Archiv für August, 2017

„Bild“ will, dass Fußballprofi will, dass alle Ultras in den Knast sollen

Die „Bild“-Redaktion hat sich seit einigen Tagen auf Ultras eingeschossen, also auf jene Gruppen, die sich besonders stark mit ihrem jeweiligen Fußballverein identifizieren, teilweise auf recht fanatische Art und Weise. Am vergangenen Samstag setzte „Bild“-Sportchef Walter M. Straten alle Ultras mit all jenen im Stadion gleich, die sich nicht friedlich verhalten („Das nervt nicht nur Ultras, sondern auch friedliche Fans.“). Gestern legte Straten in einem Kommentar nach und schrieb, dass Ultras keine echten Fußballfans seien („In der Bundesliga drohen Ultras dem DFB mit Krieg — unter dem Vorwand, für ehrlicheren Fußball zu kämpfen. Wenn wir wollen, dass echte Fans und Familien ohne Angst ins Stadion gehen können, müssen auch hier Politik und Justiz eingreifen.“).

Und jetzt haben der „Bild“-Sportchef und sein Team vermeintlich auch noch prominente Unterstützung bei ihrem Engagement gegen Ultras bekommen. So sah ihre heutige Titelseite aus:

Ausriss Bild-Titelseite - Erster Fußball-Star fordert Knast für Ultras

Der „Fußball-Star“ ist der Däne Jannik Vestergaard vom Bundesliga-Klub Borussia Mönchengladbach. Und so viel schon mal jetzt: Derartiges hat er nie gefordert.

Am Sonntag, nachdem es bei einem Fußballspiel in Kopenhagen ziemlich heftige Ausschreitungen gab, twitterte Vestergaard:

Das Ganze heißt laut „Bild“ so viel wie:

„Großen Respekt vor den Ordnern und Polizisten, die sich in den Weg gestellt haben, als sich die Idioten so aufgeführt haben. Hoffentlich kommen diese Psychopathen hinter Schloss und Riegel!“

„Bild“ macht daraus also: „Fußball-Star fordert Knast für Ultras“. Und auch bei Bild.de steht:

Ausriss Bild.de - Krawalle in Kopenhagen - Erster Fußball-Star fordert Knast für Ultras

Andere Medien griffen Vestergaards angebliche Ultras-in-den-Knast-Forderung, die „Bild“ in die Welt gesetzt hat, auf. Nur: Jannik Vestergaard möchte rein gar nichts mit diesen Schlagzeilen zu tun haben.

Auf der Internetseite von Borussia Mönchengladbach ist heute ein Interview mit dem Abwehrspieler erschienen. Auf die Frage „Die BILD titelt: ‚Erster Fußballprofi fordert Knast für Ultras‘. Was sagst du dazu?“ antwortet er:

Diese Schlagzeile kann ich absolut nicht nachvollziehen, denn ich habe in diesem Zusammenhang weder das Wort Ultras in den Mund genommen noch habe ich irgendwelche Fans oder Ultras pauschalisiert. Ich habe ausschließlich die Taten der Chaoten in Kopenhagen aufs Schärfste verurteilt — und zu diesen Worten stehe ich auch. Allerdings möchte ich ausdrücklich betonen, dass damit keinesfalls Ultras im Allgemeinen gemeint waren. Mit solchen Pauschalurteilen wird medial versucht, einen Keil zwischen Spieler und Fans zu treiben. Das tut dem Fußball nicht gut. Der Großteil der Ultras und der Fans unterstützen die Vereine im besonderen Maße und davor habe ich großen Respekt. Leider gibt es eine kleine Personengruppe, die den Ruf der Fans mit solchen Aktionen wie am Sonntag in Kopenhagen massiv beschädigt. Umso wichtiger ist, dass man diese Straftäter aus dem Verkehr zieht. Randale und Krawalle haben nichts im Fußballstadion verloren.

Da muss tatsächlich ein Fußballprofi kommen, um Sachlichkeit und Differenzierung in die Diskussion zu bringen und dem „Bild“-Sportchef zu erklären, wie man zwischen Fans, Ultras, Hooligans und Randalierern unterscheidet.

Mit Dank an @seit1948, @Pilzeintopf, @fohlenkanal, @Eisenfrass und @19Rhyno04 für die Hinweise!

Kriminalstatistik, Missbrauchs-Pornosierung, Wahlplakate

1. Sinn und Unsinn der Polizeilichen Kriminalstatistik
(katapult-magazin.de, Marc Birkhölzer)
Immer wieder behauptet die AfD, Deutschland habe ein Gewalt- und Sicherheitsproblem und zieht als angeblichen Beweis die Polizeiliche Kriminalstatistik heran. Das sei falsch, berichtet Marc Birkhölzer und legt die entsprechenden Zahlen vor. Im langjährigen Vergleich sei die Gewaltkriminalität in fast allen Bereichen nahezu gleich geblieben, teilweise sei sie sogar rückläufig. Es gebe also keine Rechtfertigung für Panik.

