Werner D’Inka, Jan Leyk, Gema

1. „‘Der langsame Tod der Auslandskorrespondenten'“
(de.globalvoicesonline.org, Lova Rakotomalala)
Ein Interview mit Anaïs Renevier, die zuletzt im Libanon als Auslandkorrespondentin arbeitete und deren Blogbeitrag „La petite mort des correspondants“ (arenevier.wordpress.com, französisch) viel Aufmerksamkeit erhielt: „Ich kannte die finanziellen Probleme auf allen Ebenen: bei dem regionalen Fernsehsender, bei dem ich von 2011 bis 2012 arbeitete (auf Grund fehlender Mittel hatten wir lange Arbeitstage) und auch bei großen Medien (den folgenden Satz habe ich einige Male zu Hören bekommen: ‘Wir sind an dem Thema interessiert, aber wir haben nicht das Geld, um es zu unterstützen’). Ich hörte es sogar bei den neuen digitalen Medien, die versuchten, ein neues Modell des Journalismus zu erfinden.“

2. „Wenn Qualitätsjournalisten operieren“
(begleitschreiben.net, Gregor Keuschnig)
Gregor Keuschnig beschäftigt sich mit einem Beitrag von FAZ-Mitherausgeber Werner D’Inka: „Warum gibt es eigentlich bis heute keine Selbstverpflichtung von Journalisten, ihre Nebentätigkeiten und (politischen) Zugehörigkeiten offenzulegen? Sie selber fordern Transparenz aller Orten – für sich nehmen sie jedoch großzügig Ausnahmen in Anspruch. Es ist leicht einzugestehen, einen Zahlendreher oder eine Namensverwechslung begangen zu haben. Schwieriger scheint es zu sein, seine außerpublizistischen Aktivitäten darzulegen.“

3. „Warum das Internet gut ist für den Journalismus“
(rolandtichy.de)
Roland Tichy, der lange Jahre für Printmedien tätig war und nun selbst im Netz publiziert, preist das Internet: „Gibt es ein Gesetz, dass Papier Texte veredelt und Internet sich schlecht macht? Und wollte man die Medien an einen Lügendetektor anschließen – der würde bei vielen Internet-Portalen durch die Decke gehen. Aber auch bei vielen gedruckten Medien. Im Gegenteil – was Journalisten zu befürchten haben, ist nicht die Lüge per Internet. Eher, dass das Internet Schwachsinn aufdeckt.“

4. „Gema verlangt Gebühren fürs Volkslieder-Singen“
(shz.de, Hannes Harding und Tobias Fligge)
Post von der Gema: „Ende April teilte die Gema (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte) der Betreiberin des kleinen Kulturcafés, in dem sich die Senioren treffen, mit, dass sie für das Musizieren zahlen müsse. Es sei nicht ausgeschlossen, dass die zum Teil dementen Damen mit ihrem Gesang Urheberrechte verletzten.“

5. „MC Hetzer?“
(theeuropean.de, Heinrich Schmitz)
Heinrich Schmitz liest Facebook-Einträge von Jan Leyk: „Ist das ‘nur’ eine neue entfesselte Diskussionskultur im Internet oder ein Vorgeschmack darauf, wie es in Zukunft auf den Straßen zugeht? Leyk ist ja nicht alleine mit dieser Hassrhetorik, er ist nur der bekannteste Y-Promi (seine eigenen Worte), der so vom Leder zieht.“

6. „Im Schmerz geboren“
(walulissiehtfern.de)
Philipp Walulis zeigt auf, wie man „einen langen Printartikel als angesagte Multimedia-Reportage“ recyclet.

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In 80 Fehlern um die Welt

Rennfahrer Lewis Hamilton und seine Formel-1-Kollegen hatten die vergangenen Wochen frei, nach dem Großen Preis von Bahrain war erstmal Rennpause. Und die hat Hamilton ordentlich genutzt:

Genau genommen ging’s für ihn in Teilstücken und dann aufsummiert „einmal um die Welt“. Wie Bild.de auf Hamiltons 45.000-Kilometer-Trip kommt?

