Medienjournalismus nach Art des Hauses

Peter Heinlein, 56, ist so eine Art Söldner der Medienbranche. Er stand unter anderem schon in den Diensten von „Spiegel“, „Welt am Sonntag“, „Handelsblatt“, „Bunte“ und „Max“ und zeichnete sich immer durch Artikel über die Medien- und Werbebranche aus, Ausriss: Bild.dedie seine jeweiligen Auftraggeber ganz besonders glücklich machte. Er hatte keine Skrupel, seine Kolumnen ganz in den Dienst der Verlagsinteressen zu stellen, egal, ob das bedeutete, besonders gehässig über die Konkurrenz zu lästern, besonders üppig die eigenen Erfolge herauszustellen oder besonders ungeniert den Werbekunden zu schmeicheln.

Für die „Bunte“ porträtierte er vor einigen Jahren in einer großen Reihe Werber. Die Artikel hatten programmatische Überschriften wie „Das ist ein wirklich kluger Kopf!“, „Der Hugh Grant der Werbung“, „Dieser Typ ist ’ne echte Marke“, „Ein Turbo-Werber macht Druck“ oder „Der smarte Werbe-Künstler“. Für „Max“ schrieb er über die Agentur Crispin Porter + Bogusky („von der die derzeit beste Werbung der Welt kommt“), die Agentur Jung von Matt („Deutschlands beste Werbeagentur“), die Agentur Heimat („der kreativste Werberladen Deutschlands“).

Heinlein in seiner Doppelrolle als Medienkolumnist und Verlagssprecher:

„Viele Websites bieten inzwischen bewegte Bilder an. Aber bei Bild.T-Online gibt’s ab sofort eine eigene Web-TV-Show. BILD live sendet zweimal täglich das Neueste von Stars aus Entertainment und Sport.

Das neue Videoformat wird von meiner Hamburger Kollegin Julia Josten präsentiert. Dazu wählt die Online-Redaktion in Berlin das Interessanteste aus der Fülle des internationalen Themenangebotes aus. (…) Es macht richtig Spaß, [mit dem Videoplayer] durch die aktuellen Newsfilme zu „blättern“, sich Kinotrailer, Musikclips oder Videos der Community auf den Schirm zu holen.“

Quelle: Bild.de

Vor gut drei Jahren ist er mit seiner Medienkolumne zu „Bild“ gezogen, und man kann nicht sagen, dass ihn ein Rückgrat bei der Arbeit behindere. Er scheut sich zum Beispiel nicht, Interviews anderer Leute so auf Links zu krempeln, dass sie sich als Lob auf die Zeitung verkaufen lassen, für die Heinlein schreibt (wir berichteten). Wenn er für Bild.de über Probleme bei der Münchner „Abendzeitung“ berichtet, flicht er, wie als Erklärung, den Satz ein: „Modernen Boulevard bietet in München die BILD-Zeitung.“ Und zur Post und ihrer neuen Konkurrenz durch die PIN-AG fällt ihm zufällig exakt das ein, was auch Linie der Axel-Springer-AG ist, der die PIN-AG gehört, was für Heinlein aber anscheinend keine für die Leser relevante Information darstellt.

Heinlein kann nicht nur positiv. Wenn es um die (auch von Chefredakteur Kai Diekmann nicht geschätzte) „Zeit“ geht oder den Verlag Gruner+Jahr, findet er gern ein böses Wort, und den „Geo“-Chef Peter-Matthias Gaede scheint er besonders wenig leiden zu können:

Bevor der gern kritische Journalistik-Papst des Hauses Gruner + Jahr und König der „GEO“-Gruppe, Peter-Matthias Gaede, im Aufsichtsrat seines Verlages neue Weihen erhält, darf er abgeben von seiner Machtfülle.

