Darf man das Gesicht eines mutmaßlichen Täters zeigen?

Viele Leser haben uns heute empört auf die Berichterstattung über ein Verbrechen in Norddeutschland hingewiesen. Es geht um diese Geschichte:




(Alle Unkenntlichmachungen von uns.)

Der Mann ist gestern festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft geht von einem Mord aus.

Unsere Hinweisgeber kritisieren nun vor allem, dass die Medien ein unverpixeltes Foto des mutmaßlichen Täters zeigen und seinen Klarnamen nennen, also identifizierend über ihn berichten. Auch unser erster Gedanke war: Das dürfen die doch nicht!

Aber: Sie dürfen es. Oder besser gesagt: Sollte der Mann rechtlich gegen die Berichterstattung vorgehen, stünden seine Erfolgschancen nur sehr schlecht.

Das liegt zum einen daran, dass er Politiker ist. Und für die gelten andere Maßstäbe als für Nicht-Politiker, denn: „Personen, die ein öffentliches Amt bekleiden oder eine herausgehobene gesellschaftliche Position innehaben, müssen sich bereits bei geringen Verfehlungen öffentlicher Kritik stellen.“ So schreibt es der Medienrechtler Udo Branahl in seiner Einführung ins Medienrecht — und gibt dazu folgende Beispiele:

Über den Ladendiebstahl eines Landesministers darf zutreffend berichtet werden.

Auch ein Polizeibeamter, der als „Hüter von Recht und Ordnung“ in besonderer Weise öffentlicher Kontrolle und Kritik ausgesetzt ist, muss die Nennung seines Namens selbst bei weniger schweren Delikten eher dulden als ein vergleichbarer Arbeiter oder Angestellter. (…)

Ein Mitglied des Gemeinderats kann sich gegen die Veröffentlichung eines Fotos, das zeigt, dass er während einer Ratssitzung „eingenickt“ ist, nicht erfolgreich zur Wehr setzen.

Und wenn die Gerichte schon bei solch vergleichsweise kleinen Vorwürfen eine identifizierende Berichterstattung erlauben, würden sie es bei einem Mordverdacht wohl nicht anders sehen.

Aber was ist mit der Unschuldsvermutung? Auf Anfrage erklärte uns Udo Branahl: Wenn es so gewesen sei, wie es die Medien schildern — angeblich schoss der Mann aus Wut über seinen Steuerbescheid (niedrige Beweggründe), war während der Tat mit dem Opfer allein in einem Raum und wurde noch am Tatort festgenommen –, spreche einiges für die Täterschaft des Mannes, also auch in diesem Punkt hätte er vor Gericht wahrscheinlich keine guten Chancen.

Kurzum: Aus juristischer Sicht kann man den Medien zum jetzigen Zeitpunkt keinen großen Vorwurf machen.

Und der Pressekodex? Auch der gestattet in bestimmten Fällen die identifizierende Berichterstattung über Tatverdächtige. Voraussetzung ist aber ein erhebliches Informationsinteresse der Öffentlichkeit. Dafür, dass ein solches Interesse vorliegt, spricht zum Beispiel, wenn „eine außergewöhnlich schwere (…) Straftat vorliegt“ oder „ein Zusammenhang bzw. Widerspruch besteht zwischen Amt (…) einer Person und der ihr zur Last gelegten Tat“. Beides trifft, wenn man der Darstellung der Medien glaubt, in diesem Fall zu. Auch halten sich die meisten Medien daran, den Mann als „mutmaßlichen“ Täter zu bezeichnen, die Beschreibungen sind zudem überwiegend sachlich. Sollte sich der Presserat also demnächst mit den Artikeln befassen, wäre es nicht überraschend, wenn er zu dem Entschluss käme, dass kein Verstoß gegen den Kodex vorliegt.

Doch auch wenn die Berichterstattung weder gegen das Gesetz noch gegen den Pressekodex verstößt — ob man sie als Medium so prominent bringen muss, ist natürlich eine andere Frage.

