Objektivität, Automatisierung, Shops

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1. "Objektivität im Journalismus: Ende einer Illusion "
(message-online.com, Eugen Epp)
Eugen Epp denkt nach über die Objektivität im Journalismus: "Es mag eine Illusion sein, mit Journalismus die Welt verbessern zu können. Objektive Redaktionen sind jedoch ebenso unrealistisch. Und so stößt jeder Journalist, der Friedrichs’ Zitat außerhalb des luftleeren Raumes von Lehrbüchern und Seminaren reflektiert, sehr bald auf ein zweites Problem: Jeder Journalist ist auch Mensch."

2. "Die Journalistin ist frei geboren"
(kontextwochenzeitung.de, Nina Marie Bust-Bartels)
Nach vier Wochen Volontariat bei "Kontext Wochenzeitung" fasst Journalistenschülerin Nina Marie Bust-Bartels Erkenntnisse über den Journalismus zusammen: "Immer weniger Männer gehen in den Journalismus. 1969 waren noch 85 Prozent aller Redakteure männlich, 2005 immer noch 63 Prozent. Heute sind nur noch 43 Prozent der Volontäre männlich. Das ist oft ein Indikator für den Niedergang eines Berufsstands. Denn Männer wählen ihre Berufe immer noch stärker als Frauen nach Verdienstmöglichkeiten aus. Es sieht so aus, als schwände langsam das gesellschaftliche Ansehen meines Berufsstands."

3. "Falk Schreiber, Kulturjournalist"
(wasmachendieda.de)
Kulturjournalist Falk Schreiber schreibt auf, was er macht: "Ich bemühe mich aber in meinen Texten, meine Person nicht draußen zu lassen. Es geht immer darum, wie ich etwas empfinde, auch aus Fairness. Selbst wenn mich ein in Tränen aufgelöster Künstler am nächsten Tag anrufen würde, hätte ich noch die Möglichkeit zu sagen, das ist ja nur meine persönliche Meinung, es gibt sicher andere Leute, die das anders sehen. Allerdings habe ich so ein Feedback nie."

4. "Nach dem ZDF-Urteil"
(funkkorrespondenz.kim-info.de, Dietrich Schwarzkopf)
Rundfunkhistoriker Dietrich Schwarzkopf schreibt zum zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts über den ZDF-Staatsvertrag: "Die Verringerung der Zahl der politisch-staatlich Exponierten in den Rundfunkanstalten wird nicht den Umfang von Versuchen jenes Einflussnehmens verringern, das durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts beschränkt werden soll."

5. "Roboterjournalismus als Totengräber?"
(netzpiloten.de, Lars Sobiraj)
Der Stand der Automatisierung der Textverfassung: "Noch sind derartige Programme nicht dazu in der Lage, Sprache in alle Bestandteile zu zerteilen, um den vollständigen Sinn der Sätze zu erfassen und korrekt wieder zu geben. Roboterjournalismus funktioniert bisher nur auf Grundlage von einfachen Datensätzen, die strikt einem vorgegebenen Standard folgen müssen."

6. "Skandal-Porno in Gummistiefeln"
(taz.de, Deniz Yücel)
Deniz Yücel stöbert in den Shops von Medienhäusern und stößt auf Hundeleinen, Seidenschals und Kapuzenshirts.

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Ganz blöder Ortsname für Nicht-Ortskundige

Großbrand vernichtet Seniorenheim Neuried

Klitzekleines Problem mit diesem Artikel aus der gestrigen Ausgabe der "Bild"-Stuttgart: Es gab ein Feuer in Altenheim. Nicht im Altenheim.

Altenheim ist ein Ortsteil von Neuried bei Offenburg. Und da hat es gebrannt. In einer Wohnung und angrenzenden Gebäuden: Scheune, Mosterei und Werkstatt. Nicht im Altenheim. In Altenheim.

Und obwohl, zugegeben, die Überschrift der Polizeimeldung, die einfach "Feuer in Altenheim" lautet, für sich gelesen mehrdeutig ist, ist es schon schwerer zu erklären, wie die "Bild" dann zu der falsch verstandenen Meldung gleich ein passendes Detail berichten kann:

Feuerwehrmänner holten die Senioren aus ihren Zimmern, löschten.

Aber vermutlich ist das Lückenausfüllalltag bei "Bild". Muss ja so gewesen sein. Wenn es im Altenheim gebrannt hätte. Und nicht bloß in Altenheim.

Mit Dank an Kerstin H., Bastian M. und Hitradio OHR!

Zum Schämen

Der Text kommt mit persönlicher Empfehlung von "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann. Mit den Worten "Ich weiß, warum ich so gerne in den USA bin!" verlinkte er am Wochenende die aktuelle Kolumne "Wir Amis" von Eric T. Hansen auf "Zeit Online":

Die gute Seite der "Bild"-Zeitung

Die deutsche Linke schimpft gern auf das größte Boulevardblatt des Landes. Unser Kolumnist hält das für überholtes Schubladendenken.

Wer neutral über die "Bild"-Zeitung nachdenke, schreibt Hansen, müsse zugeben, dass sie auch ihre guten Seiten hat. Und nennt dafür folgendes Beispiel:

Ich erinnere mich zum Beispiel an die Reaktion der Presse, als 1992 in Rostock-Lichtenhagen die Ausschreitungen gegen Ausländer losbrachen. Die meisten seriösen Zeitungen berichteten mehr oder weniger sachlich und neutral darüber. Bild aber druckte das Foto des "hässlichen Deutschen" ab: eines besoffenen Passanten, der in die Hose gepinkelt hatte und den Hitlergruß zeigt. Die Überschrift lautete, wenn ich mich nicht irre: "Deutschland, schäm dich." Ich fand die Überschrift passend.

