Bild.de  

Und: Action!

Bei einer Auto-Show in Polen sind am Wochenende 17 Menschen zum Teil schwer verletzt worden. Ein Sportwagen war mit hoher Geschwindigkeit von der Straße abgekommen und hatte einige Zuschauer erfasst.

In Deutschland berichteten nur vereinzelte Medien über den Unfall, einige beließen es bei einer knappen Meldung und ein paar Fotos von dem kaputten Sportwagen. Bild.de nicht.

Dort widmete man dem "Horror-Crash" gleich einen Platz auf der Startseite sowie einen umfassenden Artikel samt Video und Klickstrecke. Im Video wird der Unfall aus mehreren Perspektiven gezeigt, ganze dreimal sehen wir, wie der Sportwagen in die Menschenmenge fährt und die Verletzten umhergeschleudert werden. Einmal sogar in Zeitlupe.

"Ein gelber Sportwagen rast in eine Menschenmenge, Körper fliegen durch die Luft", stellt die Off-Sprecherin fest. Das Aufmacherfoto des Artikels, das zeitweise auch auf der Startseite zu sehen war, zeigt genau diese Szene – "Körper fliegen durch die Luft" – als Standbild.

Und wenn Sie sich auch schon mal gefragt haben, was wohl in den Köpfen der Bild.de-Autoren vorgeht, während sie solche Artikel schreiben – nach dem folgenden Absatz dürften Sie eine Ahnung bekommen:

Posen (Polen) – Auf gerader Strecke kommt der gelbe Sportwagen plötzlich von der Straße ab, schleudert mehrere Zuschauer meterhoch durch die Luft! Beim neunten "Gran Turismo Polonia"-Autorennen in Posen (Polen) wurden am Sonntag 17 Menschen verletzt – bei einem Unfall, der an den US-Actionfilm "The Fast and the Furious" erinnert.

Bei Bild.de war man offenbar dermaßen stolz auf diesen dämlichen Vergleich, dass er sogar als Dachzeile dient.

Unfall wie bei "The Fast an the Furious" - 17 Verletzte! Luxus-Auto rast in Menschenmenge

Mit Dank an Michael H. und Daniel M.

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Feuilleton, Mülltrennung, A.C.A.B.

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. "Und jetzt noch mal auf Deutsch"
(medienwoche.ch, Fabian Baumann)
Fabian Baumann plädiert dafür, "Gedanken so verständlich als möglich auszudrücken, anstatt inhaltliche Schwächen mit pseudo-intellektuellem Geschwätz zu verschleiern. Denn leider scheint es im deutschsprachigen Feuilleton doch oft so zu sein: Je anstrengender ein Artikel zu lesen ist, desto weniger hat er zu sagen."

2. "A.J.A.B. – oder: Wie Massenmedien im Jahr 2013 funktionieren"
(flurfunk-dresden.de, owy)
"Drei von vier heimischen Tageszeitungen" beschäftigen mit einem Plakat der Stadt Dresden, auf dem ein Pullover mit der Aufschrift "A.C.A.B." zu sehen ist.

3. "Bin ich ein Komplize? Wenn ja: Von wem?"
(swiss-kyburz.ch, Kevin)
Kevin Kyburz antwortet der "Sonntagszeitung", die ihm "freiwillige Öffentlichkeitsarbeit" für die Swisscom unterstellt. "Ich schreibe, wann ich will, worüber ich will, und wie ich will: begeistert oder ablehnend, wie ich es gerade empfinde. Und ja, bei einigen meiner rund 800 Follower gelte ich als Influencer – deswegen wurde ich ja ursprünglich auch an den Event eingeladen."

4. "Erklärvideo: Mails verschlüsseln leicht gemacht"
(investigativerecherche.de, Boris Kartheuser, Video, 20:44 Minuten)
Boris Kartheuser erklärt, wie man E-Mails verschlüsselt.

5. "#pallengate: Warum Sascha Pallenberg bewusst lügt"
(adblockplus.org, Till Faida)
Adblock Plus antwortet auf den Beitrag "Adblock Plus Undercover – Einblicke in ein mafioeses Werbenetzwerk" von Sascha Pallenberg — der selbst einen zweiten, sehr ausführlichen Beitrag nachlegt. Siehe dazu auch "Adblock Plus: Weitere Vorwürfe und Widersprüche" (heise.de, Torsten Kleinz).

6. "Könnes kämpft — Der große Müll-Schwindel"
(wdr.de, Video, 43:14 Minuten)
Müllverbrennungsanlagen in Deutschland importieren Müll aus dem Ausland, um ihre Maschinen auszulasten. Derweil trennen die Bürger weiterhin ihren Abfall (oder versuchen es zumindest).

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