Archiv für Dezember, 2017

US-Netzparteilichkeit, Schlapphut-Niederlage, WDR-Liebeskummer

1. Schwarzer Tag fürs Internet: USA demolieren Netzneutralität
(netzpolitik.org, Tomas Rudl)
Bislang galt in den USA die Netzneutralität, die sicherstellte, dass Netzbetreiber weder den Zugang zu legalen Inhalten drosseln oder blockieren noch „Überholspuren“ einrichten konnten. Damit ist es nun vorbei: Die „FCC“ („Federal Communications Commission“) hat die Netzneutralitätsregeln abgeschafft. Tomas Rudl kritisiert die Entscheidung: „Das Internet droht, jedenfalls in den USA, zu einem Produkt zu verkümmern, das eher dem Kabel-TV gleicht als dem bisherigen, offenen Netzwerk. In Anbetracht der erheblichen Marktkonzentration im Telekommunikationssektor, die US-Nutzern jetzt schon nur wenige Auswahlmöglichkeiten lässt, sind das keine guten Aussichten.“

2. Wegweisendes Urteil gegen den BND
(reporter-ohne-grenzen.de)
Das Bundesverwaltungsgericht gab einer Klage der „Reporter ohne Grenzen“ statt: Ab sofort darf der Bundesnachrichtendienst (BND) keine Verbindungsdaten aus Telefongesprächen der Organisation in seinem Metadaten-Analysesystem „VerAS“ speichern. Auf Seiten der „Reporter ohne Grenzen“ zeigt man sich hocherfreut: „Das Urteil ist ein historischer Erfolg für Reporter ohne Grenzen, weil es uns gelungen ist, dem BND Grenzen aufzuzeigen. Gleichzeitig stärkt es unsere Arbeit, denn verfolgte Journalisten aus autoritären Staaten wie Usbekistan oder China müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Kommunikation mit uns vertraulich bleibt.“

3. WDR-Redakteure enttäuscht: Wo ist Buhrows Liebe hin?
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Nachdem WDR-Intendant Tom Buhrow angekündigt hat, auf Wunsch der Verleger das Textangebot runterzufahren, rumort es im Sender. Die Redakteursvertretung beklage insbesondere den Kommunikationsstil und fühle sich schlecht informiert. Für zusätzliche Empörung sorge eine kursierende Mail, die Zeichenbegrenzungen vorgibt und bei Überschreitung mit „persönlichen Konsequenzen“ droht.

4. Storify macht dicht und löscht alles
(schmalenstroer.net)
„Storify“ ist ein vielgenutztes Tool, mit dem man Beiträge aus Sozialen Medien sammeln und zu einer Geschichte bündeln kann. Doch damit ist bald Schluss: Der Dienst wird in wenigen Monaten abgeschaltet. Für Michael Schmalenstroer der Anlass, den Einsatz derartiger Dienste grundsätzlich in Frage zu stellen: „Statt einem Storify hätte man auch ein normales Blog mit eingebundenen Tweets nutzen können. Dann ist man nicht von einem Dienstleister abhängig, der je nach wirtschaftlicher Lage den Dienst einfach einstellt. Wer seinen Krams selbst hostet und darauf aufpasst, wird keine bösen Überraschungen erleben. Gebt nicht die Kontrolle über eure Inhalte ab, denn kein Anbieter hat sich dieses Vertrauen verdient!“

5. Position beziehen — Nicht nur, aber auch auf der Buchmesse
(verlagegegenrechts.wordpress.com)
Auf der Leipziger Buchmesse werden erneut das „Compact Magazin“ und die „Junge Freiheit“ anzutreffen sein: „Compact“-Chef Jürgen Elsässer habe davon gesprochen, dass er die Leipziger Buchmesse „für die Meinungsfreiheit zurückerobern“ wolle. Die Initiative #verlagegegenrechts will den Auftritt der Rechten nicht unwidersprochen lassen: „Wir werden unsere Ablehnung rechter Ideologien sichtbar machen. Wir werden mit möglichst vielen Menschen in den Dialog treten und eine Veranstaltungsreihe an verschiedenen Orten auf der Messe und in Leipzig präsentieren. Wir werden uns dem medialen Aufmarsch der Rechten entgegenstellen. Ohne ihnen eine Bühne zu bieten.“

6. Jahresrückblick 2017
(trends.google.de)
Wonach haben die Deutschen 2017 gesucht? Google führt im Jahresrückblick die wichtigsten Suchbegriffe auf und verrät, welche Was-, Wo- und Warum-Fragen die Deutschen am häufigsten gestellt haben. In den Top-Platzierungen Fragen wie: „Was ist ein Schuppentier?“, „Warum ist Butter so teuer geworden?“ und „Wo befindet sich der Hubraum?“

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Bild.de dreht Astronomen Alien-Raumschiff im Mund herum

Nein, alte Weltraumforscher und Alien-Fans von Bild.de.

