Billige Empörung über teure Rundfunkgebühren

Heute veröffentlicht „Bild“ Leserbriefe zum Urteil des Bundesverfassungsgerichtes über die Rundfunkgebühren von ARD und ZDF. Alle drei Autoren sind empört, einer schlägt die Umbenennung von ARD und ZDF in „Deutsche Selbstbedienungs-Anstalt“ vor, nach Meinung eines anderen, den „Bild“ besonders hervorgehoben hat, erfüllen die Gebühren den Straftatbestand der „Nötigung“.

Nun ja. Uns gibt das Gelegenheit, (etwas verspätet) die „Bild“-Berichterstattung zum Thema zu würdigen, die den Lesern eigentlich auch keine andere Wahl ließ, als sich zu empören.

Am Mittwoch berichtete „Bild“:

GEBÜHREN-URTEIL: ARD und ZDF werden teurer!

Karlsruhe — ARD und ZDF dürfen die Rundfunkgebühren künftig ohne politische Kontrolle festsetzen!

Das muss man auch erst einmal schaffen: Einen Satz aufzuschreiben, der so schlicht und sachlich daher kommt und zugleich so irreführend ist. Falsch ist vor allem das Wort „künftig“ — denn das war bisher schon so. Das Bundesverfassungsgericht bestätigte nur frühere Urteile, nicht zuletzt das sogenannte „8. Rundfunk-Urteil“ von 1994, in dem es hieß, dass die Gebühren staatsfern, also ohne politische Einflussnahme durch Landesregierungen und -Parlamente bestimmt werden müssen.

Überhaupt klingt „ohne politische Kontrolle“ natürlich nach „ohne jede Kontrolle“ — als dürften ARD und ZDF selbst entscheiden, wie viel Gebühren die Bürger zahlen müssen (so haben es offenbar auch die Leserbriefschreiber verstanden). Das ist aber nicht so: Die öffentlich-rechtlichen Sender dürfen zwar ihren Finanzbedarf anmelden, er wird aber von einer unabhängigen Kommission (KEF) fachlich überprüft. Regelmäßig zieht die KEF von dem, was die Sender gerne bekommen würden, einiges wieder ab.

Der „Bild“-Artikel endet mit den Worten:

Folgen hat das Urteil erst 2009. Dann werden die Rundfunkgebühren steigen. Die ARD verlangt 95 Cent pro Monat mehr, das ZDF 44 Cent und das Deutschlandradio rund 5 Cent.

Ja, schon. Nur sind diese Zahlen keine Folge des Gebührenurteils. Es sind die Beträge, die sich aus den Anmeldungen der Sender ergeben, die bereits vor Monaten öffentlich wurden.

Gestern legte „Bild“ noch einmal nach, und zitierte den FDP-Medienpolitiker Hans-Joachim Otto mit der Prognose:

„Wenn der Rundfunkstaatsvertrag nicht schnell geändert wird, durchbrechen die Rundfunkgebühren schon bald die 20-Euro-Marke.“

Das war ein guter Satz für eine Schlagzeile (siehe Ausriss), zumindest das Wort „bald“ hätte sich aber ganz gut relativieren lassen. Frühestens überschreiten die Rundfunkgebühren die 20-Euro-Marke nämlich nach Ablauf der kommenden Gebührenperiode: im Jahr 2013.

Mit Dank an Boris H., Carsten und Wolfgang für die Hinweise.

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„Ich kann eine innere Lampe anschalten“
(zeit.de, Christoph Amend)
Am Sonntag übernimmt Anne Will die wichtigste Talkshow des Landes. Alle kennen sie – aber wer ist sie? Ein Porträt.

Gravenreuths Arbeit
(sueddeutsche.de, Mirjam Hauck)
Eine Berliner Amtsrichterin hat den Abmahn-Anwalt Günter Freiherr von Gravenreuth zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe verurteilt. Wir blicken auf sein bisheriges Schaffen zurück.

Wir werden die Zensur überwinden
(faz.net, Mark Siemons)
Wenn es um Freiheitsrechte geht, sorgt China für negative Schlagzeilen. Doch ausgerechnet der Medienkritiker Li Datong glaubt, dass Zensur und Unterdrückung nicht mehr lange vorherrschen.

Journalismus der Hoffnung
(nzz.ch, Ronald D. Gerste)
Vor 25 Jahren, am 15. September 1982, erschien die erste Ausgabe der Tageszeitung «USA Today». Das Blatt wurde zunächst als McPaper und wegen seiner Vielfarbigkeit als Pizza verspottet, doch entwickelte es sich seither zur grössten amerikanische Tageszeitung.

