Mit einem Komma zum Rufmord


Danke an Tina F.

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Danke an Esta K.

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Danke an Yannick N.

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Danke an Frederik G.

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Danke an Heiko G.

Spiegel Daily, Kristallkugel Demoskopie, Martenstoned

1. Erste Details zu „Spiegel Daily“
(horizont.net, Ulrike Simon)
Der „Spiegel“ will in den nächsten Monaten die digitale Tageszeitung „Spiegel Daily“ starten. Ulrike Simon liefert erste Einblicke in das redaktionelle Konzept, das mehrstufige Abomodell und das Zusammenspiel mit „Spiegel Online“. Die offizielle Pressemitteilung dazu gibt es hier. Projektbeteiligter Cordt Schnibben schildert auf seiner Facebookseite die Entstehungsgeschichte der Idee vom ersten Prototypen bis heute. Und kann sich einen Seitenhieb auf seinen ehemaligen Chefredakteur nicht verkneifen.

2. „Eine beeindruckende Gestalt“
(sueddeutsche.de, Evelyn Roll)
Der Publizist Jürgen Todenhöfer ist seit kurzem Herausgeber des „Freitag“. Chefredakteur Jakob Augstein erklärt, warum. Die Zuweisung „umstritten“ in der Eingangsfrage will er nicht so stehen lassen: „Sie sagen, er sei umstritten. Das ist doch interessant – dem arrivierten Medienbetrieb ist ausgerechnet ein Mann suspekt, der nicht vom Schreibtisch aus urteilt, sondern sich selbst ein Bild macht. Eine sonderbare Umkehrung. Die meisten von uns haben ihre Informationen aus dem Netz oder aus dem Fernsehen und verlassen sich blind darauf. Aber jemand, der es selber wissen will, der sich Mühen und Gefahren der Reise und der Recherche aussetzt, der ist uns verdächtig.“

3. Ist das zu viel des Trump? Nein.
(udostiehl.wordpress.com)
Muss wirklich jeder Schritt des neuen amerikanischen Präsidenten auseinandergenommen werden? Auf jeden Fall und mit aller Konsequenz, findet Udo Stiehl: „Es dauert vielleicht jetzt etwas länger, bis ein ausgewogener und verlässlicher Artikel geschrieben ist, oder ein entsprechender Fernseh- oder Hörfunkbeitrag. Das kostet Zeit und Kraft. Aber das dürfen unsere Zuschauer, Hörer und Leser wohl auch erwarten von uns.“

4. „Regierung ist nicht die Instanz“
(taz.de, René Martens)
Die Bundesregierung plant, gesetzlich gegen sogenannte Fake News vorzugehen. Im Gespräch ist auch ein „Abwehrzentrum gegen Desinformation“. Der Rechtswissenschaftler und emeritierter Professor für öffentliches Recht Karl-Heinz Ladeur warnt vor solchen staatlichen Maßnahmen und regt die Einrichtung privater Schiedsgerichte an.

5. Die Kristallkugel
(de.ejo-online.eu, Thomas Petersen)
Thomas Petersen ist Privatdozent an der TU Dresden und arbeitet als Projektleiter am „Institut für Demoskopie Allensbach“. In seinem Beitrag erklärt er, was Demoskopie leisten kann und was nicht. Umfrageforscher würden viel zu oft als Wahrsager wahrgenommen werden. Für ihn ist das nichts: „Wenn mir das nächste Mal wieder ein Journalist die Kristallkugel entgegenhält mit der Aufforderung, hineinzuschauen, sollte ich sie vielleicht gleich an ihn weiterreichen.“

6. Über Flüchtlinge, Autos, Wohlbefinden und Todesgefahren.
(herrfischer.net, Tin Fischer)
Tin Fischer hat die neueste Martenstein-Kolumne im Zeit-Magazin gelesen („Opferzahlen und Gewissensfragen“). Darin fragt Martenstein „Würden Sie Ihr Leben opfern, um 20 Flüchtlinge zu retten?“ Fischer kam ins Grübeln und hat sich in die offiziellen Zahlen eingearbeitet. Abgesehen davon, dass die Martenstein-Zahl angreifbar ist, kommt Fischer zu dem Schluss, dass die größte Bedrohung für sein Leben, die direkt von anderen Leuten ausgeht, laut „Todesursachen“-Rubrik des Statistischen Bundesamtes Autos und LKWs seien. Also dreht er die Argumentationsrichtung: „Ich will Harald Martenstein nicht unterstellen, dass er mit seinem Auto nur durch Berlin fährt, um an einer Kreuzung mal eben schnell rechts abzubiegen, wenn er mich mit meinem Fahrrad im Rückspiegel sieht. Aber sagen wir es so: er nimmt es zumindest ein klein wenig in Kauf, mich allenfalls umzubringen.“

waz.de  

Ganz schlechte Idee (Symbolbild)