Screenshot Bild.de - Astronom sicher - Asteroid ist Alien-Raumschiff mit kaputter Steuerung

Nein. Jason Wright, der Astronom, den ihr in eurem prominent platzierten Artikel zitiert und der es in eure Titelzeile geschafft hat, ist sich nicht sicher, dass es sich bei dem kürzlich entdeckten interstellaren Objekt Oumuamua um ein „Alien-Raumschiff“ handelt. Im Gegenteil. Jason Wright ist sich sogar ziemlich sicher, dass es sich nicht um ein „Alien-Raumschiff“ handelt. Ihr habt das nur nicht verstanden oder falsch abgeschrieben, vermutlich von den Knallblattkollegen der „Daily Mail“, oder beides.

Im eurem Artikel steht dazu:

Einer, der sich schon jetzt sicher ist, dass es sich bei Oumuamua um ein Alien-Raumschiff handelt, ist Dr. Jason Wright von der Penn State University. Der Wissenschaftler glaubt, dass das Objekt aufgrund einer kaputten Steuerung schlingert.

Wright schreibt in seinem Blog: „Da es (vermutlich) nicht mehr die Kontrolle über die Steuerung hat, kann man erwarten, dass es irgendwann anfängt abzustürzen. Wenn das Objekt starr ist, könnte das durch die kaputten Motoren hervorgerufene Taumeln sie von normalen interstellaren Asteroiden unterscheiden.“

Dass die Steuerung defekt ist, heiße noch lange nicht, dass auch der Funk nicht mehr funktioniere. Wright glaubt, dass es sich um eine so genannte „Von-Neumann-Sonde“ handeln könnte — ein sich selbst replizierendes Raumfahrzeug (so die Vorstellung in der Theorie), das Sternensysteme besucht.

Jason Wright schreibt all das tatsächlich in seinem Blog. Nur dass er im Fall von Oumuamua nicht daran glaubt — die (direkten und indirekten) Zitate hat Bild.de völlig aus dem Zusammenhang gerissen. Wright hat seinem Blogpost, aus dem sie stammen, extra eine entscheidende „note“ vorangestellt:

[note: As I wrote in November, I don’t think ‘Oumuamua is an alien spacecraft. While other astronomers have made that suggestion, and while I’m happy to engage in such speculation in a SETI context, I think ‘Oumuamua is interesting in its own right as an asteroid and because of how it is getting us thinking about how to find alien probes in the Solar System.]

Noch klarer wird Wrights Position zu Oumuamua, wenn man sich den von ihm erwähnten Beitrag aus dem November anschaut:

Screenshot des Blogs von Jason Wright - Is Oumuamua an Alien Spacecraft? No, I don't think there's any reason to think it is, but there's lots of chatter on Twitter that suggest astronomers think it could be

Mit Dank an Patrick S., Moritz und Tim für die Hinweise!

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Demenz-PR im SWR?, WDR-Duckmäuser, Flop-Parade 2017

1. Verdeckte PR im SWR? Demenz-Doku des ARD-Senders verbreitet falsche Fakten und Heilversprechen der Industrie
(meedia.de, Cornelia Stolze)
Die Wissenschaftsjournalistin Cornelia Stolze ist entsetzt über eine 45-minütige Demenz-Doku des SWR. Der Film enthalte falsche Fakten und zeichne ein völlig verzerrtes Bild von Demenz. Der Autor des Beitrags, Lothar Zimmermann, übernehme un­hin­ter­fragt das Narrativ der Arzneimittelindustrie: „Unklar ist, ob Zimmermanns Irreführung allein auf mangelnder Recherche basiert. Fest steht nur: In dem gesamten 45-minütigen Beitrag kommt kein einziger unabhängiger Experten zu Wort. Alle Mediziner und Forscher, die Zimmermann interviewt und um die Vermittlung von Patienten gebeten hat, weisen enge Verbindungen zur Pharmaindustrie und damit massive Interessenkonflikte auf.“

2. Wenn Medien Täter machen
(deutschlandfunk.de, Manfred Götzke)
Die Berichterstattung über Pädophilie wird von Experten als problematisch erachtet. Viele Journalisten würden Pädophilie mit Kindesmissbrauch gleichsetzen. Das sei falsch und könne fatale Folgen haben. Aus der klinischen Erfahrung sei bekannt, dass 60 Prozent der Kindesmissbrauchstäter nicht pädophil seien. Umgekehrt sei nicht jeder Pädophile potentiell ein Kindesmissbrauchstäter. Wünschenswert sei eine unvoreingenommenere, differenziertere Berichterstattung.