Aber man täte Peter Heinlein Unrecht, wenn man jedem seiner Texte unterstellte, er habe ein erklärtes publizistisches Ziel. Viele sind auch einfach, sichtlich unredigiert, dahingeworfen. Ein Höhepunkt aus dem Genre „Eh-Egal“ findet sich in Heinleins heutiger Bild.de-Kolumne:

Das immer beliebter werdende digitale Aufzeichnen mit automatischem Herausschneiden der Fernsehreklame hat TV-Werber in den USA auf neue Ideen gebracht. Dort gibt’s nämlich schon Fernsehen im Supermarkt. In den Läden der „Wal-Mart“-Kette zum Beispiel, wo sich Leute beim Einkaufen im Schnitt eine Stunde aufhalten. Dort werden sie jetzt zunehmend mit TV-Werbung berieselt. Ausschalten geht nicht, pinkeln auch nicht. Die Werbeerinnerung dort ist mit 56 Prozent deutlich höher als beim Zuhause Gucken (21 Prozent), ergab eine US-Studie.

Nach „Ford Unilever“ und „Gilette“ will jetzt auch die US-Navy diesen Kanal nutzen und für ihr PC-Spiel „Call of Duty“ werben.

Offenbar hat Heinlein diesen Artikel aus der amerikanischen Fachzeitschrift „Brandweek“ zum Thema gelesen. Oder besser: flüchtig überflogen. Denn mal abgesehen davon, dass Ford und Unilever zwei verschiedene Unternehmen sind, dass sich Gillette mit Doppel-L schreibt und es vielleicht wichtig gewesen wäre, darauf hinzuweisen, dass die „US-Studie“ mit den für das Wal-Mart-Fernsehprogramm so vorteilhaften Ergebnissen von dem Produzenten des Wal-Mart-Fernsehprogramms erstellt wurde… also, mal abgesehen davon ist das PC-Spiel „Call of Duty“ natürlich nicht von der US-Navy. Die „Brandweek“ hatte nur darauf hingewiesen, dass jugendliche Käufer dieses Kriegsspiels doch die perfekte Zielgruppe wären für die eigene Werbung der US-Navy im Ladenfernsehen (bei GameStop übrigens, nicht Wal-Mart).

Da muss man schon sehr schludrig arbeiten, um all das, wie Heinlein, misszuverstehen. Aber es geht in diesem Fall ja auch nicht um „Bild“, die Axel-Springer-AG oder ihre Konkurrenten.

Nachtrag, 22. November: Bild.de hat die Wal-Mart-Meldung aus Heinleins Kolumne ersatz-, wort- und restlos gelöscht.

Asini!

Fast halbseitig berichtet „Bild“ über die „Archäologie-Sensation! Höhle von Romulus und Remus entdeckt“.

Rom - Es ist eine der berühmtesten Sagen der Menschheit: Eine Wölfin säugt in einer Höhle Remus und seinen Zwillingsbruder Romulus - den Gründer von Rom (735 v. Christus).

Es ist auch eine der berühmtesten Eselsbrücken der deutschen Sprache. Und jetzt alle im Chor:

Siebenfünfdrei

Und vielleicht noch ein Hinweis in eigener Sache: „lupa“ ist nicht, wie „Bild“ dann noch schreibt, „die lateinische Bezeichnung für Wölfe“, sondern für die Wölfin.

(Und asini ist die Mehrzahl von asinus.)

Vielen Dank an „fufofa“ für den Hinweis!

Nachtrag, 11.47 Uhr. Bild.de ist schnell über die Eselsbrücke gegangen.

Nachtrag, 22.11.2007: Auch die gedruckte „Bild“ hat sich über die Eselsbrücke gewagt und in der „Korrekturspalte“ sowohl die falsche Jahreszahl als auch die falsche lupa-Übersetzung berichtigt.

6 vor 9

Im freien Sündenfall
(sueddeutsche.de, Andrian Kreye)
Seit 20 Jahren verändert sich die Kriegsberichterstattung – es ist nicht nur gefährlicher geworden. Es gibt auch kein Gut, kein Böse und keine Neutralität mehr, wie unser Autor als Kriegsreporter selbst erfahren hat.

„Das ist doch kein Krieg“
(tagesspiegel.de, Knut Krohn)
Adam Michnik, Gründer der liberalen „Gazeta Wyborcza„, über deutsch-polnische Medienhysterien.

