Archiv für Februar 13th, 2017

Keine Recherche für die Tonne

Manchmal reicht eine E-Mail, an die man irgendwie gekommen ist, und schon hat man seine Story. Da braucht’s dann nicht mal mehr Recherche. Der Inhalt der Mail ist so „bizarr“, dass man einfach nur in die Tasten hämmern muss — und schwups steht der Artikel:

Bei diesen „Kloregeln“ geht es genau genommen um die Ausstattung der Männertoiletten. Autorin Karina Mößbauer schreibt:

Das Verteidigungsministerium fand es nötig, diese Frage detailliert zu klären: Was genau gehört auf eine Herren-Toilette der Bundeswehr?

Die Antwort lautete unter anderem, dass auch Hygienebehälter auf Männertoiletten gehören. Nicht nur, aber auch deswegen schickte das Verteidigungsministerium, so Mößbauer, bereits im November „Anweisungen zur ‚Ausstattung von Herren-Toiletten‘ an die Außenstellen der Bundeswehr“:

Tatsächlich habe es vermehrt „Anfragen bezüglich der Art und Weise der Ausstattung“ gegeben. Offenbar wurden ausgerechnet Hygienebehälter nachgefragt, wie man sie von der Damentoilette kennt …

Die „Bild“-Bundestags-Korrespondentin findet das ziemlich „irre“ …

Irre, mit was Behörden sich manchmal befassen.

… und „bizarr“:

Bizarr: Empfohlen werden ähnliche Systeme wie die auf den Damen-Toiletten, konkret auch die „Bereitstellung von Hygienebeuteln“ und „Anbringung von Halterungen für Hygienebeutel“.

Und warum das Ganze? Das kann Karina Mößbauer auch nicht klären. Der Grund dafür steht ja aber auch nicht in der E-Mail, auf die sie sich beruft. Und selber herausfinden? Neee …

Zu welchem Zweck genau die Hygienebeutel und eigenen Entsorgungsbehälter auf Herrentoiletten nötig sind, lässt die E-Mail des Verteidigungsministeriums übrigens offen …

Weil uns diese „irre“, „bizarre“ Geschichte nicht losgelassen hat, haben wir unsere besten Rechercheure beauftragt. Und die sind auf die geniale Idee gekommen, bei Google mal nach „Hygienebehälter Herrentoilette“ zu suchen. Siehe da, gleich der erste Treffer: die „Initiative für Hygienebehälter in Herrentoiletten“ des Bundesverbands Prostatakrebs Selbsthilfe e.V.

Diese Initiative will Männern, die an Harninkontinenz leiden, den Alltag erleichtern. Das diese häufig Einlagen tragen müssen, die sie diskret und sauber entsorgen können sollen, fordert die Initiative die Bereitstellung von Hygienebehältern auf Männertoiletten.

Auf Nachfrage bestätigte uns das Verteidigungsministerium, dass der Grund für die Vorgabe mit den Hygienebehältern bei der Bundeswehr das Thema „Harninkontinenz bei Männern“ sei. Eine Sprecherin des Ministerium verwies auf die „Technischen Regeln für Arbeitsstätten Sanitärräume ASR A4.1“. Unter Punkt „5.4 Ausstattung“ steht:

In von Männern genutzten Toilettenräumen ist mindestens ein Hygienebehälter mit Deckel in einer gekennzeichneten Toilettenzelle bereitzustellen.

Diese Regeln, die Karina Mößbauer so „bizarr“ findet, gelten nicht nur für die Bundeswehr, sondern auch für alle anderen Arbeitgeber in Deutschland, zum Beispiel „Siemens“, „Audi“, „Lidl“ oder „Axel Springer“.

Mit Dank an Dennis S. für den Hinweis!

Und wer ist das rechts?


Danke an Oli K.

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Danke an Leonard W.

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Danke an Anja P.

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Danke an Felix S.

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Danke an Daniel

Verlierer über Verlierer

Es kommt ja nicht so häufig vor, dass wir mit „Bild“ und Bild.de ausdrücklich einer Meinung sind. Aber in diesem Fall von heute können wir nur zustimmen: „Peinliche Foto-Panne“.

