Archiv für Februar 16th, 2017

Being Ivanka Trump

Ivanka Trump setzt sich auf den Präsidentensessel. Versuch einer alternativen Bildkritik.

Ich stelle mir kurz vor, ich bin Ivanka Trump. Ich bin in diesen Wahnsinn hineingeboren und ich habe nicht gegen ihn rebelliert. Aber ich habe versucht, meine eigene Nische zu finden, unabhängig zu sein, so weit das in diesem Herrschaftssystem geht. Ich habe den Mann geheiratet, den ich liebe, einen, der klug ist und der weder von mir abhängig ist noch umgekehrt. Ich bin zum Judentum konvertiert, lange bevor das in irgendeiner Weise bedeutsam werden konnte. Ich bin es gewohnt, mit dem zu leben, was man in mir als Frau, Tochter, blond, gutaussehend und steinreich sehen möchte. Ich bin es gewohnt, viel von der Häme abzubekommen, die sich an meinen Vater richtet, und auch, dass ich mich kaum dagegen wehren kann, ohne dass das auf irgendeine Art noch mehr Häme verursacht. Ich erlebe, wie mein Vater einen schlimmen Fehler nach dem anderen macht, und natürlich war der Tweet über meine Modemarke einer davon. Es macht es auch nicht besser, dass er das nicht für meine Marke getan hat, die er damit natürlich imagemäßig zerstört hat, sondern dass er dachte, das für mich persönlich tun zu müssen.

All das, was Theaterautor, Blogger und Marketingexperte Johannes Kram schon so gemacht hat, würde nicht in diese Box passen. Deswegen hier unvollständig und im Schnelldurchlauf: Nicht nur, aber auch wegen seiner Medien-Kampagne ist Guildo Horn zum „Eurovision Song Contest“ gekommen. Den „Waldschlösschen-Appell“ gegen Homophobie in Medien hat er initiiert. Sein „Nollendorfblog“ bekam eine Nominierung für den „Grimme Online Award“. Und mit „Seite Eins — Theaterstück für einen Mann und ein Smartphone“ hat er Boulevard-Kritik auf die Bühne gebracht. Dafür ein herzliches Dankeschön vom BILDblog.

Ich darf nicht politisch sein, und ganz egal, ob ich es gut finde, dass mein Vater Präsident ist und wie er es ist, weiß ich, dass es gut ist, wenn ich jetzt bei ihm bin. Für ihn, aber auch für die Dinge, die da entschieden werden, schon da er weiß, dass er einen der wenigen Menschen um sich hat, denen er vertrauen kann. Deswegen bin in in Washington, aber auch, weil es besser für Melania und Barron ist, nicht dort zu sein. Ich bin wahrscheinlich die einzige Person, die ihn nicht mit einer eigenen Agenda verfolgt. Und wenn ich es trotzdem schaffe — etwa bei LGTBI-Fragen –, ihn noch etwas zu mäßigen, dann weiß ich auch, dass mich das nicht zur Heldin macht, so wie ich auch weiß, dass es weder dieser noch einer anderen Sache irgendwie nützen würde, mich jetzt dazu zu positionieren. Ich kann, ich darf keine Zeichen setzen.

Aber wenn dann Justin Trudeau im Oval Office ist, dann darf ich doch zeigen, dass der mir nicht egal ist. Natürlich wird fast jeder darin einen dummen, eitlen Image-Shot sehen. Aber es ist das erste Bild, das meinen Vater im Weißen Haus nicht in einer Machtpose zeigt. Und dazu auf Augenhöhe mit einem anderen Machthaber. Und es sind zwei Männer, die hinter einer Frau stehen. Die auf dem Platz sitzt, auf dem die erste US-Präsidentin hätte sitzen könnte. Das bin zwar nur ich, aber es ist eine Frau. Ich finde, das ist kein so schlechtes Bild.

Es ist wahrscheinlich alles ganz anders. Aber was wissen wir schon?

