J.

Angela M. (51)?
Joschka F. (57)?
Boris B. (38)?
Hugo M.-V. (58)?

Nein, irgendeinen Sinn wird es schon haben, dass „Bild“ nicht jeden Namen, den sie in die Zeitung druckt, abkürzt. Schließlich ist so eine Abkürzung ein halbwegs probates Mittel zur Anonymisierung von Personen (meist Privatpersonen) zum Schutz vor unangemessen viel Öffentlichkeit — auch, wenn das im Hause „Bild“ nicht immer anstandslos gelingt.

Im Fall der Schülerin „Jacqueline K. (17)“ allerdings, die ihren Lehrer offenbar wüst beschimpft hatte und dafür nun von einem Gericht zu 30 Stunden gemeinnütziger Arbeit in einem Altenheim „verdonnert“ wurde, hat „Bild“ sich die Mühe gemacht und Jacquelines Nachnamen verschwiegen. Auch Jaquelines Lehrer heißt in „Bild“ nur „Lehrer Achim J. (45)“, „Klassenlehrer Achim J. (45)“, „Herr J.“ oder „beleidigter Pauker“ — außer in der von „Bild“ am Samstag dokumentierten „Anklageschrift“. Dort nämlich wurden zwar der Nachname der Schülerin, ihr Wohnort und der Nachname ihrer gesetzlichen Vertreter unkenntlich gemacht, der Nachname des „beleidigten Paukers“ allerdings steht gut lesbar und unverfremdet dort…

PS: Auch bei Bild.de gab es noch bis gestern Nacht ein Faksimile der Anklageschrift „zum Großklicken“ (siehe Ausriss). Nachdem wir die Bild.de-Redaktion auf die Tatsache der unterlassenen Verfremdung des Lehrernamens aufmerksam gemacht hatten, bekamen wir zwar keine Antwort, der „Zum Großklicken“-Link ist jedoch mittlerweile aus dem Bild.de-Text entfernt.

Mit Dank für die zahlreichen Hinweisgeber.

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Ein Märchen für Merkel

Am Freitag gegen 9.45 Uhr* traf sich Kanzlerin Angela Merkel im Weißen Haus mit US-Präsident George W. Bush.

Von 11.37 Uhr bis 12.04 Uhr gaben die beiden eine Pressekonferenz. Anschließend gab’s ein Mittagessen im „Old Family Dining Room“, an dem auch die Präsidentengattin Laura Bush und US-Außenministerin Condoleezza Rice teilnahmen, und nach drei Stunden, so gegen 13 Uhr, war das Treffen vorbei.

Gut vier Stunden später strahlte der TV-Sender CNN ein Interview mit Laura Bush aus, das „BamS“-Autor Martin S. Lambeck zu folgenden Zeilen inspirierte:

„Heitere Stimmung im traditionsreichen ‘Old Familiy Dining Room’ des Weißen Hauses in Washington: Hier, im Familien-Eßzimmer, hat sich das Küchenkabinett von US-Präsident George W. Bush am Freitag versammelt, um die neue deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel genau zu studieren. Für das Ereignis ist eigens die First Lady Laura Bush nach Washington gereist. Die einflußreiche US-Außenministerin Condoleezza Rice ist auch dabei. Was sie zu diesem Zeitpunkt nicht ahnt: Angela Merkel beschert Condi Rice einen großen Tag.

Offenkundig stark beeindruckt von dem gelungenen Debüt der Kanzlerin in Washington, ruft Laura Bush wenige Stunden später im US-Fernsehsender CNN Condi Rice als US-Präsidentschaftskandidatin und damit als mögliche Nachfolgerin ihres Mannes aus.“

Ebenfalls offenkundig stark beeindruckt von dem gelungenen Debüt der Kanzlerin in Washington kommt „BamS“-Autor Lambeck zuletzt abermals auf des Mittagessen im „Old Family Dining Room“ zurück und schließt:

„Bush betrachtet beim Dessert das deutsch-amerikanische GirlsCamp. Ein paar Stunden später wird seine Ehefrau die Wunschnachfolgerin des Präsidenten ausrufen.“

Was die „BamS“ verschweigt und zudem durch Formulierungen wie „Überraschende Initiative nach Gespräch mit Merkel“ arg verschleiert: Anlass für Laura Bushs Lobrede auf Condoleezza Rice war die Wahl von Ellen Sirleaf-Johnson zur Präsidentin von Liberia (zu deren Amtseinführung am morgigen Montag sie übrigens auch angereist ist), und…

… das am Freitagabend um 19 Uhr auf CNN ausgestrahlte Interview wurde vorab aufgezeichnet. Nach Angaben des Weißen Hauses zwischen 10.33 Uhr und 10.46 Uhr — und damit nicht nach, sondern während Merkels Besuch und bereits anderthalb Stunden vor dem gemeinsamen Mittagessen.

