Sehen alle gleich aus

Okay, dass Lagos in einem „Bild“-Artikel über den nigerianischen Fußballer Obafemi Martins als Hauptstadt Nigerias bezeichnet wird, obwohl sie das schon seit 1991 nicht mehr ist, mag man der „Bild“-Sport-Redaktion noch verzeihen. Die sollen sich ja schließlich in erster Linie mit Fußball auskennen.

Aber: „Bild“ zeigt auch ein schönes großes Foto, dessen Quelle mit „WITTERS“ angegeben wird, eines schwarzen Fußballspielers und behauptet, es zeige „Bertis Stürmer-Star“ Obafemi Martins:

"Mord-Anschlag auf Bertis Stürmer-Star"

Und sucht man bei Witters in der Fotodatenbank nach „Obafemi Martins“, findet man das Foto sogar. Nur zeigt es trotzdem nicht Obafemi Martins (Newcastle United), sondern Taye Taiwo (Olympique Marseille). Dummerweise hat das offenbar niemand in der „Bild“-Sport-Redaktion gemerkt.

Mit Dank an Sven P. und Alex für den sachdienlichen Hinweis.

6 vor 9

Wocheninterview mit Sacha Wigdorovits
(werbewoche.ch, René Worni und Nick Lüthi)
Mit dem Wurf eines auflagenstarken Gratisblattes steigt er in die Liga der Zeitungsverleger auf. Im Gespräch mit Nick Lüthi und René Worni erklärt der eifrige Tausendsassa der Medien, warum die Verleger eine Chance verpasst haben, was seriöser Journalismus ist und warum sich Werbeauftraggeber jetzt schon freuen.

Großer Einfluss – Die Pharma-Industrie in den Medien
(ndr.de, Video, 15:28 Minuten)
Zapp über mangelnde Recherche und versteckte Werbung im Medizinjournalismus.

Die gebührenfinanzierte Zeitung im Internet
(faz.net, Dietmar Wolff)
Bei ARD und ZDF sitzen Sie in der ersten Reihe – und müssen für das Seherlebnis monatlich in die Senderkasse einzahlen. Jetzt drängen die Öffentlich-Rechtlichen auch ins Internet. Das ist wettbewerbs-, ordnungs- und medienpolitisch untragbar, meint Dietmar Wolff in einem Gastbeitrag.

Ein Deutscher wird neuer SF-Kulturchef
(weltwoche.ch, Thomas Widmer)
Rainer M. Schaper von 3sat ist als neuer Leiter der Kultur gesetzt. Bewusst setzt der Service-Public-Kanal auf einen Schweiz-Nichtkenner. Ist das sinnvoll?

Print: VÖZ lehnt ?Österreich? ab
(diepresse.com)
Der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) lehnt eine Mitgliedschaft des Fellner-Blattes ab.

20 Minuten!
(soehnlein.blogspot.com)

Was „Bild“ mit den Bohlen-Nacktfotos zu tun hat

"B.Z."-Titelseite mit Fotos, die Dieter Bohlen und seine Freundin Carina nackt zeigenKurze Frage: Ist es eigentlich eine Geschichte über „Bild“, dass die „B.Z.“ (die wie „Bild“ im Verlag Axel Springer erscheint) kürzlich Nackfotos von Dieter Bohlen und seiner Freundin druckte?

Kurze Antwort: Ja.
 
Lange Antwort: Ja, denn „Bild“ meldete anschließend nicht nur (wie berichtet), dass „eine Berliner Zeitung“ (gemeint war das Schwesterblatt „B.Z.“) die Fotos nicht mehr zeigen dürfe. Und „Bild“ druckte nicht nur in rund dreieinhalb Millionen Exemplare die komplette Adresse einer Internetseite, auf der die verbotenen „B.Z.“-Seiten mit den Nacktfotos (hochgeladen von einem anonymen Nutzer) zu sehen waren.