Hansens Erinnerung ist nicht so gut. Ja, die Schlagzeile lautete "Ihr müßt euch schämen", aber abgebildet war nicht der besoffene Passant mit Hitlergruß. Abgebildet waren: Helmut Kohl, Oskar Lafontaine, Björn Engholm und weitere führende Politiker von CDU/CSU und SPD. Und über der Schlagzeile stand: "Deutsche sauer auf Bonner Politiker".

Schämen sollten sich laut "Bild"-Schlagzeile vom 27. August 1992 für die Ausschreitungen nicht die Gewalttäter, sondern die Politiker, weil die immer noch nicht das Asylrecht eingeschränkt hatten, wie es die "Bild"-Zeitung und viele andere Medien schon lange forderten.

"Wenn ich mich nicht irre", schrieb Eric T. Hansen, und vielleicht hätte die Redaktion von "Zeit Online" diese Formulierung ihres Kolumnisten zum Anlass nehmen können, das sicherheitshalber mal schnell nachzuschlagen. Vielleicht hätte es seine Einschätzung der "guten Seiten" der "Bild"-Zeitung verändert, wenn er erfahren hätte, dass er sich irrte, wer weiß.

Jedenfalls hätte er beim Blick ins Archiv viel herausfinden können über den Charakter der "Bild"-Zeitung.

Warum sich die Bonner Politiker "schämen müssen", erklärt "Bild" an jenem Tag im Einzelnen. Wörtlich:

  • Helmut Kohl (CDU) verweist imer aufs Grundgesetz
  • Oskar Lafontaine (SPD) … ist im Urlaub
  • Björn Engholm (SPD) blockierte bis diese Woche
  • Heiner Geißler (CDU) will noch mehr Ausländer
  • Rudolf Seiters (CDU) viele, viele Konferenzen
  • Peter Gauweiler (CSU) Starke Sprüche, starke Sprüche
  • Otto Solms (FDP) Erst Nein, jetzt Jein
  • Gerhard Schröder (SPD) ist gegen Asylrecht-Änderung
  • Heidi Wieczorek-Zeul (SPD) Asyl muß bleiben wie es ist

Am selben Tag schreibt Peter Boenisch in "Bild" einen Kommentar zu den Rostocker Krawallen mit der Überschrift:

Darum sind wir [sic!] so wütend

Darin nimmt er die Zuschauer, die den Gewalttätern bei ihren Angriffen applaudierten, in Schutz:

Nicht nur zornig, sondern wütend sind viele Menschen in Rostock. Die Chaoten nützen das aus.

Die Randale beklatschen, sind keine Neonazis — manche von ihnen nicht einmal Ausländerfeinde.

Sie verstehen die Sprüche und Widersprüche unserer Politiker nicht. Wie soll auch ein Kranführer verstehen, daß bei 1,1 Mio. Arbeitslosen in den neuen Ländern in seiner Schicht von vier Kränen drei von Rumänen gesteuert werden — für Dumpinglöhne.

Drei Deutsche gehen stempeln und drei Rumänen arbeiten bei uns für ein Butterbrot.

So wird Ausländerfeindlichkeit nicht bekämpft, sondern gezüchtet.

Die "Bild"-Zeitung hat in den Tagen zuvor auch die Ausschreitungen, die "Chaoten" und "neuen Nazis" kritisiert. "Seid ihr wahnsinnig!" titelt sie über den Beifall der Schaulustigen, als Rechtsradikale versuchen, das "Asylantenheim" zu stürmen. Die "Schuld" an den Angriffen aber sieht "Bild" allein bei der Politik.

"Bild" sorgt sich angesichts der Gewalt offenkundig weniger um die Ausländer als um das Bild Deutschlands in der Welt. Am Tag nach der "Ihr sollt euch schämen"-Schlagzeile macht das Blatt so auf:

Ausland schimpft: Ihr Deutschen seid Nazis

"Bild"-Mann Sven Gösmann, der es heute zum Chefredakteur der Nachrichtenagentur dpa geschafft hat, empört sich darin:

Jetzt prügeln sie auf uns rum: "Nazis", "Kristallnacht", "Ausländerfeinde". Unsere europäischen Nachbarn beschimpfen uns alle nach den Rostocker Krawallen als die "Häßlichen Deutschen". Wie sie schimpfen, und wie sie es selbst mit den Asylanten halten — Seite 2.

Gösmanns Artikel auf Seite 2, erschienen nach Monaten und Wochen mit Angriffen von Deutschen auf Ausländer, trägt die Überschrift:

Das Ausland prügelt wieder auf die Deutschen ein

Auch in den Tagen und Wochen nach den Ausschreitungen kämpft "Bild" gegen eine ausgeruhte Debatte und heizt die Stimmung weiter an:

"Bild"-Kommentator Boenisch legitimiert am 14. September schon vorauseilend mögliche weitere Ausschreitungen, wenn die Politik nicht unverzüglich im Sinne seines Blattes und des Mobs handele:

Die Wartezeit für Bonn ist um. Es ist Tatzeit.

Sonst wird die Straße zum Tatort.