Stefan Aust (und Oliver Gehrs)
(vanityfair.de, Rainald Götz)
„Das hat das Videobloggenre nämlich so an sich, totale Selbstentblößung der Gesamtperson. Ach so!, das ist also dieser Oliver Gehrs, den man als Autor irgendwie interessant gefunden hatte, jetzt sieht man ihn hier dreißig Sekunden und weiß sofort zumindest so viel über ihn, dass man ihn nie mehr richtig ernst nehmen kann. Als Kritiker, als Brain, als Argument, er ist halt so ein Mitteboy, einer mehr, quite sweet, im Kern aber genau so wie seine eigene Zeitschrift Dummy: schaut ganz gut aus, Punkt.“

Verlorene Generation
(ejo.ch, Marlis Prinzing)
Die Tageszeitung gilt als Auslaufmodell. Die jungen Leser werden über die Zukunft entscheiden.

Image-Probleme bei Informatikern
(sf.tv, Video, 4:27 Minuten)
Informatiker gesucht – Seit Jahren sinken die Studierendenzahlen der Informatik. Eine Strassenumfrage zeigt, dass das Image des unsozialen, lichtscheuen und schlecht gekleideten Computer-Nerds nach wie vor in den Köpfen herumschwirrt. Die Branche will nun reagieren und das Image aufpolieren.

Sag was, Jo!
(999blogs.de/clapclub)
Kennen Sie den Herrn Groebel?

Das Santenmännchen ist da!

Oliver Santen war früher Pressesprecher bei der Allianz-Versicherung und der Axel-Springer-AG. Und man kann sagen, dass ihn diese Jahre ganz gut vorbereitet haben auf seine jetzige Position als Ressortleiter Wirtschaft bei „Bild“. Das heutige Arrangement aus glückstrahlendem Lufthansa-Chef, Bambusgehölz, Wasser und Werbespruch auf der Seite 2 der Zeitung (siehe Ausriss) hätte kein Lufthansa-Werbechef schöner komponieren können. Und tatsächlich ist das große Foto ein Werbebild aus dem Lufthansa-Magazin, und der Satz aus der Überschrift stammt nicht von Wolfgang Mayrhuber, sondern von Oliver Santen — der Lufthansa-Mann musste im Interview nur „Ja, so ist das!“ dazu sagen.

Bei Santen geben sich die Wirtschaftsführer gerade die Klinke in die Hand, und hinter der Tür erwartet sie eine in mildes Licht getauchte PR-Plattform, in der sich kein Widerspruch, keine Recherche, keine unangenehme Nachfrage zwischen ihre Botschaft und die „Bild“-Leser stellt. Allein in diesem Herbst spielte Santen u.a. Mikrofonhalter für:

Das heutige Kuschelgespräch mit Lufthansa-Chef Mayrhuber passt ganz gut zur gleichzeitig von „Bild“ gemeinsam mit Greenpeace, dem BUND, dem WWF und anderen veranstalteten Aktion „Rettet unsere Erde“, die dazu auffordert, am 8. Dezember für fünf Minuten „für unser Klima“ das Licht auszuschalten. Wer es gelesen hat, wird im Sinne des Umweltschutzes den Satz „Öfter mal das Auto stehen lassen…“ mühelos vervollständigen mit „…und lieber das Flugzeug benutzen“.

Auf die Stichworte des „Bild“-Redakteurs referiert Mayrhuber unter anderem, dass „unsere Erde es gar nicht merken würde“, wenn man morgen den Flugverkehr in Europa vollständig striche; dass die Lufthansa-Flotte pro Passagier nur 4,4 Liter Benzin auf 100 Kilometer verbrauche, und dass ab 350 Kilometern Entfernung das Flugzeug umweltfreundlicher sei als Auto oder Bahn.

Und Oliver Santen hat entweder nichts auf seinem Zettel stehen, was dem entgegen steht. Oder sieht keine Veranlassung dazu, am grünen Lack, den seine Zeitung dem Lufthansa-Mann auftragen hilft, gleich wieder zu kratzen.