Die genaue Reiseroute kann man auf seinem Twitter-Account nachvollziehen. Hamilton postete von jeder Station mehrere Fotos.

Der Tourplan laut Bild.de: Bahrain — London — Mallorca — Monza — Los Angeles — Las Vegas — New York — Brackley — Barcelona.

Mal davon abgesehen, dass Bild.de vermutlich nicht auf Hamiltons Twitter-Account (wo bis heute Mittag nichts zu sehen war über Aufenthalte auf Mallorca und in Barcelona), sondern auf dessen Instagram-Account nachgeschaut, einen Zwischenstopp in Rom und einen in Monaco vergessen hat und auf keinem der Kanäle Fotos von Hamilton in Brackley zu finden sind, gibt es noch ein ganz anderes Problem:

Die Bild.de-Weltreisen-Rechnung haut also nur dann hin, wenn Hamiltons Pilot beim Flug von London nach Mallorca eine große Schleife über halb Europa gedreht hat und die Strecke Mallorca — Monza gleich mehrfach geflogen ist, bevor er zur Landung ansetzte.

Inzwischen haben sie auch bei Bild.de gemerkt, dass das alles nicht so ganz hinhaut — vielleicht haben die kritischen Leserkommentare unter dem Artikel dazu beigetragen. Text und Überschrift wurden jedenfalls klammheimlich geändert: Aus den 8775 Kilometern nach Mallorca sind 1347 geworden, die 9730 Kilomenter nach Monza sind jetzt nur noch 862. Und aus der 45.000-Kilometer-Weltreise wurde eine 27.606-Kilometer-Halbweltreise:

Nun hat Lewis Hamilton am 30. April — also zwischen seinem Aufenthalt in Kalifornien und dem Boxkampf, den er sich in Las Vegas angeschaut hat — allerdings dieses Foto bei Instagram gepostet:

At Silverstone today shooting some ads for our partners! #TeamLH #MercedesAMG #Blackberry #Epson #Petronas

Ein von Lewis Hamilton (@lewishamilton) gepostetes Foto am

Sollte er also tatsächlich die 8666 Kilometer von Los Angeles bis ins britische Silverstone und von dort wenig später wieder die 8318 Kilometer nach Las Vegas geflogen sein, wäre Lewis Hamilton in den vergangenen 14 Tagen 44.590 Kilometer geflogen. Also — wie Bild.de vor der Verschlimmbesserung behauptet hatte — einmal um die Welt.

Mit Dank an Bishop und Christian K.

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Heißen alle gleich (3)

Heute sind die ersten Ergebnisse der britischen Unterhauswahlen veröffentlicht worden. Gewonnen hat demnach wieder dieser … wie heißt er nochmal?

Dort hat James Cameron die Wahlen zum Unterhaus gewonnen.

(„Spiegel Online“)

Ach ja.

Da sind sich die Medien schon seit Jahren einig:

Den britischen Premierminister James Cameron

(süddeutsche.de)

Der britische Premierminister James Cameron

(abendblatt.de)

Der britische Premierminister James Cameron

(merkur.de)

Premierminister James Cameron

(wiwo.de)

Premierminister James Cameron

(n-tv.de)

Der britische Premierminister James Cameron

(op-online.de)

Der britische Premierminister James Cameron

(manager-magazin.de)

Der britische Premier James Cameron

(handelsblatt.com)

mit dem britischen Premier James Cameron

(abendzeitung-muenchen.de)

mit dem britischen Premierminister James Cameron

(vip.de)

der britische Noch-Premierminister James Cameron

(dradiowissen.de)

Großbritanniens Premierminister James Cameron

(gala.de)


(hr-online.de)

Hat ja ein ganz schönes Pensum, dieser James Cameron. Großbritannien regieren und nebenbei „Avatar“ 2 bis 5 drehen — Hut ab!