So war sie damals, die Berichterstattung der "Bild"-Zeitung; das, was der amerikanische "Zeit Online"-Kolumnist Eric T. Hansen mit seinem schlechten Gedächtnis als die "gute Seite der 'Bild'-Zeitung" erinnert, wenn er sich fragt, was die Linken mit ihrem Schubladendenken eigentlich bloß immer gegen dieses Blatt haben.

Stellvertretender Chefredakteur und verantwortlich für die Politik-Berichterstattung der "Bild"-Zeitung im August 1992 war übrigens: Kai Diekmann.

Nachtrag, 23. April. Eric T. Hansen hat in den Kommentaren unter seiner (unveränderten) Kolumne reagiert:

Die Bildblog.de hat mich zurecht darauf hingewiesen, dass ein Satz in meiner Kolumne von Sonntag, in der ich die Kritik der Bild Zeitung kritisiere, nicht stimmte: Ich hatte aus dem Gedächtnis eine Überschrift der 90er (wohlwollend) wiedergegeben, die es gar nicht gab. Ich war fahrlässig, es nicht vorher zu überprüfen, und jetzt ist es mir ziemlich peinlich.

Native Advertising, Flattr, Babyhandel

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Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. "Breiter geht’s nicht"
(tagesspiegel.de, Markus Ehrenberg)
Hat die "Tagesschau" ein Foto eines Strands in Südkorea verfälscht? Kai Gniffke, Chefredakteur ARD-aktuell, nimmt wie folgt Stellung: "Bei der Bildbearbeitung gelten bei uns strenge journalistische Kriterien. Das Foto vom Strand wurde inhaltlich nicht verfälscht. (…) Dennoch haben wir beschlossen, solche Veränderungen künftig nicht mehr zuzulassen, damit kein Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Tagesschau aufkommt."

2. "Flattr: Der Button für Häme und Schadenfreude"
(blogs.taz.de/hausblog, Sebastian Heiser)
Für welche Storys "taz"-Leser den Flattr–Knopf drücken: "Unsere Leser honorieren nicht die Artikel am stärksten, bei denen der Rechercheaufwand am größten ist, wir besonders ausführlich über Hintergründe berichten oder über Themen aus Regionen berichten, über die sonst niemand berichtet. Unsere Leser klicken auf den Flattr-Button, wenn es im Artikel gegen die Lieblingsfeinde unserer Leser geht. Und je deftiger wir austeilen, desto klicker."

3. "Die Seelen-Verkäufer von 'Spiegel Online'"
(stefan-niggemeier.de)
Was der "Spiegel" über Native Advertising schreibt und wie "Spiegel Online" damit umgeht.

4. "Gelöschte Kommentare sind keine Zensur: Was ist 'Meinungsfreiheit'?"
(scienceblogs.de, Florian Freistetter)
Florian Freistetter behandelt die Freiheit der Meinungsäußerung: "Ich habe sehr viele Meinungen zu sehr vielen Themen – aber ich habe deswegen zum Beispiel nicht das Recht, meine Meinung auch in der 'Tagesschau' verkünden zu dürfen oder meine Meinung in einem Leitartikel in der FAZ zu veröffentlichen. Ich kann zwar der Chefredaktion einen Brief schreiben und sie bitten, meine Meinung zu publizieren. Aber wenn sie das ablehnt, dann ist das keine Einschränkung meines Rechts auf freie Meinungsäußerung."

5. "'Sunday Times' trifft auf TV-Sender: Wenn Journalisten zu Babyhändlern werden"
(spiegel.de, fln)
Beim Versuch, Babyhandel in Bulgarien nachzuweisen, treffen britische und bulgarische Journalisten aufeinander.

6. "Ist es Liebe?"
(journal21.ch, Sabine Windlin)
Schweizer Behörden zweifeln an der Liebe zwischen Bergbauer Guido und Buchhalterin Odalys.

Alfred Draxlers Einführung in die Medienethik

Alfred Draxler, der ehemalige Vize-Chefredakteur und Ober-Sportchef der "Bild"-Zeitung, hat am Sonntag bei "Günther Jauch" mal e­rzählt, wie Journalismus funktioniert. Also nicht dieser Schweinepressejournalismus, sondern der richtige. Der verantwortungsvolle, penible, juristisch, moralisch und ethisch einwandfreie Journalismus. Der Journalismus also, den "Bild" pflegt — laut Alfred Draxler.

Leider hat er bei seinen Ausführungen die Beispiele ganz vergessen. Aber kein Problem, liefern wir sie eben jetzt nach. Beginnen wir mit …

Alfred Draxlers Einführung in die Medienethik, Teil 1

Das Interesse der Menschen [am Fall Schumacher] ist riesengroß. Als Journalist hat man dann halt die Aufgabe, zu filtern und zu entscheiden: Was kann man machen, was kann man nicht machen.

Ein Beispiel. Gerade in der ersten Zeit nach dem Unfall wurden die Angehörigen von Michael Schumacher jedes Mal von etlichen lauernden Fotografen umzingelt, sobald sie die Klinik betraten oder verließen. Schumachers Managerin Sabine Kehm berichtete bei "Günther Jauch", dass die Familie sogar Sicherheitskräfte engagierte und alternative Zugangswege auskundschaftete, um sich nicht immer wieder durch den Pulk von Kameraleuten und Fotografen quälen zu müssen – ohne Erfolg.