Nein, offenbar gibt es sogar einen Grund dafür, dass die Fotos überhaupt in der kleinen „B.Z.“ erschienen und nicht in der großen „Bild“: Nach unseren Informationen erfuhr Bohlen schon vor der Veröffentlichung, dass Nacktfotos von ihm und seiner Freundin gemacht worden waren und in „Bild“ erscheinen sollten. Und so gingen beim Verlag Axel Springer zwei vorbeugende einstweilige Verfügungen von Bohlens Anwalt ein, die „Bild“ den Abdruck der Fotos gerichtlich untersagten: Anscheinend mit einem enormen Teleobjektiv, aber ohne Wissen und Einverständnis der Fotografierten entstanden, verletzten sie die Intimsphäre und den geschützten Bereich der Privatsphäre Bohlens und seiner Freundin.

Und tatsächlich veröffentlichte „Bild“ die Nacktfotos nicht. Stattdessen landeten sie beim „Bild“-Schwesterblatt „B.Z.“, die sie (am selben Tag, an dem die Verfügungen bei Springer eingingen) auf dem Titel und als „Bilder des Tages EXTRA“ auf einer Doppelseite in größtmöglicher Aufmachung veröffentlichte. Und als die „B.Z.“ nach Erscheinen der Nacktfoto-Ausgabe eine Unterlassungserklärung abgegeben hatte, die Fotos nicht mehr zu zeigen, berichtete „Bild“ wie beschrieben.

Wie niederträchtig. Wir hatten deshalb allerlei Fragen an den Verlag: ob Springer gegen die immerhin urheberrechtsverletzende Veröffentlichung der „B.Z.“-Seiten im Internet vorgehen werde*, ob Springer der anonyme Nutzer, auf dessen Internetseite „Bild“ verwies, bekannt sei, ob es zu den Gepflogenheiten des Verlags gehöre, auf derart anonyme Quellen zu verweisen und warum „Bild“ zwar die komplette Internetadresse druckte, den Namen der „B.Z.“ jedoch verschwieg…

Die Antwort des Verlagssprechers Tobias Fröhlich lautete:

Von unserer Seite aus gibt es dazu nichts zu sagen.

Von unserer Seite aus schon.
 
*) Dafür, dass die faksimilierten „B.Z.“-Seiten aus dem Internetangebot entfernt wurden, sorgte nach unseren Informationen übrigens nicht Springer, sondern Bohlen.

6 vor 9

Bundesrat droht Journalisten
(tagesanzeiger.ch, Verena Vonarburg)
Medienleute, die vertrauliche Papiere publizieren, sollen eingeschüchtert werden: Der Bundesrat will ihnen unter Umständen gar den Zutritt zum Bundeshaus verweigern.

«Pardon, wir schon wieder.»
(unefilledulimmatquai.ch)
vor einigen jahren machte ich den folgeschweren fehler, ein annabelle-schnupperabo zu bestellen, zehn ausgaben für 20 franken oder so. mir war schon nach der ersten ausgabe klar, dass auch die annabelle nicht mehr als irgendeine andere frauenzeitschrift bietet, und mit frauenzeitschriften kann ich sogar beim coiffeur wenig anfangen (dort konzentriere ich mich auf die promi-magazine gala, bunte und schweizer illustrierte, und zwar exakt in dieser reihenfolge).

Wechsel nicht möglich
(telepolis.de, Till Westermayer)
Aus dem Fall Flickr lässt sich einiges über die sozioökonomischen Grundlagen des Web 2.0 lernen – und darüber, was passiert, wenn Marktmechanismen nicht mehr richtig greifen können, weil soziale Kontakte den Anbieterwechsel erschweren.

ARD startet digitalen Großangriff
(spiegel.de)
Ihr Handy, Ihr PC, Ihre Gebühren: Die ARD bereitet eine Großoffensive in der digitalen Welt vor. Die Sendergemeinschaft will einen zunehmenden Teil ihrer staatlich abgestützten Milliarden-Einnahmen für Handy-Dienste, Videoportale und digitale Zusatzdienste einsetzen. Alles Grundversorgung, versteht sich.

?Rette sich, wer kann?
(falter.at, Marusa Krese)
Kritische Journalisten werden gekündigt, die Regierung übt offen Druck auf Medien aus. Auch Korrespondenten in Österreich sind nicht sicher. In Slowenien ist es um die Pressefreiheit schlecht bestellt.