Das hat stattdessen „Spiegel Online“ getan, mit Methoden, die man bösartig als „journalistisch“ bezeichnen könnte. Offenbar spricht nicht ganz so viel für das Fliegen, wie der Lufthansa-Chef behauptet, wenn man berücksichtigt, dass Flugzeuge nicht nur CO2 ausstoßen, sondern auch Stickoxide und Wasserdampf, die das Klima wesentlich und negativ beeinflussen. Um die Klimabelastung realistisch zu bewerten, müsse der reine CO2-Ausstoß verdoppelt bis verfünffacht werden. Auch bei Distanzen von weit über 350 Kilometern habe damit nach verschiedenen Berechnungen das Flugzeug eine schlechtere Umwelt-Bilanz als das Auto oder die Bahn.

„Spiegel Online“ hatte auch die originelle Idee, bei der Lufthansa einfach mal nachzufragen, wie ihr Chef auf die Schwelle von 350 Kilometern kommt. Die Antwort: Er hat sie von seinen Leuten schätzen lassen. Genaue Zahlen gebe es aber nicht.

Sehen Sie? Recherche bringt nichts. Das verwirrt die Leute nur. Wieviel klarer ist da ein Merksatz wie: „Wer die Umwelt liebt, der fliegt!“ Der, wie gesagt, nicht vom Lufthansa-Chef stammt. Sondern vom „Bild“-Mann mit Pressesprecher-Erfahrung.

„Bild“ schreibt, was alle schreiben, bloß „exklusiv“

Dass man sich bei der „Bild“-Zeitung etwas wichtiger nimmt, als bei vielen andere Medien, sieht man manchmal an vermeintlichen Kleinigkeiten.

Als man beispielsweise beim „Hamburger Abendblatt“ erfuhr, dass die Elbinsel Kaltehofe zum „Badeparadies“ umgebaut werden soll, und allerlei Einzelheiten dazu herausfand, entschied man sich dort für folgende Formulierung:

Am Freitag wird das Projekt offiziell vorgestellt. Das Abendblatt berichtet vorab.

Ähnlich machte es die „Hamburger Morgenpost“, als sie erfuhr, dass die Elbinsel Kaltehofe zum „Badeparadies“ umgebaut werden soll, und allerlei Einzelheiten dazu herausfand:

Einzelheiten wollte [Volker Dumann von der Umweltbehörde] nicht verraten. Die MOPO bekam die Details trotzdem heraus: (…)

Als die „Bild“-Zeitung hingegen erfuhr, dass die Elbinsel Kaltehofe zum „Badeparadies“ umgebaut werden soll, und allerlei Einzelheiten dazu herausfand, kam offenbar niemandem der Gedanke, dass auch andere dieselben Einzelheiten hätten erfahren können wie „Bild“. Man entschied sich, die Überschrift der fast ganzseitigen Geschichte, mit diesem Wort zu garnieren:

"Exklusiv!"

Vielleicht wurde der Gedanke an andere Medien aber auch einfach ignoriert, weil „Exklusiv!“ irgendwie, ähm, exklusiver klingt. Auch wenn’s nicht stimmt.

Lesbe macht blind

Seit TV-Lady Anne Will (41) ihre Liebe zu der schönen Professorin Dr. Miriam Meckel (40) enthüllte (BILD berichtete), jubeln Deutschlands Lesben!

So steht es heute in „Bild“.

Seit TV-Lady Anne Will (41) ihre Liebe zu der schönen Professorin Dr. Miriam Meckel (40) enthüllte (BILDblog berichtete), dreht die „Bild“-Redaktion völlig frei!

So könnten wir heute schreiben — und das sogar belegen.