Ein Säugling, der Anfang Januar mit schweren Verletzungen in eine Klinik gebracht wurde, ist am vergangenen Montag gestorben.

Die Redaktion der „WAZ“ berichtet heute online über den Tod des zehn Wochen alten Jungen. Und hielt es für eine gute Idee, dieses Symbolfoto für den Artikel zu nehmen:

Nach empörten Leserkommentaren („Das ist nicht Ihr Ernst …“) hat die Redaktion eingesehen, dass die Wahl vielleicht doch nicht ganz angemessen war, und das Bild ausgetauscht:

Mit Dank an Daniel für den Hinweis!

Schumacher-Entschädigung, Flüchtlings-FAQ, Döpfner-Sorgen

1. „Was Wahrheit ist, definiert keine Regierung“
(welt.de, Antje Homburger & Esteban Engel)
Mathias Döpfner ist seit vielen Jahren Vorstandsvorsitzender bei „Axel Springer“ und seit Oktober 2016 auch Präsident des „Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger“ (BDZV). Im Gespräch mit der „Welt“ mahnt er die Medien zu mehr Glaubwürdigkeit – auch im Kampf gegen „Fake News“. Aufgabe der Medien sei es, zu recherchieren und wahrhaftig zu berichten. Falsch sei es jedoch, dass professionelle Medien jetzt sozialen Medien helfen sollen, Fake News zu identifizieren und Fakten zu checken: „Wenn soziale Medien nicht mehr Technologieplattformen, sondern Medienunternehmen betreiben wollen, dann müssen sie Redakteure einstellen, die Kosten einrechnen und sich mit einer anderen Regulierung auseinandersetzen. Denn wenn ein Technologiemonopol fast zwei Milliarden Leser erreicht und die Inhalteauswahl kontrolliert, ist das das genaue Gegenteil von Vielfalt.“
Döpfner sieht sich aber auch als Opfer weiterer angeblicher Zumutungen wie dem aus seiner Sicht überzogenen Mindestlohn: „Die Politik sollte überlegen, wie sie uns Knüppel, etwa Überregulierung, weltfremden Datenschutz oder einen überzogenen Mindestlohn im Vertrieb, erspart.“

2. Funke Mediengruppe muss an Corinna Schumacher zahlen
(faz.net, Michael Hanfeld)
Das Oberlandesgericht in Hamburg hat es nun endgültig entschieden: Die „Funke Mediengruppe“ muss an Corinna Schumacher eine Geldentschädigung von 60.000 Euro zahlen. Gegenstand der gerichtlichen Auseinandersetzung waren Bilder, die sie auf dem Weg ins Krankenhaus in Grenoble zeigen. Und die auch dann noch gedruckt worden seien, als bereits einstweilige Verfügungen und Unterlassungserklärungen vorlagen.

3. Flüchtlingsforschung gegen Mythen 5
(fluechtlingsforschung.net, Ulrike Krause)
Im fünften Teil der Serie „Flüchtlingsforschung gegen Mythen“ kommentieren Mitglieder des „Netzwerks Flüchtlingsforschung“ erneut typische Falschaussagen und Behauptungen aus der Flüchtlingsdebatte. Mit dabei ist auch die Antwort auf die Frauke-Petry-Forderung, das Asylrecht nach Artikel 16a abzuändern und in ein Gnadenrecht des Staates umzuwandeln. Kompetentes Factchecking von Experten (wie auch bei den bereits vorangegangenen Teile der Serie).