Familienduell – Geile Antworten
(youtube.com, Video, 4:40 Minuten)

Kurz korrigiert (424)

In Hamburg bei der „Bild“-Zeitung mag man Hans Albers offenbar. Und die Vorstellung, dass ein „Bild“-Redakteur mit Kapitäns-Mütze morgens „La Paloma“ pfeifend das Büro betritt und, sich halb auf den Schreibtisch setzend, verschmitzt grinsend zur Sekretärin wendet: „Na, du seute Deern“ — diese Vorstellung ist ganz drollig (siehe Ausriss rechts). Allerdings würde man von jenem Redakteur auch erwarten, er wisse, dass Hans Albers nicht 78 sondern bloß 68 Jahre alt geworden ist. Oder dass die Bezeichnung „Star der Nachkriegszeit“ (siehe Ausriss links) Albers nur teilweise gerecht wird. Er war nämlich auch schon in der Vorkriegs- und in der Kriegszeit ein Star. Wenn nicht sogar ein größerer.

Mit Dank an klein-K auch für den Scan.

Nachtrag, 21.6. (mit Dank an klein-k): „Bild“-Hamburg berichtigt in ihrer heutigen Ausgabe in einer Meldung das Alter von Hans Albers.

Doppelleberwurst Schewtschenko

Erst mal zum Mitschreiben: José Mourinho ist Trainer des britischen Fußballvereins FC Chelsea, bei dem Andrej Schewtschenko Stürmer ist. Schewtschenko war bis zum Sommer vergangenen Jahres beim italienischen Fußballverein AC Mailand. Und der ehemalige italienische Regierungschef Silvio Berlusconi, derzeit AC-Mailand-Besitzer und -Präsident, bemüht sich gerade darum, Schewtschenko zurückzuholen.

Und nun zu einer kleinen Meldung im Sportteil der heutigen „Bild“:

All das, was in dieser Meldung nicht stimmen kann, haben wir mal gelb angestrichen. Anders gesagt: Unstrittig ist eigentlich nur das Zitat am Ende. Es fiel allerdings nicht jetzt, sondern vor mehr als einem halben Jahr. Und gesagt hat es damals nicht Mourinho, sondern Berlusconi, den beispielsweise der italienische „Corriere della Sera“ am 15.12.2006 (also nach dem Wechsel Schewtschenkos von Mailand zu Chelsea) mit den Worten zitierte:

„In casa mia sono io il padrone, in quella di Sheva quando la moglie gli ordina di andare sotto il letto, lui ubbidisce come un cagnolino.“

Übersetzung der „Sun“ vom 16.12.2006: „At my home I’m in charge and decide what happens. Instead, when Shevchenko’s wife shouts, he runs under the bed like a lap dog.“

Übersetzung von uns: „Bei mir zu Hause bin ich der Chef. Wenn aber Schewtschenko von seiner Frau unters Bett geschickt wird, gehorcht er wie ein Schoßhündchen.“

PS: Die heutige „Bild“-Version, die ohne Quelle auszukommen meint, wurde in den vergangenen Tagen (unter Berufung auf die „Sun“) auch schon auf italienischen Websites verbreitet. Und tatsächlich taucht das „Schoßhund“-Zitat in einem „Sun“-Artikel über Mourinho vom vergangenen Samstag auf — dort allerdings (zumindest online) völlig korrekt als Aussage Berlusconis.

Mit Dank an Marco M. für den Hinweis.

6 vor 9

Kleber gegen Gratiszeitungen verkaufen sich gut
(klartext.ch, Nick Lüthi)
Wenn die Pläne von Sacha Wigdorovits umgesetzt werden, soll ab Herbst in Zürich, Basel und Bern jeden Morgen eine Tageszeitung gratis im Briefkasten liegen. In Dänemark hat man bereits genug von solcher Papierflut.

«Glotze der Chipkultur»
(espace.ch, Hans Galli)
Produziert Web 2.0 eine neue Internetblase oder steckt mehr dahinter? Die Experten an der Cisco-Expo in Interlaken konnten die Frage nicht abschliessend beantworten. Einig waren sie sich, dass Web 2.0 nicht von der Wirtschaft, sondern von den Millionen von Nutzern geschaffen wurde.