Gerade die Verdachtsberichterstattung ist ein Gebiet, auf dem Journalisten extrem sorgfältig vorgehen müssen. Schon viel zu oft wurden Tatverdächtige von den Medien verurteilt, obwohl sie, wie sich dann später herausstellte, mit der Sache nichts zu tun hatten. Und selbst wenn sie etwas damit zu tun hatten und das sogar gestehen:

Ziel der Berichterstattung darf in einem Rechtsstaat nicht eine soziale Zusatzbestrafung Verurteilter mit Hilfe eines „Medien-Prangers“ sein. (Pressekodex, Richtlinie 13.1)

Mit Dank an Anonym, Torsten K. und T.D.!

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Spiegel, Chefredakteur, Klicks

1. „Analyse der Spiegelcover im Laufe der Zeit“
(achim-tack.org)
Achim Tack analysiert „Spiegel“-Titelbilder von 1947 bis 2014.

2. „Propagandatricks – oder schlichte Versehen“
(tagesspiegel.de, Matthias Meisner)
Zur Bildunterzeile „Russische Kampfpanzer fahren am 19.08.2014 noch unter Beobachtung von Medienvertretern in der Ukraine“ zeigt Wdr5.de ein Foto, das mutmasslich aus dem Jahr 2009 stammt: „Tatsächlich stammte das Bild offenbar aus dem Jahre 2009 und zeigte das russische Manöver ‘Kaukasus 2009′. In diesem Kontext jedenfalls wurde es vor fünf Jahren auf der Internetseite des Fernsehsenders n-tv verwendet.“

3. „Nachruf auf den Chefredakteur“
(welt.de, Peter Praschl)
Peter Praschl stellt den heutigen Chefredakteur dar als einer, der es „jeden Tag allen, allen, allen recht machen muss: Den alten Lesern, die er nicht verlieren darf, den Jungen, die er gewinnen muss; seinen Mitarbeitern, und zwar sowohl den Onlinern als auch den Printern; den Anzeigenkunden, die sehr viel divenhafter geworden sind; den Controllern und Managern, für die er den Laden schmeißt, dem sie ihre Renditen entnehmen, und die ihn dennoch ohne Erbarmen feuern werden, wenn das von ihnen angelegte prognostische Lineal eine Linie nach rechts unten zeigt.“

4. „Wie sich der Journalismus durch Klicks und Traffic verändern wird“
(onlinemarketing.de, Roger Taiber)
Journalisten, die ihr Einkommen mit hohen Besucherzahlen aufbessern: „Viele Zeitungen in den USA arbeiten bereits mit dem neuen Provisionsmodell. Der Journalist erhält ein Grundgehalt und erwirtschaftet den Rest seines Gehalts mit Traffic im Internet.“

5. „When it comes to chasing clicks, journalists say one thing but feel pressure to do another“
(niemanlab.org, Angèle Christin, englisch)
Angèle Christin verbringt über 400 Stunden in verschiedenen Newsrooms und befragt rund 100 Journalisten: „In other words, all media sites now rely on web analytics to make editorial decisions. But this does not mean that they all use and interpret metrics in similar ways. In fact, each editorial department makes sense of traffic numbers differently. There is not one but several ‘cultures of the click.’“

6. „Meine Wohnung wird immer sauberer“
(faz.net, Joachim Lottmann)
Joachim Lottmann berichtet von seinen Erfahrungen mit Airbnb.

Blick, Netflix, Erklärbär

1. „Dumme Nüsse“
(stefan-niggemeier.de, Boris Rosenkranz)
Nach einer schlechten Haselnuss-Ernte in der Türkei rufen Medien die Nutella-Krise aus, denn Nutella besteht zu 13 Prozent aus Haselnüssen.

2. „Wie der Blick Stimmung macht gegen Sozialhilfebezüger“
(agossweiler.wordpress.com)
Andreas Gossweiler analysiert eine „Blick“-Grafik mit dem Untertitel „Die Kosten für Sozialhilfe explodieren“: „Nüchtern analysiert, sind die Zahlen weit weniger dramatisch. Von 1,77 Milliarden Franken (2006) stiegen die Ausgaben auf 2,37 Milliarden (2012).“

