehr Gewinn gemacht denn je. Woran Herr Mahlberg die publizistische „Top-Form“ der „Bild am Sonntag“ misst, ist dagegen eher rätselhaft. Im ersten Quartal 2006 ist die verkaufte Auflage der Zeitung um über 6 Prozent auf 1,8 Millionen zurückgegangen. In den vergangenen acht Jahren verlor die „Bild am Sonntag“ rund 730.000 Käufer — fast 29 Prozent. Zum Vergleich: Die Auflage der „Welt am Sonntag“ blieb in diesem Zeitraum konstant. Und auch die Schwesterzeitung „Bild“ verlor in diesen acht Jahren „nur“ etwa 21 Prozent ihrer Käufer.

Aber so ein Geburtstag ist bei Springer natürlich kein Zeitpunkt, plötzlich die Faktenliebe zu entdecken. Und so behauptet Claus Jacobi, „Bild“-Kolumnist und bei Axel Springer traditionell für solche Jubelartikel zuständig, heute in der (ebenfalls zum Verlag gehörenden) „Berliner Morgenpost“:

Mit einer verkauften Auflage von fast zwei Millionen Exemplaren ist die „BamS“ noch immer die größte Sonntagszeitung Europas.

Ist sie nicht. Die britische Sonntagszeitung „News of the World“ verliert zwar auch Käufer, hat aber aktuell immer noch 3,5 Millionen — fast doppelt so viele wie „Bild am Sonntag“. Und auch die „Mail on Sunday“ hängt mit 2,3 Millionen verkauften Exemplaren „Bild am Sonntag“ locker ab.

„Bild“ benutzt Kinder für Recherchen II

Was bisher geschah: „Bild“ hatte am Mittwoch ein Foto des im ägyptischen Dahab getöteten Jungen auf der Titelseite und im Innenteil. Am Donnerstag druckte „Bild“ dasselbe Foto noch einmal im Innenteil ab. „Bild“ bekam dieses Foto von dem Journalisten Alexander Blum, der nach Zeugenaussagen in Tübingen Kinder behelligt haben soll, die gerade alleine zuhause waren, um ein ebensolches Foto zu bekommen. Er soll sich dabei zunächst auch als Mitarbeiter des „Schwäbischen Tagblatts“ ausgegeben haben.

Gestern veröffentlichte das „Tagblatt“ weitere Details:

Ein Tübinger „Bild“-Zuarbeiter verschaffte sich über eine Teilnehmer-Liste vom Stadtlauf aus dem Internet die Namen möglicher Schulfreunde und überrumpelte Eltern und Kinder zu Hause. Einmal tischte er die Lüge auf, er sei von einer Lehrerin geschickt, ein andermal gab er sich ahnungslosen Kindern gegenüber als TAGBLATT-Mitarbeiter aus und gab vor, er müsse ein Bild des Mitschülers beschaffen, das versehentlich aus unserem Zeitungs-Archiv gelöscht worden sei.

Auch uns gegenüber berichtete ein Nachbar, der Fotograf habe versucht, unter Vorspiegelung falscher Tatsachen an ein Foto zu kommen.

Bereits am Mittwoch und am Donnerstag hatten wir den „Bild“-Pressesprecher Tobias Fröhlich wiederholt um eine Stellungnahme gebeten. Wir wollten wissen:

— Gehört es zu den Gepflogenheiten der Axel Springer AG (und damit auch zu den Gepflogenheiten von „Bild“ und Bild.de), dass Mitarbeiter wie im o.g. Fall Kinder gezielt zur Informationsbeschaffung ausnutzen?

— Wird die Axel Springer AG weiterhin mit Alexander Blum zusammenarbeiten?

— Wird „Bild“ weiterhin mit Alexander Blum zusammenarbeiten?

— Woher stammt das Foto des 10-jährigen Jungen?

— Wer hat „Bild“ die Einwilligung gegeben, das Foto des 10-jährigen Jungen in „Bild“ abzudrucken?