2. Ein Werbespot nur für dich
(taz.de, Johanna Feckl)
Wer über Internet fernsieht, gibt zahlreiche Daten weiter und ermöglicht damit personalisierte Werbespots. Medienexperten in Deutschland seien sich jedenfalls überwiegend einig, dass diese Werbeform bald kommen wird. Doch ist es nach deutschem Recht überhaupt erlaubt, Werbespots per­sonalisiert auszustrahlen? Die Autorin erläutert die derzeitige Lage, in der sowohl der Rundfunkstaatsvertrag als auch das Telemediengesetz eine Rolle spielen. Und dann gibt es da auch noch die Sache mit dem Datenschutz.

3. „Versaute Klassenfahrt“ und „Sex-Lehrerin“: Wie Medien über Missbrauch durch Frauen reden
(vice.com, Hanna Herbst & Nora Kolhoff)
Fälle von sexuellem Missbrauch durch Frauen werden von den Medien oft dazu genutzt, schlüpfrig-frivole Artikel zu schreiben. Hanna Herbst und Nora Kolhoff schreiben dazu: „Missbrauch durch Frauen wird in den Medien oft nicht als solcher wahrgenommen. Immer wieder schreiben Zeitungen in diesen Fällen von „Verführung“, „Liebe“, „Beziehung“, „Amour Fou“ oder „Techtelmechtel“. Der Sex von Frauen mit Minderjährigen wird oft als einvernehmlich dargestellt. Der Missbrauch wird als „Sex“, spezielle „Kurvendiskussionen“ oder sogar „Nachhilfe-Stunden der ganz besonderen Art“ bezeichnet, die Täterin ist eine „Sex-Lehrerin“.“ Doch nicht nur die Medien sollen nach Ansicht der Autorinnen ihr Verhalten ändern. Konsumenten sollten aufhören derlei Artikel anzuklicken, „als ob es Pornos wären“.

4. Tagesschau übernimmt blindlings die Swiss-Zahlen
(infosperber.ch, Urs P. Gasche)
Die Schweizer Tagesschau berichtete geradezu euphorisch über die um dreißig Prozent gestiegene Gewinnrate der „Swiss“, einer Lufthansa-Tochter. Urs P. Gasche kritisiert die kritiklose Übernahme des Jubelergebnisses: „Doch wie schon in vergangenen Jahren ging die Tagesschau der Frage nicht nach, ob die regelmäßig hohen Gewinne der Swiss nicht etwa zur Hauptsache der Steuervermeidung des Lufthansa-Konzerns zuzuschreiben sind: Keine einzige kritische Frage dazu an die Adresse der Swiss und schon gar keine Recherche über die Gründe der enorm unterschiedlichen Betriebsergebnisse.“

5. Melodien für Millionen
(sueddeutsche.de, Franz Kotteder)
Als der Radiosender „Bayern 1“ vor eineinhalb Jahren ankündigte, die Volksmusik aus dem Programm zu schmeißen, war die Empörung beim Publikum riesig. Wochen-, ja monatelang hätte es wütende Proteste gegeben, aus der Hörerschaft, von Vereinen und Verbänden. Doch allen Protesten zum Trotz trat Pfingsten 2016 die Programmreform in Kraft, mit dem Schwerpunkt auf Popmusik aus den Achtzigerjahren und redaktionellen Beiträgen aus ganz Bayern. Die „konsumentenorientierte Konsequenz“ gibt dem Sender Recht: Dank des rabiat reformierten Programms ist man Marktführer geworden.

6. Die Plakate zur Bundestagswahl 2017
(designtagebuch.de, Achim Schaffrinna)
Das Fachblog „Design Tagebuch“ beschäftigt sich unter anderem mit Kommunikationsdesign, Corporate Design und digitalen Medien. Anlässlich der bevorstehenden Bundestagswahl hat sich Design-Blogger Achim Schaffrinna die Plakate von CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke, FDP und AfD angeschaut.

BILDblog dankt

Auch im Juli haben viele Leute dafür gesorgt, dass es hier beim BILDblog weiterhin Medienkritik geben kann. All jenen, die uns im vergangenen Monat finanziell unterstütz haben, möchten wir sehr herzlich danken!

Sollte Ihr Name noch nicht in der Liste unten auftauchen, obwohl Sie große Lust hätten, mal einen Dank vom BILDblog zu bekommen — kleiner Tipp: Es ist ganz einfach, uns zu unterstützen. Und Leuten, die einen Dauerauftrag einrichten, danken wir auch jeden Monat aufs Neue.