Hoax, Trash, Flattr

1. „Trash und Trash“
(sashs-blog.de)
Fragen zur Regenbogenpresse: „Wieso sollte man zur Unterhaltung unwahre Geschichten über echte Menschen lesen, die vorgeben, wahr zu sein? Wieso sollte man sich falsche Stories über den Gesundheitszustand von Michael Schumacher reinziehen, anstatt entweder eine fiktive Geschichte über einen Menschen mit einem Schicksalsschlag oder eine tatsächlich recherchierte Doku über Michael Schumacher? Ich verstehe nicht einmal, wieso man sowas schreiben sollte.“

2. „Ausländische Banden und deutsche Einzeltäter“
(heise.de/tp, Wolfgang J. Koschnick)
Wolfgang J. Koschnick macht sich ausführlich Gedanken darüber, ob und wie individuelle Eigenschaften von Menschen in einer Story vorkommen sollten: „Alle Kodices stimmen darüber überein, dass die Zugehörigkeit zu einer Minderheit nur erwähnt werden soll, wenn sie im thematischen Zusammenhang relevant ist. In der journalistischen Alltagspraxis machen es sich jedoch die meisten Redakteure zu einfach: Sie verschweigen sie grundsätzlich und scheinen zu glauben, dadurch seien sie aus dem Schneider.“

3. „Hoax-Kampagnen: Opium fürs Empörungsvolk“
(youtube.com, Video, 42:30 Minuten)
Deef Pirmasens und Christian Schiffer stellen verschiedene Hoaxes vor. Ab Minute 18:30 wird ein Beitrag von LeFloid analysiert.

4. „5 Jahre Flattr: Erinnerung an eine gescheiterte Revolution“
(get.torial.com, Stefan Mey)
Das Bezahlsystem Flattr hätte eine ökonomische Revolution sein können, glaubt Stefan Mey: „Die ökonomische Revolution im Netz ist heute klar gescheitert. Und das ist ein Verlust für alle, für Leser*innen, Blogger*innen und auch für Verlage, denen durch eigene Schuld seit fünf Jahren Einnahmen entgehen. Paid Content meint heute das vorsichtige Aussperren von Nutzern und gilt mit der Definition weitgehend als alternativlos. Mit dafür gesorgt hat eine Fehlentscheidung der Verlage. Und das war vielleicht deren größte kollektive Fehlentscheidung nach der Unterschätzung des Internets in seinen frühen Tagen.“

5. „Der ‘Bild’-Aufzug fährt wieder nach oben“
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Joachim Huber kommentiert die Nachricht, dass Christian und Bettina Wulff wieder ein Paar sind: „Die Versöhnung im Kleinen scheint mit einer Versöhnung im Großen einherzugehen, der Versöhnung eines zum Boulevard gewordenen Paares mit dem Boulevard.“

6. „Emily Surname’s immigration report“
(youtube.com, Video, 3:36 Minuten, englisch)
Ein TV-Bericht zur Zuwanderung von Emily Nachname.

Eritrea, Geo Epoche, Freizeit im Blick

1. „Freizeit im Blick, Realität aber nicht“
(topfvollgold.de, Moritz Tschermak)
„Wie schlimm steht es wirklich um ihn?“, fragt die Zeitschrift „Freizeit im Blick“ bezüglich dem Ende März verstorbenen Karl Moik.

2. „Letzter Platz: Pressefreiheit in Eritrea“
(ndr.de, Video, 6:28 Minuten)
David Isaak sitzt bereits 14 Jahre im Gefängnis. Als Journalist einer Wochenzeitung veröffentlichte er einen offenen Brief, in dem Reformen gefordert wurden.

3. „Friedemann Karig: Die Abschaffung der Wahrheit“
(youtube.com, Video, 51:54 Minuten)
Friedemann Karig beschäftigt sich mit Verschwörungstheorien und ordnet sie auf einer Achse von heterodox bis orthodox.

