Das erste Kind

Im Jahr 1996 wurde erstmals das Vogelgrippe-Virus H5N1 isoliert, 1997 die erste Infektion am Menschen bekannt.

Den Beginn der ersten richtigen H5N1-Welle legt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf Mitte 2003 fest.

Seit Dezember 2003 bis gestern (wir befinden uns inzwischen in der dritten Vogelgrippe-Welle) wurden laut WHO 126 H5N1-Infektionen an Menschen nachgewiesen, 64 davon mit tödlichem Ausgang.

Heute berichtet Bild.de über einen weiteren Infektions-Fall:

Und natürlich ist das tragisch. Für den 18 Monate alten Worawuth Ruasrichan, um den es geht, und selbstverständlich auch für seine Familie.

Ein Grund zu neuer, größerer Sorge als bisher ist es indes nicht. Denn Worawuth ist, anders als Bild.de behauptet, keineswegs das erste mit H5N1 infizierte Kind. Bereits am 13. Januar 2004 gab es zwei bestätigte Fälle von H5N1-Infektionen an vietnamesischen Kindern. Bei 13 weiteren Kindern bestand der Verdacht, dass sie mit dem gleichen Erreger infiziert waren. Auch in Thailand, dem Land aus dem auch Worawuth stammt, wurden bereits im Januar 2004 H5N1-Infektionen an einem sieben- und einem sechsjährigen Jungen nachgewiesen.

Sieht man sich nur die dritte Vogelgrippe-Welle an, deren Beginn die WHO für Dezember 2004 ansetzt, so stellt man fest, dass es unglücklicherweise einige mit Vogelgrippe infizierte Kinder gab. So berichtete die WHO am 6. Januar 2005 über einen sechs- und einen neunjährigen mit H5N1 Infizierten, am 28. Januar über ein 10- und ein 13-jähriges Mädchen, am 4. April über zwei Mädchen im Alter von 13 und zehn Jahren und über eines im Alter von vier Monaten. Am 12. April war es ein Achtjähriges Mädchen, usw.

Zuletzt hatte die WHO vor rund drei Wochen eine H5N1-Infektion in Thailand bestätigt. Es handelte sich um einen siebenjährigen Jungen, der sich glücklicherweise auf dem Weg der Besserung befand.

Mit Dank für den sachdienlichen Hinweis an Tom B.

Nachtrag, 16.11.05:
Wie wir gerade feststellen, hat „Bild“ nicht nur in der Online-Ausgabe über das angeblich erste mit H5N1 infizierte Kind berichtet. In der Druckausgabe war die Geschichte bereits am Montag genau so falsch auf der Titelseite:

Mit nochmaligem Dank an Tom B.