Archiv für Februar 15th, 2013

Leimgänger unter sich

„Spiegel Online“ macht sich heute per Video mal ein bisschen über das russische Staatsfernsehen lustig:Meteorit im russischen TV: Staatsfernsehen zeigt falschen Krater

In der Beschreibung heißt es:

Das russische Staatsfernsehen ist in der Berichterstattung zu dem Meteoriten-Hagel im Ural offenbar einem betagten Internetvideo auf den Leim gegangen.

Die Off-Sprecherin ergänzt in süffisant-seriösem Ton:

Der Moderator sagt in der aktuellen Berichterstattung: „Sie sehen hier den Krater, der sich dort gebildet hat.“ Dann werden Bilder gezeigt, die erstmals vermutlich schon 2007 ins Netz gestellt wurden. Für den TV-Sender hagelt es nun Spott. Denn mit dem aktuellen Meteoritenphänomen hat diese Einschlagsstelle nichts zu tun.

Gut erkannt, „Spiegel Online“! Mit dem aktuellen Meteoritenphänomen hat diese Einschlagsstelle nichts zu tun.

Sie hat sogar mit überhaupt keinem Meteoritenphänomen zu tun. Es ist nämlich gar keine Einschlagsstelle. Das Video zeigt vielmehr den als „Tor zur Hölle“ bekannten Krater in Turkmenistan, der 1971 bei der Suche nach Erdgas entstanden ist.

Wenn da mal nicht jemand einem betagten Internetvideo auf den Leim gegangen ist.

Mit Dank an Lukas.

Nachtrag, 16.27 Uhr: Das ging schnell: „Spiegel Online“ hat das Video gelöscht.

Nachtrag, 16.31 Uhr: Hier ist es aber noch zu sehen.

Innovation, Mail Online, Berlin Bundesplatz

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. „Schränkt der deutsche Staat die Pressefreiheit ein?“
(zeit.de, Martin Kotynek)
Martin Kotynek fürchtet aufgrund eines noch ausstehenden Gerichturteils eine Einschränkung der Pressefreiheit in Deutschland. „Bundesbehörden sollen nicht mehr länger verpflichtet sein, Journalisten nach den Pressegesetzen Auskunft zu erteilen. Das will das Innenministerium vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig durchsetzen. Gelingt es, wäre die Pressefreiheit stark beschnitten.“

2. „Richtig, aber altbekannt“
(spiegel.de, Carsten Holm)
„Bild“ schreibt, RAF-Mitglied Verena Becker habe mit dem Verfassungsschutz zusammengearbeitet. „Das ist alles richtig – aber schon seit Jahren im Detail bekannt.“

3. „Wer suchet, der findet nichts – Fernsehinnovationen in Deutschland und Frankreich“
(dietrendblogger.de, Mareike Schönherr)
Mareike Schönherr vermisst echte Innovationen der TV-Sender. „Wie lange will man sich in den Fernsehanstalten noch dem Internet verschließen bzw. dieses wenn, dann nur halbherzig einbinden?“

4. „Die einvernehmliche Täuschung des Publikums“
(journalist.de, Jens Bergmann)
PR-Termine im Journalismus: „Für Journalisten, die noch nicht total verdrängt haben, warum sie den Beruf einst ergriffen haben, ist der Job des Werbe-Onkels für Berühmtheiten natürlich sehr unbefriedigend, von der Bezahlung ganz abgesehen.“

5. „‘I would like to ask MailOnline to please remove the photos’“
(tabloid-watch.blogspot.de, MacGuffin, englisch)
„Mail Online“ veröffentlicht ein Ultraschall-Foto, das fotografiert wurde, als es Evan Rachel Wood auf dem Dach eines Parkhauses in den Händen hielt.

6. „‘Jedes Schicksal ist besonders’“
(sz-magazin.sueddeutsche.de, Tobias Haberl)
Ein Gespräch mit den Machern von „Berlin – Ecke Bundesplatz“, einer Langzeit-Dokumentation, die ab 1986 gedreht wurde.