Treibjagd auf Veganerin, Sinnloses Factchecking, Apples affige Appshow

1. Wed Feb 15 2017
(blog.fefe.de)
Fefe macht auf seinem Blog auf den Artikel Wie wir die Wahl vor russischem Einfluss schützen können auf „Zeit Online“ aufmerksam und äußert in Fefe-typischer Direktheit Kritik an den Inhalten („Komplett herbeihalluziniert. Ein Hit Piece. Wer schreibt sowas?“). Besonders angetan haben es ihm die Autoren bzw. deren Tätigkeiten: ein politischer Redenschreiber und Vorstandsmitglied eines von Alumni der Atlantik-Brücke gegründeten Vereins und ein Direktor des „German Marshall Fund of the United States“. Fefe lässt im Abschlusssatz einen seiner Leser zu Wort kommen: „Da kann die ZEIT künftig auch Shell-Mitarbeiter über den „Ökologischen Einfluss von Ölbohrungen auf das Ökosystem der Arktis“ schreiben lassen.“

2. Medienjagd gegen die Veganerin aus Limburg – Dabei war es ein Scherz
(mimikama.at, Thomas Laschyk)
Vor ein paar Tagen wurde über den Fall einer Veganerin berichtet, die sich angeblich an den tierfeindlichen Inhalten des Lieds „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“ gestört hätte, das im Glockenspiel des Limburger Rathauses gespielt wurde. Sie hätte deshalb den Bürgermeister gebeten, das Lied aus dem Glockenspiel-Repertoire zu entfernen, was dieser auch tat. Die Meldung darüber ging um die ganze Welt, die Kommentarspalten glühten und tausende von Menschen empörten sich. Vor allem über die Frau und teilweise sehr massiv: Sie bekam Gewalt- und Morddrohungen und musste aufgrund des Drucks ärztliche Hilfe aufsuchen. Die traurige Pointe der Geschichte: Das Ganze geht auf ein mehr oder weniger flachshaftes Geplänkel zurück und bekam erst die mediale Wirkung, nachdem es der Bürgermeister bei einer Büttenrede als scherzhafte Anekdote erwähnt hatte.

3. „Ein politischer Begriff“
(taz.de, Peter Weissenburger)
Die „taz“ hat mit der BBC-World-Chefin Francesca Unsworth über Fake News gesprochen. Die BBC hat den „Reality Check“ gestartet, der mit sechs Mitarbeitern noch eine recht kleine Abteilung sei, aber ausgebaut werden solle. Unsworth ist sich der eingeschränkten Möglichkeiten bewusst, will aber die Kräfte der BBC bündeln: „Wir können nicht das Internet überwachen. Vielmehr müssen wir beobachten, welche Behauptungen diese Zugkraft entwickeln. Dann geht es darum, sie zu überprüfen – wie wir es ohnehin gemacht hätten, aber mit vereinten Kräften. Die BBC ist groß, früher hätten verschiedene Redaktionen möglicherweise verschiedene Schwerpunkte gesetzt. In Zukunft soll das zentralisierter ablaufen.“

4. «Coup Magazin» – ein Mini-Team vor einer Mega-Aufgabe
(tageswoche.ch, Matthias Oppliger)
Im crowdgefundeten „Coup Magazin“ erscheint genau eine Geschichte pro Monat. Gerade ist Geschichte Nummer sieben erschienen, eine Reportage über den Wahnsinn, der mit der Kommerzialisierung des Skirennsports in lauschige Wintersportorte wie Adelboden in der Schweiz eingezogen ist. Damit ist das „Coup Magazin“ ein halbes Jahr alt geworden. Die „Tageswoche“ hat sich mit dem Mitgründer Pascal Sigg unterhalten und ihn um eine Zwischenbilanz gebeten.

5. Klare Sicht dank Factchecking? Wohl nicht!
(meta-magazin.org, Nikolai Promies)
Viele Medien wollen Fake News mit Factchecking und dem öffentlichen Richtigstellen von falschen Behauptungen bekämpfen. Doch sind solche Mittel überhaupt geeignet, um gegen Fake News vorzugehen? Philipp Müller, Medienforscher an der Uni Mainz, ist nicht besonders optimistisch. Widerspruch helfe nicht viel. Aussichtsreicher sei es, das Weltbild, das von Falschmeldungen unterstützt wird, ernst zu nehmen: „Man muss das wachsende Unbehagen mit Globalisierung und Digitalisierung ernst nehmen. Man muss eingestehen, dass die gesellschaftlichen Eliten tatsächlich Fehler gemacht haben im Umgang mit diesen Entwicklungen und so eine wachsende ökonomische Ungleichheit auf der Welt ermöglicht haben. Nur wenn man diese Punkte offen anspricht, kann man Populisten und die aus ihrem Lager gestreuten Falschmeldungen ihrer Wirkungskraft berauben.“

6. Planet der affigen Fernsehshows
(zeit.de, Eike Kühl)
„Planet of the Apps“ ist Apples erste eigene TV-Show. Sie erfüllt alle Voraussetzungen, um krachend zu scheitern, findet Eike Kühl auf „Zeit Online“: ein trashiges Format, viel Bullshit und Gwyneth Paltrow.