Unfallbilder, Zensur, Google News

1. „In eigener Sache: Warum wir keine Unfallbilder zeigen“
(racingblog.de, Don Dahlmann)
Don Dahlmann schreibt nach dem Unglück von Jules Bianchi beim Formel-1-Rennen in Suzuka auf, wie er mit Bildern oder Videos von Unfällen umgeht: „Wenn die Gesundheitssituation eines Unfallbeteiligten unklar ist und wenn wir nicht wissen, ob der Unfall schwere, bleibende Schäden hinterlässt, werden wir keine Bilder zeigen.“ Siehe dazu auch den Facebook-Eintrag zur Berichterstattung von „Bild“.

2. „In eigener Sache“
(dagmar-woehrl.de)
Die RTL-Sendung „Punkt 12″ entschuldigt sich bei Dagmar Wöhrl, die falsch wiedergegeben wurde: „Wir möchten folgendes richtigstellen: Heute in der Sendung haben wir berichtet, die CSU-Politikerin Dagmar Wöhrl habe gefordert, jeder solle Flüchtlinge in seiner Wohnung aufnehmen. Wortwörtlich hat Frau Wöhrl aber gesagt: ‘Wenn hilfsbereite Mitmenschen ihre Türen für Flüchtlinge öffnen wollen, dann sollten wir diese nicht durch staatliche Schranken verschließen.'“

3. „Katz-und-Maus-Spiel mit dem Zensor“
(nzz.ch, Mike S. Schäfer und Adrian Rauchfleisch)
Freiräume und Zensur in der chinesischen Medienlandschaft: „30 Prozent der als problematisch angesehenen Beiträge werden innerhalb von 30 Minuten gelöscht, 90 Prozent innerhalb eines Tages.“

4. „Taking the fight for #transparency to court“
(blog.twitter.com, Ben Lee, englisch)
Twitter geht rechtlich vor gegen von der US-Regierung auferlegte Zensurmaßnahmen: „Our ability to speak has been restricted by laws that prohibit and even criminalize a service provider like us from disclosing the exact number of national security letters (‘NSLs’) and Foreign Intelligence Surveillance Act (‘FISA’) court orders received — even if that number is zero.“

5. „Google’s ‘In The News’ Box Now Lists More Than Traditional News Sites“
(searchengineland.com, Danny Sullivan, englisch)
„Google News“ scheint seine Quellen erweitern zu wollen: „Google has confirmed that new ‘In The News’ box appearing in some of its search results now lists content from more than just the traditional news sites. Discussions at Reddit, blog posts, videos and more from non-news sites may turn up.“

6. „Süddeutscher Focus gibt Rätsel auf: Nordkoreaner bei Amazon zu verkaufen?“
(luisbl.wordpress.com)
Automatisierte Amazon-Links bei „Focus Online“.

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Michael Schumacher und die „sensationelle Prognose“

Jean Todt, der Präsident des Automobilverbandes FIA und langjährige Freund von Michael Schumacher, hat im französischen Fernsehen vor ein paar Tagen ein kurzes Interview zu Schumachers Gesundheitszustand gegeben.

Viele deutsche Medien berichten heute darüber, und zwar vor allem so:


(„Spiegel Online“)


(„Focus Online“)


(N-tv.de)


(Bunte.de)


(Web.de)


(T-online.de)


(Express.de)

Auch viele, viele andere Medien zitieren diesen Satz, selbst in Großbritannien und Italien kursiert er schon. Allerdings: Jean Todt hat ihn in dem Interview nie gesagt. Im Gegenteil: Er bemühte sich sogar, der Frage nach dem „normalen Leben“ so gut es geht auszuweichen.

