Digitaldealer auf Entzug, Ahnungslos, Italiens Fußball-Hustinetten-Bären

1. Digitale Dealer auf Entzug
(freitag.de, Paul Lewis)
Der „Freitag“ hat einen längeren Aufsatz von Paul Lewis veröffentlicht, der das „Guardian“-Büro für die Westküste der USA leitet. Es geht um einige IT-Entwickler, die sich von den sozialen Medien abwenden. Darunter Leute wie Justin Rosenstein, der Facebooks Like-Button entwickelt hat, und Loren Brichter, der das „Pull-to-Refresh“ eingeführt hat und nun die Schattenseiten seiner Erfindung bereut. Der Digitalkonsum wird nicht nur pauschal mit Glücksspiel oder Drogenkonsum verglichen, sondern die Wirkweisen werden konkret erklärt. Und das ist erschreckend raffiniert und banal zugleich.

2. Wie jetzt, Mark? Zuckerberg spielt vor dem US-Senat den Ahnungslosen
(netzpolitik.org, Alexander Fanta)
„Netzpolitik.org“ hat die Anhörung des Facebook-Gründers Mark Zuckerberg vor dem US-Kongress ausgewertet. Zuckerberg könne den Auftritt als Erfolg für sich verbuchen. Er hätte die Abgeordneten durch Tarnen und Täuschen wiederholt in die Irre geführt.
Weiterer Lesetipp: Die „Washington Post“ hat eine hübsche Zeitleiste montiert: 14 years of Mark Zuckerberg saying sorry, not sorry (washingtonpost.com, Geoffrey A. Fowler & Chiqui Esteban)

3. China zwingt muslimische Minderheit, Überwachungs-App zu installieren
(motherboard.vice.com, Joseph Cox)
Im Westen Chinas, in der Region Xinjiang, leben hauptsächlich muslimische Uiguren. Angehörige dieser ethnischen Minderheit wurden von der chinesischen Regierung nach Medienberichten gezwungen, das Spionage-Programm „JingWang“ auf ihren Handys zu installieren. Die App durchsuche das Handy nach „terroristischen und illegalen religiösen Videos, Bildern, E-Büchern und Dokumenten“.

4. Wie ein Bericht über „Fake News“ zu „Fake News“ führte
(wuv.de, Franz Scheele)
Viele amerikanische Medien haben sich darüber lustig gemacht, dass „Fox News“ für einen kurzen Moment versehentlich eine für sich nachteilige Grafik zum Thema Leservertrauen eingeblendet hat. Was dabei unterschlagen wurde: Die Grafik wurde wenig später durchaus eingeblendet. Franz Scheele hat den Vorfall aufgearbeitet und kommt zum Schluss, dass die betreffenden US-Medien damit die Ergebnisse einer Studie über „Fake News“ ungewollt bestätigt hätten.

5. Theodor-Wolff-Preisträger Benjamin Piel: Lokaljournalismus sollte nicht das Publikum erziehen wollen
(kress.de, Benjamin Piel)
Benjamin Piel spricht sich in einem Debattenbeitrag gegen „belehrenden“ beziehungsweise „erzieherischen“ Lokaljournalismus aus. Die Welt – selbst die kleine vor Ort – sei komplex und bestehe aus vielen Graustufen statt bloß aus Schwarz und Weiß. Deshalb sei das Publikum auch „dankbar, wenn es spürt, dass jemand sich die Mühe macht, die komplexe Realität anschaulich zwar, aber ohne Verhüllen des Komplizierten schildert. Es gibt fast nie nur eine Wahrheit, sondern viele Wahrheiten, die sich aus unterschiedlichen Wahrnehmungen der Wirklichkeit ergeben. Journalisten tun gut daran, diese Tatsache nicht zu verschleiern, das Publikum mündig zu machen statt es zu bevormunden.“

6. Wie sich Journalisten in Ekstase brüllen
(sueddeutsche.de, Carolin Gasteiger)
Italienische Fußballkommentatoren müssen sich nicht nur gut auskennen, sondern auch gut bei Stimme sein. Carolin Gasteiger hat drei Hörbeispiele herausgesucht, bei denen man spontan mit Kamille und Salbei gurgeln will. Wenn man sich nicht schon vorher eine Tüte Halspastillen in den Rachen geschüttet hat.