Die Redaktionen bekamen täglich Dutzende solcher Fotos geliefert und mussten entscheiden: Kann man oder kann man nicht machen?

"Bild" meinte: Kann man.

11.03 Uhr - Corinna Schumacher kommt an Klinik an - Schumis Ehefrau Corinna ist um 9.49 Uhr wieder an der Uni-Klinik in Grenoble angekommen, wird ihrem Mann auch heute beistehen.15.23 Uhr - Papa Rolf bringt Pizza - Schumis Vater Rolf kümmert sich um die Familie: Um 15.04 Uhr bringt er neun Pizzas zu den Wartenden in die Klinik. 18.50 Uhr - Corinna verlässt die Klinik - Corinna Schumacher verlässt um 18.18 Uhr die Klinik in Grenoble. Auch heute war sie wieder bei ihrem Michael.

Die Kliniktür-Klickstrecken endeten erst, nachdem ein Absperrgitter zum Schutz der Angehörigen aufgebaut worden war. Heißt: Zum "verantwortungsvollen" Journalismus der "Bild"-Zeitung gehört auch die Veröffentlichung solcher Fotos. Solange sie nicht massivst daran gehindert wird.

Alfred Draxlers Einführung in die Medienethik, Teil 2

[Im Fall Schumacher] strömen auf die Redaktionen unglaublich viele Informationen ein – angebliche Informationen. Sei es der Kollege Alesi von Schumacher, seien es Ärzte, die eine Ferndiagnose machen. Und es ist unsere Aufgabe, damit verantwortungsvoll umzugehen, und ich glaube, das gelingt uns.

Sabine Kehm hatte zuvor erzählt, dass es jedes Mal eine Belastung für die Familie sei, wenn Äußerungen wie die von Alesi oder Ferndiagnosen unbeteiligter Ärzte von den Medien verbreitet würden.

Und so "verantwortungsvoll" ist "Bild" mit den Äußerungen von Alesi umgegangen:

Und so "verantwortungsvoll" ist "Bild" mit den Ferndiagnosen von Ärzten umgegangen:

"Verantwortungsvoll umgehen" heißt also: konsequent veröffentlichen.

Alfred Draxlers Einführung in die Medienethik, Teil 3

Ich kann da nur für "Bild" und "Sport Bild" und andere Springer-Medien sprechen: Wir prüfen das wirklich – sowohl juristisch als auch moralisch als auch ethisch –, ob wir das überhaupt bringen können. Also: Wir nehmen nicht jede Information und stellen sie ungeprüft in die Öffentlichkeit, sondern das wird schon sehr, sehr, sehr verantwortungsvoll geprüft.

Und erst wenn "Bild" eine Information sowohl juristisch als auch moralisch als auch ethisch als auch sehr, sehr, sehr verantwortungsvoll geprüft hat, wird sie zu einer solchen Titelgeschichte verarbeitet:

Neue Sorge um Schumi - Lungen-Entzündung im Koma!

"Bild" schrie:

JETZT MÜSSEN SICH DIE FANS NEUE SORGEN MACHEN: Bei Schumi wurde nach BILD-Informationen in der vergangenen Woche eine Lungenentzündung diagnostiziert! Die Folgen sind noch nicht absehbar.

Die Meldung wurde sofort von anderen Medien aufgegriffen — und auch wenn einige der Abschreiber durchaus Zweifel hegten und Schumachers Managerin Sabine Kehm die Meldung nicht hatte kommentieren wollen: die "Neue Sorge um Schumi" war in der Welt.

Die Reporter bezogen erneut Stellung vorm Krankenhaus, die internationale Presse bombardierte Kehm erneut mit Anfragen, die "Experten" ferndiagnostizierten erneut drauf los, die Fans machten sich erneut Sorgen, die Freunde und Angehörigen wurden erneut aufgeschreckt.

Dabei stimmten die "BILD-Informationen" gar nicht. Zwei Tage später schrieb das Blatt im vorletzten Absatz eines weiteren Schumi-Artikels:

BILD hatte berichtet, dass in der vergangenen Woche eine Lungenentzündung diagnostiziert worden war. Die Erkrankung liegt aber schon weiter zurück und stellte in dieser Woche nach neuesten Erkenntnissen keine akute Gefahr mehr da.

So viel zum Punkt juristisch als auch moralisch als auch ethisch als auch sehr, sehr, sehr verantwortungsvoll geprüfte Informationen.

Die ganze unnötige Panik wäre nicht ausgelöst worden, wenn "Bild" sich an den Wunsch von Schumachers Managerin gehalten hätte, die immer und immer wieder ausdrücklich und nachdrücklich darum gebeten hat,

das Arztgeheimnis zu respektieren und sich ausschließlich an die Informationen des zuständigen Ärzte-Teams oder Managements zu halten, die die einzigen gültigen Informationen sind.

Aber "Bild" ignorierte diese Bitte.

Die Medien wollen so viele Details wie möglich. Schumachers Familie will aber so wenige wie möglich rausgeben. Die Lücke wird geschlossen mit Spekulationen, Ferndiagnosen, Übertreibungen und Wiederholungen. Oder mit Berichten darüber, dass es nichts zu berichten gibt.

Und damit zu …

Alfred Draxlers Einführung in die Medienethik, Teil 4

Jauch: "Was machen Sie denn, wenn Sie so ein riesiges Interesse feststellen und müssen sagen: 'Es gibt nichts Neues, wir haben nichts'?"