Mit Dank an Jens S. für den Hinweis.
*) Alle Zeitangaben: Ortszeit Washington, DC (EST)

Kurz korrigiert (52)

Bild.de berichtet heute über drei Schweine, die auf den ersten Blick aussähen, „wie andere drei Monate alte Ferkel“. Aufgrund veränderten Genmaterials leuchten sie jedoch unter bestimmten Umständen grün. Bild.de nennt die Tiere deshalb:

"Die ersten fluoreszierenden Schweine der Welt"

Doch anders als Bild.de behauptet, sind es gar nicht „die ersten fluoreszierenden Schweine der Welt“, sondern höchstens die zweiten fluoreszierenden Schweine der Welt. Die Nachricht von den vermutlich ersten fluoreszierenden Schweinen der Welt tourte indes vor über zwei Jahren durch die Medien.

Mit Dank an Ralf P., Wito, Dirk, ceggis und Johannes M.

Nachtrag, 14.1.2006:
Laut BBC News behaupten die taiwanesischen Forscher nicht einmal selbst, es wären die ersten fluoreszierenden Schweine der Welt („Taiwan is not claiming a world first“), sondern nur die ersten, die komplett fluoreszieren.

„‘Bild’ ist entschieden schlimmer geworden“

In einem Interview mit dem „Tagesspiegel“ kommt Michael Nauman, Herausgeber der „Zeit“ (die wie der „Tagesspiegel“ zum Holtzbrinck-Konzern gehört), auch auf „Bild“ zu sprechen:

„Die Enträtselung und Entwürdigung von Frauen durch Reklame macht immer neue Fortschritte. Wenn ich das ergänze mit einer der Haupteinnahmequellen der ‘Bild’, mit Zuhältereien in den so genannten Kontaktanzeigen, die dem Verlag jedes Jahr Millionen bringen – also, ich stehe fassungslos davor. (…) Meine Verachtung richtet sich gegen die altbekannten publizistischen Schweinereien. Inklusive dieser frauenverachtenden Unterstützung von Zwangsprostitution, die vorne als Skandal vorgeführt und hinten verkauft wird. ‘Bild’ ist entschieden schlimmer geworden. Darum verliert sie Auflage.“

Im selben Interview sagt Michael Naumann über den „Bild“-Chefredakteur und -Herausgeber Kai Diekmann:

„Herr Diekmann ist ja offenkundig nur zu zwei Gefühlsregungen in der Lage: Enthusiasmus – ‘Wir sind Papst’ – und Verachtung: vor allem für seine Leser und vielleicht auch für seine Kritiker.“
(Link von uns.)

Sind immer die andern III (b)

Wir wissen es ja schon: Nachdem „Bild“ zunächst die Tatsachenbehauptung aufgestellt hatte, Joschka Fischer wandere nach Amerika aus usw., druckte „Bild“ am nächsten Tag die Schlagzeile „Fischer: Ich wandere nicht aus“, was daran lag, dass Fischer die Auswanderungsnachricht von „Bild“ heftig dementiert hatte. Außerdem hatte „Bild“ versucht, die eigene, offenbar falsche Berichterstattung so darzustellen, als sei sie den Berichten in anderen Zeitungen vergleichbar gewesen, obwohl sie das (wir berichteten) nicht war.

Wie es scheint, hat „Bild“ jetzt aber den eigentlich Schuldigen für die eigene, offenbar falsche Berichterstattung über Joschka Fischer ausgemacht: Joschka Fischer selbst.

