Türkische Journalisten, kontrollierte Bilder, erfolgreicher „New Yorker“

1. Ein Maulkorb für die Pressefreiheit
(taz.de, Beyza Kural)
Tunca Ögreten, Ömer Celik, Metin Yoksu, Mahir Kanaat, Eray Sargin und Derya Okatan — diese sechs türkischen Journalisten stehen ab heute vor Gericht. Sie hatten mithilfe von gehackten E-Mails über merkwürdige Geschäfte von Berat Albayrak, Energieminister der Türkei und Sohn von Recep Tayyip Erdogan, berichtet. In der „taz“ geht es um die Vorwürfe gegen die Journalisten und die Verbindung des Prozesses zu Deniz Yücel. Die „Reporter ohne Grenzen“ fordern die türkische Justiz auf, „die Anschuldigungen gegen sechs Journalisten fallenzulassen“.

2. Wie die ‚Bild‘-Zeitung eine Massenschlägerei unter Linken erfand
(vice.com)
„Linke verprügeln aus Versehen Linke“, denn „sie dachten, es wären Rechte“, steht bei Bild.de in Überschrift beziehungsweise Dachzeile. Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht, wie das Team von „Vice“ recherchiert hat: „Linke, die ‚aus Versehen‘ Linke verprügeln, wie Bild schreibt — das hat es so nicht gegeben. Es ist nicht klar, wer die Angreifer waren, die Polizei konnte bislang nur mit den Opfern sprechen. Die wiederum lehnen es ab, als ‚links‘ bezeichnet zu werden.“

3. Die Kontrolle über die Bilder
(derstandard.at)
Sebastian Kurz könnte Österreichs nächster Bundeskanzler werden. Der ÖVP-Obmann führt derzeit „Annäherungsgespräche“ mit den Chefs anderer Parteien. Zu diesen Gesprächen war bisher nur ein einziger Fotograf zugelassen, und den hat die ÖVP engagiert. „Der Standard“ spricht von einer „zensurähnlichen Maßnahme“ und will das Spiel nicht mitspielen: „In Zukunft wird DER STANDARD davon absehen, solche Fotos, die von Parteizentralen vorsortiert und ausgegeben werden, zu verwenden. Und wenn doch, weil sie eben Zeitdokumente sind, dann nur mit einer entsprechenden Erklärung dazu.“

4. Der New Yorker
(zeit.de, Christoph Amend)
Seit 1998 ist David Remnick Chefredakteur des „New Yorker“. Unter ihm bekam das Magazin neuen Schwung, hat heute eine Rekordauflage von 1,2 Millionen wöchentlich verkauften Exemplaren und steht besser da als „Time“, „Newsweek“ oder „Vanity Fair“. Christoph Amend hat Remnick in New York besucht und nach der Zauberformel fürs Magazinmachen gefragt.

5. Attila Hildmann, Susanne Kippenberger und die Imbiss-Höhle
(facebook.com, Peter Breuer)
Veganer Koch eröffnet Imbissbude. Kritikerin verreißt Imbissbude. Veganer Koch dreht bei Facebook wegen Kritik durch. Alle reden über Imbissbude. Peter Breuer ärgert sich zurecht über eine Posse, in der alle alles falsch (und einige auch einiges richtig) gemacht haben. Am Ende seines kurzen Textes hat Breuer noch einen Wunsch für das „verschissene Internet“.

6. Gemeinsame PR-Aktion von Medienmagazin journalist und Bayer
(der-freigeber.de, Jens Brehl)
Der „journalist“, das Mitgliedermagazin des „Deutschen Journalisten-Verbands“ („DJV“), hat gemeinsam mit der Bayer AG einen Workshop veranstaltet. Diese PR-Aktion unter dem Titel „Landwirtschaft von morgen“ stelle „eine extreme Nähe eines Mediums zur Wirtschaft“ dar und sei „Wind auf die Mühlen der Diskussionen über gekaufte Journalisten“, schreibt Jens Brehl. Er hat beim „DJV“ nachgefragt, was das alles sollte.