Auf diese Fragen erhielten wir keine Antwort. Fröhlich sagte am Ende nur, er werde sich eventuell melden — falls es aus der Sicht von „Bild“ etwas dazu zu sagen gebe.

Heute berichtet auch die „tageszeitung“ über den Fall. Und sie hat sogar eine knappe Stellungnahme des „Bild“-Sprechers bekommen:

Also spricht Springer-Sprecher Tobias Fröhlich: Der Fotograf habe „glaubhaft versichert, er habe sich nicht als Mitarbeiter des Schwäbischen Tagblatts ausgegeben. Wir gehen davon aus, dass seine Recherchen auch insgesamt korrekt verlaufen sind.“

Welche Gründe Springer dafür hat, den Aussagen des Fotografen zu glauben und nicht denen mehrerer Zeugen, wissen wir nicht. Und auch die Antworten auf die von uns gestellten Fragen stehen immer noch aus. Vielleicht hat die Sorge, ob ihre Mitarbeiter wirklich nur lautere Recherche-Methoden anwenden, bei der „Bild“-Zeitung keine so große Priorität.

Mehr dazu auch hier.

In eigener Sache

Wir hatten gehofft, dass sich die Mitarbeiter von „Bild“ und Bild.de durch unsere Arbeit angespornt fühlen, weniger Fehler zu machen. Stattdessen machen sie nicht weniger Fehler als bisher, korrigieren sie aber bei Bild.de schneller, sobald wir darüber berichtet haben. Offenbar hat sich Bild.T-Online entschieden, BILDblog als eine Art externe Schlussredaktion oder Korrektorat zu benutzen. Deshalb halten wir für das Nutzen dieser Dienstleistung eine Honorierung für angemessen und haben eine Rechnung an Bild.T-Online geschickt.

Geld haben wir bisher nicht erhalten, eine Erklärung auch nicht. Aber der „Spiegel“, der für seine heutige Ausgabe beim Unternehmen nachfragte, bekam immerhin eine Stellungnahme von dessen Sprecher Tobias Fröhlich: „Wir hatten immer gedacht, die selbsternannten ‚Bild‘-Wächter kämpften ehrenamtlich für besseren Journalismus — scheinbar* geht es ihnen aber doch eher ums Geldverdienen.“

Wir glauben, anders als Springer, dass es sich nicht ausschließt, Geld zu verdienen und guten Journalismus zu machen. Wenn Bild.T-Online die Rechnung bezahlt, werden wir das Honorar dennoch selbstverständlich für einen guten Zweck spenden.

*) Wir gehen davon aus, dass Herr Fröhlich nicht „scheinbar“, sondern „anscheinend“ meinte.

„Bild“ verzählt sich bei Rechtsextremen (2)

Diese Tabelle zeigt, wie dramatisch Straftaten mit rechtsextremistischem Hintergrund in Deutschland im vergangenen Jahr zugenommen haben. Die Zahl der Körperverletzungen zum Beispiel ist um 27,5 Prozent auf 816 gestiegen. Die Zahl der Sachbeschädigungen hat sogar um über 80 Prozent zugenommen.

Quelle für die Angaben ist das Bundeskriminalamt. Die Statistik stammt aus dem Verfassungsschutzbericht des Landes Niedersachsen, der gestern veröffentlicht wurde. Die Nachrichtenagentur AP berichtete darüber (ähnlich wie andere, siehe Ausriss) gestern nachmittag unter dem Titel: „Polizei registriert drastischen Anstieg rechtsextremer Gewalttaten“.

Damit ist offiziell, was sich bereits am Wochenende abzeichnete: Die Zahlen, die die „Bild“-Zeitung am Samstag veröffentlichte und die von mehreren Agenturen verbreitet wurden (siehe Ausriss), sind falsch. „Bild“ hatte behauptet, dass „die Zahl der Gewalttaten mit einem rechtsextremen bzw. fremdenfeindlichen Hintergrund 2005 offenbar zurückgegangen ist“. Die tatsächliche Zahl der Gewaltverbrechen liegt um 63 Prozent über der von „Bild“ genannten, die der Straftaten insgesamt um 50 Prozent darüber.