Übersetzt lautet das Gespräch so:

Reporter: Wie geht es ihm heute?
Jean Todt: Heute? Er kämpft. Und wir hoffen, dass die Dinge besser werden. Schnell.
Reporter: Kann er seine Bewegungen kontrollieren? Kann er sprechen?
JT: Ich will nicht ins Detail gehen, weil es zu persönlich ist. Ich glaube, dass das Wichtigste ist, dass er lebt, dass seine Familie bei ihm ist und dass es besser wird, aber wir müssen ihm Zeit geben. Wir müssen ihn in Ruhe lassen.
Reporter: Ich werde die Frage anders formulieren. Wird er je wieder zu einem normalen Leben zurückfinden?
JT: Er wird wahrscheinlich nie wieder F1 fahren.
Reporter: Sie können ein normales Leben haben, ohne F1-Auto zu fahren.
JT: Wir können nur hoffen.

Wo das falsche Zitat ursprünglich herkommt, lässt sich nur schwer nachvollziehen; einige Medien verweisen auf einen Artikel bei motorsport-magazin.com, andere auf „Spiegel Online“. Wie auch immer: Die „sensationelle Prognose von Jean Todt“ (Bunte.de), die jetzt durch die europäischen Medien geistert, hat es in Wahrheit gar nicht gegeben.

Mit Dank an Basti, Hendrik L., Nils M. und Carsten P.

Nachtrag, 22.15 Uhr: „Spiegel Online“ hat den Artikel transparent korrigiert. Demnach beruhte der Fehler auf einer falschen Übersetzung der australischen Nachrichtenagentur GMM.

Asylstatistik, geschnitten serviert

Als wir vor ein paar Tagen darüber berichteten, wie die „Bild“-Zeitung Stimmung gegen Asylbewerber macht, schrieb uns ein Leser, dass auch andere Medien gezielt Panik verbreiten würden:

apropos Angstmache vor „Flüchtlingsflut“:
da machen auch Blätter wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung mit, indem sie bspw. Statistiken manipulativ so ausschneiden, dass die aktuellen Zahlen herausstechen.

Konkret meint er eine Infografik, die vor gut drei Wochen bei Faz.net erschienen ist:

Ein ganz ähnliches Diagramm taucht derzeit auch in anderen Medien auf, etwa im aktuellen „Spiegel“* …

(Hier sind die Zahlen insgesamt niedriger, weil der „Spiegel“ nur die Erstanträge zählt, Faz.net aber Erst- und Folgeanträge.)

… auf den Webseiten der „Welt“ …

… oder der „Berliner Zeitung“* …

… und auch die dpa* hat eine Grafik im Angebot:

Sie alle bilden den Zeitraum von 1995 bis heute ab. Das ist zwar nicht falsch, aber: 1992 gab es mehr als doppelt so viele Asylanträge wie 1995. Auch 1991 und 1993 war die Zahl viel größer. In der Infografik werden diese Jahre aber weggelassen, wodurch der Balken für das aktuelle Jahr im Vergleich zu den anderen deutlich höher ist.

Wenn man die Grafik aber beispielsweise um fünf Jahre nach hinten ausdehnt, sieht sie nicht mehr so aus …

… sondern so:

Und wenn man noch ein paar Jahre zurückgeht, so:


(Jeweils Erst- und Folgeanträge; Quellen: „Das Bundesamt in Zahlen“ & „Aktuelle Zahlen zu Asyl“ des BAMF, für 2014: Schätzung des Bundesinnenministers im Mai.)

Dass die Medien nur den Ausschnitt ab 1995 zeigen, muss natürlich nicht gleich böse Absicht sein (wir vermuten eher, dass sie einfach auf die aktuelle Statistik des BAMF zurückgegriffen haben, dort werden nämlich ebenfalls nur die Zahlen ab 1995 aufgelistet), aber mit ein bisschen mehr Recherche und ein paar zusätzlichen Zahlen hätten sie erstens eine bessere Einordnung und zweitens weniger Futter für Manipulationsvorwürfe geliefert.

Mit Dank an Christian K.

