Sechs Fäuste für ein Halleluja

Die neue Ausgabe von „Compact“ ist da. Und wie jeden Monat beglückwünschen sich „Compact“-Chef Jürgen Elsässer, Redakteur Marc Dassen und CvD Martin-Müller Mertens auf Youtube gegenseitig zum neuen Heft.

Traditionell geht es dabei zuerst um das wahnsinnig originelle Titelblatt. Dassen meint, das Cover der Mai-Ausgabe zeige „sozusagen eine Christin und ihr sanftes Antlitz sozusagen, ihre Frömmigkeit“, worauf sein Chef Elsässer ergänzt: „Ihre Wehrlosigkeit auch.“

Eine sanfte, fromme, wehrlose Christin also:

Gut, ganz so sanft und wehrlos scheint die Dame allerdings doch nicht zu sein, wenn man sich mal dieses Foto von ihr anschaut:

Und fromm? Nun ja:

Wir wissen nicht, ob die Coverfrau tatsächlich gläubige Christin ist, wie die Redakteure suggerieren. Zweifelsohne aber ist sie ein Modell für Stockfotos, also für relativ günstig zu lizenzierende Fotografien, die auf Vorrat produziert werden. In besonderem Maße authentisch, wie man das von einem Magazin mit dem Slogan „Mut zur Wahrheit“ vielleicht annehmen könnte, ist das Bild jedenfalls nicht.

Aber schlechte Titelbilder sind kein Alleinstellungsmerkmal, also genug der Oberflächlichkeiten. Was liefert die Mai-Ausgabe von „Compact“ inhaltlich?

Es geht um Christenverfolgung. Genauer gesagt: um die „neue“ Christenverfolgung. Wir hatten schon vor zwei Monaten darauf hingewiesen, dass das Thema keineswegs so neu ist, wie „Compact“-Lesern glauben gemacht wird, und eher zu den Dauerbrennern der von dem Magazin so betitelten „Lügenmedien“ gehört.

Nun meint Marc Dassen, Christen würden nicht mehr nur in Syrien verfolgt werden, denn:

Das gleiche sehen wir jetzt auch immer wieder, wenn wir die Medien verfolgen, zum Beispiel in den Flüchtlingsunterkünften, wo also Christen eine Minderheit sind, die sehr stark unter Beschuss ist.

Dass er das Thema selbst aus den Medien kennt, hindert ihn nicht daran, einige Sätze später zu behaupten, man habe „in den Massenmedien nicht so richtig viel darüber gelesen und gehört.“ Ein außerordentlicher Fall von selektiver Wahrnehmung.

Die Wortwahl seines Chefredakteurs Jürgen Elsässer ist eindeutiger:

Die Monopolpresse spricht ja immer über die Islamophobie, dass die Muslime verfolgt werden, aber dass unsere hauptsächliche Glaubensrichtung, das Christentum, auch so stark unter Druck steht, wie wahrscheinlich noch nie in der Geschichte seit dem Mittelalter, das wird natürlich ausgeblendet vom Mainstream.

Was Elsässer ausblendet, wird klar, wenn man sich noch einmal sein offenbar etwas angestaubtes Schulwissen bewusst macht: Das Ende des Mittelalters markiert Luthers Reformation, in Folge derer sich Christen unterschiedlicher Konfession in Europa etwa 200 Jahre lang gegenseitig verfolgten und ermordeten, bis sich mit der Aufklärung langsam die Idee religiöser Toleranz durchsetzte. Elsässer setzt die heutige Situation mit dem Dreißigjährigen Krieg gleich, der verschiedenen Schätzungen zufolge zwischen drei und elf Millionen Todesopfer forderte.

Die Zahlen für eine solche irre Behauptung soll Martin Müller-Mertens und Federico Bischoffs Titelgeschichte liefern. Darin zählen sie zunächst islamistische Terrorakte rund um Ostern auf, darunter die Falschmeldung, dass ein katholischer Priester im Jemen am Karfreitag gekreuzigt worden sei.

Dann sollen Daten den Ernst der Lage untermauern. Jeder zehnte Christ lebe „in Angst vor Diskriminierung, Verfolgung und Ermordung“ soll der Wiener Präsident der katholischen Organisation „Pro Oriente“ „offenbart“ haben. Mal abgesehen davon, dass nicht nachvollziehbar ist, wie er zu dieser Zahl kommt: Diskriminierung und Ermordung sind derart unterschiedliche Dinge, dass sie getrennt gezählt werden müssten. Wenn Menschen in Angst vor etwas leben, sagt das auch wenig über die reale Bedrohung aus — man könnte sich etwa fürchten, weil man den „Compact“-Artikel zu ernst nimmt, deshalb wird man noch lange nicht tatsächlich verfolgt.