Für die großartige Hilfe im Juli geht ein Dank an:

Achim K., Achim P., Achim S., Alexander H., Alexander L., Alfons S., Andrea S., Andreas F., Andreas K., Andreas L., Andreas N., Andreas P., Andreas W., Angela Z., Anika S., Anja C., Anna S., Arne L., Bastian L., Benedikt S., Benjamin M., Berenike L., Bianca B., Björn T., Bo G., Bodo S., Carsten S., Christian B., Christian R., Christoph A., Christoph H., Christoph M., Daniel B., Daniel H., Daniel K., Dario S., David R., Dennis B. H., Dietmar N., Dirk A., Dominique T., Dorothea A., Ekkart K., Elmar M., Fabian L., Fabian S., Fabian Ü., Felix B., Felix M., Florian J., Frank W., Frederik S., G.-H., Gregor A. K., Guido R. S., Hannes B., Hannes R. S., Hans M., Hans-Christian O., Heiko H., Heiko K., Helmut P., Henning R., Ingo H., Ingo v. L., Jacob D., Jan N. K., Jan O. W., Jan P., Jens B., Johannes L., Johannes P., Johannes S., Jonas S., Jörn L., Josef S., Julia T., Katrin U., Kevin S., Klaus W., Leonard B., Malte H., Manuel O., Marc S., Marcel B., Marco S., Marco W., Marcus H., Marcus K., Marcus S., Margit G., Mario F., Mario U., Markus G., Markus K., Markus S., Martin H.-S., Martin R., Martin S., Matthias M., Matthias S. S., Maximilian W., Michael K., Michael R., Michael S., Michael W., Michaela G., Moritz D. B., Moritz D., Moritz V., Nicole P., Niklas O., Nikola M., Nils P., Oliver K., Patrick H., Peter J., Philipp G., Philipp H., Philipp S., Philipp W., Pia K., René P., Robert K., Rosalyn H., Sandra C. K.-W., Sascha S., Sebastian F., Sebastian G. H., Sebastian J., Stefan R., Stephan B., Steve H., Sven S., Thekla I. H., Thomas E., Thomas H., Thomas M., Thomas R., Thomas S., Till F., Tilman H., Tobias H., Tom R., Toralf B., Torsten P., Ute S., Uwe F., Uwe K., Volkmar D., Wiebke S., Yannick B., Yvonne T.!

Weils Regierungserklärung, Medienprofi IS, Faktenfinder

1. Was ist dran an den Anschuldigungen gegen Weil?
(ndr.de)
Hat der Ministerpräsident Niedersachsens, Stephan Weil (SPD), wirklich seine Regierungserklärung von VW „frisieren“ lassen wie die „Bild am Sonntag“ („BamS“) behauptet? Als Beleg hatte die „BamS“ mehrere Zitate genannt, die im Entwurf dieser Regierungserklärung gestanden haben sollen und später gestrichen worden seien. Dabei hätte es sich offenbar aber nur um die Rede-Vorbereitungen für den Ministerpräsidenten durch einen Mitarbeiter der Staatskanzlei und nicht um das endgültige Skript von Weil gehandelt. Außerdem seien Zitate aus dem Zusammenhang gerissen worden. Bei Spiegel Online gibt es einen Vorher-Nachher-Vergleich: Diese Passagen wurden auf Wunsch von VW geändert

2. „Der IS ist ein Medienprofi“
(taz.de, Laila Oudray)
Der Fotograf Simon Senner beschäftigt sich im Rahmen seines Kunstprojekts „Terror Complex“ mit der islamistischen Propaganda der Taliban und des „Islamischen Staats“. Die teilweise bearbeiteten Bilder fasst er auf seiner Homepage in verschiedenen Sammlungen thematisch zusammen. Im Interview mit der „taz“ erzählt er, was ihn dabei antreibt, welche Entwicklungen in der medialen Terrorvermarktung ihm aufgefallen sind und wohin es in der Zukunft gehen wird.

3. Die schlechtesten Moderatoren der Welt
(faz.net, Johanna Dürrholz)
Johanna Dürrholz hat sich Gedanken über die „ZDFneo“-Produktion „Schulz und Böhmermann“ gemacht. Sie hält die beiden Protagonisten, wie sie sagt, für das netteste Entertainer-Team Deutschlands und gleichzeitig für die schlechtesten Moderatoren der Welt: „Schulz und Böhmermann kennen sich schon ewig. In ihrem Podcast „Fest & Flauschig“ (früher: „Sanft & Sorgfältig“) plaudern sie regelmäßig über Themen, die sie bewegen, und haben sich mit ihrem schlagfertigen Geschnatter eine solide Anhängerschaft aufgebaut. In ihrer Talkshow machen sie im Prinzip dasselbe, nur müssen obendrein vier arme Tröpfe neben ihnen hocken und sich lieblos konzipierte Fragen gefallen lassen, deren Antwort in der Regel nicht mehr abgewartet wird.“

4. Das hätte nicht passieren dürfen
(nordbayerischer-kurier.de, Otto Lapp)
Im wöchentlich erscheinenden Anzeigenblatt des „Nordbayerischen Kuriers“ gibt es stets auch eine Eigenanzeige. Dabei ist es jüngst zu einer Panne gekommen, die „nicht hätte passieren dürfen“ wie der Chefredakteur in einer Stellungnahme in eigener Sache schreibt. Für die Werbung werde in der Regel auf einen der meistgelesenen Artikel zurückgegriffen; hier war es fatalerweise ein schrecklicher Unfall mit Todesfolge. „Durch unsere Anzeige haben wir die Hinterbliebenen der Opfer in ein noch größeres Leid gestürzt. Das tut uns unendlich leid. Auch wenn wir es nicht mehr gutmachen können, wir möchten uns aufrichtig und von ganzem Herzen dafür entschuldigen.“