4. Wen verlinken die Bundestagsabgeordneten auf Twitter?
(bundestwitter.de)
Der „Bundestwitter“-Macher hat 2016 über einen Zeitraum von sechs Monaten alle Tweets und Retweets der Bundestagsabgeordneten aufgezeichnet und ausgewertet. Welche klassischen Medien werden am häufigsten verlinkt? Wie sieht die Verlinkung zu den sozialen Medien wie Twitter, Facebook und Co. aus? Im Beitrag werden die entscheidenden Informationen übersichtlich und gut lesbar aufbereitet.

5. Merkel muss öffentlich Stellung beziehen
(reporter-ohne-grenzen.de)
„Reporter ohne Grenzen“ hat Bundeskanzlerin Angela Merkel aufgefordert, bei ihrer heutigen Reise in die Türkei öffentlich Stellung zum Thema Pressefreiheit zu beziehen und die Freilassung von inhaftierten Journalisten zu fordern.

6. Und am Wochenende geht´s ins Frauenhaus!
(blog-cj.de, Christian Jakubetz)
Christian Jakubetz hat früher selbst mal bei einer Regionalzeitung gearbeitet und ist deshalb vielleicht besonders offen, als ihn eine freundliche Dame im Supermarkt zu einem zweiwöchigen Probeabo einer Regionalzeitung überredet. Nach einer Woche Lektüre zieht er nun ein Zwischenresumee. Ohne zu viel spoilern zu wollen: Die Heimatzeitung sollte sich nicht allzu große Hoffnungen auf einen neuen Abonnenten machen.

Bild, Bild.de, oe24.at  etc.

Beim EU-Stifte-Verbot wird’s „Bild“ zu bunt

Welche Bausteine braucht eine Redaktion, wenn sie ihren Lesern mit einem einzigen Artikel mal wieder vor Augen führen will, wie blöd die Europäische Union eigentlich ist?

Irgendwas mit Regulierung wäre gut, am besten ein Regulierungs-Irrsinn. Und ein Verbot müsste es geben. Immer wollen diese Eurokraten uns Bürgern was verbieten. Und dann müsste die ganze Sache im Verborgenen abgelaufen sein. Und man müsste noch mal klarmachen, dass das alles Firlefanz ist und es doch eigentlich ganz andere, wichtigere Probleme in Europa gibt, die man anpacken müsste. Und wenn dann noch durch Kinder Emotionen im Spiel sind — Bingo!

Dirk Hören, bei „Bild“ eigentlich für die Zahlenjonglage verantwortlich, hat so eine eierlegende EU-Wollmilchsau gefunden. Vergangenen Freitag präsentierte er sie auf der Titelseite des Blatts:

Und auch bei Bild.de erschien sein Text:

Das geht in der Überschrift ja schon mal gut los: Verbot durch die Eurokraten ✅

Und auch der Artikeleinstieg in der „Bild“-Zeitung …

Neuer EU-Irrsinn

… beziehungsweise bei Bild.de …

Neuer Regulierungs-Irrsinn aus Brüssel

… passt perfekt ins EU-Bashing. Doppeltreffer: Regulierung ✅ Irrsinn ✅

Wie sieht’s aus mit der Heimlichtuerei in Brüssel? Auch da hat Dirk Hören was:

Die EU hat — unbemerkt von der Öffentlichkeit — die Grenzwerte für Blei in Kinderspielzeug drastisch verschärft.

Agieren im Verborgenen ✅

Und der Firlefanz? Für den Punkt nutzt Hören ein Zitat von CSU-Politiker Markus Ferber:

Der CSU-EU-Abgeordnete Markus Ferber: „Es wäre besser, die großen Probleme anzupacken, statt Kinder in ihrer Kreativität einzuschränken.“

Um Wichtigeres kümmern ✅
Arme Kinder ✅

Andere Medien berichteten ebenfalls über die EU-Entscheidung und bezogen sich dabei größtenteils auf den „Bild“-Artikel. Als Beispiel hier das österreichische Knallportal oe24.at, das von dem angeblichen Stifte-Verbot besonders „genervt“ war:

Es ist so: Die Europäische Union hat die Grenzwerte für Blei in Kinderspielzeug gesenkt. Davon sind unter anderem auch Buntstifte und Wasserfarben betroffen. Buntstifte dürfen ab 2018 nur noch zwei Milligramm Blei pro Kilogramm Spielmaterial enthalten. Bisher sind 13,5 Milligramm erlaubt. Bei Wasserfarben wurde der Grenzwert von 3,4 auf 0,5 Milligramm herabgesetzt.