3. Zu hoch, zu schnell, zu weit?
(de.ejo-online.eu, Felix Simon)
Das „Reuters Institute for the Study of Journalism“ hat die Situation digitaler Medienunternehmen wie „BuzzFeed“ und „Vice“ untersucht. Trotz des rasanten Wachstums in der Vergangenheit sehe die Zukunft für die Unternehmen eher düster aus, auch wegen der starken Abhängigkeit von digitaler Werbung als Haupteinnahmequelle. Der digitale Journalismus ähnele einer Blase, in der die meisten Anbieter weiterhin unter Verlusten operieren würden: „Die Blase wird schlussendlich platzen, wenn diese Unternehmen keine nachhaltigeren Geschäftsmodelle finden.“

4. In der Welt mitreden
(taz.de, Daniel Bouhs)
Deutsche Medien spielen im internationalen Journalismus kaum eine Rolle. Daniel Bouhs berichtet über die Anstrengungen einiger deutscher Medienhäuser, den Anschluss an das globale Geschäft zumindest nicht ganz zu verlieren.

5. Die große Online-Defensive des WDR
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Der WDR reduziert in einer Art freiwilligen Selbstverpflichtung die Textanteile seiner Internetseiten und kommt damit einem Wunsch der Zeitungsverleger nach. Stefan Niggemeier kommentiert: „Es ist eine merkwürdig duckmäuserische Haltung und eine merkwürdige Missachtung der Beitragszahler. Denn die haben ein Recht, für das Geld, das sie zahlen, den bestmöglichen öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu bekommen — und nicht eine Version, die unter Berücksichtigung kommerzieller Interessen entsprechend abgespeckt ist.“

6. Flop-Parade 2017: Die größten Misserfolge des Jahres
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Auf stolze 80 TV-Misserfolge ist Uwe Mantel in seiner „Flop-Parade 2017“ gekommen. Es ist eine Galerie des Grauens geworden, durch die man sich durchklicken kann. Entsprechende Leidensbereitschaft vorausgesetzt.

„Nach BILD-Informationen“

Bei dieser Nachricht vom vergangenen Freitag …

Screenshot Bild.de - JVA Heidering - U-Bahn-Treter im Knast verprügelt

… johlte das Volk mal wieder los:

Und das, liebe Freunde, nennt man Karma. Da hats mal den/die richtigen getroffen

der sollte jeden Tag Prügel bekommen, Täterschutz geht mir schon lange auf den …… wer schützt in Deutschland die Opfer

Wenn der Staat bei der Gerechtigkeit versagt kümmern sich halt die Häftlinge darum 👍 finde ich klasse und hoffe, dass es nicht das letzte mal war.

Und das sind noch die harmloseren der rund 4000 Kommentare unter dem Facebook-Post der „Bild“-Redaktion. Das Problem dabei, abgesehen von der breiten Zustimmung zur Selbstjustiz: Die Berichte von „Bild“ und Bild.de sind ziemlich fehlerhaft — es ist auch heute nicht ganz klar, ob wirklich der „U-Bahn-Treter im Knast verprügelt“ wurde, auf jeden Fall wurde er nicht „krankenhausreif geprügelt“, wie die „Bild“-Medien behaupten.

Am Freitagabend berichtete Bild.de, dass ein Mann in der Justizvollzugsanstalt Heidering von anderen Häftlingen zusammengeschlagen worden sei. Am Samstag gab es dazu auch in der Berlin/Brandenburg-Ausgabe der „Bild“-Zeitung einen Artikel:

Ausriss Bild-Zeitung - U-Bahn-Treter von Häftlingen krankenhausreif geschlagen

Es soll sich dabei laut „Bild“-Redaktion um jenen Mann handeln, der im Oktober 2016 auf dem Berliner U-Bahnhof Hermannstraße einer Frau in den Rücken trat. Der Fall sorgte bundesweit für Aufsehen. Nach einer Öffentlichkeitsfahndung wurde der Mann wegen gefährlicher Körperverletzung zu zwei Jahren und elf Monaten Haft verurteilt.

Bild.de schreibt zu dem angeblichen Vorfall in der JVA:

Nach BILD-Informationen soll der Angriff auf S[.] in Haus 1 der Berliner Haftanstalt passiert sein. Offenbar hatten die Angreifer die sogenannte Laufzeit abgewartet — Zeit, in der die Gefangenen zu ihren Arbeitsstellen, oder anderen Abteilungen in der JVA — gehen dürfen. […]

Pikant: S[.] wurde offenbar erst gestern nach Großbeeren gebracht, weil er in der JVA-Tegel nicht mehr „sicher“ war. Wie es hieß, soll er „sicherungsverlegt“ worden sein. […]

Meldepflichtig sind solche Angriffe auf Mithäftlinge spätestens dann, wenn das Opfer in ein Krankenhaus zur stationären Behandlung gebracht werden musste. Das soll gestern der Fall gewesen sein.

Wir haben bei der Berliner Senatsverwaltung für Justiz nachgefragt. Pressesprecher Sebastian Brux sagte uns, dass er zu einzelnen Häftlingen keine Informationen geben dürfe, allerdings sei allgemein festzustellen, dass „am Freitag in der JVA Heidering kein Gefangener krankenhausreif geschlagen“ worden sei. Es habe auch keine Verlegung „in das Justizvollzugskrankenhaus Berlin oder in ein öffentliches Krankenhaus“ stattgefunden. Brux bestätigte, dass es am Freitag „eine gewalttätige Auseinandersetzung zum Nachteil eines Gefangenen“ gegeben habe. Allerdings sei dieser Insasse „zuvor nicht von der JVA Tegel in die JVA Heidering, sondern von der JVA Moabit in die JVA Heidering verlegt“ worden. Es habe sich dabei auch nicht, wie von der „Bild“-Redaktion behauptet, um eine Sicherheitsverlegung gehandelt. Außerdem habe sich der Vorfall „nicht in einem Arbeitszusammenhang“ ereignet.