Exklusiv: Nörgel-Nigge packt aus
(stefan-niggemeier.de, Till Haase und Adrian Renner)
Bildblog-Gründer Stefan Niggemeier über Wahrheit im Boulevard, das ?System Bild? und seine Freude am Streiten.

TalkTäglich mit Katrin Wilde
(telezueri.ch, Video, ca. 25 Minuten, Dialekt)
Katrin Wilde ist die erste Moderatorin eines Zürcher Privatradios, die Hochdeutsch spricht. Mit Wilde löste Energy Zürich eine grosse Kontroverse aus – doch die Mehrheit der Hörer reagierten positiv auf die sympathische 22-jährige aus Saarbrücken. Umso grösser war der Schock, als Katrin Wilde am letzten Freitagmorgen zur Arbeit fahren wollte: Eine Scheibe ihres Autos war eingeschlagen worden. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen und untersucht zudem ein Drohschreiben gegen die Radiofrau.

Die schönsten Nazi-Vergleiche der „Bild“-Leser

„Zum umstrittenen NaziVergleich der TV-Moderatorin Eva Herman erreichten die BILD-Redaktion Tausende Leserbriefe“, heißt es heute in der „Bild“-Zeitung. Neun dieser Leserbriefe druckt sie ab (online sind es elf) und schreibt: „Hier ein Querschnitt der überaus unterschiedlichen Meinungen“.

Ingrid Böger aus Buchholz schreibt zum Beispiel:

Recht hat sie, die Frau Herman! Wie war es denn damals im Dritten Reich? Die Mütter als Garantie für heile Familien, genau so wie auch der Bauernstand. Und heute? Scheidungskinder, Schulversager und Gammelfleisch. Damals unmöglich!

Elfriede Hoppe aus Achim meint:

Unsere Mütter haben damals in erster Linie ihre Kinder erzogen — und das gut! Wir kamen aus der Schule, das Mittagessen war fertig. (…) Wir hatten Respekt vor unseren Eltern und vor alten Leuten. Die Verbrecherrate war nicht so hoch wie jetzt.

Und Georg Maget aus Sprockhövel erinnert sich:

Ich lebte zur damaligen Zeit in einer Großfamilie: (…). Mein Vater war arbeitslos. Er hat durch den Bau der Autobahn wieder Arbeit bekommen.

Mit Dank an Johannes K. für den sachdienlichen Hinweis.

6 vor 9

leidenschaftslos bis zum umfallen
(wirres.net, Felix Schwenzel)
„gestern war ix auf dem media coffee dings von news aktuell in berlin. thema sollte angeblich lauten ?Von der Edelfeder zum Contentlieferanten? – Printmedien im Wandel?. doch davon war eigentlich kaum die rede. was man auf dem podium sah und hörte waren beschwörungsformeln, ratlosigkeit und ein bisschen grossmannssucht.“

«Blick muss sich radikal verbessern»
(werbewoche.ch, René Worni)
Magazine seien für Zeitungen die Zukunft, auch für den Blick, meint Daniel Pillard, Leiter ad interim des Ringier-Verlages Schweiz.

Ein Vogel im Porzellanladen
(blattkritik.ch)
„Die Liste der Redaktoren, die beim «Bund» gekündigt haben, seit Artur K. Vogel die Chefredaktion übernommen hat, ist lang, sehr lang sogar.“

Stunde der Heuchler
(weltwoche.ch, Alex Baur)
Die grossen Medienhäuser orchestrierten freudig die GPK-Kampagne gegen Blocher. Im Kampf gegen den SVP-Bundesrat ist alles erlaubt. Jetzt wird zum Rückzug geblasen.

„Zuschauer konsumieren emotional“
(sueddeutsche.de, Hans-Jürgen Jakobs und Mirjam Hauck)
An diesem Donnerstag startet die TV-Plattform Premiere Star. Geschäftsführer Wolfram Winter erläutert, wie sich der Neuling in der Internet-Ära behaupten will.

Chaos bei Media Markt Neueröffnung am Alexanderplatz
(youtube.com, Video, 5:34 Minuten)
Dazu: „Das sind keine Menschen, das sind Tiere(welt.de)

Überschall und Rauch

Bild.de berichtet, dass Teile der „legendären“ Concorde versteigert werden. In einer Bildergalerie, die laut Bild.de „die Highlights der Versteigerung und die schönsten Bilder der Concorde“ zeige*, befindet sich auch dieses Foto:

"Teile der hoch komplizierten Antriebswelle"

Wobei dieses Teil der „hoch komplizierten Antriebswelle“ sicher nur für einfache Schallgeschwindigkeit reicht. Für Überschall braucht man bestimmt irgendwas in der Art.

Mit Dank an die zahlreichen Hinweisgeber.