Man könnte sagen: Das Gegenteil dessen, was „Bild“ berichtet hat, ist wahr.

Und nun kann man vielleicht noch verstehen, dass die „Bild“-Zeitung in ihrem Eifer, Exklusivmeldungen zu produzieren, sich manchmal verrechnet — auch wenn das im konkreten Fall niemand geringerem als Einar Koch passierte, der im Impressum „Chefkorrespondent“ genannt wird. Aber würde eine seriöse Zeitung diesen Fehler in einem so gravierenden Fall und bei einem so heiklen Thema nicht im Nachhinein korrigieren? Entweder aus Verantwortung der Wahrheit oder ihren Lesern gegenüber? Oder wenigstens, weil es der Pressekodex in Ziffer 3 fordert:

Veröffentlichte Nachrichten oder Behauptungen (…), die sich nachträglich als falsch erweisen, hat das Publikationsorgan, das sie gebracht hat, unverzüglich von sich aus in angemessener Weise richtigzustellen.

In der „Bild“-Zeitung haben wir bis heute keine Korrektur der Falschmeldung oder wenigstens unauffällige Vermeldung der richtigen Zahlen gefunden. Der Artikel mit den falschen Angaben ist bei Bild.de weiter online.

Nachtrag, 23. Mai. Heute endlich hat „Bild“ die richtigen Zahlen gemeldet.

Kurz korrigiert (97)

Die Brennstoffzelle macht das U-Boot flüsterleise und für ein Sonar fast unhörbar.

Anlässlich der Rekordtauchfahrt des deutschen U-Boots „U 32″ steht dieser Satz heute bei Bild.de. Er stimmt nicht. Das „Flüster-U-Boot“ (Bild.de) fährt nämlich unter Wasser wie alle U-Boote der Bundesmarine* mit (leisem, für Sonare schwer zu ortendem) Elektroantrieb. Und leiser als die Batterien, mit denen die Motoren der alten 206A-Boote betrieben werden, ist natürlich auch die geräuschlose Brennstoffzelle von U 32 nicht.

„Flüsterleise“ macht das Boot vielmehr seine Schiffsschraube. Die nämlich wurde, wie uns ein Sprecher des Flottenkommandos der Marine in Glücksburg erklärt, „optimiert, so dass sie nicht mehr kavitiert„.

Dank an Jonas D. für die Anregung.

Nachtrag, 28.4.2006: Auch Unsinn ist übrigens dieser Bild.de-Satz:

Das Geheimnis des Boots ist ein Hybrid-Motor, der sowohl mit Diesel-Treibstoff als auch mit Strom betrieben werden kann.

Die Boote haben einen Elektromotor, der die Schraube antreibt. Dieser bekommt seinen Strom entweder von den Brennstoffzellen oder von einem Dieselgenerator oder nur aus den Batterien.

*) Die Marine heißt nicht mehr „Bundesmarine“, wie wir schrieben, sondern „Deutsche Marine“.

Dank an Mawa und Peter S. für die Hinweise.

Bild.de führt Leser in die Irre (Wiedervorlage)

So einfach ist das. Rund zwei Monate lang, seit dem Relaunch Ende Februar, hatte Bild.de mit den lustigen Reitern oben auf jeder Seite redaktionelle und werbliche Inhalte gemischt und gegen ein Urteil des Berliner Landgerichtes verstoßen. Seit heute nachmittag tragen all diejenigen Reiter, die zu reinen Werbeseiten führen, den Hinweis „Anzeige“.

Vorher:

Nachher:

Was ist zwischen diesen beiden Screenshots passiert? Nur dies.