Die „Bild“-Geschichte ist mit all ihren Fehlern bei vielen anderen Medien gelandet. „Der Westen“ hat sie zum Beispiel übernommen:

Screenshot derwesten.de - Berliner U-Bahn-Treter im Knast krankenhausreif geprügelt

Genauso tz.de, immerhin mit einem Fragezeichen:

Screenshot tz.de - Wurde Berliner U-Bahn-Treter im Gefängnis krankenhausreif geschlagen?

t-online.de:

Screenshot t-online.de - Trotz Sicherheitsverlegung - U-Bahn-Treter in Gefängnis verprügelt

… wurde der 28-jährige Svetoslav S[.] von anderen Insassen attackiert und krankenhausreif zugerichtet.

rtl.de:

Screenshot rtlnext.de - Berliner U-Bahn-Treter in JVA-Heidering von Mithäftlingen krankenhausreif geprügelt

oe24.at:

Screenshot oe24.at - U-Bahn-Treter von Häftlingen verprügelt

Der 28-Jährige wurde am Freitag attackiert und krankenhausreif geprügelt.

Krone.at:

Screenshot krone.at - Berliner U-Bahn-Treter krankenhausreif geprügelt

Die Kommentare unter dem eingangs erwähnten Facebook-Post wurden irgendwann so grässlich, dass es selbst der „Bild“-Redaktion zu viel war. Sie schrieb:

Liebe User, diese Geschichte hat uns alle sehr schockiert. Aber der Täter wurde verurteilt und verbüßt seine Strafe. Es gibt ein Rechtssystem in Deutschland. Und auch, wenn manche Urteile einem persönlich nicht fair erscheinen, ist das trotzdem keine Berechtigung, Selbstjustiz zu verüben. Auch nicht im Gefängnis. Auch eine JVA ist kein rechtsfreier Raum. Darum bitten wir euch, bei euren Kommentaren sachlich zu bleiben. Hetzerische, beleidigende oder diskriminierende Aussagen werden moderiert und bei Bedarf gelöscht.

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Reporterpreis, Medien als AfD-Helfer, Morrissey-Audiomitschnitt

1. Deutscher Reporterpreis 2017 in Berlin verliehen
(reporter-forum.de)
In Berlin wurde zum neunten Mal der „Deutsche Reporterpreis“ verliehen. Bei einer festlichen Gala im „Tipi am Kanzleramt“ wurden die beste Reportage ausgezeichnet, das beste Interview gekürt und viele weitere Preise vergeben. Auf der „Reporter-Forum“-Seite werden die Preisträger und Nominierten aufgeführt. Aber nicht nur das — alle Texte sind als PDFs verknüpft. Also am besten die Seite bookmarken, sie ist ein Schatz an guten Geschichten. Weiterer Lesehinweis: Der Beitrag „Das ewige Immerhin“ über das Geschlechterverhältnis im Journalismus und beim „Reporterpreis“ („taz“).

2. Wenig auf Abruf
(sueddeutsche.de, Christoph Fuchs)
Das EU-Parlament beschäftigte sich mit der Frage, ob Sendungen und Filme europaweit verfügbar sein sollen. Dabei geht es um Werte wie Verbraucherfreundlichkeit, aber auch um finanzielle Interessen, denn die Filmindustrie sorgt sich um ihre Einnahmen. Letztere hat nun einen Teilsieg errungen. Der aktuelle Beschluss sieht vor, dass nur Nachrichten und einige aktuelle Sendungen überall in der EU abrufbar sein sollen. Filme, Serien oder Dokus sollen auch künftig nicht ohne Weiteres zugänglich sein.

3. So einfach bringt die AfD ihre Themen in die Nachrichten
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier greift eine „dpa“-Meldung heraus, um zu zeigen, wie einfach es für die AfD ist, ihre Themen in die Nachrichten zu bringen. Es geht um eine parlamentarische Anfrage eines AfD-Abgeordneten über sich angeblich in fremder Sprache unterhaltende Polizisten und die Antwort des Berliner Senats, die von den Medien hoffnungslos aufgebauscht wurde. Niggemeier schreibt: „Es geht, wohlgemerkt, nicht darum, irgendwelche Informationen zu unterdrücken. Aber wirkliche Informationen liegen gar nicht vor. Medien hätten aus Anlass der Anfrage versuchen können zu recherchieren, wie verbreitet dieses Phänomen ist. Aber sie machen schon aus der Frage und der offiziellen Antwort eine Nachricht — und erzählen so, gewollt oder ungewollt, die AfD-Geschichte von einer Polizei, in der sich Migranten so unterhalten, dass deutsche Kollegen und Betroffene sie nicht verstehen können.“