Nachtrag/Korrektur, 19.05 Uhr: Einige Leser haben uns darauf hingewiesen, dass man in diesem Zusammenhang auch den „Asylkompromiss“ beachten muss. Diese im Mai 1993 beschlossene Neuregelung des Asylrechts hatte unter anderem zur Folge, dass es schwieriger wurde, sich auf das Grundrecht auf Asyl zu berufen. *Wichtig ist außerdem: Bei Infografiken, die nur die Erstanträge abbilden, können die Jahre vor 1995 nicht als Vergleich herangezogen werden. Das BAMF differenziert in seiner Statistik nämlich erst seit 1995 zwischen Erst- und Folgeanträgen.

Ursula von der Leyen, Creative Commons, Kronen Zeitung

1. „Den Krieg erklären“
(folio.nzz.ch, Balz Ruchti)
Ein Porträt des Kriegsreporters Kurt Pelda: „Es sei heuchlerisch, dass gespielte Gewalt in Krimis und Actionfilmen kein Problem sein soll, echte Bilder aus Syrien hingegen schon. Durch diese Haltung werde Krieg so virtuell, sagt Pelda.“ Das „NZZ Folio“ des Monats Oktober widmet sich dem „Beruf: Reporter“. Siehe dazu auch ein Interview mit Chefredakteur Daniel Weber (persoenlich.com, Adrian Schräder).

2. „Schreckensnachrichten: Hilft nur noch die News-Verweigerung?“
(beobachter.ch, Jürgen Krönig)
Jürgen Krönig befasst sich mit jenen, die sich dem Konsum negativer Nachrichten verweigern: „Der springende Punkt dabei ist, dass Demokratie ein Mindestmass an Teilhabe und Kenntnis verlangt über das, was vor sich geht. Informationsverweigerung um der privaten Ruhe willen kann deshalb ­keine Lösung sein. Zudem wird die Ruhe, die sich nach dem Medienverzicht einstellen mag, früher oder später doch als trügerisch entlarvt. Denn der Rückzug ins Pri­vate bedeutet nicht, dass die Welt da draus­sen im selben Zustand verharrt.“

3. „Endlich Creative Commons im öffentlich-rechtlichen Rundfunk?“
(irights.info, Leonhard Dobusch)
Leonhard Dobusch stellt den bisher nicht öffentlich zugänglichen Bericht „Creative Commons in der ARD“ (irights.info, PDF-Datei) vor, den eine Arbeitsgruppe erarbeitet hatte: „Die AG kommt zu dem Ergebnis, dass der Einsatz von CC für ausgewählte ARD-Inhalte bei sorgfältiger Rechteprüfung sinnvoll ist.“

4. „Funke bestätigt ‘Krone’-Offensive: ‘Haben Syndikatsverträge gekündigt'“
(derstandard.at, fid)
Ein Machtkampf unter den Eigentümern der „Kronen Zeitung“: „Grotkamp und Schumann gestanden Dichand einen garantierten jährlichen Gewinn zu – rund zehn Millionen Euro, unabhängig vom damals prächtigen Geschäftsgang, und abgestuft weniger für seine Erben bis hin zu den Enkeln. (…) Die Syndikatsverträge verbieten den Funkes aber auch, etwa in der Mediaprint gegen die Dichands zu stimmen – Ausnahmen wie zuletzt bei Abopreisen bestätigen die Regel.“

5. „Josef Joffe und Jochen Bittner scheitern gegen Die Anstalt (ZDF)“
(heise.de/tp, Markus Kompa)
Markus Kompa liefert den neusten Stand in der Auseinandersetzung zwischen zwei „Zeit“-Journalisten und den Verantwortlichen einer ZDF-Satiresendung. Und fragt: „Wäre es nicht die politische Aufgabe freier westlicher Journalisten gewesen, dem Osten ein Vorbild in Sachen Pressefreiheit zu geben und wenigstens die Freiheit der Satire zu achten?“

6. „Zeitungen führen eigenes Ressort ‘Ursula von der Leyen’ ein“
(der-postillon.com)

Bild  

Kinderschänder-Quatsch mit „Bild“

Bei einer solchen Nachricht reiben sich Boulevardjournalisten natürlich die Hände: Das Landgericht Paderborn hat angeordnet, einen Sexualstraftäter, der sich an mehreren Kindern vergangen hatte und deshalb seit 19 Jahren hinter Gittern sitzt, aus der Forensischen Psychiatrie zu entlassen — obwohl ihn die Ärzte und externen Gutachter immer noch für gefährlich halten.