Und um einen Satz zu wiederholen, den wir schon einmal geschrieben haben: Wenn der Weg zu einem Online-Angebot Bild.de, das dem Gesetz und den behaupteten eigenen Ansprüchen genügt, darüber führt, dass erst jeder einzelne Verstoß öffentlich gemacht werden muss, wird es ein langer Weg.

Es wird ein langer Weg.

„Bild“ benutzt Kinder für Recherchen

Manchmal, da stehen „Bild“-Reporter einfach nur einen ganzen Tag lang auf einem Friedhof in Berlin-Zehlendorf vor dem Grab von Bubi Scholz und warten, dass irgendwer vorbeischaut, um hinterher auf einer halben Zeitungsseite mehrere Fotos des Scholzschen Grabsteins („10 Uhr“, „12 Uhr“, „15 Uhr“, „18 Uhr“) abzudrucken und dazuzuschreiben:

„Gestern wäre die Box-Legende 76 Jahre alt geworden. Niemand besuchte des Grab. (…) BILD war von 7.30 bis 18 Uhr vor Ort. (…) Von 7.30 bis 18 Uhr kam kein Besucher.“

Manchmal machen „Bild“-Reporter aber auch andere Dinge…

…kleine Kinder ansprechen zum Beispiel: Vor knapp einem Monat etwa berichtete die „Süddeutsche Zeitung“, ein „Bild“-Reporter habe am Tor des Hauses von Günther Jauch geklingelt und durch den Zaun Jauchs neunjährige Tochter befragt, die aus der Tür getreten sei, was ein „Bild“-Sprecher mit den Worten dementierte: „Aber vielleicht hat er ja ‚Guten Tag‘ gesagt.“

Und in Zusammenhang mit dem bei einem Bombenattentat im ägyptischen Dahab getöteten Jungen aus Tübingen schreibt das ortsansässige „Schwäbische Tagblatt“ heute über den begleitenden Presserummel:

„In einem Fall schreckte ein Journalist laut einem Elternbericht nicht davor zurück, Kinder, die gerade alleine zu Hause waren, mit der Suche nach einem Foto des getöteten Jungen zu behelligen. Der Journalist gab sich den Kindern gegenüber als TAGBLATT-Mitarbeiter aus. Dem Presseausweis zufolge*, den sich der später hinzugekommene Vater zeigen ließ, arbeitet er für die Springer-Presse.“

Beim „Tagblatt“ erwägt man deshalb rechtliche Schritte gegen den Journalisten, bei dem es sich nach unseren Informationen um den Fotojournalisten Alexander Blum handelt, der u.a. für die „Bild“-Zeitung arbeitet und, wie es auf seiner Homepage heißt, Auftraggeber „auch bei der Recherche vor Ort unterstützt“.

Und fündig geworden ist Blum bei seiner Suche nach einem Foto des getöteten Jungen offenbar doch noch. „Bild“ druckt es heute (anders als in anderen Fällen, in denen sich „Bild“ auch schon mal mit einem unkenntlich gemachten Symbolfoto behilft) quasi weltexklusiv auf der Titelseite und im Blattinnern (siehe Ausrisse) sowie bei Bild.de. Der Fotograf selbst, dessen Namen „Bild“ als Quelle für das Foto angibt, wollte sich uns gegenüber nicht äußern, woher die Aufnahme stammt bzw. wer die Einwilligung für den Abdruck gegeben habe („Ich weiß nicht, wovon Sie reden“), und verwies an die „Bild“-Pressestelle. Eine Antwort auf unsere mehrmalige Anfrage dort steht bislang aus.

*) Anders als das „Tagblatt“ berichtete, zeigte der Journalist auf Nachfrage offenbar seinen Presseausweis und sagte, dass er Mitarbeiter der Axel Springer AG sei.

(Mehr dazu hier und hier.)

Nachtrag, 15.9.2006: „Bild“ wurde für die Veröffentlichung des Kinderfotos vom Deutschen Presserat öffentlich gerügt.

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