Ataroids

Es gibt keinen Zweifel: Die Marke Atari ist eine Legende. Und so ist es kein Wunder, dass sich am Montag viele Medien der Nachricht widmeten, dass — mal wieder — ein Unternehmen mit dem Namen Atari in finanzielle Schieflage geraten ist. Doch wie bei vielen Legenden ist es nicht einfach den wahren Kern zu erblicken.

Zum Beispiel bei Welt Online

Der Computerspiele-Pionier Atari hat einen Insolvenzantrag für sein Geschäft in den USA gestellt. Das mehr als 30 Jahre alte Unternehmen, dass mit Spielen wie Pong oder Asteroids einst an den Anfängen der Computerspiele-Industrie stand, will sich unter Schutz vor seinen Gläubigern sanieren.

Und bei Spiegel Online:

Mit "Pong" und "Asteroids" wurde er berühmt, jetzt hat der legendäre Computerspielhersteller Atari für sein US-Geschäft Insolvenz angemeldet. Die Firma soll nun mithilfe neuer Investoren saniert werden und hofft auf eine Zukunft mit mobilen Spielen.

Alleine: Mit dem Hersteller von Pong und Asteroids hat das jetzt in die Insolvenz gegangene Unternehmen wenig zu tun. Wie auch Spiegel Online zum 40. Jubiläum der Marke selbst feststellte: Das eigentliche Unternehmen Atari existiert schon lange nicht mehr.

Markenname und andere Bestandteile der Spielelegende wurden mehrfach weiterverkauft. Was sich heute Atari nennt, stammt von der Firma GT Interactive ab, die nach einer Reinkarnation als Infogrames schließlich die Namensrechte an Atari kaufte und sich umbenannte.

Den Vogel 8-Bit-Gorilla schoss aber mal wieder Bild.de ab. Der Witschaftsticker titelte hier so:

Screenshot: Bild.de

Donkey Kong ist in der Tat ein Spiele-Klassiker — er stammt aber von Nintendo.

Mit Dank an Alexander A., Tobias T. und Matthew L.

Nachtrag, 23. Januar: Bild.de hat die Bildunterschrift geändert in "'Donkey Kong' — der Spiele-Klassiker von Nintendo auf der Atari-2600-Konsole."

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Hohlspiegel, Ökozid, EU-Berater

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. "Hinter den Kulissen des Hohlspiegels"
(spiegel.de, Hohlspiegel-Team)
Die meisten Hinweise für die 65 Jahre alte Rubrik "Hohlspiegel", zu finden jeweils auf der letzten Seite des "Spiegel", kommen von Lesern: "Über hundert Vorschläge erreichen uns jede Woche als E-Mail, Fax oder ganz traditionell als Brief, die betreffende Passage liebevoll ausgeschnitten und mit handschriftlichen Markierungen und Hinweisen versehen."

2. "Anatomy of a cock-up: how the People's fake Roger Moore interview made it to New Zealand"
(newstatesman.com, Alex Hern, englisch)
Ein Interview mit Roger Moore, das nie stattgefunden hat, verbreitet sich über die "Daily Mail" und die "Australian Associated Press" bis nach Neuseeland.

3. "Made a mistake? Advice for journalists on online corrections"
(journalism.co.uk, Rachel McAthy, englisch)
Greg Brock, Steve Buttry und Craig Silverman geben Tipps zur Korrektur von Fehlern.

4. "Die tragische Bluttat von Michelau aus der Sicht von BILD.de"
(mediensalat.info, Ralf Marder)
Bild.de berichtet über einen Prozess vor dem Landgericht Coburg: "Doch wie ist es eigentlich um eine mögliche Schuldunfähigkeit des Angeklagten bestellt? Bei BILD.de erfährt der Leser darüber nichts."

5. "EU-Berater wollen Medien stärker überwachen"
(faz.net, Nikolas Busse)
Der Bericht "A free and pluralistic media to sustain European democracy" (ec.europa.eu, PDF-Datei) gibt eine Reihe von Empfehlungen zur europäischen Medienlandschaft ab und will damit eine Debatte eröffnen. Auf Seite 7 heißt es beispielsweise: "Media councils should have real enforcement powers, such as the imposition of fines, orders for printed or broadcast apologies, or removal of journalistic status. The national media councils should follow a set of European-wide standards and be monitored by the Commission to ensure that they comply with European values."

6. "Ahnungslose Journalisten in der Ökokrise"
(swr.de, Sonja Striegl)
Für das Buch "Die vierte Macht" führte Dirk Fleck 25 Interviews mit deutschen Top-Journalisten, um "eine Debatte über den Umgang mit dem drohenden Ökozid" anzuregen. Doch: "Die Medien, und insbesondere die, in denen die Leute arbeiten, haben dieses Buch totgeschwiegen."

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