Für die „Bild“-Zeitung erwartungsgemäß ein großer …

(Ausriss aus der Dienstagsausgabe.)

Und sie ist nicht die einzige, die den Fall kritisch sieht. Das Besondere an dem „Bild“-Artikel ist aber, dass er den Eindruck erweckt, als sei die Klinik selbst verantwortlich dafür, dass der Mann freikommen soll.

Das Blatt schreibt:

Ein Gutachter warnt, „dass der Betroffene bei unüberwachter Bewegungsfreiheit sexuelle Kontakte zu Jungen herstellen werde“.

Warum darf er trotzdem raus? Das Gesetz schreibt vor, dass Bernd B. testweise auch unbegleitete Ausgänge gestattet werden müssen. ABER: 1995 hatte ein Freigänger in Lippstadt ein Kind ermordet. Nach Bürgerprotesten wurde festgelegt, dass Patienten für Freigänge in eine andere Stadt gebracht werden müssen.

Um Bernd B. In eine andere Stadt zu bringen, hatte die Klinik aber kein Personal! Der Täter blieb eingeschlossen. „Das ist rechtswidrig“, sagt sein Anwalt Carsten Ernst.

Und schwupps — ist die Klinik schuld, weil sie angeblich nicht genug Personal hat:

Diese Darstellung sei jedoch „hochgradiger Quatsch“, sagte uns Karl Donath, der Sprecher des Klinik-Trägerverbandes LWL auf Nachfrage. Es gebe keinen Personalmangel. Das sei der „Bild“-Zeitung vor Erscheinen des Artikels auch bekannt gewesen. Trotzdem habe sie die wohl lancierte Behauptung gebracht.

Er erklärte weiter:

„Der Dreh- und Angelpunkt ist nicht der nicht vorhandene Personalmangel, sondern dass die Justiz die Freiheitsrechte von Untergebrachten im Einzelfall höher bewertet als verbleibende Sicherheitsbedenken auf Seiten der Behandler. Die Justiz muss diesen sogenannten Verhältnismäßigkeits-Grundsatz umso höher bewerten, je länger der Patient schon im Maßregelvollzug ist.“

Für die im „Bild“-Artikel genannten Lockerungsmaßnahmen (unbegleiteter Ausgang in einer anderen Stadt) herrsche in der Klinik, so der Sprecher, „erst recht kein Personalmangel, weil wir dafür extra Geld bekommen.“ Im Übrigen sei der unbegleitete Ausgang „kein zielloses Umherstromern, sondern erfolgt unter zeitlicher Kontrolle und mit festen Regeln und Zielen.“

All das verschweigt die „Bild“-Zeitung einfach, was den Klinik-Sprecher aber offenbar nicht allzu sehr überrascht:

„Wenn Fakten eine vorgefertigte Geschichte kaputtzumachen drohen, dann werden sie in manchen Fällen eben einfach umgedeutet oder beiseitegeschoben. Das ist kein neues Phänomen bei Boulevardmedien, nicht nur bei der ‘Bild’-Zeitung.“

Mit Dank an Jürgen L.

Emergent, Eikonal, Islamischer Staat

1. „Gerüchte-Check: Emergent enthüllt falsche Informationen im Internet“
(t3n.de, Jörn Brien)
Jörn Brien stellt Emergent vor: „Die Website-Betreiber suchen nach aktuell hochgehandelten Gerüchten, sie tragen sie gemeinsam mit den verschiedenen Quellen in eine Datenbank ein. Dann wird unterschieden, welche Websites die Story als wahr beschreiben, welche das Gerücht als falsch entlarven und welche die Geschichte einfach übernommen haben.“

