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Riesen-Sauerei statt Nötigung

Heute freut sich "Bild" mal auf Seite 1:

Ottfried-Fischer-Prozess: Freispruch für BILD-Redakteur!

Sieg für die Pressefreiheit!

Keine Nötigung, keine Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs, erst recht keine Erpressung:

Im Prozess um ein Sex-Video mit Ottfried Fischer (59, "Pfarrer Braun") hat das Landgericht München den angeklagten BILD-Redakteur in allen Punkten freigesprochen.

Und das schon zum zweiten Mal!

Begründung des Richters: "Die Recherchearbeit ist grundsätzlich geschützt, unabhängig von der jeweiligen Zeitung". Und: Eine Drohung des Angeklagten habe es nie gegeben.

Claas-Hendrik Soehring, Leiter Medienrecht Axel Springer AG: "Der Versuch der Münchener Staatsanwaltschaft und Ottfried Fischers, presserechtlich gebotene Arbeit von Journalisten zu kriminalisieren, ist gescheitert."

Soweit die Axel Springer AG und "Bild", Leuchtfeuer im Kampf um die Pressefreiheit.

Und nun noch einmal der Richter, zitiert von anderen Medien:

Eine persönliche Schuld des Angeklagten sei nicht feststellbar gewesen, sagte der Vorsitzende Richter Thomas Hensel. Er betonte aber: "Was da passiert ist, ist eine Riesen-Sauerei. Was der einzelne in seiner Wohnung macht, geht niemanden etwas an."

Mit Dank auch an Jörg W.

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Superlative, Übergriffe, Affen

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. "Der kritischste Artikel über Superlative aller Zeiten"
(sportsaal.de, Derhatschongelb)
Der Sportjournalismus neigt zu Superlativen. Dabei wäre Aufmerksamkeit auch bei einer nüchternen Anpreisung sicher: "Ich würde die Videos und Geschichten auch anklicken, wenn sie einfach mit 'Mittelfeldspieler trifft aus 78 Metern' oder 'Torwart schießt Abstoß ins eigene Toraus' betitelt wären."

2. "Qualitätsmedien im Web: Artikel werden zur Trägermasse für Klick-Fabriken"
(onlinejournalismusblog.com, Stephan Dörner)
Die Auswirkungen von Page Impressions als Währung für Werbung im Netz: "Der für mich wichtigste Schritt, Qualitätsjournalismus ins digitale Zeitalter zu holen, ist, ihn endlich auch im Onlinejournalismus stattfinden zu lassen. Sobald das passiert ist, können alle Medienhäuser auch über eine Monetarisierung beispielsweise über Paywalls nachdenken. Vorher nicht."

3. "Analyse: Der typische Bild-Leser"
(meedia.de, Jens Schröder)
"Der typische Bild-Leser" ist "ein Mann im Alter von 40 bis 59 Jahren", schreibt Jens Schröder. "Er ist zur Haupt– oder Realschule gegangen, arbeitet als Facharbeiter und verfügt über ein Haushalts-Nettoeinkommen von 1.500 bis 2.500 Euro."

4. "Wahrlich, keine Sternstunde"
(saarbruecker-zeitung.de, Bernard Benrarding)
Bernard Benrarding kommentiert die Vorwürfe einer "Stern"-Journalistin gegen Rainer Brüderle: "Was für eine Heuchelei: Ausgerechnet jene, die permanent mit grellem Sex Auflage machen, schüren die Erregung über angeblichen Sexismus." Siehe dazu auch "'Anzügliche Blicke gibt es überall'", ein Interview mit Wibke Bruhns (tagesspiegel.de, Sonja Pohlmann).

5. "Normal ist das nicht!"
(kleinerdrei.org, Maike)
Maike versammelt verschiedene Erlebnisse sexueller Übergriffe im Alltag: "Solche Erlebnisse prägen – dabei kann ich noch von Glück sprechen, denn mir ist keine körperliche Gewalt widerfahren. Aber die Angst bleibt und geschürt wird sie immer wieder mit alltäglichen Sexismen, die ich und viele andere Menschen – meist Frauen – auf der Straße erleben."

6. "Bildunterschrift der Affen"
(juliane-wiedemeier.de)

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