Dirk Hören schreibt:

Das Problem: Fast alle Kinder-Farben enthalten den Füllstoff Kaolin und das Weißpigmet Titandioxid. Das sind Mineralien aus der Erdrinde und enthalten deshalb von Natur aus geringste Spuren Blei, die chemisch nicht entfernt werden können. Betroffen von dem Verbot sind vor allem helle Farbtöne, weil sie viel Weißpigmet enthalten.

Also können Kinder jetzt bald gar nicht mehr mit Buntstiften und Wasserfarben malen? Werden sie in ihrer Kreativität eingeschränkt, wie CSU-Mann Ferber behauptet? Mitnichten.

Noch am selben Tag, an dem der „Bild“-Bericht erschien, veröffentlichte die Deutschland-Vertretung der Europäischen Kommission eine „Klarstellung“:

Gleich zu Beginn heißt es:

Die Europäische Kommission weist einen Bericht der „Bild“-Zeitung zurück, laut dem die EU Buntstifte und Wasserfarben verbiete.

Die niedrigeren Grenzwerte für Blei in Spielzeug basierten „auf den aktuellsten wissenschaftlichen Erkenntnissen, die bestätigen, dass Blei gerade für Kinder giftiger ist, als man viele Jahre glaubte.“ Neueste Daten zeigten, „dass es keinen sicheren Grenzwerte für Blei gibt und dass sogar kleinste Mengen schädlich für die Entwicklung des kindlichen Gehirns sein können.“

Ein Großteil der betroffenen Spielzeuge erfülle bereits die notwendigen Grenzwerte für Blei, „drei Arten von Malwerkzeugen“ habe man allerdings entdeckt, „von denen einige wenige die strengeren Grenzwerte nicht erfüllen: Fingerfarben, Buntstifte und Wasserfarbenkästen.“ Dazu schreibt die Deutschland-Vertretung der Europäischen Kommission auf ihrer Facebook-Seite:

70 bis 80 Prozent der Buntstifte und Wasserfarben erfüllen die schärferen Blei-Grenzwerte aber bereits locker. Buntstifte und Wasserfarben wird es weiter zu kaufen geben, die „Kreativität der Kinder“ wird also nicht eingeschränkt.

Einen Tag später griffen „Bild“ und Dirk Hören das Thema noch einmal auf:

Die Info, dass die Kommission einen „Bericht der ‚Bild‘-Zeitung“ zurückgewiesen hat, hat leider nicht mehr in die kurze Meldung gepasst.

Mit Dank an Johannes K. und Jan H. für die Hinweise!

BILDblog dankt

Schon wieder ist ein Monat rum — höchste Zeit also, dass wir uns bei all denen bedanken, die mit ihren Überweisungen dazu beitragen, dass es das BILDblog überhaupt gibt. Wir schaffen es leider zeitlich nicht, jeden Einzelnen bei StudiVZ zu suchen, zu finden und zu gruscheln. Dafür gibt es hier aber jeden Monat ein großes SammelDankeschön.

Sollte Ihr Name noch nicht in der Liste unten auftauchen, obwohl Sie große Lust hätten, mal einen Dank vom BILDblog zu bekommen — kleiner Tipp: Es ist ganz einfach, uns zu unterstützen. Und Leuten, die einen Dauerauftrag einrichten, danke wir auch jeden Monat aufs Neue.

Also, 1000 Dank für die tolle Unterstützung im Januar an:

