Archiv für April 5th, 2017

Hohl-in-one

Im „Augusta National Golf Club“ im US-Bundesstaat Georgia startet morgen eines der bedeutendsten Golfturniere der Welt, das „US Masters“. Unter anderem am Start: Der Deutsche Martin Kaymer, mit dem „Bild“ im Vorfeld gesprochen hat. Das Interview kann man heute im Blatt lesen, und die Überschrift hat es durchaus in sich:

'Trump ist ein Geschenk für uns'

Die Bild.de-Mitarbeiter haben daraus einen „Bild plus“-Artikel gemacht, mit der gleichen Titelzeile wie ihre Print-Kollegen:

Deutschlands bester Golfer - Kaymer: 'Trump ist ein Geschenk für uns'

Nanu — Martin Kaymer ein großer Fan der Politik Donald Trumps? Der US-Präsident „ein Geschenk“ für die Menschheit? Die Aussage von Martin Kaymer, die die „Bild“-Medien für ihre Schlagzeilen gewählt haben, stammt zwar von dem Golfer. Sie hat allerdings nichts mit Politik zu tun:

Sie spielen einen Großteil des Jahres in den USA. Wie hat sich Amerika unter Präsident Donald Trump verändert?

Kaymer: „Ich bin überrascht, dass die Leute, besonders die, die Trump gewählt haben, jetzt über seine Äußerungen und Handlungen verwundert sind. Er macht das, was er angekündigt hat. Für uns Golfer gibt es allerdings auch noch einen zweiten Donald Trump.“

Was meinen Sie?

Kaymer: „Über den Politiker Trump muss sich jeder seine eigene Meinung bilden. Der Golf-Fan Trump ist jedoch ein Geschenk für unseren Sport. Er hat extrem gute Plätze auf der ganzen Welt gebaut. Was er im Golf anpackt, ist eigentlich immer ein Riesenerfolg.“

Das Problem dabei: Die kompletten Antworten können bei Bild.de nur die Leute lesen, die ein „Bild plus“-Abo haben. Alle anderen sehen lediglich die Überschrift und die ersten paar Zeilen des Textes, aus denen nicht hervorgeht, dass sich Kaymers Aussage bloß auf Golfplätze bezieht.

Weil sich erste empörte Fans meldeten und schrieben, sie werden ihn ab sofort nicht mehr unterstützen, hat sich Martin Kaymer bei Facebook zu der „Bild“-Schlagzeile geäußert:

Hallo zusammen! Nach den ersten Reaktionen auf ein heute erschienenes Interview möchte ich klarstellen, dass ich mich nicht zu politischen Themen in Bezug auf Donald Trump und meiner persönlichen Meinung zu ihm, die sich im übrigen in keinster Weise in diesem Artikel widerspiegelt, geäußert habe und das auch in einem Interview nicht tun werde. Es ging rein um sein Engagement im Golfsport. Bitte lest die ganze Antwort bevor ihr euch eine Meinung bildet und lasst euch nicht von der reißerischen Schlagzeile blenden. Gruß aus Augusta!

Mit Dank an Kiezgolf für den Hinweis!

Instagate, Frauenpanorama, Mundgekloeppelt

1. Instagate: Die Generalabrechnung einer Instagrammerin mit Fake Influencern
(onlinemarketingrockstars.de, Roland Eisenbrand)
Roland Eisenbrand schreibt über das von der Reisebloggerin Nicki Sunderland („EatLiveTravelDrink“) ausgelöste „Instagate“. Sunderland werfe ihren Kollegen unfaire Methoden vor: Sie habe eine lange Liste von Leuten, die das System betrügen, indem sie Follower kaufen und Engagement faken würden. In einem langen Artikel voller Beweisfotos fasst sie ihre Erkenntnisse zusammen. Außerdem nennt sie die Namen der Kollegen, denen sie vorwirft, Reichweite gefaket zu haben, um kostenlose Reisen und Hotel-Aufenthalte zu ergattern oder vielleicht sogar dafür bezahlt zu werden. Mit dabei sei auch ein deutscher Reise-Instagrammer.

2. Desinformation durch Weglassen
(de.ejo-online.eu, Stephan Russ-Mohl)
Wie anfällig Journalismus und Forschungsbetrieb sind, selbst Desinformations-Opfer zu werden, ließe sich an der Karriere zweier berühmter wissenschaftlicher Zitate zeigen, so Journalismus-Professor Stephan Russ-Mohl auf „ejo-online.de“. Die beiden von vielen Medienforschern zitierten Aphorismen von Niklas Luhmann und Stewart Brand würden einen ganz anderen Sinn bekommen, wenn man den jeweils fehlenden Teil ergänzen würde.

3. Wie eine Frauenseite rechte Propaganda als weibliche Selbstermächtigung verkauft
(broadly.vice.com, Sarah Ulrich)
Auf „Broadly“ berichtet Sarah Ulrich über eine Art Trojanisches Pferd der Rechtenszene: Die Webseite „Frauenpanorama“ locke mit Beziehungstipps, Traumabewältigung und Inhalten für die Frau „von nebenan“. Doch hinter der freundschaftlichen Ansprache verstecke sich Neonazi-Rhetorik: „Wenn rechtsgesinnte ihre Ideologie durch die Beiträge bestärkt sehen, ist das eine Sache. Eine andere ist, wenn nichtsahnende Frauen auf eine Seite stoßen, die sich als vermeintlichen Ratgeber und nettes Magazin präsentiert, dabei aber kaum merklich rechte Propaganda lanciert.“

4. Trumps meistgehasste Zeitung
(deutschlandfunk.de, Sacha Verna)
Die „New York Times“ sieht sich immer wieder verbalen Angriffen des amerikanischen Präsidenten Donald Trump ausgesetzt. Wie geht die Redaktion der Zeitung mit der Situation um, die an die pressefeindliche Nixon-Zeit erinnere? Sacha Verna hat mit dem Medienreporter der „New York Times“ Michael Grynbaum gesprochen. (Für Audiobeitrag auf den rechts im Screenshot eingebetteten Button klicken)

5. «20-Minuten» verbreitet PR-Beiträge der Post
(infosperber.ch, Urs P. Gasche)
Die Schweizer Gratiszeitung „20-Minuten“ lässt sich die Wirtschaftsseiten in der gedruckten und in der Online-Ausgabe mit mindestens einer Million Franken jährlich von der „Postfinance“ bezahlen. Die gesponserten Artikel hätten zwar den Vermerk „Paid Post“ seien in der Aufmachung jedoch mit redaktionellen Artikeln zu verwechseln. „Saldo“, die Schweizer Konsumentenzeitschrift, kritisiert die „Kleinstschrift“ dieses Hinweises. Auf der Gegenseite ist man sich erwartungsgemäß keines Fehlers bewusst und verteidigt das Vorgehen.

6. Hör mal, wer da spricht: 25 Jahre Peter Kloeppel
(uebermedien.de, Mats Schönauer, Video, 1:06 Minuten)
Seit 25 Jahren moderiert Peter Kloeppel die Nachrichten-Sendung „RTL aktuell“. Anlass für „Übermedien“ ein filmisches „Best Of Kloeppel 2017“ zu präsentieren.