4. „Frau Zschäpe und ich“
(journalist.de, Tom Sundermann)
Tom Sundermann ist einer von vier freien Journalisten, die einen Platz am NSU-Prozess zugelost erhielten: „Lange Erklärungsabsätze, in denen die Verbindung zwischen dem Zeugen X und dem NSU-Trio hergestellt wird, sind unvermeidlich. Andernfalls würde ich Berichte über den Prozess zur geschlossenen Veranstaltung machen. Die Diskussion in den Onlinekommentaren bestimmt ein fester Kern aus Lesern, die die Artikel zum Thema genauestens verfolgen – meist vor dem Hintergrund einer eindeutigen politischen Haltung.“

5. „‘Geo Epoche’ irritiert mit verzerrtem ‘Buback-Nachruf'“
(tagesspiegel.de, Eckhard Stengel)
Eckhard Stengel wirft „Geo Epoche“ vor, selektiv beziehungsweise nicht ausführlich genug zu zitieren: „226 Zeilen lang war der Text, doch die meisten Medien zitierten daraus immer wieder nur vier Zeilen: ‘Meine unmittelbare Reaktion, meine ‘Betroffenheit’ nach dem Abschuß von Buback ist schnell geschildert: ich konnte und wollte (und will) eine klammheimliche Freude nicht verhehlen.'“

6. „Einfach mal das Mikrophon niedersinken lassen!“
(katzundgoldt.de)

Bild  

Skandal! Weselsky ist Bartträger! Und Sachse!

Vielleicht hat „Bild“-Mann Peter Tiede irgendwann in seinem Leben einfach mal sehr unangenehme Erfahrung mit schnurrbärtigen Jahrmarktmitarbeitern aus Ostdeutschland gemacht, wer weiß. Seinen Artikel über Claus Weselsky, den „Bahnsinnigen“ („Bild“) von der Lokführergewerkschaft GDL, beginnt er jedenfalls so:

Er hat es ja nicht leicht: Oberlippenbart eines Karusselbremsers, Sachse und dann auch noch Chef einer Mini-Gewerkschaft, die alles lahmlegen kann — und davon ausführlich Gebrauch macht. Viel mehr kann nicht schiefgehen, wenn man in Deutschland Sympathieträger werden will.

Ob Weselsky als glattrasierter Westfale bessere Karten hätte, steht da nicht, wobei uns immer noch nicht klar ist, was das überhaupt mit dem Bahnstreik zu tun haben soll. Ohnehin sind wir uns nicht sicher, was Peter Tiede mit seinem Text eigentlich sagen will. Also außer, dass Weselsky Ostdeutscher ist:

Er, der Sachse, weiß, dass er nie geliebt werden wird.

Er ist der Ostdeutsche, der streikende Außenseiter.

Ach, und diese Außenseiter-Nummer natürlich:

Seine ganze Karriere ist auf Außenseitertum gegründet

… schreibt Tiede und führt exakt zwei Gründe für diese Behauptung an. Punkt 1: Weselsky „weigerte sich, in die Staatspartei SED einzutreten“. Punkt 2: Als Lokführer schloss sich Weselsky der GDL an, die damals „als Gegenstück zu den linientreuen DDR-Gewerkschaften gegründet“ wurde.

Jedem anderen hätte „Bild“ dieses Regime-untreue Verhalten mit Sicherheit hoch angerechnet. Bei Weselsky dient es als weiterer Grund, ihn doof zu finden.

Während Weselsky also den „Monster-Streik“ durchprügelt, ist Peter Tiede damit beschäftigt, ihm aus Äußerlichkeiten und privaten Dingen einen Strick zu drehen. Das ist natürlich viel sympathischer.

