Archiv für Februar 20th, 2013

„Bild“ darf „Bachelor“-Tochter nicht zeigen

Der Rechtsanwalt Jan Kralitschka, zur Zeit als „Bachelor“ in der gleichnamigen RTL-Castingshow zu sehen, hat eine weitere einstweilige Verfügung gegen die „Bild“-Gruppe erwirkt: Die erste ging gegen die gedruckte „Bild“-Zeitung, die zweite jetzt gegen Bild.de.

Am 7. Februar hatte „Bild“ in der Kölner Regionalausgabe ein Foto gedruckt, das Kralitschka, eine Frau und ein Kleinkind zeigte:

BILD enthüllt das letzte Geheimnis des Bachelors: Model Ann-Kristin (33) aus Bonn ist die Mutter der Tochter (3) des TV-Junggesellen.

Wir sehen ein Foto aus dem Jahr 2011. Jan posiert mit seiner Ex und dem Töchterchen (damals ein Jahr alt) für eine Kampagne der Hotelkette Barceló. Kopf an Kopf lächeln beide in die Kamera, die Kleine sitzt mit einer Muschel in der Hand fröhlich auf Mamas Schoß. Aber kurz nach dem Shooting zerbrach die Beziehung.

Kralitschka und das Model Ann Kristin Brücker zogen vor Gericht, weil sie nicht wollten, dass „Bild“ das Foto der gemeinsamen Tochter zeigt. Das Landgericht Köln untersagte die Verbreitung des Kinderfotos am 12. Februar per Einstweiliger Verfügung.

Die vorherige Verwendung des Fotos in einer Werbung sei kein Grund für „Bild“, das Foto zu drucken, da in der Werbung weder der Name des Kindes genannt worden noch ersichtlich gewesen sein, dass es sich bei den abgebildeten Personen um eine richtige Familie handle. Erst „Bild“ habe das Kind als Tochter der beiden für jedermann erkennbar gemacht, woran allerdings kein berechtigtes öffentliches Interesse bestanden habe. Deswegen sei die Verbreitung des Fotos rechtswidrig, wie die Rechtsanwälte der Kläger vergangene Woche in einer Pressemitteilung berichteten.

Bild.de verpixelte das Gesicht des Mädchens daraufhin grob, so dass die Haare und ein Ohr noch zu sehen waren. Den Eltern reichte dies nicht: In einer zweiten Einstweiligen Verfügung entschied das Landgericht Köln, dass diese Form der Anonymisierung nicht ausreiche und Bild.de auch das derart bearbeitete Foto nicht mehr zeigen darf.

Bullshit-Bingo, Shitstorm, Autismus

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. „Pressefreiheit: Journalisten auf Abwegen“
(novo-argumente.com, Brendan O’Neill)
Brendan O’Neill identifiziert drei Trends, die den Journalismus korrumpieren: Konspiratives Denken, Kreuzrittermentalität, Konformismus.

2. „Ich habe das alles nicht gewollt“
(spiegel.de, Sascha Lobo)
Sascha Lobo bereut seine Mitschuld am Einzug des Begriffs „Shitstorm“ in die deutsche Sprache: „Ich habe, ohne es zu beabsichtigen, die Welt ein bisschen schlechter gemacht.“

3. „Der Autismus unserer Zeit. Zur Popularität einer Metapher“
(gedankentraeger.de, Monika Scheele Knight)
Ein Text zur inflationären Verwendung der Begriffe „Autismus“ und „Autist“: „Wie und wo kann ich uns als Familie mit einem autistischen Kind in einer Gesellschaft verorten, die dem Autismus in der Metapher jeden Tag negative Züge zuspricht, und die anhand des Syndroms ihre zeitgenössischen Krisen verhandelt?“

4. „Schluss mit dem Fragezeichenjournalismus“
(netzwertig.com, Martin Weigert)
„Kaum etwas signalisiert deutlicher geringe Substanz und geringe Wichtigkeit von Texten als der Abschluss der Überschrift mittels Fragezeichen.“

5. „Kündigungs-Kommunikation beim Handelsblatt: Was zwischen den Zeilen steht“
(wuv.de, Frank Zimmer)
Frank Zimmer analysiert eine Pressemitteilung, in der die Handelsblatt-Gruppe unter anderem die Entlassung von 80 Mitarbeitern kommuniziert: „Zwei Leute mehr und es wäre eine so genannte Massenentlassung gewesen. Häßliches Wort.“

6. „Zum Hype um das Krisen-Bullshit-Bingo“
(schalkefan.de, Matthias in der Weide)
Der Blogbeitrag „Das große Schalker-Krisen Bullshit-Bingo“ wird von den Medien aufgegriffen, die darin Hohn, Spott, Häme, gar eine Abrechnung sehen. Matthias in der Weide dagegen schreibt, er sei „im Gegenteil sogar ein extrem loyaler Fan. Einer, der sich in jeder Diskussion über Schalke wie eine Löwenmutter vor ihr Kind wirft und es bedingungslos verteidigt.“