*) Ob „das letzte Bild der verunglückten Concorde“ zur Kategorie „Highlights der Versteigerung“ gehört, oder eines der „schönsten Bilder der Concorde“ sein soll, wissen wir nicht.

Nachtrag, 13.20 Uhr: Bild.de hat den Text in der Fotogalerie geändert und im Haupttext „die schönsten“ vor den Bildern gestrichen.

6 vor 9

«Dritter Weltkrieg für 20’000 Franken»
(20min.ch, Peter Wälty)
Schon klar: Die Geschichte tönt ungefähr so glaubwürdig, als stamme sie aus der Feder von Edgar Allan Poe, dem Grossmeister der Fantastischen Literatur. Der Unterschied besteht natürlich darin, dass sie sich tatsächlich so zugetragen hat. Und zwar am 11. September 2001 auf der Redaktion von 20 Minuten.

Freiheitsstrafe für Abmahnanwalt
(taz.de)
Der Anwalt Gravenreuth gilt als Verursacher des Abmahn-Unwesens. Auch mit der taz hatte er sich angelegt. Nun wurde er verurteilt.

Hochbegabter Langweiler
(999blogs.de/clap-club)
? so sieht sich Peter Turi selbst. Unter anderem. Der Macher des Mediendienstes Turi2.de hat uns im Clap-Club besucht. Dabei sprach er offen über seinen Erfolg und sein Scheitern.

Stell dir vor, du sitzt im Hörsaal – und keiner ist da!
(stadtkind.de, Laurence Thio)
Web-2.0-Anwendungen wie Youtube, StudiVZ und MySpace erfreuen sich größter Beliebtheit. Die Berliner Universitäten wollen das Studium moderner gestalten – und setzen auf Social Software.

Revolution wg. Sex
(debatte.welt.de, Don Dahlmann)
Es gibt zwei Dinge, die sollte den Menschen nicht mehr wegnehmen, will man eine ruhige Bevölkerung haben. Erstens: Das Fernsehen. Zweitens: Pornoseiten im Internet. Beides sorgt dafür, dass ein Grossteil der Menschheit ruhig bleibt und nicht auf die Idee kommt, Regierungen zu stürzen oder eine neue Staatsform zu erfinden. Oder gar beides. Der Internetprovider „Arcor“ will offenbar eine Revolution lostreten, denn er sperrte den Zugang zu etlichen bekannten Sexseiten.

Blogs auf dem Treppchen
(titanic-magazin.de)
„Welches ist Deutschlands bestes Blog?“ fragt jetzt.de und läßt seine Leser abstimmen. Dabei hätte es ein Anruf bei uns auch getan.

Berliner Mutter sieht rot

Es wäre falsch zu sagen, dass die „Bild“-Zeitung Gegendarstellungen und Widerrufe immer mit ganz kleiner Schrift abdruckt. Oder nur in unauffälligem Grau. Gestern zum Beispiel hat „Bild“ einen Widerruf mit richtig großer Schrift abgedruckt, und sogar auf knallfarbigem Hintergrund.

Der Text lautete:

Gegendarstellung zu Beitrag in Bild vom 31.08.2007 auf S. 7 unter der Überschrift „Berliner Mutter wirft Sohn (13) zu Hause raus“. Dazu stelle ich fest: ich habe den Jungen bereits am 30.08.2007 wieder zu mir geholt.
Berlin, den 31.08.2007 RA Eisenberg für
„Die Mutter“
Anmerkung der Redaktion: Die Aussage der Mutter ist richtig.

„Bild“ hatte — wie die beiden anderen örtlichen Boulevardzeitungen „B.Z.“ und „Berliner Kurier“ auch — in großer Aufmachung über eine Auseinandersetzung in einer Berliner Familie berichtet. Die Mutter hatte sich, wie ihr Anwalt uns gegenüber sagte, geweigert, den Boulevardreportern Auskunft zu geben. Ihre Ansicht, die Geschichte ginge sie nichts an, haben die aber offenbar ebenso wenig beeindruckt wie der Mangel an Informationen.

Das Landgericht Berlin erließ zwei Verfügungen, die die Zeitungen verpflichteten, ihre Berichterstattung zu unterlassen und die Gegendarstellung zu veröffentlichen.

Und „Bild“ sparte, wie gesagt, bei der Präsentation der Korrektur nicht an Farbe, und so sah das aus:

(Ja, genau: Die Gegendarstellung ist das Rote in der Mitte, zwischen der roten Anzeige links und den roten Anzeigen rechts.)

