DDR, Brainpool, Putin

1. „In der DDR gab es keinen echten Journalismus“
(thueringer-allgemeine.de, Hanno Müller)
Hanno Müller erinnert an den Journalismus in der DDR: „In der DDR gibt es 1989 zwei Fernsehprogramme, fünf Radiostationen und die zentral gelenkte Nachrichtenagentur ADN. Dazu eine überregionale und 15 regionale SED-Zeitungen sowie 18 Zeitungen der sogenannten Blockparteien. Unabhängige Medien – Fehlanzeige. Journalisten sind Teil des Systems.“

2. „Traktat über einen Mann, den es so gar nicht gibt“
(ad-sinistram.blogspot.de, Roberto De Lapuente)
Die Berichterstattung über Wladimir Putin: „Er gebiert Meldungen, die dem Konsumenten ein Bild vermitteln, das nicht über wirkliche Geschehnisse aufklärt, sondern etwaige Vorurteile nur bestätigt. Der beschriebene Putin ist eine Konstruktion, die nicht mit Ergebnisoffenheit recherchiert wird, sondern nach verplanten Attributen. Er ist so voller einseitiger Boshaftgkeit, Durchtriebenheit und Heimtücke, dass er nur als Personifikation verstanden werden kann.“

3. „Unter Druck“
(zeit.de, Charlotte Parnack)
Peter Noßeks „Harburger Blatt“: „Noßek, 55 Jahre alt, ist Erfinder des Harburger Blatts und dessen Herausgeber. Er ist weiterhin: Chefredakteur, Chefreporter, Artdirector, Fotograf, Anzeigenleiter, Vertriebschef, Buchhalter, Sekretär, Zeitungsbote. (…) Alle zwei Wochen bringt er acht Seiten Lokalnachrichten heraus. Acht Seiten Print. Nur Print.“

4. „Wie TV TOTAL arglose Jugendliche vorführt“
(youtube.com, Video, 6:53 Minuten)
Welche Rechte sich die TV-Produktionsfirma Brainpool von Jugendlichen einräumen lässt, die gemäß einer einzelnen Aussage im Glauben gelassen wurden, sie nähmen an einem Casting teil.

5. „Schäuble: ‘Schnelligkeit vor Sorgfalt'“
(ndr.de, Video, 18:06 Minuten)
Finanzminister Wolfgang Schäuble spricht zum 20. Geburtstag von „Spiegel Online“ über Journalisten, Politiker, Print und Online.

6. „‘Wir verschießen ständig Potenzial'“
(krautreporter.de, Theresa Bäuerlein)
Ein Interview mit einer 32-Jährigen, die während einigen Jahren als Prostituierte in Berlin gearbeitet hat.

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Focus, Smartwatch, Rundfunkbeitrag

1. „Wie islamophob ist der ‘Focus’?“
(blog.zeit.de/radikale-ansichten, Yassin Musharbash)
Yassin Musharbash schaut sich den aktuellen „Focus“ an, der sich unter dem Titel „Ein Glaube zum Fürchten“ mit dem Islam beschäftigt: „Der Islam braucht einen Luther, schreibt der Focus als Fazit. Mindestens genauso dringend braucht der Focus allerdings Journalisten. Sollte diese Titelgeschichte ein ernst gemeinter Versuch gewesen sein, reale und diskussionswürdige Probleme anzusprechen, dann ist er gescheitert.“

2. „Deutschlands Richter sehen fern“
(faz.net, Michael Hanfeld)
Michael Hanfeld fragt sich, warum deutsche Gerichte keine Ausnahmen beim Rundfunkbeitrag anerkennen wollen und hat den Eindruck, die Richter schrieben nur noch voneinander ab: „Die Kläger laufen mit ihren Argumenten gegen eine Wand. Mit ihren Einwänden, was die Ungleichbehandlung im Einzelnen angeht, vor allem aber mit der generellen Kritik, dass es sich bei diesem Beitrag nicht um eine Abgabe handelt, mit der man eine erwünschte Gegenleistung bezahlt, sondern um eine Steuer. Der Einwand, man wolle ARD und ZDF nicht hören und sehen, zählt nicht, ja nicht einmal, dass der Empfang von öffentlich-rechtlichem Rundfunk am Arbeitsplatz nicht erwünscht, nicht möglich oder aus guten Gründen untersagt ist.“

