Archiv für Januar 15th, 2013

Wie man aus Kinskis Untaten Kapital schlägt

Im aktuellen „Stern“ erhebt die Schauspielerin Pola Kinski schwere Vorwürfe gegen ihren 1991 verstorbenen Vater Klaus: Er habe sie als Kind und Jugendliche jahrelang sexuell missbraucht und vergewaltigt.

Auf der medialen Welle, die diese Enthüllungen auslösten, surften auch „Bild“ und Bild.de von Anfang an mit: Am Mittwoch waren die Vorwürfe Titelgeschichte in „Bild“ und Franz Josef Wagner schrieb einen Brief an Pola Kinski („Klaus Kinski gehörte eigentlich ins Gefängnis, er ist leider tot“). Pola Kinskis Halbschwester Nastassja erklärte „exklusiv in BILD“, dass sie stolz auf ihre Schwester sei, und in „Bild am Sonntag“, dass ihr Vater sie „viel zu sehr angefasst“ habe. Am Freitag exzerpierten die „Bild“-Reporter Mark Pittelkau und Dora Varro eine Autobiographie Klaus Kinskis von 1975, in der dieser bereits „alles“ aufgeschrieben habe, und „Bild am Sonntag“ druckte (wiederum „exklusiv“) Passagen aus Pola Kinskis neuem Buch, das am Montag erscheint.

Dass sich selbst aus einer solchen schlimmen Familiengeschichte noch Kapital schlagen lässt, zeigte dann am Wochenende Bild.de:

Sein Tochter wirft ihm vor, sie missbraucht zu haben. Klaus Kinski: Zwischen Genie und Wahnsinn. Schauen Sie sich seine Filme bei BILD MOVIES an!

Mit Dank an Mario S., Daniel und Linus W.

Blogkrise, Matthias Matussek, Smog

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. „‘Stolz bin ich auf die Bilder, die ich nicht gemacht habe'“
(taz.de, Daniel Kummetz)
Jochen Blume hat in den 1950er-Jahren als Fotograf bei „Bild“ Hamburg gearbeitet. „Für die heutige Bild würde ich nicht eine Stunde arbeiten.“

2. „Irgendwas mit ‘Blogkrise'“
(medienrauschen.de, Thomas Gigold)
Etwa alle 10,75 Monate werde über die Krise der Blogs diskutiert, glaubt Thomas Gigold zu beobachten. „Blogs sind nicht in der Krise. Blogs sind relevant. Und Blogs sterben nicht.“

3. „Studentin ärgert sich über Auto-PR in ’20Minuten'“
(infosperber.ch, Matthias Strasser)
„Die wöchentlichen Auto-Seiten von ’20 Minuten’ sind in Schrift und Aufmachung wie normale redaktionelle Seiten gestaltet. Erst beim näheren Hinsehen fiel Andrea Disler ein kleiner ‘Stempel’ über der Seite auf: ‘Produced by Textlab GmbH, Agentur für Medien + Kommunikation’. Der Zweck der Agentur laut Handelsregister: ‘Erbringung von Dienstleistungen in den Bereichen Medien, Kommunikation, PR und Werbung’. Für die redaktionell gestaltete Seite ist also eine PR-Agentur verantwortlich.“

4. „Ich kapituliere“
(netzwertig.com, Jürgen Vielmeier)
Jürgen Vielmeier kapituliert vor der Nachrichtenflut der Techblogs und zieht den Schluß: „alle Nachrichtenblogs aus dem Feedreader werfen bis auf eines. Weil alle inzwischen über alles berichten, ist es praktisch nicht mehr möglich etwas zu verpassen. Die Lücke lässt sich mit wirklich lesenswerten Beiträgen schließen oder man lässt sie einfach offen.“

5. „In eigener Sache: Meine Stunde als Antisemit“
(matthias-matussek.de)
Matthias Matussek beschäftigt sich mit einem eigenen Beitrag von 2002 im „Spiegel“, „Das Recht auf Zorn“: „Ich habe dummes Zeug geschrieben.“

6. „Liebe Freunde in Deutschland“
(facebook.com, Christian Y. Schmidt)
„Vielen Dank für Eure besorgten Nachfragen, den schlimmen Smog in Peking betreffend. Fragt aber bitte nicht mehr, denn wir sind jetzt praktisch alle tot. Die letzten noch lebenden Journalisten werden das sicher demnächst aus Peking berichten.“