5. Faktenchecker und Fake-Aufdecker
(faktenfinder.tagesschau.de, Fiete Stegers)
Mittlerweile gibt es einige Webseiten, die Aussagen von Politikern überprüfen, Gerüchten nachgehen und Falschmeldungen entlarven. Fiete Stegers stellt einige der Faktencheck-Initiativen vor. Die Bandbreite reicht von Aktionen der großen Medienhäuser bis zu Freiwilligen-Initiativen.

6. Es war einmal in Amerika
(sueddeutsche.de, Viola Schenz)
Der Filmemacher und Reporter Dan Bell hat eine Youtube-Serie über das Shopping-Mall-Sterben in den USA produziert. In 43 Folgen seiner „Dead Malls Series“ geht es durch gespenstisch leere Einkaufscenter, trostlose Galerien und depressionsauslösende Shoppingcenter auf der Schwelle zwischen Leben und Tod.

Bezahl-Parlamentarier, Parteien-Hashtags, Sex-Podcast

1. News Feed: Neue Tests gegen Falschmeldungen
(de.newsroom.fb.com, Sara Su)
Facebook schraubt mal wieder an den Algorithmen. Dieses Mal, um angeblich Fake News zurückzudrängen. Produktmanagerin Sara Su: „Wir beginnen ab sofort damit, verbessertes maschinelles Lernen zu nutzen. So wollen wir noch mehr potenzielle Falschmeldungen identifizieren, um diese an externe Faktenprüfer weiterzuleiten. Wenn ein Artikel von den unabhängigen Faktenprüfern überprüft wurde, zeigen wir gegebenenfalls die Darstellung des Themas der Faktenüberprüfung unter dem ursprünglichen Beitrag an.“ Nun denn, warten wir’s ab.

2. Abgeordnete kassieren Millionensummen von Unternehmen
(abgeordnetenwatch.de)
„abgeordnetenwatch.de“ hat die Selbstauskünfte aller 655 Abgeordneten, die in der laufenden Wahlperiode ein Bundestagsmandat hatten, erfasst und ausgewertet. Das Resultat: Viele Parlamentarier verfügen über keine meldepflichtigen Einkünfte von mehr als 1.000 Euro im Monat bzw. 10.000 Euro im Jahr. Es gibt einige jedoch spektakuläre Ausreißer mit beträchtlichen Geldzahlungen von Unternehmerverbänden, Wirtschaft und Lobbyvereinen. „abgeordnetenwatch“ fordert mehr Transparenz. Dass Abgeordnete Millionensummen aus anonymen Quellen kassieren, sei nicht hinnehmbar. Außerdem müsse ein verbindliches Lobbyregister eingeführt werden. Lobbyjobs von Parlamentariern in der Wirtschaft gehörten schlicht verboten.

3. [Interaktiv] Die Hashtags der Parteien von Januar bis Juli 2017. Und Juli alleine. Und Tabellen.
(blog.holnburger.com)
Josef Holnburger hat eine Reihe interaktiver Grafiken mit den von Parteien auf Twitter verwendeten Hashtags generiert. Interessant, wenn man sich schnell einen Überblick über die Schlagwort-Schwerpunkte von SPD, CDU, CSU, den Grünen, der Linken und der AfD verschaffen möchte. Holnburger sind bei der Analyse der Partei-Tweets, wie zuvor schon dem Tagesspiegel, Besonderheiten beim Twitterverhalten der AfD aufgefallen, denen er sich später nochmal zuwenden möchte.

4. Wegen Terrorverdacht festgenommen
(taz.de)
In der Türkei ist ein freier Mitarbeiter des französischen Fernsehsenders „TV5“, Loup Bureau, festgenommen worden. Der Vorwurf: Angebliche Verbindungen zur kurdischen YPG-Miliz. Vor drei Jahren hatte Bureau eine Reportage vom Kampf der YPG in Nordsyrien gedreht, die von „TV5 Monde“ ausgestrahlt wurde (kann auf Vimeo angeschaut werden, Länge 3:21 Minuten, Sprache: französisch).

5. Vom Virginia Jetzt!-Bassisten zum Medienunternehmer: So hat Matze Hielscher „Mit Vergnügen“ aufgebaut
(omr.com)
Im Podcast der „Online Marketing Rockstars“ gibt es ein Gespräch mit dem „Mit Vergnügen“-Gründer Matze Hielscher. Hinter dieser Medienmarke stecken ein digitales Stadtmagazin und eine erfolgreiche Podcastreihe. Anfangs als Partyprojekt gestartet, ist es mittlerweile ein Medienunternehmen mit 18 Mitarbeitern und Millionenumsatz. Im Podcastbereich besonders erfolgreich ist der Podcast „Sexvergnügen“ mit 150.000 ZuhörerInnen pro Folge. Geld verdiene „Mit Vergnügen“ vor allem durch Native Advertising. In dem etwa einstündigen Gespräch geht es um Podcasts im Allgemeinen und Besonderen, um Fragen der Monetarisierung und einen Ausblick in die Zukunft.