„Wer eine Mission lebt, kann nie ohne Widerspruch leben“
(persoenlich.com, David Vonplon)
Anfang Juli wird Samuel Stutz zum letzten Mal als Moderator der „Sprechstunde Gesundheit“ am Bildschirm zu sehen sein. Der „TV-Arzt der Nation“ sucht nach fast zwanzig Jahren im Dienste von Ringier den Weg in die Selbständigkeit.

Das Grimme-Online-Award-Debakel
(stefan-niggemeier.de)
Kann bitte jemand den Grimme-Online-Award aus den Händen dieser Organisatoren befreien?

Anzeigenplatzierung in der Praxis
(journalist-und-optimist.de)
Wir sind uns ja alle bewusst, dass im Special-Interest-Bereich Magazine meist auch über Produkte der Firmen berichten, die bei Ihnen Anzeigen schalten. Wie wichtig dann eine vernünftige Koordination von Anzeigenredaktion und Layout ist, zeigt das obige Beispiel aus der PC-Praxis.

„Ich bin ein Egomane“
(welt.de, Adriano Sack)
Zu Besuch beim extravagantesten Schriftsteller der Welt: Tom Wolfe kleidet sich wie ein Dandy, kokettiert öffentlich damit, dass er George W. Bush gewählt hat, und ärgert sich, dass ihm die Lebensgeschichte von Paris Hilton nicht selbst eingefallen ist.

„BamS“-Leser fragen, BILDblog antwortet

Lieber Gerhard Scholz aus Göttingen (Niedersachsen),

Sie haben der „Bild am Sonntag“ anscheinend einen Brief mit folgendem Vorschlag geschrieben:

Ändern Sie doch den Spot „Deutschlands schnellstes Magazin“ einmal um. Viel origineller wäre doch: „Ein Sonntag ohne BamS — undenkbar!“ Ich, und vielen Lesern wird es bestimmt genau so ergehen, kann mir einen Sonntag ohne BamS nicht mehr vorstellen.

Und Claus Strunz, der Chefredakteur, antwortete Ihnen gestern in seiner beliebten Rubrik „Der Chefredakteur antwortet“:

Entweder Sie sind ein Hellseher oder wir der Zeit voraus. Oder beides.

Die „BamS“ werde nämlich zufällig tatsächlich ihren Slogan ändern. Sogar fast ungefähr etwa annähernd genauso, wie Sie es hellsichtig vorgeschlagen haben: nämlich in „Deutschland am Sonntag – BILD am SONNTAG!“

Bei der Gelegenheit beantwortete Herr Strunz Ihnen, lieber Herr Scholz, noch ein paar Fragen, die Sie gar nicht gestellt hatten:

Wir sind in den vergangenen Jahren „schneller“ geworden, haben also noch mehr Nachrichten vor allen anderen Medien. Und wir haben unseren „Magazin“-Charakter betont, sind in den Bereichen „Leben“ und „Ratgeber“ besser, hintergründiger und exklusiver geworden. An diesem Konzept, mit dem wir unsere Auflage (also die Zahl der verkauften Exemplare — rund 1,9 Millionen) stabilisiert (…) haben, halten wir natürlich fest.

Natürlich. Denn im ersten Quartal dieses Jahres verkaufte die „Bild am Sonntag“ über drei Prozent weniger Zeitungen als im Vorjahr. Und was Herr Strunz meint, wenn er sagt, man habe die Auflage „stabilisiert“, haben wir mal in dieser Grafik anschaulich gemacht:

All dies nur, damit Sie, lieber Herr Scholz, und die anderen treuen „BamS“-Leser wissen, was sie von den Antworten des Herrn Strunz zu halten haben.

Herzlichst, Ihr Lupo
 
PS: Letztlich ist sowas natürlich alles eine Frage der Perspektive.

