Archiv für Mai 4th, 2017

Correctiv-Kontroverse, DontFreeDeniz, Reichsbürger-Hymne

1. Correctiv macht Privatleben von AfD-Frau zum „Sexskandal“
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier hat auf „Übermedien“ seine Sicht auf die Causa „Correctiv und der angebliche Sexskandal bei der AfD“ aufgeschrieben. Er merkt u.a. an: „Eine besondere Ironie ist es, dass Correctiv der AfD vorwirft, ein „Frauenbild aus den 50er Jahren“ durchsetzen zu wollen, gleichzeitig aber fünfzigerjahrehaft die sexuelle Betätigung der Kandidatin beschreibt und geißelt („vermietete ihren Körper übers Internet“), um sie skandalisieren zu können.“
Niggemeier rätselt, was das Recherchebüro zu dieser Geschichte bewogen haben könnte: „Vielleicht hängt es mit der gewissen Breitbeinigkeit und Dickhodigkeit zusammen, mit der vor allem Correctiv-Chef David Schraven immer wieder auftritt, die der gewünschten Wahrnehmung als unabhängiges, grundsolides, seriöses Rechercheunternehmen im Wege steht. Vielleicht war es die Begeisterung dafür, das lukrative Hobby der AfD-Kandidatin sogar mit Screenshot vom Internetprofil dokumentieren zu können, die jede ernsthafte Abwägung verhinderte, ob diese Enthüllung von öffentlichem Interesse ist. Vielleicht ist es aber auch Ausdruck davon, wie sehr sich Correctiv dem – sicher gut gemeinten – Kampf gegen die AfD verschrieben hat – und diesem Ziel ethische Bedenken im Zweifel unterordnet.“

2. Flaggezeigen unerwünscht
(taz.de, René Martens)
Auf Anregung des „NDR“ sollten die ARD-Intendanten am Internationalen Tag der Pressefreiheit einen offenen Brief für Deniz Yücel im Fernsehen vorlesen. Doch das Vorhaben kam, angeblich nach einer Intervention des ARD-Chefredakteurs, nicht zustande. René Martens kommentiert: „Dass die ARD nicht einmal in der Lage ist, sich auf etwas Selbstverständliches zu einigen und Flagge zu zeigen, wenn es um Menschenrechtsverletzungen gegen einen Journalisten aus Deutschland geht, ist allemal besorgniserregend. Wie die Intendanten agieren, wenn wirklich einmal ein kontroverses Thema auf der Agenda steht, mag man sich gar nicht vorstellen.“

3. A!200 – Guten Morgen, Sigmund
(aufwachen-podcast.de, Video, 2:20 Stunden)
Tilo Jung und Stefan Schulz haben sich für die zweihundertste Folge ihres medienkritischen „Aufwachen Podcasts“ etwas Besonderes einfallen lassen: Abweichend vom normalen Procedere haben sie vor Livepublikum aus Berlin gevideopodcastet. Als Überraschungsgast war der ehemalige BR-Chefredakteur Sigmund Gottlieb eingeladen.

4. Der „Freitag“ montiert aktuelle Fragen in fünf Wochen altes Interview
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Die Wochenzeitung „Der Freitag“ veröffentlichte ein Interview mit dem französischen Autor und Soziologen Didier Eribon, in dem es u.a. um die Präsidentschaftswahlen in Frankreich ging. Das Problem: Es handelt sich um ein altes Interview aus der Zeit vor der ersten Wahlrunde, bei dem „Der Freitag“ die ersten beiden Fragen ohne Zustimmung des Interviewten verändert hat. Gegenüber „Übermedien“ sagt Ebion, dass er anders geantwortet hätte, wenn das Interview nach der ersten Runde stattgefunden hätte.

5. „Pack dein Zeug und verschwinde!“
(deutschlandfunk.de)
Bei der Unterdrückung von Pressefreiheit denkt man oft automatisch an Repressionen durch den Staat. Dies trifft auch auf viele Länder zu. In Deutschland wird die Pressefreiheit an anderen Stellen unterdrückt. Zum Beispiel, wenn Journalisten eine Pegida-Demonstration in Dresden begleiten wollen. Gewalt und Drohungen seien dort an der Tagesordnung.

6. Xavier Naidoo hat eine Reichsbürger-Hymne geschrieben
(faz.net, Leonie Feuerbach)
Leonie Feuerbach hat sich den Text von Xavier Naidoos neuem Lied „Marionetten“ genauer angeschaut. Der Song stecke voller Anspielungen auf rechtspopulistische Themen wie Lügenpresse und Volksverrat, aber auch auf handfeste Verschwörungstheorien wie pädophile Politiker und die Reichsbürger-Ideologie. Und ein paar möglicherweise antisemitische Anspielungen seien auch dabei. Feuerbach erklärt die im Song verwendeten Anspielungen und bezieht auch die Wortmeldungen von Bandmitgliedern in ihre Analyse ein. Die Sache sei mehr als offensichtlich: „Inzwischen ist aber ein Punkt erreicht, an dem keiner der Käufer und Zuschauer sagen kann, Naidoo werde bloß falsch verstanden. Denn es ist ziemlich offensichtlich, dass er das, was er schreibt und singt, auch genau so meint.“