Weiter werden Zahlen des evangelikalen Hilfswerks „Open Doors“ genannt — die sowohl von der evangelischen als auch der katholischen Kirche als unseriös abgelehnt werden, weil sie nicht überprüfbar sind. Der hinsichtlich heimlichen Sympathien mit Islamisten eher unverdächtige Leiter der Auslandsredaktion der Katholischen Nachrichtenagentur, Alexander Brüggemann, hat vor einem halben Jahr in einem Gastbeitrag für die „Zeit“ erklärt, was die Zahlen bedeuten, und kam zu folgendem Schluss:

Die statistische Erfassung des Phänomens ist extrem schwierig.

Selbst die „Compact“-Autoren landen schließlich selbst bei viel kleineren Opferzahlen. 130.000 bis 170.000 christliche „Märtyrer“ sollen es laut der Studie „The Price of Freedom Denied“ pro Jahr sein. „Zahlen, die kein Gehör in der Öffentlichkeit finden“, meinen Müller-Mertens und Bischoff. Zahlen, die sie vermutlich aus der Wikipedia oder dem dort zitierten Artikel aus der „Weltwoche“ haben.

Diese letztgenannten Daten kursieren tatsächlich relativ weit. Problematisch sind sie trotzdem. Der Vorsitzende der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz, Thomas Schirrmacher, hat sich für die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte mit der Zahl beschäftigt:

Es fällt mir schwer, diese Zahl wegen ihrer weiten Verbreitung zu kritisieren, zumal sie von seriösen Forschern und guten Freunden kommt. Aber als Wissenschaftler habe ich solche Zahlen zu oft vor säkularen Kollegen, Politikern weltweit, dem Deutschen Bundestag oder dem Europäischen Parlament und natürlich Journalisten zu verantworten, als dass unser Institut (das International Institute for Religious Freedom) sie einfach nur übernehmen könnte.

Außerdem wurden sie aus dem Kontext gerissen. Die Autoren von „The Price of Freedom Denied“, die sich das aufgeladene Wort „Märtyrer“ nicht zueigen machen, zitieren nämlich wiederum selbst nur ihre Quelle, das päpstliche Missionswerk „Kirche in Not“. Zudem argumentieren sie in ihrer Studie genau umgekehrt zu Compact:

Grim and Finke argue that it is not religious identity itself that is the force behind much religious conflict, but legal and social restriction of religious freedom. They argue that it is in the most pluralistic and religiously liberal societies that levels of persecution are at their lowest, not in the cultural monopolies of Huntington’s theory.

Die Einschränkung der Religionsfreiheit stehe hinter religiösen Konflikten. Ein Ergebnis, das bei Compact kein Gehör findet.

Dort suggeriert man lieber, dass einzelne Vorfälle der letzten fünf Jahre, über die beispielsweise in der „Welt“ berichtet wurde, Zeichen für eine breite Christenverfolgung seien. Bald könnte es in Europa zugehen wie im Islamischen Staat, so der Tenor.

Ein weiterer Artikel in der aktuellen „Compact“-Ausgabe beschuldigt Papst Franziskus, sich den „Terroristen und Islamisten“ zu unterwerfen. Denn:

So ergriff Papst Franziskus – ausgerechnet am Gründonnerstag, ausgerechnet zwei Tage nach dem Blutbad in Brüssel – die Gelegenheit, in einem Asylheim bei Castelnuovo di Porto einem Dutzend Asylbewerbern in einer pompösen Zeremonie zuerst die Füße zu waschen und diese dann zu küssen.

Es seien „solche Unterwerfungsgesten“, schreibt der Autor, „die das Christentum wehrlos machen. Wenn die eigenen Werte für wichtig und richtig gehalten werden, dürfen sie nicht auf dem Altar einer falsch verstandenen Liberalität geopfert werden.“ In der Bildunterschrift heißt es:

Unterwerfungsgeste: Papst Franziskus wäscht und küsst muslimischen Flüchtlingen die Füße

Dass es durchaus christliche Flüchtlinge sein könnten — an der Fußwaschung nahmen nämlich auch Katholiken aus Nigeria teil — erwähnt „Compact“ freilich nicht (deutet aber immerhin im Artikel an, dass es nicht ausschließlich Muslime waren: „Unter den auf diese Weise verwöhnten waren auch vier Muslime“).

Denn, so viel sollte klar geworden sein, für „Compact“ ist die von den Mainstreammedien angeblich verschwiegene Christenverfolgung bloß ein weiterer Vorwand, um Fremdenfeindlichkeit zu schüren.

Der Rest des Titelthema-Abschnitts besteht dementsprechend aus Warnungen vor dem Islamismus, stets unter der Prämisse, vor diesem würde noch nicht genug gewarnt oder er sei sogar insgeheim gewollt. Auch ein Vorabdruck von Akif Pirinçcis neuesten Ausfällen soll etwas zum Thema beitragen.

