Archiv für Februar 19th, 2013

dpa  

Zwischen Arm und Milz passt immer noch ein R

Arm und Milz werden selbst von schlechtesten Medizinstudenten nur selten verwechselt — das eine hängt beidseitig an den Schultern herunter, das andere liegt nur ein Pils von der Leber entfernt im Bauchraum. Insofern ist es auf den ersten Blick verwunderlich, wenn die Deutsche Presseagentur (dpa) eine solche Korrektur verschicken muss:

(Berichtigung: Milz statt Arm)
Spanischer Schiedsrichter verliert Milz nach Angriff eines Spielers

Valencia (dpa) – Ein brutaler Angriff auf einen 17 Jahre alten Fußball-Schiedsrichter hat in Spanien für große Empörung gesorgt. Der junge Referee ist bei einem Spiel von zwei Amateurteams in Burjassot bei Valencia so schwer verletzt worden, dass ihm die Milz entfernt werden musste. [...]

Wobei die dpa selbst den Hinweis gibt, wie es dazu kommen konnte:

## Berichtigung
- Im Text wurde wegen eines Übersetzungsfehlers durchgehend berichtigt: Milz (statt Arm)

Und tatsächlich ist die Auflösung dann geradezu lächerlich naheliegend:

el brazo = der Arm
el bazo = die Milz

Diese Unterscheidung ist ganz hilfreich, wenn man im Urlaub zum Arzt muss. Oder wenn man das nächste Mal einen spanischsprachigen Artikel übersetzen muss.

Die meisten deutschsprachigen Online-Medien, die diesen Fehler übernommen hatten, haben inzwischen die korrekte Version online. Bei krone.at hat der junge Mann immer noch einen „Arm“ verloren, beim „Südkurier“ sicherheitshalber einfach beides:

Der junge Referee ist bei einem Spiel von zwei Amateurteams in Burjassot bei Valencia so schwer verletzt worden, dass ihm ein Arm amputiert werden musste. [...]

Der Schiedsrichter verlor große Mengen an Blut und wurde in ein Krankenhaus gebracht.

Dort sahen die Ärzte keinen anderen Ausweg, als dem jungen Mann die Milz zu entfernen.

Mit Dank an Max S.

Nachtrag, 20. Februar: Der „Südkurier“ hat alle Hinweise auf einen Arm aus dem Artikel entfernt. Womöglich schon, bevor unser Eintrag hier gestern online ging.

GEMA, Hart aber fair, Bildbearbeitung

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. „Vom Eigenleben eines Zitats – Eine Lektion Medienbildung“
(wiki.doebe.li)
Beat Doebeli wird auf der Frontseite der „Süddeutschen Zeitung“ zitiert, ohne dass er „mit dem Autor des Artikels je gemailt, telefoniert oder sonst konversiert“ hätte. Danach greifen andere Medien das Zitat auf und verändern es.

2. „GEMA und YouTube schränken durch Ihren Streit die Pressefreiheit in Deutschland ein“
(djv-bb.de, Klaus D. Minhardt)
Der Deutsche Journalisten Verband Berlin-Brandenburg fordert YouTube und GEMA auf, „eine schnelle Einigung herbeizuführen, da es nicht hinnehmbar ist, dass Nachrichten von öffentlichem Interesse wegen dieser Auseinandersetzung in Deutschland nicht abrufbar sind. Die Umgehung dieser Sperren mit Proxyservern oder VPN-Servern sind Techniken, die man leider in Diktaturen benötigt und die für eine Demokratie unwürdig sind.“

3. „Plasberg: Mit Fifa die Hemmschwelle zu Töten abtrainiert“
(stigma-videospiele.de, Rey Alp)
Wie „Hart aber fair“ ein Zitat von Prinz Harry von Wales in die Sendung einbindet: „‘Hart aber fair’ hat hier eine Aussage von Harry, in dem dieser davon spricht, dass er durch Fifa-Spielen zu flinken Fingern gekommen ist, als Beweis dafür angeführt, dass das Daddeln auch das Wesen verändere bzw. die Spieler zu Soldaten mache.“

4. „Die Pressefreiheit und der Hohn vom ‘Relevanzversprechen’“
(spiegelfechter.com, Jörg Wellbrock)
Jörg Wellbrock macht sich Gedanken zur Unabhängigkeit von Printverlagen: „Ohne Anzeigenkunden läuft nichts bei deutschen Zeitungen, auch nicht bei der ‘Zeit’.“

5. „Winterkorns Ernte auf den Äckern Amazoniens“
(doppelpod.com, Sven Hänke)
Zum „Bild“-Artikel „Chinesen trinken deutschen Babys die Milch weg!“ und anderem.

6. „2013 World Press Photo – Fakten und Fiktion“
(blog.heikerost.com)
Anlässlich der aktuellen World Press Photos fragt Heike Rost nach den „zulässigen Grenzen der Bildbearbeitung“.