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Entertainer der Silver Generation (wdr.de)
Der Urlaub auf Föhr scheint ihm gut getan zu haben. Kurz vor Ende der Sommerpause von ‚Harald Schmidt‘ plaudert der Late-Night-Talker im Gespräch mit WDR.de entspannt über Günter Grass und Eva Herman, den künstlerischen Wert seiner Sendung und die Zielgruppe, die er im Visier hat: das silberhaarige Kreuzfahrtpublikum.

„Die schnellsten Schreiber“ (ftd.de)
Auf Finanzmeldungen spezialisierte Nachrichtenagenturen müssen vor allem fix sein – deshalb lassen Thomson und Reuters ihre Meldungen inzwischen von Computern verfassen.

Beichte beim Lieblingsfeind (tagesspiegel.de)
Ein weites Feld: Warum Günter Grass ausgerechnet bei der „Frankfurter Allgemeinen“ sein Geständnis machte

Die Fernsehwahrheit sieht einfach besser aus (spiegel.de)
Der US-Satiriker Stephen Colbert outet ohne Rücksicht auf Verluste den Wahnsinn im US-Medien- und Polit-Alltag. Seine Methode: Er nennt Satire, was andere als Nachricht, Wahrheit oder Politik verkaufen.

„Ich bin der von Wir sind Papst“ (bildblog.de)
Sigrid Neudecker besucht einen Vortrag von Bild-Chefredakteur Kai Diekmann.

Von Hobby-Knipsern und Profi-Kriegern (telepolis.de)
Warum besitzen Amateurfotografien für viele Internetnutzer einen „Authentizitätsbonus“?

Kurz korrigiert (256)

In der vergangenen Woche wurde Monika Böttcher, die in einem Aufsehen erregenden Prozess wegen des Mordes an ihren zwei Kindern verurteilt worden war, aus der Haft entlassen. Und die „Bild am Sonntag“ beginnt ihren Artikel darüber mit den Worten:

Sie musste ihre Strafe bis zum letzten Tag absitzen: Zum Wochenende wurde Monika B. (48), bekannt als "Mutter Weimar", nach 15 Jahren Haft aus dem Frauengefängnis Frankfurt-Preungesheim entlassen.

Monika Böttcher war vom Frankfurter Landgericht „zu ‚lebenslänglich‘ verurteilt“ worden, wie auch die „Bild am Sonntag“ schreibt. Wer zu lebenslanger Haft verurteilt wird, muss aber mindestens für 15 Jahre ins Gefängnis. Zu sagen, Monika Böttcher habe ihre Strafe „bis zum letzten Tag absitzen“ müssen, ist also Unfug. Im Gegenteil: Sie kam zum frühestmöglichen Zeitpunkt frei.

Vielen Dank an Torben F.!

„Bild“ erklärt Jürgen Vogel für pervers

„Bild“ zitierte gestern den Schauspieler Jürgen Vogel mit einem Satz, der sich auch in einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa vom Vortag findet. Dort heißt es unter anderem:

„Der Schauspieler Jürgen Vogel (38) hält nichts von Prüderie in Filmen. ‚Ich bin Exhibitionist‘, sagte Vogel nach der Publikumspremiere des umstrittenen Films ‚Der freie Wille‘ am Donnerstagabend in Köln.“

In der gestrigen „Bild“ las sich das so:

"Erster deutscher Schauspieler gesteht - Jürgen Vogel: Ich bin Exhibitionist"

(…) Warum spielt er diese Ekel-Rolle?

Vogel nach der Premieren-Vorführung: „Ich bin Exhibitionist!“ (Erklärung s. Kasten)

Und man fragt sich, was Vogel der „Bild“-Zeitung oder „Bild“-Autor Sven Kuschel angetan haben mag, dass sie seinen kleinen O-Ton so groß gemacht und ihm im dazugehörigen Erklärkasten („Was ist ein Exhibitionist?“) eine „sexuelle Perversion“ bzw. „Persönlichkeits- oder Verhaltensstörung“ unterstellt haben — wiewohl es doch Wikipedia z.B. mühelos gelingt, dem Begriff „Exhibitionismus“ sinnigere Bedeutungsvarianten abzugewinnen…

Und nähme man die Gaga-Behauptung „Erster deutscher Schauspieler gesteht“ tatsächlich beim Wort, wäre sie nicht einmal wahr. In der Programmzeitschrift „Auf einen Blick“ zum Beispiel sagte der Schauspieler Dieter Landuris bereits vor sechs Jahren wörtlich:

„Ich bin Exhibitionist.“*

*) Damit’s in der „Bild“-Redaktion jetzt nicht zu Missverständnissen kommt… Im Kontext lautete das Landuris-Bekenntnis übrigens: „‚Ich bin Exhibitionist. Ich stehe gern auf der Bühne und brauche das Publikum‘, sagt er über sich selbst und fährt sich durchs halblange, zerzauste Haar.“