3. „Doppelagenten der Comedy“
(haz.de, Imre Grimm)
Imre Grimm berichtet von einem Mangel an Comedy-Autoren in Deutschland: „Es gibt halt nicht viele Gute. Die politische Spaßindustrie hierzulande ist ein kleiner, tapferer Haufen wehrhafter Recken, die im Dienste der Satire munter die Lager wechseln.“

4. „Die große Chance auf ein erfrischend zurückhaltendes Nachrichtenmedium“
(netzwertig.com, Jürgen Vielmeier)
Jürgen Vielmeier sammelt einige technische Entwicklungen rund um die Smartwatch: „Medienhäuser haben hier eine gute Chance, die Nutzer schneller zu erreichen und personalisierter zu informieren. Besser fahren sie dabei mit zugeschnittenen Informationshappen und nur so vielen Nachrichten wie unbedingt nötig.“

5. „Onlinejournalismus: Konfetti für den Weilchenbeschleuniger“
(spiegel.de, Peter Glaser)
Ein Text von Peter Glaser zu 20 Jahren „Spiegel Online“. „Früher öffnete sich einmal pro Abend mit der Tagesschau das Nachrichtenfenster in die Welt. Heute fließen Meldungen, Informationen, Unterhaltung permanent. Etwas so Sonderbares wie ‘Sendeschluss’ kennen junge Mediennutzer nicht mehr.“

6. „What It’s Like When You Read A Newspaper, What It’s Like When You Read News Online“
(geekculture.com/joyoftech, englisch)

Bild  

Klaas will nicht mit „Bild“ sprechen

Die „Bild“-Zeitung liebt Klaas Heufer-Umlauf, diesen „TV-Witzbold“ (Bild.de) und „Moderatoren-Spaßvogel“ (Bild.de), der ja so „herrlich abgedreht“ ist (Bild.de) und „immer einen lustigen Spruch auf den Lippen“ hat (Bild.de).

Allerdings scheint diese Liebe nicht gerade auf Gegenseitigkeit zu beruhen.

Vor anderthalb Wochen hat Heufer-Umlauf den „Fernsehgipfel“ auf den Medientagen in München moderiert. Im Vorfeld hatten die Organisatoren einige Journalisten zu einer Telefon-Pressekonferenz eingeladen, um ihnen die Möglichkeit zu geben, „Herrn Klaas Heufer-Umlauf direkt fragen zu können, warum er die Moderation des Fernsehgipfels übernommen hat, wie er sich auf seine Moderation inhaltlich vorbereitet hat“ und so weiter.

Die „Bild“-Zeitung wurde aber kurzfristig wieder ausgeladen.

Der Geschäftsführer der Medientage erklärte später in einer Mail, die von „Bild“-Chef Kai Diekmann bei Twitter veröffentlicht wurde:

Uns wurde vom Management von Klaas Heufer-Umlauf kurz vor dem Telefoninterview kommentarlos mitgeteilt, dass Herr Heufer-Umlauf nicht wünschen würde, dass die Bild an dieser Telefon-Konferenz teilnimmt.

So fand die Konferenz dann auch statt: ohne „Bild“.

Darüber war Kai Diekmann eher weniger begeistert. Sein Kommentar:

In der Mail an „Bild“ betont der Geschäftsführer der Medientage übrigens noch mehrmals, wie unendlich leid ihm die Sache doch tue. Er und seine Kollegen hätten „Bild“ sehr gerne dabei gehabt, schließlich seien die „Bild München, die Bild und der Axel Springer Verlag“ in den vergangenen Jahren „treue und verlässliche Partner“ gewesen. Und dann so was! Er schreibt: „Uns hat das gar nicht gefallen“.

Uns schon.