Sexismus, ZDF-Lobbyradar, Urheberrecht

1. „‘Sie träumen nachts von mir?'“
(sueddeutsche.de, Christina Koormann)
Zu oft werden Politikjournalistinnen zu Sexismus-Opfern, schreiben französische Journalistinnen in einem Manifest (liberation.fr, französisch): „Die Journalistinnen beschreiben, wie hochrangige Politiker sie während eines gemeinsamen Fluges auf einer Geschäftsreise schlafend fotografierten, wie ‘politische Schwergewichte’ lieber mit ihnen in ein Hotelzimmer gehen wollten anstatt ein Interview fortzuführen, oder wie ein Abgeordneter sich wünschte, dass sie unter einer Arbeiterkluft während einer Fabrikbesichtigung ‘besser nichts anhätten’.“

2. „Warum wir ein neues Urheberrecht brauchen“
(faz.net, Andrea Diener)
Ein Interview mit Julia Reda zum Urheberrecht: „Wir haben das Problem, dass das Urheberrecht nicht mit der technischen Entwicklung schrittgehalten hat. 2001, als es zuletzt auf europäischer Ebene reformiert wurde, gab es noch kein Youtube, es gab kein Facebook, und auch Wikipedia fing gerade erst an. Damals hat man in Europa Mindeststandards für den Schutz von Rechteinhabern erstellt, aber keine Mindeststandards für den Schutz der Allgemeinheit. Die EU legt also fest, was mindestens verboten sein muss, aber nicht, was mindestens erlaubt sein sollte.“

3. „Verteilungskampf in der Bundesliga“
(deutschlandfunk.de, Daniel Theweleit)
Fußball: Bundesliga-Vereine wollen neue Kriterien bezüglich der Höhe von an die Clubs ausgeschütteten Fernsehgeldern besprechen: „Zum Beispiel die Einschaltquoten bei den Live-Spielen im Bezahlfernsehen. Oder die Auslastung des eigenen Stadions. Oder die Menge der Auswärtsfans, die einen Klub begleiten.“

4. „Warum das Lobbyradar so kaum zu gebrauchen ist“
(datenjournalist.de, Lorenz Matzat)
Lorenz Matzat bespricht das ZDF-Lobbyradar: „Das Lobbyradar ist in der jetzigen Form kaum zu gebrauchen. Es ist visuell zu überladen und hilft mit seiner einzigen Funktion, der Suche, nicht dabei, Lobbyismus transparenter zu machen.“

5. „Der Hochstapler“
(ndr.de, Video, 30:26 Minuten)
Geschädigte eines Hochstaplers, unter ihnen Journalisten des ZDF und von Zeit.de, erzählen. Siehe dazu auch „Richtig reingelegt“ (taz.de, René Martens).

6. „Astro TV sagt sich selbst schlechte Quoten voraus und stellt vorsorglich Sendebetrieb ein“
(der-postillon.com)

Veit Dengler, Oberursel, Junge Freiheit

1. „Pressefreiheit – Wann, wenn nicht jetzt?“
(alwacker.wordpress.com)
Alexander Wacker fordert ein Informationsfreiheitsgesetz in Österreich: „In Österreich hab ich nach mehreren Diskussionen und Gesprächen mit JournalistInnen nur leider den Eindruck, dass man die Schlussfolgerung ‘Wir haben kein Informationsfreiheitsgesetz, also ein Problem mit der Pressefreiheit’ nicht ziehen möchte oder sich einfach schwer tut, dass Problem beim Namen zu nennen. Ich habe noch nicht ganz durchschaut, woran das liegt. Empfindet man als etablierter Journalist vielleicht Kritik an der Situation als Kritik an der eigenen Berufsethik?“

2. „Er sieht die Brücken brennen“
(zeit.de, Margrit Sprecher)
Margrit Sprecher porträtiert Veit Dengler, den CEO der NZZ-Mediengruppe: „‘Ich mache weiter, bis ich gewinne.’ Das werde, schätzt er, 2017 sein.“