6. Live aus dem Jenseits
(sueddeutsche.de, Christian Zaschke)
Ende August jährt sich der Todestag von Prinzessin Diana zum 20. Mal. In den britischen Medien ist deswegen ein Hype ausgebrochen, der jeden Rahmen sprenge. Vor allem der Boulevardpresse sei keine Geschichte zu abstrus, um sie nicht genüsslich und in aller Ausführlichkeit ausschlachten zu können. Aber auch das Fernsehen lässt eine ganze Flut von Diana-Filmen auf das britische Volk los.

Arte-Kritik, Exekutors Lieblingsdieb, Sexistisches Nudelholz

1. Programmdirektor Schuster
(taz.de, Marlene Halser)
Der Fernsehsender „Arte“ steht erneut in der Kritik. Die 15-minütige Reportage „Gaza: Ist das ein Leben?“ unterschlage wesentliche Informationen, so der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland Josef Schuster und solle aus dem Programm genommen werden. Tatsächlich liefere die Reportage über das Schicksal einer palästinensischen Familie so gut wie keine Hintergrundinformationen zu dem seit Jahrzehnten schwelenden Konflikt, den Umständen des Angriffs oder den Aktivitäten der Hamas im Gazastreifen, findet Marlene Halser in der „taz“. Dies sei aber auch nicht der Anspruch gewesen, rechtfertige sich der Fernsehsender. Damit gibt sich der Zentralratspräsident nicht zufrieden und fordert „Arte“ im Interview mit der „Faz“ zum Handeln auf.

2. Der Exekutor und sein Lieblingsdieb
(kanzlei-hoenig.de, Carsten R. Hönig)
Vor knapp 17 Jahren wurde ein Geldtransporter gestohlen. Einer der Täter flüchtete mit seiner Millionenbeute über verschiedene Stationen nach Südafrika. Nach einiger Zeit wurde er dort gefasst, nach Deutschland überstellt und saß seine Strafe ab. (Die „Bild“ hatte den Vorfall genüsslich ausgeschlachtet und sich sogar mit dem Mann in Kapstadt getroffen.) Mittlerweile habe sich der Mann, der zwischenzeitlich erkrankt war, wieder berappelt und einen Job angenommen. Den hat er nicht mehr, was mit daran liegen könnte, dass der „Bild“-Reporter Josef Ley anscheinend einen Narren an Täter und Story gefressen habe und einfach nicht loslasse. Rechtsanwalt Hönig: „Josef Ley reichte es nicht aus, dass der Mann für seine Tat drei Jahre lang im Knast saß, sich danach in der Psychiatrie mit „therapeutischen Parksparziergängen“ behandeln lassen musste und nun versucht, sich wieder auf die eigenen Füße zu stellen. Er musste ihn wieder hinrichten.“

3. Kritik an Gastro-Zeitschrift „Rolling Pin“
(facebook.com, Mary Scherpe)
„Rolling Pin“ (englisch für „Nudelholz“) ist ein deutschsprachiges Fachmagazin für Gastronomie, Hotellerie und Kreuzfahrtbranche, das eine Onlineabstimmung über die besten Köche veranstaltet und zu einer Gastrokonferenz einlädt. Laut Bloggerin Mary Scherpe befänden sich unter den „50 besten Köchen Deutschlands“ 49 Männer und nur eine Frau. Auf der „Gastro-Konferenz“ spreche nicht eine einzige Frau. Und online verbreite die Zeitschrift Bildtafeln mit geschmacklosen und sexistischen Sprüchen. Mary Scherpe fasst ihre Kritik zusammen: „Rolling Pin ist die Spitze eines frauenfeindlichen Eisberges in der Food Szene, Gastro-Sexismus ist allgegenwärtig, deswegen überrascht es mich nicht, aber es bleibt widerwärtig. Dieses Medium spiegelt einen traurigen Status Quo, und arbeitet hart daran, genau diesen zu erhalten. Und es geht hier nicht nur um Frauen, auch people of color kommen bei Rolling Pin weder im Heft, noch auf der Konferenz, noch in der Abstimmung in bedeutender Zahl vor.“

4. Wetterdaten sind jetzt Open Data
(golem.de)
Eine Gesetzesänderung macht es möglich, dass Daten des Deutschen Wetterdienstes künftig kostenlos und von jedermann genutzt werden können. Dies betrifft unter anderem Modellvorhersagen, Radardaten sowie aktuelle Mess- und Beobachtungsdaten und Klimadaten. Softwareentwickler und Hobbymeteorologen dürfen die Daten in ihre Anwendungen einbauen, müssen jedoch die Quelle angeben.