Laut Handelsblatt.com gibt’s einen Brief des „Bild“-Chefredakteurs Kai Diekmann, worin er sich bei Fischer beschwere, dass dieser bezüglich seiner USA-Pläne eine Stellungnahme gegenüber der „Bild“-Zeitung abgelehnt habe. Tatsächlich berichtet auch die „Süddeutsche Zeitung“, Fischer habe (mit Blick auf die Anfrage eines „Bild“-Redakteurs) gesagt: „…wenn ein gewisser Herr Einar Koch bei mir anruft, dann kann die Welt zusammenstürzen, da würd’ mir eher die Hand abfallen, als dass ich das Telefon abnehmen würde“ — was wiederum anscheinend „Bild“-Chef Diekmann „nicht nachvollziehbar“ finde.

Und in der heutigen „Bild“ mündet eine „Bild“-Kolumne von Hugo Müller-Vogg in die Frage:

„Nur über die Nebentätigkeit des Abgeordneten Fischer soll nicht berichtet werden dürfen?“

Jedoch belässt es Müller-Vogg nicht bei solch irreführender Rhetorik. (Soweit bekannt, hat schließlich niemand irgendwen daran gehindert, „über die Nebentätigkeit des Abgeordneten Fischer“ zu berichten — auch Joschka Fischer nicht.) Nein, wie sein Chef Diekmann tut sich auch Müller-Vogg offenbar schwer damit, dass Fischer „bei der Überprüfung von Meldungen über ihn jede Mitarbeit“ verweigert habe. Dabei hätte, so Müller-Vogg, eine wahrheitsgetreuere Berichterstattung doch „gleich so in den Zeitungen stehen können — wenn Fischer nur gewollt hätte“.

Das mag stimmen. Doch zeugt die Argumentation, gelinde gesagt, von einem seltsamen journalistischen Selbstverständnis: Wenn wir das richtig verstehen, bedeutet sie doch im Umkehrschluss nichts anderes, als dass eine Zeitung wie „Bild“ 1.) nur dann wahrheitsgetreu berichten könne, wenn die betroffenen Personen mit „Bild“ kooperieren und 2.) eine Zeitung wie „Bild“ immer dann die Unwahrheit behaupten dürfe, wenn ihr die „Beihilfe zur Wahrheitsfindung“ (Müller-Vogg) verweigert wird. In Müller-Voggscher Rhetorik also als Frage formuliert: Klingt das wie ein Armutszeugnis für den investigativen Journalismus, dessen sich „Bild“ so gerne rühmt?

Mit Dank auch an Nikolai S. und Frank B.

Allgemein  

Irre: Erzieher sperren Kinder auf Spielplatz!

„Tiere und Kinder gehen immer, lautet eine alte Zeitungsmacherweisheit.“ (Quelle: „WamS“ vom 18.7.2004)

So steht’s heute in der Hamburger Ausgabe der „Bild“-Zeitung. Und im Text steht’s noch einmal:

„Wo früher Familien mit Kindern auf der Wiese spielten, gibt es jetzt eine riesige Freilauffläche für Hunde. Direkt neben einem Spielplatz! Die Kinder wurden dafür eingezäunt…“

Es stimmt nur nicht. Was stimmt, ist dass das „Hamburger Abendblatt“ schon am 15. September letzten Jahres unter der Überschrift „Wo Kleinkinder spielten, ist jetzt eine Hundewiese“ darüber berichtete, es gebe im Hessepark „Ärger wegen einer neuen Hundefreilauffläche“, deren Nutzung im April 2005 beschlossen worden war. Es mag auch stimmen, dass ein paar Kinder den Spielplatz zeitweise nicht verlassen dürfen, weil ein paar Eltern und Erzieher es so wollen. Dass allerdings, wie Bebilderung und Text in der heutigen „Bild“ vorgeben, der Spielplatz wegen der Hundewiese eingezäunt wurde, ist blanker Unsinn oder… ja, rotzfrech gelogen!

„Der Spielplatz ist eingezäunt und besitzt ein Türschloss“, heißt es in einem Spielplatztest („Stand: März 2004″) — und Anwohner versichern uns, eingezäunt sei er schon „seit seiner Errichtung vor über zehn Jahren“.

Mit Dank an die Hinweisgeberin, auch für den Scan!

Kurz korrigiert (51)

Anlässlich des Todes von Markus Löffel alias DJ Mark Spoon behauptet Bild.de, dass „der ORB-Radiosender ‘Fritz’ zwei Stunden lang Musik des verstorbenen Musikers“ gespielt habe.

Anders als Bild.de behauptet, gibt es allerdings seit fast drei Jahren keinen „ORB-Radiosender“ mehr, weil der ORB am 1. Mai 2003 mit dem SFB zum RBB fusionierte.