Wir wissen nicht, wie es die „Compact“-Redakteure selbst mit der Religion halten. Sollte jedoch im Paradies eine ähnlich strenge Grenzpolitik herrschen, wie das Blatt sie für Europa propagiert, könnte sich die Einreise der Redaktion aufgrund von Verstößen gegen das achte Gebot erheblich verzögern.

BILDipedia, Whistleblowerleid, Werbesprechstunde

1. Plickbaiting mit BILD
(hogymag.wordpress.com, almasala)
„Hogymag“ ist ein „Bild“-Beitrag aufgefallen, der im Wesentlichen aus wörtlichen oder umgepfriemelten Übernahmen aus der Wikipedia bestehe. Es handele sich um eine Kombination von Plagiat mit Clickbaiting („Plickbaiting“). Die Vorgehensweise der „Bild“-Plickbaiter stelle sich wie folgt dar: „Erwecke Neugier mit lahmer Überschrift a la Einsamer Tod hinter grünen Mauern in Chile. Plagiiere den Hauptteil des Artikels. Verfasse einen Manteltext um den Hauptteil. Überlade den Artikel mit vielen Bildern und Verweisen zu anderen BILD-Artikeln.“

2. Fünf Jahre Haft für „Cumhuriyet“-Journalisten
(sueddeutsche.de, Mike Szymanski)
Was befürchtet wurde, ist traurige Realität geworden: In der Türkei wurden die regierungskritischen Journalisten Dündar und Gül am Freitagabend zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Die Journalisten hatten über angebliche Waffenlieferungen der Türkei an Islamisten in Syrien berichtet. Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan hatte darauf persönlich Anzeige erstattet und trat im Prozess als Nebenkläger auf. Kurz vor Verkündung des Urteils kam es zu einem Attentatsversuch auf Dündar, der jedoch unverletzt blieb (ein Berichterstatter erlitt einen Streifschuss).

3. Enthüller im Visier
(taz.de, René Martens)
Der Regisseur Daniel Harrich hat für seine Recherchen zu illegalen Waffenexporten vor wenigen Wochen einen Grimme-Preis erhalten. Seine Arbeit, und die seines Teams, hatte dazu geführt, dass die Staatsanwaltschaft Stuttgart Ermittlungen gegen sechs frühere Verantwortliche der Rüstungsfirma Heckler & Koch einleitete. Nun wird bekannt, dass die Staatsanwaltschaft auch gegen ihn ermittelt, wegen der widerrechtlichen Veröffentlichung von Dokumenten gemäß §353d StGB. „Taz“-Autor Martens kommentiert: „Folgt man der Logik des Paragrafen, hätten die ARD-Journalisten mit der Verwendung des selbst beschafften Materials warten müssen, bis die Staatsanwaltschaft in die Gänge kommt. Die brauchte fünfeinhalb Jahre, ehe sie Anklage erhob.“

4. Gemartert
(tagesanzeiger.ch, Michèle Binswanger)
Die berühmte Whistleblowerin Chelsea Manning (ehemals Bradley Manning) beschreibt für den „Guardian“ die Folter der Isolationshaft. Manning hatte hunderttausende von Geheimdokumenten kopiert und an Wikileaks übergeben und wurde dafür zu 35 Jahren Haft verurteilt. 11 Monate musste sie in Isolationshaft verbringen und dabei Torturen über sich ergehen lassen, die von Amnesty International und dem UNO-Beauftragten für Folter stark kritisiert wurden. Manning sagt dazu: „Es ist eine Folter ohne Berührung. Wir sollten sie nicht weiterführen.“

5. Bumsti & die Lügenpresse
(noemix.twoday.net)
Blogger „Nömix“ ärgert sich: Alle Jahre wieder werde vom Bundeskriminalamt Österreichs eine aktuelle Kriminalstatistik veröffentlicht, und alle Jahre wieder werde in Österreichs „auflagenzweitstärkster Gratis-Volksinformationspostille der altbekannte Lügenscheiß“ berichtet. Während die Kriminalitätstatistik einen Rückgang verzeichne, mache das Kostenlosblatt „Österreich“ mit „Kriminalität stark gestiegen – Österreich wird immer gefährlicher“ auf.

6. Berits Werbesprechstunde
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Boris Rosenkranz von „Übermedien“ erklärt in dreieinhalb vergnüglichen Minuten, was es mit der Sendung „Meine Gesundheit“ auf RTL auf sich hat.

It’s-a-me, Mario!


Danke an Uwe R.

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Danke an Sven S.

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Danke an Mark C. T.

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Danke an Ute E.

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Danke an Hugo D.