Nachtrag, 5. November: In der ZDF-Sendung „Pelzig hält sich“ hat Heufer-Umlauf gestern über die Sache gesprochen (Mediathek, ab ca. 56:00):

Pelzig: Was ich bei Ihnen wirklich klasse finde: Sie wollen natürlich Karriere machen, das wollen ja alle, aber nicht um jeden Preis. Jetzt habe ich gelesen, Sie hätten sich geweigert, mit der „Bild“-Zeitung zu reden, obwohl die Sie so lieben, und die waren total beleidigt. Da hat man aber schon Eier!

Heufer-Umlauf: In diesem Fall war es ein bisschen eine komische Kommunikation, die tatsächlich nicht so genau war, aber ich glaube, wenn eine Zeitung, und da geht’s nicht um die „Bild“-Zeitung, sondern um welche Zeitung auch immer, ein Foto abdruckt, was heimlich gemacht wurde, und da ist mir egal, welcher Verlag, welche Zeitung das macht, dass man da ein irritiertes Verhältnis dazu hat, ist ja klar.

Pelzig: Ach, die haben ein heimliches Bild gemacht?

Heufer-Umlauf: Naja, das ist ja keine neue Sache. In diesem Fall muss man sagen, und das muss man der kompletten Wahrheit getreu noch hinzufügen, dass das eine Pressekonferenz war, zu der man selber natürlich kein deutsches Medium ein- oder auslädt, weil das ist eine öffentliche Pressekonferenz, das hätte ich so nicht gemacht, aber dass man grundsätzlich — und das beschränkt sich nicht auf diese Zeitung, da gibt’s auch ein paar andere, da gibt’s auch eine Zeitung, die „Closer“ heißt, die komplett davon lebt, dass man einfach nur heimlich gemachte Fotos veröffentlicht und dann damit rechnet, dass man verklagt wird — ich finde, das übertritt eine gewisse Moral, an die man sich auch als Boulevardmedium halten kann.

Mit Dank auch an @macerarius.

Lausitzer Rundschau, Theo van Gogh, Apple-Keynote-Liveticker

1. „Content essen Seele auf“
(siegstyle.de, Alf Frommer)
„Was läuft eigentlich gerade falsch im Journalismus?“ Alf Frommer antwortet: „Viele Marken verkaufen gerade ihre Seele an den Content: gut ist, was beliebt ist und Klicks generiert. (…) Durch Zusammenlegung von Redaktionen spart man eben nicht nur Kosten, sondern schrumpft auch seine eigene Wiedererkennbarkeit. Wenn aber alles eine Soße ist, warum soll ich das noch am Kiosk kaufen oder im Internet dafür bezahlen? Da werden Marken kaputt gespart und ein Image zerstört.“

2. „Journalismus unter Verdacht“
(faz.net, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier erkennt eine zunehmende Kritik am etablierten Journalismus: „So wie aus Politikverdrossenheit bei vielen Menschen Politikverachtung geworden ist, ist aus Journalismusverdrossenheit Journalismusverachtung geworden – und Journalistenverachtung. (…) Viele der seriösen Medien scheinen noch nicht zu ahnen, wie groß die Erosion des Vertrauens in ihre Arbeit ist und dass dieses Vertrauen die Grundlage für alles ist.“

3. „Warum ich mich ohne schlechtes Gewissen von Apple einladen lasse“
(nzz.ch, Henning Steier)
Henning Steier reagiert auf den Artikel „Der Apfel fällt nicht weit vom Bann“ (krautreporter.de, Richard Gutjahr): „Bei jeder Apple-Veranstaltung frage ich mich, wie die vielen Live-Ticker zu erklären sind, die mindestens 30 Minuten vor der Apple-Keynote beginnen und mit Banalitäten wie ‘Coldplay säuseln aus den Boxen’ gefüllt werden. Die Antwort der Kollegen ist ebenso einfach wie scheinheilig: Die Leser verlangen das. Ich bin nicht sicher, ob sie ungefilterte Verlautbarungen schätzen. Auffällig ist in jedem Fall, dass bei den meisten Publikumsmedien nur Apple einen Live-Ticker bekommt – obwohl doch etwa Google und Facebook für die meisten Nutzer mindestens genauso wichtig sind und ebenfalls diverse Veranstaltungen pro Jahr abhalten.“