Achim K., Alexander H., Andrea S., Andreas F., Andreas H., Andreas K., Andreas L., Andreas N., Andreas P., Andreas R., Andreas W., Angela Z., Anika S., Anja C., Anna S., Arne L., Bastian C., Benedikt S., Benedikt v. W., Benjamin B., Benjamin M., Berenike L., Bianca B., Björn R., Björn T., Bo G., Bodo S., Carsten S., Christian B., Christof S., Christoph M., Claudia H., Daniel H., Dario S., David R., Dennis B. H., Dietmar N., Dirk A., Dominique T., Dorothea A., Eik L., Ekkart K., Elias I., Elmar M., Fabian L., Fabian Ü., Flemming B., Florian J., Frank V., Frank W. B., Frank W., Friedhelm K., Gerhard D., Gesine D., Gregor A. K., Guido R. S., Hannes R. S., Hans-C. O., Heiko H., Heiko K., Henning F., Henning R., Holger B., Ingo v. L., Ingrid B., Ivan B., Jacob D., Jan N. K., Jan O. W., Jan P. S., Jan P., Jan-P. B., Jan-R. H., Jennifer H., Jens B., Jens D., Johannes K., Johannes L., Johannes P., Jonas S., Jörn L., Julia T., Jürgen S., Katrin U., Klaus W., Klaus-D. S., Lars K., Lena-L. V., Leonard B., Lothar K., Manuel O., Marc B., Marc S., Marcel B., Marcel S., Marco S., Marco W., Marcus H., Marcus K., Marcus S., Margit G., Mario U., Markus K., Martin M., Martin R., Martin S., Martin W., Matthias B., Matthias M., Matthias S. S., Maximilian W., Michael K., Michael N., Michael R., Michael S., Michael W., Michaela G., Moritz D. B., Moritz D., Moritz K., Moritz V., Nicole P., Nikola M., Nils D., Nils K., Nils P., Olaf P., Oliver K., Oliver M., Oliver R., Patrick W., Paul-B. R., Peter J., Peter K., Peter S., Peter W., Philipp G., Philipp H., Philipp S., Philipp W., Pia K., Robert K., Roman K., Sandra C. K.-W., Sascha S., Sascha-S. H., Sebastian F., Sebastian G. H., Simon S., Simon T., Stanley S., Stefan L., Stefan R., Steve H., Sumangali S., Sven F., Thomas E., Thomas H., Thomas L., Thomas M., Thomas S., Thorsten B., Till W., Tilman H., Tim H., Tobias H., Tobias W., Toralf B., Torsten P., Udo G. G., Ute S., Uwe F., Uwe K., Verena F., Volker B., Volkmar D., Werner R. B., Wiebke S., Yannic S., Yannick B., Yvonne T., Zeno K.!

Sehen alle gleich aus (13)

Manchmal schreiben Fußballreporter ja, dass Abwehrspieler XY „auf der Auswechselbank versauert“. Oder dass er dort „schmort“. „Abwehrspieler XY ist auf der Auswechselbank ein Bart gewachsen und er ist acht Zentimeter größer geworden“ liest man hingegen nicht so häufig. Ist jetzt aber gerade erst passiert, beim FC St. Pauli, laut Bild.de:

Die „Höchststrafe“ für Pauli-Profi Marc Hornschuh soll darin bestanden haben, dass er am Sonntag beim Zweitligaspiel gegen den VfB Stuttgart die gesamte Zeit auf der Bank sitzen musste, und Trainer Ewald Lienen ihn nicht einwechselte.

Und so ereignete sich dann im Millerntor-Stadion diese beachtliche Metamorphose: Da setzt sich Hornschuh ohne nennenswerten Bart und 1,88 Meter groß vor dem Spiel auf die Auswechselbank. Und nach 90 Minuten hat er einen Vollbart, ist 1,96 Meter groß und sieht aus wie sein Teamkollege Lasse Sobiech:

Gut, zugegeben: Marc Hornschuh hat sich durch seinen Bankaufenthalt gar nicht verändert. Es handelt sich schlicht um eine Verwechslung durch Bild.de.

Wobei: Die Quelle des Fehlers liegt in diesem Fall hauptsächlich gar nicht mal bei der Redaktion. Der „Getty“-Fotograf Stuart Franklin, von dem das Foto von Lasse Sobiech stammt, hat es mit „Marc Hornschuh“ verschlagwortet. Und auch Franklin kann man keinen allzu großen Vorwurf machen. Denn wenn man sich das komplette Foto anschaut, sieht man, dass das linke Bein der Trainingshose von Sobiech mit der Nummer 16 beflockt ist. Und das ist die Rückennummer von Marc Hornschuh.

Inzwischen hat auch die Bild.de-Redaktion den Fehler bemerkt und das Foto ausgetauscht.

Mit Dank an @tmigge und @stammtischphilo für Hinweis und Hilfe!