5. Silicon-Valley-Mäzene und ihre Liebe zu traditionsreichen Medien
(sueddeutsche.de, Karoline Meta Beisel)
Manche Silicon-Valley-Unternehmer schaffen sich neben Yacht, Flugzeug und Golfplatz auch Medien an bzw. investieren in sie. Ob Ebay-Gründer Pierre Omidyar mit der Seite „The Intercept“, Facebook-Mitgründer Chris Hughes bei „The New Republic“ oder Amazon-Gründer Jeff Bezos mit seiner „Washington Post“. Nun hat Laurene Powell Jobs, die Witwe von Apple-Gründer Steve Jobs, die Zeitschrift „The Atlantic“ erworben. Das sei bemerkenswert, denn das prosperierende Magazin habe gar keinen Gönner nötig. Der vergangene Mai sei für „theatlantic.com“ ein Rekordmonat mit 42 Millionen Lesern gewesen, eine Expansion nach Europa stehe unmittelbar bevor.

6. Kommt das Emoji vor oder hinter das Satzzeichen?
(blog.wdr.de, Dennis Horn)
Kommt das Emoji vor das Satzzeichen, kommt das Emoji hinter das Satzzeichen oder ersetzt das Emoji das Satzzeichen? Verbindlichen Regeln dazu gibt es noch nicht, aber Dennis Horn hat für sich eine Lösung gefunden.

Beate Zschäpe auf dem Laufsteg der Nebensächlichkeiten

Welche Modenschauen sind wohl die wichtigsten der Welt? Klar, die in Paris und die in New York. Sicher auch die in Mailand. Und dann wäre da noch eine etwas unbekanntere, die seit knapp viereinhalb Jahren im Saal A 101 im Münchner Strafjustizzentrum in der Nymphenburger Straße stattfindet:

Beate Zschäpe trägt ein rot-orangenes, sommerliches Shirt mit kurzen Ärmeln, ein ungewohnt luftiges Outfit. Rechtsanwalt Wolfgang Stahl erscheint in weißer Hose unter seriösem Jackett.

Diese Passage stammt aus einem „dpa“-Text über einen der bedeutendsten Strafprozesse seit Jahrzehnten in Deutschland, den NSU-Prozess. Die Onlineredaktion der „Stuttgarter Zeitung“ hat sie gestern veröffentlicht, ebenso die der „Berliner Morgenpost“, die der „Kieler Nachrichten“, die der „Abendzeitung“ aus München, haz.de, derwesten.de und vermutlich noch einige weitere.

Auch direkt vor und nach den zwei Sätzen zum Outfit von Beate Zschäpe und Wolfgang Stahl geht es fast nur um Nebensächlichkeiten. Der „dpa“-Artikel startet so:

Es scheint fast so etwas wie Ferienstimmung in der Luft zu liegen an diesem 379. Verhandlungstag im NSU-Prozess, dem fünften Tag des Anklage-Plädoyers und letzten Sitzungstag vor der Sommerpause des Gerichts. Beate Zschäpe trägt ein rot-orangenes, sommerliches Shirt mit kurzen Ärmeln, ein ungewohnt luftiges Outfit. Rechtsanwalt Wolfgang Stahl erscheint in weißer Hose unter seriösem Jackett. Und vor den Ferien ist auch die Ehefrau des mutmaßlichen Waffenbeschaffers für den „Nationalsozialistischen Untergrund“, Ralf Wohlleben, da: Sie betritt den Saal, nachdem die Fotografen ihn verlassen mussten, schlängelt sich an den Plätzen der Verteidiger vorbei, streichelt ihrem Mann über die Schulter, küsst ihn zur Begrüßung auf den Mund.

Bei Bild.de hat die Redaktion Zschäpes „Sommer-Look“ sogar in die Überschrift gepackt, als wäre das die entscheidende Entwicklung im NSU-Prozess:

Ausriss Bild.de - Blümchenschal und luftiges rot-orangenes Shirt - Zschäpe im Sommer-Look in die Sommerpause

In der Zwischenzeit haben sie wohl auch bei Bild.de gemerkt, wie grässlich es ist, über einen Prozess zu berichten, auf den so viele trauernde Angehörige schauen, und dabei den „BLÜMCHENSCHAL“ und das „LUFTIG ROT-ORANGENE SHIRT“ einer Person hervorzuheben, der die Mittäterschaft in zehn Mordfällen vorgeworfen wird. Dachzeile und Überschrift haben die Bild.de-Mitarbeiter inzwischen geändert (nun: „ERST ENDE AUGUST GEHT ES WEITER — Zschäpes letzter Auftritt vor der Sommerpause“), die einleitende Passage zur „Ferienstimmung“ komplett gestrichen.

Mit Dank an @tagesschauder für Hinweis und Screenshot!