4. „Der stumme Schrei“
(welt.de, Dirk Schümer)
Dirk Schümer erinnert an den vor zehn Jahren auf offener Straße ermordeten Theo van Gogh, „mittelmäßiger Filmregisseur“, „williger Talkshowpöbler und rüder Zeitungskolumnist“: „Mit dem Mord war die Epoche der tabufreien Debatten im Leser- und Plaudervolk der Niederlande schlagartig vorbei. ‘Gnade! Wir können doch drüber reden!’, waren van Goghs letzte Worte an seinen Killer, und sie beschreiben messerscharf den Abgrund, der sich auftut.“

5. „Angst ist keine Option“
(taz.de, Anne Fromm)
Anne Fromm besucht die Redaktion der „Lausitzer Rundschau“ in Spremberg, die gegen Schmierereien und Drohungen ankämpft. „Er wäre einfach, jetzt zu denken: die braune Lausitz, mit all diesen ‘Idioten’. Aber Wappler ist sich sicher: Wenn andere Journalisten vor ihrer Haustür genau gucken würden, würden sie ähnliche Geschichten finden. Die Nazi-Krawalle in Köln am vergangenen Wochenende, SS-Siggi in Dortmund, der NSU in Jena.“

6. „20 Jahre ‘Extra’ – Wir ‘gratulieren'“
(medienkritisch.ch, Stephan Stulz)
Stephan Stulz schaut sich die Jubiläumsausgabe des RTL-Boulevardmagazins „Extra“ an: „Immerhin bringt mich ein Statement von Moderator Kena Amoa zum Schmunzeln: ‘Naja, es wirkte halt immer so, als suchte man irgendeinen journalistischen Grund, Menschen nackt zu zeigen.’ Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.“

Brigitte, Günter Stampf, Wetten, dass..?

1. „Today’s key fact: you are probably wrong about almost everything“
(theguardian.com, Alberto Nardelli und George Arnett, englisch)
Die Studie „Perceptions are not reality: Things the world gets wrong“ (ipsos-mori.com).

2. „‘Der Untergang der deutschen Zeitschriftenkultur’ – Thomas Koch über die Entlassungen bei G+J“
(meedia.de, Stefan Winterbauer)
Der Verlag Gruner + Jahr trennt sich von allen festen Textredakteuren der Zeitschrift „Brigitte“. Thomas Koch schreibt dazu: „Die Kultur einer Zeitschrift – das was sie von allen anderen unterscheidet – macht die Redaktion. Das können nur engagierte, langjährig angestellte Journalisten, die tagein nachtaus für ‘ihre’ Brigitte leben. Das können externe, freie Schreiber, die am nächsten Tag für die Für Sie schreiben, definitiv nicht. Traurig genug, dass man den Verlagen das heutzutage wie einem Kleinkind erklären muss.“

3. „Die Entschleunigung des Hauptstadtjournalismus“
(de.ejo-online.eu, Nicolas Miehlke)
Nicolas Miehlke befragt Korrespondenten und Büroleiter in Berlin: „Trotz mancher Exzesse (wie die Berichte, dass Wulff sich für ein Bobbycar erkenntlich gezeigt haben soll) will auch in der Wulff-Affäre kaum einer der Befragten der Medienmacht ein zu großes Gewicht beimessen, wobei natürlich zu bedenken ist, dass es sich um Selbstauskünfte von Journalisten und damit tendenziell auch um sozial erwünschte Antworten bezüglich ihres Rollenbildes handelt.“

4. „Warum sich der Boulevardreporter Günter Stampf das Leben nahm“
(deutschlandfunk.de, Audio, 49:39 Minuten)
Hintergründe über den Suizid von Günter Stampf 2012.