Draxler: "Dann machen wir's auch nicht."

Nun ja …

Bild.de, 4. Januar:

Zu seinem aktuellen Zustand gibt es keine Neuigkeiten.

Bild.de, 16. März:

Weiterhin keine Neuigkeiten bei Schumi!

Bild.de, 10. April:

Unterdessen gibt es zu Schumis gesundheitlichen Zustand keine Neuigkeiten.

Bild.de, 2. Januar:

Aber es gibt ja auch noch genug anderen Quatsch, mit dem "Bild" die Seiten füllen kann:

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So hat "Bild" seit dem Unfall bereits über 40 Artikel veröffentlicht. Viele davon bestehen aus nicht viel mehr als Gerüchten, Fragen, Wiedergekäutem und Geschwafel.

Am 4. April schien es dann aber, als hätte Bild.de tatsächlich etwas Neues zu berichten. Auf der Startseite jubelte das Portal riesengroß:

Schumi geht es besser! - Seine managerin zu BILD: "Es gibt Anzeichen, die uns Hoffnung machen"

Grund für die "neue Hoffnung" war eine Aussage von Schumachers Managerin Kehm gegenüber "Bild":

Managerin Sabine Kehm gegenüber BILD: "Ich kann nur noch einmal sagen: Es gibt Anzeichen, die uns Mut machen."

"Nur noch einmal sagen"?

Ach ja:

Schumi-Managerin macht Hoffnung - "Immer wieder kleine Anzeichen, die uns Mut machen"

Dieser Artikel war ziemlich genau drei Wochen zuvor bei Bild.de erschienen. Er bezog sich auf eine Pressemitteilung von Sabine Kehm, in der es hieß:

Es gibt immer wieder kleine Anzeichen, die uns Mut machen.

Genau das, was sie per Pressemitteilung allen gesagt hatte, hat sie drei Wochen später der "Bild"-Zeitung also noch einmal gesagt. Und die bastelt daraus eine große Neuigkeit.

Andere Medien (und zwar viele, viele, viele, viele, viele, viele, viele, viele andere Medien) rannten erwartungsgemäß blind hinterher und verkündeten, Schumacher gehe es "besser", obwohl einige von ihnen sogar selbst feststellten, dass Kehm genau das Gleiche schon in ihrem letzten Statement gesagt hatte.

"Bild" hatte den alten Stand kurzerhand als neuen verkauft (und alle anderen nahmen es ihr ab). Wenn Alfred Draxler also sagt: "Machen wir nicht", meint er "nicht" im Sinne von: "doch".

Alfred Draxlers Einführung in die Medienethik, Teil 5

Da ist kein Journalismus, das ist Schweinepresse!

Die womöglich zutreffendste Aussage Draxlers in der gesamten Sendung. Er meinte die billigen, bunten Klatschblätter. Mit denen will er unter keinen Umständen auf eine Stufe gestellt werden. Schon am Anfang der Sendung hatte er darauf bestanden, dass man "sehr differenzieren" müsse, "was die Art der Medien anbelangt", denn da gebe es durchaus "Abstufungen".

Es kommt ihm freilich sehr entgegen, dass es da noch einen Bereich in der Presselandschaft gibt, der noch mieser, noch krawalliger und noch skrupelloser zur Sache geht als die "Bild"-Zeitung. Gegen die Regenbogenpresse wirkt sein Ex-Blatt ja auch in der Tat nicht mehr ganz so schlimm. Zumindest auf der ersten Blick.

Rein inhaltlich haben "Bild" und die Regenbogenblätter in den vergangenen Wochen aber durchaus Parallelen gezeigt. Natürlich: Im Wahrheit-Verzerren sind die Klatschblätter ungeschlagen. Aus einer banalen Kleinigkeit wird auf derm Cover schnell mal eine riesige Schocktränentragödie. Oder aber ein "Zeichen der Hoffnung", wie in diesem Fall:

Endlich! Michael Schumacher - Das erste Zeichen der Hoffnung!

Das Blatt suggeriert, Schumachers Zustand habe sich gebessert — dabei steckt hinter der Schlagzeile lediglich das Gerücht, dass Schumachers Glücksarmband angeblich wiedergefunden wurde.

Die "Bild"-Zeitung hatte bei der Überschrift allerdings eine ganz ähnliche Idee…

Glücksarmband im Schnee gefunden - Hoffnungs-Zeichen für Schumi?

… ließ ihre Leser aber immerhin nicht im Unklaren über den Kern der, äh, "Nachricht":21 Tage nach Horror-Unfall - Schumis Glücksbringer im Schnee gefunden!

Einige Journalisten scheinen fest davon überzeugt zu sein, sie hätten Anspruch auf eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung mit neuen Einzelheiten; manche drehen sogar dermaßen am Rad, wenn Schumachers Managerin "nichts zu berichten" hat, dass man ihnen am liebsten die Tastatur wegnehmen möchte.

Und so werden die Zeitungs– und Internetseiten — und zwar sowohl in den Boulevard– als auch den Regenbogen– als auch den seriösen Medien — mit Nachrichten gefüllt, die diese Bezeichnung eigentlich gar nicht verdient haben und statt dem Informationsinteresse nur einer Sache dienen: der Gier der Leute, irgendetwas über Michael Schumacher zu lesen. Dass die "Bild"-Zeitung sich dabei nicht ganz so weit aus dem Fenster lehnt wie die Regenbogenpresse, ist klar. Und es kam ihr sehr zugute, dass diese Unterscheidung auch bei Jauch so stark betont wurde, vor allem von Draxler selbst. Guck mal, was die da machen, dagegen sind wir ja nun wirklich nicht schlimm.