Denn „Bild“ zitiert zum Beweis ihrer heutigen Schlagzeile („Lesben feiern Anne Will“) aus „Internetforen“, in denen sich „die lesbischen Will-Verehrerinnen vor Begeisterung“ „überschlagen“. Und eines der „Foren“ hat es der „Bild“-Zeitung so angetan, dass sie es sogar zeigt:

"Im Lesbenforum unter powerbook.blogger.de gratuliert u. a. Lena: Anne, wir sind stolz auf dich!"
Was „Bild“ offensichtlich weder beim Betrachten der Internet-Adresse, noch beim Besuch der Seite selbst auffiel: powerbook.blogger.de ist kein Lesbenforum, sondern ein Weblog, das sich mit marinierten Doraden, OS X 10.4.11, dem iPhone, Brotbackmaschinen, Autos, Bahnfahrten bzw. allem möglichen beschäftigt. Der Screenshot, den „Bild“ verwendet, zeigt zum Beispiel einen Eintrag vom 20. Oktober 2006, als Anne Will den deutschen Fernsehpreis bekam. Von den dazugehörigen aktuell 65 Kommentaren stammen 18 aus dem Zeitraum zwischen Anne Wills Coming-Out und dem Erscheinen der heutigen „Bild“.

jog, der Betreiber des Powerbook-Blogs (nach eigenen Angaben Programmierer aus Bielefeld sowie „treusorgender Ehemann und Vater von zwei wundervollen Kindern“), kommentiert heute das „Bild“-Outing, das auch von Bild.de verbreitet wird, mit den Worten:

Lesbenforum. Aha. Ok. Sicher. Ich empfinde diesen Titel auf keinen Fall als Beleidigung, muss aber durchaus festhalten, dass die Jungs von bild.de wirklich zu dämlich sind. Vollpfosten. Wenn schon, dann Lesbenblog ihr Medien-Amateure!

Mit Dank an die Hinweisgeber.

Das sieht ihm nicht ähnlich

Pascale Hugues, die Deutschland-Korrespondentin des französischen Magazins „Le Point“, hat im „Tagesspiegel“ unter dem Titel „Rache der Spießer“ eine Abrechnung mit Präsident Nicolas Sarkozy und „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann wegen deren Attacken auf die 68er geschrieben. Sie nennt die beiden „Junggreise“ und beschreibt, wie Diekmann auf einem Foto auf sie wirkt, das ihn im vergangenen Sommer im G8-Gipfel-Strandkorb vom Heiligendamm zeigt: „Er ist erst 40 und wirkt schon wie mein Großonkel Louis mit 60 Jahren, als er den Banketten des Lions Club präsidierte.“

Sie fügt hinzu:

Nicolas Sarkozy gehört ebenso wie Kai Diekmann jener seltsamen Gattung von Menschen an, die anscheinend nie jung gewesen sind. Unmöglich, sich die beiden mit struppigem Haar vorzustellen, mit einem Dreitagebart, erhobener Faust und einem Kopf voll wirrer Ideen.

Kai Diekmann reagierte ausnahmsweise mit Humor und schickte dem „Tagesspiegel“ „Eine Art Gegendarstellung“, die die Zeitung am Sonntag auf ihrer Leserbriefseite veröffentlichte:

„Unmöglich, sich die beiden mit struppigem Haar vorzustellen, mit einem Dreitagebart … und einem Kopf voll wirrer Ideen“.
Hierzu stelle ich fest: sehr wohl möglich! (s. Foto).

Schattenseiten der Liebe zwischen Frau und Frau

„Bild“, 22. März 1986:

Peep-Show! Lesbisch! Schüsse! Tot!
„Es ist ein Blick in eine andere Welt. In Hamburg-Altona erschoss Jutta K., 36, ihre lesbische Geliebte und Zuhälterin Marianne (‚Mandy‘) A., 31. …“

„Bild“, 20. Oktober 1993:

Sex, Gier, Eifersucht. Lesbe fuhr 4 Frauen um
„Lesbische Frauen, lesbische Eifersucht. Die Schattenseite der Liebe zwischen Frau und Frau. …“

Bild.de, 19. November 2007:

Männer traurig: Schade um diese tolle Frau!

„Bild“-Zeitungs-Aursisse aus: Thomas Oliver Domzalski, „Vom Dackel der Schwiegermutter entmannt“, Eichborn-Verlag 2002 (Verpixelungen von uns). Gegen das Buch hat der Verlag Axel Springer eine einstweilige Verfügung erwirkt. Es ist aber noch in Antiquariaten erhältlich.

