Archiv für April 4th, 2017

Platz für eine Meldung? Tetris hilft

Ein Freund von mir hat vor Jahren eine gute Erfahrung mit einem Heilpraktiker gemacht. Er fühlte sich immer kränklich, hatte sich ein paar Mal untersuchen lassen, aber die Ärzte konnten nichts finden. Dann gab ihm jemand den Tipp, es mal bei einem Heilpraktiker zu probieren. Das tat er. Der Mann unterhielt sich mit ihm und schon nach einem kurzen Gespräch war er sich sicher, die Ursache des Problems gefunden zu haben. Er fragte meinen Freund: „Wissen Sie, was Ihnen fehlt?“ Und gab die Antwort gleich selbst: „Zink.“

Ralf Heimann hat vor ein paar Jahren aus Versehen einen Zeitungsbericht über einen umgefallenen Blumenkübel berühmt gemacht. Seitdem lassen ihn abseitige Meldungen nicht mehr los. Er hat mehrere Bücher veröffentlicht, zuletzt zusammen mit Jörg Homering-Elsner „Bauchchirurg schneidet hervorragend ab — Perlen des Lokaljournalismus“. Fürs BILDblog kümmert er sich um all die unwichtigen Dinge, die in Deutschland und auf der Welt so passieren.
(Foto: Jean-Marie Tronquet)

Meine Freund war skeptisch, dachte aber: „Warum nicht? Ich probier das einfach Mal.“ Er kaufte das Präparat, das der Heilpraktiker ihm empfohlen hatte, achtete in den Wochen darauf ein bisschen mehr auf seine Ernährung als sonst, und tatsächlich: Bald ging es ihm insgesamt besser.

Bis hierher klingt das noch alles ganz gut. Allerdings hat die Zink-Behandlung eine Nebenwirkung, die bis heute andauert. Wenn irgendjemand in der Gegenwart meines Freundes über ein Leiden klagt, Rückenschmerzen, eine Erkältung, plötzliche Schweißausbrüche oder ein Pochen im Zahn, hört er sich die Schilderung der Symptome geduldig an und stellt schließlich die Frage, die auch ihm gestellt wurde:

„In letzter Zeit spüre ich beim Treppensteigen immer so ein Ziehen in der rechten Schulter.“

„Vor allem im Winter hab‘ ich Nierenschmerzen.“

„Wenn ich Fisch esse, spielt mein Magen verrückt.“

„Weißt du, was dir fehlt? Zink!“

Bislang hielt ich das lediglich für eine eigentümliche Marotte, aber dann las ich in der Zeitung die folgende Meldung. Und jetzt vermute ich, das Problem könnte doch etwas weiter verbreitet sein — und vor allem nicht nur meinen Freund betreffen.

In der kurzen Meldung stand, Forscher hätten herausgefunden, dass ein Trauma nach einem Unfall etwas weniger schlimm ausfallen könne, wenn die Menschen danach Tetris spielen.

Um ehrlich zu sein, ein bisschen hoffte ich, einen Fehler gefunden zu haben — einen Aprilscherz, der mit zwei Tagen Verspätung an irgendwem vorbei in die Zeitung gerutscht ist, aber im Internet inzwischen längst aufgeklärt wurde. Ich googlete das Ganze. War aber nicht so.

Auch der „Deutschlandfunk“ meldete:

Ich fand allerdings noch eine andere Meldung. In der ging es um die Frage:

Intuitiv würde man eher vermuten, dass dieses Spiel Schlafstörungen verursacht, aber wenn es stimmt, was in diesem Text steht, scheint es unter gewissen Umständen auch ein Mittel dagegen zu sein.

Doch das ist noch nicht alles. Tetris kann offenbar noch viel mehr:

Und wenn man sich früher zwischen Kontaktlinsen und einer Brille entscheiden musste, dann hat man inzwischen noch eine dritte Möglichkeit:

Ich dachte darüber nach, ob es in der Wissenschaft vielleicht ganz ähnlich läuft wie bei meinem Freund mit dem Zink-Syndrom. Die Forscher sitzen mittags in der Kantine zusammen. Der verzweifelte Parkinson-Experte schüttet dem gut gelaunten Trauma-Fachmann sein Herz aus: „Seit Jahren suchen wir jetzt nach einem Mittel, aber wir kommen einfach keinen Millimeter weiter.“ Und der Trauma-Forscher hat sofort eine Idee: „Wisst ihr, was euren Patienten fehlt?“

„Ähm, vielleicht Zink?“

„Nee. Ein Gameboy.“

Ich suchte weiter, und plötzlich war ich mir gar nicht mehr so sicher, ob so ein Mechanismus nicht tatsächlich existiert.

Und nachdem man jahrelang probiert hat, sich die Zigaretten mit allem Möglichen abzugewöhnen, liest man nun: Es wäre so einfach gewesen.

Auch auf anderen Gebieten scheint das Spiel ein Wundermittel zu sein. Vielleicht lesen wir irgendwann die Nachricht:

Experte: Tetris gute Alternative zum Gymnasium.

Dafür würde jedenfalls diese Meldung sprechen:

Und wenn auch das mit den Betablockern stimmt, warum sollte Tetris dann nicht auch Aspirin ersetzen können?

Dann bräuchten wir sonntagsmorgens endlich keine Pharma-Produkte mehr, sondern könnten auf jedem Geburtstag so viel durcheinandertrinken, wie wir wollten. Wir müssten eben nur darauf achten, dass der Gameboy nach dem Aufwachen neben dem Bett liegt und genügend Akku hat.