Verkalkter Schwachsinn, Dümmste Zeitungsfusion, Rechts-Monitoring

1. Rein in die rechte Blase
(taz.de, Lalon Sander)
Die „taz“ startet eine monatliche Zusammenfassung der Diskussionen in rechten Medien, auch „damit unsere Leser*innen es nicht selbst tun müssen“. In der Januarausgabe widmet man sich ausführlich und mit zahlreichen Beispielen den Onlineauftritten von „PI-News“ und den Onlineausgaben von „Compact“ und „Junge Freiheit“. Am Ende des Beitrags gibt es quasi als Bonus eine Auswahl von drei Meldungen der untersuchten Medien, die sich als komplette Falschmeldungen erwiesen hätten.

2. Verkalkter Schwachsinn im „Zeit-Magazin“
(blog.gwup.net, Bernd Harder)
„Verkalkter Schwachsinn!“ Der Pressesprecher der Skeptikerorganisation „GWUP“ Bernd Harder findet deutliche Worte für einen Artikel des „Zeit-Magazins“. Gegenstand von Harders Kritik: Der lobpreisende Kolumnenbeitrag des „Zeit“-Creative-Directors Mirko Borsche über einen angeblichen Wunderapparat zur Wasserentkalkung für stolze 840 Euro. Borsche, der nach eigenem Bekunden Schwierigkeiten mit Chemie und Physik hat, ist anscheinend ein profundes Opfer des Placebo-Effekts geworden. Passend dazu sein trotziger Schlusssatz, der zusammen mit dem Totschlag-Zitat „Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als Eure Schulweisheit sich träumen lässt“ als der goldene Satz von Esoterik, Parawissenschaften und sogenannter Alternativmedizin gelten könnte: „Egal – Hauptsache, es funktioniert!“

3. Fox News löscht Tweet nach Beschwerde Kanadas
(spiegel.de)
Der konservative US-TV-Sender „Fox News“ verbreitete auf Twitter die falsche Nachricht, der mutmaßliche Attentäter von Québec sei marokkanischer Herkunft. Beim Verdächtigen handelt es sich jedoch um einen Frankokanadier. Daraufhin hat sich das Büro des kanadischen Ministerpräsidenten Justin Trudeau eingeschaltet und auf die „falsche und irreführende Sprache“ hingewiesen. Der Tweet verletzte die Ehre der Opfer, weil dieser Fehlinformationen verbreite, mit Identitätspolitik spiele, Angst erzeuge und die Spaltung von Gemeinden vorantreibe. Der Sender hat mittlerweile reagiert, sein Bedauern ausgedrückt und die Tweets gelöscht.

4. Laudatio zum Anglizismus des Jahres 2016: Fake News
(sprachlog.de, Anatol Stefanowitsch)
Linguist Anatol Stefanowitsch beschäftigt sich mit dem Anglizismus des Jahres 2016: „Fake News“. Er schlägt dabei einen Bogen vom ersten Auftauchen des Begriffs in der Zeitschrift „American Historical Register“ vom November 1894 bis zur Jetztzeit.

5. Die Erbsünde der Dummheit
(verlag.baz.ch, Kurt W. Zimmermann)
Der Chefredakteur des Magazins „Schweizer Journalist“, Kurt W. Zimmermann, wütet über die seiner Ansicht nach „dümmste Zeitungsfusion der Zeitungsgeschichte“. Der Ärger fängt für ihn in den Siebziger Jahren an, als die linksliberale „National-Zeitung“ mit den bürgerlich-konservativen „Basler Nachrichten“ fusionierten: „Man verschmolz den Lahmen mit dem Blinden“. Die neu entstandene „Basler Zeitung“ sei über lange Zeit ein “ lebensuntüchtigen Zwitter“, eine „Plattform der Unverbindlichkeit“ gewesen, ein „Wischiwaschi-Blatt“. Mittlerweile habe die „Basler Zeitung“ wieder eine (konservative) Linie gefunden. Doch es sei es ziemlich egal, wo die Basler Zeitung politisch stehe: „Sie wird niemals geliebt werden. Sie wird ihre Erbsünde nicht los. Die Erbsünde ist die dümmste Zeitungsfusion der Zeitungsgeschichte.“

6. Entsorgt (13): Cover-Chats — „Mal ne Frage wegen Titel“
(kioskforscher.wordpress.com, Markus Böhm)
Magazincover wollen auffallen. Das kann gut gehen und das kann … nunja … weniger gut ausgehen. „Kioskforscher“ Markus Böhm hat sich 16 Cover angeschaut, vom Fitnessheft für Schwangere bis zum Schwulen-Magazin. Und er lässt über fiktive Chat-Dialoge die beteiligten Redakteure und Grafiker mitteilen, was sie sich beim jeweiligen Cover gedacht haben.