Allgemein  

Zirkusreife „Bild“-Kampagne gegen Sarrasani

Tag 1:
Es fing eigentlich relativ harmlos an: Vor einer knappen Woche berichtete „Bild“-Dresden zum ersten Mal über die zwei Tiger des"Sarrasani-Tiger wohnen jetzt im Supermarkt!" Zirkus „Sarrasani“: „Sarrasani-Tiger wohnen jetzt im Supermarkt!“ (siehe Ausriss). Mieter hätten sich wegen des Gebrülls beschwert, hieß es. „Bild“ zitierte eine 71-jährige Anwohnerin, die sich gar nicht mehr traue, „an unserem alten Supermarkt vorbeizugehen“. Außerdem stinke es „schrecklich“. Eine weitere Mieterin „schimpft“ angeblich: „Das Gebrüll hört sich so qualvoll an!“ Zwar habe die Stadt die „seltsame Raubtierhaltung“ genehmigt. Allerdings zitiert „Bild“ einen Amtstierarzt, er habe nicht gewusst, dass die Tiger „im Warenlager“ gehalten würden.

Tag 2:
Am Tag darauf berichtete „Bild“"Rettet die Tiger aus dem Supermarkt" wieder über den „Skandal“, den „Bild“-Leser „aufgedeckt“ hätten. Unter der Überschrift „Rettet die Tiger aus dem Supermarkt“ behauptete „Bild“, Sarrasani lasse seine zwei Tiger „seit Wochen“ und „heimlich“ im Supermarkt wohnen. Und Tierschützer würden fordern, dass „Sarrasani seine Tiere sofort artgerecht unterbringt“. (Nebenbei: Als wir einen der von „Bild“ zitierten Tierschützer fragten, ob er die konkrete Unterbringung der Sarrasani-Tiger kenne, beendete der abrupt das Telefon-Gespräch.)

Tag 3:
Am folgenden Tag hieß es in „Bild“: „Tiger in Kaufhalle gehalten: Fliegt"Tiger in Kaufhalle gehalten: Fliegt Sarrasani jetzt aus dem Supermarkt?" Sarrasani jetzt aus dem Supermarkt?“ „Bild“ habe herausgefunden, dass nicht mal der Vermieter der Halle über die „merkwürdige Nutzung als Raubtierkäfig“ informiert gewesen sei. „Ob Sarrasani rausfliegt“, wolle der Vermieter nach einem Gespräch entscheiden. Und wieder hieß es, „Bild“-Leser hätten „aufgedeckt, dass der Varieté-Chef seit Wochen seine Tiger (…) mitten im Wohngebiet hausen lässt.“

Tag 4:
Einen Tag später kam, was kommen musste: „Sarrasani-Tiger im Supermarkt: Der Foto-Beweis!“ Ein „Bild“-Fotograf "Sarrasani-Tiger im Supermarkt: Der Foto-Beweis!"hatte ein Foto gemacht, das, nun ja, einen Tiger hinter Gittern zeigt, und offenbar die Behauptung Sarrasanis widerlegen sollte, es gehe den Tigern gut. „Bild“ fasste noch kurz ihre Kampagne der vorhergehenden Tage zusammen und schrieb, dass sich „wieder Mieter der angrenzenden Wohnblocks bei BILD“ gemeldet hätten. Von „mehreren Eingaben wegen des Gebrülls und Gestanks“ war die Rede. Zu Wort kam dann allerdings wieder nur die 71-jährige Mieterin, die „Bild“ schon am ersten Tag ihrer Kampagne zitiert hatte und die sich nun auch noch über „das Zirkus-Zelt mit Bumbum bis 23 Uhr“ beschwerte. „BILD bleibt dran!“ hieß es abschließend.

Tag 5:
Tat sie auch. Aber nur in Form einer Zwei-Spalten-Meldung, in der es hieß: „Gestern fotografierte BILD exklusiv eine der beiden Raubkatzen“ — und die darüber Auskunft gab, dass Sarrasani „einen zweiten Drahtzaun mit Sichtschutz gegen neugierige Blicke aufgestellt“ habe.