5. „Eine neue Ära von Journalismus auf Facebook?“
(socialmediawatchblog.org, Martin)
Martin Giesler glaubt eine „neue Ära von Journalismus auf Facebook“ zu erkennen: „Journalismus könnte bald vollumfänglich auf Facebook selbst stattfinden.“

6. „Will Arnett’s Crazy German Talk Show Experience“
(youtube.com, Video, 5:03 Minuten, englisch)
Schauspieler Will Arnett erzählt, wie es war als Gast in der ZDF-Sendung „Wetten, dass..?“.

Gratis-„Titanic“ gegen Gratis-„Bild“

Sollte am 8. November eine Gratis-“Bild“ in Ihrem Briefkasten landen — die PARTEI hätte da ein interessantes Angebot für Sie:

Die PARTEI Zwangsumtausch: Bild vs. TITANIC + Glühwein

Zum grossen Mauerevent am Abend des 08.11.2014 tauschen wir jede (in Worten: jede) „Gratisbild“ gegen ein Faktenmagazin der Marke „TITANIC“ um. Ohne wenn und aber! Machen Sie das Beste aus Ihrem Papiermüll und geniessen Sie einen spätsommerlichen Abend mit Glühwein (umsonst), Mauerpropaganda (gratis) und bunten Witzheftchen (TITANIC).

Wir haben sicherheitshalber nochmal nachgefragt: Das ist wirklich ernst gemeint! Also wenn Sie am 8. November in Berlin sind (weitere Orte siehe unten) und Lust haben, den Gratis-Schrott gegen was Vernünftiges einzutauschen: Die Aktion findet ab 19 Uhr an der Adalbertstraße, Ecke Bethaniendamm/Engeldamm statt.

Und wenn Sie jetzt schon Widerspruch eingelegt oder einen Sticker an Ihren Briefkasten geklebt haben, können Sie ja vielleicht noch dem einen oder anderen Nachbarn einen sinnvollen Dienst erweisen.

Nachtrag: Auch in folgenden Städten können Sie am 8. November die Gratis-„Bild“ gegen eine „Titanic“ eintauschen:

Lorenz Haag, Apple, Blogwalk

1. „Pro Putin: Deutscher in russischen Medien“
(ndr.de, Video, 5:26 Minuten)
Zapp sucht Lorenz Haag in Chemnitz auf, der regelmässig von russischen Medien als Experte zitiert wird: „Mit uns reden will er nicht, sagt er mit starkem russischen Akzent. Ein Lieblingsexperte der russischen Medien, vor deutschen Journalisten versteckt er sich.“ Siehe dazu auch „Lorenz Haag, Doppelprofessor für Putins Propaganda“ (welt.de) und „Propaganda für den Kreml: Putins deutsche Gehilfen“ (spiegel.de).

2. „Der Apfel fällt nicht weit vom Bann“
(krautreporter.de, Richard Gutjahr)
Journalist Richard Gutjahr, der „nicht unbedingt zu den Apple-Kritikern in Deutschland“ zählt und auch Apple-Aktien besitzt, berichtet, „wie Apple professionelle Berichterstatter am Nasenring durch die Manege führt“. Er fragt: „Wie lange wollen wir uns noch von den Apfel-Strategen verbiegen lassen? Gängelungen, Bevormundungen, Drohungen – ein hoher Preis für die Aussicht auf ein Testgerät und hoffentlich die nächste Einladung aus Cupertino.“

3. „Bloggen unterm Konzerndach“
(get.torial.com, Stefan Mey)
30 Modebloggerinnen schreiben nun auf Blogwalk.de: „Die Bloggerinnen hatten teilweise vorher schon ein respektables Publikum für sich gewonnen und ihr persönliches Modejournal professionell oder eher als Freizeitprojekt betrieben. Ihren Webauftritt lassen alle komplett zurück. Sämtliche Inhalte wurden übertragen, und die alte Webadresse leitet automatisch auf Blogwalk weiter.“

4. „Sexualkunde für Hassprediger II“
(erbloggtes.wordpress.com)
Erbloggtes beschäftigt sich mit dem Text „Moderne Sexualkunde: Oralsex für den Siebtklässler“ (spiegel.de, Jan Fleischhauer).