Mit Dank an Uwe R. und Ansgar B. für den Hinweis.

Nachtrag, 13.1.2006:
Der Rundfunkbeauftragte von Bild.de hat seinen Dienst angetreten und „ORB“ in „RBB“ korrigiert.

„Alles okay!“

Seit der französischen Revolution ist der Großteil der Welt schrittweise dazu übergegangen, Längen nicht mehr in Elle oder Klafter, sondern in Meter oder Zentimeter anzugeben. So macht das auch Hessens Versammlungsstättenverordnung (VStättV § 10 Abs. 2): „Stufen in Gängen (Stufengänge) müssen (…) einen Auftritt von mindestens 0,26 m haben.“

Im umstrittenen Test der Fußball-WM-Stadien bemängelt Stiftung Warentest nun an der Commerzbank-Arena in Frankfurt einen steilen Oberrang und einige Stufen, die angeblich nur 22 Zentimeter tief sind (siehe „hessenschau“). Frankfurts Bürgermeister Achim Vandreike widerspricht energisch: Es seien „Werte zwischen 26,8 und 30 Zentimetern“.

Um das endgültig zu entscheiden, hat „Bild“ einen Reporter zum Nachmessen ins Stadion geschickt. Beruhigendes Ergebnis: Die Stufen sind etwas weniger als anderthalb Peter-Dörr-Handspannen tief.

Aber sehen Sie selbst:

Mit Dank an Oliver R. für die Anregung.

Charlotte Roche redet in, aber nicht mit „Bild“

Gestern stand in „Bild“ ein großer Artikel, der aus drei Gründen ungewöhnlich ist.

Erstens stimmt in ihm jedes Wort.

Zweitens stellt er bundesweit auf breitem Raum eine Lesung vor, die es bereits seit eineinhalb Jahren gibt, was nicht nur für eine Zeitung, die mit den Worten „Informationsvorsprung mit vier Buchstaben“ für sich wirbt, ganz schön lange ist.

Und drittens erweckt der Artikel den Eindruck, als berichte er freundlich für eine Veranstaltung von und mit der Moderatorin Charlotte Roche, so als habe Roche ebenso freundlich mit der „Bild“-Zeitung zusammengearbeitet. Was erstaunlich wäre, denn eben jene Charlotte Roche ist eine der schärfsten öffentlichen Kritikerinnen der „Bild“-Zeitung — aus gutem Grund: Sie musste die Methoden der Zeitung auf eine extreme Art kennen lernen.

Aber scheinbar herrscht jetzt eitel Sonnenschein. „Bild“ zeigt groß ein freundliches Foto von ihr und ihrem Bühnen-Partner Christoph Maria Herbst und berichtet über die „seltsame Lesung“ in der Bonner Kunsthalle aus einer Doktorarbeit mit dem Titel „Penisverletzungen bei Masturbation mit Staubsaugern“. „Bild“-Mitarbeiterin Alexandra Würzbach zitiert nicht nur aus dem Vortrag, sondern hat auch mehrere ausführliche Zitate von Charlotte Roche zu bieten. Etwa über ihre Beziehung zu Staubsaugern oder über die Idee zur Lesereise:

„Wir saßen abends zusammen und haben uns — mal wieder — über Sexunfälle unterhalten. Von leeren Cola-Flaschen bis zu anal eingeführten tiefgeforenen Forellen.“ Bitte was? „Das Problem bei denen ist…“

Das „Bitte was?“ ist interessant, denn man könnte denken, das wäre die Nachfrage von „Bild“ gewesen. Aber das steht nicht da, und so war es auch nicht.

Fragt man Charlotte Roche, sagt sie, dass sie nicht mit „Bild“ geredet hat. Nach der Lesung sei sie zwar von einer „Bild“-Mitarbeiterin angesprochen worden, habe die Bitte um ein Gespräch aber abgelehnt. Auch das große Foto ist weder von einem „Bild“-Fotografen, noch aktuell, sondern mindestens acht Monate alt.

Das Management der Lesung-Tournee habe die ausdrückliche Anweisung, sagt Charlotte Roche, Anfragen von „Bild“ oder anderen Springer-Medien abzulehnen. Auf vielerlei Arten hätten es „Bild“-Leute und freie Mitarbeiter versucht, in die ausverkaufte Lesung zu kommen, und schließlich auch geschafft. Alle Zitate von Charlotte Roche stammen aus dem Frage- und Antwortspiel mit dem Publikum im Anschluss an die Lesung.