4. Was vom investigativen Journalismus bleibt
(de.ejo-online.eu, Christian Hetzenauer & Katharina Maier & Josef Trappel)
Die Wirkkraft von „Panama Papers“ und „Paradise Papers“ war begrenzt: Das Interesse der Leser an den aufwändig aufgearbeiteten Leaks flaute bereits nach kurzer Zeit ab. Damit bleiben die Werbeerträge aus, und Investigativjournalismus droht zum Minusgeschäft zu werden. Auf investigativen Journalismus ganz zu verzichten, sei für Demokratien jedoch keine Option, finden die Autoren und bringen eine staatliche Förderung ins Spiel.

5. Die gespaltene Persönlichkeit
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers)
Journalisten schätzen den Austausch auf Twitter. Doch die private Meinung von beruflicher Kommunikation zu trennen, ist manchmal nicht einfach. Manche Journalisten lösen das durch das Anlegen von zwei Twitterprofilen, manche fügen den Zusatz „hier privat“ an. Doch eine glasklare Trennung ist schwer bis unmöglich. Michael Borgers hat sich für den „Deutschlandfunk“ in der Branche umgeschaut und stellt ein paar Vorgehensweisen vor.

6. Der Audiomitschnitt zum SPIEGEL-Interview mit Morrissey
(spiegel.de)
Der britische Sänger Morrissey behauptet auf Facebook, dass er seine kontroversen Äußerungen im „Spiegel“-Interview so nie gemacht hat. Es geht dabei unter anderem um Aussagen zu Trump, den Brexit und die #MeToo-Debatte. Der „Spiegel“ hat daraufhin das Gespräch online gestellt, „auch, wenn es aus unserer Sicht selbstverständlich ist, dass im SPIEGEL veröffentlichte Interviews keine falsch oder irreführend wiedergegebenen Zitate enthalten.“

Amoklauf in der Zeitmaschine

In Phoenix im US-Bundesstaat Arizona hat ein Geschworenengericht am Donnerstag einen ehemaligen Polizisten freigesprochen, der einen unbewaffneten, flehenden Mann erschossen hatte. Der Angeklagte, damals noch Polizist, war mit seinen Kollegen in ein Hotel gerufen worden, weil Gäste dort in einem Zimmer eine Person mit einem Gewehr gesehen hatten. Wie sich später rausstellte, handelte es sich um ein Luftgewehr, das ein Mann Bekannten zeigen wollte.

Auf dem Hotelflur trafen die Polizisten auf das spätere Opfer, ohne das Luftgewehr. Die Beamten forderten den Mann auf, sich hinzuknien, die Hände auf den Boden zu setzen und langsam zu ihnen zu kommen. Als der Mann seinen rechten Arm nach oben bewegte, feuerte einer der Polizisten fünf Schüsse ab. Die Bodycam eines Beamten filmte die Situation.

Bild.de schrieb gestern zu dem Einsatz der Polizei:

Screenshot Bild.de - Video zeigt letzte Minuten - US-Polizist erschießt Unschuldigen

Am 18. Januar 2016 alarmieren Gäste des Hotels „La Quinta Inn & Suites“ in Mesa bei Phoenix die Polizei: Sie hätten einen Mann mit einer Waffe am Hotelfenster im fünften Stock beobachtet …

Laut „New York Times“ rasen sechs schwer bewaffnete Polizisten zum Hotel — schließlich ist es erst gut zwei Monate her, dass ein Killer in Las Vegas aus einem Hotelfenster auf Festivalbesucher feuerte und fast 60 Menschen tötete.

Der Satzteil hinter dem Gedankenstrich stammt nicht von der „New York Times“, sondern von Bild.de. Und er ist falsch. Der Amoklauf in Las Vegas, bei dem 58 Menschen ums Leben kamen und mindestens 527 verletzt wurden, ereignete sich am 1. Oktober dieses Jahres, also vor etwas mehr als zwei Monaten. Die Situation, um die es in dem Prozess in Phoenix ging, ereignete sich bereits am 18. Januar 2016, wie auch Bild.de schreibt. Die „sechs schwer bewaffneten Polizisten“, die zum Hotel gerast sein sollen, konnten noch gar nicht vom „Killer in Las Vegas“ wissen.

Immerhin: Das Video, das den Polizeieinsatz im Hotel zeigt, hat die Bild.de-Redaktion so geschnitten, dass die Sequenz mit den tödlichen Schüssen nicht zu sehen ist.

Mit Dank an Andreas W., Dennis S., Matthias B. und Micha für die Hinweise!