Alec Baldwin in seiner „Saturday Night Live“-Rolle als Donald Trump für den echten Donald Trump zu halten, wäre so, als würde man Susanne Pätzold in ihrer „Switch reloaded“-Rolle als Inka Bause für die echte Inka Bause halten:

Oder als würde man Martina Hill in ihrer „Switch reloaded“-Rolle als Bill Kaulitz für den echten Bill Kaulitz halten:

Oder als würde man Max Giermann, Michael Müller & Peter Nottmeier, Susanne Pätzold und Michael Kessler in iherer „Switch reloaded“-Rolle als „The Voice of Germany“-Jury für die echte „The Voice of Germany“-Jury halten:

Oder als würde man Susanne Pätzold in ihrer „Switch reloaded“-Rolle als Antonia Rados für die echte Antonia Rados halten.

Was „Bild“ wohl dazu meint?

Mit Dank an @dieterjosef für den Hinweis!

Bosbach-TV, Süßes Geheimnis, Abgespannt

1. #failoftheweek: Wolfgang Bosbach zu Gast bei Verschwörungstheoretikern
(blog.br.de, Christian Schiffer)
Der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach ist in den letzten Jahren zum Star der Talkshowszene geworden. Niemand saß öfter in Talkrunden als der altgediente Innenpolitiker. Nun hat Bosbach einem Verschwörungsportal ein Interview gegeben. Christian Schiffer findet: Dieses eine Mal hätte der CDU-Innenpolitiker nein sagen müssen.

2. „Ich vermisse Bo“
(zeit.de, Eike Kühl)
Pete Souza war seit 2008 Cheffotograf von Barack Obama, einige Zeit davor übte er diese Funktion für Ronald Reagan aus. Seit Donald Trumps Amtsübernahme ist er wieder Freiberufler und hat anscheinend wieder etwas mehr Zeit. Auf jeden Fall hat er Instagram für sich entdeckt – und scheint dort subtil Donald Trump zu trollen. Aufmerksamen Beobachtern sei nicht entgangen, dass einige der von Souza veröffentlichten Bilder auffällig nah an den aktuellen Entwicklungen im Weißen Haus seien. Eike Kühl stellt auf „Zeit Online“ einige Beispiele vor und kommentiert den inhaltlichen Hintergrund.

3. Oben ohne
(sueddeutsche.de, Willi Winkler)
Willi Winkler schreibt in der „SZ“ über die Schwierigkeit der Humorbranche mit Trump. Der amerikanische Präsident sei schließlich sein eigener bester Parodist. Außerdem: „Die traurige Wahrheit aber ist, dass es den Comedians bei all dem Beifall, den sie mit ihren Trump-Travestien von den aufrechten Trump-Gegnern einheimsen, am wenigsten gelingt, Trump ernsthaft zuzusetzen. Sie verstärken nur die Marke Trump.“

4. Unbefriedigend
(djv.de)
Der Deutsche Journalisten-Verband bedauert die Entscheidung des Landgerichts Hamburg, große Teile des Schmähgedichts von Jan Böhmermann weiterhin zu verbieten. Der DJV-Bundesvorsitzende kritisiert, dass „nur in Hamburg die Justiz Verständnis für die Ehrpusseligkeit des türkischen Präsidenten habe“, während andernorts erst gar keine Klage zugelassen worden sei.

5. Abspänne im TV: Zwischen Kundigen und Knalltüten
(dwdl.de, Hans Hoff)
Senta Berger trat vor kurzem vehement für längere Abspänne von Filmen im deutschen Fernsehen ein, aus Respekt vor den Beteiligten. Das ist eine löbliche Forderung, findet Hans Hoff und überträgt das Bergersche Verlangen auf andere Branchen: „Ich freue mich schon, wenn ich demnächst einen Cheeseburger bestelle, und der freundliche McDonald’s-Mitarbeiter reicht mir den Abspannzettel dazu: Am Grill: Heinz Piontke, Gurkenscheibchenaufleger: Petra Ludwig, Senfeinspritzer: Herbert Kasulske, Küchenreinigung: Ovo Malandrino.“

6. „Bunte“-Vize Tanja May: Da wölbt sich doch was!
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Boris Rosenkranz begegnet auf „Übermedien“ dem Boulevard mit den Mittel des Boulevards: „Ist sie oder ist sie nicht? Dieses Foto heizt die Gerüchteküche an. Hat die fesche Färbblondine aus der „Bunte“-Chefredaktion ein süßes Geheimnis?“