Vermessen, Eingebettet, Gefeuert

1. Wie Bewertungskultur und Datenanalyse den Journalismus radikal verändern
(michaelmartiblog.tumblr.com)
Michael Mart (stellv. Chefredakteur und Leiter Digital des Schweizer „Tages-Anzeiger“) hat einen lesenswerten Beitrag über die „Vermessung des Journalismus“ vorgelegt. Er erklärt wie die Branche derzeit arbeitet. Über das Messen der Reichweite hinaus geschehe dies zum Beispiel über den „Artikel-Score“. Dieser berücksichtige neben den Seitenaufrufen Werte wie Verweildauer, Anteil Social-Media-Traffic oder Anzahl der Shares. Die neue Bewertungskultur führe nicht nur zum gläsernen Leser, sondern auch zum gläsernen Journalisten. Der Artikel schließt mit einer Erkenntnis aus dem Abo-Journalismus: Besonders erfolgreich seien Service-Geschichten mit einem direkten Nutzen, aber auch lebensnahe Geschichten, die „Learnings“ anbieten.

2. Journalisten im Dienst der «nationalen Sicherheit»
(infosperber.ch, Roman Berger)
Roman Berger war Washington-Korrespondent des „Tages Anzeiger“ und hat in seiner aktiven Zeit auch den Chef-Militärkorrespondent der „New York Times“ Michael Gordon kennengelernt. Gordon, der in wenigen Wochen pensioniert wird, gelte als Prototyp des „eingebetteten Journalismus“ mit all seinen negativen Folgen. Nach Ansicht von Berger habe der Fall Gordon sogar Zweifel an der unabhängigen Berichterstattung der „NYT“ geweckt. Berger arbeitet die Vorgänge nochmal auf und benennt die Versäumnisse.

3. Der Sultan, der das Hassen lehrt
(sueddeutsche.de, Selim Aydin)
Das türkische Staatsfernsehen „TRT“ stehe schon seit Langem in der Kritik, ein Sprachrohr der Regierung zu sein, so Selim Aydin auf „sueddeutsche.de“. Mit opulenten Serien und fragwürdigen Talkshows glorifiziere der Staatssender die Nation – und inszeniere Recep Tayyip Erdogan als historischen Führer. Auch die „taz“ beschäftigt sich mit dem Thema der instrumentalisierten historischen Serien. In Erdogans Lieblingsserie heißt es dazu: „Dass derartige historische Serien gut ankommen, könnte damit zusammenhängen, dass viele Türken sich bis heute nicht wirklich mit der Republik Atatürks anfreunden können. Die Serien spiegeln den sehnsüchtigen Wunsch, in glorreiche osmanische Zeiten zurückzukehren. Es ist der wunde Punkt des nationalistisch-konservativen Teils der türkischen Bevölkerung.“

4. Nichts brennt kälter als ein Hack
(zeit.de, Eike Kühl)
Der US-Kabelsender „HBO“ wurde Opfer eines Hackerangriffs. Teil der digitalen Beute: Bislang unveröffentlichte Folgen der Erfolgsserie „Game of Thrones“ und angeblich das nächste Drehbuch. Erste Inhalte seien bereits im Internet aufgetaucht. Insgesamt haben die Täter 1,5 Terabyte Daten kopiert.

5. Hier steht, wer alles doof ist
(spiegel.de, Margarete Stokowski)
Margarete Stokowski hält nichts von der Antifeministen-Personen-Datenbank der grünennahen Heinrich-Böll-Stiftung: „Es macht verdammt viel Sinn, antifeministische Strategien und Argumentationen zu sammeln und Leuten zu erklären, was daran wie und warum falsch ist, auch weil bestimmte Positionen sich immer wieder als emanzipatorisch verkaufen wollen (die AfD hat zum Beispiel Plakate, auf denen steht, „Die Freiheit der Frau ist nicht verhandelbar“). Aber es ist mehr als schlechter Stil, das anhand von Personenlisten zu tun.“

6. Gebt mir zehn Tage!
(faz.net, Axel Weidemann)
Ganze zehn Tage war Anthony Scaramucci Kommunikationschef von Donald Trump bis dieser ihn feuerte. Axel Weidemann hat eine Chronologie dieser zehn Tage verfasst. Es ist eine Chronologie der Pöbeleien und Fettnäpfchen.

Angstfigur Einwanderer, Puff-Gutscheine, Makaken-Selfie

1. „Medien haben gewalttätige Einwanderer als Angstfigur entdeckt“
(welt.de)
Für eine Studie zur Berichterstattung über Geflüchtete und Zuwanderer haben Wissenschaftler zwischen Januar und April dieses Jahres Artikel in überregionalen Zeitungen und TV-Beiträge aus den Hauptnachrichten analysiert. Die deutschen Medien hätten den gewalttätigen Einwanderer als Angstfigur neu entdeckt, so das Fazit des Studienleiters. Deutsche Fernsehsender hätten im Vergleich zu 2014 viermal so häufig über Gewalt nichtdeutscher Tatverdächtiger berichtet, obwohl deren Anteil in der Kriminalstatistik in diesem Zeitraum lediglich um ein Drittel angestiegen sei. „Das führt zu einem verzerrten Bild und kann Vorurteile in der Bevölkerung anheizen“, warnt der leitende Medienwissenschaftler. Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung: Vor allem die „Bild“-Zeitung berichte über Ausländer zumeist im Zusammenhang mit Kriminalität.