Adblock-Pixi, Aufbrausender Brausehersteller, Leserpost

1. Adblock Plus, die #rpTEN und Flattr – Ein Hoch auf die Gatekeeper!
(mobilegeeks.de, Sascha Pallenberg)
Auch der Kurator der „6 vor 9“-Medienlinks rieb sich verwundert die Augen, als er aus seinem re:publica-Begrüßungsbeutel eine als pixi-Kinderbuch daherkommende Werbeschrift des Onlineanzeigen-Verhinderers „Adblock Plus“ herausholte. Sascha Pallenberg hat sich bereits des Öfteren mit dem dahintersteckenden Unternehmen beschäftigt und findet deutliche Worte für die Kooperation: „Liebe re:publica. Du hast deine Ideale an einen Zensor verkauft. Du prostituierst dich fuer einen Gatekeeper, der eine heterogene Publishing-Landschaft zerstört. Der ehemals unabhängige, kleine aber sehr relevante Blogs, zum Aufgeben zwingt, weil ihnen die Einnahmen komplett wegbrechen.“

2. Salzburger Festspiele mit Red-Bull-Dröhnung
(faz.net, Michael Hanfeld)
„Der Sender Servus TV macht doch nicht dicht. Eigentümer und Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz hatte rot gesehen, weil er keinen Betriebsrat wollte. Oder hatte er zu viel Red Bull intus?“, fragt Michael Hanfeld von der „FAZ“. Im Artikel erklärt Hanfeld die Hintergründe zur Ein-Tages-Volte des aufbrausenden Brause-Herstellers.

3. „Neuer Tag“ endet nach neun Wochen
(taz.de)
Gerade mal neun Wochen hat die britische Tageszeitung „The New Day“ durchgehalten. Doch nun ist Schluss, trotz positiver Kritiken. Das Projekt mit einer eher unpolitischen Mischung aus Verbraucher- und Lifestyle-Themen Männer und Frauen anzusprechen und verlorengegangene Zeitungsleser zurückgewinnen, sei gescheitert.

4. Wir kommen in Frieden
(zeit.de, Patrick Beuth)
„Dies ist eine Warnung an alle, die Snapchat lieben: Auf der re:publica und anderswo formieren sich Medienhäuser und Werbeprofis. Sie planen eine Invasion.“ Patrick Beuth von der „Zeit“ wendet sich in einem offenen Brief an die Snapchat-Nutzer. „Ich weiß, wir haben unsere Differenzen. Euer Internet besteht aus Fotos und Videos, meines aus Buchstaben. Ihr findet, Regenbogenkotze sagt mehr als 1.000 Worte, ich mag Nebensätze. Ihr lest das hier vermutlich nicht einmal. Trotzdem möchte ich euch warnen: Sie sind hinter euch her! Sie kommen, um euch zu holen!“

5. Entscheidung „Verlegeranteil“ liegt im Volltext vor
(internet-law.de, Thomas Stadler)
Die Entscheidung des BGH, nach der die VG Wort nicht berechtigt ist, einen Anteil ihrer Einnahmen an Verlage abzuführen, liegt nunmehr im Volltext vor. Rechtsanwalt Thomas Stadler hat einen Blick auf die Begründung geworfen und stimmt in allen Punkten zu. Die Entscheidung des BGH wende das geltende Recht konsequent und zutreffend an. Sie führe allerdings dazu, dass die Forderung der Verlage nach einem (umfassenden) gesetzlichen Leistungsschutzrecht neuen Auftrieb erhalten werde.

6. Brief an den unbekannten Hater: Nimm die Hand aus der Hose, wenn ich mit dir rede
(spiegel.de, Margarete Stokowski)
„Spiegel“-Kolumnistin Margarete Stokowski bekommt immer wieder unschöne Leserpost. Nun hat ihr „Ruven“ mit unschönen Worten ein baldiges Ableben gewünscht („Hallo Dummsau. Ich hoffe du ertrinkst in einem deiner Transgender-Klos“). In ihrer neuen Kolumne antwortet Stokowski dem Leser.

Last Call: BILDblog Analog

Wer jetzt noch kein Ticket hat, muss sich beeilen: Unser BILDblog-Abend (heute, 19.30 Uhr, Heimathafen Neukölln) ist fast ausverkauft. Auch an der Abendkasse solltet Ihr nicht zu spät auftauchen (Einlass ist ab 19 Uhr), um nicht leer auszugehen.

Inzwischen steht auch der Musiker fest: Nach dem Theaterstück und unseren BILDblog-Geschichten wird Jakob Buhre a.k.a Cup of Jazz auflegen. Seit 2005 beswingt er Clubs in Berlin und Umland und kombiniert dabei Jazz, Funk und Soul mit Hip Hop und Electro.

Also: schnell zugreifen! Wir freuen uns.