Mit einem Klick zur Schizophrenie

Was ist schlimmer als Dr. Google? Richtig: Psycho-Doc Bild.de. Die Küchenpsychologen aus dem Axel-Springer-Hochhaus haben heute diesen Artikel auf ihrer Startseite veröffentlicht:

Jaha, so einfach ist das: Einmal kurz bei Bild.de vorbeigesurft, Foto angeschaut — zack — schon weiß man, ob man schizophren ist oder nicht.

Eigentlich gilt die Diagnose einer schizophrenen Psychose als recht schwierig, häufig wird die Erkrankung erst Jahre nach ihrem Ausbruch von Ärzten erkannt. Das Versprechen auf der Bild.de-Startseite hingegen: alles kinderleicht.

„DIESES BILD“, mit dem die Redaktion das Versprechen erfüllen will, ist eine sogenannte Hollow-Face-Illusion. Die Gesichtsmaske, die nach innen gewölbt ist, wird von den meisten Menschen als nach außen gewölbt wahrgenommen. Das Gehirn spielt dem Betrachter einen Streich. Dieses Video einer rotierenden Charlie-Chaplin-Maske zeigt den Effekt ganz schön.

Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover haben 2009 einen Test durchgeführt: Sie haben Probanden mit einer schizophrenen Psychose und Probanden, die nicht schizophren sind, die Hollow-Face-Illusion gezeigt. Die Teilnehmer mit schizophrener Psychose haben die nach innen gewölbte Maske als nach innen gewölbte Maske erkannt; die Teilnehmer ohne schizophrener Psychose haben sie als nach außen gewölbtes Gesicht wahrgenommen.

Acht Jahre später wollen die Hobbydoktoren von Bild.de diesen Test also noch einmal machen. Aber …

Aber kann ein einziges Bild die Krankheit aufdecken?

JA!, sagen Forscher der Uni Hannover

Nach aktuellem Stand sind — der Bild.de-Logik folgend — 14 Prozent der knapp 100.000 Teilnehmer schizophren:

Erst fünf Absätze, nachdem man das Ergebnis bekommen hat, und nachdem Bild.de auf der Startseite „DIESES BILD SAGT ES DIR! Bist du schizophren?“ getitelt hat und über den Artikel „EINMAL ANSCHAUEN REICHT! — Dieses Bild sagt dir, ob du schizophrene Züge hast“ geschrieben hat und im Artikel behauptet hat, dass „ein einziges Bild die Krankheit aufdecken“ könne, kommt diese Einordnung:

Wenn man sich zum Beispiel jetzt „Sorgen macht“, weil man beim großen Bild.de-Schizophrenie-Test zu den 14 Prozent gehört.

Welt.de hat vorgestern auch über die optische Täuschung und den Versuch mit der Hollow-Face-Illusion berichtet. Im Gegensatz zu ihren Springer-Kollegen von Bild.de hat die Welt.de-Autorin allerdings darauf verzichtet, aus dem Thema ein Spiel und die eigenen Leser zu Testobjekten zu machen, und direkt am Anfang das Ganze ordentlich eingeordnet:

Kann man mit Hilfe einer einfachen optischen Illusion eine psychische Krankheit erkennen? Nein, ganz so einfach ist es natürlich nicht.

AfD-Journalisten-Rauswurf, Funks Verlade, Undercover Boss

1. Mut zur Lücke: Medien-Reaktionen auf den Journalisten-Rauswurf
(flurfunk-dresden.de, Andreas Szabo)
Am vergangenen Samstag haben die Delegierten des AfD-Landesparteitages Sachsen einen Journalisten der „Sächsischen Zeitung“ rausgeschmissen. Der Vorwurf: Der Journalist sei angeblich für „Hetzartikel“ verantwortlich. Dies sorgte für viel Kritik an der Partei und ihrem Verständnis von Presse- und Meinungsfreiheit. Die „Morgenpost Sachsen“ reagierte mit einem Boykott der Berichterstattung und druckte eine leere Seite mit Infokasten ab. Andreas Szabo hat nun das Medienecho auf den Vorfall zusammengefasst.