3. „Stadion-Einsprecher zeigt die Boulevardzeitung an“
(persoenlich.com)
„Dieser Mann verhindert das neue Stadion“ und „BLICK hat den Querulanten aufgespürt“ schrieb „Blick“ über einen Mann, der Einsprache gegen den Bau eines neuen Stadions für den FC Aarau erhoben hatte. „‘Ich akzeptiere nicht, das ich für die Ausübung eines Bürgerrechts als Verbrecher hingestellt werde’, sagt der Mann gegenüber der SoZ. Die Polizei sieht den Anfangsverdacht für Ehrverletzungsdelikte als gegeben.“

4. „Medien-PR oder auch: Wann muss ich wegsehen“
(grabbelkiste.org, Tante Jay)
Tante Jay gibt Tipps zum Teilen von Bildern im Internet: „Verbrechen geschehen. Kriegsverbrechen geschehen. Das ist nicht zynisch, das ist eine Tatsache. Man kann sie nicht ändern, weil man furchtbare Bilder weiterverbreitet.“

5. „Hinter den Kulissen von Netflix“
(heise.de/ct, Nico Jurran)
Nico Jurran besucht die Netflix-Zentrale in Los Gatos, Kalifornien: „Zu den großen Schwachstellen, die Netflix bei den etablierten deutschen Diensten ausgemacht haben will, gehört der Umgang mit englischsprachigen Produktionen, die nicht immer in der Originalfassung abrufbar sind – und praktisch nie mit Untertiteln. (…) Hinweis: Netflix hat für Nico Jurran die Reise nach Los Gatos bezahlt.“

6. „Warum die Banane krumm ist“
(heise.de/tp, Marcus Hammerschmitt)
Marcus Hammerschmidt sieht den deutschen Journalismus als Erklärbär: „Man kann sich also Vieles wünschen, aber was man bekommen wird, sind die zehn wichtigsten Fakten über Helene Fischer, alles, was man über Fußball wissen muss, oder über das nächste Betriebssystem von XYZ, und neue Antworten auf die Frage, warum die Banane krumm ist.“

Sportteil von „Bild“ rasselt durch den Realitäts-Check

Die Transferphase der Bundesliga neigt sich dem Ende entgegen — heißt: Die Medien geben nochmal Vollgas und spekulieren munter darüber, welcher Spieler wohl zu welchem Verein wechseln wird.

Wie wenig man auf solche Ratespielchen geben kann, zeigt schon das Beispiel von Andreas Bjelland. Die „Bild“-Zeitung behauptete vor zwei Tagen, der Spieler vom FC Twente sei beim FSV Mainz 05 im Gespräch — einen Tag später musste sie aber per Twitter einräumen: Stimmt gar nicht.

Interessant übrigens auch diese Fortsetzung:

Auf der heutigen Pressekonferenz des FSV wurde der Mainzer Manager Christian Heidel gefragt, was in Sachen Transfers denn jetzt eigentlich Fakt sei. Da werde ja momentan viel geschrieben.

Heidel antwortete:

Ich lese auch viele Dinge, teilweise sehr belustigt, muss ich sagen. Aber ich verstehe das ja: Wenn wir nichts sagen, wird einfach was geschrieben – teilweise an den Haaren herbeigezogen.

Also teilweise ist es wirklich unglaublich, manche Namen habe ich noch nie gehört, kannte ich gar nicht – aber es ist halt so, damit müssen wir leben. Und wer uns kennt, wer mich kennt, weiß, dass wir einen Transfer dann bekannt geben, wenn ein Transfer perfekt ist.

Ein Journalist wollte daraufhin wissen:

Wie schwer wiegt es denn, dass ein Wunschspieler dann durch den Medizin-Check fällt? Den hätten sie ja sonst verpflichtet.

Gemeint ist damit eine Geschichte, die die „Bild“-Zeitung heute in der Mainzer Ausgabe gebracht hat:

Manager Heidel antwortete:

Das habe ich heute auch gelesen, das habe ich genauso belustigt zur Kenntnis genommen. Deswegen: Selbst wenn es so wäre, würde ich mich zu solch einer Thematik nie äußern, auch nie äußern dürfen. Ich kann nur eines sagen: Dem Jungen geht’s ausgesprochen gut!

Daraufhin der Journalist:

Ich habe nicht nach dem Medizin-Check gefragt, sondern wie schwer das wiegt, dass kurz vor einer Verpflichtung jemand scheinbar nicht den Medizin-Check besteht und die Transferperiode ja jetzt abläuft.