6-vor-9-Special: Re:publica 2016, Tag 2

Hier nun der Diensta Teil unseres re:publica-Specials mit medienrelevanten Programmempfehlungen:

1. @heuteplus oder wie wir Journalisten lernen, den Shitstorm zu lieben.
(Daniel Bröckerhoff, Clas Dammann, Eva-Maria Lemke, Elmar Theveßen)
Stage 6, Di 10:00–11:00
„Social first, TV second! Technisch trivial, formal und inhaltlich aber eine Herausforderung für uns Journalisten. Durch Kommentare und Diskussionen können alle, die früher nur Zuschauer waren, selbst Teil der News werden. Follow-Ups zu heftig diskutierten Beiträgen werden so bedeutsam wie die Nachrichtenagenda, Diskussionen mit den Nutzern stehen für uns Journalisten gleichberechtigt neben der Informationsvermittlung.“

2. Wer zahlt für Nachrichtenvideos im Netz?
(Mirko Drotschmann, Friedrich Küppersbusch, Eva Messerschmidt)
Stage 7, Di 11:45–12:15
„Unge rollt für Disneys Maker Studios auf dem Longboard herum, Gronkh daddelt Minecraft für ProSiebens Studio71 und bei RTLs BroadbandTV versucht eine Pornodarstellerin – naja – lustig zu sein. So sieht das – überaus erfolgreiche – Angebot der klassischen Medienkonzerne bei YouTube aus. Nachrichten, Hintergründe, Dokus. Will keiner sehen. Aber Aufgeben gilt nicht. Amerikanische Formate wie Vice oder NowThis schaffen schließlich auch Milliarden Klicks mit News und Reportagen im Netz. Warum funktioniert das bei uns nicht? Wie kann man solche Inhalte für YouTube und Co. finanzieren? Welche Voraussetzungen brauchen journalistische Videos und deren Macher für den Erfolg im Netz?“

3. Content Marketing: Der Vormarsch der Pseudo-Journalisten
(Prof. Dr. Lutz Frühbrodt)
Stage 6, Di 13:45–14:15
„Content Marketing (CM), die pseudo-journalistische Kommunikation von Unternehmen, breitet sich im Netz immer stärker aus. Noch befüllen die Konzerne ihre Online-Magazine, Youtube-Videos und Apps größtenteils mit nutzwertigen und unterhaltenden Inhalten. Sie versuchen, sich aber auch langsam aber sicher politisch zu positionieren. Auf diese Weise beeinflussen Unternehmen zunehmend die öffentliche Meinungsbildung. Damit stellt CM eine Attacke auf die klassischen Medien wie auf den Bürgerjournalismus dar.“

4. Panama Papers: Investigative Journalism, the „Lügenpresse“ and the age of Big Leaks
(Renata Avila, Max Hoppenstedt, Frederik Obermaier)
Stage 2, Di 15:00–15:30
„From Cablegate to Snowden to the Panama Papers: The last years have seen a wide range of ways a leak can seep out. While encryption technologies for secure whistleblowing are increasingly driving investigative journalism, we are also seeing a differentiation of strategies with which media are handling and reporting on these stories. Ten years after Wikileaks was founded, many media houses have established means of receiving and handling sensitive material while organisations like Correct!v, ProPublica or the ICIJ are exploring new ways to foster and fund a renaissance in investigative Reportage. In our 30 min session, we’ll discuss the role of investigative journalism in an age of ever dwindling trust in the media, which publication strategy can work best for what sort of leak and if the future of whistleblowing is a promising one.“

5. Halt die Fresse: Hate Speech!
(Rayk Anders, Prof. Dr. Dr. Ino Augsberg, Christoph Krachten, Carline Mohr)
Stage 7, Di 15:30–16:00
„Gibt’s eigentlich noch Flame-Wars? In Gaming-Foren kamen PC- und Apple-User schon mal vom eigentlichen Thema ab und beleidigten sich gegenseitig wegen der Wahl des Betriebssystems. Die Lösung war einfach: Wer nervte, wurde ermahnt oder flog raus. Bei der Online-Hetze gegen Andersdenkende reicht das nicht. GROSSCHREIBER und Ausrufezeichenmacher nutzen alle möglichen sozialen Netze und Algorithmen stellen absurde Meinungen mit allgemein akzeptierten auf eine Stufe. Müssen Medien ihre Rhetorik ändern? Müssen Facebook und Twitter alle Einträge erst mal überprüfen? Wie bringen wir Diskussionen wieder auf ein akzeptables Niveau?“