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Distanzloser Sportjournalist, Kampf der Fußkranken, Wahlhelfer Facebook

1. Der distanzlose Sportjournalist
(taz.de, Jürn Kruse)
Ein Sportmoderator eines öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders richtet ein Sportevent aus, über das er oder sein Arbeitgeber später eventuell berichten wird. Diese Entwicklung zeichnet sich gerade beim MDR ab. Jürn Kruse kommentiert: „Fassen wir zusammen: Einer der bekanntesten Moderatoren des MDR, der regelmäßig über Wintersport berichtet, lernt bei dem Verband, über den er doch kritisch berichten soll, wie man ein solches Event organisiert, macht das dann — und beim MDR finden das die EntscheiderInnen völlig okay.“ Weiterer Lesetipp: „Vom Sportjournalist zum Sportveranstalter“ („Deutschlandfunk“).

2. Facebook als mächtiger Helfer
(faktenfinder.tagesschau.de, Max Muth)
In Zukunft werden Wahlkämpfe verstärkt digital stattfinden. Eine immer wichtiger werdende Rolle spielt dabei Facebook. Spezialisierte Firmen helfen den Parteien bei der Gestaltung ihrer Kampagnen. Dabei geht es um „Lookalike Audiences“, „Microtargeting“ und umstrittene Werbeformen wie die „Dark Ads“.

3. Mit weniger Wortanteil den Journalismus retten
(blog-cj.de, Christian Jakubetz)
Christian Jakubetz kommentiert das Gerangel von Öffentlich-Rechtlichen und Verlagen um Wortanteile und Leistungsschutzrecht: „Verlage und öffentlich-rechtliche Sender, zwei, bei denen es in den kommenden Jahren vor allem um Existenzgrundlagen und Legitimationsdebatten gehen wird — ausgerechnet die zwei also spielen Kleinkrieg gegeneinander, anstatt darüber nachzudenken, dass sie sich möglicherweise gemeinsam gegen ganz andere Bedrohungen wappnen müssten“. Weiterer Lesetipp: „‚Ich wollte nicht warten, bis der WDR verklagt wird'“ („Deutschlandfunk“).

4. Weltkarte und Schaukelstuhl
(sueddeutsche.de, Caspar Busse)
Über Jahrzehnte versorgte der Filmhändler Leo Kirch die Fernsehsender mit Inhalten und baute damit ein Medienimperium auf. Doch auf den rasanten Aufstieg folgte der jähe Absturz. Der heute Abend ausgestrahlte Film (ZDF, 22:45 Uhr) geht dem Phänomen Leo Kirch nach und lässt Zeitzeugen zu Wort kommen. Caspar Busse findet es bemerkenswert, dass gerade das ZDF diese Dokumentation zeigt. Mit dem öffentlich-rechtlichen Sender habe der eigentliche Aufstieg Kirchs begonnen: „Er kam „wie ein fahrender Händler“ und verkaufte den Mainzern das, was die so dringend brauchten: Filme und Serien. Die Abhängigkeit war hoch, zeitweise stammte ein Drittel des ZDF-Programms aus dem Hause Kirch, der daran wiederum sehr, sehr gut verdiente.“

5. Journalismus direkt vom Erzeuger
(journalist-magazin.de, Kathi Preppner)
Das Projekt „RiffReporter“ will freien Journalistinnen und Journalisten eine Publikationsplattform für ihre Inhalte bieten, samt Community und Erlösmodell. Die Finanzierung soll über eine Umsatzbeteiligung sowie über private und institutionelle Förderer erfolgen. Die Gründer haben dafür den „#Netzwende-Award“ erhalten, einen Medienpreis, der von „Vocer“ in Kooperation mit dem „Spiegel“, der August-Schwingenstein-Stiftung, der Rudolf-Augstein-Stiftung und der „Zeit“-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius verliehen wird.

6. Das waren die erfolgreichsten Instagram-Werbeposts im November
(horizont.net, Katharina Brecht)
„Horizont“ hat 50.000 deutsche Instagramkanäle auf Werbe-Postings durchsuchen lassen und die ermittelten Werbe-Posts ausgewertet. Die Rangliste zeigt, wie wichtig der Einsatz von zufällig eingestreuten Emojis ist und bietet einen guten Überblick über den derzeitigen Stand in Sachen photoshopgestützte Bildmanipulation in der Porträtfotografie.

Möchtegern-Journalisten schreiben aus der „Wikipedia“ ab

Wie läuft wohl eine Recherche bei Bild.de ab, wenn dort jemand über ein Thema schreiben soll, von dem er oder sie gar keine Ahnung hat? Vielleicht erstmal in der „Wikipedia“ nachschauen, was da so zur Sache steht. Und dann, ja, dann einfach den Text aus der „Wikipedia“ abschreiben. Fertig, Feierabend.