Manager Heidel:

Und das entscheide Wort war: scheinbar. Ich hab ja gesagt: Wartet doch mal ein bisschen ab! Hab ich gesagt, dass wir einen Spieler aufgrund eines Medizin-Checks nicht verpflichten können? Glaub ich nicht. Das hab ich auch heute irgendwo gelesen – aber was soll ich denn dazu sagen? Wir haben das nie bekanntgegeben, wir haben das nie gesagt, und ich habe ja eben gesagt: Diesem besagten Spieler geht es ausgezeichnet.

Und siehe da: Wenige Stunden nach der Pressekonferenz gab Mainz 05 die Verpflichtung des Spielers bekannt — dessen Wechsel laut „Bild“ eigentlich schon „geplatzt“ war.

Mit Dank an Jessica.

Frontal21, AMSgate, Kriegsreporter

1. „Die Frontal21-Show: Das Munkel-Geschäft der Lerchenberg-Lords“
(indiskretionehrensache.de, Thomas Knüwer)
Thomas Knüwer kritisiert die „Frontal21″-Dokumentation „Die große Samwer-Show: Die Milliardengeschäfte der Zalando-Boys“ (zdf.de, Video, 43:30 Minuten) in aller Ausführlichkeit. „Und nur, um es noch einmal zu schreiben: Die Samwers sind nicht die guten. Doch trieft aus diesem Stück Fernsehen eine Voreingenommenheit und Wirtschaftsfeindlichkeit, die stellvertretend ist für vieles, was ich bei ARD und ZDF sehe. Selbst dubioseste Personen werden dazu Helden aufgebaut, nur weil es in die These passt.“

2. „Ein dubioses Hörproblem“
(taz.de, Sebastian Heiser)
Hat SPD-Politiker Raed Saleh besondere Mühe mit der Grammatik der deutschen Sprache, wie mehrere Medienberichte behaupten? Sebastian Heiser macht einen Vergleichstest.

3. „#AMSgate – eine Chronik“
(e-auto.tv)
Nutzer bezweifeln einen Elektroauto-Test in der Zeitschrift „auto motor und sport”.

4. „An der Front ist der Teufel los“
(tagesanzeiger.ch, Tomas Avenarius)
Tomas Avenarius widmet sich dem Kriegsreporter: „Nüchtern betrachtet hält sich die Notwendigkeit eines Frontbesuchs in Grenzen. Die Aussagen der meisten Kämpfer ähneln denen von Fussballern: Es wird hart, wir geben unser Bestes, sind bereit zu sterben. (…) Was die Krisenritter selten erzählen: Ohne einen fähigen Fixer ist fast jeder verloren, da kann er die Landessprache noch so gut sprechen.“

5. „Wie ich auf einen Hamas-Versteher hereinfiel“
(cicero.de, Petra Sorge)
Petra Sorge schreibt, sie habe den freien Journalisten Martin Lejeune „zu Unrecht“ verteidigt: „Ich hätte früher auf meine Kritiker hören sollen.“

6. „Denn sie wissen nicht, was sie tun“
(juliane-wiedemeier.de)
Nach der Kündigung ihres „Time“-Abos erhält Juliane Wiedemeier einen „Express Letter“ mit dem Aufdruck „Urgent response required to avoid interruption in service“.

Einmal Ente mit ohne Katze

Eine Nachricht schockiert die Welt.



Dieser „Aufreger“ geht ursprünglich auf die L.A. Times zurück. Dort hatte eine Anthropologin vor zwei Tagen behauptet (Übersetzung von uns):

Mir wurde [von der Herstellerfirma] gesagt, dass Hello Kitty keine Katze ist. Sie ist eine Cartoon-Figur. Sie ist ein kleines Mädchen. Sie ist ein Freund. Aber sie ist keine Katze. Sie wurde nie auf allen Vieren gesehen. Sie geht und sitzt wie ein zweibeiniges Wesen. Sie hat selbst eine Katze als Haustier.

Okay. Nehmen wir mal an, das stimmt alles so. Aber was ist dann zum Beispiel mit Micky Maus? Der geht und sitzt schließlich auch auf zwei Beinen und hat sogar einen Hund als Haustier. Aber würde jemand bezweifeln, dass er eine Maus ist? Und was ist mit Donald Duck? Und Bugs Bunny? Und Tom & Jerry? Und Winnie Puuh?