2. Are you FUNKing kidding me?
(fettlogik.wordpress.com)
Man muss zweimal hinschauen, weil man es nicht glauben mag: „Funk“, das Online-Medienangebot der ARD und des ZDF für Jugendliche und junge Erwachsene, hat mehreren jungen Frauen vorgegaukelt, sie hätten ein „Ernährungscoaching“ gewonnen und sie zum Videodreh in einen Supermarkt eingeladen. Statt sie zu beraten, hat eine falsche Ernährungsberaterin die Teilnehmer jedoch vor laufender Kamera bloßgestellt und wüst beschimpft („viel zu fett“) bis diese genug hatten oder weinend zusammenbrachen. Darauf erschien ein zuvor versteckter Flashmob-Chor, der den Opfern der fragwürdigen Aktion vorträllerte, dass sie toll seien und bloß bleiben sollen, wie sie sind. (Überschrift auf Facebook: „Lasst euch nicht verbiegen, Mädels! Kuss-Smiley #bleibdu“)
Nadja Hermann hat auseinandergedröselt, was alles an der Aktion misslungen ist. In den Kommentaren hat sich mittlerweile eine Teilnehmerin gemeldet, die von dem für sie furchtbaren Erlebnis berichtet. Und auch „Funk“ hat dort Stellung bezogen: Eine „grundpositive Botschaft“ habe man vermitteln wollen.

3. „Bloggen ist eine Kulturtechnik“
(goethe.de, Ula Brunner & Klaus Lüber)
Das Goethe-Institut hat sich an die seiner Ansicht nach wichtigsten deutschen Medienblogger gewandt: Inwiefern kann und will ein Medienblog erfolgreich eine Gegenöffentlichkeit etablieren, welche Ziele verfolgen die Macher?
Es gibt Kurzinterviews mit „Carta“, „Netzpolitik“, „Fit für Journalismus“, „Übermedien“, „iRights“, „Franziskript“, „Indiskretion Ehrensache“, „Inge Seibel“ und last not but least, dem „BILDblog“.

4. Deutsches Doku-TV „verkrustet in der Erzählweise“
(dwdl.de, Christian Fahrenbach)
Dokumentarfilmer Marcel Mettelsiefen hat für „Watani: My Homeland“ über Jahre hinweg eine syrische Familie auf ihrem Weg aus Aleppo nach Deutschland begleitet. Nun ist der Film im Gespräch für einen Oscar. „DWDL“ hat mit dem Filmer über die Doku-TV-Branche, Journalisten mit Haltung und den schwer zu beeinflussenden Oscar-Zirkus gesprochen. Der Weg war steinig und schwer: Mettelsiefen hat den Film über drei Jahre selbst vorfinanziert und ist viele Risiken eingegangen.

5. Verdeckte Verbindungen
(taz.de, Felix Krebs)
Andreas Speit berichtet in der „taz“ über das neurechte „Institut für Staatspolitik“ (IfS) um Götz Kubitschek und Ellen Kositza. Trotz aller Bemühungen der Neuen Rechten um Distanz zur alten Rechten, gäbe es Hinweise auf Verbindungen zu einem NPD-Bundesvorstandsmitglied.

6. Die erfolgreichste Dauerwerbesendung im deutschen TV
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Timo Niemeier hat sich die aktuelle Folge von RTLs oftmals quotenbringenden „Undercover Boss“ angesehen, bei der sich ein Kreuzfahrtchef angeblich undercover unter seine Belegschaft mischt. Das Ganze gleiche einer einstündigen Dauerwerbesendung: „Ungehemmt dürfen Geschäftspartner und Investoren erzählen, wie toll die Zusammenarbeit mit Nicko Cruises läuft. Die Insolvenz von vor zwei Jahren? Längst vergessen! Heute läuft alles bestens. Und auch die Frau des Firmenchefs darf in die Kamera trällern, wie toll der Undercover-Einsatz für ihren Mann sei. Das ist alles so berechenbar, dass sich die Zehennägel biegen.“

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