3. „Wir Journalisten sind im Internet nur Gäste“
(welt.de, Kritsanarat Khunkham)
„Wenn man die Social-Media-Kanäle betreut, muss man immer bedenken, mit wem man zeitgleich auftritt und konkurriert: Nachrichten von Freunden, Babyfotos der Kollegen, Urlaubsbilder und bestimmt auch das ein oder andere Haustier-Posting“, gibt Kritsanarat Khunkham zu bedenken: „Wir wollen der Partygast sein, den man immer wieder einlädt, weil er Interessantes zu erzählen hat. Der einen nicht noch mehr verwirrt, wenn es um etwas Wichtiges geht. Und manchmal auch weiß, wann er sich besser zurückhält.“

4. „Auflage der ‘Jungen Freiheit’ steigt“
(taz.de, Andreas Speit)
Andreas Speit liest die „Junge Freiheit“: „Kein Thema des rechten Wutbürgers läst die JF aus. Stein bemüht sich aber, die Grenze nach zu weit rechts nicht zu überschreiten. Vielleicht das Erfolgskonzept der JF.“

5. „Der ‘wohl im letzten Moment vereitelte Terroranschlag in Hessen'“
(heise.de/tp, Florian Rötzer)
Florian Rötzer stellt Fragen zur Festnahme eines Ehepaars in Oberursel: „Bei der Hausdurchsuchung fand man dann eine ‘augenscheinlich funktionsfähige Rohrbombe, ungefähr 100 Schuss Munition, verschiedene Materialien und Chemikalien, geeignet zum Bau weiterer Sprengsätze’. Das sind Verdachtsmomente, die eine Festnahme rechtfertigen, aber ob der Aufenthalt des Mannes an der Strecke des Radrennens damit zu tun hat, dass er einen Anschlag vorhatte, ist bislang, soweit man dies beurteilen kann, pure Vermutung.“

6. „Der Ton macht die Musik“
(brandeins.de, Christoph Koch)
Christoph Koch besucht das Musikhaus Thomann in Treppendorf, das 92 Prozent der 600 Millionen Euro Jahresumsatz online verkauft: „Hans Thomann hat aus dem kleinen Ladengeschäft seines Vaters einen globalen Player gemacht – und das Internet hat ihm dabei geholfen. (…) 60 Prozent des Umsatzes werden inzwischen mit Kunden im Ausland gemacht.“

Bild, Bild.de  etc.

Das „Bild“-Tagesmenü: Gerüchte aus eigenem Anbau

„Bild“ fragt heute:

Dieses Gerücht — Gündoğan (Dortmund) gegen Götze (Bayern) — mache derzeit die Runde, und weil dieser „Mega-Tausch“ „wirklich ein Hammer“ wäre, erschien online kurz darauf gleich der nächste Artikel:

Was Zorc dazu sagt („Ich kann mir das nicht vorstellen“), stand zwar schon im ersten Artikel, aber warum die Kuh nicht zweimal melken, wenn’s gerade so gut flutscht?

Jedenfalls: Eine Sache verschweigen „Bild“ und Bild.de in allen Artikeln konsequent, nämlich wer diese „wilden Gerüchte“ überhaupt in die Welt gesetzt hat. Nur soviel:

Beim „Sport1-Doppelpass“ sprachen die Experten über ein mögliches Tauschgeschäft zwischen dem BVB und Bayern.

Nun ja. Genauer gesagt wurde das Tauschgeschäft nur von einem ganz speziellen Experten in die Runde geworfen, und zwar von Walter M. Straten — dem Sport-Chef der „Bild“-Zeitung. Der war nämlich auch zu Gast bei „Doppelpass“ und sagte:

Wir müssten mal wissen, was Karl-Heinz Rummenigge und Hans-Joachim Watzke bei ihrem Vier-Augen-Gespräch im Käfer letzte Woche besprochen haben. Ich weiß nicht, ob Ihr da Wanzen versteckt hattet — wir hatten’s leider nicht –, deswegen können wir nur spekulieren. (…) Das war nicht das Vorstandsessen, wo mehrere Ohrenzeugen am Tisch saßen, sondern das waren nur die beiden. Da kann ich mir vorstellen, dass es a) um Gündogan ging… ich weiß es nicht, ich erzähl’ jetzt einfach mal: Vielleicht geht’s ja auch mit Tausch, Götze zurück… Gündogan…