Das englische Blog Kotaku wollte dem katzenfreien Braten auch nicht so recht trauen und hat bei Sanrio, der Herstellerfirma von Hello Kitty, nachgehakt.

Und plötzlich klang die Sache dann doch ganz anders:

Als wir in Sanrios Hauptquartier in Tokio fragten, ob Hello Kitty wirklich eine Katze sei, erklärte eine Sprecherin: „Hello Kitty wurde nach dem Vorbild einer Katze erschaffen. Es würde zu weit gehen zu sagen, dass Hello Kitty keine Katze ist. Hello Kitty ist eine personifizierte, eine vermenschlichte Katze.“

Um sicherzugehen, fragte ich noch einmal: „Also würde es zu weit gehen zu sagen, dass Hello Kitty keine Katze ist?“ Die Sprecherin antwortete: „Ja, das würde zu weit gehen“.

Dieser Blogeintrag ist heute Morgen unter dem schönen Titel „Seid nicht bescheuert, Hello Kitty ist eine Katze“ erschienen und pflückt die Geschichte von der angeblichen Nicht-Katzen-Katze sehr schön auseinander, was Journalisten wie die von „Spiegel Online“, Stern.de, „Focus Online“, dpa und Süddeutsche.de aber nicht davon abgehalten hat, sie im Laufe des Tages trotzdem zu verbreiten. Letztere haben es immerhin geschafft, die neuesten Erkenntnisse in den Text einzubauen und die Überschrift (ursprünglich: „Hello Kitty ist keine Katze“) in „Mensch, Kätzchen!“ zu ändern.

Na, wenigstens bei einem sollte es in Zukunft keine Missverständnisse mehr geben:

Mit Dank an den Hinweisgeber

Entführungen, Pimmel, Robbie Williams

1. „Entführung: Journalisten als lukrative Opfer“
(ndr.de, Video, 5:38 Minuten)
Während sich die USA und Großbritannien weigern, Lösegelder für entführte Journalisten an Terrororganisationen zu zahlen, überweisen europäische Regierungen Gelder in Millionenhöhe.

2. „Robbie Williams ‘sick and violated’ after claims paparazzi stalked family to take pictures of daughter on holiday“
(independent.co.uk, Jenn Selby, englisch)
Robbie Williams empört sich auf Twitter über Ausschnitte aus deutschen Zeitungen. „The former Take That star said he felt ‘sick and violated’ after finding that German newspapers had published images of himself, his wife Ayda Field and his 18-month-old daughter Teddy in swimwear.“

3. „In 8 Schritten zur viralen Überschrift“
(journalist.de, Roy Peter Clark)
Roy Peter Clark gibt Tipps zum Verfassen von Schlagzeilen mit viraler Durchschlagskraft: „1. Empören Sie sich über Ungerechtigkeiten, 2. Seien Sie überrascht oder begeistert, 3. Benutzen Sie einen Motor, 4. Verwenden Sie Zahlen, 5. Sex, Promis, Wunderheilungen: Keine Angst vor klassischen Reizen, 6. Spielen mit der Sprache, 7. Stellen Sie abwegige und interessante Dinge nebeneinander, 8. Erzählen Sie die Geschichte in der Überschrift.“

4. „Das Ende des Journalismus“
(medienblog.blog.nzz.ch, Rainer Stadler)
Rainer Stadler schreibt über den Artikel „Hier gibts die grössten Pimmel!“ (blickamabend.ch): „Es folgt eine 13-teilige Fotoreihe, geordnet nach der durchschnittlichen Grösse der Penisse in den verschiedenen Ländern. (…) Versehen sind die Zahlenwerte mit den Bildern prominenter Personen aus den jeweiligen Staaten, die gerade eine Gestik machen, die in der Bildlegende als Andeuten der Grösse eines Penis umgewertet wird.“

5. „Unter Druck“
(zeit.de, Klaus Raab)
Klaus Raab betrachtet deutsche Wochentitel: „Auch Printmedien folgen einem Quotenprinzip, das gilt nun nicht nur für Focus, Spiegel und Stern. Die verkaufte Auflage ist eine der Währungen, in denen Qualität gemessen wird, weil es keine rein publizistische Währung gibt. Und das hat ähnliche Folgen wie bei den Öffentlich-Rechtlichen. Der schnelle Quotenerfolg wird überbewertet, die längerfristige Entwicklung einer eigenen Identität wird unterschätzt.“

6. „Deutsche! Wehrt Euch!“
(wahrheitueberwahrheit.blogspot.de)
Wie „Focus Online“ mit Bußgeldern für zu schnelles Fahren umgeht.