Am Freitagnachmittag erschien beim „Bild“-Onlineportal ein Artikel über einen 21-jährigen Russen, der sich seit einiger Zeit täglich ein Öl-Gemisch selbst in die Arme spritze, damit seine Bizepse — zumindest optisch — wachsen:

Screenshot Bild.de - Russe spritzt sich Öl in Bizeps - Möchtegern-Popeye droht Arm-Amputation

Beim Bodybuilding kommt dieses Injizieren zum optischen Vergrößern der Muskulatur nicht selten vor. Das Öl-Gemisch, das dabei verwendet wird, ist häufig Synthol. Weil sich viele Leute wohl fragen: Was ist Synthol?, fragt auch Bild.de in einem Info-Kasten:

Screenshot Bild.de - Was ist Synthol? Synthol ist ein Gemisch verschiedener Öle, das im Bodybuilding zur optischen Vergrößerung der Muskulatur verwendet wird. Die Rezeptur wurde Anfang der 1990er Jahre von dem Deutschen Chris Clark entwickelt. Um einen spezifischen Muskel zu vergrößern, wird Synthol in den untersten Teil des Muskels gespritzt. Dieser Vorgang wird mindestens 3 Wochen drei Mal täglich durchgeführt, wobei immer in die gleiche Stelle injiziert wird. Die regelmäßigen Injektionen führen zu einer Verkapselung des Öls im Gewebe, die einige Monate erhalten bleibt. Das im Muskel eingelagerte Öl hebt den über ihm liegenden Teil des Muskels an und führt so zu einer optischen Vergrößerung des Muskels. Die Zunahme von Muskelvolumen ist rein optisch und nicht mit einem Kraftzuwachs verbunden. Die Injektion in ein großes Blutgefäß kann zu Embolien, Herzinfarkten, dauerhaften Gehirnschädigungen oder Atemkrisen führen. Über mögliche Langzeitfolgen durch den Einsatz von Synthol liegen derzeit keine gesicherten Erkenntnisse vor.

Die Antwort stammt zu 100 Prozent aus dem Synthol-Artikel der „Wikipedia“, was die Bild.de-Redaktion allerdings an keiner Stelle erwähnt:

Screenshot Bild.de - Gegenüberstellung des Bild.de-Textes und des Wikipedia-Textes, die zeigt, dass Bild.de abgeschrieben hat
(Draufklicken für größere Version.)

Mit Dank an Sebastian L. für den Hinweis!

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Yücel-Post, Vorauseilende Einschüchterung, Seelenkraft

1. „Wir sind ja nicht in einer lustigen Netflix-Serie“
(welt.de, Deniz Yücel)
Seit 300 Tagen sitzt der Journalist Deniz Yücel nun bereits ohne Anklage in einem türkischen Gefängnis. In einem offenen Brief schildert er seinen Alltag und die Umstände seiner Haft. Post erreicht ihn sporadisch, wenn sie die anstaltseigene „Brief-Lese-Kommission“ an ihn weiterleitet. Da Yücel seinen Briefschreibern nicht direkt antworten kann, ist sein Bericht eine Art Sammelantwort geworden, voller Witz, Charme und Liebenswürdigkeit. Weiterer Lesetipp: „Mehr als 200 Prominente fordern Freiheit für Deniz Yücel“ („SZ“).

2. Vorauseilende Einschüchterung
(journalist-magazin.de)
Noch während der Recherche des „Mindener Tageblatts“ über einen Streit zwischen den Mietern einer Wohnungssiedlung und einer Immobilienfirma, trudelte ein „presserechtliches Informationsschreiben“ des Anwalts der Immobilienfirma ein. Derlei Einschüchterungsversuche seien kein Einzelfall, so Anja Westheuser, Justiziarin beim Hamburger Landesverband des „Deutschen Journalisten-Verbands“. Sie rät davon ab, als juristischer Laie selbst auf solche Schreiben zu reagieren.

3. Vom Sportjournalist zum Sportveranstalter
(deutschlandfunk.de, Daniel Bouhs)
„Bei allzu begeisterten Sportjournalisten sprechen Kritiker gerne von Fans, die es hinter die Absperrungen geschafft haben. Bei René Kindermann lässt sich ergänzen: Er baut diese Absperrungen nun sogar selbst auf.“ Daniel Bouhs berichtet über einen geschäftstüchtigen Sportjournalisten, der gleichzeitig Sportveranstalter ist, und stellt die Fragen nach der Grenzziehung.

4. Traumberuf Antexter: Mann nimmt Buch aus Regal
(dwdl.de, Hans Hoff)
Hans Hoff beschäftigt sich in seiner Kolumne mit den sogenannten Antextbildern. Er kann auf entsprechende Praxiserfahrung zurückgreifen und stand selbst schon im Mittelpunkt eines Antextbilds. Einst war ein Kamerateam bei ihm zu Gast und der Autor des Fernsehbeitrags wünschte sich eine entsprechende Inszenierung: „Er meinte, ich sollte doch nicht nur lesen, sondern auch mal umblättern. Sensationell. Ich tat wie mir befohlen und blätterte um. Ich stellte mir vor, dass ich möglicherweise später mal in Geschichtsbüchern verzeichnet werde, als erster „Mann blättert Zeitung um“-Protagonist. Leider schaffte es mein Umblättern aber dann doch nicht in den fertigen Beitrag.“

5. Medienhäuser in der digitalen Unterwelt
(nzz.ch, Stefan Mey)
Das Darknet genießt einen eher zweifelhaften Ruf, denn es wird auch als Handelsplatz für Drogen und Waffen genutzt oder dient zur Anbahnung anderer krimineller Aktivitäten. Doch es kann auch andere Gründe geben, sich auf die andere Seite des Internets zu begeben, zum Beispiel um Zensur zu umgehen oder zum Schutz vor Überwachung. Nun ist auch die „New York Times“ im Darknet erreichbar. Ein kleiner Schritt für die Zeitung, jedoch ein Meilenstein fürs Darknet, wie Stefan Mey auf nzz.ch findet.