Mit Dank an Philipp H.!

Kurz korrigiert (443)

Debby Reuter ist neue Stadionsprecherin beim 1. FC Kaiserslautern — was den 1. FCK veranlasste, in einer Pressemeldung deutlich darauf hinzuweisen, dass Reuter die „einzige weibliche Stadionsprecherin“ sei. Bei „Bild“ wurde daraus heute diese Überschrift:

"Ich bin die erste Stadionsprecherin"

Das klingt nach einem historischen Moment. Ist es aber nicht. Vor Debby Reuter waren zumindest schon Katja Wunderlich (1. FC Nürnberg) und Steffi Renz (SSV Reutlingen) Stadionsprecherinnen. Deshalb hier ein Alternativvorschlag:

"Ich bin die dritte Stadionsprecherin"

Aber vielleicht wäre den Redakteuren von „Bild“ ja womöglich noch eine bessere Überschrift für die einzige Stadionsprecherin Deutschlands eingefallen.

Mit Dank an Alexander W. und usdgzer für den sachdienlichen Hinweis.

Nachtrag, 21.11.2007 (mit Dank an Klaus S.): Wie es aussieht, ist Debby Reuter, anders als der 1. FCK in seiner Pressemitteilung behauptet, nicht mal so richtig die einzige Stadionsprecherin in der Bundesliga. Im Millerntor-Stadion beim FC St. Pauli kommt offenbar Dagmar Grigoleit zumindest als Ersatzsprecherin zum Einsatz. Insofern ist unser Überschriften-Vorschlag noch schlechter als zunächst angenommen.

6 vor 9

Presseschau: Was geschrieben wird, weil Anne Will eine Frau liebt
(jetzt.sueddeutsche.de, Stefan Winter)
Passenderweise wurde an Altkanzler Kohl und Historiker Fritz Stern ein Preis für Verständigung und Toleranz verliehen, als Anne Will am Samstagabend der Bild am Sonntag sagte: „Ja, wir sind ein Paar.“ Neben ihr im Jüdischen Museum in Berlin stand Miriam Meckel, Professorin für Medienrecht. Die beiden lösten, nun ja: Aufregung aus. 10 Beispiele.

Das Internet ist das Medium und die Botschaft
(faz.net, Matthias Rüb)
Amerikas Zeitungen geht es immer noch nicht besser. Die Auflage sinkt, aber inzwischen macht sich die Gewissheit breit, dass jeder kleine Erfolg im Internet hilft. So werden von den Online-Ausgaben neue junge Leser angezogen, für die sich die Werbewirtschaft besonders interessiert.

«Nur für Erwachsene»
(20min.ch, Marco Lüssi)
Mit Roger Schawinskis neuem Sender geht es vorwärts: Jetzt stehen das Logo und der Claim von Radio 1 fest. „Der Slogan wurde mir geschenkt“, sagt Roger Schawinski. Vom Original, dem gleichnamigen Radiosender in Berlin.

rotstiftblogger rides again.
(popkulturjunkie.de)
Scheißmontagmorgen, oder? Ihr da bei ?DWDL.de??

Und wenn Du denkst, es geht nicht mehr, kommt plötzlich die „Aargauer Zeitung“ daher
(blog.handelsblatt.de, Thomas Knüwer)
Wo findet man eine frisch gemachte, ansprechende und höchst moderne Tageszeitung? In äußersten Winkel der Schweiz. Thomas Knüwer vom Handelsblatt findet die Aargauer Zeitung „die optisch bestgemachte Zeitung, die ich im deutschsprachigen Raum kenne“.

Muss man als hippe Kolumnistin über Sex schreiben?
(das-subjektive.ch, Pascal Witzig)
Prüderie war einmal. Jetzt ist Versexualisierung angesagt. Jeder darf, soll und muss daran teilhaben. Darum geizen auch hippe Kolumnistinnen nicht mit Details über ihr Sexualleben. Was ihnen als hipp erscheint, ist alles andere als förderlich für die weibliche Emanzipation.

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