5. „Mein Datenschatten als Grafik: So durchschaubar sind wir“
(spiegel.de)
Malte Spitz fragt bei Unternehmen und Behörden nach, was über ihn gespeichert ist. „Manchmal hat er Auskunft bekommen, so wie es das Gesetz auch vorsieht.“

6. „17 atemberaubende Fotos, die alle völlig identisch sind [Bildergalerie]„
(der-postillon.com)

In der Gaga-Bäckerei der EU

Mensch, diese EU schon wieder.

Schon wieder eine Gaga-Verordnung aus der EU!

(„Bild“)

Ist das Gaga? Nein: EU!

(rtl.de)

Neuer EU-Wahnsinn: Bald kommt das Kuchen-Gesetz

(„Focus Online“)

Das „Kuchen-Gesetz“, über das sich die Journalisten so aufregen, ist die neue Lebensmittelverordnung, die ab dem 13. Dezember greifen soll. Und warum die so gaga ist, erklärt „Bild“ auf der heutigen Titelseite so:

Schon wieder eine Gaga-Verordnung aus der EU, die vor allem Eltern richtig nerven wird!

Ab 13. Dezember gilt die neue Lebensmittelverordnung, wonach künftig auch bei lose angebotenen Lebensmitteln (Kuchen, Schnittchen, Salate) alle Inhaltsstoffe aufgeführt werden müssen. Heißt im Klartext: Wer z. B. Einen Kuchen für einen Basar oder ein Fest im Kindergarten oder in der Schule backt, muss künftig eine exakte Zutatenliste mitliefern.

Das wäre tatsächlich ziemlich bescheuert — wenn es denn stimmte. Tut es aber nicht.

Die EU-Kommission erklärte heute bei Facebook:

Das ist – mal wieder – Quatsch. Neue Regeln zur Kennzeichnung von Lebensmitteln gibt es zwar ab Dezember – aber die gelten explizit nur für Unternehmen, und eben NICHT für Privatpersonen oder z.B. den Kuchenverkauf bei Wohltätigkeitsveranstaltungen.

Auch die SPD-Europaabgeordnete Susanne Melior stellt klar:

„Eltern können natürlich weiterhin in Kindergärten und Schulen selbstgemachtes Essen zu den Geburtstagsfeiern, Frühlingsfesten und Weihnachtsbasaren mitbringen. Keine Kaffeerunde in Seniorenheimen ist gefährdet. Wer gelegentlich privat oder ehrenamtlich Essen spendet, fällt nicht unter die Kennzeichnungspflicht der neuen Lebensmittelverordnung.“

Und wer es jetzt immer noch nicht glaubt: Hier (S. 2, Punkt 15) steht es schwarz auf weiß:

Das Unionsrecht sollte nur für Unternehmen gelten, wobei der Unternehmensbegriff eine gewisse Kontinuität der Aktivitäten und einen gewissen Organisationsgrad voraussetzt. Tätigkeiten wie der gelegentliche Umgang mit Lebensmitteln und deren Lieferung, das Servieren von Mahlzeiten und der Verkauf von Lebensmitteln durch Privatpersonen z. B. bei Wohltätigkeitsveranstaltungen oder auf Märkten und Zusammenkünften auf lokaler Ebene sollten nicht in den Anwendungsbereich dieser Verordnung fallen.

Das hätte auch der (anonyme) Verfasser des „Bild“-Artikels wissen können, und dafür hätte er nicht mal in das Dokument schauen müssen. Denn schon vor einer Woche gab das Bundeslandwirtschaftsministerium auf Anfrage des CDU-Bundestagsabgeordneten Christian Haase Entwarnung. Im „Westfalenblatt“ sagte Haase:

„Ich habe mir dazu vom Bundeslandwirtschaftsministerium bestätigen lassen, dass ‘private’ Veranstaltungen, darunter auch Feuerwehrfeste oder das Seniorencafé, von der Kennzeichnungspflicht ausgenommen sind“

Und sogar „Bild“ selbst hat gestern online berichtet, dass die Verordnung „nicht für Speisenzubereitungen durch Privatleute“ gilt, die Kitas also weiter „krümeln dürfen“.