Scheidung mit Hindernissen

Eigentlich kann man nicht behaupten, dass Linda de Mol am 6. September in „Bild“ unter der Überschrift „Darum zerbrach meine große Liebe“ die Frage beantwortete, warum ihre große Liebe zu Sander Vahle zerbrach. Schließlich sagte de Mol „Bild“ bloß:

„So eine Trennung schmerzt“ (…). „Aber Sander und ich brauchen einfach Zeit, um über unsere Beziehung nachzudenken.“

Und als hätte man das nun auch bei „Bild“ gemerkt, stellt das Blatt heute die Frage:

"Zerbrach die Ehe von Linda de Mol an diesem Mann?"

Allerdings hat die „Bild“-Zeitung abgesehen von Gerüchten aus den Medien („Niederländische Zeitungen wollen wissen“) und einem Dementi von de Mols Managerin wieder keine Antwort. Dabei lässt sich die Frage wirklich leicht und definitiv mit nein beantworten. Linda de Mol und Sander Vahle waren nämlich gar nicht miteinander verheiratet.

Mit Dank an Anna für den sachdienlichen Hinweis.

Nachtrag, 12.9.2007: In ihrer heutigen Korrekturspalte stellt „Bild“ richtig, dass es „Liebe“ statt „Ehe“ hätte heißen müssen.

Nachtrag, 13.9.2007, 11.48 Uhr: Aus unerfindlichen Gründen heißt es bei Bild.de in der Überschrift noch immer „Zerbrach ihre Ehe an diesem Mann?“

Nachtrag, 13.9.2007, 13,25 Uhr: Bild.de hat den Artikel inzwischen offenbar vollständig entfernt.

Nachtrag, 15.08 Uhr: Bild.de hat den Artikel doch nicht entfernt, sondern sinnvollerweise mitsamt URL korrigiert. Dafür wird der Text momentan allerdings auf der Startseite so angekündigt.

6 vor 9

Gratiszeitungen schmerzen bedingt
(tagesanzeiger.ch, Stefan Eiselin)
Die kostenlose Konkurrenz setzt den klassischen Tageszeitungen zu. Solange diese aber ein breites Angebot bieten, können sie sich halten.

Fragwürdige Startup-Ideen: Die Bubble ist eindeutig zurück
(medienkonvergenz.com, Andreas Göldi)
„Eigentlich dachte man ja, dass wir alle was gelernt haben aus dem Platzen der Internet-Bubble im Jahr 2000. Aus dem überschwänglichen Internet-Boom wurde damals in kürzester Zeit eine ziemlich brutale Krise. Und all die substanzlosen Dotcom-Geschäftsideen, die auf irgendwelchen Phantasie-Projektionen beruhten, wurden mit in den Abgrund gerissen.“

Rieter-Pensionskassenmanager klagt gegen Ringier-Blätter
(nzz.ch)
Der Rieter-Manager Jürg Maurer klagt gegen die Zeitungen «Blick» und «SonntagsBlick». Sie hätten seine Persönlichkeit verletzt, lautet der Vorwurf. Der von den Ringier-Blättern mehrfach angegriffene Maurer fordert in seiner Zivilklage die Herausgabe des mutmasslichen Gewinns der Blätter, die diese dank der Kampagne gegen ihn erzielt haben sollen.

Liveblogging revolutioniert Medienarbeit
(heute-online.ch, Thomas Benkö)
Das Herrschaftswissen von Journalisten ist passé. «Liveblogging» bringt News von Pressekonferenzen oder Wahlveranstaltungen direkt auf den Bildschirm von Internet-Usern. Und es spart klimaschädigendes Herumjetten.

Schaurig schöne Teorien
(taz.de, Bernd Pickert)
Sechs Jahre nach 9/11 haben Verschwörungstheoretiker ein komplexes Gedankengebäude errichtet. Eine ZDF-Dokumentation reißt es teilweise ein.

Von wegen 99,9 %
(telepolis.de, Peter Mühlbauer)
Fahndungsdetails zu den drei letzte Woche festgenommenen mutmaßlichen Terroristen legen nahe, dass die Online-Durchsuchung potentiell alle trifft, die WLAN oder Windows nutzen.

In eigener Sache: Making-of BILDblog-Werbespot

Wenn wir schlau gewesen wären, hätten wir zu den Dreharbeiten von unserem Werbespot mit Anke Engelke und Christoph Maria Herbst eine richtige Videokamera mitgenommen und nicht nur unsere kleinen Fotoapparate, um ein bisschen hinter den Kulissen zu filmen. Und wenn wir richtig schlau gewesen wären, hätten wir sogar jemanden gefragt, der sich mit sowas auskennt.

Den Kollegen von WatchBerlin ist es dennoch gelungen, aus unserem sehr rohen Rohmaterial eine Art Making-of zu machen:

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