Das steht zwar nicht in dem „Bild“-Artikel, aber das Gegenteil auch nicht. Alles ist völlig korrekt. Und nur Charlotte Roche fragt sich verärgert, wie viele Leute nach dem Lesen des Artikels wohl fälschlicherweise angenommen haben, sie und „Bild“, das sei eine ganz normale Beziehung.

Sind immer die andern III

Joschka Fischer: Mein Hauptwohnsitz ist und bleibt Berlin!

So schreibt’s heute die „Bild“-Zeitung und veröffentlicht ausführlich das Dementi ihrer Seite-1-Schlagzeile von gestern, in der sie das Gegenteil behauptet hatte. Mit großem Einsatz versucht sie aber auch den Eindruck zu erwecken, dass die von Fischer so heftig bestrittene Meldung ursprünglich gar nicht von ihr sei, sondern vom „Stern“. Und dass, genau wie „Bild“, auch quasi alle anderen Zeitungen berichtet hätten:

Joschka Fischer als Professor nach Amerika – das war gestern Top-Nachricht in vielen deutschen Zeitungen.

Alle Berichte beriefen sich dabei auf eine Exklusiv-Meldung des Magazins „Stern“.

„Bild“ verschweigt, dass es zwei exklusive Meldungen gab. Eine am Dienstag vom „Stern“, wonach Fischer mittelfristig und für zwei bis drei Jahre in die USA gehen wolle — ihm lägen Angebote aus Princeton und Harvard vor. Und eine am Mittwoch von „Bild“, wonach feststehe, dass Fischer „auswandert“ und das Angebot aus Harvard angenommen habe — beides hatte der „Stern“ nie behauptet.

Während andere Zeitungen am Mittwoch nur die „Stern“-Meldung brachten, machte „Bild“ also mit eigenen (von Fischer heftig dementierten) Informationen auf.

Auch mit einer Fotostrecke von Überschriften aus anderen Zeitungen versucht „Bild“ heute wieder einmal den Eindruck zu erwecken, gar nicht selbst schuld zu sein an dem „Wirbel“. „Bild“ suggeriert, nur ein Medium von vielen zu sein, das über die umstrittenen Behauptungen berichtet habe.

So habe auch der Kölner „Express“ gemeldet: „Joschka wird Professor“. Das stimmt. Anders als „Bild“ gab der „Express“ im Artikel selbst immerhin aber die Behauptungen über weite Strecken im Konjunktiv wieder.

Auch die „Berliner Zeitung“ habe getitelt: „Professor Fischer trägt vor“, schreibt „Bild“. Das stimmt. Anders als „Bild“ berichtete die „Berliner Zeitung“ über die „Stern“-Meldung aber mit Distanz: „Der frühere Außenminister Joschka Fischer, so will es das Magazin Stern erfahren haben, will als Gastprofessor nach Amerika gehen.“

Auch die „Süddeutsche Zeitung“ habe eine Meldung gebracht, schreibt „Bild“. Das stimmt. Anders als „Bild“ hat die „SZ“ aber die Distanz schon in die Überschrift gepackt: „Fischer geht angeblich als Professor in die USA“.

Und auch die „Financial Times Deutschland“ habe unter der Überschrift berichtet: „Fischer will Professor in den USA werden“, schreibt „Bild“. Das stimmt. Aber anders als „Bild“ wechselte die „FTD“ immer wieder in den Konjunktiv: „… demnächst könnte der ehemalige Außenminister Joschka Fischer eine neue Aufgabe übernehmen …“.

Der Eindruck, den die „Bild“-Zeitung zu erwecken versucht, sie habe im Grunde nicht anders über Joschka Fischers Zukunft spekuliert als alle anderen Zeitungen auch, dieser Eindruck ist falsch.

Mehr dazu hier.

Nachtrag, 16. Januar. Gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ nannte „Stern“-Sprecher Frank Plümer das Vorgehen von „Bild“ ein „unverschämtes, fadenscheiniges Manöver“:

„Offenbar sind die Kollegen nicht mal imstande, korrekt abzuschreiben, nun versuchen sie, uns die Schuld für die dadurch entstandenen Probleme in die Schuhe zu schieben.“

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