(Gelächter in der Runde und im Publikum)

Moderator: Also das wird jetzt ‘ne gewaltige Kaffesatzleserei! Vielleicht sollten wir an dieser Stelle stoppen. (…)

Straten: Also es ist wirklich Spekulation. Aber es wäre ja nicht unlogisch, Götze und Pep Guardiola, das ist irgendwie auch nicht so die ganz große Liebe, und man hat das Gefühl, dass sich Mario Götze auch nicht so weiterentwickelt hat… ich weiß nicht, ob er noch ein Jahr bleiben will bei Bayern oder ob man wirklich darüber gesprochen hat.

Darauf basieren also die „wilden Gerüchte“, die unzähligen Artikel und die ganze Aufregung um Götze und Gündoğan: auf dem, was „Bild“-Mann Walter M. Straten nicht weiß.

Mit Dank an Andreas G.

Seemannsgarn über die einsame Seglerin

Liz Clark hat wahrlich ein traumhaftes Leben: Vor zehn Jahren bekam die Studentin eine Segelyacht geschenkt, seitdem schippert sie alleine über die Meere, macht hier und da einen Zwischenstopp unter Palmen, engagiert sich für den Umweltschutz und lässt es sich an den Stränden dieser Welt so richtig gutgehen.

Doch seit dem Wochenende ist es plötzlich vorbei mit der Idylle. Denn seit Sonntag widerfährt der armen Liz Clark etwas sehr, sehr Unparadiesisches: Sie bekommt Post von „Bild“-Lesern.

Bild.de hatte kurz zuvor nämlich (von der „Daily Mail“ ab-)geschrieben:

Zu zweit in den Sonnenuntergang segeln – was kann romantischer sein?

Das denkt sich auch Seglerin Liz Clark (34): Die US-Amerikanerin aus San Diego (Kalifornien) war zehn Jahre und 25 000 Seemeilen alleine auf den Weltmeeren unterwegs. Jetzt sucht die Skipperin einen jungen Seebären zum Mitreisen! (…)

Bewerbungen an Liz können abenteuerlustige Matrosen unter www.swellvoyage.com schicken.

Ja, da wird sich Liz sicher tierisch gefreut haben über die all die abenteuerlustigen „Bild“-Matrosen, die sich seither bei ihr melden, vor allem, weil die Geschichte überhaupt nicht stimmt. Bei Instagram schreibt Clark (Übersetzung von uns):

Ich möchte die irreführenden Schlagzeilen der „Daily Mail“ und anderer europäischer Medien klarstellen, die geschrieben haben, ich würde „einen Mitsegler suchen“. Sie [die „Daily Mail“] hat mit mir ein sehr umfangreiches Interview über mein Leben geführt und dann die Schlagzeile aus einer meiner Antworten gezogen: Auf die Frage „Fühlen Sie sich manchmal einsam?“ antwortete ich: „Ja, natürlich fühle ich mich manchmal einsam, und ich hoffe, dass ich eines Tages den richtigen Segelpartner finde…“

Ich habe außerdem darüber gesprochen, wie mich das Alleine-Reisen mit der Natur/Gott/dem Spirit verbunden hat und dass ich überall, wo ich hingehe, immer nette und gastfreundliche Menschen treffe! Aber die Medien fanden wohl, das wäre das Aufregendste gewesen, das ich in der ganzen Stunde gesagt habe, also wurde „Mitsegler gesucht“ fälschlicherweise zur Überschrift. In Wahrheit suche ich momentan gar keinen „Segelpartner“, trotzdem bin ich dankbar für Eure Anfragen und wünschte, ich könnte ein Stück von diesem Leben mit Euch allen teilen.

Mit Dank an Michael K.

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