6. BILDblog analog — der Benefiz-Abend in eigener Sache mit Theater, Redaktionsinterna und Musik, Eintritt 20 Euro
(Ingolf Lück, Stefan Niggemeier, Lorenz Meyer, Jakob Buhre, Jo Schück)
Heimathafen Neukölln, Karl Marx-Str. 141, 12043 Berlin (U7 Karl-Marx-Str.)
Kommen, Theater schauen, mit uns quatschen und feiern, BILDblog unterstützen

Weitere aus Mediensicht interessante Vorträge:
„Schleichwerbung – Alles ist erlaubt, oder.“ (Stage T 10.00 – 11.00 Uhr)
„Ad Wars – Ausflug in die Realität der Online-Werbung“ (Stage 2 11.15 – 12.15 Uhr)
„Blogger zwischen Pressefreiheit und Polizeimaßnahmen“ (Stage T 12.30 – 13.00 Uhr)
„Medienprojekte mit jungen Flüchtenden“ (Stage 4 18.00 – 18.30 Uhr)
„Netz-Publizisten im Gespräch“ (Stage 2 18.45 – 19.45 Uhr)

BILDblog analog zu gewinnen

Morgen ist es soweit — BILDblog zum Angucken und Anfassen:

Dafür verlosen wir 3×2 Karten.

Schreibt uns einfach bis morgen früh um 10 Uhr eine Mail. Unter allen Einsendern wählen wir per Zufallsprinzip drei aus und melden uns bei den Gewinnern.

Hier noch einmal alle wichtigen Infos zum BILDblog-Abend im Überblick:

  • Was gibt’s zu sehen?

    Zuerst: „Seite Eins — Theaterstück für einen Mann und ein Smartphone“ von Johannes Kram, in dem Ingolf Lück den Boulevardjournalisten Marco spielt. Ein lustiges, realistisches, erschreckendes Stück über die perfiden Methoden einer skrupellosen Zeitung.



    (Fotos: Volker Zimmermann)

    Anschließend erzählen mehrere BILDblog-Autoren von ihrer Arbeit und beantworten Fragen der Zuschauer.

    Und zum Schluss gibt’s Musik — von wem, geben wir noch bekannt.

    Durch den Abend leitet „aspekte“-Moderator Jo Schück.

  • Wann?

    Am Dienstag, 3. Mai 2016, um 19:30 Uhr (Einlass ab 19:00 Uhr).

  • Wo?

    Im Heimathafen Neukölln.
    (Karl-Marx-Straße 141, 12049 Berlin, U7-Haltestelle Karl-Marx-Straße)

  • Wie viel?

    Die Karten für den Abend kosten 20 Euro (plus Vorverkaufsgebühr). Mit den Einnahmen wollen wir den künftigen Betrieb des BILDblogs sichern — ein Benefizabend in eigener Sache also.

    Tickets gibt es hier …



    … oder direkt beim Heimathafen Neukölln oder bei „Koka 36“. (Die Tickets werden auf den Namen des Käufers ausgestellt, können aber auch gerne verschenkt werden.)

  • Wer uns bei der Gelegenheit noch gleich etwas mehr unterstützen möchte, kann auch eines der limitierten Supporter-Tickets kaufen:

    – für 50 Euro bekommen Sie einen weltexklusiven BILDblog-Jutebeutel obendrauf.

    – für 200 Euro stehen wir Ihnen bei der Party persönlich Rede und Antwort. Die Getränke gehen natürlich auf uns.

    – für 500 Euro laden wir Sie einen Tag nach der Veranstaltung zum Abendessen in unsere liebste Dönerbude in Neukölln ein.

    Dafür einfach eine kurze Mail an kontakt@bildblog.de schreiben.

  • Eine Facebook-Veranstaltung gibt’s auch, und zwar: hier.
  • Mit freundlicher Unterstützung von:

6-vor-9-Special: Re:publica 2016, Tag 1

Hier sind sie nun, die sechs medienrelevanten Vorträge des ersten re:publica-Tags, die wir uns herausgepickt haben. Nach der Konferenz gibt es eine Liste mit allen genannten Vorträgen und (so vorhanden) den Videomitschnitten auf YouTube.

1. What’s next for Twitter and News?
(Mark Little)
Stage 7, Mo 12:15–12:45
„Nach zehn Jahren ist Twitter aus der Nachrichtenlandschaft kaum mehr wegzudenken. Trotzdem oder gerade deshalb wachsen die Ansprüchen der Analysten und Nutzer an den Kurznachrichtendienst. Mark Little, Twitters Vice President of Media in Europe and Africa, gibt einen Ausblick: „What’s next for Twitter and News?“. Als Jack Dorsey vor zehn Jahren den ersten Tweet verschickte, war keineswegs abzusehen, dass der Strom an Kurzbotschaften einmal auf rund 500 Millionen pro Tag anschwellen sollte. Etwa 320 Millionen Menschen weltweit nutzen heute Twitter mindestens einmal im Monat. Das soziale Netzwerk verbuchte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 2,2 Milliarden Dollar, hat jedoch mit den Ansprüchen der Analysten zu kämpfen.“

