Archiv für Juni 12th, 2017

Recherchetreff, Regenbogenpresse empört, Tatort

1. Dokumentation nr17
(netzwerkrecherche.org)
Die Journalistenvereinigung „Netzwerk Recherche“ setzt sich für Informationsfreiheit, investigativen Journalismus und die Vermittlung von Recherchetechniken ein. Einmal im Jahr trifft man sich zur Jahreskonferenz. Dieses Mal waren es mehr als 700 Teilnehmer, die an zwei Tagen in rund 120 Veranstaltungen über Probleme und Chancen der aktuellen Medienwelt diskutierten. Einige der behandelten Themen: Recherchen im Dark Net, Investigativer Sportjournalismus, Journalisten mit Migrationshintergrund und die Frage, wie Medien mit der AfD umgehen sollen (weitere Beiträge über den Link oben).

2. Regenbogenpresse empört: Wir lügen doch gar nicht immer nur!
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Die Medienseite „kress.de“ hat drei Chefredakteuren von Regenbogenblättern aus dem Hause „Bauer“ die Möglichkeit gegeben, sich als hehre Journalisten darzustellen, die sich mit der „Königsdisziplin des Journalismus“, so die Eigenwahrnehmung, beschäftigen. Mehr oder wenige parallel hatte das „Netzwerk Recherche“ den Verlagen Bauer, Burda und Funke stellvertretend für die Regenbogenpresse den Negativpreis „Verschlossene Auster“ verliehen. Mit Dialogbereitschaft steht es in diesem Segment nämlich nicht so gut, wie Medienjournalist Stefan Niggemeier durch Offenlegung eines Mailwechsels dokumentiert.

3. Wie Debatten Wahlen entscheiden
(sueddeutsche.de, Julian Dörr)
Marcus Maurer ist Professor für Kommunikationswissenschaft an der Universität Mainz. Sein Schwerpunkt: politische Kommunikation. Die „Süddeutsche“ hat sich mit ihm darüber unterhalten, warum unsere Gesellschaft seit ein paar Jahren von Großthemen wie Migration und innerer Sicherheit dominiert wird und Themen wie soziale Gerechtigkeit im Wahlkampf kaum jemanden interessieren.

4. Knebelvertrag ärgert Fotografen
(laut.de)
Das Schweizer Online-Magazin „Negative White“ protestiert gegen die Bedingungen, die professionellen Fotografen von der Hardrock-Band „Guns N‘ Roses“ auferlegt werden. Und die dazu geführt haben, dass man von einem Konzertbesuch Abstand genommen hat: „Natürlich wär ich enttäuscht gewesen, dass ich nur den Anfang des Konzerts mitbekomme und den Rest des Auftritts verpasse. Aber wenn mir dann auch noch die Rechte an meinen Bildern abgesprochen werden und ich die wenigen erlaubten Bilder auch noch ein einziges Mal in schlechter Qualität publizieren soll, dann habe ich gar keine Lust mehr, diese Band überhaupt zu fotografieren.“

5. Wehrhafte Juden sieht man nicht gern
(taz.de, René Martens)
Immer noch wird über die Entscheidung des Fernsehsenders „Arte“ debattiert, der eine „WDR“-Doku über Antisemitismus wegen angeblicher Unausgewogenheit nicht ausstrahlt. Die „taz“ hat sich den zurückgehaltenen Film zwischenzeitlich angeschaut. Man könne dem Film vielleicht vorwerfen, dass er zu viel auf einmal wolle. Der teilweise sarkastische Tonfall des Films sei zwar ungewöhnlich, aber angemessen: „Man kann auf die wahnhaften Äußerungen, die der Film aufgreift, kaum nüchtern reagieren. Selbst, wenn man die sarkastischen Einsprengsel für unangebracht hielte, wäre das nur ein geschmäcklerischer Einwand, der es nicht rechtfertigt, den Film in den Giftschrank zu packen.“

6. Reich und erfolgreich durch „Pranks“?
(faz.net, Niklas Záboji)
Im Dresdner „Tatort“ ging es um die bunte Youtube-Welt mitsamt ihrer Stars und Sternchen. Die „FAZ“ fragt: „Sind das fiktive Szenarien oder reale Abgründe – und wie läuft das Geschäft mit den jungen Internetstars?“ Passend dazu: Die „taz“ berichtet über eine Studie, welche die Realitätsnähe des „Tatort“ untersucht. In den 34 analysierten Folgen aus dem Jahr 2015 wurden insgesamt 96 Gesetzesverstöße festgestellt.