2. „Unnötiger Stress mit Google“
(nzz.ch, Rainer Stadler)
Mit Verwunderung registriert Rainer Stadler „die etatistischen Verrenkungen, mit denen Deutschland den globalen Vorstoss der digitalen Kapitalisten aus dem kalifornischen Silicon Valley parieren will“: „Die deutschen Verlage verdrehen ein Win-win-Geschäft in ein Lose-lose-Geschäft.“

3. „Im rechtsfreien Raum“
(internet-law.de, Thomas Stadler)
Thomas Stadler schreibt über Recherchen zum Projekt „Eikonal“: „Die Berichterstattung der SZ belegt also, dass beim BND ein organisierter und systematischer Rechtsbruch stattfindet und dies mit Genehmigung der Bundesregierung und teilweiser Billigung des Parlaments. Der BND bewegt sich faktisch im rechtsfreien Raum und schreckt auch vor einem offensichtlichen Rechts- und Verfassungsbruch nicht zurück.“

4. „Ratgeber: Behörden zur Auskunft zwingen“
(correctiv.org, Daniel Drepper)
Eine kostenlose Broschüre „mit den wichtigsten Tipps zu den Auskunftsrechten in Deutschland“.

5. „‘Ich glaub, das steht irgendwo im Koran'“
(sz-magazin.sueddeutsche.de, Frederik Obermaier und Marie Delhaes)
Ein Interview mit Erhan A. aus Kempten, einem Anhänger der Organisation Islamischer Staat: „Wir haben uns Nachrichten angeschaut, ARD und ZDF und so, aber uns war schnell klar: Da wird nur Scheiße berichtet. Da haben wir uns dann im Internet Videos angeguckt. (…) Ich würde sogar meine Familie töten, wenn sie sich gegen den Islamischen Staat stellt.“

6. „Kunstaktion stellt Schwule bloß“
(berliner-zeitung.de, Patrick Schirmer Sastre)
Ein Kunstprojekt eines Berliner Theaters zeigt über eine Dating-App geführte Gespräche auf einer LED-Wand. „Cornelius Puschke vom Projektteam des Veranstalters erklärte am Freitag, man habe mit heftigen Reaktionen gerechnet. ‘Wir haben gehofft, dass es niemanden verletzt, was wir auf der LED-Wand zeigen. Inzwischen haben wir festgestellt, dass es das doch tut.'“

Nur echt mit Donnerkupplung

Seit einigen Tagen schwirren viele Fotos durchs Internet, auf denen zu sehen sein soll, mit was für selbstgebauten Panzerfahrzeugen die Kurden gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ kämpfen. Ob die Fotos echt sind oder vielmehr: ob sie das zeigen, was behauptet wird, lässt sich nur schwer überprüfen — was Bild.de gestern allerdings nicht davon abgehalten hat, ohne große Zweifel die „Panzer-Parade der Kurden-Kämpfer“ zu veröffentlichen:

Zehn Fotos sind dort zu sehen, darunter auch dieses hier:

Nun ist die Karre zwar kein Baufahrzeug, sondern (wie man sieht) ein Tankwagen, aber gut. Viel wichtiger scheint uns da eher die Tatsache, dass der Truck ganz bestimmt kein „selbstgebastelter Panzer“ der kurdischen Kämpfer sein kann. Er stammt nämlich aus dem Film „Mad Max 2″:

Nachdem wir gestern Abend auf den Fehler hingewiesen hatten, wurde die Bildunterschrift schnell geändert. Jetzt steht dort:

Einige Leser haben vermutet, dass diese Bildunterschrift schon immer dort stand und wir uns nur einen Scherz erlaubt hätten, denn so dämlich seien ja nicht mal die Leute von „Bild“. Aber: doch. Sind sie.

Übrigens stammt die „Panzer-Parade“ gar nicht von Bild.de selbst. Das Portal hat sie von der britischen „Dailymail“ übernommen, die zwei Tage zuvor exakt die gleichen Fotos präsentiert hatte. Auch das Mad-Max-Bild war dabei, unter dem die „Dailymail“ schreibt:

Strong resemblance: The converted Kurdish vehicles look similar to the heavily-armoured lorries in the 1979 dystopian action film Mad Max (pictured)

Aber das hat der zuständige Artikel-Kopierer von Bild.de wohl leider übersehen.