Ohnehin profitierte "Bild" in Jauchs Runde enorm von den Vergleichen mit anderen Medien. Auch Schumachers Managerin Kehm sagte, dass sich das Blatt "im Großen und Ganzen fair" verhalten habe und dass sie andere Boulevardmedien als "sehr viel grenzwertiger" empfunden habe. Und natürlich wirkt "Bild" im direkten Vergleich nicht ganz so schlimm wie etwa der unsägliche "News"-Ticker von "Focus Online" oder die Knallblätter der deutschen oder englischen Regenbogenpresse. Aber nur weil die "Bild"-Zeitung noch genug Restskrupel hat, auf der Titelseite nicht einfach zu lügen, Schumacher sei "aufgewacht" oder es gebe ein "Wunder", und nur weil sie nicht jedes Gerücht aufgreift, sondern auch mal eins auslässt, heißt das ja nicht automatisch, dass sie guten Journalismus macht. Es ist lediglich das kleinere Übel.

Es gibt darüber hinaus noch einen bedeutenden Unterschied zwischen "Bild" und der Regenbogenpresse, der bei solchen Vergleichen schnell unter den Tisch fällt. Dieser Unterschied wird gerade am Beispiel der rumgereichten "Bild"-Panikmache wegen der angeblichen Lungenentzündung deutlich.

Wenn die "Bild"-Zeitung etwas schreibt, dauert es nämlich nicht lange, bis andere, auch seriöse und internationale Medien aufspringen, so groß deren Zweifel auch sein mögen. Die Spekulationen der "Freizeit X" werden dagegen allenfalls von der "Freizeit Y" und der "Z für die Frau" aufgegriffen, sie verbleiben im Paralleluniversum der Regenbogenwelt und dringen nur selten ans Licht der breiten Öffentlichkeit. Auch wenn die Auflagenzahlen in diesem Segment riesig sind, erreicht ein Gerücht der Regenbogenpresse nur selten so viele Meinungsmacher wie eines, das von der "Bild"-Zeitung in die Welt gesetzt wurde.

So zieht jede große "Bild"-Schlagzeile ein riesiges Echo nach sich, das selbst dann noch hallt, wenn die ursprüngliche Meldung längst korrigiert oder widerlegt wurde.

Im Fall Schumacher klang dieses Echo unter anderem so:

Michael Schumacher - Jetzt liegt alles in Gottes Hand! - Die schwere Lungen-Entzündung - Die letzten Stunden im Krankenhaus

Dahinter steckt nichts anderes als die Falschmeldung der "Bild"-Zeitung. "die aktuelle" schreibt:

Der Feind in seinem Körper — er macht alles kaputt. Die schreckliche Schock-Nachricht aus Grenoble: Schwere Lungenentzündung. Ausgerechnet jetzt! Das Leben von Michael Schumacher, 45, steht auf Messers Schneide. Sein Schicksal liegt nun allein in Gottes Hand. Dabei hatte es doch schon so gut ausgesehen …

Diesen Artikel hätte es ohne "Bild" nicht gegeben. Viele andere Schumi-Artikel in den Regenbogenbogenblättern auch nicht. Klar: Die Redaktionen hätten sicherlich auch andere Quellen für ihre Schock-Wunder-Dramen gefunden. Aber in vielen Fällen lieferte die "Bild"-Zeitung schon genug Futter für die "Schweinepresse".

All das erwähnte Alfred Draxler in seiner Lehrstunde über verantwortungsvollen Journalismus natürlich mit keinem einzigen Wort.

Königreich, Ehrenmal, Googleismus

6 vor 9

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1. "König bei BILD — ein Märchen aus Wittenberg"
(ndr.de, Video, 6:25 Minuten)
Wie "Bild" und andere Medien einem Mann huldigen, der sich in Lutherstadt Wittenberg zum König des "Königreichs Deutschland" krönen hatte lassen.

2. "Ohne dass die Russen kommen"
(hellojed.de, moritz)
"Weg mit den Russen-Panzern!" am Sowjetischen Ehrenmal im Berliner Tiergarten, fordert eine Petition von "B.Z." und "Bild". Moritz antwortet: "Man kann das Denkmal ästhetisch abstoßend finden, und tatsächlich funktioniert es am besten, wenn man aus der Ansicht von Panzern und Kanonen eine Abscheu gegenüber Krieg entwickelt. Doch auch wenn wir mittlerweile die vierte und fünfte Nachkriegsgeneration erleben, steht es uns nicht zu, den Alliierten des Zweiten Weltkrieges Vorschriften über die Ehrung ihrer Toten und die Gestaltung ihrer Friedhöfe zu machen."

3. "Kritik von unten"
(freitag.de, Matthias Dell)
Was für Erfahrungen Maren Müller, die Initiatorin der Petition "Raus mit Markus Lanz aus meinem Rundfunkbeitrag!", mit Journalisten gemacht hat: "Die Journalisten regen sich nur auf, weil die Kritik mal von anderer Seite kommt. Von unten, von den Leuten, von denen sie leben. Es ist unverschämt, solche Dinge zu sagen: dass man den Leuten, von denen man abhängt, die Kritik verbieten will."

