Archiv für Juni 19th, 2017

Heiße „Bild“-Altherren könnten Finger nicht von Frauen-Body lassen

Manchmal reicht eine einzige Zeile unter einem Foto, und schon schüttelt’s einen vor lauter „Bild“-Breitbeinigkeit. Zum Beispiel diese hier:

Aber mal ehrlich: An Jörns Stelle könnten wir auch nicht die Finger von diesem knattergeilen Body lassen

Die Frau mit dem „knattergeilen Body“, von der die ehrlichen „Bild“-Redakteure die Finger nicht lassen könnten, war mit dem Schauspieler Jörn Schlönvoigt im Urlaub. Die „Bild“-Zeitung brachte am vergangenen Freitag eine ganze Fotoserie mit Bildern der beiden — er in Badehose, sie im silbernen Bikini –, die sie auf einer Jacht vor der Küste Mallorcas zeigen:

Ausriss Bild-Zeitung - Schauspieler Jörn Schlönvoigt mit neuer Freundin - Sexy Silber-Nixe geht GZSZ-Star ins Netz
(Alle Unkenntlichmachungen in diesem Beitrag durch uns.)

Bild.de berichtete bereits am späten Donnerstagabend:

Ausriss Bild.de - Sexy Silber-Nixe geht GZSZ-Star ins Netz

Die acht („Bild“) beziehungsweise 14 (Bild.de) Fotos, die in „Bild“ riesig ausgebreitet werden und bei Bild.de nur mit einem „Bild plus“-Abo zu sehen sind, haben alle eine gewisse Paparazzo-Ästhetik; wir wollen aber nicht ausschließen, dass sie gestellt sind. Da wir nicht sicher sein können, ob die Aufnahmen mit den Personen, die sie zeigen, abgesprochen waren, haben wir sie lieber verpixelt.

Die Fotos und die eventuelle, damit zusammenhängende Verletzung der Privatsphäre sind eine Sache. Eine andere sind der dazugehörige Text und vor allem die Bildunterschriften. Dort gibt es neben der „knattergeil“-Zeile die gesammelte Altherrenwitzigkeit der „Bild“-Medien:

Jörn Schlönvoigt und seine brünette Sex-Bombe — schwer verliebt auf Mallorca

Alle J-ACHTung: Jörn Schlönvoigt und seine Hanna bei Hoppe-Hoppe-Reiter-Spielen an Deck

Der Silberpfeil will geölt werden: Jörn Schlönvoigt cremt seine neue Freundin Hanna ein

Kaum zusammen, da nimmt sich Jörn seine Hanna schon zur Brust

Aufschwung zur Liebe. So schön kann Nahkampf sein

Gemeinsames Sonnenbaden — da wird uns schon beim Zuschauen ganz heiß

Auf ihrem Tagesprogramm: DECKungsarbeit an Bord! Es wird getätschelt, geplanscht und gaaanz viel geknutscht.

Ein bisschen planschen im kalten Wasser würde auch den Altherren von „Bild“ und Bild.de ganz gut tun.

Mit Dank an @Fluxcompensator, @RA_Conrad und Lukas H. für die Hinweise!

Missglückte taz-Landschaften, Assange-Doku, Gläserne Gesetze

1. Das ging daneben
(taz.de, Georg Löwisch)
Der „taz“-Titel zu Helmut Kohls Tod („Blühende Landschaften“) hat viele kritische Reaktionen hervorgerufen. Auch „taz“-Chefredakteur Georg Löwisch hält den Titel für missglückt. Man hätte einen Kontrapunkt zu all den verklärenden Lobhudeleien setzen wollen. Das sei jedoch danebengegangen.

2. Welchen Fakten können wir trauen?
(philomag.de, Philipp Felsch)
Die Wissenschaftshistorikerin Lorraine Daston und der Investigativjournalist Georg Mascolo haben sich über die Krise der Wahrheit in der Ära Trump unterhalten. Ein Gespräch, für das man sich etwas Zeit nehmen sollte und das viele interessante historische und philosophische Themen anschneidet wie den Vergleich der Historikerin: „Die Flugblätter der Reformationszeit lassen sich mit einer Webseite wie Breitbart News vergleichen. Es hat über 200 Jahre, also bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts gedauert, bis Verfahren etabliert waren, mit denen sich wahre von falschen Informationen unterscheiden ließen. Ich hoffe, wir sind in der Lage, heute schneller an dieses Ziel zu gelangen.“

3. Neues Transparenz-Portal eine wahre Fundgrube
(djv.de, Anna-Maria Wagner)
Als eine wahre Fundgrube für recherchierende Journalisten und alle anderen, die sich beruflich oder privat für Lobbyismus interessieren, bezeichnet Anna-Maria Wagner das neue Transparenz-Portal „Gläserne Gesetze“, eine Gemeinschaftsproduktion von „fragDenStaat.de“ und „abgeordnetenwatch.de“. Das Ziel der Datenbank: Den Einfluss von Lobbyisten auf die Gesetzgebung transparent machen und sichtbar machen, wenn Forderungen von Interessenvertretern in Gesetzestexte übernommen wurden. Bereits jetzt gäbe es dort 17.000 dokumentierte Fälle, in denen Lobbyisten an Gesetzen mitgewirkt hätten.

4. Landespolizei kontrolliert Beamte
(kn-online.de, Bastian Modrow)
Die Schleswig-Holsteinische Landespolizei hat im Zuge der sogenannten „Rocker-Affäre“ die Kontrolle ihrer Beamten massiv ausgeweitet. Angeblich wird die gesamte Internetkommunikation im Bereich des Innenministeriums seit Anfang April protokolliert. Darüber hinaus würden Polizisten überprüft, die in Verdacht stehen, Kontakt mit kritischen Journalisten, Politikern und Rechtsanwälten zu pflegen. Nach Angaben von leitenden Polizisten ginge es vornehmlich darum, „singende Ratten“ zu identifizieren – so würden demnach im Führungsstab des Landeskriminalamts (LKA) Kiel jene Beamte genannt, die im Zuge der Rocker-Affäre mit Presse und Politikern Kontakt haben.

5. Standortfrage
(sueddeutsche.de, Karoline Meta Beisel)
Europa gerät dort an seine Grenzen, wo Wirtschaftsinteressen berührt sind. Nachdem die EU schon Schritte gegen Roaminggebühren und Geoblocking unternommen hat, will sie nun den grenzüberschreitenden Zugriff auf Mediatheken von TV-Sendern erleichtern. Dagegen protestiert die Filmwirtschaft, die ihr Geschäftsmodell bedroht sieht.

6. Kein normaler Mensch
(zeit.de, Monika Ermert)
Die oscarprämierte Filmemacherin Laura Poitras hat eine neue Doku gedreht, in der es um Wikileaks und das Gesicht der Enthüllungsplattform geht: Julian Assange. Wie nicht anders zu erwarten, gab es auch Kritik an dem Film beziehungsweise an der Darstellung der porträtierten Personen. Für „Zeit“-Autorin Monika Ermert jedoch kein Grund, dem Kino fernzubleiben: „Auch wenn Poitras schon viel Schelte für den Film bezogen hat, sehenswert ist das Stück für alle, die sich für die Figuren rund um WikiLeaks interessieren, allemal.“