Archiv für August 28th, 2012

Deine Spuren im Sand

Um Neil Armstrong zu würdigen, der 1969 als erster Mensch den Mond betreten hatte und am Wochenende verstorben war, sah die „Süddeutsche Zeitung“ gestern so aus

Mehr als nur ein Hauch von Pathos durchwehte die Bildunterschrift auf der Titelseite:

Ein kleiner Schritt . . .

. . . und ein gewaltiger Sprung. Am 21. Juli 1969 betrat der Amerikaner Neil Armstrong als erster Mensch den Mond. Gut vier Tage hatte das Raumschiff Apollo 11 mit ihm und zwei weiteren Astronauten von der Erde zum Mond gebraucht. Zweieinhalb Stunden verbrachte der Kommandant auf der Oberfläche des Erdtrabanten. Nun ist Armstrong im Alter von 82 Jahren an den Folgen einer Herzoperation gestorben. Seine Spuren im Mondstaub bleiben ewig – es gibt keinen Wind, der sie verwehen könnte.

Ja, Armstrongs Spuren bleiben ewig — aber das auf dem Foto sind nicht seine.

Das Foto, zeigt laut NASA, die es unter der Nummer AS11-40-5877 archiviert hat, den Fußbadruck von Edwin „Buzz“ Aldrin, der gemeinsam mit Armstrong auf der „Apollo 11“-Mission war und kurz nach ihm den Mond betreten hatte.

Das steht auch in dem nützlichen Artikel „Keep in mind as you put together your Neil Armstrong packages tonight…“ vom Samstag, den wir gestern bei „6 vor 9“ verlinkt hatten, den die Bildredakteure der „Süddeutschen Zeitung“ aber offenbar nicht kannten, als sie am Sonntag ihre Zeitung zusammenbauten.

Außerdem ist das Bild bei der „Süddeutschen Zeitung“ spiegelverkehrt, wodurch es sich von „Welt Kompakt“ unterscheidet, wo es auf dem Kopf zu sehen war:

Auch Medien wie die „Stuttgarter Zeitung“ und FAZ.net verwendeten das Foto und schrieben den Fußabdruck mehr oder weniger direkt Neil Armstrong zu — immerhin nicht auf der Titelseite.

Mit Dank an Stefan K. und Julian H.

Jeff Jarvis, Isaac, Spiegel

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. „Reporters: Why are you in Tampa?“
(buzzmachine.com, Jeff Jarvis, englisch)
Jeff Jarvis fragt die rund 15.000 an der Republican National Convention in Tampa erwarteten Journalisten: „Why are you there? What will we learn from you? (…)“

2. „Das Ende der geschminkten Wirklichkeit“
(netzwertig.com, Martin Weigert)
Martin Weigert schreibt über im Netz publizierte Fotos einer Schießerei vor dem Empire State Building: „Noch bevor die Behörden mit ihrer Abschirmung beginnen, kursieren mitunter die ersten Aufnahmen bei Twitter, Facebook oder Reddit. Und während ausgebildete Journalisten einem Pressekodex folgen, entscheiden Privatleute allein auf Grundlage ihres Gewissens, ob sie bestimmte, die Folgen von Gewalthandlungen darstellende Fotos oder Clips online verbreiten oder nicht. Egal welche Position man selbst zu dieser sensiblen Thematik einnimmt, muss man sich darauf einstellen, dass andere Menschen mit anderen Wertekonstrukten und Auslegungen des Rechts auf freie Meinungsäußerung entsprechende Aufnahmen im Netz veröffentlichten werden.“

3. „MailOnline fooled by fake Isaac photo“
(tabloid-watch.blogspot.ch, MacGuffin, englisch)
Die Herkunft eines von „Mail Online“ als Illustration zum herannahenden Sturm Isaac verwendeten Fotos.

4. „Bund zahlt Journalisten für PR“
(sonntagonline.ch, Yannick Nock)
Das Schweizer Bundesamt für Energie sucht per Ausschreibung einen „unabhängigen Journalisten“: „Ziel ist es, 22 Artikel über die Leistungen des BFE in mehreren Publikationen unterzubringen.“

5. „Wie aus Internet-Plattformen Verlage werden“
(carta.info, Wolfgang Michal)
Wolfgang Michal sammelt Anzeichen für Verlagstätigkeiten großer Internetunternehmen wie YouTube, Twitter, Facebook, Amazon oder Google.

6. „Der Abschied vom ‚Spiegel‘ rückt näher“
(sprengsatz.de, Michael Spreng)
Michael Spreng überlegt, ob er sich von seinem „langjährigen Lebensabschnittspartner“ „Spiegel“ verabschieden soll.