Soweit die Kampagne von „Bild“. Und nun die Fakten:

Die Sarrasani-Tiger wohnen nicht „seit Wochen“, wie „Bild“ mehrfach behauptete, „im Supermarkt“, sondern sie sind bereits seit dem Jahr 2004 auf dem Gelände untergebracht. Und das auch nicht „heimlich“, wie „Bild“ wiederholt schrieb, sondern mit Kenntnis und Billigung des Veterinäramts, das die Haltung abgenommen und regelmäßig kontrolliert hat. „Die Haltungsbedingungen und der Allgemeinzustand der Tiger wurden letztmalig im Dezember 2006 amtstierärztlich kontrolliert“, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung der Dresdner Stadtverwaltung. Zudem fand am Tag des ersten „Bild“-Berichts eine weitere Kontrolle statt. Weiter heißt es in der Mitteilung (und ähnlich auch in einer Stellungnahme Sarrasanis [pdf]):

Bei beiden Kontrollen ergaben sich aus tierschutzrechtlicher Sicht keine Beanstandungen bzw. Auflagen.

Sarrasanis Vermieter, die TLG Immobilien GmbH, ist nach unseren Informationen seit Mietbeginn im Jahr 2004 darüber informiert, dass der Zirkus zwei Tiger auf dem Gelände hält. Bei der TLG wollte man sich uns gegenüber jedoch nicht zu dem Sachverhalt äußern.

Dass laut „Bild“ weder der zitierte Amtstierarzt noch der Vermieter gewusst hätten, dass die Tiger „im Warenlager“ gehalten würden, kann allerdings stimmen. Doch es gibt dafür einen einfachen Grund: Die Tiger werden nicht „im Warenlager“ gehalten.

In der Pressemitteilung der Dresdner Stadtverwaltung heißt es entsprechend:

Die Tiger werden im Außengelände neben der ehemaligen Kaufhalle am Straßburger Platz gehalten. Die Haltung der Tiere ist nicht zu beanstanden; Größe und Ausstattung der Haltungseinrichtungen entsprechen den „Leitlinien für die Haltung, Ausbildung und Nutzung von Tieren in Zirkusbetrieben oder ähnlichen Einrichtungen des BMVEL“ sowie den Anforderungen des Erlaubnisbescheides nach § 11 Tierschutzgesetz der zuständigen Erlaubnisbehörde der Landeshauptstadt Wiesbaden.

Ob es aus ethischer Sicht zu beanstanden ist, Tiger oder sonstige wilde Tiere wie beispielsweise Eisbären in Gefangenschaft zu halten, wollen wir nicht diskutieren. Sarrasani erfüllt jedenfalls offensichtlich alle „drei Voraussetzungen“ für die Haltung von Tigern, die „Bild“ bereits am zweiten Tag ihrer Kampagne zusammengetragen hatte:

"Darf sich eigentlich jeder einen Tiger halten?"

P.S.: Der Zirkus Sarrasani hat in direkter Umgebung des Tiger-Geheges ein Büro mit Kartenverkaufsstelle. Von Beschwerden seitens der Anwohner sei bei Sarrasani jedoch nichts bekannt, sagt uns eine Sprecherin auf Anfrage. Tja, die 71-jährige Dame Mieter hielten es offenbar für sinnvoller, sich an „Bild“ zu wenden.

„Bild“ entdeckt Gold auf Fußballtrikots

Offenbar inspiriert durch eine Pressemitteilung des VfB Stuttgart vom vergangenen Freitag freut sich „Bild“ heute in einer kleinen Meldung mit dem amtierenden deutschen Fußballmeister, dass der Verein nun „einen goldenen Stern auf der Brust tragen“ dürfe. Und nicht nur das:

"Ganz neu: Als erster Meister hat der VfB auch ein golden leuchtendes DFL-Logo auf dem Ärmel."

Nun, am 5. August 2002 meldete bereits die Nachrichtenagentur dpa:

Als anerkennendes Zeichen für die Leistungen der vergangenen Saison tragen die Spieler von Borussia Dortmund ein goldenes Meisterlogo.

Und in den Jahren danach trugen dann natürlich auch FC Bayern München und Werder Bremen ein golden leuchtendes DFL-Logo auf dem Ärmel. Anders gesagt: Die goldene Variante ist so alt wie das DFL-Logo selbst. Ganz neu ist demnach wohl vor allem der „Bild“-Redakteur, der das nicht wusste.

Mit Dank an Christian H., Christian K. und Jessica für den Hinweis.

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