Mit Dank an Heiko W., Dominik von R. und Christoph L.

Helmut Markwort, Nicolaus Fest, New York Times

1. „News zu News bei Google“
(google-produkte.blogspot.de, Philipp Justus)
Nach einer via der Verwertungsgesellschaft VG Media von deutschen Printverlegern eingereichten Klage kündigt Google an, „Snippets und Thumbnails einiger bekannter Webseiten wie bild.de, bunte.de oder hoerzu.de nicht mehr anzeigen, also jener Verlage, die in der VG Media organisiert sind. Für diese Seiten werden wir nur noch den Link zum Artikel sowie dessen Überschrift anzeigen.“

2. „Verlage empört: Jetzt will Google nicht mal mehr ihr Recht verletzen!“
(stefan-niggemeier.de)
VG Media reagiert mit einer Pressemitteilung unter dem Titel „Google erpresst Rechteinhaber“ (vg-media.de, PDF-Datei) auf die Nachricht. Stefan Niggemeier schreibt dazu: „Die Verlage haben sich zuerst darüber beklagt, dass Google ihre Inhalte (angeblich) rechtswidrig nutzt. Nun beklagen sie sich darüber, dass Google ihre Inhalte nicht mehr rechtswidrig nutzt. Man kann den Irrsinn kaum noch angemessen kommentieren.“

3. „Mutig: Reporter bringen die Welt nach Nordkorea“
(ndr.de, Video, 8:55 Minuten)
Journalisten, die Bilder aus der Welt nach Nordkorea schmuggeln. Und Journalisten, die Bilder aus Nordkorea herausholen und der Welt zeigen.

4. „Fakten, Fakten, Fakten“
(zeit.de, René Martens)
Helmut Markwort, Mitglied des Aufsichtsrats des FC Bayern München, steht unter Verdacht, in seiner Zeit als „Focus“-Chefredakteur unter dem Pseudonym Moritz Rodach „Focus“-Texte über den Fußballverein verfasst zu haben.

5. „Nicolaus Fest verlässt die ‘Bams’-Chefredaktion“
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Wie die Axel Springer AG mitteilt, verlässt Nicolaus Fest „das Unternehmen auf eigenen Wunsch, um in Zukunft als freier Journalist zu arbeiten“. Uwe Mantel schreibt: „Zuletzt fiel Nicolaus Fest, seit 2013 stellvertretender Chefredakteur der ‘Bild am Sonntag’, mit seinem Kommentar ‘Islam als Integrationshindernis’ auf, für den die ‘BamS’ auch eine Rüge durch den Presserat kassierte.“ (BILDblog berichtete).

6. „Here’s The Unfortunate Math That Will Likely Force The New York Times To Make Even More Cuts…“
(businessinsider.com, Henry Blodget, englisch)
Henry Blodget rechnet aus, wie viele Journalisten die „New York Times“ im digitalen Zeitalter beschäftigen könnte: „So the New York Times might eventually be able to support a newsroom budget of $140 million as compared to the ~$200 million budget it has today. Using the same $150,000-per-journalist all-in estimate, this budget would support ~930 top-notch journalists. (…) But 930 journalists is about 300 fewer than the New York Times will employ after this latest round of cuts.“

Bild  

Sticker gegen die „Bild zum Mauerfall“

In etwas über fünf Wochen soll die nächste Gratis-„Bild“ verteilt werden. Wie immer ungefragt und wie immer flächendeckend, „an über 40 Millionen Haushalte“, wie der Axel Springer Verlag stolz angekündigt hat (BILDblog berichtete):

Der Verlag inszeniert sich bei diesen Aktionen immer gerne als der große, selbstlose Wohltäter; als scheue er weder Kosten noch Mühen, um das Volk mit seinem kostenlosen Superblatt zu beglücken.