4. "A German business model"
(buzzmachine.com, Jeff Jarvis, englisch)
Bezugnehmend auf den offenen Brief von Mathias Döpfner an Eric Schmidt macht sich Jeff Jarvis lustig über deutsche Printverleger, die Regulierungen für Google fordern, statt den Wettbewerb im freien Markt anzunehmen: "What a humiliating moment it must be for a powerful businessman to admit that he cannot compete in the marketplace. The entire letter struck me as an act of economic self-castration. (…) You’d think Döpfner lived in San Francisco and was a dancer in clown suit blocking Google buses. This is a call for big-government interference in the market we wouldn’t see even from the Guardian or The New York Times."

5. "'Enteignet Google!'"
(heise.de/tp, Markus Kompa)
Ein Kommando "Friede Springer" befinde sich im Kampf gegen den Googleismus, schreibt Markus Kompa.

6. "Storyseller — Wie Amazon den Buchmarkt aufmischt"
(arte.tv, Video, 53 Minuten)

Google, Frau aktuell, Syrien

6 vor 9

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1. "Die Ängste von Springer-Chef Mathias Döpfner"
(netzwertig.com, Martin Weigert)
Martin Weigert liest den heute in der FAZ veröffentlichten offenen Brief von Mathias Döpfner an Eric Schmidt: "'Wem an einem intakten Netz gelegen ist, der muss Google kritisieren', behauptet Döpfner. Einer der Vorkämpfer für das Leistungsschutzrecht, einem netzfeindlichen Gesetz, das niemandem etwas bringt, das Unsicherheit schafft und Innovation verhindert, erklärt den Menschen, wie sie zu einem intakten Internet kommen. Das ist, wie wenn Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un darüber plaudern würde, wie man eine erfolgreiche Demokratie aufbaut."

2. "Wie man taz-Redakteur wird"
(blogs.taz.de, Sebastian Heiser)
Warum Redakteursstellen bei der "taz" nie öffentlich ausgeschrieben werden: "Wer als Berufseinsteiger an eine feste Stelle will, muss also erstmal fragen, wie man an eine befristete Stelle kommt."

3. "How to Lie with Data Visualization"
(data.heapanalytics.com, Ravi Parikh, englisch)
Drei Beispiele, wie Infografiken fehlleiten können.

4. "Wer zuletzt lacht"
(topfvollgold.de, Moritz Tschermak)
"Frau aktuell" liefert ihren Lesern eine Klarstellung zu einer eigenen Fehlinterpretation. Ein Foto zeigte Helene Fischer lachend ("Sie lacht!") statt weinend ("Bittere Tränen um ihre große Liebe!").

5. "Evaporated"
(vanityfair.com, James Harkin, englisch)
Journalisten in Syrien: "Syria is the most dangerous place in the world for journalists. In the last three years at least 60 of them have been killed while covering the conflict there, according to the Committee to Protect Journalists. (…) A few were crazy narcissists or war-zone tourists, but most were serious reporters. Four-fifths of all journalists working in Syria, according to one estimate, are freelance and answering to no one but themselves."

6. "Kinderleicht 02 – Dabei sein ist alles"
(juiced.de, David)
David Vogt (25) wird Vater.

Bild  Bild.de  

Sehen alle gleich aus (8)

Sagt mal, Leute von "Bild", wer ist eigentlich dieser Peter Dinklage, den Ihr da neulich am Filmset in Hamburg getroffen habt?

Peter Dinklage ist einer der erfolgreichsten US-Schauspieler.

Ah ja. Und wo spielt er so mit?

Er ist der Superstar aus dem Serien-Kracher "Game Of Thrones".

Okay. Und sonst?

Neben vier Staffeln "Games of Thrones" (2011–2014) spielte er etwa in "Die Chroniken von Narnia" (2008) und "Brügge sehen… und sterben?" (2008).

[Szenenfoto aus "Brügge sehen... und sterben?"] Hier gibt er den Partyhengst

Gut, der "Partyhengst" auf dem Foto (zu erkennen an der flotten Mütze) ist in der Tat ein Mann, so wie Peter Dinklage. Und ein Schauspieler, so wie Peter Dinklage. Und kleinwüchsig, so wie Peter Dinklage. Komischerweise heißt er aber gar nicht so wie Peter Dinklage, sondern so wie Jordan Prentice. Was wohl daran liegt, dass er Jordan Prentice ist. Peter Dinklage hat in dem Film überhaupt nicht mitgespielt.

Mit Dank an Martin und Stefan K.

Augstein und Blome, Raketentest, Walkman

6 vor 9

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1. "'Einfach einschalten wäre todesmutig'"
(taz.de, Jürn Kruse)
Oliver Kalkofe spricht über das Fernsehen: "Das Fernsehen hat uns in den vergangenen zehn bis 15 Jahren beigebracht, dass es ein toller Job sei, prominent zu sein: Man würde bewundert, auf der Straße mit Geld beworfen, und dafür müsse man nichts können – außer sich vielleicht mal auslachen zu lassen."

2. "'Die Bundesregierung stellt die Beziehungen zu den USA über die Privatsphäre'"
(tagesspiegel.de, Christian Tretbar und Harald Schumann)
Glenn Greenwald kritisiert das Verhalten anderer Journalisten zu den Snowden-Leaks: "Unsere führenden Kritiker sind Journalisten, die es falsch finden, Geheimnisse der US-Regierung zu veröffentlichen, obwohl genau das die Aufgabe von Journalisten ist. Es gibt eine sehr enge Zusammenarbeit zwischen den führenden Medien und der amerikanischen Regierung. Die Medien prüfen und recherchieren die Behauptungen der Regierung nicht, sie verbreiten und verteidigen sie nur."