So weit ist die Forschung aber noch nicht. Wenn man „Aspirin“ und „Tetris“ bei Google eingibt, findet man lediglich einen 17 Jahre alten Werbespot, in dem das Unternehmen „Bayer“ für seine Schmerztabletten wirbt — mit einer Szene, die Tetris nachempfunden ist. Man könnte den Spot auch so verstehen, dass Aspirin gegen Tetris hilft, aber das ist wohl anders gemeint. Über den umgekehrten Zusammenhang erfährt man jedenfalls nichts. Und auch auf einige weitere Fragen fehlen bislang die Antworten:

Immerhin für die Unfall-Patienten gibt es jetzt eine gute Nachricht: Das Trauma fällt etwas weniger schlimm aus, wenn man nach dem Unfall ein paar Runden Tetris spielt. Aber es ließe sich unter Umständen vollständig vermeiden, wenn man komplett auf Tetris verzichtet. Dann baut man vielleicht erst gar keinen Unfall.

Faktenfinder, Schweigegeld, Verpartnerung

1. Wie umgehen mit Fake News?
(faktenfinder.tagesschau.de, Patrick Gensing)
Die ARD startet den „Faktenfinder“, ein Projekt, das sich der Aufklärung über Fake News verschrieben hat. Projektleiter Patrick Gensing: „Der Kampf gegen gezielte Falschmeldungen und Desinformation lässt sich nicht durch Gesetze gewinnen. Es ist vielmehr Aufgabe von Journalisten und Medien, über dieses Problem aufzuklären“ Weitere Informationen bei „Deutschlandradio Kultur“: Mit journalistischem Handwerk gegen Fake News

2. Schadenersatz wegen Fake News zu „Amoklauf“
(kn-online.de, Gerrit Sponholz)
Laut „Kieler Nachrichten“ geht in Schleswig-Holstein eine Behörde erstmals gegen den Urheber von Falschmeldungen vor, die über Twitter und Facebook verbreitet wurden. Ein Mann soll mit seinen Fake News einen Großeinsatz im Kreis Segeberg behindert und Panik geschürt haben. Für den zusätzlichen Personaleinsatz wird der Mann nun zur Kasse gebeten.

3. Fox-News-Moderator soll Mitarbeiterinnen Schweigegeld gezahlt haben
(sueddeutsche.de, Sacha Batthyany)
Der prominente Nachrichtenmoderator des konservativen US-Fernsehsenders „Fox News“ Bill O’Reilly soll Mitarbeiterinnen Schweigegeld gezahlt haben, die ihm zuvor sexuelle Belästigung vorgeworfen hätten. Der 67-jährige O’Reilly und sein Sender sollen rund 13 Millionen Dollar Schweigegeld an fünf Frauen gezahlt, die dem Starmoderator sexuelle Belästigung vorgeworfen hätten. Bill O’Reilly wies sämtliche Anschuldigungen zurück. Er ziehe wegen seiner Prominenz „Klagen von Personen an, die von mir Geld wollen, um negative Berichterstattung zu vermeiden“.

4. Zeitschriftenverleger kritisieren Gesetz gegen Hasskommentare im Netz
(heise.de)
Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) kritisiert das geplante Gesetz gegen Hasskommentare im Internet. Zukünftig sollen Internetplattformen unter Androhung einer Geldbuße von bis zu 50 Millionen Euro alle strafrechtswidrigen Äußerungen entfernen.
„Ein privates Unternehmen ist aber nicht in der Lage, die Wahrheit oder Unwahrheit kritischer Behauptungen über Politiker, Sportler, Unternehmer oder wen auch immer zu überprüfen. Es hat dafür weder die Ressourcen noch die nötigen Ermittlungsrechte“, so der Verbandspräsident. „Plattformen bleibt angesichts solcher Bußgelddrohungen keine andere Wahl als im Zweifel zu löschen. Das halte ich für eine große Gefahr.“

5. 14 Millionen Dollar für Studien zu Fake-News
(zeit.de, Götz Hamann)
Facebook und weitere Unternehmen finanzieren mit 14 Millionen Dollar eine neu gegründete Organisation zur Erforschung des digitalen Journalismus, die News Integrity Initiative (NII). Zu dem internationalen Konsortium gehören in Deutschland das Hans-Bredow-Institut in Hamburg und die Hamburg Media School. Die Facebook-Managerin Campbell Brown erhofft sich neue Erkenntnisse und eine Unterstützung bei der Zurückdrängung von Fake-News. Man möchte der Managerin zurufen, dass sie sich ihre Millionen sparen kann, wenn sie sich zunächst den offensichtlichsten Missständen auf ihrer Plattform zuwenden würde.

6. Hape Kerkeling hat nicht geheiratet
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Hape Kerkeling ist mit seinem Freund eine Lebenspartnerschaft eingegangen und viele Medien verkündeten diese Verpartnerung als „Hochzeit“. Stefan Niggemeier sieht diese Bezeichnung mit gemischten Gefühlen. Einerseits sei es positiv, wenn Boulevardmedien wie „Bild“ und „Bunte“ homosexuelle Partnerschaften als relativ selbstverständlich darstellen würden. Andererseits handele es sich bei dem Begriff um eine trügerische Gleichsetzung, die in der Realität nicht bestehe. „Es ist eine furchtbar bequeme Illusion: Man tut so, als sei die Gleichstellung ja im Grund schon erreicht, und kann sie so verhindern. Wenn Journalisten eingetragene Partnerschaften ohne größere Umstände als „Ehen“ bezeichnen, machen sie eine Diskussion darüber fast unmöglich, warum eingetragene Partnerschaften in Deutschland (im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern Westeuropas) keine Ehen sind.“