Aber der, der am meisten davon profitiert, ist in Wahrheit natürlich er selbst. Millionenfach bringt er sein Blatt mitsamt seinen Ansichten unters Volk, eine gigantische Werbeaktion in eigener Sache. Und finanziell scheint es sich auch zu lohnen, immerhin ist es schon die vierte Aktion dieser Art. Und eine ganzseitige Anzeige in der „Bild zum Mauerfall“ kostet stolze vier Millionen Euro.

Nun können Sie diese Aktion freilich ignorieren und die Zeitung einfach wegschmeißen. Sie können dem Verlag aber auch zeigen, dass Sie sein Blatt nicht haben wollen. Sie können sich gegen die Zustellung wehren und ihm das Leben damit zumindest ein bisschen schwerer machen.

Wenn Sie die „Bild zum Mauerfall“ nicht haben wollen, müssen Sie eine Widerspruchsmail an keinebildzummauerfall@bild.de schicken.

Die Mail sollte Ihren Namen, ihre vollständige Adresse und eine Widerspruchserklärung enthalten — etwa so:

Max Mustermann
Musterstraße 1
12345 Musterstadt

Sehr geehrte Damen und Herren,
Sie haben für November 2014 die bundesweite kostenlose Verteilung einer „BILD zum Mauerfall“ angekündigt. Hiermit untersage ich der Axel Springer SE, ihren Tochtergesellschaften, Beauftragten und anderen Vertragspartnern ausdrücklich, mir an die oben genannte Anschrift „BILD zum Mauerfall“ (auch nicht als Bestandteil einer anderen Publikation) zuzustellen oder in den Briefkasten einzulegen oder durch Dritte zustellen oder in den Briefkasten einlegen zu lassen. Ferner untersage ich Ihnen ausdrücklich, meine persönlichen Daten zu einem anderen Zwecke zu verwenden, als es für die logistische Umsetzung des hier ausgesprochenen Zustellverbotes sowie der Vermeidung von Missbrauch zwingend notwendig ist, und fordere Sie auf, anschließend sämtliche Daten umgehend und restlos zu löschen.

Wenn Sie mögen, schicken Sie den Widerspruch doch auch an uns (bitte an: keinebild@bildblog.de), dann können wir ungefähr abschätzen, wie viele Menschen sich am Protest beteiligt haben. Ihre Daten werden wir nach Beendigung der Aktion selbstverständlich löschen und nicht an Dritte weitergeben.

Alternativ (oder wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen: zusätzlich) zum Widerspruch können Sie auch an Ihrem Briefkasten darauf hinweisen, dass Sie keine Gratis-„Bild“ haben wollen. In einer internen Anweisung der Deutschen Post hieß es bei der letzten Aktion:

Haushalte, die allgemein kostenlose Zeitungen/Anzeigenblätter oder spezifisch die BILD nicht erhalten möchten, und dies durch einen entsprechenden Hinweis an ihrem Briefkasten erklären, erhalten keine Ausgabe.

Und da kommen Sie jetzt ins Spiel. Wir wollen nämlich einen Sticker-gegen-„Bild“-Wettbewerb starten und suchen dafür Motive (ganz egal ob Zeichnungen, Sprüche oder andere Basteleien), die man sich an den Briefkasten kleben kann, um sich gegen die Gratis-„Bild“ zu wehren.

Die schönsten Vorschläge werden wir hier veröffentlichen, und die Druckerei INnUP hat sich bereiterklärt, den besten Aufkleber für unsere Leser kostenlos zu drucken. Also, liebe Designer, Photoshopper und Bastelfreunde: immer her mit den Ideen! Einfach per Mail an: sticker@bildblog.de.

Es gibt nur zwei Bedingungen: Die Sticker sollten nicht zu groß sein (maximal ca. 10×4 cm) und den ausdrücklichen Hinweis enthalten, dass die „Bild“-Zeitung bzw. die „Bild zum Mauerfall“ nicht erwünscht ist. Und falls Sie unser Logo brauchen: voilà (.png) und voilà (.svg).

Wir freuen uns auf Ihre Ideen!