3. "Das Ausländerproblem der Medien"
(tageswoche.ch, Jacqueline Beck)
Jacqueline Beck schreibt über den Umgang von Schweizer Medien mit Migranten: "Redaktoren, die sich auf ihre eigene Einschätzung verlassen, bewegen sich möglicherweise in einer Blase: Sie kommunizieren mit ihresgleichen, der Perspektivenwechsel ist gedanklich wie räumlich aufwendig, nicht selten fehlen dazu die Ressourcen. Wer sich an den Interessen einer vermeintlichen Mehrheit orientiert, läuft wiederum Gefahr, manche Themen zu Selbstläufern zu machen und leisere Stimmen, die ebenfalls relevant wären, zu überhören."

4. "Augstein und Blome kochen!"
(quotenmeter.de, Rob Vegas, mit Video, 4:46 Minuten)
"Harald Schmidt hat im Twitter gesagt, dass ihm in unserer Sendung der Kochaspekt fehlt, und da möcht ich jetzt was machen", sagt Jakob Augstein in der auf Phoenix ausgestrahlten Sendung "Augstein und Blome". Rob Vegas schreibt dazu: "Der Fake-Account von Harald Schmidt ist keine neue Geschichte. Vielmehr weiß wohl langsam auch die letzte Bäckereifachverkäuferin, dass hinter diesem Twitterprofil Rob Vegas steckt. Doch fallen fast jede Woche wieder Journalisten und Gazetten auf die Einträge herein und halten die Einträge für echt."

5. "Oops!… He did it again…"
(wahrheitueberwahrheit.blogspot.de)
Russische und US-amerikanische Raketentests im Vergleich.

6. "KIDS REACT TO WALKMANS (Portable Cassette Players)"
(youtube.com, Video, 7:23 Minuten, englisch)

Glenn Greenwald, Marc Walder, Loni Nest

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. "Es geht nur um die Macht"
(faz.net, Harald Staun)
Glenn Greenwald hat von Edward Snowden geleakte Dokumente veröffentlicht. Zur Frage seiner journalistischen Unabhängigkeit sagt er: "Fast jedes Medienunternehmen wird von sehr reichen Menschen finanziert und kontrolliert. Und die Interessen dieser Leute kollidieren grundsätzlich immer mit der Arbeit der Journalisten. Ich verstehe die Skepsis, ich weiß nur nicht, was an meinem Fall so besonders ist. Im Endeffekt hängt journalistische Glaubwürdigkeit immer davon ab, dass man sie auch demonstriert."

2. "Der gefälschte Tod eines echten Stummfilmstars"
(welt.de, Hanns-Georg Rodek)
"Loni Nest, die wahre, einzige Loni Nest, starb 75-jährig am 2. Oktober 1990 in Nizza", schreibt Hanns-Georg Rodek, und doch stehe in vielen Quellen im Internet aufgrund "einer unverfrorenen Fälschung" etwas anderes. "Binnen zweier Wochen hatten die relevanten Online-Datenbanken Loni Nest 'aktualisiert', im Zuge des großen Abschreibens, das in allen Medien an Stelle der eigenen Recherche getreten ist."

3. "'Tempo ist alles, die Amerikaner haben recht'"
(bazonline.ch, Jean-Martin Büttner und Christian Lüscher)
Der CEO des Ringier-Verlags, Marc Walder, glaubt, dass die Schweizer "vielleicht etwas gar brav" mit ihren Prominenten umgehen: "Die Deutschen machen das besser. Eine intelligente, durchaus auch kritische Auseinandersetzung mit unseren Prominenten ist keine journalistische Stärke in der Schweiz."

4. "Gratis-Mentalität im Web: Werbung muss endlich fair bezahlt werden"
(lousypennies.de, Stephan Goldmann)
Online-Werbung ist zu kostengünstig, findet Stephan Goldmann. "Ein kleiner Trend immerhin macht Mut: Auch viele Firmen haben mittlerweile keine Lust mehr in einem Anzeigenumfeld zu agieren, das sie wahllos neben Single-Börsen und Sanitärbedarf platziert. Viele suchen verlässliche Sponsorenpartner in Nischenseiten, die sie exklusiv oder in einem überschaubaren Konkurrenzrahmen anzeigt."

5. "Mein Vater, ein Werwolf"
(spiegel.de, Cordt Schnibben)
Cordt Schnibben schreibt im "Spiegel" über die Verbrechen seiner Eltern: "Gehört das in die Öffentlichkeit? Ja, denn je länger ich ihre Geschichte recherchierte, desto öfter traf ich auf Leute, die auch dabei waren, ihre Eltern zu durchleuchten. Da schlummern viele Geschichten, die den ganz gewöhnlichen Faschismus und seine Helfer erhellen."

6. "24h Jerusalem 06h-07h"
(arte.tv, Video, insgesamt 24 Stunden)
"24h Jerusalem", ein "dokumentarisches Projekt einer geteilten Stadt. Unter der Projektregie von Volker Heise haben 70 Filmteams einen Tag lang 90 Bewohner Jerusalems in ihrem Alltag begleitet — Menschen jeden Alters, jeder Couleur und verschiedener Religionen."

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