Anhörung des Facebook-Roboters, Schreiende Stille, Amokredakteure

1. Das Pokerface
(zeit.de, Julian Heißler)
Facebook muss sich seit dem neuerlichen Aufflammen der Cambridge-Analytica-Affäre unangenehme Fragen stellen lassen. Nun hat es auch den Chef erwischt: Der US-Senat hatte Mark Zuckerberg zu einer Anhörung eingeladen. Zuckerberg gab sich ernst, reuig und kontrolliert. Kein Wunder: Facebooks Aktienkurs hatte jüngst spürbar nachgelassen. Und zog nach seinem Auftritt prompt wieder an.

Weitere Lesetipps: Spickzettel fotografiert: Auf diese Fragen hatte sich Zuckerberg vorbereitet (spiegel.de)
Und: Was wir Herrn Zuckerberg gerne mal ganz naiv fragen würden (netzpolitik.org, Alexander Fanta)
In Europa will sich Zuckerberg keiner Befragung stellen. Sollte er aber doch mal in den Bundestag zitiert werden, hat Netzpolitik.org schon mal ein paar passende Fragen bereit.


Wem nach etwas Aufheiterung ist: Im Twitch-Chat wurde während der Übertragung der Anhörung fleißig am Zuckerberg-Robot-Meme gewerkelt: Twitch roasts Mark Zuckerberg the only way that Twitch can (polygon.com, Julia Alexander)


2. Wo bleibt der Aufschrei?
(spiegel.de, Christoph Sydow)
Am vergangenen Freitag hat die israelische Armee bei den Protesten im Gazastreifen den palästinensischen Journalisten Yaser Murtaja erschossen. Dieser stand mehr als hundert Meter vom Grenzzaun entfernt und trug eine Schutzweste mit der Aufschrift „Press“. Israels Verteidigungsminister Avigdor Lieberman ist sich keiner Schuld bewusst: „Man muss verstehen, dass es keine unschuldigen Menschen in Gaza gibt. Jeder ist mit der Hamas verbunden, die werden alle von der Hamas bezahlt“. Nahost-Kenner und „Spiegel“-Redakteur Christoph Sydow wundert sich, warum sich in Deutschland kaum ein Journalist über den Vorfall aufregt und stellt fest: „Murtajas Tod wird achselzuckend zur Kenntnis genommen. Das ist falsch.“

3. „Ein Mann“, Max M. oder Max Mustermann?
(deutschlandfunk.de, Francisca Zecher & Henning Hübert)
Viele Medien haben den Namen des Amokfahrers von Münster genannt, nicht jedoch der „Deutschlandfunk“. Der Name habe für die Hörerinnen und Hörer keinen Nutzen oder Mehrwert. Außerdem mahne der Pressekodex in solchen Fällen zur Zurückhaltung. Es habe jedoch schon Ausnahmen von dieser Praxis gegeben, so Francisca Zecher aus der „DLF“-Nachrichtenredaktion.

4. MDR darf Aufnahmen von Tierquälerei zeigen
(sueddeutsche.de)
In einem Bericht über Missstände in Bio-Hühnerställen hatte der MDR 2012 heimliche Filmaufnahmen gezeigt. Dagegen wehrte sich der Betreiber der Anlage juristisch und verklagte den Sender auf Unterlassung. Jetzt hat der BGH die heimlichen Filmaufnahmen für rechtens erklärt.

5. Fahndung wegen 6.400 Euro
(taz.de, Sebastian Erb & Martin Kaul)
Neuigkeiten in Sachen Keylogger-Affäre: Der frühere „taz“-Redakteur Sebastian Heiser wird nun per Haftbefehl gesucht. Heiser war wegen Ausspähung von Daten verurteilt worden, nachdem er dabei erwischt wurde, wie er einen als USB-Stick getarnten Keylogger von einem Rechner abzog. Wie sich später herausstellte, hatte er über ein Jahr lang Kolleginnen und Kollegen ausspioniert. Nach dem Auffliegen kam das Ausfliegen: Der frühere „taz“-Redakteur soll mittlerweile in Südostasien leben. In einem Land, das über kein Auslieferungsabkommen mit Deutschland verfügt.

6. Live: Alles, was n-tv und Welt nicht so genau wissen
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
In Zusammenhang mit der Amok-Fahrt in Münster hatte die Polizei auf Twitter darum gebeten, nicht über das Motiv des Täters oder den Tathergang zu spekulieren. Die privaten Nachrichtensender „n-tv“ und „Welt“ (ehemals: „N24“) sahen das anders und haben aus dem Vorfall ein Boulevardstück zusammengezimmert, in dem geraunt und fantasiert wurde, dass sich die Einschaltquotenbalken bogen. Nach Lektüre der Aufarbeitung von Boris Rosenkranz bei „Übermedien“ fragt man sich, wie den vermeintlichen Nachrichtenprofis so etwas geschehen konnte: War es Inkompetenz, Fahrlässigkeit oder ignoranter Vorsatz?