2. Commercial Content Moderation – die Müllabfuhr im Internet!
(Moritz Riesewieck)
Stage 2, Mo 12:45–13:15
„Täglich werden Millionen Bilder in die sozialen Netzwerke geladen, die wir nie zu Gesicht bekommen. Bilder von Gewalt und Pornographie, aber auch solche, die Facebook & Co schlicht als „unangemessen“ einstufen. Gesichtet und aussortiert werden die Fotos und Videos von Billiglöhner/innen auf den Philippinen. Als Christen können die Philippinos westliche Moralvorstellungen gut einschätzen, denken die Konzerne. War es einmal Gott, der sich für die Sünder opfern wollte, so sind es heute philippinische „Content Moderators“. Posttraumatische Belastungsstörungen der Angestellten werden als Kollateralschaden eingepreist. Die Passionsgeschichte des Internetzeitalters? – Moritz Riesewieck und Sarah T. Roberts konzentrieren ihre Recherche und Forschung auf die neuen Formierungen von digitaler Arbeit und Produktion im postindustriellen Zeitalter.“

3. Slow media? Digitale Magazine als Gegengewicht zum Snackable-Content.
(Kati Krause)
Stage 7, Mo 12:45–13:15
„Im Internet kann es nie schnell genug gehen, niemals genug geben. Mehr Informationen aus immer mehr Quellen. Ungefiltert, von jedem. Dazwischen Katzenbilder.
Freunde von Freunden empfehlen, was wir lesen sollen, Algorithmen sortieren Inhalte nach Relevanz. Das Interessante geht niemals zu Ende: „10 Tricks, wie du noch mehr Informationen aufnehmen kannst.” Eine Nachricht nach der anderen wird überflogen, geteilt und in den meisten Fällen wieder vergessen. Dazwischen Katzenvideos. Mit Ruhe und Reflexion verbinden wir weiterhin Papier. Doch geht das nicht auch digital?“

4. The Making Of A Journalism Startup
(Christian Fahrenbach, Sebastian Horn, Lena Lammers, Frauke Lüpke-Narberhaus)
Media Cube, Mo 13:30–14:30
„Klingt eigentlich nicht gerade nach deutschen Verlagshäusern: Wir lassen junge Leute was Neues machen und geben Ihnen die Verantwortung dafür. Ist trotzdem so passiert und die Kritik in der Medien-Filterbubble zu den Launches war groß. Wir wollen darüber diskutieren, was bento, ze.tt und co. aus ihrem ersten Jahr gelernt haben. Wie kommen die Seiten beim breiten Publikum an? Wie ging es nach der Kritik vom Anfang weiter? Und: Braucht es überhaupt spezielle Nachrichten-Angebote für junge Leute?“

5. Facebook ist nicht nur Pediga-Hass – Vom Aktivieren der Zivilgesellschaft
(NN)
Lightning Talks 1, Mo 14:00–14:30
„Flüchtlinge und Vertriebene Herbst 2015: Auf einmal kam uns Onlinerinnen eine Aufgabe zu, mit der wir nicht gerechnet haben. Weil wir schon morgens auf dem Klo mehr kommunizieren als die meisten unserer Nachbarinnen über den ganzen Tag, waren wir im Vorteil. Wussten früher, was passiert, hatten früher die Informationen zusammen, haben früher erfahren, wie es andere vor uns gemacht haben, bei denen schon ein, zwei, viele Wochen vorher Vertriebene angekommen und in Hallen und Zelten untergebracht worden waren. Und auf einmal haben einige von uns Aufgaben übernommen, von denen sie vorher noch nie gehört haben. Waren Führungskräfte in der Zivilgesellschaft geworden und Leitungen im Ehrenamt. Viele von uns zum ersten Mal in ihrem Leben. Onlinerinnen kommt eine Schlüsselrolle im Bau der neuen Zivilgesellschaft zu, die wir annehmen müssen und ausfüllen können. (Bonustrack: Wer hätte das mit Facebook gedacht? Wahnsinn!)“

6. Wir müssen reden! Warum Rassismus im Netz noch immer Alltag ist
(NN)
Stage J, Mo 14:45–15:15
„Zehn Jahre re:publica und trotzdem ist im Netz nicht alles Glitzer, Flausch und Einhörner. Belästigungen, Beschimpfungen und in vielen fällen auch Bedrohungen sind für viele Menschen, die im Netz unterwegs sind, leider immer noch Alltag.
Durch die aktuellen Entwicklungen in der Welt, der zunehmenden Zahl von Menschen auf der Flucht, nimmt die Anzahl der rassistischen Äußerungen durch “besorgte Bürger*innen”, auch unter Klarnamen, massiv zu. Deshalb müssen wir JETZT darüber reden, wie wir mit Hass und Rassismus im Netz umgeben. Nur so kann das Internet zu einem Ort für alle werden.“