6. Kolumnen, angetrieben von der nie versiegenden Seelenkraft
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier liest gelegentlich die „Bild“-Kolumne von Peter Bachér, dem mittlerweile 90-jährigen ehemaligen Chefredakteur von „Bild am Sonntag“ und „Hörzu“. Dabei ist Niggemeier etwas aufgefallen, was er nur durch viel Seelenkraft bewältigen konnte.

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Eingeknickt, Briefmarken für Dummies, Endlosschleife

1. Weniger Text, mehr Bild
(taz.de, Daniel Bouhs)
ZDF und WDR haben offenbar auf die Kritik des Verleger-Chefs Mathias Döpfner reagiert und schränken den Textanteil auf ihren Startseiten ein. Daniel Bouhs wirft einen Blick auf das Thema, bei dem sich ein immer deutlicherer Riss durch die Öffentlich-Rechtlichen zeige — zwischen Textanhängern und Textvermeidern. Im Frühjahr könnte es zu einem neuerlichen Showdown kommen. Dann wollen die Ministerpräsidenten neue Spielregeln beschließen.

2. Der Facebook-Jahresrückblick 2017
(de.newsroom.fb.com)
Facebook betrachtet in seinem Jahresrückblick die „Momente des Jahres, die Menschen in Deutschland und auf der ganzen Welt bewegt und bei denen sie sich gegenseitig unterstützt haben“. Diese Momente zeichnen sich durch eine recht unterschiedliche inhaltliche Tiefe aus: Auf den ersten drei Plätzen rangieren der G20-Gipfel, der Tod von „Linkin Park“-Sänger Chester Bennington und das Programmupdate für „Final Fantasy XV“ … Ein weiterer Teil des Jahresrückblicks: der sogenannte „Safety Check“ und Spendenaktionen.

3. Wir brauchen eine Algorithmen-Ethik – Interview mit Konrad Lischka
(dirkvongehlen.de)
Konrad Lischka beschäftigt sich im Projekt „Algorithmenethik“ mit den gesellschaftlichen Folgen algorithmischer Entscheidungsfindung. Im Mailinterview mit Dirk von Gehlen spricht er darüber, ob Algorithmen gut oder böse sind, woher das schlechte Image rührt und warum wir eine Ethik für Algorithmen brauchen.

4. BILD-Zeitung: Geschäft mit Briefmarken für Dummies
(spiesser-alfons.de)
„Spießer Alfons“ ist über eine „Bild“-Aktion gestolpert. Das Blatt bietet seinen Lesern unter der Überschrift „Anpfiff für das Briefmarken-Wunder von Bern“ 11.111 „exklusive“ Briefmarkenbögen an. Die Exklusivität ist jedoch relativ, denn jeder kann sich derlei Privatdrucke von der Post herstellen lassen. Außerdem ist der Spaß nicht billig: Für den Gesamtportowert von 7,70 Euro seien 24,99 Euro für die „Bild“-Version fällig.

5. Stille Post
(sueddeutsche.de, Julian Hans)
In Russland lastet auf den traditionellen Medien ein großer Druck. Julian Hans berichtet auf Süddeutsche.de von einer alternativen, aber nicht unumstrittenen Informationsquelle: Dem Messengerdienst „Telegram“. Das Whatsapp-ähnliche Programm bietet Kanäle, über die Nachrichten, Gerüchte und Falschmeldungen verbreitet werden. Der riesige Erfolg der Chat-Nachrichten sei nicht verwunderlich: Je stärker die traditionellen und inzwischen auch die Sozialen Medien in Russland unter Druck geraten, desto beliebter würden derlei Schlupflöcher.

6. 600.000 Gefangene
(couchblog.de, Nico Brünjes)
Nico Brünjes fragt sich in der heutigen Ausgabe des „Rantventskalenders“, wie es sein kann, dass sich immer noch 600.000 Leute in der virtuellen Parallelwelt von „Second Life“ tummeln: „Man muss sich natürlich ernsthaft fragen: was machen die da? Möglicherweise ist dort ja die Zeit stehen geblieben, Trump, Klimawandel, Koalitionsverhandlungen, alles kein Thema in Second Life. Nur 600.000 Leute die sich gegenseitig dabei stalken, wie sie in einer Endlosschleife gegen einen virtuellen Laternenpfahl laufen.“

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