Bild  

Die nächste Gratis-“Bild“ steht an

Im November will der Axel-Springer-Verlag die Haushalte dieses Landes wieder ungefragt mit Gratis-Ausgaben der „Bild“-Zeitung belästigen. Zumindest hat er das (in etwas anderer Wortwahl) seinen Werbekunden angekündigt (PDF, S. 54). Die „Bild zum Mauerfall“ soll voraussichtlich am 8. November erscheinen.

In der Ankündigung steht auch:

Personen, die ausdrücklich keine Zustellung wünschen und dies anmelden oder eindeutig zum Ausdruck gebracht haben, werden von der Zustellung ausgeschlossen.

Das war auch bei den bisherigen Gratis-“Bild“-Ausgaben so, allerdings wurden beim letzten Mal nicht alle Widersprüche akzeptiert — weil sie nicht rechtzeitig eingegangen seien, behauptete der Verlag.

Damit er sich diesmal nicht mit diesem Argument herausreden kann, haben wir beim Sprecher des Verlags nachgefragt, bis wann die Widersprüche spätestens abgeschickt werden müssen und an welche E-Mail-Adresse sie gehen sollen. Seine Antwort lautete:

[W]ir wissen bisher nur, dass wir uns zum Jahrestag des Mauerfalls etwas Besonderes einfallen lassen. Was das allerdings sein wird, ist im Moment noch völlig offen.

Natürlich. Dabei plant der Verlag die Gratis-“Bild“ schon mindestens seit März. Und vor Kurzem hat er noch mal explizit für das Projekt getrommelt (PDF, S. 16). Nun ja. Sobald er dann mal mit den Widerspruchs-Bedingungen rausrücken will, werden wir sie hier veröffentlichen.

Für eine ganzseitige Anzeige in der „Bild zum Mauerfall“ verlangt Springer übrigens vier Millionen Euro.

Doppelpass, Gerigate, Stinkefinger

1. „Journalismus von morgen – Die virtuelle Feder“
(arte.tv, Video, 89:37 Minuten)
Eine Dokumentation über die Zukunft der Zeitung: „Wie müssen sich Zeitungen verändern, um zu überleben? Oder ist es schon zu spät?“

2. „Exekution durch Hamas: ‘Sehr sozial abgelaufen’“
(ruhrbarone.de, Martin Niewendick)
Martin Niewendick befasst sich mit einem Blogbeitrag von Journalist Martin Lejeune: „Die Frage, die Lejeune hier elegant umschifft, lautet aber: Wie legal ist die Justiz einer Gruppierung, die als Terrororganisation eingestuft wird (und sich entsprechend verhält); die Menschen an Motorräder bindet und bis zum Tod durch die Straßen schleift; die die eigene Bevölkerung als menschliche Schutzschilder missbraucht? Fragen über Fragen, und Martin Lejeune stellt keine einzige davon.“ Siehe dazu auch „Distanz als Lernprozess“ (anlasslos.de, Tilo Jung) und „Stellungnahme zum taz-Vorwurf“ (ruhrbarone.de).