Bild.de, dpa  etc.

Die Sabberjournaille und der Sex von Reese Witherspoon

In vielen Medien ist heute vom neuen Kinofilm mit Reese Witherspoon zu lesen. Das ist an sich nicht ungewöhnlich, der Zeitpunkt aber schon: Der Film startet hierzulande erst in vier Monaten, da ist es für Vorbesprechungen eigentlich noch viel zu früh.

Dass heute trotzdem schon intensiv darüber berichtet wird, liegt auch nicht am Film selbst, sondern an diesem Bild.de-Artikel von gestern Abend:

Darin heißt es:

Die brave Blondine rüttelt an ihrem Sweetheart-Image …

Reese Witherspoon (38) spricht im Interview mit der US-Zeitschrift „Vogue“ über ihren neuen Film „Wild“ (ab 5. Februar 2015 im Kino). Sie verrät, dass sie beim Dreh der Sexszenen auf echtem Sex bestand! (…)

Der Sex (…) war echt. „Ich wollte, dass es wahrhaftig und real ist“, sagt Witherspoon im „Vogue“-Interview.

Und das macht die Sache für die deutsche Sabberjournaille natürlich schon jetzt höchst interessant.

So dauerte es auch nicht lange, bis auch die dpa aufsprang und heute Morgen verkündete:

US-Schauspielerin Reese Witherspoon (38) wollte beim Dreh ihres neuen Films „Wild“ echten Leinwand-Sex und keine Schummelei. „Ich wollte, dass es wahrhaftig, dass es roh und dass es real ist“, sagte sie dem US-Magazin „Vogue“.

Inzwischen findet man die Story (mal im Newsticker, mal als redaktionell bearbeiteten Beitrag) unter anderem bei Stern.de, „Focus Online“, Welt.de, Tagesspiegel.de, „RP Online“, oe24.at, Bunte.de, den Online-Auftritten von n-tv, N24, der „Berliner Zeitung“, der „Passauer Neuen Presse“, den „Ruhrnachrichten“, des „Merkur“, des „Schwarzwälder Boten“, der „Intouch“, der „Augsburger Allgemeinen“, des „Kölner Stadt-Anzeigers“ und der „Abendzeitung“.

Der Haken ist aber: Das stimmt alles gar nicht.

In dem „Vogue“-Interview, auf das sich Bild.de und die dpa berufen, sagt Witherspoon lediglich:

“I just didn’t want to hear, ‘Oh, we don’t want to see Reese have sex. . . . Oh, can we not have any profanity?’ ” says Witherspoon. “I wanted it to be truthful, I wanted it to be raw, I wanted it to be real.”

Das bedeutet aber keinesweg, dass sie echten Sex hatte. Es sollte nur auf der Leinwand echt wirken.

Allem Anschein nach wollte Witherspoon bloß ausdrücken, dass die Sexszenen in ihrer Härte und Deutlichkeit über das hinausgehen sollten, was sie bisher gemacht hat. Das wäre auch eine Erklärung dafür, warum ausschließlich deutschsprachige Medien über „echten Sex beim Filmdreh“ schreiben. Englischsprachige Portale stürzen sich zwar auch auf das Zitat, aber nur, weil sie auf den Imagewechsel der Schauspielerin hinauswollen („The girl next door is suddenly a girl gone Wild“). Von echtem Sex ist dort nicht mal ansatzweise die Rede.

Mit Dank an Björn S., Jonas G., Jan W., Markus, CL und Martin S.

Nachtrag, 15 Uhr: Die dpa hat schon vor Erscheinen unseres Eintrags eine korrigierte Version der Meldung verschickt, die inzwischen von stern.de, welt.de, pnp.de, ruhrnachrichten.de, schwarzwaelder-bote.de und merkur-online.de übernommen wurde. Die Online-Redaktion von n-tv.de hat (im Gegensatz zu den gerade genannten) auch darauf hingewiesen, dass sie ursprünglich falsch berichtet hatte. Bei allen anderen hat sich gar nichts getan.

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