Heute anonym VIII

Wie schon so oft, war es Bild.de auch heute wieder nicht gelungen, die Unkenntlichmachung von Personen zum Schutz ihrer Persönlichkeit konsequent durchzuhalten. Seit heute mittag zeigte Bild.de auf ihrer „News“-Seite einen Teaser („Arbeitstag eines Strandhändlers – ‚Sonnebrille? Gutt Preiss“), auf dem „der Senegalese Latif (25, Name geändert)“ zu sehen ist. Doch während das Gesicht des Mannes im eigentlichen Artikel von Bild.de durch Verpixelung unkenntlich gemacht worden war, fehlte die Unkenntlichmachung im Teaser.

Nachdem wir Bild.de auf die abermalige Inkonsequenz beim Schutz der Persönlichkeit aufmerksam gemacht und um Stellungnahme gebeten hatten, erhielten wir abermals keine Antwort. Abermals aber wurde die unterlassene Unkenntlichmachung anschließend nachgeholt.

Mit Dank an die Hinweisgeber.

Und täglich grüßt der Teufelskreis

Auf Bild.de findet sich seit gestern abend ein Kommentar des stellvertretenden „Bild“-Chefredakteurs Sebastian von Bassewitz. Bassewitz‘ Kommentar zum Thema „Spart Euch Eure Spar-Vorschläge!“ ähnelt einem unlängst an gleicher Stelle von „Deutschlands klügstem Manager“ verfassten Kommentar zu Thema „Ein Teufelskreis von Geben und Nehmen“ — ja, man könnte sagen, er gleicht ihm aufs Wort.

Und natürlich handelt es sich dabei aller Wahrscheinlichkeit nach nur um ein Versehen. Aber das wird von Bild.de jetzt bestimmt gleich korrigiert…

Nachtrag, 20.8.2006: Es hat ein wenig gedauert, aber nun (so ungefähr zweieinhalb Tage nach der Veröffentlichung auf Bild.de) steht unter Bassewitz‘ Name tatsächlich auch Bassewitz‘ Kommentar.

„Dort wird natürlich grober Unfug verbreitet“

Gestern abend hielt „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann in Hamburg einen Vortrag und sagte dort u.a.:

„Diese Macht der Blogger – das ist ja schon was. Für Sie als Unternehmen zum Teil mit erheblichen Risiken. Es gibt ja einen berühmten Blog, was sich mit ‚Bild‘ beschäftigt, BILDblog, naja, erfolgreich… Sie haben 30.000 Besucher, ob das erfolgreich ist, weiß ich nicht. Aber auch dort wird natürlich ein grober Unfug verbreitet. Das beginnt bei meinem eigenen Wikipedia-Eintrag.“

Eigentlich aber sprach Diekmann im PR-Club Hamburg über den „Erfolg der Marke BILD“.

Allgemein  

Staatsanwaltschaft bezweifelt „Bild“-Urteil

Es gibt gute Gründe, warum man niemanden vor einer gerichtlichen Verurteilung einen „Mörder“ nennen darf, selbst dann nicht, wenn er ein Geständnis abgelegt hat. Das lässt sich gut anhand der heutigen „Bild“-Zeitung demonstrieren:

Er hat die kleine Schönheits-Königin ermordet

Ob John Karr, der gestern in Thailand festgenommen wurde, tatsächlich 1996 in den USA die sechsjährige JonBenet Ramsey getötet hat, ist nämlich alles andere als sicher. Er hat zwar zugegeben, bei ihr gewesen zu sein, als sie starb. Aber selbst die zuständige Staatsanwaltschaft zieht sein Geständnis in Zweifel. Seine Ex-Frau soll ihm ein glaubwürdiges Alibi gegeben haben, in Details gibt Karr den Tatverlauf falsch wieder und kann nicht erklären, wie er das Mädchen kennenlernte oder an den Tatort gelangte. Psychologen erklärten, Karr habe schwere Minderwertigkeitskomplexe und suche dringend Aufmerksamkeit, langjährige Kenner des Falles stellten viele Widersprüche fest.

Ja, das konnte man gestern alles noch nicht wissen. Aber genau darum wäre „Bild“ gut beraten gewesen, den Verdächtigen nicht (wie so oft) als „Kinder-Killer“ und „Mörder“ zu bezeichnen.

Danke an Nils M. für den Hinweis!

Nachtrag, 13.55 Uhr. Und selbst jetzt, da „Bild“ die Zweifel an der Aussage Karrs kennt und in seinem Online-Ableger darüber berichtet, nennt Bild.de den Verdächtigen schlicht „Killer“.