2. Wir haben das Skandalbuch ‚Finis Germania‘ gelesen, damit ihr es nicht müsst
(vice.com, Niclas Seydack)
Niclas Seydack hat sich für „Vice“ das umstrittene Buch „Finis Germania“ angeschaut, das in eine Bestenliste rein- und eine Bestsellerliste rausgetrickst wurde. „Der Unterschied zu einer Landser-CD liegt weniger darin, was gesagt wird, als wie es gesagt wird. Sieferle nutzt eine wissenschaftlich-anmutende Sprache für sein unwissenschaftliches Gedresche vom „Mythos Vergangenheitsbewältigung“. Das macht Bücher wie Finis Germania so gefährlich – und für viele so faszinierend. Wer das Buch derzeit in Berliner Buchhandlungen kaufen will, wird vertröstet. Nicht, weil es die Geschäfte aus dem Sortiment genommen hätten – sondern, weil es ausverkauft ist.“

3. Puff-Gutscheine aus dem Elfenbeinturm: Medienforscher blamiert sich in der ARD beim Thema Fake-News
(meedia.de, Hendrik Steinkuhl)
Hendrik Steinkuhl kann der ARD-Doku „Im Netz der Lügen – Der Kampf gegen Fake News“ wenig Gutes abgewinnen. Der Film sei schlecht und liefere keine einzige originelle Erkenntnis zum Thema. Einen erheblichen Anteil daran habe der Medienforscher und Kommunikationswissenschaftler Wolfgang Schweiger mit seinem Experiment, kontrolliert und geplant Fake-News in die Welt zu setzen. „Der Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Wolfgang Schweiger lässt seine Mitarbeiterinnen im Dienst der Wissenschaft gegen Minderheiten hetzen, sagt aber vorher, dass sie genau das natürlich auf keinen Fall tun dürften. Er holt den Puff-Gutschein aus der digitalen Mottenkiste und entdeckt, oh Wunder, dass die Leute darauf hereinfallen. Und er sieht seine These von einer ungenügenden Quellenprüfung im Netz als bestätigt an, weil in seinem Experiment die Nähe zwischen Volksbeobachter und Völkischem Beobachter ja jedem hätte ins Auge springen müssen.“

4. Entenfleisch mit frischem Blut
(taz.de, Marina Mai)
Der deutschvietnamesische Journalist Trung Khoa Le betreibt seit neuneinhalb Jahren die zweisprachige Onlinezeitung „Thoibao.de“ (Die Zeit), das größte vietnamesisch-sprachige Medienangebot aus Deutschland. Neun Jahre hätte er „schön“ über Vietnam berichtet, seit ein paar Monaten schreibe er „die Wahrheit“. Nun fühlt er sich von Offiziellen in Vietnam und von einer Privatperson aus München bedroht und hat Strafanzeige bei der Berliner Polizei gestellt. „Iss zur Entspannung doch mal etwas Entenfleisch mit frischem Blut“, habe in einer an ihn gerichteten SMS gestanden, was in Vietnam als Todesdrohung gelte.

5. Kampf gegen deutsche Dominanz
(de.ejo-online.eu, Sebastian Bolsinger)
Die Medienlandschaft in Polen sieht sich weitreichenden Veränderungen ausgesetzt: Nach einigen Umstrukturierungen und Entlassungen im öffentlich-rechtlichen Radio und Fernsehen, soll nun der vermeintliche Einfluss deutscher Verlage auf die polnische Politik bekämpft werden. Die polnische Regierungspartei „Recht und Gerechtigkeit“ habe eine Gesetzesinitiative angekündigt. Details seien derzeit jedoch noch nicht bekannt. Wie sich die Bemühungen der polnischen Regierung, die Printmedien zu repolonisieren, insgesamt weiter entwickeln werden, sei im Moment schwer zu beurteilen.

6. „Ich wünschte, ich hätte die verdammten Fotos nie gemacht“
(sueddeutsche.de, Laura Hertreiter)
Vielleicht sind Sie im Netz schon mal dem Bild eines freundlich in die Kamera lächelnden Affen begegnet. Ein indonesischer Schopfmakake hatte einen Fotoapparat in die Hand bekommen, den Auslöser gedrückt und das wohl berühmteste Selfie der Welt geschossen. Für den Fotografen David Slater, der das Bild von einer seiner Reisen mitgebracht hat, könnte das erhebliche Lizenzeinnahmen bedeuten. Doch das Gegenteil ist der Fall: Die für ihre rabiaten Methoden bekannte Tierrechtsorganisation Peta zog 2015 vor Gericht und will sich im Namen des Affen die Erlöse aus der Verwertung des Fotos erstreiten. Eine letztgültige Entscheidung steht noch aus. Der Fotograf sei inzwischen offenbar pleite und müsse sich mit Aushilfsjobs über Wasser halten.

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