3. „Da platzt das Phrasenschwein“
(zeit.de, Christian Spiller)
Christian Spiller würdigt die Fußball-Talkshow „Doppelpass“: „Das ist die Qualität am Doppelpass: Man wird verschont von den großen Problemen der Fußballwelt, die das Ganze vielleicht mal zum Implodieren bringen könnten. Stattdessen lieber fünf Superzeitlupen von Jürgen Klopps Torjubel plus Interpretation allerseits. Leider ist Udo Lattek nicht mehr dabei.“

4. „‘Gerigate’ – Märchen für Erwachsene“
(suedostschweiz.ch, Dennis Bühler)
Dennis Bühler blickt zurück auf die ersten zehn Tage der „Nacktselfie-Affäre“ um den Schweizer Nationalrat Geri Müller: „In vielem ist der Fall Müller ein Paradebeispiel eines Medienskandals – denn erst durch die Berichterstattung der ‘Schweiz am Sonntag’ wurden die Nacktselfies von Geri Müller zum Skandal, erst die Veröffentlichung und die darauf folgenden Recherchen und aufgedeckten politischen Verstrickungen schufen eine (Schein-)Relevanz.“

5. „Potsdams Linke-Chef zeigt Reporter den Stinkefinger“
(tagesspiegel.de, Henri Kramer)
Sascha Krämer, Kreisvorsitzender der Partei „Die Linke“ in Potsdam, zeigt „einem Reporter der Boulevardzeitungen ‘Bild’ und ‘BZ’“ den Stinkefinger: „Linke-Politiker und die Parteizentrale sahen sich genötigt, auf Distanz zu Krämer zu gehen, der in Potsdam als Direktkandidat zur Wahl antritt.“

6. „Is this the new iPhone 6?“
(youtube.com, Video, 2:20 Minuten, englisch)

Hinrichtungsbilder, Syrien, Klicks

1. „Wie Bilder inszeniert werden“
(deutschlandradiokultur.de, Stefan Maas)
Fernsehbilder als Kompromiss zwischen Politikern und Journalisten.

2. „Bitte nicht wieder Exekutionsbilder!“
(journal21.ch, Peter Studer)
Peter Studer erinnert sich, wie er im Schweizer Fernsehen Hinrichtungsbilder veröffentlicht hatte, und zu was das geführt hatte: „Man sah, wenn ich mich recht erinnere, das Stammesgericht über einen angeblichen Ehebrecher, dem zuguterletzt der Hals aufgeschlitzt wurde. Zwei, drei Sekunden davon samt Blutstrahl zeigte unser Sender. Kurz darauf gab es eine wahre Flut von Hinrichtungsbildern der Dschihad-Kämpfer im arabischen Raum: Kniendes Opfer, zum Beispiel eine britische Sozialarbeiterin oder ein gefangener amerikanischer Soldat, Exekution mit dem Schwert, am Boden rollender Kopf. Immer dieselbe Quelle: Der Jihad selber. Er wollte damit ein Allmachtgefühl seines Zugriffs, Schrecken bei den Gegnern erzeugen.“

3. „Journalisten in Syrien leben gefährlich, aber wir brauchen sie!“
(blog.amnesty.de, Geoffrey Mock)
Viele Nachrichtenagenturen und Medieneinrichtungen ziehen ihre Reporter aus Syrien zurück, „und diejenigen, die bleiben, sind auf ihren Reisen extrem vorsichtig“, berichtet Geoffrey Mock: „Wenn Reporter wie James Foley ihre Arbeit nicht machen können, verbreiten sich schnell wieder stereotype Einstellungen und Vorurteile über Gesellschaften, über die wir nichts wissen. Die Kommentare und Analysen bleiben dann denjenigen überlassen, die die Situation nur aus zweiter Hand kennen.“

4. „The New Editors of the Internet“
(theatlantic.com, Dan Gillmor, englisch)
Dan Gillmor fragt, nach welchen Grundsätzen Medienplattformen Inhalte entfernen: „What actual policies are at work? Are the policies being applied consistently? If it’s appropriate to take down these videos and pictures, why not the images of so many others who’ve been the victims of ISIS and other criminals?“

5. „News Feed FYI: Click-baiting“
(newsroom.fb.com, Khalid El-Arini und Joyce Tang, englisch)
Facebook reagiert mit zwei Updates auf klick-ködernde Schlagzeilen: „If people click on an article and spend time reading it, it suggests they clicked through to something valuable. If they click through to a link and then come straight back to Facebook, it suggests that they didn’t find something that they wanted. With this update we will start taking into account whether people tend to spend time away from Facebook after clicking a link, or whether they tend to come straight back to News Feed when we rank stories with links in them.“

6. „Der Wolfgang-Büchner-Preis 2014 geht an den Branchendienst meedia.de“
(blog.borrowfield.de, twschneider)

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