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Anspruch sucht Wirklichkeit (zeit.de)
Hart, aber gerecht: Bertelsmann soll für seine Mitarbeiter ein besonderes Unternehmen sein. Doch nun erleben Tausende nur noch eins: Härte

Journalisten als Spin Doctors (nzz.ch)
Kritik an Fehlern der britischen Presse

„Ich freue mich auf die Rückkehr von Roger Köppel“ (persoenlich.com)
Seit April ist Res Strehle nicht nur Chefredaktor des Magazins, sondern auch Geschäftsführer. Strehle blickt auf schwierige Wochen zurück: Er war gezwungen, sich von seinem Stellvertreter Peer Teuwsen zu trennen. Im Interview mit „persoenlich.com“ spricht der promovierte Ökonom über die Hintergründe des von Misstönen begleiteten Abgangs Teuwsens und sagt, wie er sich auf den Schlagabtausch mit Roger Köppels Weltwoche vorbereitet.

Chronik eines angekündigten Skandals (sz-magazin.sueddeutsche.de)
Weltweit demonstrierten Muslime gegen die Mohammed-Karikaturen einer dänischen Zeitung. Das war kein Zufall. Ein halbes Jahr später beschreiben zwei Redakteure von Jyllands-Posten erstmals, wie es so weit kommen konnte.

Dickens beim Döner (taz.de)
Am Nebentisch gibt es das pralle Leben, und ein altes Bild entsteht neu.

Alias Ned (tagesspiegel.de)
Für ein Buch wurde sie zum Mann, sie wollte die Welt der Kerle erkunden – doch man spielt nicht ungestraft mit der Identität.

Untenrum

„Alle Informationen, die BILD erhält, werden überprüft und journalistisch nachrecherchiert.“ (Bild.de-Hinweis für „BILD-Leser-Reporter“)
 
Gestern zeigte „Bild“ ein Foto von Dieter Bohlen am Strand von Mallorca (siehe Ausriss).

Geknipst hatte es ein „BILD-Leser-Reporter“. Zu sehen ist auf dem Foto laut „Bild“:

„Dieter Bohlen mit zwei weiblichen Fans“

Nach „Bild“-Angaben konnte sich der „BILD-Leser-Reporter“ mit dem „hier abgedruckten Foto 500 Euro verdienen!“. Und das ist erstaunlich: Schließlich hatte „Bild“ doch bereits vor zwei Wochen ein anderes Foto von Dieter Bohlen am Strand von Mallorca gezeigt (siehe Ausriss).

Geknipst hatte es ein „Bild“-Fotograf. Und zu sehen ist auf dem Foto laut „Bild“:

„Dieter Bohlen mit Anne (19) und Nadine (22)“

Das heißt, vor zwei Wochen kannte „Bild“ sogar noch Namen und Alter der beiden jungen Frauen. Und das ist auch kein Wunder: Schließlich handelt es sich, wie der untere Teil des „Bild“-Fotos zeigt (siehe Ausriss), bei den „zwei weiblichen Fans“ doch eigentlich um zwei Teilnehmerinnen am Casting für die RTL-Show „Deutschland sucht den Superstar“ bei einem „Bild“-Fotoshooting. Und beim journalistischen Nachrecherchieren des „Bild“-Leserfotos hat das bestimmt auch „Bild“ herausgekriegt — bloß nicht für nötig befunden, es den „Bild“-Lesern mitzuteilen.

Mit Dank an Steffen G. für den sachdienlichen Hinweis.

Jetzt XIV

„Bild“ findet heute, dass die Jagd nach einem Mann, der verdächtigt wird, mehrere Frauen getötet zu haben, „immer spannender“ wird. In einem Artikel unter der Überschrift „Brummi-Killer wird nervös“ heißt es:

Jetzt wird der Killer offenbar nervös!
(Hervorhebung von uns.)

„Bild“ folgert das aus der Tatsache, dass jemand (wahrscheinlich der Täter) offenbar zwei Gegenstände weggeworfen hat, die einer der getöteten Frauen (Anna S.) gehörten:

Als [der Täter] in der Zeitung las, dass auch an der Leiche von Anna S. (18) aus Kassel seine DNA-Spuren gefunden wurden, schmiss er ihr Handy und ihr Portemonnaie auf einer Rheinbrücke zwischen Duisburg und Krefeld bei voller Fahrt aus dem Fenster. Die Tüte prallte gegen ein Geländer, wurde gefunden.

Allerdings wurden besagte DNA-Spuren schon vor über drei Wochen gefunden. Das gaben Polizei und Staatsanwaltschaft am 26. Juli bekannt. Und davon, dass der Verdächtige „jetzt“ erst nervös wird, kann auch keine Rede sein — Handy und Portmonee der toten Anna S. wurden nämlich auch schon vor drei Wochen gefunden. Das gaben Polizei und Staatsanwaltschaft am 28. Juli bekannt.

Mit Dank an Christian B. für den sachdienlichen Hinweis.

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