Außerdem interessant:
„Netzneutralität bis Recht auf Vergessen. wo steht die EU“ (mit Günther Oettinger, Stage 7, 15.15 – 15.45 Uhr)
„Ist die Netzneutralität in Europa noch zu retten“ (Stage 7, 16.00 – 17.00 Uhr)
„Digital Storytelling – Trends, Tools, Topics“ (Stage T, 16.00 – 17.00 Uhr)
„Spreading Free Media Worldwide – Mobile Journalism“ (Lightning Talks 1, 16.30 – 17.00 Uhr)
„Debattenkultur im Netz“ (Media Cube, 18.39 – 19.00 Uhr)
„Jahresrückblick Social-Media-Recht“ (Stage 6, 18.30 – 20.30 Uhr)

Und zum Schluss: „The Age of Trotzdem“ (Stage 1, 19.45 – 20.45 Uhr. TIpp: Wer beim Sascha-Lobo-Vortrag nicht auf dem Fußboden sitzen will, sollte rechtzeitig erscheinen.)

Haha! Hihi! Hehe!


Danke an Hilbert W.

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Danke an Stephan M.

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Danke an Gregor H.

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Danke an Matthias S.

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Danke an Thomas.

6-vor-9-Special: Re:publica 2016, Tag 0 (Vorbereitung/Vorfreude)

Am Montag startet in Berlin zum zehnten Mal die re:publica, Europas größte Konferenz für Digitalkultur, Soziales und Internet oder wie es die Veranstalter ausdrücken: „Europe’s most exciting conference on internet and society“. Dieses Jahr sind 850 Speaker aus mehr als 60 Ländern dabei. An drei Tagen gibt es 500 Stunden Programm, man rechnet mit mehr als 7.000 Teilnehmern.
Hier nun eine Sonderausgabe der „6 vor 9“-Medienlinks von BILDblog. Zur Einstimmung und Konferenzplanung für all diejenigen, die heute nach Berlin aufbrechen oder schon da sind. Und als Übersicht für all die Daheimgebliebenen, die sich aus der Ferne für das Event interessieren. Gute Anreise, man sieht sich in Berlin!

1. re:publica | TEN: Unsere Empfehlungen für den 1. Tag
(netzpolitik.org, Jonas Klaus)
Die Redaktion von „Netzpolitik“ hat sich das Programm angeschaut und die interessantesten Beiträgen des ersten Tages zusammengestellt. Natürlich aus netzpolitischer Sicht.

2. Hauptsache, sie singen am Ende nicht „Purple Rain“
(zeit.de, Patrick Beuth)
Die „Zeit“ empfiehlt zehn Vorträge und Workshops, von Randall „XKCD“ Munroe über Politik mit Big Data bis zu Satire gegen Terror. Unvollständig und streng subjektiv wie man betont.

3. Auf diese re:publica-Sessions freuen wir uns
(rp-online.de)
Auch das Team von „RP Online“ ist vor Ort und wird im Zeitgeist-Blog von der re:publica berichten. Vorab hat jeder Redakteur seine persönliche Programmempfehlung abgegeben.

4. re:publica: Diese 10 Sessions solltet ihr euch rot im Kalender anstreichen [#rpTEN]
(Daniel Hüfner)
Die Redaktion von „t3n“ („Magazin für digitales Business“) verrät, welche Sessions man sich unbedingt rot im Kalender anstreichen sollte. Die Spanne reicht von „Der Vormarsch der Pseudo-Journalisten“ mit Prof. Dr. Lutz Frühbrodt bis zu „The Age of Trotzdem“ von Sascha Lobo.

5. Hinter den Kulissen von BILDblog
(bildblog.de)
Ihr habt am Dienstagabend noch nichts vor? BILDblog veranstaltet einen Benefizabend in eigener Sache. Es gibt ein Theaterstück mit Ingolf Lück, Anekdoten und Redaktionsinterna mit BILDblog-Gründer Stefan Niggemeier, dem jetzigen BILDblog-Chef Mats Schönauer und „6 vor 9“-Kurator Lorenz Meyer. Und Musik. (Ich bin befangen, dennoch: Das wird ne tolle Sache!)

6. Rahmenprogramm re:publica 2016 #rpten
(cortexdigital.de, Stefan Evertz)
Und wer nach all den Veranstaltungen immer noch Kraft und Energien hat: Neben der offiziellen Rahmenprogramm-Liste gibt es noch die inoffizielle Liste aller Side Events und Partys, sortiert nach Datum und Uhrzeit.

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