Im Streit um die „Kuchen-Verordnung“ der EU hat sich jetzt die Vernunft durchgesetzt…

In der Redaktion von „Bild“ natürlich nicht.

Mit Dank an Moritz D.

Politikmagazine, Kurt Imhof, Blogwalk

1. „Im Wendekreis des Krebses“
(wahrheitueberwahrheit.blogspot.ch)
Spekulationen über den Gesundheitszustand von Wladimir Putin: „Also, Focus Online sagt, daß pagesix.com sagt, daß Putin Bauchspeicheldrüsenkrebs habe, und keinen Rückenmarkkrebs, weil polnische Klatschseiten sagen, Putin habe einen Hirntumor, weil ein britischer Journalist vor sieben Monaten gesagt habe, ein russischer Oligarch hätte ihm gesagt, daß Putin einen Hirntumor hätte.“

2. „Bernd Gäbler: ‘Es gibt einen gebührenfinanzierten Überschuss an Einlullendem'“
(newsroom.de, Bernd Gäbler)
Bernd Gäbler refereriert über die politischen Magazine der Öffentlich-Rechtlichen: „Immer wieder gibt es Appelle, Betroffene nicht zu ignorieren, sondern zu schützen, zu handeln, meist gesetzgeberisch. Nach dem Staat wird gerufen. Es kann der Eindruck entstehen, ein ‘beschützender Etatismus’ sei die politische Konsensorientierung der Polit-Magazinmacher. Ob Rentner ihre Anlagen verspekulieren oder Lehrer Unterrichtsmängel beklagen, nie gibt es auch nur einen Hinweis auf Eigenverantwortung.“

3. „Flüchtlinge als Sündenböcke“
(taz.de, Sebastian Heiser)
Sind Ausgaben für Flüchtlinge daran schuld, dass im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg stark gespart werden muss? Sebastian Heiser zählt vier Gründe auf, weshalb er eine solche Berichterstattung als „einseitig und grob irreführend“ einstuft.

4. „‘Das Reflexionsniveau gegenüber der eigenen Branche ist tief!'“
(persoenlich.com, Matthias Ackeret)
Ein Interview mit Kurt Imhof, der das „Jahrbuch Qualität der Medien“ (Hauptbefunde 2014) mitherausgegeben hat: „Themen, die man früher eindeutig dem Boulevardjournalismus zuordnen konnte, werden mittlerweile auch von den Qualitätstiteln behandelt und tragen zum Medienhype bei.“

5. „Journalismus zum Kuscheln“
(sueddeutsche.de, Ruth Schneeberger)
Ruth Schneeberger stellt zwei neue Magazine vor. „Mindart“, das angetreten sei, die „neue Eso-Szene mit der alten aus den 80er-Jahren zu verbinden“. Und „My Harmony“: „Es wird dem Herbstspaziergang gehuldigt und dem Briefeschreiben von Hand; Buchempfehlungen werden ausgesprochen, dazu Kochrezepte, etwa für Schweinebacken mit Pastinaken.“

6. „RTL vereint Modebloggerinnen“
(berliner-zeitung.de, Carmen Böker)
Die RTL-Modeplattform Blogwalk.de: „Im Modemagazin-Look auf schlicht weißem Grund, der die Beiträge endlos hintereinander wegrollen lässt, berichten 26 Bloggerinnen. Von den Fährnissen des täglichen Sich-Anziehens, des Sich-Einrichtens und des Sich-Ernährens, wobei immer aus einer persönlichen, man könnte auch sagen: ausgesprochen ichbezogenen Perspektive heraus kommuniziert wird. Es wird nicht analysiert, sondern affirmiert; der Leser fühlt sich wie in eine transkribierte Version von ‘Germany’s Next Top Model’ hineingeraten, wo jedes Schuh-Schnäppchen kollektive Ekstase auslöst. Was gut zum Umfeld passt.“

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